Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Buchmarketing-Tipps aus dem Großverlag: So entstehen Bestseller bei Blanvalet

Wie macht ein Publikumsverlag ein Buch groß? Johannes Herman von Blanvalet aus dem Hause Penguin Random House gibt Einblicke und hat auch Tipps für alle, die ihr Marketing selbst machen.

22.10.2026 75 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wie macht ein Publikumsverlag ein Buch groß? Johannes Herman von Blanvalet aus dem Hause Penguin Random House gibt Einblicke und hat auch Tipps für alle, die ihr Marketing selbst machen.
Unser heutiger Gast ist Kampagnenmanager und hat zuletzt die Kampagne zu Charlotte Links neuem Roman und ihrem 40-jährigen Verlagsjubiläum betreut.
Er erklärt, wie eine Kampagne entsteht: von der Strategiesitzung, in der Lektorat, Vertrieb, Presse und Marketing gemeinsam entscheiden, welches Buch wie viel Aufmerksamkeit bekommt, bis zur Wahl der Kanäle, von der Großplakatierung bis zur gezielten Online-Kampagne.
Im Mittelpunkt steht immer dieselbe Frage: Für wen ist dieses Buch, und was verspricht es den Leserinnen und Lesern?
Außerdem geht es um die Rolle der Autor:innenpersönlichkeit, den Erscheinungstermin als Teil der Strategie, Pseudonyme für verschiedene Genres, Trends im Buchmarkt und den Umgang mit Kampagnen, die nicht funktionieren.
Speziell für Selfpublisher hat Johannes zudem fünf Tipps mitgebracht, die das Buchmarketing direkt voranbringen können. Hör also unbedingt rein!
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Unser Gast: 
https://www.instagram.com/johannes_von_blanvalet
Buchwerbung: 
https://amzn.eu/d/0hwLJ28Z 
'Das Vermächtnis der Möweninsel' (TERRA GANOVA 2) von Foe de Mar
Johannes' Buchtipp: 
'Kalte Tage' von Charlotte Link 
https://www.amazon.de/Kalte-Tage-Die-Kate-Linville-Reihe-Band/dp/3764507985/
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Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Wie macht ein Publikumsverlag ein Buch groß? Johannes Herman von Blanvalet aus dem Hause Penguin Random House gibt Einblicke und hat auch Tipps für alle, die ihr Marketing selbst machen.

Unser heutiger Gast ist Kampagnenmanager und hat zuletzt die Kampagne zu Charlotte Links neuem Roman und ihrem 40-jährigen Verlagsjubiläum betreut.

Er erklärt, wie eine Kampagne entsteht: von der Strategiesitzung, in der Lektorat, Vertrieb, Presse und Marketing gemeinsam entscheiden, welches Buch wie viel Aufmerksamkeit bekommt, bis zur Wahl der Kanäle, von der Großplakatierung bis zur gezielten Online-Kampagne.

Im Mittelpunkt steht immer dieselbe Frage: Für wen ist dieses Buch, und was verspricht es den Leserinnen und Lesern?

Außerdem geht es um die Rolle der Autor:innenpersönlichkeit, den Erscheinungstermin als Teil der Strategie, Pseudonyme für verschiedene Genres, Trends im Buchmarkt und den Umgang mit Kampagnen, die nicht funktionieren.

Speziell für Selfpublisher hat Johannes zudem fünf Tipps mitgebracht, die das Buchmarketing direkt voranbringen können. Hör also unbedingt rein!

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Transkript

Vera
00:00:01
Er bringt Charlotte Link und andere zum Erfolg. Campaign-Manager Johannes Herrmann von Penguin Random House ist für Blanc Valet zuständig und hat uns tiefe Einblicke gegeben, wie Buchkampagnen in so einem namhaften Verlag durchgeführt werden.
Tamara
00:00:18
Ja, und nicht nur das. Zum einen war das Gespräch super sympathisch, aber Johannes hat auch noch fünf Tipps mitgebracht für AutorInnen, die ihr Marketing selbst machen. Also unbedingt reinhören. Die zwei, Nentwig. Folge 333 von die zwei von der Talkstelle. Wir sind der Podcast übers Schreiben und Veröffentlichen im Verlag und im Self-Publishing. Mir gegenüber sitzt wie immer die liebe Vera Nentwig und ich bin wie immer die meist auch ganz liebe Tamara Leonhardt.
Vera
00:01:00
Doch, so weit und auf der Distanz kriegen wir das geregelt. Ja, und ich springe mal direkt rein, weil in mir brodelt es. Ich hatte nämlich diverseste Abenteuer die letzten Tage.
Tamara
00:01:15
Das ist auch ganz zappelig. Ja, ne?
Vera
00:01:19
Also erstmal war ich am Samstag auf dem sogenannten Spätmart.
Tamara
00:01:24
Ja, erzähl mal.
Vera
00:01:26
Das nennt sich Design- und Vintage-Markt in der Krefelder Südstadt. Oh, das ist also eigentlich die nette Umschreibung für Flohmarkt. Und in meinem kommenden Krimi aufgetrennt, der ja nächste Woche erscheint, liegt die Leiche genau auf diesem Spätmart. Und deshalb hatte ich mir da einen Tisch reserviert und meinen Stand da aufgebaut. Und am Anfang habe ich gedacht, ich fall schon ziemlich auf, weil ich mit meinem neuen professionellen Standdesign gegenüber all die Trödelstände. So. Aber das war absolut mega. Ich habe in vier Stunden knapp 30 Bücher verkauft.
Tamara
00:02:08
Wow.
Vera
00:02:10
Das war wirklich super. Und die Leute, die kamen und der Projektleiter kam vorher schon auf mich zu oder den Leuten angesprochen hätten, weil sie gehört hätten, dass ich da wäre. Also es war richtig toll.
Tamara
00:02:24
Und Fame wäre.
Vera
00:02:26
Ja, zumindest auf dem Flummer. und das war super und ja Meinst du.
Tamara
00:02:32
Es lag da dran, dass du so ein ganz anderes Angebot hattest oder dass die Leute dich inzwischen aus der Zeitung kennen oder was denkst du, was war das Geheimnis?
Vera
00:02:40
Ne, letzteres, also ich glaube, wenn jetzt nicht diese Krimi-Reihe gewesen wäre und auch mit dem Aufhänger der Mord ist genau hier geschehen, dann hätte ich bei Weitem nicht so viel verkauft. Ich habe auch nur drei andere Bücher. Die anderen waren alles Weber und Wozniak. Das war schon alles genau diese Ansprache, die das spielt und so. Aber ist ja egal, das war ja auf jeden Fall gut. Am Montagmorgen hatte ich dann ein Abenteuer der besonderen Art. Besser gesagt, den Ursprung hatte ich schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag, aber ohne dass ich es mitbekommen habe. Nämlich, da ist in der Waschküche, wir haben so eine Gemeinschaftswaschküche, wo alle Waschmaschinen stehen, da ist wohl die Waschmaschine einer meiner Nachbarinnen umgefallen und hat die Wasserleitung aus der Wand gerissen. Und als ich so runterkam und zu meinem Fahrrad gehen wollte, war so überall so zwei, drei Zentimeter Wasser im ganzen Keller. Also wirklich im ganzen Keller. Und da sind zwei große Häuser nebeneinander, die verbunden sind. Es war überall Wasser. Wir haben so einen langen Gang mit diesen Kellerholzverschlägen, wie man das so kennt.
Tamara
00:03:59
Meiner ist der allerletzte.
Vera
00:04:01
Aber auch da ist das Wasser hingekommen. Aber dank meines neuen Profi-Metallschmerz-Rigals, standen meine Bücher ja alle höher.
Tamara
00:04:12
Aber Luftfeuchtigkeit ging noch.
Vera
00:04:15
Ja, ging noch. Also ein, zwei haben sich ein bisschen aufgearbeitet. Aber das war lachendlich sichtbar.
Tamara
00:04:22
Okay.
Vera
00:04:23
Der Rest war dann auch direkt schon das Wasser da rausgewicht, so weit es ging. Ich hatte jetzt Gott sei Dank noch nicht viel... Ich hatte nur so ein paar leere zusammengefaltete Umzugskartons, die waren vollgesogen. Die habe ich natürlich jetzt weggeschissen. Alles andere war unkritisch, war Kunststoff.
Tamara
00:04:42
Aber wie fällt denn eine Waschmaschine um?
Vera
00:04:45
Ja, so genau weiß ich es auch nicht. Ich glaube, das war so ein Turm mit Waschmaschine und Trockner. Und wahrscheinlich war das nicht richtig festgemacht. Aber so genau habe ich das ordentlich gefragt.
Tamara
00:04:55
Und dann gelaufen und quasi sich dadurch bewegt irgendwie.
Vera
00:04:59
Ja, aber mit einer Nacht sonntags läuft das eine Waschmaschine nicht. Also keine Ahnung.
Tamara
00:05:04
Oh nicht.
Vera
00:05:07
Okay. Oder so.
Tamara
00:05:10
Also meine Waschmaschine läuft dann, wenn ich nichts mehr zum Anziehen habe.
Vera
00:05:15
Okay. Ja, gut.
Tamara
00:05:20
Ja, aber Glück gehabt.
Vera
00:05:23
Absolut. Also meine Nachbarn hier, wir haben einen Container vor dem Keller stehen, weil einige haben halt so ihre Steuerunterlagen in Kartons, das ist alles versaut, das ist alles voll Wasser. Das habe ich ja Gott sei Dank alles nicht. Also ich muss sagen, auf Holz klopfen, da habe ich echtes Glück gehabt. Ja, und Abenteuer Nummer drei hatte ich jetzt vorhin. Ich wollte, bevor wir hier die Aufzeichnung machen, ich hatte Mittag gegessen. Ich dachte, mach so einen kleinen Verdauungspaziergang. Und das habe ich dann auch gemacht. Und gehe so um die Ecke. Da hinten ist so eine Bushaltestelle. Und da hinten so auf dem Bürgersteig steht ein verlassener Rucksack. Daneben liegen auch noch relativ edle Handy-Kopfhörer. Wahrscheinlich so iPhone-mäßig sahen die aus. Und sonst kein Mensch weit und breit.
Tamara
00:06:13
Oh, okay.
Vera
00:06:14
Ja, ich dann den genommen und reingeguckt. Da war auch Portemonnaie, Bankkarte. Da war alles drin. So, hab ich ja, was machst du jetzt? Und ja, hab ich die Polizei angerufen.
Tamara
00:06:26
Ja, dich auch.
Vera
00:06:29
Und die haben dann gefragt, was da so drin ist. Und da war auch eine Spritze drin. Ohne Nadel, aber eine Spritze. Da war auch noch ein bisschen Flüssigkeit drin. Ich weiß nicht was. Und dann haben die gesagt, ja, wir gucken mal, Beamten sind in der Nähe, die kommen gleich vorbei und holen ab. Ja, dann musste ich da warten, eine Viertelstündchen, bis dann ein ausgesprochen schnuckeliger Beamter kam. Und ja, die sagten dann, die hätten wohl den Besitzer auch mittlerweile gefunden. Ich hatte ja wohl nicht erklärt, was passiert ist. Ja, okay. Ja, habe ich dann abgegeben. Habe ich mich ja, war ich sehr stolz auf mich eigentlich.
Tamara
00:07:05
Ja, hast du gut gemacht und kannst ja mal irgendwann im Krimi verarbeiten.
Vera
00:07:09
Genau, genau. So, habe ich gedacht, da ist doch alles hier, was hier so passiert bei mir. Da ist ja Action, mein lieber Mann.
Tamara
00:07:17
Ja, da kann ich nicht mithalten. Wobei, ja, also es laufen gerade spannende Sachen auch an. Also, was mich sehr gefreut hat, ich bin am 14. November auf der ersten Buchmesse in Schiffweiler im Saarland. Ist jetzt nicht so eine weltbekannte Stadt, aber ich glaube, es wird sehr cool. Die Martina Straten moderiert, also ist auf jeden Fall da und ich glaube, sie moderiert. Die war ja auch schon bei uns zu Gast. Und dann gibt es noch einen Ehrengast, die Alice Hoffmann. Das ist Hilde Becker von der Familie Heinz Becker, die man ja auch übers Saarland hinaus kennt. Und ja, natürlich ganz viele tolle Ausstellende. Und für die Messe habe ich jetzt Informationen bekommen, dass ich einen Lese-Slot habe. Da freue ich mich natürlich. Und die Wiebke Wimmer und ich planen gerade nochmal die Details für unseren Stand auf der Buch Berlin. Und es wird super, super cool und aufregend. Wir haben einen richtigen Erlebnisstand. Und bei uns gibt es die Rockstar Experience. Also ich freue mich schon mega drauf.
Vera
00:08:27
Welche Standnummer habt ihr jetzt?
Tamara
00:08:29
Wir haben die Standnummer A7.
Vera
00:08:31
A7, da seid ihr noch ein Stück von uns weg, glaube ich, oder? Ich habe die Gänge jetzt nicht im Kopf. Wir sind DORA 8.
Tamara
00:08:38
Ja, ich glaube, es ist nach den Buchstaben sortiert.
Vera
00:08:41
Ja gut, das macht Sinn.
Tamara
00:08:42
Genau.
Vera
00:08:46
Wir machen Standnummern, aber würfeln die dann. Das macht total Sinn.
Tamara
00:08:49
Ja, nee, aber bei Hausnummern ist es andersrum. Da kommt die Zahl zuerst und dann die Buchstaben.
Vera
00:08:54
Das ist auch wahr.
Tamara
00:08:57
Ja, also auf jeden Fall von mir kommen.
Vera
00:08:59
Aber dann würde es ja auch 8D heißen und nicht DA.
Tamara
00:09:00
Ja, das stimmt. Also wir haben richtig coole Sachen vor. Ja. Und ansonsten bin ich hier so mein Kram am vor mich hin basteln und schreiben und machen.
Vera
00:09:15
Ich habe jetzt, ich hatte so gedacht, komm, ich bin jetzt ja nach dem Spätmarkt, jetzt bist du so ein bisschen im Marktschwung. Dann habe ich mal die Werbegemeinschaft aus Grefrath angeschrieben, da wo meine Bienehagen-Krimis spielen. Und weil ich in Erinnerung hatte, dass die so schon mal so vor Weihnachten, so einen Sonntagnachmittag, so als kleinen Weihnachtsmarkt machen. Und hatte da mal angeschrieben, ob sie es wieder machen und ob ich da vielleicht irgendein Äckchen kriegen könnte, um meine Bücher anzubieten. Und da haben sie mich angerufen, ich kann jetzt da meine Tische aufbauen, ich muss nur ein Pavillon haben. Jetzt muss ich schon mal gucken.
Tamara
00:09:51
Da wirst du wohl irgendwer kennen, der dir sowas leihen kann.
Vera
00:09:55
Ich muss mal rumfragen, sonst nur falls da von den Hörenden jetzt jemand ein Pavillon für mich hat, gerne melden. Und ja, da bin ich auch mal gespannt. Und da hoffe ich natürlich dann auch, da noch ein bisschen was zu verkaufen. Ja, und ansonsten schreibe ich jetzt mehr oder weniger fleißig an Biene Band 10. Und so richtig komme ich noch nicht im Flow. Es ist noch ein bisschen hakelig, aber Gott, das wird sich entwickeln. Und ansonsten am 12. November habe ich ja dann die Lesung zu aufgetrennt in der Mediothek in Krefeld. Ja. Ja, ansonsten laufen die Dinge so ihren Gang.
Tamara
00:10:38
Prima.
Vera
00:10:39
Ja, sind wir ausgeredet und können mal zum Gast kommen, oder?
Tamara
00:10:43
Ja.
Vera
00:10:43
Gut, dann machen wir das jetzt, weil da werden wir sicherlich einiges Spannendes erfahren.
Tamara
00:10:50
Jawohl.
Vera
00:10:51
Nämlich heute, wie wir schon angekündigt haben, haben wir jemanden aus den höheren Gefilden der Verlagswelt bei uns. Und ihr wisst, dass uns das immer besonders freut, da mal Einblicke zu bekommen. Er ist nicht aus irgendeinem Verlag, er ist gleich vom größten, nämlich von Penguin Random House. Und dort ist er Kampagnenmanager für Blanc Vallee. Ich freue mich sehr, dass er heute da ist. Die Rede ist von Johannes Herrmann. Hallo Johannes.
Johannes
00:11:18
Hallo Vera, hallo Tamara. Dankeschön für die aller höhere Gefilde. Das ist also sehr gut. Ich sehe mich ja wie so ein Tintenfisch im Mittelfeld. Aber da reden wir gleich drüber.
Vera
00:11:28
Das ist das mit dem subjektiven Empfinden. Die meisten Milliardäre empfinden sich auch als völlig normal.
Johannes
00:11:37
Da bin ich weit davon entfernt. Auch budgetär, wenn ich das erwähne.
Vera
00:11:42
Ich auch. Nein, aber wir kommen ja so mehr aus dem Self-Publishing. Das ist für uns die Einblicke in den Verlagswelten immer was ganz Besonderes und Spannendes. Und ich kann mir zwar so ein bisschen was unter dem Begriff Campaign Manager vorstellen. Wenn ich das sagen darf, hast du zuletzt ja die Kampagne für Charlotte Link gemacht. Ist das richtig? Wie muss ich mir das vorstellen? Was ist denn dann da deine Arbeit?
Johannes
00:12:11
Also ich erzähle gerne aus meinem Job, weil ich meinen Job wirklich, wirklich gerne mag. Ich habe wahnsinnig gerne mit Büchern generell zu tun. In meinem vorigen Job hatte ich eine ganze Weile nur mit so Organisationssachen zu tun. Und das war einfach nicht mein Ding. Das war auch im Marketing angedockt. Aber ich bin so, so, so, so happy, wieder mit Büchern zu arbeiten. Weil wir einfach mit Geschichten und Emotionen, nicht zuletzt auch mit Autoren oder Autorinnen natürlich, zusammenarbeiten. Aber das Verkaufen von Geschichten, das ist mir einfach wahnsinnig nah. Und ich bin auch sehr happy, dass es wieder geklappt hat, dass ich wieder für Blois-Valais arbeite. Eben in unserem großen Haus arbeiten wir ja für verschiedene Labels und ich bin einfach eine Blois-Valette. Also das allererste Leseexemplar. Ja, das ist wirklich so. Darum heißt ja auch mein Instagram-Name Johannes von Blois-Valais, weil ich mich da wirklich so danach damit identifiziere. Mein allererstes Leseexemplar, das muss ich euch kurz erzählen, das war kurz nach der Ausbildung bei Bertelsmann. Das war auch ein Blois-Valais-Buch und das war mein erster historischer Roman. Und es hatte ja auch ein relativ kitschiges Cover. Das ist Andrea Schacht, Der dunkle Spiegel. Da habe ich gedacht, naja, guckst du mal rein, liest du mal, musst jetzt irgendwie verkaufen, gucken wir mal. Und es hat mich total fasziniert, also dieser Einstieg in eine andere Welt, in so eine kleine Zeitreise. Und da habe ich angefangen, mich für mehr und mehr Genres zu begeistern und für das Buch selber. Und das ist auch, wenn wir eine Kampagne planen. Also das ist ja ein bisschen was anderes, als man sich vielleicht vorstellt. Also wir überlegen uns ja nicht.
Vera
00:13:36
Deswegen bist du ja hier.
Johannes
00:13:38
Ich lüfte jetzt ein paar Geheimnisse.
Vera
00:13:40
Ja, genau.
Johannes
00:13:42
Wir räumen mit Vorurteilen auf, das machen wir sehr gerne. Also wir überlegen uns ja nicht, was können wir da für eine Anzeige schalten für das Buch, das wir hier vor uns haben, sondern wir überlegen uns ja immer... Für wen ist dieses Buch, warum will er es lesen und wie können wir es am besten an ihn verkaufen? Und das beginnt wirklich strategisch. Also du brauchst für jedes Buch, und es ist ganz egal, ob es ein neuer Autor ist, eine neue Autorin, ob es ein neuer Stoff ist, ein neues Genre, eine neue Richtung oder ob es jemand ist wie Charlotte Link, wo wir schon viele Kampagnen gemacht haben, wir sagen dann nicht, wir nehmen die letzte Kampagne, tauschen das Cover aus, sondern wir überlegen uns wieder, was ist da anders und wie wollen wir da rangehen? Und das liebe ich daran, ganz am Anfang, wenn noch alles frisch ist, du hast vielleicht noch gar keinen Cover, du bist noch so am Anfang, was ist der Punkt, den wir angreifen? Und das kann zum Beispiel jetzt sein, ein Genre. Du hast ein tolles Genre, da ist die Autorin, ist vielleicht auch eher im Hintergrund, ist vielleicht auch gar nicht eine deutschsprachige Autorin, dann ist es immer noch ein bisschen was anderes. Es ist einfach der Stoff, der gerade am Markt gefragt ist, und wie pusht du diesen Stoff? Es ist auch die ganz besondere Geschichte, es ist vielleicht der Ermittler, es ist einfach der Inhalt, der wirklich sagt, Das ist eine spannende Geschichte für die und die Leser, die genau das suchen, vielleicht von Vergleichsautoren. Manchmal ist die Zielgruppe aber auch total interessant, dass man sagt, das ist so eine spezifische Zielgruppe, da könnten wir jetzt den Stachus damit plakatieren. Das bringt aber nichts, sondern wir machen eine ganz zielgesteuerte Kampagne an die Leser, die das wirklich suchen. Und das ist dann nicht eine große Kampagne mit weniger Geld, sondern einfach nur eine kleine scharfe Kampagne für die Zielgruppe. Ja, manchmal ist es eben natürlich auch die Autorin, die wir als Aufhänger haben. Und das haben wir jetzt dieses Jahr mit Charlotte Link gemacht. Und da hatten wir mehrere Anlässe. Okay, wir haben ein neues Buch, aber wir haben auch ihr Jubiläum gefeiert. Charlotte Link hat 40 Jahre Verlagszugehörigkeit in unserem Haus gefeiert. Das war wirklich was Besonderes. Und das wollten wir ganz, ganz unbedingt auch würdigen.
Tamara
00:15:36
Ja, klar.
Johannes
00:15:38
Natürlich haben wir die Ermittlerin, die Kate Linville, die immer noch ein ganz, ganz starker Charakter ist. Und, wie wir auch wissen, bei ihren Fans, aber auch im Außen hin, ihr Name ist sehr präsent, aber auch ihr Gesicht. Also aus meiner Forschung wissen wir auch, die Charlotte ist auch gesichtsbekannt und drum war für mich ganz klar dieses Mal wieder Autorinnenkampagne. Wir haben neue Fotos gemacht, wir haben sehr lange daran gearbeitet, sie mit dem Buch zusammen zu inszenieren und wirklich gesagt, Natürlich auch ein bisschen inhaltlich. Wir können nicht immer nur sagen, die Neustadt oder die Link, das ist mir dann ein bisschen zu langweilig. Die Nummer 1 ist laut und klar, das muss schon mit drauf. Aber auch so ein bisschen, jetzt führen wir rüber zum neuen Buch und da wäre eben ein Fall tödlicher als die Kälte. Und das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, weil man auch mit Charlotte total gut zusammenarbeiten kann, muss ich so sagen.
Vera
00:16:22
Also erstmal habe ich gemerkt, wir haben schon viel gemeinsam. Wir machen ja diese Sachen auch am meisten Spaß. Ich schreibe ja eigentlich meine Bücher nur, damit ich nachher dann Kampagnen machen kann. So, jetzt ist natürlich bei mir der Unterschied, ich habe bei weitem nicht die Ressourcen und das Budget wie Penguin Rando aus, aber deswegen versuche ich ja von dir jetzt zu lernen. So, wenn du jetzt sagst, aus welchen Bestandteilen besteht denn jetzt konkret so eine Kampagne? Du hast, ihr habt jetzt Fotos gemacht, ihr habt euch überlegt, das ist so der Aufhänger. So, reden wir dann da von Zeitungsanzeigen oder was sind konkret die Werbemaßnahmen?
Johannes
00:17:01
Wie es dann weitergeht. Und dann ist eben genau der Punkt, dann gehen wir in die Kanäle, so nennen wir das. Also dann überlegen wir, wo ist die Zielgruppe? Also brauchen wir Offline-Mann. Das ist schon mal total wichtig. Brauchen wir Offline-Medien für eine klassischere Zielgruppe? Reicht online, wie groß ist das Budget? Da gehen wir sehr, sehr ins Gespräch mit den Fachleuten, die wir auch im Marketing haben. Also ich gehe ja nicht zu Google, ich gehe nicht zur Süddeutschen Zeitung und buche eine Anzeige, sondern da habe ich tagkräftige Kollegen und Kolleginnen, die uns da helfen und die sagen, pass auf, da brauchen wir so und so viel Geld. Und dann streuen wir den ganzen Geldtopf so ein bisschen auseinander und sagen, was macht Sinn, was macht keinen Sinn. Und dann gehen wir einfach in die Feinarbeit. Und bei Charlotte haben wir, das ist kein Geheimnis, ein bisschen größeres Budget, was ihr Erfolg natürlich gerecht wird. Und dann überlegen wir natürlich auch, okay, da machen wir wirklich Out of Home, da machen wir eine Großplakatierung. Aber auch da wieder überlegen, wann ist der richtige Zeitpunkt? Welches Out of Home? Ist es ein Infoscreen, der unten im U-Bahn läuft? Brauchen wir das draußen. Also das ist wirklich sehr, sehr feinklirig und das macht wahnsinnig viel Freude. Und da bin ich eben froh, dass wir ein tolles Team an der Hand haben.
Tamara
00:18:14
Wenn ihr jetzt so eine wirklich große Autorin habt, wie viele Menschen sind da involviert bei so einer Kampagne? Die sich nur um dieses Buch quasi bemühen?
Johannes
00:18:25
Das ist total interessant, weil eigentlich die Menge an Menschen, die ändert sich gar nicht so stark. Sondern es ist wirklich das Budget an Zeit und die Ressource an Menschen und an Geld natürlich, aber Ich arbeite an Personenzahl gar nicht so sehr. Bei mir in Marketing, wir arbeiten dann zu, gut, es kommt schon ein bisschen drauf an, aber ich sage jetzt mal, alles in allem, also inklusive Inhouse-Sachen, also Kolleginnen, die an den Newslettern arbeiten, die unsere Website aufstellen und solche Sachen sind wir sieben Leute. Und dann wird es vielleicht schon mal weniger, weil wir sagen, wir brauchen kein Offline, wir machen nur eine starke Online-Kampagne, wir haben eine ganz klare Zielgruppe, die wir direkt ansteuern, dann lass es vier sein. Aber das ist jetzt nicht, dass man sagt, von eins bis dreißig.
Tamara
00:19:09
Aber schon nett, so die Vorstellung vier bis sieben Leute kümmern sich nur um dein Buch, ne?
Vera
00:19:14
Ja, fände ich auch gut und das nur Marketing.
Johannes
00:19:16
Also wir haben natürlich noch so viele andere Leute, wir haben natürlich auch noch ein ganzes Team, was da ist für Social Media, für Blogger, natürlich und auch die Vertriebsmannschaft, also das ist natürlich schon wir reden ja jetzt von dem Gewässerchen, in dem ich rumschwimme.
Vera
00:19:31
Also ich wäre ja schon froh, wenn nur ein anderer Mensch neben mir da wäre.
Johannes
00:19:34
Aber egal ja und das finde ich ja bei euch Self-Publishern wirklich faszinierend, weil ihr seid ja euer kleiner eigener Verlag. Vera, du bist ja Verlegerin von Vera Publishing, gleichzeitig deine Social Media Beauftragte.
Vera
00:19:47
Ich bin alles. Lagermitarbeiterin und so bin ich auch. Und Poststelle und alles. Wobei, das liebe ich wirklich, ganz ehrlich. Das mag ich total gerne. Also jetzt nur so, ich wäre keine Autorin, die nur so ein Stell-in-Kämmerlein sitzt und schreibt. Das geht gar nicht. Aber ich will doch bei dir so anfangen, weil ich natürlich dann jetzt versuche, möglichst viel von dir mitzunehmen, damit ich so ein bisschen in eure Richtung mich entfülle. Jetzt hast du die ganze Zeit von Zielgruppen gesprochen. Ich nehme mal davon aus, dass ihr diese Zielgruppen erarbeitet, also dein Team, oder kriegt ihr die von den Lektoren gesagt, wir haben das Buch so designt, dass Hausfrauen von 40 bis 47, die gerne Gärtner in die Zielgruppe sind.
Tamara
00:20:34
Oder ich würde vielleicht noch mit anhängen, was mir so durch den Kopf geht, an welcher Stelle im Buchprozess steigt ihr ein quasi oder fängt dieser Feinschliff an?
Johannes
00:20:45
Also das ist das Schöne, dass wir im Team wirklich sehr früh zusammenarbeiten und so starten wir auch jedes Programm. Du brauchst für jedes Programm, das du hast, eine Strategie und darum haben wir auch Programm, Strategie, Sitzungen. Da sitzen wir alle in einem großen Raum, über zwei Tage sind wir eingesperrt, und da sind dann das Lektorat dabei, da ist der Vertrieb, da ist Key Account Management dabei, die Social Media Kolleginnen, Blogger, Presse und eben wir. Wir schauen uns das Programm an und da gibt es noch kein Cover, da ist der deutsche Titel nur ein Vorschlag, da ist auch die Gewichtung innerhalb des Programms ist jetzt erstmal ein Vorschlag vom Lektorat, und das bekommen wir vorgestellt und dann entscheiden wir das alle zusammen, welches Buch braucht, wie viel, um erfolgreich zu sein, eben im Rahmen unserer Ressourcen. Und es kann auch wirklich sein, man kann nicht sagen, ja, aber Marketing, das hilft dir für jedes Buch. Du kannst auf jedes Buch drauf machen, wie kannst du denn das machen? Das mag schon sein, viel hilft viel, wissen wir auch, auch nicht immer. Aber vielleicht haben wir auch wirklich ein Buch, das macht sich stark über die Presse und nimmt es die Pressekolleginnen mit. Oder wir identifizieren Titel als absolute Buchhandelslieblinge und sagen, da geht der Vertrieb wirklich ran, lässt nochmal ein Leseexemplar da, schreibt was ganz Besonderes auf. Also wir sind da sehr früh mit involviert. Bei den Titeln, wo wir auch Marketingkampagnen machen dürfen, schauen wir auch mit auf die Cover. Und das ist was ganz Besonderes. Also wir arbeiten da wirklich so, dass wir alle sagen, wir machen dieses Buch jetzt groß. Und das ist natürlich auch die Verantwortung, dass wir auch zum Schluss, wenn wir das Ergebnis haben, sagen, okay, können wir uns auf die Schultern klopfen oder müssen wir uns überlegen, wo wir was anderes gemacht haben. Wobei, und das ist auch eine ganz tolle Blorbelly-Dynamik, also wir entscheiden wirklich sehr viel gemeinsam. Und wir zeigen nicht Finger auf jemanden, sondern wir erörtern auch, wenn wir mal eine Fehlkampagne haben oder ein Buch, was nicht so funktioniert hat, wie wir das wollten, dann schauen wir uns schon an, woran lag es. Aber dann sagt sich, ja, Herr Hermann, Gott sei Dank. Genau. Und so sind wir eigentlich vom ganzen Prozess, von den ersten Ideen mit dabei. Und das kann ja auch mal vorkommen, bis in der Kaffeeküche. Und dann kommt eine Lektorin und sagt, du Johannes, magst du mal reinschauen? Ich habe dein Buch. Und vielleicht ist es auch kein Marketing, aber guck doch mal. Und wir arbeiten da wirklich sehr vertrauensvoll miteinander.
Vera
00:22:56
Aber wenn ihr da so diese zwei Tage in Klausur setzt, über wie viele Titel redet ihr da?
Johannes
00:23:01
Oh, ja. Dann reden wir über meine Hardcover. Also ich bin ja bei Bloor Valley zuständig für die Hardcover-Titel. Sprich, da haben wir Bloor Valley Hardcover, da haben wir Bloor Valley Quality Paperback und Penhellingen. So, das ist meint. Und da haben wir dann pro Label, ich würde sagen, sechs bis acht Titel. Nur für meine. Da ist natürlich bei ganz vielen klar, da wird es kein Marketing geben, das wird ein Empfehlungstitel oder das ist sowieso für Fans. Auch das ist natürlich ein strategischer Aufbau, den wir manchmal haben, dass wir sagen, okay, das ist Band 1 einer Reihe. Wenn wir da jetzt richtig Gas geben, dann trägt das. Und da haben wir ganz viele Beispiele, die wirklich hervorragend funktioniert haben. Also ich erinnere mich noch an Annette Hinrichs Nordlicht, wo wir wirklich extrem viel gemacht haben und auch der Vertrieb gesagt hat, das ist super. Wir haben Leseexemplar, wir haben wirklich das ganze Paket und auch inhaltlich, die ganze Zeit immer noch sich trägt. Sophie Bonnet jetzt auch wieder auf der Bestsellerliste mit ihrem Provinzialischen Kälte, die ist eine ganz bezaubernde Autorin übrigens. Also das trägt dann auch und dann wissen wir auch, okay, da müssen wir gar kein Marketinggeld draufgeben. Reihe. Haben wir Fans? Wo braucht es aber einen Anschub? Ja, wo müssen wir nochmal Gas geben? Auch das kann innerhalb einer Reihe natürlich mal passieren, Aber das ist dann eben die Gemeinschaftsentscheidung.
Vera
00:24:23
Jetzt ist ja die Frage bei vielen Autoren und Autorinnen, die doch so an den Anfängen stehen und die bei einem großen Verlag unterkommen wollen, Welche Chance hat denn so eine Neuautorin oder ein Neuautor mit seinem Erstlingswerk oder mit dem ersten von euch genommenen Werk, dass dafür dann auch Marketing gemacht wird?
Johannes
00:24:46
Also grundsätzlich hat jedes Buch die Chance und damit steigt ja erstmal die Autorin, der Autor bei uns im Lektorat ein mit einem Autorenvertrag, wo erstmal schon vordefiniert wird, wie ist der Rahmen des Ganzen und des Buches und des Projekts. Also gibt es schon Versprechungen sozusagen, die sagen, okay, das wird ein Spitzentitel oder dass man einfach die Erwartungen, dass man ein gewisses Erwartungsmanagement betreibt und sagt, hey, wir versprechen jetzt keine große Kampagne, wir finden das Buch aber super und wir nehmen es mit mit der Kraft der Begeisterung. Da kann natürlich immer nochmal was passieren. Also wir hatten ganz viele Titel, die wir dann hatten und haben gesagt, boah, das ist einfach genial. Also da ist jetzt nichts Großes versprochen und dann können verschiedene Dinge passieren. Dann kann passieren, dass man wirklich sagt, pass auf, ach Mensch, da machen wir eine kleine Kampagne. Da gibt es zumindest online, da gibt es irgendwie dies und sowas. Wir müssen schon sagen, was wir nicht mehr machen ist, okay, wir machen eine kleine Social-Media-Kampagne. Also wir haben immer ein Grundbudget, wir haben immer ein Grundmaß an Kampagne. Das haben wir jetzt schon in den letzten Jahren gelernt. Es bringt nichts, ich mache ein bisschen was und dann gibt es zumindest 200 verkaufte Exemplare. Also so funktioniert es einfach nicht. Du brauchst ein gewisses Grundrauschen an Kampagne in verschiedenen Kanälen, dass man sagt, jetzt kommt ein spürbarer Erfolg. Also diese Spelle muss man schon erreichen, aber auch darunter kann es Begeisterung einfach geben. Und man darf die Begeisterung bei unserem Job nicht außer Acht lassen. Und darf man nicht kleinreden sozusagen.
Vera
00:26:17
Ja, klar.
Johannes
00:26:18
Weil da wirklich auch so Hausmittel sozusagen auch immer passieren können, dass jemand sagt, okay, wir machen Kofferraumexemplar, ein Exemplar, was man beim Buchhändler lässt, um es einfach gesondert zu empfehlen. Also da kann viel passieren. Ich würde immer mit dem Erwartungsmanagement dem gerecht werden und einfach sprecht mit eurem Lektor, mit eurer Lektorin, weil das einfach wirklich eure Ansprechpartner sind.
Vera
00:26:41
Naja, klar. Aber jetzt ist ja diese Bewertung, du sagtest gerade, als wir da zusammensitzen und dann sagt jemand, das wird ein Spitzentitel und so. Gibt es da irgendwelche harten Fakten, an denen das entscheidet oder ist das alles nur reines Gefühl?
Johannes
00:26:58
Da gibt es. Vera, es gibt harte Fakten im Leben.
Vera
00:27:02
Ja, tatsächlich. Dann nennen wir die mal, damit ich von Spitzentiteln schreiben kann.
Johannes
00:27:07
Ah, Kapitel 3. Erster harte Schritt. Nein. Also es gibt natürlich Kriterien, das ist natürlich ganz klar. Also grundsätzlich, das hatte ich ja schon gesagt, wir denken immer in Programmen und so bauen wir auch unsere Kräfte auf sozusagen, die wir verteilen auf dieses Programm. Und natürlich gibt es da verschiedene Faktoren, die da mit reinspielen. Ein Faktor kann natürlich sein, die Verkaufserfolge von früheren Büchern. Ein Faktor kann natürlich sein, wie ist gerade der Trend auf dem Markt. Ist das ein Genre, das vielleicht in Deutschland noch gar nicht so durchgesetzt ist, aber es kommt langsam. Und natürlich auch, wie hat das Buch gefallen und wie passt es in unseren Verlag und wie passt es zu den Leuten, die wir ansprechen können draußen. Also drum, so gesehen, gibt es harte Fakten natürlich eher weniger. Es ist schon sehr viel Gefühl, aber deswegen liebe ich den Job auch.
Tamara
00:27:59
Aber wenn du sagst, du denkst in Programmen, heißt das, ihr habt so, ein übergreifendes Thema jetzt zum Beispiel und es wäre möglich, dass ein und dasselbe Buch im Frühjahr anders funktioniert oder reinpasst als im Herbst zum Beispiel oder ein Jahr später.
Johannes
00:28:17
Ja, das sowieso. Also wenn ich wirklich von Programmen spreche, Entschuldigung, dann muss ich eure Hörer vielleicht noch ein bisschen besser abholen. Also ich spreche natürlich von Frühjahr, Herbst und dann haben wir noch ein kleines Winterprogramm. Also wirklich die Saison quasi. Und das kann natürlich passieren. Und es kann auch passieren, dass wir sagen, boah, das ist so ein tolles Buch. Buch, das ist ein toller Spannungsroman, das ist ein Kriminalroman, das haben wir denn noch im Programm. Ach, Charlotte Link. Dann hat es jetzt dieser Kriminalroman von der neuen Autorin, dem neuen Autorin natürlich ein bisschen schwieriger. Dann sagen wir, pass auf, dann machen wir den im Frühjahr, Frühjahr 27, haben wir noch nicht so viel Krimi, haben wir keine Charlotte Link, die das überrennt und dann hat es natürlich einen ganz anderen Stellenwert. Und drum ist auch ein wichtiger Hinweis für Autorinnen und Autoren, seid nicht traurig, wenn wir sagen, wir schieben das Buch nochmal. Das hat nichts mit der Qualität zu tun. Das hat nichts damit zu tun, dass wir nicht wissen, was wir damit machen sollen. Manchmal kann es auch was mit dem Cover zu tun haben. Das kann natürlich auch sein, dass die Verpackung und wie wir das anpacken noch nicht ganz fix ist. Auch dann ist es besser zu sagen, ich gedulde mich. Ich bin auch nicht der geduldigste Mensch. Aber das lohnt dann, darauf zu vertrauen, zu sagen, okay. Und das ist natürlich gerade, wenn du zum Beispiel aus dem Self-Publishing kommst, weil da hatte ich vorhin so ein bisschen angesetzt, da bist du ja dein eigener Verlag, Du bist ja Verlegerin und Lagerarbeiter gleichzeitig. Wenn du in den Verlag das schaffst zu übertreten, man muss Vertrauen aufbauen, und muss auch Entscheidungen abgeben und sagen, okay, dann mach dir das so.
Vera
00:29:48
Aber das ist, glaube ich, genau der Punkt, wo ich mich da, also ich habe auch schon mal Verlagstitel gehabt, aber ich merke schon immer, also ich liebe es sehr, die Dinge selbst zu machen und auch ich bin ja überhaupt nicht geduldig. Also dann zu warten, dass ein Verlag mein Buch in anderthalb Jahren rauskommt, wo ich überhaupt nicht mehr weiß, was ich mal geschrieben habe, das fällt mir schwer. Ich sehe das ja bei so Kollegen und Kolleginnen, da ist es ja oft so. Also das ist auch, glaube ich, ein bisschen Mentalitätsfrage.
Johannes
00:30:16
Ich kann es auch verstehen, weil man will ja das Baby dann auch endlich draußen haben und man kann auch die ganzen Entscheidungen, die da hinführen, nicht nachvollziehen und das müsst ihr auch nicht und das wäre auch ganz schlimm. Aber das wäre jetzt wirklich ein klassisches Beispiel. Vera, du bist ja auch Kriminalautorin, wenn wir da jetzt einfach ein Programm hätten, da haben wir schon eine Link und dann haben wir noch ein Gelbreath und keine Ahnung, dann sagen, was auch Vera, wir machen es im Frühjahr, da hast du nicht den Druck, den du im Herbst hast zum Weihnachtsgeschäft, da lässt sich auch leichter auf der Reise drüber reden, dann ist das so. Aber ich kann das schon sehr gut nachvollziehen. Wir bringen jetzt im kommenden Frühjahrsprogramm das neue Buch von Anne Prätin. Anne Prätin war vorher beim Lübbe Verlag, ist jetzt zu uns gewechselt. Die muss zum Beispiel auch lernen, Vertrauen aufzubauen mit uns. Die hat sich natürlich für uns entschieden. Trotzdem sind wir ein neues Team für sie. Und das funktioniert aber wahnsinnig gut. Bei Anne Prätin war das Witzige, die habe ich noch kennengelernt, bevor ich über irgendwas von dem Buch wusste. Also ich war so im Verlag. Und sie so, hey Johannes, wir haben eine Autorin, willst du Halle sagen? Sag ich, ja, sag ich, hallo. Und dann standen wir da und wusste gar nicht, wer Anne Pretin ist. Und dann erzählte sie eben von ihrem Buchprojekt und okay, okay, ich glaube, das muss Frühjahr 25 gewesen sein. Und sie hatte dann natürlich schon was vorliegend, das war jetzt nicht komplett neu. Aber ich habe zum Beispiel da, und da kommen wir wieder zum Thema Kampagnenstrategie, wie sie mir von dem Buch erzählt hat und wie wir da so locker standen und ihre Persönlichkeit und ihre Authentizität, da wusste ich, da mache ich eine Autorenkampagne. Und das werde ich mit ihr, das machen wir auch. Wir haben ein tolles Fotoshooting auch jetzt wieder gemacht mit ihr, mit ganz verschiedenen Ausdrücken, Gesten. Und da freue ich mich schon sehr drauf. Und das Buch kommt aber im Mai. Also auch da ist noch ein bisschen hin, aber auch da haben wir eine ganz feste Strategie, warum wir das nicht im März bringen oder im Februar, sondern dann wissen wir, Mai ist für uns der beste Erscheinungstermin. Ich bin jetzt ganz gespannt.
Vera
00:32:12
Bevor wir da jetzt auf die Autorenpersönlichkeit kommen, machen wir einen kurzen Break, weil ein guter Schritt für Marketing ist nämlich auch ein Buchtipp bei uns. Wir haben auch heute wieder einen Buchtipp für euch. Ihr wisst ja, dass wir gerne auch dein Buch bei uns vorstellen. Schick gerne ein E-Mail an alle-at-zwei-von-der-talk-stelle.de und wir senden dir die Infos, liebe Tamara. Wer hat das denn gehört und dann die Infos geschickt?
Tamara
00:32:46
Ja, das hat ein Mensch gehört, der ein Buch geschrieben hat, dessen Cover, die ich dir jetzt erstmal beschreibe. Sie versucht es immer wieder, aber so nicht. Aber Vera, das Cover ist super, super schön. Es ist in blau gehalten und zwar in Ozeanblau. Also wir sehen unten einen Meeresgrund und nach oben geht das dann Richtung Wasseroberfläche. Also verschiedene Blautöne und Wellen und was es da alles so gibt im Meer. Und auf dem Boden dieses Grundes sehe ich ein Zepter und einen Anker. Über dem Ganzen ist das Porträt einer jungen Frau zu sehen, die so aus dem Cover heraus nach Osten schaut. Und so halbtransparent drüber ist ein altes Schiff zu sehen. Ich bin nicht so gut mit Schiffen, aber ich würde fast behaupten, das ist ein Dreimaster, aber hängt mich jetzt nicht, wenn es falsch ist.
Vera
00:33:51
Das kann man an den Dreimasten normalerweise erkennen.
Tamara
00:33:53
Ja, so ganz genau kann ich es jetzt auch nicht erkennen, weil es von der Perspektive her, die überdecken sich so ein bisschen.
Vera
00:33:59
Aber du weißt, dass das im Osten ist, das ist allein schon mein Liebermann.
Tamara
00:34:03
Ja, pass auf, weil hinter dem Porträt der Frau ist nämlich noch ein Kompass eingeblendet.
Vera
00:34:10
Das erklärt es, das erklärt es.
Tamara
00:34:13
Da wird mir geholfen. Und dieses wunderschöne Cover hat auch noch einen wunderschönen Farbschnitt, ebenfalls in tollen Blauscharschierungen. Und über diesen Farbschnitt fliegen Möwen. Also wir sind im Thema Ozean und ja, Abenteuer auf jeden Fall. Und der Titel dieses Buches lautet Das Vermächtnis der Möweninsel. Und das ist Part 2 der Dialogie Terraganova von Fodemar.
Vera
00:34:48
Das klingt alles sehr mysteriös und geheimnisvoll.
Tamara
00:34:51
Ja, also ich habe direkt so ein Pirates of the Caribbean Feeling und ja, ich lese dir mal den Klappentext dazu.
Vera
00:34:59
Mach das.
Tamara
00:35:01
Ist die etwa aus der Kombüse? Limes deutete auf die Flasche mit Öl. Denke schon, wieso? Schuppe hielt die Flasche gegen das Licht. Weil Barke der Bart abfällt, wenn er merkt, dass du seinen Schläger mit seinem geliebten toskanischen Olivenöl polierst. Endlich mal Zeit zum Luftholen. Hoftlin zumindest. Zuverlässig hält die Erik Kurs auf die Möweninsel, auf der ein legendärer Schatz winken soll. Jemand an Bord scheint allerdings etwas dagegen zu haben, dass sie und ihre Freunde davon etwas abbekommen. Auf der Insel dann wartet nichts weniger als eine Katastrophe. Von Reichtum und Ruhe keine Spur. Stattdessen müssen sie plötzlich einem übermächtigen Gegner hinterherjagen. Und auch das geht gründlich schief. Sie fallen Piraten in die Hände, opfern ihren wertvollsten Besitz für etwas, das es scheinbar gar nicht gibt und einer aus der Crew wird unsichtbar. Lien ist schier am Verzweifeln, erst recht, als der Wettlauf gegen die Zeit endgültig verloren scheint. Das Buch vom Lesealter her wird empfohlen für 12 bis 17 Jahre. Aber ganz ehrlich, dann fühle ich mich jetzt wie 16 und möchte es auch lesen.
Vera
00:36:16
Genau, vor allen Dingen dieses unsichtbare Crewmitglied. Das möchte ich dir noch mal lesen.
Tamara
00:36:21
Ja, mega spannend.
Vera
00:36:22
Auf jeden Fall. Dann sag doch mal, wie ist der Titel und Autor?
Tamara
00:36:26
Genau, also die Reihe heißt Terraganova und das Buch heißt Das Vermächtnis der Möweninsel von Fodemar.
Vera
00:36:36
Ja, also auf jeden Fall reinschauen und gerne mal berichten, wie es gefallen hat. Ja, da sind wir wieder. Du hast zuletzt gesagt, du hast da die Autorin Annette, Brandtine getroffen und hast gesagt, die ist so nett und da machst du erst Autorenkampagne. Also zum einen wollte ich dazu sagen, wenn ich zu euch käme, ich könnte ja sein, dass ich die alle toppe. Könnte ja sein. Also von daher muss man ja nicht schüchtern sein.
Johannes
00:37:07
Ja, klar.
Vera
00:37:09
Das heißt doch aber auch, dass die Persönlichkeit des Autors, der Autorin, schon auch eine sehr relevante Rolle spielt, oder?
Johannes
00:37:17
Das spielt absolut eine Rolle, allerdings auch wirklich dann, wie wir die Autorin oder den Autoren inszenieren wollen, wenn wir das überhaupt machen wollen. Also es kann ja auch wirklich sein, das hatte ich ja so ein bisschen erläutert, wir fangen ja erst mal an, oder ich fange in meiner Arbeit so richtig an, was ist für mich die Kernaussage von meiner Kampagne? Und vielleicht ist es gar nicht Autorinnen und Autoren, vielleicht ist es wirklich, der Genre oder der Inhalt und dann ist es gar nicht so wichtig, was ist. Und das ist natürlich eben auch mein Tipp, wäre wirklich für Autorinnen und Autoren, verbiegt euch nicht in der Zusammenarbeit mit dem Verlag, macht genau das mit, was ihr wollt. Also ich bin der Meinung, nicht jede Autorin Autor muss unbedingt ein Tänzer auf TikTok werden. Und das würde mir als Untertrainer natürlich gut gefallen. Jetzt aber nicht unbedingt notwendig. Und ich glaube, wenn man sich auf der Bühne auch nicht wohl fühlt, dann ist es vielleicht auch nicht die beste Strategie, eine große Lesereise zu machen. Also das muss einfach wirklich gut zusammenpassen. Ich fand jetzt bei der Anne Prätin, abgesehen davon, dass sie einfach wahnsinnig nett und authentisch ist, dass ihr Buch so eine tolle Sprache hatte, wo ich sie so gehört habe. Da kommen natürlich noch andere Sachen mit hinzu. Es ist eine teilweise sehr tragische Geschichte, die aber überhaupt nicht tragisch klingt. Und das mag ich ja zum Beispiel. So ein bisschen tragisch-komische Geschichten. Wenn ich mir gedacht habe, da habe ich natürlich jetzt den Vorteil, dass ich die Autorin kenne, aber warum kann ich denn den Leserinnen und den Leserinnen nicht helfen, da noch mit aufzusteigen?
Tamara
00:38:44
Ja, ich glaube, wenn man eher eine Person ist, die vielleicht gar nicht so in den Vordergrund treten möchte, das kann man ja auch inszenieren. Also jetzt ganz andere Thematik, aber ich war am Sonntag in der Andy-Wall-Ausstellung und ich meine, da ist ja, ne, Bild und Künstler gehören ja stark zusammen, aber dann nimmst du auf der anderen Seite Banksy. Ist auch ein total starker Charakter, eben weil er gerade keine Person ist irgendwie oder jemand, den man kennt. Aber wie geht ihr denn an so ein AutorInnen-Pontré ran?
Johannes
00:39:18
An ein AutorInnenporträt. Wie meinst du genau?
Tamara
00:39:22
Sorry, Kampagne. An eine AutorInnenkampagne ran.
Johannes
00:39:25
Also genau, und das wächst natürlich eben mit, da kommen eben viele verschiedene Dinge zusammen. Und man sagt, okay, fühlt sich die AutorIn da wohl, das mitzumachen. Also wenn wir das mit Charlotte Link machen zum Beispiel. Charlotte Link möchte auch, dass es gute Fotos werden, dass sie da gut aussieht. Und wie sie inszeniert wird, da auch ein Mitspracherecht hat, was wir natürlich total gerne geben. Und wir stimmen uns da total gut ab. Wenn man natürlich sagen, ach, es wäre eigentlich toll, wenn die Autorin da jetzt viel mitmacht, wir aber merken, will gar nicht so ins Ramm. Schnell wird das vielleicht irgendwie gar nicht so. Da gibt es ja auch Mittel und Wege. Und dann könnte ich mir auch vorstellen, zum Beispiel über Advertorials eine total coole Interviewreihe zu machen. Wenn man sagt, hey, Fotos wären schon schön zu so einem Interview, ja, ja. Dann kriegt man das auch irgendwie hin und dann hat man doch auch einen tollen Insight einfach zu Autor machen. Und das muss ja auch nicht immer sein, dass man jemanden auf Video, auf Social Media oder so erlebt. Man kann ja auch die Autorin sprechen lassen durch ihre tägliche Arbeit zum Beispiel. Also ich finde, Bäre, du hast einen total super Social Media Auftritt. Und du erzählst total viel von deiner täglichen Arbeit. Du zeigst auch mal wieder so kleine Erfolge, aber das ist keine Dauerwerbesendung. Also man fühlt sich da wirklich eingeladen in deine Welt. Das finde ich total spannend und schön. Und auch das kann man ja im kleinen Rahmen oder im gedämmten Rahmen sozusagen machen. Und solche Dinge wie Recherchematerial, Hintergrundinformationen aus der täglichen Arbeit, wo man denkt, ja, das ist doch jetzt nicht so interessant, was sollen denn die Leserinnen und Leser damit machen. Aber das stimmt gar nicht. Das ist oft ein totaler Schlüssel und total viel Gold wert auch für unser Marketing.
Vera
00:41:01
Da sind wir jetzt aber wieder ein bisschen bei den Zielgruppen. Ich habe noch nicht so richtig rausgehört, wie ihr das genau rausbekommt, welches Buch ist für welche Zielgruppe. Ja, genau.
Johannes
00:41:11
Also erstmal ist es natürlich schon so eine Gefühlssache und so eine, wir arbeiten natürlich alle schon seit Jahrzehnten im Verlag und im Verlagswesen. Dann haben wir natürlich schon so ein bisschen eine Idee, für wen wird es wohl sein. Das ist ja auch das Schöne bei uns in unserem Gemischtwarenladen Blanc-Valais. Wir haben ja was für jeden, aber wir ziehen unsere Bücher schon sehr genau an denjenigen ab, der es dann auch kaufen soll. Und das ist natürlich schon erstmal eine grobe Skizzierung, die wir gemeinsam beschließen, was eben Titel, Cover und so weiter angeht und wir im Marketing gehen nochmal ein Stück weiter. Also wir haben dann tatsächlich Consumer Insights, das heißt wir greifen auf Marktdaten zurück, auf Kundenbefragungen zu bestimmten Genres, teilweise auch zu bestimmten AutorInnen und können dann wirklich sagen... Die Leserschaft von ist so und so alt zu so und so viel Prozent. Also da können wir sehr genau drauf einsteigen und können dann auch wirklich, das war ja auch deine Frage vorhin, Vera, welche Kanäle steuert ihr dann an? Das können wir dann aufgrund solcher Zielgruppenanlösen machen. Und das ist natürlich...
Vera
00:42:15
Lass ich mir zusätzlich sagen, was die Zielgruppe für Kosequallen ist.
Johannes
00:42:19
Vielleicht später auf Erd.
Vera
00:42:21
Ich komme darauf zurück. Ich habe jetzt meine eigene Zielgruppe so definiert, so Frauen ab 35 aufwärts.
Johannes
00:42:34
Ja. Und wohnen wo?
Vera
00:42:37
Wohnen eher bei mir hier so am Niederrhein, weil ich da ja regional bin. Und ich weiß nicht, welche Faktoren müsst ihr noch wissen? Hobbys oder so? Keine Ahnung.
Johannes
00:42:48
Also Hobbys ist schön, Haushaltseinkommen, lesen Sie Bücher eher, um sich zu unterhalten oder um sich zu informieren. Sind Sie Fans, bestimmte Autoren, verschenken Sie Bücher. Es gibt einen ganzen Fragenkatalog. Könnte ich dich dann mal fragen zum Beispiel? Ja, dann habe ich dich als Zielgruppe.
Vera
00:43:10
Okay, das finde ich ja spannend, dass das so die Faktoren sind. Ich habe ja jetzt leider keine Marketingbefragung im Hintergrund. Ich kann mir das im Prinzip nur ausdenken.
Johannes
00:43:18
Ja klar, da bin ich ja hier.
Vera
00:43:19
Und vor allen Dingen auch, also jetzt über die Jahre habe ich ja zum Beispiel Publikum bei Lesungen und man kriegt ja schon mal Leser oder Leserinnen-Feedback mehr oder weniger.
Johannes
00:43:29
Ja, Leistbefragung.
Vera
00:43:30
Da habe ich dann schon, also ich höre zum Beispiel sehr oft, dass Leute durch mich wieder angefangen haben zu lesen.
Johannes
00:43:38
Ach schön.
Vera
00:43:39
So über diesen regionalen Aufhänger dann. Und dann eher so die Zielgruppe zum Entspannen, also die Lesemotive sind entspannen, leichter lesen, unterhalten, Spaß haben, ne?
Johannes
00:43:53
Genau, und das sind doch dann Dinge, die du auf deinem Social Media aufgreifen kannst, wenn du dein Buch inszenierst, um dann eben genau diese Faktoren darzustellen, also sowohl visuell durch ein Hintergrundbild, das eben eher, entspannt als überfordert, also weniger Krach, weniger Blut, sondern einfach wirklich eher dezent und anregend. Und dann kann ja auch ein Claim neben dem Buch genau das sein, dass dieses Leseversprechen einhält. Auch das ist natürlich ein Thema.
Tamara
00:44:20
Wobei ich mich manchmal schon frage, jetzt vielleicht auch gerade eben wie bei Vera und mir, wenn da kein großes Team hinten dran ist.
Johannes
00:44:27
Ja.
Tamara
00:44:28
Die Sache mit der Henne und dem Ei, also wenn ich jetzt so eine bestimmte Art von Ansprache habe, dann fühlen sich ja andere Leute angesprochen, als wenn ich mein Buch ganz anders inszenieren würde. Das heißt, die eine Gruppe kriegt es dann vielleicht gar nicht so mit, egal ob jetzt Lesung oder Buchmesestand oder sonst was. Könnt ihr das so scharf trennen? Also die Frage, ist diese Person jetzt zum Buch gekommen, weil wir es so und so aufgebaut haben? Oder bauen wir das Buch so auf, damit genau, weißt du, was ich meine?
Johannes
00:45:02
Ja, ja. Und das ist ja genau, und das ist, Das ist die große Aufgabe, sich zu entscheiden, sich zu sagen, okay, auf wen gehen wir jetzt, wie machen wir das Ganze? Das Schöne natürlich, was sich in den letzten Jahren, Jahrzehnten, aufgebaut hat durch Online-Marketing ist natürlich, du brauchst, du musst dich nicht mehr so festlegen, du kannst Verschiedenes ausprobieren und du kannst eine Online-Kampagne machen mit verschiedenen Routen und kannst sehen, okay, da gehen wir mehr auf die Protagonistin, da gehen wir mehr auf die Autorin und da gehen wir auf den Leser und da bilden wir wirklich, eine Leserin ab, die das Buch hält und begeistert ist und dann schauen wir mal, was besser funktioniert. Also das ist natürlich schon ein Mittel, das hast du jetzt weniger früher gehabt und hast du auch weniger bei Offline und da hast du deine Streuverluste. Aber grundsätzlich müssen wir uns immer überlegen, was ist der Kern und dann schließen wir auch natürlich Leute aus. Aber ich glaube, dass es total wichtig ist, sich im Marketing zu konzentrieren. Also wenn ich Plakate sehe, die voll, seine Text-of-Wall, Wall-of-Text umgekehrt Johannes. Und es sind nur Signale und dann habe ich nur die Bestseller-Autorin mit dem neuen Ermittler, spielt jetzt in Kauf jetzt dort, dann bin ich doch aber auch überfordert und dann ist es oft das Problem, dann erreichst du niemanden. Und da muss man sich so ein bisschen überlegen, okay, wen willst du ansprechen? Und ich finde, das ist eine totale adäquate Frage von dir, Tamara. Okay, wen will ich mit dem neuen Buch wirklich erreichen? Will ich jetzt meine Fans erreichen und sagen, der neue Fall, schaut mal, wer hat wieder? Oder willst du mal durch bestimmte Marketingstrategien versuchen, neue Leser zu erreichen? Ich meine, der Satz, wir möchten die Fans der Autoren erreichen und eine neue Leser zu erreichen, ich sage mal so, dieser Spruch, der steht öfter mal in der PowerPoint.
Tamara
00:46:49
Und mein Buch ist eigentlich für alle.
Johannes
00:46:53
Das ist ganz verkehrt. Wenn ich eine Lektorin vor mir habe, die sagt, das Buch ist für jeden. Dann müssen wir wirklich noch von vorne an sagen, fangen wir von vorne an. Ja, jedes Buch ist für jeden. Aber schmeckt auch nicht jedem Pizza-Fungi. Also da müssen wir einfach wirklich schon überlegen, für wen ist es denn am meisten? Und womit haben wir einen größeren Erfolg?
Vera
00:47:16
Ja, und manchmal, wie du schon richtig sagst, muss man sich einfach entscheiden. Muss einfach sagen, okay, ich nehme jetzt mal das als Zielgruppe. Ich meine, auch wenn ich jetzt so für mich gesagt habe, es sind Und wahrscheinlich in übergroßer Zahl Frauen, wie gesagt, so ab 35, die lesen. Heißt das ja nicht, dass auch mal eine Frau, die jünger ist, lesen kann oder auch mal ein Mann. Aber die sind dann eher Beifang.
Johannes
00:47:41
Die sind Beifang und die kannst du dann wahrscheinlich mit einem ganz anderen Post abfangen. Da sind die Farben einfach ein bisschen frischer und da ist einfach mehr Dynamik drin. Aber man sollte immer aufpassen, nichts zu verkaufen, was nicht drin ist. Also da muss man, glaube ich, einfach wirklich sich selber auch ganz ehrlich sein. Und natürlich mag das jetzt, also bleiben wir mal so bei einem willkürlichen Beispiel, ja, aber wenn du einfach sagst, okay, das mag aber vielleicht 10 Prozent aus dieser Zielgruppe erreichen, dann hast du aber 90 Prozent von Leuten, die das nicht toll fanden und die dann vielleicht auch eine schlechte Rezension hinterlassen. Also drum ist es schon sehr, sehr wichtig, sich zu überlegen, wer ist der Kern? Und drum sagen wir wirklich immer, wir denken in Kernzielgruppen und wir sagen, wir sprechen Frauen zwischen 40 und 75 an, dann heißt es ja nicht, dass wir den Kauf einer 30-Jährigen automatisch ausschließen und verbieten.
Vera
00:48:31
Ja, genau. Aber das ist gerade, das ist etwas, ich meine, wir haben ja auch relativ viel mit Menschen zu tun. Die haben so ihr erstes Werk geschrieben und geben das im Selfpublishing raus, und wenn man die dann schon fragt, kannst du das mal kurz pitchen und die brauchen fünf Minuten, um alle Themen aufzuzählen, dann weiß man schon, das passt nicht. Also dann.
Johannes
00:48:54
Ganz, ganz wichtig. Also das ist sowieso egal, ehrlicherweise, für wen. Also Self-Publisher, Publisher, Marketing-Mensch, Presse-Mensch, du brauchst den Elevator-Pitch. Du musst mir wirklich in einem Aufzug, in einer Aufzugfahrt sagen können, darum geht es. Es muss gar nicht heißen, darum geht, sondern was ist das Versprechen des Buches und das muss man eben rausarbeiten. Also natürlich ist vielleicht bei einem Regionalkrimi das total interessant, wann und wo und wie blutig ist es vielleicht. Das mag ja dann zum Beispiel genau passen, aber für ein anderes Buch ist völlig egal, in welcher Zeit das spielt, aber das Gefühl, das ich habe, wenn ich die letzte Seite umschlage, das ist relevant und das muss man sich sehr, sehr gut überlegen und man sollte das immer wirklich drauf haben und ich merke das ja selber. Also wie gesagt, wir hatten das ja schon so ein bisschen angeteasert. Ich arbeite mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen zusammen, die mir dann die Aussteuerung machen in die Kanäle, wenn ich dann so strauchle mit dem Elevator. Also wenn es mir schwerfällt, dann sind wir vielleicht auch in einem sehr früh Stadion des Buches und so und dann komme ich irgendwie in meine Präsentation und meine ich tut, tut, tut, tut. Also das Buch und es fängt an und das sehe ich schon in den Gesicht, dann musst du noch mal ran. Ist auch gar nicht schlimm. Also dafür ist ja auch der ehrliche Austausch. Aber ich versuche natürlich auch, die Kollegen wie Kunden ein bisschen zu gewinnen.
Vera
00:50:20
Das lustig manchmal. Man muss sie ja auch alle mitreißen, damit sie alle dahinter stehen. Das kann ich gut verstehen. Aber jetzt habt ihr da in den zwei Tagen Klausur, habt ihr euch jetzt dann entschieden, Ihr habt tolle Kampagnen aufgesetzt, ihr habt gesagt, das werden Spitzentitel. Jetzt mal so unter uns, wie oft geht's schief?
Johannes
00:50:39
Oh, wie oft geht es schief? Oh, Vera, das trifft jetzt eine Wunde. Da würde ich niemals Zahlen nennen. Nein, das kann natürlich immer mal schief gehen. Ich würde jetzt wirklich gar keine Zahlen nennen können, aber es passiert natürlich. Und es passiert natürlich auch, und da kommen wir auch zum Thema mit viel hilft viel, auch mit sehr großen Kampagnen. Also ich denke da an eine ganz bestimmte, ich werde den Titel nicht nennen, was wirklich wehgetan hat, weil Tamara, was du so ein bisschen gesagt hattest, will ich meine Stammleserschaft erreichen oder vielleicht neue? Auch das beginnt ja schon bei der Verpackung. Also mache ich jetzt das wirklich zu einem Genre-Ding und es ist wirklich total innerhalb der Masse noch ein bisschen besonders, aber es fügt sich total in das ein, was gerade alle auf den Tischen haben? Oder brauchst du was Neues? Willst du auffallen, willst du sagen, ja, aber das ist jetzt innerhalb des Genres was ganz Spezielles und dann machst du einen Dreh und machst es wirklich neuer und das kann natürlich in die Hose gehen zum Beispiel. Und dann hilft die geilste Kampagne wo du Out of Home machst und wo du Print machst online und dann sind vielleicht auch tatsächlich, Blogger und Creator begeistert, weil es inhaltlich wirklich super ist und auch die Rezensionen, die reinkommen und sagen, boah, mega Buch. Aber die Zahlen sagen leider, boah. Und das tut natürlich weh. Und wie gesagt, da haben wir aber eine sehr schöne Lernkultur und sagen uns auch, ganz offen ins Gesicht, okay, war halt nichts, da gehen wir jetzt nochmal anders ran. Und mein Learning aus solchen Dingen ist dann eigentlich immer, ich muss besser meinem Bauchgefühl vertrauen. Also wenn ich irgendwo das Gefühl habe, das ist noch nicht so richtig, aber ich traue mich jetzt auch nichts sagen. Ich will es sich nochmal aufmachen, das Fass. Also gerade bei Thema wie Cover zum Beispiel, da sitzen wir natürlich manchmal, Wochen, ich will nicht sagen Monate, Leute, es kann auch mal passieren. Weil wir aber wirklich überlegen, okay, wollen wir es upmarket machen? Wo wollen wir hin? Und sind die richtigen Signale gesetzt? Und so weiter. Und irgendwann ist man auch so ein bisschen müde und sagt, ja, ich spreche es jetzt nicht nochmal an. Wenn alles gut finden, wird es schon sein. Und dann war es aber ganz oft so, dass da denke ich mir so, hättest du was gesagt? Und das habe ich mir so ein bisschen vorgenommen, ehrlicherweise aus Misserfolgen. Ehrlich mit mir selber sein und besser aufs Bauchgefühl und zumindest einmal zu droppen. Also ich hätte noch eine Anmerkung, wenn es keiner hören will, ist auch okay. Aber dann habe ich es gesagt.
Vera
00:53:14
Aber es ist ja nun schon so, ihr seid ja auch ein Wirtschaftsunternehmen. Ihr müsst ja, also es muss ja schon eine gewisse Menge an Erfolgen in jedem Programm da drin sein, oder?
Johannes
00:53:25
Ja, das wäre schon ganz gut, sonst können wir nämlich keine Bücher mehr machen.
Vera
00:53:28
Ja, genau. Ist das einfach so, dass sich das, wenn es einen so einen Flop gibt, dass dann zufällig irgendein Überraschungsgewinner auch dabei ist?
Johannes
00:53:36
Das ist natürlich der beste Fall. Also wir kalkulieren natürlich schon alle Wagnisse und die Gesamtprogramme eben so ein, dass wir da immer ganz gut rauskommen. Aber es wäre schon ganz gut, wenn sie es unterm Stich rechnet. Ja, das ist schon richtig. Aber ich glaube, auch da ist wirklich bei unserem Arbeitgeber und unserer Geschäftsführung auch wirklich, okay, hat nicht funktioniert. Wisst ihr denn, woran es lag? Und wenn wir sagen, ja, so und so, und wir machen das nächste Mal besser, da haben wir auch im gesamten Konzern eine sehr, sehr hohe Lernkompetenz und auch ein Vertrauen zu sagen, okay, dann mach das das nächste Mal besser. Würde ich schon sagen.
Vera
00:54:10
Aber da sind ja auch viele Dinge, habe ich immer zum Gefühl, sind ja auch abhängig von Faktoren, die ja kein Mensch vorher bestimmen kann. Da kommt plötzlich irgendein Trend oder plötzlich kommt irgendeine Fernsehserie, mit denen keiner gerechnet hat. Oder weiß der Geier was, was da so passiert. Wie streckt ihr da eure Fühler aus?
Johannes
00:54:29
Habt ihr so Trendforscher?
Vera
00:54:31
Versucht ihr das mitzubekommen?
Johannes
00:54:34
Das ist natürlich auch total richtig. Es kann natürlich immer irgendwas passieren, dass dem Ganzen dann das Kreuz bricht. Und das kann natürlich ein Trendwechsel sein. Also gerade, da kommen wir wieder beim Thema Langatmigkeit und wir schieben es nochmal. Da muss man natürlich auch aufpassen, wie oft haben wir denn das Buch jetzt geschoben? Ist es überhaupt noch marktgerecht? Also das machen wir natürlich auch nicht, wenn wir merken, das ist ein Trendding, das müssen wir jetzt raushauen sozusagen. Also das ist natürlich schon mal so ein bisschen Thema, dass wir das schon so ein bisschen im Gefühl haben. Ich muss wirklich sagen, unser Lektorat hat ein hervorragendes Fingerspitzengefühl, um genau sowas im Blick zu haben. Und da vertraue ich den Kolleginnen, das sind wirklich Kolleginnen, wirklich sehr. Und manchmal denke ich, ich finde es komisch. Ist es ein Trend? Habt ihr das im Blick? Und dann denke ich, ja. Und dann sage ich, okay. Und auch das ist natürlich ein Thema. Mir muss auch nicht jedes Buch gefallen. Und auch das ist total spannend, man sagt, ich lese jetzt besser nicht weiter, weil sonst habe ich so ein komisches Gefühl zu dem Produkt.
Tamara
00:55:31
Okay.
Vera
00:55:33
Ja, klar, logisch.
Johannes
00:55:34
Und das ist aber auch so und auch da gehe ich mit dem Lektorat ganz ehrlich ins Gespräch, und sage, okay, jetzt pass auf, es ist nicht mein Ding, ich komme nicht so richtig rein, sag mir, warum jetzt für den Markt, für wen und wenn mir das die Lektorin gut erklären kann oder die Programmverantwortliche, dann gehe ich da auch mit. Was natürlich auch passieren kann ist, Du hast ja von den hohen Gefilden, glaube ich, gesprochen. Das kann natürlich auch oft passieren, dass dir ein Konkurrenzautor einfach reinkommt und du sagst, du wärst jetzt schon gerne in den Top 5. Und dann kommen aber die wertgeschätzten Kollegen aus den anderen Häusern. Und auch was in petto und manchmal auch sehr kurzfristig. Ich glaube, dass wir da alle versuchen, so ein bisschen Raum für möglichst jeden zu lassen und dann gucken wir mal so ein bisschen in den digitalen Vorschauen. Ja, man kommt da und man kommt da und so. Und so geht es natürlich allen und dann versucht man das ein bisschen auszuterieren, gerade in den wertvollen Zeiten rund um den Buchmessen. Aber ganz kann man es natürlich nicht wissen. Und es können natürlich auch, oh mein Gott, unzählige andere Dinge passieren, die einen Erfolg zunichte machen, die von außen, also von außen und die von innen überhaupt gar nicht planbar waren. Das ist schon so. Ja.
Vera
00:56:43
Ja, das wollte ich jetzt gerade fragen. Ich habe dir gerade so gebannt zugehört, da habe ich meine Frage vergessen.
Johannes
00:56:48
Mach nichts.
Tamara
00:56:50
Hast du es oder soll ich was fragen?
Vera
00:56:51
Ja, frag du mal.
Johannes
00:56:53
Mara, talk to me.
Tamara
00:56:56
Ja, also ich finde die Einblicke ja super spannend, aber such natürlich auch immer nochmal so ein bisschen die Brücke auch zu den Menschen da draußen, die eben ihr eigenes Marketing verstärkt machen müssen. Und ich weiß natürlich, das kann man nicht so runterdampfen. Es gibt keine einfachen Antworten auf komplexe Themen. Aber wenn du jetzt jemandem, der sagt, ich möchte jetzt nochmal stärker ins Marketing gehen für mich und oder meine Bücher, welche drei Fragen sollte man sich selbst stellen? Kannst du da einen Tipp geben?
Johannes
00:57:31
Ich habe mir tatsächlich fünf Tipps überlegt für Self-Publisher.
Tamara
00:57:34
Auch gerne. Dann nehmen wir die.
Johannes
00:57:36
Weil ich bin nicht ganz unvorbereitet in diesen Call. Ich habe mir natürlich die Frage gestellt, ich habe mit Selfpublishern ja erst wirklich dann was zu tun, wenn die die Schwelle in den Verlag geschafft haben, und dann auch vorm Lektorat schon so ein bisschen gepampert sind und vorbereitet sind und von mir in Empfang genommen werden, wir und den ganzen anderen Abteilungen. Aber noch nicht im Feuerland. Aber ich habe mir so ein bisschen überlegt, was kann man denn im Kleinen machen? Und da war tatsächlich, das Erste war schon das mit dem Elevator-Pitch tatsächlich. Also erkläre dein Buch in zwei Sätzen, nicht die Handlung nach erzählen, einfach Neugier auslösen. Und auch so pitchen, damit es jemand anders wieder erzählen könnte. Also zum Beispiel, das habe ich in meiner Erfahrung, als ich noch mit Buchhändlern zusammengearbeitet habe. Ich war sieben Jahre lang in der Kundenbetreuung und habe Buchhändler über Telefon überzeugt von unseren Programmen. Und da war natürlich, habe ich mir auch immer so ein bisschen was überlegt, wie kann jetzt der Buchhändler auch das aufgreifen, um das seinen Kunden wiederum schnell zu sagen, worum es geht. Also auch so ein bisschen kleine Päckchen zu schmüren. Das andere wäre für mich das Thema Plattformen und der Briefmarkentest. Also ich würde mal davon ausgehen, dass Self-Publisher-Bücher hauptsächlich digital entdeckt werden. Ich weiß, wäre, dein neues Buch ist viel weiter leer. Das finde ich, herzlichen Glückwunsch. Aber die Bücher werden natürlich sehr viel digital entdeckt. Das heißt, die müssen klein funktionieren. Das ist, was also das Cover angeht, visuell als auch vom Titel und so weiter. Wenn du eine schöne Schrabbelschrift hast, weil du denkst, passt einfach zum Krimi, du kannst den aber nicht ordentlich lesen, dann ist das schwierig. Und das ist natürlich was, das ist jetzt auch ein praktischer Test von uns aus dem großen Verlag.
Vera
00:59:22
Man sagt zwar, man muss auch online wirken, genau.
Johannes
00:59:25
Genau, also bei uns trifft natürlich beides total zu, muss auch online funktionieren, aber ich glaube für Self-Publisher auch nochmal sehr stark und da kann ich mir eben vorstellen, dass viele Self-Publisher da gar nicht dran denken, darüber bringe ich das mal mit. Weil du kennst die Fälle.
Vera
00:59:39
Die dann da vor uns stehen und sagen, meine 16-jährige Tochter kann so gut malen, die hat das Cover gemalt.
Johannes
00:59:48
Run! Na gut, du verkannst ja auch so gut malen, dass sie es, so groß macht, dass es in klein einfach hundertprozentig ist. Das kann ja sein.
Vera
00:59:55
Ja, ist aber selten.
Johannes
00:59:59
Naja. Ansonsten, was ich mir immer überlegen würde, also ich glaube, dass Self-Publisher auch sehr viel regionale Themen haben und da man ja kleine, hoffentlich jetzt einen kleinen Celebrity bei sich vor Ort werden will, glaube ich, ist der Kontakt zu örtlichen, Händlern eine ganz gute Idee, wenn es was damit zu tun hat. Also wenn ich mir jetzt vorstelle, ich habe einen Krimi, der in der Pfalz spielt und es wird ein Mordopfer im Rotweinfass gefunden, dann wäre es doch vielleicht nett, mich mit einer Weinhandlung zusammenzutun und sagen, hey, lass uns doch ein Event machen abends, wir machen eine Lesung in der Weinhandlung. Man muss sich dann natürlich immer ein bisschen überlegen, give and take, was kann ich dem anderen bieten? Und dann kann das natürlich sein, ganz ehrlich, wenn man schon einen kleinen Social-Media-Kanal hat, warum kann man denn da nicht eine kleine Koop auch über Social-Media machen? Ich spreche ja nichts dagegen. Je nach Verträgen, ob man Werbung macht, also gekennzeichnete Werbung natürlich in den eigenen Büchern, da kenne ich mich rechtlich nicht so ganz aus, eine Anzeige schalten im nächsten Band oder sowas. Aber natürlich einfach das ganze Thema mitnehmen und einfach einen schönen Abend machen, die Leser mit reinbringen in die Weinhandlung, die Weinkäufer auch mal zu einem netten Abend innerhalb ihrer Weinhandlung und einem netten Leseabend. Und solche Dinge könnten doch ganz gut funktionieren. Also das ist natürlich jetzt nicht Fizek meets Adidas, aber irgendwo muss man ja auch anfangen.
Vera
01:01:24
Wir haben ja alle mal klein angefangen und ich stelle fest, du hast dich echt viel auf meinem Instagram-Account rumgetrieben.
Johannes
01:01:29
Ein bisschen.
Vera
01:01:31
Aber jetzt ist mir meine Frage auch wieder eingefallen. Okay.
Tamara
01:01:34
Aber waren das schon alle fünf Tipps? Ich habe nicht recht gezählt.
Johannes
01:01:37
Nee, das waren noch nicht alle ganz.
Tamara
01:01:38
Dann machen wir gleich Part 2. Ja.
Johannes
01:01:42
Das war sehr gut.
Tamara
01:01:43
Und der Letzte wird dich umhauen.
Johannes
01:01:47
Sehr gerne.
Vera
01:01:47
Bleib dran.
Johannes
01:01:49
Ich wollte die Frage wieder vergisst.
Vera
01:01:51
Ja, genau. Nein, weil du ja auch sagtest, wir hatten ja das Thema Kampagne, du hattest ja auch das Beispiel genannt, dass ihr da mal in eine Kampagne reininvestiert habt, die da nicht so geklappt hat und so. Und man merkt das ja oft, dass Autoren, also von den Lesenden, sehr eng auf ihr Genre wahrgenommen werden. Also es gibt ja nicht viele, also ich kenne ja bewusst gar keinen, der wirklich, der oder die wirklich ein ganz anderes Genre genauso erfolgreich schreiben konnte. Wie ist das, wenn jetzt eine Autorin, die 40 Jahre bei euch sagt so, ich möchte aber jetzt unbedingt mal in den Drachenfantasy schreiben.
Johannes
01:02:38
Ja, ganz klar.
Vera
01:02:39
Was macht ihr mit der? Sagt er, lass es? Oder mach es woanders?
Johannes
01:02:45
Nö, du hast einen neuen Namen.
Vera
01:02:46
Ja, kriegst du aber Pseudonym dann.
Johannes
01:02:48
Also es gibt ja wirklich Autorinnen und Autoren, die ganz bewusst sehr viele Pseudonyme, also sehr viele, die einfach eine Handvoll Pseudonyme haben, weil sie für verschiedene Stoffe schreiben. Liebe Kolleginnen und Freundinnen, Karin Benedikt, das ist wirklich auch so ein Herz, die ich in der Wahrung im Zeitungsbericht über sie, die Frau mit den vielen Persönlichkeiten, weil sie einfach eine ganze Staffel an Pseudonymen hat für die verschiedenen Genres.
Vera
01:03:13
Das kannst du offen machen.
Johannes
01:03:15
Ja, ganz toll. Das Grand Hotel damals hat so viel Spaß gemacht. Ja, ja. Und das kannst du entweder ganz bewusst spielen, dass du wirklich sagst, naja, du kannst zum Beispiel sagen, du steuerst es einfach nur durch ein anderes Autorenfoto, durch eine andere Ästhetik aus, sozusagen. Es ist aber der gleiche Mensch und es steht auch überall. Oder du machst es wirklich verdeckt, aber das macht ehrlicherweise in der heutigen Zeit, glaube ich, nicht so viel Sinn, außer man schämt sich, würde sagen. Ja, und deswegen so hart trennen kann ich mir aber ehrlicherweise nicht vorstellen. Nee, aber das macht natürlich dann schon irgendwie Sinn, eine neue Persönlichkeit erschaffen zu lassen. Und das ist völlig gang und gäbe und kann aber natürlich auch sein, wenn das andere Genre sehr viel erfolgreicher wird, dass man die Pseudonyme wieder verheiratet und dann auch mal draufschreibt, schreibt als.
Tamara
01:04:07
Auf.
Johannes
01:04:09
Also das kann dann auch beides so erfolgreich sein, dass man es wieder Synergie-Momente auslösen.
Vera
01:04:13
Also ich habe immer die Panik, wenn ich jetzt ein Pseudonym mache und das wird dann total erfolgreich, dass ich dann endlich in die NDR-Talkshow komme und da mit falschem Namen sitze.
Johannes
01:04:22
Und dann wirst du gequält wie Charlotte Link in den 80ern. Das war vielleicht, hast du gesehen in der Arte-Doku?
Vera
01:04:27
Nee, habe ich nicht gesehen.
Johannes
01:04:28
Bei Charlotte, das musst du mal angucken. Meine Güte, zwei noch Zeit. Okay, du bist dann eine neue Persona.
Vera
01:04:35
Nee, nee, nee. ich habe das einmal gewechselt, das reicht. Aber noch eine andere Sache, weil wenn wir so mit Menschen reden, auch mit Menschen, die gerne Self-Publishing-Bühler lesen, dann kommt häufig die Aussage, ja, die großen Verlage machen ja irgendwie immer dasselbe. Wenn so ein Trend kommt, dann stürzen sich alle drauf und alle machen dasselbe. Hast du auch das Gefühl? Und wie merkt ihr, wenn dann mal der Trend vorbei ist?
Johannes
01:05:06
Das ist natürlich genau die Feinfühligkeit, die man mitbringen muss in der Programmplanung. Zu sagen, okay, wie viel Trend machen wir jetzt mit? Spingen da drauf, wie nachhaltig ist es natürlich auch? Das ist natürlich einfach, ein Buch braucht einfach Zeit. Also ich kann jetzt gar nicht mehr sagen, was die Mindestdauer ist, um ein Buch wirklich fertig zu haben. aber mit allem Drum und Dran, mit Vertriebsausstattung, mit dem Buch schreiben, korrigieren, redigieren, setzen. Drucken, binden, Umschlag rausschicken, wieder reinschicken, hoch und runter. Das dauert alles seine Zeit. Das ist natürlich nicht einfach wie ein kleines Social-Media-Video, was einfach in drei Sekunden fertig ist. Das braucht ein bisschen Zeit. Darum muss man sich das schon sehr genau überlegen. Ich sage mal so, wir bei Blois-Valais, wir sind ja schon in der breiten Unterhaltung. Das heißt, wir haben keine Angst vor Trends. Wir haben auch keine Angst, irgendwo auf Trends draufzuspringen. Ich möchte aber auch sagen, wir haben auch schon mal Trends gesetzt und haben auch mal, auch öfter mal, waren auch vor der Zeit. Und Wiebke, jetzt packe ich es einfach aus. Die Cowboy-Romance war einfach viel zu früh. Man hat sich aber viel davon versprochen. Gut, wenn du die Rechte hast, dann ist ja kein Problem, es einfach nochmal neu zu machen. Aber das durch ein Fahrwasser. Und das ist, was ich vorhin auch gemeint habe, wenn du auch auf Trends drauf springst und sagst, okay, also wir haben ja sehr lange Frau von hinten gemacht. Das ist keine Sexualstellung, das ist ein Cover.
Vera
01:06:23
Ja, ich weiß.
Johannes
01:06:24
Wenn die Frau vor Gebäude vorzugsweise einem großen Herrenhaus zweifeln, tatenkräftig, melancholisch steht, und okay, wir haben die Frau jetzt umgedreht, sie kommt jetzt nach vorne, da kann er aber auch sagen, ganz ehrlich, du fällst halt nicht auf, also der Grad, und da ist natürlich, Fans sind launisch, habe ich gelernt aus die Teufelin, aber LeserInnen wollen auch wissen, wo sie hingreifen müssen, also du musst ja ein Versprechen auch mit der Verpackung abgeben und wenn du jetzt, wie gesagt, zu weit schon bist und es vollkommen anders ausstattet, dann weiß auch, wir sind auch die geneigten LeserInnen nicht mehr, wo sie hingreifen sollen. Auch da musst du ihnen das so mit Signalen ein bisschen mitgeben. Ich sag mal so, bei Schwedenkrimi ist das Schwedenhaus immer noch eine gute Idee.
Tamara
01:07:15
Aber zum Thema Trend kannst du mir vielleicht einen kleinen Einblick geben, weil ich war ja die ganze Zeit immer sehr nischig und jetzt war ich ein paar Mal auf einer Buchmesse und wurde von mehreren Leuten angesprochen, die zu mir gesagt haben, als sie vor dem Tisch standen, ach ja, Musikromane, ja, das ist ja jetzt gerade Trend. Das ist an mir vorbeigegangen, aber wenn dem so wäre, würde ich mich ja freuen.
Johannes
01:07:37
Musikromane, also das finde ich sehr lustig. Wir hatten eine sehr, sehr erfolgreiche Reihe Rock My Life, Rock My World oder so ähnlich. Das war genau das, da waren wir ein bisschen früh dran, hat aber ganz gut funktioniert. Das ist natürlich auch ein Thema der heutigen Zeit. Diese Trends gehen natürlich auch viel schneller wieder vorbei. Also gerade bei einer jungen Zielgruppe, da hecheln wir schon auch ein bisschen hinterher. Auch mit dem Thema Ausstattung zum Beispiel. Also wo du natürlich früher noch mit einem einfarbigen Farbschnitt große Begeisterungsstürme ausgelöst hast. Ist da jetzt schon so ein Mäh. Auch da versuchen wir immer was Neues zu bieten, aber ich finde es auch toll, muss ich sagen. Also, dass wirklich der Buchmarkt so eine Renaissance erlebt hat, bei jungen LeserInnen, die sich so begeistern. Also wir wurden ja, wir waren ja auch auf der Frankfurter Buchmesse jetzt gerade schon. Ich meine, am Samstag, du wurdest ja überrannt. Und das ist so toll, dass wir das erleben dürfen und dann nicht vor leeren Hallen stehen und sagen, sind alle nur noch am Handy. Und dann wirklich stapelweise toll ausgestattete Bücher an die Kasse tragen, weil sie sagen, kann ich mir nicht, kann ich mir nicht bestellen bei Hugen Dubel, mache ich nicht, brauche es jetzt, muss jetzt kaufen. Dann tragen die drei Zielsteine den ganzen Tag mit durch die Gegend und dass wir so eine Passion auslösen können, ich finde das großartig.
Vera
01:08:54
Das stimmt, auf jeden Fall. In Leipzig finde ich das ja noch mehr, also das ist ja super.
Johannes
01:08:59
Ich fand es dieses Jahr in Frankfurt schon fast genauso.
Vera
01:09:04
Ja, also Dann passt ja dein Rock in Peace, Tamara.
Tamara
01:09:08
Also ganz sicher bin ich jetzt immer noch nicht.
Vera
01:09:11
Ob es ein Trend ist.
Johannes
01:09:13
Also wir wollen diese Buchreihe, die wir gemacht haben, die würden wir nochmal bringen in Neuwand. Ich sage mal so.
Tamara
01:09:27
Alles klar, sehr schön.
Vera
01:09:30
Gut.
Tamara
01:09:30
Dann haben wir jetzt noch zwei Tipps zugute, ne?
Johannes
01:09:34
Also wir haben noch zwei Tipps. Das eine haben wir vorhin schon auch so ein bisschen besprochen, nämlich Social Media. Da habe ich deinen Account so gelockt, Vera. Also das ist einfach wirklich, es soll kein Werbeprospekt sein, sondern ein authentischer Blick innerhalb einer Persönlichkeit. Man kann natürlich auch einen thematischen Social-Media-Account machen. Das hatten wir auch vorhin so ein bisschen besprochen. Wenn man jetzt Autorin, Autor ist und sagt, ich will aber nicht vor der Kamera die ganze Zeit. Dann kann man das ja auch thematisch aufziehen. Da muss man einfach schauen, was bietet mein Buch als thematischen roten Faden. Und das kann man ja auch total super machen. Und da greife ich auch nochmal das auf, was wir schon vorhin hatten, was das Cover angeht, digital. Und das ist natürlich auch noch ein weiterer Punkt, nämlich das digitale Schaufenster sozusagen. Also schaut, dass ihr bei den Händlern alles schön ausgestattet habt. Auch während, muss ich sagen, habe ich auch nochmal geguckt bei dir, was du bei Amazon A+, da unten alles zu stehen hast in dem ganzen Beschreibungstext. Der hätte ich diesen persönlichen Tipp. Du hast deine Protagonisten fotorealistisch dargestellt. Da wäre ich jetzt zum Beispiel vorsichtig, weil ich persönlich finde, da nimmst du dem Leser schon die Fantasie vorweg, die er haben könnte, wenn er das Buch liest. Da würde ich wirklich einfach, da kannst du mit einer Kachel arbeiten, wo der Name draufsteht oder eine Silhouette oder eine Schattenfigur oder irgendwas. Da wäre ich zum Beispiel vorsichtig. Aber das alles schön auszustatten, sein Buch zu fotografieren und diese Fotos hochladen zum Beschreibungstext, das ist alles umsonst, würde ich mal sagen. Und das macht das Buch und das Produkt aber greifbarer. Also diese ganzen Plattformen auch wirklich voll auszuschöpfen.
Vera
01:11:16
Ja, vielen, vielen Dank. Ja, lieber Johannes, jetzt hast du so lange jetzt hier uns toll inspiriert. Jetzt lassen wir dich aber noch nicht gehen, weil jetzt gibt es die drei total kritischen Buch-Bubble-Fragen von Tamara.
Johannes
01:11:30
Oh nee, jetzt geht's los.
Vera
01:11:31
Ja, jetzt geht's los.
Tamara
01:11:32
Jawohl. Johannes, welches Buch hat dich als Leser denn zuletzt im positivsten Sinne überrascht?
Johannes
01:11:40
Also das klingt vielleicht nach einer Dauerwerbesendung meinerseits, aber es ist tatsächlich Charlotte Link und kalte Tage, weil ich wirklich nochmal gedacht habe, wow, she did it again. Und was mir bei diesem Buch nochmal viel klarer geworden ist, warum ich ihre Romane eigentlich so mag. Und das war der besondere Moment. Jeder Charakter in diesem Buch hat eine Geschichte. Everyone has a purpose. Da kommt keine Nachbarin und die ist einfach nur eine Nachbarin. Und dann geht die. Die hat in zwei Sätzen, in denen Charlotte das schreibt, hat die einen Auftrag, hat die eine Emotionalität und hat die eine Geschichte.
Tamara
01:12:14
Mega.
Johannes
01:12:15
Ja. Das ist was, was ihre Bücher ausmacht. Es ist die psychologische Tiefe innerhalb eines spannenden Kriminalromans. Und das hat mich wirklich einfach immer wieder begeistert und diesmal nochmal.
Tamara
01:12:26
Sehr schön. Und was hast du denn aus deinem größten Fehler gelehrt?
Johannes
01:12:31
Genau, das hatte ich auch schon erwähnt tatsächlich, sag es aber gerne nochmal, aufs Bauchgefühl hören. Also wirklich, wenn man sagt, irgendwas ist noch nicht ganz stimmig, aber auch das, da braucht man auch die Erfahrung. Also auch da muss man erst mal lernen, okay, das Bauchgefühl hätte recht gehabt, dann einfach, ja, das gehört auch dazu, aber da würde ich heute wirklich sagen, ich bin da mit meiner Meinung auch relativ eindeutig und sage auch, also ich sehe es so und so, da kann man sich ja als Team anders entscheiden und dann trage ich das auch mit, das ist überhaupt nicht das Thema, aber früher auf mein Bauchgefühl zu hören und zu sagen, Leute, ich bin doch nicht ganz glücklich. Mhm.
Tamara
01:13:07
Und abschließend, was sollte deiner Meinung nach über dem Schreibtisch aller AutorInnen stehen?
Johannes
01:13:13
Warum? Also warum?
Tamara
01:13:16
Ist das eine Gegenfrage oder die Antwort?
Vera
01:13:20
Warum?
Johannes
01:13:20
Gut, oder?
Vera
01:13:21
Ja, war gut.
Johannes
01:13:24
Also ich würde mir immer die Frage stellen, warum handelt eine Kultur so? Warum ist dieser Ort, wie er ist? Also der ist nicht einfach nur so, der hat auch eine Geschichte. Warum ist das so? Und das muss überhaupt gar keinen Einfluss haben, jetzt genau in den Text, aber das würde ich mich immer stellen. Warum entsteht diese Stimmung gerade zwischen den Personen? Hat da jemand eine Vorgeschichte? Gibt es da irgendwas? Ist einfach nur kalt. Also das würde ich mich immer fragen. Und drum ist es kein Satz, den ich mit auf den Weg geben würde, sondern einfach nur, warum? Warum?
Tamara
01:13:57
Megastark.
Johannes
01:13:58
Finde ich super.
Vera
01:14:00
Johannes, du hast es echt gerockt heute. Also super. Wir sind sehr, sehr glücklich, dass du heute bei uns bist.
Johannes
01:14:07
Ich bin auch glücklich. Dankeschön. Es hat mir sehr viel Freude gemacht.
Vera
01:14:10
Das freut uns erst recht. An euch dann draußen, wir sind sicher, das hat euch auch viel Freude gemacht und ganz bestimmt habt ihr einiges mitgenommen. Sagt uns gerne mal was und gebt uns euer Feedback. Ansonsten wisst ihr ja, was ihr zu tun habt, uns zu folgen. wo immer es geht. Und natürlich unser Book Bubble Bulletin abonnieren. Dann danke nochmal an dich, Johannes. Und danke an euch da draußen. Bleibt uns gewogen. Bis nächste Woche.
Johannes
01:14:39
Danke euch.
Tamara
01:14:40
Danke. Tschau.
Johannes
01:14:41
Tschüss da draußen. Tschau.