Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Die Kunst des literarischen Schreibens: Wie Kaśka Bryla die Regeln herausfordert

Gast dieser Folge ist die Schriftstellerin Kaśka Bryla, und gemeinsam mit ihr wollen die Zwei von der Talkstelle herausfinden, wie literarisches Schreiben funktioniert.

31.07.2025 65 min

Zusammenfassung & Show Notes

Darf Kunst die Regeln brechen? Wo liegen die Grenzen zwischen Hochliteratur und Unterhaltungsromanen? Und wie geht's eigentlich Krähe Karl?
Gast dieser Folge ist die Schriftstellerin Kaśka Bryla, und gemeinsam mit ihr wollen die Zwei von der Talkstelle herausfinden, wie literarisches Schreiben funktioniert. Kann man einen literarischen Roman plotten? Muss Hochliteratur immer anstrengend sein?
Und wie fordert es das eigene Schreiben heraus, wenn man einfach mal die Anführungszeichen weglässt? Hört rein und erfahrt, wie Kaśka ihren Anspruch an Ästhetik mit der Verständlichkeit beim Schreiben unter einen Hut bekommt. 

Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Darf Kunst die Regeln brechen? Wo liegen die Grenzen zwischen Hochliteratur und Unterhaltungsromanen? Und wie geht's eigentlich Krähe Karl?

Gast dieser Folge ist die Schriftstellerin Kaśka Bryla, und gemeinsam mit ihr wollen die Zwei von der Talkstelle herausfinden, wie literarisches Schreiben funktioniert.

Kann man einen literarischen Roman plotten? Muss Hochliteratur immer anstrengend sein? Und wie fordert es das eigene Schreiben heraus, wenn man einfach mal die Anführungszeichen weglässt?

Hört rein und erfahrt, wie Kaśka ihren Anspruch an Ästhetik mit der Verständlichkeit beim Schreiben unter einen Hut bekommt.

Links

Unser Gast
Instagram: https://www.instagram.com/kaska_bryla
Web: https://www.kaskabryla.com

Kaśkas neuer Roman, 'Mein Vater, der Gulag, die Krähe und ich':
https://www.amazon.de/Mein-Vater-Gulag-die-Kr%C3%A4he/dp/3701718105

Kaśkas Buchtipps:

'Gratwanderung' von Jewgenia Ginsburg:
https://www.amazon.de/Gratwanderung-Jewgenia-Ginsburg/dp/3492202934

'Fool on the Hill' von Matt Ruff :
https://www.amazon.de/Fool-Hill-Roman-Matt-Ruff/dp/3423207493/

Möchtest du, dass wir dein Buch in unserem Podcast vorstellen? Kein Problem! Sende uns ein kurzes E-Mail an alle@zweivondertalkstelle.de und wir senden dir die Details. Vielleicht erzählen wir unseren Hörerinnen und Hörern schon in der nächsten Episode von deinem Buch.

Welche Themen oder Gäste wünschst du dir bei uns? Sag es uns gleich hier: https://forms.gle/PBJRCrZPsuLBv88x9

Vielen Dank, dass du unsere Show hörst. Hast du sie schon abonniert? Bitte gib uns auch eine Bewertung, wo immer du uns hörst. Seit Neuestem geht dies auch bei Spotify.

Abonniere unseren Buchbubble-Bulletin unter http://eepurl.com/hoJYfD

Folge uns:
Facebook https://www.facebook.com/dzvdt
Instagram https://www.instagram.com/dzvdt/

Create your podcast today! #madeonzencastr

Transkript

Vera
00:00:00
In Folge 273 haben wir Kaschka Brila zu Gast. Sie ist literarische Schriftstellerin. Darüber reden wir und über noch verschiedene andere Aspekte des Schriftstellerin-Daseins.
Tamara
00:00:16
Wir haben drüber gesprochen, was es denn bedeutet, literarisch zu schreiben, wo die Grenzen sind, was darf Literatur, was darf Kunst überhaupt. Und Vera hat ein bisschen schwitzige Hände bekommen bei der Vorstellung, dass ein Buch vielleicht mal keine Anführungszeichen hat. Hört auf jeden Fall rein, es war sehr, sehr interessant. Die zwei von, Hier ist Folge 273 von Die zwei von der Talkstelle, dem Podcast rund ums Schreiben veröffentlichen im Verlag, im Self-Publishing. und ich sage hallo, liebe Vera Nendich. Die sitzt mir nämlich gegenüber. Ich bin Tamara Leonhardt.
Vera
00:01:08
Ja, hallo, liebe Tamara. Wie immer eine perfekte Einführung. Und ja, letzten Mal machst du das ja immer schon aus der Übung. Ich weiß gar nicht, ob ich das jetzt so hinkriegen würde.
Tamara
00:01:23
Was kriegst du denn sonst so hin?
Vera
00:01:26
Nicht viel, nicht viel.
Tamara
00:01:27
Wie, wie?
Vera
00:01:32
Ich weiß nicht, ob sie mitbekommen sind.
Tamara
00:01:33
Du hattest Lesung am Samstag.
Vera
00:01:35
Ja, man kann das so nennen.
Tamara
00:01:39
Gott, ja. Stimmt, ich habe einen Post gesehen.
Vera
00:01:43
Ja, das war nicht so geil. Das war mal wieder eine Erfahrung der dritten Art. Also wirklich. Es war in der Auferstehungsgürche in Köln. Ich war da vor ein paar Monaten mal. Da hatte er eine Bekannte. Hat da so ein Gedicht-Lyrik-Lesung mit Musik gemacht, war ganz schön und da hatte ich halt die Ausaktorin angesprochen und die war dann auch interessiert und sagte dann irgendwann, ja, dann macht man das im Sommer. Und so während unserer speziellen Sommerprogramm und ja, und das war schon bei der letzten Lesung, wo ich war, so, dass man vorher dann, dass da so ein bisschen Kaffeetafel aufgebaut war, komm Kaffee trinken und dann ging man halt gesammelt quasi in den Kirchenraum, wo dann das so gestuhlt war, wie das so halt üblicherweise ist. Und da war das Programm und so. Und so hatte ich es mir halt jetzt auch vorgestellt. Als ich da ankam, waren aber richtige Tische gedeckt in einem ganz anderen Raum. Also wirklich auch mit Geschirr und Gedeck. Und es hieß ja, da kommen die ganzen Senioren zum Kaffee, Kuhn und Bohle, Schneewitschenbohle, was immer das ist. Und ich muss gestehen, da hatte ich schon eine Ahnung. Ich habe schon mal vor Senioren gelesen und ich weiß, dass das eine Herausforderung sein kann. Und ja, so war es dann halt auch. Also auch wenn natürlich die, was sagt, Torin sagte, sie hat natürlich überall bekannt gegeben, dass es Lesungen gibt, die sind eigentlich alle nur gekommen zum Klönen, Kaffeetrinken und Bohneschlürfen. Ich war lästig. So, als ich da angesagt habe, dann habe ich angefangen, habe ich so mein erstes Stück gelesen, ein bisschen, mache ich aber noch ein bisschen verspürgst du drumherum. Ich merkte schon an die Reaktionen, die waren, wenn überhaupt vorhanden, dann doch sehr zurückhaltend. Und dann habe ich das erste Stück gelesen und danach kam schon tosender Applaus. Ich glaube, die waren alle schon gedacht, das ist Gott sei Dank schon vorbei. Das hatte ich nicht verstanden und habe dann weiter gelesen, der Applaus wurde nach diesem Stück auch weniger und da habe ich mir noch ein bisschen erzählt, ich stelle ja dann die Figuren vor, und ich merkte totale Unruhe an zwei Tischen weiter hinten wurde sie ständig laut gehalten, was ich da versucht habe, um auszubrennen. Und als ich dann so sagte, in dem Part lese ich jetzt vor, merkte ich so diese stiegene Unruhe und ich dachte, oder wollen wir noch mal Päuschen machen, ja, ja, großes Hallo, ja, Päuschen machen. Da habe ich gesagt, mach mal Päuschen. Und da warte ich vielleicht gerade, da war eine knappe halbe Stunde rum. Ich hatte kaum gesagt, Päuschen standen die ersten aus und gingen.
Tamara
00:04:27
Oh Gott.
Vera
00:04:28
Ich gucke so und ich bin da zu der Auditorin, die hat das auch nicht begriffen. Die sagte noch, ja, wir wisst, das ist noch nicht vorbei, hat die aber nicht interessiert. Das dauerte keine zehn Minuten, waren alle weg. Also, es waren so drei, vier, die dann auch zu mir kamen. Ich hatte natürlich so ein Buchverkaufsticht, zwei oder drei haben auch so tatsächliche Bücher gekauft. Die sagten, das finden sie so respektlos und an den hinteren Tischen hätten sie wohl immer gesagt, ach, langweilig. Und so, da habe ich das dann eigentlich nicht gehört. Also ich habe es dann, ich habe es relativ locker genommen, aber ich habe mir gedacht, ab wann im Alter wird man so, ja, mir fällt das richtig adjektiv nicht ab.
Tamara
00:05:14
Ignorant?
Vera
00:05:15
Ignorant, genau. So ignorant, ich meine, klar, einen Teil kann man auf Schwerhörigkeit schieben, wahrscheinlich haben die die Hälfte ja nicht verstanden und so, aber also wirklich, das war schon hochgradig ignorant und so, ne, also. Naja, war ein Erlebnis. Ich meine, ich habe bei dir älter viel gekriegt.
Tamara
00:05:36
Ich fühle das sehr. Ich hatte sowas auch bei einem ältere Damenfrühstück. Die waren am Anfang total aufmerksam und haben auch mitgemacht und sich gefreut und so. Und ungefähr nach der Hälfte habe ich dann auch gesagt, sollen wir mal ein Päuschen machen, dann kann sich jeder mal einen Kaffee holen und so. Und als ich dann nach diesem Päuschen wieder loslegen wollte, die haben einfach weiter geschwätzt, weil die haben sich halt auch so lange da nicht gesehen und so. Und dann haben wir gesagt, dann singen wir jetzt erstmal ein Lied. Das kriegen sie ja dann mit. Aber da kam auch danach dann keine Reaktion. Dann habe ich es mit Humor versucht, habe ins Mikro gesagt, Kinnas, das ist auch für mich die siebte Stunde. Nix. Also ich hätte eigentlich zu der Veranstalterin sagen sollen, ich glaube, wir sind durch dann jetzt. Aber ja, es gab halt auch eine fest abgemachte Gage. Also habe ich gedacht, du musst dein Programm durchziehen. Ja, da sind dann auch wirklich im zweiten Teil dann viele gegangen, weil die haben halt dann ihr Schwätzchen auch gehalten gehabt. Aber der erste Teil war nett.
Vera
00:06:39
Ja, also im Prinzip, ich hätte mir die ganze Lesung sparen können, aber das habe ich halt gemacht. Und ich bin relativ stolz auf mich, oder ich bin sogar sehr stolz auf mich, und da hat sich das doch sehr gelassen. Also ich hatte schon fast, als ich die Tische sah und wie das so, die Stimmung vorher. Da habe ich mir schon gedacht, das wird hart.
Tamara
00:07:04
Man kann nur dazulernen.
Vera
00:07:07
Ja, ich habe es gemacht. Ich bin froh, dass nicht anderes Publikum, ich habe das ja auch beworben als Ledo, dass nicht andere dazugekommen sind, die ich wirklich enttäuscht gewesen wäre. Also okay, kann ich auch da Erfahrung abbuchen und den netten Social Media Post draus machen, weil das ist ja auch weit wert.
Tamara
00:07:30
Genau. Ich habe übrigens, ich weiß nicht mehr, ob letzte oder vorletzte Nacht von dir geträumt.
Vera
00:07:37
Oh wow.
Tamara
00:07:38
Und zwar hast du gesagt, dass du jetzt ein Buch beim Verlag auch rausbringst und hast es gerade fertig geschrieben. und da habe ich gedacht, gut, Verlag, dann wird es wohl irgendwie im Herbst oder nächstes Jahr kommen. Da hast du gesagt, nee, nee, in zwei Wochen. Aber die machen überhaupt kein Marketing.
Vera
00:07:57
Ein schräger Traum. Da passen vielleicht mehrere Dinge nicht zusammen.
Tamara
00:08:02
Ich dachte dann so, Vera, das weißt du doch.
Vera
00:08:09
Ja, also das müsste man jetzt mal deuten. Das bedeutet.
Tamara
00:08:14
Ja.
Vera
00:08:15
Aber wir müssen noch eine Sache, wir müssen noch wieder ein Shoutout machen. Und auch schon wieder, wir machen ständig Shoutouts für den Literarischen Salon, weil die haben doch jetzt ihren sechsjährigen Geburtstag heute.
Tamara
00:08:28
Oh, das habe ich noch nicht mitbekommen. Herzlichen Glückwunsch.
Vera
00:08:32
Sechs Jahre Literarischer Salon.
Tamara
00:08:34
Sehr cool.
Vera
00:08:34
Eine tolle Leistung, seit diesem Jahr da etwas voraus. Und ja, und noch im Nachtrag zu meinem Lesungsthema habe ich gedacht, womöglich sitzen wir in 20, 30, 40 Jahren zusammen im Seniorenheim und machen Podcast, oder?
Tamara
00:08:54
Wer weiß. Alle vier.
Vera
00:08:57
Genau. Na gut, also bei mir könnte 40 Jahre, das könnte eng werden. Da muss ich noch schwerer. Ja, gut, okay.
Tamara
00:09:06
Ach, kriegst du hin.
Vera
00:09:09
Dann bin ich sitze ich genauso. Also ich hatte auch noch nie so Veranstaltungen mit einem so hohen Rollatorquote. Ich habe da sogar Koko gemacht. Die ganzen Rollator-Armenhader, die da stand. Und dann stelle ich mir vor, wie ich dann da mit meinem Rollator reinschlafe, und stocktaub, wie ich dann bin, schrei, wo ist die Bohle?
Tamara
00:09:33
Langweilig!
Vera
00:09:35
Langweilig!
Tamara
00:09:35
Ha!
Vera
00:09:39
Ja, so.
Tamara
00:09:41
So, jetzt habe ich noch was zu erzählen. Vielleicht bin ich dir jetzt nämlich einmal voraus. Ich habe von meinem neuen Buchprojekt A schon den Titel und B schon fast den fertigen Plot. Also ich mache die Blake Snyder Beat Sheets und ich habe fast alle Beats schon ausgefüllt. Also im Kopf habe ich den Plot auch schon komplett, aber ich will ihn einmal runterschreiben auf den Beat Sheets und bin fast fertig.
Vera
00:10:08
Oh Mann, jetzt geht ja voll ab jetzt.
Tamara
00:10:10
Jetzt guckst du aber.
Vera
00:10:11
Ja, der Druck wächst. Ja, schön, das ist echt toll.
Tamara
00:10:16
Ich meine, bis ich das fertig geschrieben habe, hast du fünf Bücher veröffentlicht.
Vera
00:10:21
Wenn du den Platt hast, musst du dann nur ausmalen.
Tamara
00:10:24
Ja, ich muss jetzt erst mal ordentlich recherchieren, weil es war wirklich, also am Abend nach unserer letzten Aufzeichnung hatten wir von der AutorInnen-Lounge abends noch ein Online-Treffen, wo wir so ein paar Schreibübungen gemacht haben und da habe ich mir gedacht, dann mache ich meine Schreibübung gleich mit der Figur von dem neuen Projekt. Und das hat mich dann so beflügelt, dass ich dann, als wir fertig waren, eben angefangen habe, mir zu überlegen, wie das jetzt alles abläuft mit der Handlung und so. Und das war, also jeder Gedanke war wie so Domino, hat wieder was angestoßen, wo ich gedacht habe, aber Moment, wenn das passiert, dann bedeutet das ja, dass vorher das passiert ist und da hängt das mit dem zusammen und also long story short, ich hatte eine Idee für ein, kleines familiäres Drama im Musikumfeld und habe jetzt ein historisch-politisches Drei-Generationen- Dramen-Epos.
Vera
00:11:29
Oh Gott. Da bin ich aber jetzt mal sehr gespannt.
Tamara
00:11:33
Das heißt, ich muss jetzt einiges in Sachen Geschichte recherchieren, in Sachen verschiedene Länder, in Sachen, was da politisch zu der Zeit los war, dann muss ich auch noch einige psychologische Dinge recherchieren. Also ich habe eine dicke, fette Liste an Recherchethemen.
Vera
00:11:52
Das wäre ja für mich Grund, dass ich die Idee verwerfe.
Tamara
00:11:55
Nein, sie ist großartig. Ich liebe sie jetzt schon.
Vera
00:11:59
Ja, die ist bestimmt großartig. Dann bin ich, wie gesagt, bin ich sehr gespannt, bis ich die ersten Details davon erfahre, wo es denn genau geht. Wobei wir da wirklich jetzt, glaube ich, schon sehr nah bei unseren heutigen Gast sind.
Tamara
00:12:11
Das kommt mir sehr zu Pass heute.
Vera
00:12:14
Ja, mir auch. Ich bin sehr gespannt. Wir haben nämlich heute eine Autorin, eine Schriftstellerin zu Gast aus Österreich. Und sie schreibt Theaterstücke, sie schreibt politisch. Sie war letztes Jahr für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert. Und im August kommt ein neues Buch von ihr raus. Und wir wollen mal so ein bisschen hinter die Kulissen von ihr schauen. Wir freuen uns sehr, dass sie heute da ist. Kaschka Brila ist da. Hallo Kaschka.
Kaska
00:12:46
Hallo, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich auch sehr, bei euch zu sein.
Tamara
00:12:51
Hallo.
Vera
00:12:52
Liebe Kaschka, wie geht es der Krähe Karl?
Kaska
00:12:55
Der Krähe Karl geht es hoffentlich gut. Zumindest als ich sie das letzte Mal gesehen habe, als ich noch in Leipzig gewohnt habe, ging es ihr gut. Sie wurde wie man das so schön sagt erfolgreich ausgewildert.
Tamara
00:13:11
Dann erklärt mal kurz für die, die jetzt keine Ahnung haben, worum es geht.
Vera
00:13:15
Ich wollte es gerade. Nein, das Buch von Kaschka, das im August erscheint, heißt Mein Vater, der Gulag, die Krähe und ich. Und wenn man auf deiner Webseite schaut, dann gibt es da so ein schönes Vorstellungsvideo von dir. Und da kommt die Krähe Karl auch tatsächlich vor. Und wobei ich jetzt so als Schreibende mir bei dem Titel des Buches schon überlegt habe, was war zuerst? War zuerst da der Gedanke, ich schreibe was über meinen Vater und den Gulag oder ich schreibe was über die Krähe?
Kaska
00:13:53
Also auf jeden Fall war mein Vater und der Gulag die zwei quasi als Motiv oder auch als Versprechen, das da im Raum stand, begleiten mich ja seit Anbeginn dieses, ich nenne es jetzt mal Schriftstellerinnen-Projektes. Insofern ist das gar nicht losgelöst von meinem literarischen Schreiben denkbar, weil das eigentlich in dieser Ernsthaftigkeit mit dem Tod meines Vaters und diesem Versprechen, das ich ihm gegeben habe, eben auch seine Geschichte zu verschriftlichen, also im Speziellen seine Widerstandsgeschichte und seine Zeit im Gulag begonnen hat. Und die Krähe kam ja viel später, eben während der Pandemie 2020 in meinem Leben. Und insofern war da, um deine Frage ganz konkret zu beantworten, war mein Vater unter Gulag, diese Geschichte war zuerst und hat sich dann organisch verflochten mit der Pandemie-Geschichte und Karl.
Vera
00:15:05
Aber da muss ich jetzt noch mal ein bisschen nachhaken, weil vielleicht bin ich da ein zu pragmatischer Mensch. Wie muss ich mir den schriftstelligen Prozess vorstellen, wenn du sagst gerade schon, du hast dich ja schon länger mit der Geschichte deines Vaters beschäftigt und dann wirst du krank und dann kommt eine Krähe. Wo ist der Moment, wo man sagt, das passt irgendwie zusammen und da wird ein Buch draus?
Kaska
00:15:31
Also wo genau der Moment ist, ich glaube, es war kein Moment, Das war ein Prozess, weil ich schon davor, also vor diesem Buch, viele Anläufe unternommen habe, die Geschichte meines Vaters eben zu verschriftlichen. Und es war nie so ganz der richtige Ton, es war nie so ganz das richtige Setting. Und dann kam eigentlich der Sommer 2023, in dem ich auf so einer Residenz, wo es eigentlich ums Übersetzen ging, also ums Übersetzen des letzten Buches, der Eisthocher, begonnen habe, die ersten fünf Seiten zu schreiben. Und dann war dieser Ton, genau der Ton, den ich gesucht habe, für diese Geschichte. Und das, was ich zu schreiben begonnen hatte, spielte eben an dem Ort, wo ich auch Karl großgezogen habe, auf dem Wagenplatz, auf dem ich gewohnt habe zu der Zeit. Und ohne, dass ich das jetzt so ganz speziell versucht habe, begann ich diese Geschichte, also meine Geschichte der Pandemie und des Aufziehens von Karl, meinem Vater zu erzählen in diesem Text.
Vera
00:16:50
Ah, okay.
Kaska
00:16:51
Und damit auch ein Gespräch mit ihm zu führen.
Tamara
00:16:57
Kannst du diesen Ton näher beschreiben? Was hast du gesucht? Wo hast du irgendwie gesagt, nee, das ist es noch nicht und was hat sich dann verändert, dass du gesagt hast, so möchte ich es jetzt haben oder wie würdest du diesen Ton auch beschreiben?
Kaska
00:17:14
Also ich habe gemerkt, dass ich die Geschichte meines Vaters nicht unabhängig von meiner eigenen Geschichte schreiben kann. Es wurde mir klar, dass es so etwas wie ein Austausch sein muss. Also das, was er mir geschenkt hat, indem er mir seine Geschichte überlassen hat, das muss ich mit etwas aufwiegen aus meiner eigenen Geschichte. Und dieser Ton muss einfach sehr nah an mir schlagen. Vielleicht so am ehesten.
Tamara
00:17:46
Also sehr persönlich einfach.
Kaska
00:17:48
Ja.
Vera
00:17:49
Jetzt habe ich ja, das Buch erscheint ja noch, ich habe es noch nicht reinlesen können. Ist es dann mehr, sind es quasi Gespräche oder gibt es eine wirkliche Handlung in diesem Format?
Kaska
00:18:05
Also es gibt mehrere Handlungen. Also es sind auch Gespräche, zum Teil sind es auch wirklich die Gesprächsaufnahmen, die ich mit meinem Vater gemacht habe, bevor er gestorben ist, eben zu seiner Geschichte. Die habe ich aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzt und transkribiert. Und dann eben für dieses Buch in, ja, ich würde jetzt mal sagen, einen eigenen Ton versucht zu bringen, damit sein Ton also auch sehr deutlich spürbar wird. Also eben auch so, wie ich ihn im Ohr habe, obwohl wir meistens polnisch gesprochen haben, sodass es für mich im Deutschen trotzdem diesen Ton beibehält. Das ist ein Strang des Buches, aber dann gibt es natürlich die Handlung des Krankheitsverlaufs, die Handlung des Großziehens der Kreher und dann auch eben meine Geschichte mit meinem Vater, also unabhängig von diesen Aufnahmen, die sich da durchziehen. Also diese Handlungsstränge und eben auch ganz wichtig, also dieser Krankheitsverlauf, der ja auch stark mit einer Isolation einherging. Die eine eigene Stimmung hervorbringt.
Vera
00:19:30
Ja, klar, kann man nachvollziehen. Jetzt überlege ich die ganze Zeit, wir hatten gerade im Vorgespräch kurz das Stichwort, so die Vorbereitung, das Plotten einer solchen Geschichte. Wie bereitest du oder wie hast du dich in dem speziellen Fall vorbereitet? Benutzt du Plot-Methoden oder richtest du dich einfach nur an dem Gespräch, das du mit deinem Partner hast gerichtet? Wie hattest du eine strukturelle Vorbereitung dieses Projektes?
Kaska
00:19:59
Also ich hatte, ich glaube, so könnte ich das bei diesem Buch wirklich nicht sagen. Also nachdem es ja im Unterschied zu den vorherigen zwei Romanen der Plot quasi recht simpel war, war das gar nicht der Fokus. Also ich wusste ja ungefähr diesen roten Faden und der war ja da. Aber also das Wichtige waren wirklich die Stimmungen.
Tamara
00:20:34
Das heißt, da hast du so ein bisschen entdeckt einfach beim Schreiben, wo es dich hinführt, wie du das, was du da empfindest, rüberbringen kannst mit Worten.
Kaska
00:20:43
Ja, genau. Also das war auf jeden Fall eben auch die Herausforderung. Diese ganzen Verflechtungen auch reifbar zu machen also für mich beim Schreiben und dann auch eben in der Hoffnung sie halt nachvollziehbar zu machen, das ist ja etwas, das, Das weiß man ja immer erst später.
Vera
00:21:07
Das ist das Problem, ja. Deswegen fragen wir da so nach, weil wir immer so unsicher sind.
Tamara
00:21:15
Jetzt hast du vorhin schon das Stichwort literarisches Schreiben gesagt. Und soweit ich weiß, hast du das ja auch studiert. Kannst du so aus deiner Sicht mal sagen, wie sich literarisches Schreiben von Unterhaltungsliteratur abgrenzt? Oder siehst du da überhaupt klare Grenzen? Wie würdest du das definieren?
Kaska
00:21:38
Also ich glaube, an seinen äußeren Rändern kann man wahrscheinlich die Unterschiede schon sehr klar ausmachen. Weil wenn ich jetzt den äußeren Rändern von Unterhaltungsliteratur schaue, wo die Vorgaben von Satzlängen sehr klar sind, wo irgendwie die Plot-Vorgaben sehr klar sind, also wo man quasi in ein vorgegebenes Schema hineinschreibt mit beschränkten Freiheitsgraden, während in der, unter Anführungszeichen, weil ich den Begriff nicht so mag, aber mir fällt jetzt auch gar nichts anderes ein, in der Hochliteratur, sind genau diese Sachen offen. Also es ist quasi ein Gesetz, dass sie offen sein sollen, damit man da maximal in alle Richtungen sich bewegen kann. Das würde ich sagen, sind die äußeren Ränder. Und wenn man sich von denen nach innen bewegt, verschwimmen die Grenzen natürlich, weil sich das dann auch nicht mehr so scharf unterscheiden lässt. Also meiner Meinung nach, es gibt großartige Werke der Literatur, die wahrscheinlich sehr viele Elemente von Genre in sich tragen und es gibt sehr viele. Ich nenne es jetzt mal langweilige Hochliteratur, also von der Wertung her kann man schon überhaupt nichts sagen.
Vera
00:23:11
Nein, das stimmt.
Kaska
00:23:13
Ja, also nur in den Extremen würde ich vielleicht sagen, dass da die Unterschiede greifbar sind. Also wenn man sich jetzt zum Beispiel einen Text wie den diesjährigen Gewinnertext des Bachmann-Preises anschaut, von Natascha Gangl, dann ist da eben, also allein schon in der Schriftform, wie er verschriftlicht ist, die Nähe zur Lyrik so stark, dass sich das natürlich ganz stark unterscheidet von jetzt einem sehr klassisch strukturierten und vorgegebenen 450 Seiten Fantasy Roman. So, das glaube ich, das lässt sich schon sagen.
Tamara
00:24:00
Und das andere ist eine Skala.
Kaska
00:24:04
Ja, genau, also würde ich schon immer sagen. Und ich finde es auch manchmal schade, wenn zu sehr auf diese Grenzziehungen bestanden wird. Also das ist ja auch eher wirklich ein Phänomen der deutschsprachigen Literatur, weil eben im Englischen wird das ja gar nicht so stark getrennt. Und deswegen ist da auch viel mehr Freiheit in der Literatur, finde ich. Und das bringt ja auch wieder interessante Sachen hervor.
Vera
00:24:35
Jetzt muss ich ja mal so ein bisschen provokant formulieren. Jetzt wir, Tamara und ich, wir kommen ja so ein bisschen aus dem Self-Publishing. Und da stehen öfter schon mal Menschen vor einem, die ein Buch geschrieben haben. Und ich sage es jetzt mal ein bisschen platt, was ziemlich verquast ist. Ja, so woher weiß ich, dass das jetzt keine Literatur ist.
Kaska
00:25:00
Hm, also ich finde, das kann man so nicht beantworten, das lässt sich so nicht beantworten. Ich kann natürlich sagen, es gibt schon Bewertungskriterien für Text, natürlich setzt man Bewertungskriterien an, aber ich könnte nicht sagen, das ist jetzt Literatur und das ist es nicht, weil da ja auch immer wieder das Gegenteil davon bewiesen wird. Also es kommen ja immer wieder, es haben ja immer wieder auch Bücher Erfolg, von denen ich behaupten würde, dass die vor zehn Jahren den Stempel Nicht-Literatur draufgeknallt bekommen hätten. Und zehn Jahre später gehen Entwicklungen in bestimmte Richtungen und Offenheiten entstehen und es setzen sich Strömungen durch und plötzlich ist es anders. Also ich finde das schwer, darüber Aussagen zu treffen, ohne ein konkretes Beispiel vor Augen zu haben. Weil natürlich, sobald ich einen konkreten Text habe und ich lektoriere ja auch, also im Rahmen dessen, dass ich eine Literaturzeitschrift mit herausgebe, habe ich ja auch nicht wenig Lektoratserfahrung. Und natürlich kann ich dann schon sagen, etwas über die Güte eines Textes sagen, aber auch da würde ich immer eben schauen danach, also da würde ich dann irgendwie, das eine ist meine subjektive Einschätzung und das andere ist die ganz wichtige Frage bei jedem Text und da bewegen wir uns ja auch in das, was du meinst, in Self-Publishing in den Markt rein, zu schauen, für wen. Könnte dieser Text interessant sein. Und da ist es ja dann oft, dass es Texte gibt, die würde ich in meinem Leben nicht lesen, weil es so weit weg von meinem Interesse ist. Aber es gibt ganz viele Menschen, für die das interessant ist und die genau das lesen wollen. Und dann wer bin ich zu sagen, also das ist nicht Literatur. Also für, Also ich habe auch letztens ein ganz interessantes Feature im Radio gehört, eben zu diesen Jugendliteratur oder Young Adult Literature, die sich eben ja ganz stark über TikTok vermarktet und wo eben dann auch angekreidet wurde aus der Buchbranche, dass das ja keine hochwertige Literatur ist. Und auf der anderen Seite, wie toll, dass so viele junge Menschen irgendwie lesen wollen. Also da denke ich mir, das Lesenwollen ist irgendwie das Wichtigere. Und wenn die dann noch andere Sachen lesen wollen, dann werden die da schon hinkommen. Aber wenn sie gar nicht lesen, dann werden sie auch zu keinen anderen Dingen kommen.
Vera
00:28:02
Absolut.
Tamara
00:28:03
Ich glaube, es ist ja auch immer die Frage, was man als Leser, Leserin gerade möchte. Also wenn ich einfach ganz entspannt mich ein bisschen unterhalten lassen will, dann ist es eben was anderes, als wenn ich sage, ich möchte jetzt, dass meine Gedanken irgendwie angeregt werden durch neuartige Überlegungen, die ich zuvor noch nie gehört habe.
Kaska
00:28:22
Genau, eben. Und ich finde auch, es ist alles da drin legitim und deswegen ist auch alles da drin zu schreiben, finde ich, legitim. Also, weil es gibt das Pendant dazu, nämlich die LeserInnen, die vielleicht genau danach sucht. Das andere ist natürlich, wenn man als Autorin sich überlegen muss, in welche Richtung man sich als Autorin bewegen möchte und welche Türen man sich zu bestimmten Zeitpunkten womöglich verschließt, wenn man jetzt anfängt, ganz klassische Genre zu schreiben. Wie ernst wird man dann noch genommen, wenn man davon wieder wegkommt und woanders... Also ich hätte da keine Beispiele, aber ich glaube schon vielleicht auch, dass es so wie so ungeschriebene Gesetzmäßigkeiten darin schon gibt, dass also auch bestimmte Genres natürlich ein höheres Ansehen genießen als andere und dass es vielleicht dann nicht ganz so leicht ist, da hin und her zu switchen, besonders eben im deutschsprachigen Raum. Würde ich jetzt mal behaupten. Aber ich glaube, wenn ich jetzt zum Beispiel einen Thriller schreiben würde, der sich so gut verkauft wie Stieglasen, dann würde mich auch kein Verlag ablehnen, wenn ich das Buch danach irgendwie wieder dem klassischen Hochliteraturbereich zuschreibe. Also am Ende, glaube ich, richtet sich das meiste dann doch einfach nach den Zahlen.
Vera
00:30:18
Ja, aber das sind genau die Themen, wo ich einhaken will. Ich meine, gerade wenn man vom Schreiben leben will, muss man ja irgendwie schauen, wo kommt das Geld her.
Kaska
00:30:26
Auf jeden Fall.
Vera
00:30:27
Was ist denn dein Eindruck? Ist es einfacher, Geld zu verdienen, wenn man literarisch schreibt? Oder einfacher?
Kaska
00:30:33
Also ich glaube, das ist ja auch die große Versuchung von AutorInnen, die Überlegungen eben ins Genre zu wechseln oder sich dort anzusiedeln, weil die ja doch die Verdienstmöglichkeiten irgendwie realistischer sind. Auf der anderen Seite eben ist es die Aufgabe quasi der Freiheitsgrade, die man sonst hätte im Schreiben. Also es ist so, ich denke schon, dass eben so als ein tätiges Einkommen der Genrebereich realistischer ist. Aber eben, wenn man gerne einfach schreiben möchte, was man will, dann ist natürlich die Literatur der Bereich, wo man das am ehesten machen kann.
Vera
00:31:25
Jawohl, nein, könnte auch mal sein, dass du einen Krimi schreibst. Gibt es literarische Krimis?
Kaska
00:31:30
Ganz sicher. Also ich kann dir jetzt keinen aus dem FF schießen, was ich müsste überlegen. Das ist auch schwierig, weil ich...
Vera
00:31:37
Also es ist kein Widerspruch?
Kaska
00:31:38
Nein, es ist kein Widerspruch, aber ich glaube eben das, was du eben auch vorher gemeint hast, diese Art von Genre-Literatur, was man sich halt mitnimmt irgendwie oft an den Strand, wo man halt entspannt irgendwie so durchblättert, wo man jetzt auch nicht die Mega-Aufmerksamkeit braucht beim Lesen, wo die Strukturen ja bekannt sind. Und das ist ja schon nochmal was anderes. Und das sind aber die Sachen, wo es quasi sichere Absatzmärkte dafür gibt. Im Vergleich zur Literatur, die ja auch für Verlage ja immer so eine Risikoinvestition ist. Und entsprechend ist es ja auch für die AutorInnen eine Risikoinvestition, seine Zeit da reinzuhängen und A, nicht zu wissen, also der Verlag hat ja danach irgendwie, ich weiß nicht in wieviel Buch, noch immer Bock drauf, irgendwie fast nichts damit zu verdienen. Und wird es das nächste Stipendium geben, das eine über Wasser hält und wird es genug Lesungen geben, die irgendwie dann das nächste Jahr halbwegs durchfinanzieren, nachdem das Buch erschienen ist. Also das sind ja alles so sehr große Unsicherheiten in diesem Bereich und man lebt ja jetzt außer, man gewinnt, ich weiß nicht was für einen Preis, meistens lebt man ja nicht auf großem Fuß damit, das tun ja doch die wenigsten.
Tamara
00:33:07
Ja, aber ich glaube, das Stichwort war schon gerade auch ganz interessant, ging mir auch die ganze Zeit durch den Kopf. Ich glaube, je literarischer, desto üblicher ist es auch, dass man einfach mit Förderungen und geförderten Lesungen und so weiter da sein Einkommen bestreitet.
Vera
00:33:23
Aber das ist doch ein sehr ungewisser Weg. Man weiß ja nie, ob man so ein Stipendium kriegt. Da werden sich ja ein paar mehr.
Kaska
00:33:32
Ja, ja.
Vera
00:33:34
Kommst du denn damit klar mit dieser Ungewissheit?
Kaska
00:33:36
Ja, also ich denke mir, so wenn sich ein Stipendium irgendwie dem Ende nähert und eben die Ungewissheit irgendwie wieder steigt, überlege ich natürlich jedes Mal mir so ein bisschen einen Brotjob daneben zu checken, also, Aber ja, ich weiß auch nicht. Ich versuche mich von dem auch nicht so beherrschen zu lassen. Ich denke mir dann immer, ja im Notfall findet sich ein Job, den ich einige Zeit lang machen kann. Ich habe schon den Vorteil, sehr niedrige Fixkosten zu haben. Ich glaube, das erleichtert viel. Und natürlich überlege ich auch immer wieder, vielleicht dann zu versuchen, eben im Genre zu schreiben. Und aber es ist ja auch, also ich habe ja auch Respekt vor Autorinnen, die erfolgreich sind im Genrebereich, das ist ja auch nicht nichts. Also das ist ja jetzt auch nicht, dass man irgendwie sich das so aus dem Nichts heraus irgendwie hinschreibt. Es ist ja genauso Arbeit und es ist ja genauso, also man muss genauso die Verlage finden und hoffen, dass das, was man schreibt, eben genug Interesse weckt. Also, das ist ja auch ungewiss. Aber am Ende, es ist halt, freiberuflich sein ist halt das. Und dann gibt es immer noch die Möglichkeit, eben ein bisschen zu unterrichten und Workshops zu geben. Also, es ist ja immer so, dass Autorinnen-Dasein hat ja immer so mehrere Aspekte, die man mit einschließt in den Brotverdienst.
Vera
00:35:27
Aber wie ist denn dann so deine Vorstellung, wohin es dich führen soll? Du bist ja jetzt noch ein bisschen jünger als ich. Ich weiß nicht, wo siehst du dich denn dann in 10, 15 Jahren, dass das immer so weitergeht mit dieser Ungewissheit? Oder gibt es so einen Punkt, auf den du anvisierst und sagst so, das will ich erreichen, um irgendwie sicher zu sein?
Kaska
00:35:48
Nein. Also nein, ich habe keine Ahnung. Also ich kann das nicht. Ich glaube nicht, dass es wirklich besser wird.
Vera
00:36:02
Okay.
Tamara
00:36:03
Vera kriegt gerade ganz schwitzige Hände.
Vera
00:36:08
Wieso? Also so eine Ungewissheit löst Panik in mir aus. Und also bin ich verwundernswert deine Gelassenheit, und mir fiel gerade noch so was anderes ein, als du das so sagtest, als du darüber sprachst, über den Unterschied Genre und Literatur, muss Literatur immer anstrengend sein?
Kaska
00:36:34
Nein, auf keinen Fall, da bin ich absolut nicht der Typ, der das findet ich finde, also aber vielleicht muss ich dann nochmal nachfragen Meinst du anstrengend im Schreiben oder anstrengend im Lesen?
Vera
00:36:47
Im Lesen.
Kaska
00:36:49
Nein, ich finde nicht. Also ich finde, es gibt großartige Literatur, die sich super leicht unter Anführungszeichen liest und trotzdem so viel transportiert.
Vera
00:37:04
Ja, ich hatte manchmal den Eindruck, ich habe das hier im Podcast hier und da schon mal thematisiert, Ich versuche halt immer, die Buchpreisgewinner zu lesen, oft auch Themen, die mich interessieren. Und ich muss gestehen, dass ich, mit Ausnahme jetzt der letzten der Martina...
Kaska
00:37:22
Ich wollte nämlich Grazer, also Martina Hefter ist doch wirklich nicht anstrengend.
Vera
00:37:27
Nein, das ist überhaupt nicht anstrengend. Das ist wirklich ganz toll zu lesen. Aber ich habe zum Beispiel in Nasser die Hauptstadt versucht zu lesen, muss ich sagen, weil ich großer EU-Fan bin, das Thema mich total interessierte. Ich habe es irgendwann weggelegt. Ich habe es, A, läuft da zuerst ein Schwein durch Brüssel, dann läuft er, dann, Hat er in dem Schreiben, du hast das vorhin auch schon mal so gesagt, in der Schriftform, die haben einfach keine Anführungszeichen über die wöchentliche Rede gemacht. Und da habe ich gedacht, okay, ist das jetzt Literatur? Ich lasse einfach die Anführungszeichen weg. So, ne?
Kaska
00:38:05
Mache ich auch ganz oft.
Vera
00:38:07
Ja?
Tamara
00:38:09
Jetzt braucht er eine flammende Verteidigungsrede.
Kaska
00:38:14
Also ich finde das eigentlich, also für mich ist es schon eine Herausforderung. Ich mache es nicht immer, aber ich finde das schon herausfordernd, das zu schaffen, die Anführungszeichen wegzulassen, ohne dass unklar wird, wer spricht.
Vera
00:38:37
Ja, aber es macht es doch anstrengender. Das ist doch dein Thema. Es muss also anstrengend sein.
Kaska
00:38:41
Nein, nein, der springende Punkt ist, es muss ja so gemacht sein, dass es dir beim Lesen gar nicht auffällt, dass sie fehlen.
Vera
00:38:48
Dann hat mir Nasser das bei mir nicht geschafft.
Kaska
00:38:50
Ja, aber das finde ich, also ich habe das Buch nicht gelesen, deswegen kann ich dazu gar nicht so richtig etwas sagen. Aber ich finde, entweder das gelingt oder es müssen die Anführungszeichen her. Also zumindest für mich ist das so ein Credo. Aber wenn mir das gelingt und ich versuche das schon, also es ist schon so ein kleiner Ehrgeiz dahinter, das zu schaffen, weil ich schon finde, dass es toll ist, wenn dieses Tool wegfallen kann und man merkt es nicht.
Tamara
00:39:24
Also so eine Art Selbstdisziplinierungsübung an dich als Autorin.
Kaska
00:39:29
Ja.
Tamara
00:39:30
Das ist spannend.
Vera
00:39:31
Also ich tue mich da schwer mit, wir haben ja diese Dinge nicht umsonst.
Kaska
00:39:34
Ja, aber nein, nein, ich finde, es funktioniert wirklich auch nur dann, wenn es funktioniert. Und das ist, finde ich, ein wichtiger Punkt. Aber dann, ich finde es ästhetisch einfach so viel schöner. Also ich kann es gar nicht anders sagen. Ich finde irgendwie ja, Ästhetik ist schon auch ein Aspekt, der für mich mitspielt beim Schreiben und wenn es möglich ist, einen Text so zu machen, dass er mich auch ästhetisch zufrieden stellt, also ich rede jetzt von meinen eigenen Texten, ohne damit Verwirrung auszulösen, die ich nicht möchte. Also Verwirrung sollte ja nur dann ausgelöst werden, wenn sie gewollt ist, dann macht mich das schon sehr glücklich. Das kann ich so sagen.
Vera
00:40:26
Ich meine, das Erste, was mir aufgefallen ist, als ich das Cover deines Buches gesehen habe, was per Titel nur ausschließlich in kleinen Buchstaben geschrieben ist. Ich habe ins Buch noch nicht reingucken können. Ich hoffe, sonst nutzt du die großen und kleinen Schreibenden.
Kaska
00:40:39
Ja, ja.
Vera
00:40:40
Gott sei Dank. Also ich habe Leute in meinem Umfeld, leider auch im Beruflichen, die E-Mails schreiben ohne große Kleinschreibung.
Tamara
00:40:49
Ja, das war zeitlang so ein Trend.
Vera
00:40:51
Das ist der Horror.
Kaska
00:40:51
Ja, das stimmt, das war so ein Trend.
Tamara
00:40:53
Aber wir halten fest, Vera mag Normen und Kaschka fordert sie gerne heraus.
Vera
00:40:58
So ist es.
Kaska
00:40:59
Ja, vielleicht so. Aber ich finde auch, es hat ja einen Grund, warum es diese Tools, nenne ich sie jetzt mal, gibt. Aber eben sie herauszufordern, wenn das gelingt, dann finde ich das schon sehr reizvoll.
Vera
00:41:17
Also ist das Literatur, dass ich die Grenzen austeste?
Kaska
00:41:22
Vielleicht ist das ein Aspekt davon.
Tamara
00:41:25
Ich glaube, wichtig ist aber, dass man, weil ich habe schon oft gehört, ich halte mir nicht an die Rechtschreibung, ich mache dies nicht, ich mache jenes nicht, weil das ist Kunst. Und ich glaube, wichtig ist aber, dass man die Regeln kennt und sie dann bewusst bricht. Das soll ich an der Stelle nochmal festhalten.
Vera
00:41:43
Aber wo ist da die Grenze?
Kaska
00:41:45
Also ich glaube, das erkennt man ganz leicht dann daran, ob es noch gelesen wird. Weil so wie du das auch sagst, also ich glaube, wenn man quasi das überstrapaziert, dann verliert man ja auch einfach seine Leserinnenschaft. Und alle AutorInnen, würde ich jetzt mal behaupten, schreiben ja auch dafür, also nicht nur, ganz sicher nicht nur, aber doch auch dafür, um gelesen zu werden. Und das ist ja eben schon auch etwas, was immer mitgeht im Schreiben, auch wenn man jetzt nicht schreibt, um gefällig zu sein, aber man möchte ja doch verstanden werden. Also so weitestmöglich ist es ja ein Kommunikationsweg. Und wenn man sich diese Kommunikation restlos verbaut, indem man eben alle Möglichkeiten des Verstehens quasi entzieht, dann ist das ja nicht mehr das, was man eigentlich bezweckt damit.
Tamara
00:42:59
Ich glaube ja, gerade wenn das eigene Schreiben einen größeren Anteil Kunst als Handwerk hat, dann ist man ja auch in so einem Spannungsfeld zwischen ich will mich ausdrücken und man soll es aber trotzdem verstehen. Ist das was, wo du mit auch zu tun hast? Gehst du vielleicht in verschiedenen Schritten vor, dass du erst für dich schreibst und dann fürs Verstanden werden? Oder wie ist das bei dir?
Kaska
00:43:28
Ich glaube, das ist also dem inhärent. Also ich glaube, meinem Schreiben, es ist immer, ich schreibe so, wie ich schreiben möchte, aber es ist immer das Bedürfnis der Kommunikation, ist immer auch da. Und dann muss es ja trotzdem gegengecheckt werden. Also dann schreibe ich und dann gebe ich es jemandem zum Lesen und prüfe quasi ab, Und inwieweit das, was ich damit intendiere, inwieweit das ankommt.
Vera
00:44:01
Aber ich muss da nochmal. Die Anführungszeichen? Nein, nicht die Anführungszeichen. Tamara, du erinnerst dich, dass wir letzte Woche ein Gespräch hatten, nachdem ich das Buch einer Neuautorin gesehen hatte, die zum Beispiel Worte mit ganz vielen Vokalen geschrieben hat, um das Schreien deutlich zu machen. Oder Sätze fett gedruckt hat oder sogar überlegt hat, Smileys reinzumachen. So, und ich habe ja gesagt, das geht gar nicht. Habe ich jetzt da eine aufkommende Literatin gebremst?
Kaska
00:44:37
Das wird sie wahrscheinlich öfter hören, das werden ja auch genug Verlage dann sagen.
Vera
00:44:42
Ja, leider ist sie schon Druckkosten-Zuschuss-Verrat gegangen, der sagt ja gar nichts, aber, ich tue mich immer noch schwer damit, so zu wissen, wo da die Grenzen sind. Also ich habe ihr gesagt, das geht gar nicht. Du musst durch die Geschichte, durch das, was passiert, deutlich machen, dass da geschrien wird oder dass der Mensch jetzt womöglich lächelt oder was auch immer. Da braucht man kein Smiles für. Das sind für mich so ziemlich klare Regeln. Wenn du jetzt aber sagst, wenn ich jetzt mal Lust habe, auch zu testen, wie weit ich mit Smileys komme und mache es noch Smileys. Wenn das Cas Gabriel macht, wird wahrscheinlich Verlage sagen, das sind hochliterarische Smileys.
Kaska
00:45:36
Das glaube ich nicht.
Vera
00:45:39
Also Smileys gehen nicht. Smileys sind nicht. Anführungszeichen aber weglassen. Aber Smileys gehen nicht.
Kaska
00:45:45
Nein, nein, ich würde sagen, es kommt immer darauf an, ob die Geschichte das trägt, ob der Text das trägt. Wenn es der Text trägt, denke ich mir, es ist alles möglich. Also ich würde nie per se etwas ausschließen, aber es muss, der Text muss, also ich kann nicht zum Beispiel, ich nehme jetzt mal ein Beispiel aus der Zeit, als ich noch am DLL studiert habe, den Versuch darzustellen, dass ein Text quasi handschriftlich geschrieben wurde, indem ich eine Schriftart aussuche, die handschriftliches Schreiben nachahmt. Wenn das der Text, entweder der Text trägt das in sich, so dass wenn man den Text liest, man sowieso das Gefühl hat, als wäre er handschriftlich geschrieben, dann funktioniert er und dann braucht er nicht die Unterstützung einer bestimmten Schriftart. Wenn er die Unterstützung der bestimmten Schriftart zwingend braucht, dann funktioniert er nicht. Aber wenn er funktioniert, dann kann man ihn auch in egal welcher Schriftart dahin kleben.
Tamara
00:47:06
Ich habe erleichtert, weil ich habe ja Handschriften in meinem Roman für die Tagebucheinträge. Und Vera, du musst jetzt ganz stark sein, bei den Zeitschriftenartikeln, wo Lesende kommentieren, da habe ich an drei Stellen auch ein Smiley.
Vera
00:47:27
Ja, womöglich ist dein Buch Literatur, du weißt es gar nicht.
Tamara
00:47:34
Ja, aber ich glaube auch, dass es ein Prozess ist. Also vielleicht hätte ich das vor drei, vier Jahren auch noch nicht gemacht, aber in dem Moment, wenn ich sage, ich habe hier einen eingeschobenen, Zeitungsartikel und da sind Kommentare von Lesenden drunter, dann ist es für mich eine Abbildung der Realität, dass da auch mal ein Emoji dabei ist.
Vera
00:47:56
Ja, da kann ich sogar mitgehen.
Kaska
00:47:58
Eben, aber eben deswegen denke ich mir, ich finde, man Man kann eben, es gibt Leitlinien, aber... Das so ganz zu generalisieren, fände ich halt falsch. Eben genauso wie mit den Anführungszeichen. Es ist ein sinnhaftes Tool, aber das heißt nicht, dass es nicht möglich ist, einen Text, der genauso verständlich ist, ohne die Anführungszeichen zu schreiben.
Vera
00:48:27
Nein, ich bin jetzt doch zufrieden, meines Verstand zu haben.
Tamara
00:48:35
Ui.
Vera
00:48:37
Ich wollte aber jetzt machen, jetzt einen kleinen Themenbruch, weil ich wollte unbedingt noch einen anderen Aspekt schreiben. Ja, ich nehme mich auch. Genau, da sind wir uns einig. Du hast ja eine, wie nennst du das, Redaktionsgruppe oder Zeitschrift politisches Schreiben aufgebaut. In dem sehr schönen Vorstellungsvideo, was es auf deiner Webseite gibt, begründest du das mehr damit, weil du ja netzwerken möchtest und weil du ja so dein eigenes Netzwerk aufbaust. Wir beide sind ja, Tamara und ich, sehr aktiv in diversen Autoren und Autorinnen-Verbänden. So, netzwerkst du auch in Verbänden oder machst du lieber dein eigenes kleines Netzwerk?
Kaska
00:49:20
Also eben, ich würde gar nicht jetzt nur von mir sprechen, weil es ist ja eine Literaturzeitschrift und gleichzeitig ein Autorinnen-Kollektiv, das diese Literaturzeitschrift herausbringt, PS-politisch schreiben. Ich glaube, wir sind allen Netzwerken gegenüber offen und das waren wir auch immer. Also wir haben immer in alle Richtungen versucht zu schauen. Das war nie irgendwie jetzt das Ziel, wir sind nur ganz klein, aber eben wir machen das ja auch alle ehrenamtlich. Und unsere Kapazitäten sind entsprechend mal größer und mal kleiner. Und in den letzten drei Jahren sind sie auf jeden Fall viel reduzierter, weil wir alle recht ausgebrannt waren. Also da war auch unsere Netzwerktätigkeit ein bisschen eingeschränkter immer. Davon hängt das in erster Linie ab.
Vera
00:50:12
Ja, das kennen wir, das Problem.
Tamara
00:50:15
Aber also die Zeitschrift, die erscheint einmal im Jahr?
Kaska
00:50:19
Naja, das könnte ich jetzt so gar nicht mehr sagen, weil eben wir hatten zwischen der letzten Ausgabe und der vorletzten Ausgabe waren zwei Jahre und jetzt werden es nochmal zwei in Ralt werden.
Tamara
00:50:32
Ja, okay.
Kaska
00:50:33
Also es ist schon, dass uns die letzten Jahre auch ein bisschen zugesetzt haben. Also die Pandemie hat das wirklich nicht so leicht gemacht, wie es wahrscheinlich einfach auch ganz vielen geht.
Tamara
00:50:47
Aber ich glaube, es ist ja gerade so, ihr setzt ja so ein Thema für eine Ausgabe und ich denke mal gerade in den letzten fünf bis zehn Jahren ist das ja auch nochmal alles sehr viel brisanter geworden, das ganze politische Spektrum. Also mich interessiert das sehr, eben politische Themen in Bücher auch mit aufzunehmen. Kannst du vielleicht einfach mal so ein bisschen einen Abriss uns geben, was da aus deiner Sicht wichtig ist, was eure Themen sind, wo es brennt?
Kaska
00:51:22
Ja, also vielleicht sollte ich dazu sagen, diese Zeitschrift ist zweigeteilt, eben in einem Thementeil und in einem Literaturteil eigentlich und der Thementeil bezog sich immer auf einen Aspekt des Literaturbetriebs. Den wir kritisch unter die Lupe genommen haben. Und der Literaturteil war immer themenfrei. Und da ging es nicht darum, politische Aspekte in Literatur zu gießen, sondern es ging in erster Linie darum, Stimmen, also AutorInnen, die einen erschwerten Zugang zum Literaturbetrieb haben, aus welchen Gründen auch immer, eine Erstveröffentlichungsmöglichkeit zu bieten. Also das ist der politische Aspekt hinter der Zeitschrift. Also es war ganz klar nie unser Begehren, eben in eine bestimmte politische Richtung literarische Texte generiert zu bekommen. Also wir haben auch immer oder oft gefragt, Wenn wir Einsendungen bekommen haben, haben wir darum gebeten, also auch zur Vita anzuhängen, was denn für die jeweilige Autorin, für den jeweiligen Autor politisch schreiben überhaupt bedeutet. Weil das auch etwas ist, was wir im Laufe unserer Zeitschrift, im Laufe unserer Entwicklung auch immer wieder neu diskutieren, weil das eben ein Prozess ist. Und so ist dieses Projekt, haben wir auch eben immer als Prozess verstanden, das sich ja auch an den Veränderungen orientiert, die im Laufe der Zeit im Literaturbetrieb auch passieren. Als wir begonnen haben, war das zum Beispiel mit den Gendersternchen vollkommen verpönt. Und inzwischen ist es etwas, das eben auch bei PreisträgerInnen vorkommt und das also schon viel etablierter ist jetzt auch, wo eben... Gar nicht mehr diskutiert wird, ob das jetzt im Verlag, also ob das jetzt so publiziert werden kann oder nicht. Und vor zehn Jahren hätte, glaube ich, auch in einem Verlag jeder gesagt, nein, das machen wir nicht. Und jetzt ist es so, ja, okay, warum nicht? Also das sind ja auch Veränderungen, eben auf die eingegangen werden soll. Und eben unsere jetzige Ausgabe, an der wir arbeiten als Kollektiv, es wird sich auch wieder sehr unterscheiden von allen anderen Ausgaben, weil wir zum Thema eben Erfolg im Literaturbetrieb arbeiten und dazu kollektiv ein Theaterstück schreiben, das wir dann auch als Kollektiv auf die Bühne setzen wollen.
Vera
00:54:12
Das ist ja mal ein tolles Projekt, super. Aber wenn du sagst jetzt, gut, das politisch Schreiben bezieht sich dann mehr so politisch im Literaturbetrieb, habt ihr euch denn schon mal ausführlich mit dem Thema Self-Publishing beschäftigt?
Kaska
00:54:27
Nein, also das war bis jetzt noch überhaupt kein eigenes Thema.
Vera
00:54:33
Okay, wobei das doch gerade in den letzten zehn Jahren eine riesige Entwicklung.
Kaska
00:54:39
Ja, aber ich meine, wir haben uns beschäftigt mit zum Beispiel, unsere erste Ausgabe ging zum Thema Konkurrenz und Kanon im Literaturbetrieb. Unsere eine Ausgabe ging zum Thema Alter, also sowohl im Sinn von irgendwie älter werden, als auch im Sinn von anders sein im Literaturbetrieb. Es ging eine sehr konkrete Ausgabe, ging zum Prosa-Debüt. und das bedeutet, also es ist auch, wenn man nur einmal im Jahr rauskommt, also es gibt tonnenweise, interessante Themen. Wir haben auch, Eben eine, die ja sehr im Self-Publishing-Bereich aktiv ist, die Sandra Usch drin haben. Da haben wir ein langes Interview mal gemacht. Ich weiß gar nicht, in welcher Ausgabe.
Vera
00:55:27
Die war schon vor 200 Folgen, glaube ich, bei uns.
Kaska
00:55:30
Ja, ja.
Vera
00:55:31
Eben.
Kaska
00:55:31
Also da kommt man ja auch schnell hin. Aber es ist nicht möglich, alles abzudecken.
Vera
00:55:37
Nein, natürlich. Ich wollte jetzt nur mal so, weil wie gesagt, Tamara und ich ja so aus dem Self-Publishing kommen. Da interessiert mich immer sehr, wie sehr die Kolleginnen und Kollegen, die mehr im literarischen Bereich unterwegs sind, wie sehr sie die Entwicklung wahrnehmen, ob das eine Rolle spielt. Ich meine da immer noch, so einen Graben zu spüren, doch in manchen Bereichen. Und wir machen diesen Podcast ja nicht zuletzt, um diesen Graben mal wenig zuzuschütten.
Kaska
00:56:08
Nein, aber ich weiß jetzt nicht, was du genau meinst. Ich finde, also für mich war das mit dem Verlag einfach aus dem Grund auch wichtig, weil ich finde, Self-Publishing ist einfach unglaublich viel Arbeit, weil man ja alle Aspekte quasi dessen, was ein Verlag, also zumindest ja, auch wenn manchmal nur oberflächlich, aber doch bietet, muss man ja selber machen. Und das war mir in der Vorstellung, also das wollte ich, das war zumindest ein Aspekt, den ich wirklich gern vermeiden wollte.
Vera
00:56:45
Ja, kann ich nachvollziehen.
Kaska
00:56:48
Also müsst ihr ja eh am besten wissen.
Tamara
00:56:51
Deswegen sage ich auch immer, es ist Typsache und nicht Qualitätssache. Es gibt eben Leute, die wollen das alles organisieren und die richtigen Partner, Partnerinnen dazu finden. Und andere sind froh, wenn sie ihr Manuskript abgeben können und gut ist. Und beides ist in Ordnung.
Kaska
00:57:08
Ja, ja, aber ich meine, so ist es ja nicht. Also es ist ja nicht so, dass irgendwie dann, wenn man einen Verlag hat, ist ja nicht so, als würde man dann nichts mehr machen.
Tamara
00:57:18
Nee, nee, nee. Das war so auch nicht gemeint.
Kaska
00:57:20
Vielleicht war das mal so, aber so finde ich es zumindest nicht. Aber eben beim Self-Publishing, ich meine, wenn ich dann denke, also ich muss mir dann ein Lektorat irgendwie besorgen, ich muss mir ein Korrektorat besorgen, ich muss mir einen Satz besorgen, ich muss mir das Cover besorgen, ich muss mir irgendwie, also allein der Vertrieb, Ich weiß das ja auch alles, weil am Ende ist unsere Zeitschrift ja im Self-Publishing-Bereich. Also wir haben jetzt eben in Kooperation mit der Edition Assemblage zum ersten Mal, weil das eben auch ein kollektiv organisierter Verlag ist, haben wir eine Kooperation für den Vertrieb, weil der Vertrieb war einfach der Hammer. Also allein, und ich meine, das sind ja keine großen Auflagen, die wir da haben, Aber allein das hat mir ja schon gezeigt, dass das für mich, also wenn es nicht sein muss, wirklich nicht in Frage kommt. Also wirklich dieser pragmatische Aspekt. Und dann, ich weiß natürlich schon, worüber ihr redet, also was so das Angesehensein oder so. Also man sieht es ja bei den meisten Ausschreibungen, sieht man ja, wenn dann steht, ein oder zwei Veröffentlichungen, aber nicht im Selbstverlag oder so, dann natürlich gibt es diese Konnotation, die da mitschwingt.
Vera
00:58:42
Ja, zum Beispiel auch bei Verlagsveröffentlichungen ja auch nicht wirklich drauf geguckt hat, ob das jetzt wirklich ein toller oder großer Verlag ist.
Kaska
00:58:51
Naja, da wird schon drauf geschaut, so ist es nicht. Also man hat für gewisse Stipendien schon mehr Chancen, wenn man quasi in einem großen Verlag, einem renommierten Verlag irgendwie publiziert hat, als jetzt in einem kleinen Verlag. Also es gibt da überall diese Wertigkeiten und Abstufungen, so ist es nicht.
Vera
00:59:16
Ja, liebe Kalka, das werden wir jetzt wahrscheinlich auch nicht so ad hoc lösen, aber wir arbeiten daran und wir möchten dich aber noch nicht entlassen, bevor du dich nicht den drei total kritischen Buch-Bubble-Fragen von Tamara gestellt hast.
Kaska
00:59:32
Alright.
Tamara
00:59:33
Jawohl, Kaschka. Kunst soll ja bewegen. Wann hast du denn zuletzt wegen eines Buches Tränen weinen oder lachen müssen und welches Buch war das?
Kaska
00:59:43
Oh. Oh. Das ist gar nicht leicht. Also das letzte Mal geweint. Von Evgenia Ginzburg habe ich gelesen, Gratwanderung. Da habe ich auf jeden Fall das letzte Mal geweint.
Tamara
01:00:01
Um was geht es da?
Kaska
01:00:02
Um Kulaks.
Tamara
01:00:04
Okay, okay. Also Recherche.
Kaska
01:00:07
Genau, es war Recherchematerial, genau. Wann habe ich das letzte Mal gelacht bei einem Buch? Ich glaube, ich habe letztens ein Buch wieder gelesen, das ich in den 2000ern gelesen habe, nämlich von Matt Ruff habe ich gelesen, The Fool on the Hill. Da musste ich auch wieder sehr viel lachen.
Vera
01:00:30
Ach schön.
Kaska
01:00:31
Genau, also vielleicht mal die zwei.
Tamara
01:00:34
Okay, die packen wir auch natürlich zusammen mit deinem Buch in die Shownotes und gehen zur zweiten Frage. Welche Begegnung in der Buchbubble war denn für dich ganz besonders inspirierend?
Kaska
01:00:47
In meinem ganzen Autorinnenleben jetzt?
Tamara
01:00:51
Jawohl. So leicht machen wir es hier ja nicht.
Kaska
01:00:57
Nein, das ist wirklich schwierig, weil man muss ja immer dann aus einer Auswahl treffen. Ich treffe so ungern eine Auswahl.
Vera
01:01:05
Du konntest auch mehrere Namen nennen.
Kaska
01:01:08
Ja, vielleicht schon. Also sehr inspirierend war natürlich die Gründung der PS und alles, was damit auch zusammenhängt, eben an AutorInnen, die ich kennengelernt habe, aber natürlich eben auch meine, Redaktionsmitglieder, also eben Olivia Golde und Jasper Fenzel und dann auch Eva Schörghuber und, Zaza Savic und Karolin Kral und auch natürlich mein Beirat, dann Jessica Bär und Sabine Scholl und dann aber auch eben so viele Kollegen und Kolleginnen, die ich irgendwie im Laufe der Zeit kennengelernt habe, eben auch Dinscher oder Martina Hefter oder Jan Kuhlbrot.
Vera
01:02:07
Oder das reicht jetzt schon.
Tamara
01:02:11
Also du hast ein sehr inspiriertes Leben.
Kaska
01:02:15
Also es sind schon großartige Menschen, die man natürlich auch in dieser Bubble kennenlernt. Das muss man ja schon sagen. Es sind ja viele, die ja wirklich auch große Risiken eingehen, um das zu machen, wofür sie stehen auch.
Vera
01:02:35
Absolut, ja.
Kaska
01:02:37
Also da möchte ich natürlich auch noch Ronja Othmann, darf ich auch nicht vergessen, die auch ein Blurb geschrieben hat. Also es ist so schwierig.
Vera
01:02:47
Okay.
Kaska
01:02:48
Ja.
Tamara
01:02:49
Ich glaube, alle, die jetzt nicht genannt wurden, werden es dir nachsehen. Dann ganz schnell zur letzten Frage. Welches Klischee möchtest du denn nie wieder in einem Buch lesen?
Kaska
01:03:00
Uff.
Vera
01:03:02
Als Literarerin gibt es gar keine Klischees, oder? Wie bitte? Als Literatin gibt es gar keine Klischees.
Tamara
01:03:09
Weiß ich nicht.
Kaska
01:03:10
Ich weiß es auch nicht. Ich kann es dir, das kann ich nicht beantworten.
Tamara
01:03:16
Na gut.
Vera
01:03:17
Das nehmen wir gerade so an.
Tamara
01:03:18
Dann sind wir gnädig.
Vera
01:03:19
Sind wir gnädig. Ja, also, liebe Kaska, du hast mich sehr zum Denken angeregt. Und ich weiß nicht, ob ich jede Kurve zur Hochliteratur kriege. Mal sehen. Ich werde aber weiter daran arbeiten.
Kaska
01:03:33
Du hast doch selber gesagt, du hast Martina gelesen und das fandest du sehr zugänglich.
Vera
01:03:42
Ja, ja, absolut.
Kaska
01:03:44
Also insofern, hast du diese Kurve ja schon längst.
Vera
01:03:48
Meinst du, es ist nicht Hopfen und Malz verloren, da bin ich ja, das tröstet. Ja, ich weiß nicht, wie es euch geht, liebe Hörer und Hörerinnen. Schreibt uns gerne mal so eure Betrachtungen, was so in Richtung Literatur, Genre, ob es Unterschiede gibt, ob ihr auch schon mal mit der einen oder anderen Form eurer Schwierigkeiten hattet. Das würde uns sehr interessieren. Ja, ansonsten wisst ihr, was ihr zu tun habt, uns zu folgen, wo immer es geht. Natürlich unser Buch bei der Bulletin zu abonnieren und uns gerne weiter zu empfehlen. Bleibt uns gewogen. Vielen Dank, Kaschka.
Kaska
01:04:27
Vielen Dank euch.
Vera
01:04:28
Vielen Dank an euch da draußen, bis nächste Woche Danke.
Tamara
01:04:32
Das war sehr inspirierend Fand.
Kaska
01:04:34
Ich auch, danke.