Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

DZVDT #239 - 40 Jahre im Verlag für Lizenz- und Rechtehandel: Dr. Petra Hardts Erlebnisse bei Suhrkamp und in aller Welt

Schon als Kind wusste sie, dass sie einmal hauptberuflich Autor:innen helfen möchte, Bücher zu veröffentlichen! Nach einem Berufsleben im Verlag hat sich Dr. Petra Hardt eines immer bewahrt: Ihre Offenheit und Faszination für Neues in der Buchwelt!

21.11.2024 71 min

Zusammenfassung & Show Notes

Schon als Kind wusste sie, dass sie einmal hauptberuflich Autor:innen helfen möchte, Bücher zu veröffentlichen! Und auch nach einem ganzen Berufsleben in der Verlagsbranche hat sich Dr. Petra Hardt eines immer bewahrt: Ihre Offenheit und Faszination für Neues in der Buchwelt!
Mit unvergleichlicher Begeisterung erzählt Petra von den Entwicklungen am Markt, gibt handfeste Tipps für Schreibende, die ihre Werke übersetzen lassen möchten, verrät kleine Anekdoten aus ihrem bewegten Leben im Verlagswesen und spricht sich in mitreißender Weise für ihre Werte aus. Eine Folge, die das Prädikat 'inspirierend' definitiv verdient!

Schon als Kind wusste sie, dass sie einmal hauptberuflich Autor:innen helfen möchte, Bücher zu veröffentlichen! Und auch nach einem ganzen Berufsleben in der Verlagsbranche hat sich Dr. Petra Hardt eines immer bewahrt: Ihre Offenheit und Faszination für Neues in der Buchwelt!

Mit  unvergleichlicher Begeisterung erzählt Petra von den Entwicklungen am Markt, gibt handfeste Tipps für Schreibende, die ihre Werke übersetzen lassen möchten, verrät kleine Anekdoten aus ihrem bewegten Leben im Verlagswesen und spricht sich in mitreißender Weise für ihre Werte aus.
Eine Folge, die das Prädikat 'inspirierend' definitiv verdient!

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Petras Buchtipp:
'Hiob: Roman eines einfachen Mannes' von Joseph Roth
https://www.amazon.de/Hiob-Roman-eines-einfachen-Mannes/dp/3423130202

Tamaras Lesung am 26.11.2024:
https://www.vhs-saarbruecken.de/programm/einzelveranstaltungen-/-vortraege/kurs/Weihnachtszauber-mit-Tamara-Leonhard/AQ9701

Das BLACK DO Projekt von 'Metality':
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Transkript

Vera
00:00:00
In Folge 239 haben wir Dr. Petra Hart zu Gast. Sie hat 40 Jahre Erfahrung im Rechte- und Lizenzhandel bei diversen Verlage, die letzten 25 Jahre bei Surkamp und Insel Verlag und hat mit sehr facettenreichen Anekdoten aus ihrer Berufswelt erzählt und ihren tollen Begegnungen in exotischen Ländern, was sie alles getan hat, um deutsche Texte in die Welt zu verbreiten.
Tamara
00:00:27
Petra hat natürlich sehr viele Einblicke in die ganze internationale Buchwelt gegeben, aber was mich persönlich wirklich berührt hat, war einfach die Begeisterung und die Liebe für das Buch und das müsst ihr euch auf jeden Fall anhören. Die, Hier sind die zwei von der Talkstelle Folge 239 und mir gegenüber sitzt Vera Nentwig in einem mir unbekannten, wie sagt man, einer mir unbekannten Location. Ich bin gespannt, wo sie sich rumtreibt. Mein Name ist Tamara Leonhardt und ich sage Hallo.
Vera
00:01:20
Ja, Hallöchen, meine Lieben. Ja, es war ein bisschen stressig, weil ich wollte mich einloggen heute Morgen und stelle fest, dass ich kein Internet habe. Und eine Recherche hat ergeben, dass Vodafone bei mir zu Hause größere Ausfälle hat. Dann musste ich mich ins Auto setzen und schnell ins Büro fahren. Und ich habe ein großes Glück. Meine Bürokollegen sind heute Morgen wohl nicht da. Ich habe ein dickes Schild an der Tür gepäppt, dass wir jetzt ruhig zu sein haben.
Tamara
00:01:49
Du kommst hier nicht rein.
Vera
00:01:51
Ja, genau. Also von daher, alles wird mir neu, ich bin ein bisschen gehetzt jetzt, aber jetzt sind wir da und ich hoffe, die Technik, ich sage jetzt nicht die Standard-Podcast-Technik, die ich hier nutze, tut es trotzdem irgendwie.
Tamara
00:02:06
Es kommt ja immer darauf an, was wir sagen. Aber es kann also sein, dass irgendwann ein Kollege oder eine Kollegin vorbeikommt und dir Hasenohren in die Kamera hält.
Vera
00:02:17
Ich würde es nicht ausschließen. trotz Schildes, dass die hier...
Tamara
00:02:25
Ich bin gespannt. Wie geht's dir sonst so?
Vera
00:02:28
Ach, mir geht's gut. Doch.
Tamara
00:02:31
Schön.
Vera
00:02:31
Überraschend. Nein, also ich bin ja gerade so ein bisschen im Flow. Letzte Woche haben wir ja schon gesprochen über meine Buchstattparty. Und jetzt letzten Freitag durfte ich ja in Sauerland nach Hallenberg fahren, was von mir aus gesehen sehr weit draußen ist, weil die liebe Kerstin Rachfall, die ja auch nochmal bei uns zu Gast war, da ein Event organisiert hatte und neben mir noch zwei Kolleginnen, Sonja Wolfer und Mareike Albracht, dazugebeten hatte und wir waren dann quasi auf Einladung des katholischen, Frauenverbandes Deutschlands in Hallenberg zu Gast und haben da so ein gemeinschaftliches Programm gemacht und ja, zuerst, ich mache sowas ja immer gerne, aber so mehr und sie hat auch gesagt, man hat am Anfang dann so einen 6-Minuten-Schnipsel Zeit zu lesen, also die übliche Zeit, die man auch bei so einer Ladies Crime Night hat von den mörderischen Schwestern und muss gestehen, da tue ich mich immer sehr schwer mit. Finde mal irgendwie einen 6-Minuten-Schnipsel aus einem Buch, der irgendwie eine gewisse Spannungskurve hat. Und so, ne? Und ja. So, das war dann auch, das war nur die erste Hälfte. Und, also ich meine, das Publikum war wohlwollend und es war auch schön irgendwie. Aber da kam natürlich so in 6 Minuten und man hatte nur eine Minute, zwei Zeit, so ein bisschen kurz, was zur Einführung erzählen, kommt natürlich nicht wirklich was rüber. Und wir hatten zwei große Büchertücher aufgebaut und in der Pause war vor allem also bei den Kolleginnen noch mehr als bei mir. Also bei mir wurde ein Buch in der Pause gekauft. Ich dachte, na super. Aber die zweite Hälfte bestand darin, dass wir so eine Interviewrunde gemacht haben. Die Kerstin hat Fragen gestellt, wir haben Kerstin Fragen gestellt und da konnte man natürlich ein bisschen mehr die Hintergründerzählen, sich selbst präsentieren. Und du kennst das ja, gib mir ein Mikrofon in die Hand und ich komme ins Start. Und dann war es dann wirklich richtig Begeisterung und danach haben sie auch richtig kräftig Bücher gekauft. Und sogar angefragt, ob man nicht für mein Kabarettprogramm mal buchen könne, was man natürlich kann. Ja, also war es dann doch am Ende dann eine sehr erfolgreiche Veranstaltung. Also sie war von Grundsatz her sowieso sehr schön. Die Kerstin hat das wirklich sehr liebevoll gemacht. Also wir wurden ja wirklich betreut, wie ich mir das ja immer wünsche. So mit, du wirst überall hin chauffiert, wirst vorher feudal zum Essen eingeladen. Also so VIP-Service halt. Du kennst das, du bist auch im Show-Business.
Tamara
00:05:25
Naja. Also ich habe langsam das Gefühl, du saust mir hier davon.
Vera
00:05:31
Nein, das lag auch wirklich an Kerstin und ihrer Familie. Also die hat die ganze Familie eingespannt. Der Mann hat uns rumchauffiert, die Kinder haben den Buchverkauf gemacht. Also das war die ganze Familie Die Rachfall hat uns wirklich sowas von toll da betreut.
Tamara
00:05:46
Hallo Kerstin, organisier doch mal was bei mir in der Gegend.
Vera
00:05:51
Ich habe sie auch gefragt, mach mein Management bitte. Nein, also es war wirklich ein rundum gelungener Abend. Und als ich dann danach die drei Stunden durch das leergefickte Sauerland nach Hause gefahren bin, ja einen Fuchs habe ich gesehen, sonst war da keiner. War ich doch voller Glücksgefühle.
Tamara
00:06:16
Sehr schön.
Vera
00:06:17
Und so, das war schön.
Tamara
00:06:19
Das freut mich.
Vera
00:06:21
Ja, wie sieht es bei dir aus? Weihnachtsgesund steht an, aber ich habe gehört, da muss noch ein bisschen Publikum kommen.
Tamara
00:06:29
Ja, ich weiß es halt nicht. Also der Vorverkauf ist wohl, nennen wir es schleppend, aber ich weiß halt auch nicht. Also ich finde halt so einen Vorverkauf, wo man eine Mail hinschreiben muss, finde ich auch immer ein bisschen schwierig. Ich könnte mir vorstellen, ich habe ja dort schon mal gespielt, das ist ja von der Gemeinde aus, von der VHS, und da war es trotz Corona gut voll. Ich könnte mir vorstellen, dass da schon ein Stammpublikum ist, was aber sagt, ich gehe halt einfach hin und muss da nicht vorher in der Gegend rum telefonieren oder mailen, um meine Karte zu bestellen. Damals in Corona war es ja verpflichtend, dass man sich eben voranmeldet. Aber ich bin jetzt doch ganz froh, dass die VHS jetzt doch auch mal dann gestern noch einen Post gemacht hat. Ja, wir sind fleißig am Vorbereiten und das wird bestimmt nett.
Vera
00:07:20
Ja, ich drücke fleißige Bäume, dass die Leute alle dann jetzt noch kommen. Ich habe ja verstanden.
Tamara
00:07:26
Dass du gesagt hast, du drückst mir die Bäume.
Vera
00:07:31
Befürchte, ich habe da noch gesagt.
Tamara
00:07:36
Sprichwörter raten mit Vera Nentwick.
Vera
00:07:38
Das ist ja schon ein Verdrahtungsproblem.
Tamara
00:07:41
Du bist noch im Wald, glaube ich, beim Fuß. Ja, genau.
Vera
00:07:44
Ich habe noch das Sauerland vor mir. Nein, ich drücke dir die Daumen, dass da viele Menschen dann noch kommen. Ja, das würde mich so vorwenden. Aber das Problem mit dem, wie man das Marketing macht und so, das kenne ich. Ich hatte jetzt da im Vorfeld bei einer Veranstaltung in Grefrad, Also ich meine, das mache ich ja zusammen mit der katholischen öffentlichen Bücherei. Die haben mich halt da unterstützt. Und als ich dann sagte, ja, ich mache das aber auf jeden Fall mit Ticketverkauf online, ich will Ticketverkauf vorher haben, dann bin ich so, nee, reicht doch E-Mail und so. Die unterschätzen immer so diese Hürde. Und wenn die Leute was klicken können und sie sagen, okay, dann haben sie es hinter sich.
Tamara
00:08:21
Genau, genau.
Vera
00:08:22
Und dieses, ich muss mich hinsetzen, muss überlegen, was ich schreibe, ist eine viel größere Hürde.
Tamara
00:08:28
Also ich war jetzt auch am Wochenende auf einem Benefizkonzert und ich folge dieser, wie nennt man das, es ist ein Verband, glaube ich, auf Facebook und die haben da eben geschrieben, wer auftritt und so. Ich habe mir das auch schon länger vorgemerkt. Und Tickets kann man, ich weiß es nicht mehr, bei Blumen so und so im Dorf, hast du nicht gesehen, kaufen oder beim Vorstand. Okay, wer ist euer Vorstand und muss ich jetzt wirklich irgendwie, in dieses Dorf da fahren. Ich habe tatsächlich über andere Posts rausgefunden, ah, okay, diese Person gehört wohl zum Vorstand, habe dem eine Nachricht per Facebook-Messenger geschickt, der hat mir dann ein Foto von seiner Bankkarte geschickt mit der IBAN, also, aber tatsächlich, das Event war dann richtig groß und richtig toll und also da haben vier Bands gespielt für einen guten Zweck und so. Also deswegen war ich dann irritiert, dass die nicht irgendwie vorher Eventbrite oder sowas gemacht haben. Aber gut.
Vera
00:09:32
Die sind so in ihrem Tunnel. Die hat ja die Vorverkauf dann auch gesagt, mach mal in der Bücherei den Vorverkauf. Ich habe dann spontan gesagt, ja super, Vorverkaufsstelle ist ja gut für Leute, die da am Ort sind. Was ich natürlich überhaupt nicht bedacht hatte, dass diese offentliche Bücherei nur an zwei Tagen der Woche zwei Stunden auf hat.
Tamara
00:09:49
Okay.
Vera
00:09:51
Also beim nächsten Mal hätte ich da irgendwie noch eine andere Vorverkaufsstelle.
Tamara
00:09:54
Ja, oder halt wirklich online.
Vera
00:09:56
Ja, online auf jeden Fall. Abgesehen davon, das ist auch so einfach heute eingerichtet. Mit ein paar Klicks hast du das.
Tamara
00:10:04
Auf jeden Fall werde ich noch mal posten, dass es natürlich auch eine Abendkasse gibt und hoffe, dass die Menschen dann in Scharen herbeiströmen. Die Schwierigkeit ist halt auch, es ist halt ein Weihnachtsevent am 26. November. Das ist ja an sich schon recht früh. Deswegen habe ich auch immer geschrieben, wir stimmen uns ein. Aber du kannst halt ein Weihnachtsevent nicht irgendwie im September, wenn die Sonne scheint, schon bewerben oder Anfang Oktober. Dann wollen die Leute davon noch nichts wissen. Deswegen hätte ich jetzt auch nicht sehr viel früher damit anfangen können.
Vera
00:10:33
Ja, wobei, wenn ich das sehe, so die Bilder für den Winterzirkus, die Plakate, die hängen bei mir aus schon seit zwei Monaten.
Tamara
00:10:40
Ja, aber irgendwie will man sie auch nicht sehen. Also klar, ich habe ein Save-the-Date gemacht irgendwann im, ich glaube tatsächlich im September. Naja, ich bin gespannt. Es wird bestimmt nett.
Vera
00:10:50
Wie gesagt, ich drucke die Bäume.
Tamara
00:10:53
Das ist nett. Aber eine Sache wollte ich noch kurz erzählen. Das ist jetzt nicht ganz so eine fröhliche Stimmung, aber ich fand es total toll. Eben auf diesem Charity-Event war auch der Stand eines anderen Vereins. Also das Ganze war so ein bisschen Richtung Rock und Metal. Und da gibt es einen Verein, der heißt Metality. Ich habe schon mitbekommen, Menschen, die mehr als ich in der Metal-Szene unterwegs sind, Die kennen das wohl auch. Die machen ganz tolle Sachen. Die sponsern zum Beispiel immer in so einer bestimmten Zeitperiode 666 Schlafsäcke an Obdachlose. Die schauen, dass körperlich Behinderte zu Konzerten kommen und so. Und die haben so Bändchen ausgegeben, ich kann es dir ja mal zeigen, so Stoffbändchen, da steht drauf Black Dog und das ist ein Awareness-Bändchen für Depression, weil das Thema einfach noch viel zu sehr totgeschwiegen wird, dass eben Betroffene sich dann auch nicht so trauen, irgendwie drüber zu sprechen. Und der hat gesagt, also jeder, der das anzieht und damit auch signalisiert, ich bin mir dessen bewusst, dass es das gibt und ich bin dafür offen und du kannst mich auch ansprechen, sind sie froh drum. Und das fand ich eine ganz tolle Sache. Das wollte ich einfach mal teilen. Ich mache es mal in die Shownotes, den Link, Mentality, nur halt ohne N, fand ich sehr inspirierend, diese Menschen, was die so alles machen, fand ich toll.
Vera
00:12:20
Wo wir da unser Wort des Podcasts schon haben und ich jetzt einen Übergang hinkriegen muss von dem Inspirierendenverband zum inspirierenden Gast, habe ich das ja wieder gekonnt gemacht. Und um das Wort noch mal zu wiederholen, die Inspiration ist heute absolut garantiert, denn wir haben heute eine Frau zu Gast, die 40 Jahre Verlagserfahrung hinter sich hat, die die absolute Expertin ist, wenn es um Rechte und Lizenzen im Verlagswesen geht, um Urheberrechte. Und wir freuen uns sehr, dass sie heute für uns Zeit hat. Dr. Petra Hart ist heute da. Hallo Petra.
Petra
00:13:02
Hallo Vera, hallo Tamara.
Tamara
00:13:04
Hallo.
Petra
00:13:05
Ich danke für die Einladung und freue mich auf unser Gespräch.
Vera
00:13:09
Ja, freue dich nicht zu früh. Nein, alles gut, alles gut.
Petra
00:13:13
Das habe ich schon gemerkt.
Vera
00:13:17
Petra, als wir uns so ein bisschen mit dir beschäftigt haben, muss ich ja sagen, waren wir schon sehr beeindruckt von dem, was du da alles gemacht hast und mit dem du dich da so beschäftigst. Wir wollen ja da gleich ein bisschen drauf eingehen. Aber ich habe mich dann direkt gefragt, wenn du jetzt so auf deine jahrelange Berufserfahrung zurückguckst und auf das, was du heute machst, was ist so das Faszinierendste an deiner Tätigkeit?
Petra
00:13:42
Das Faszinierendste ist vielerlei. Das fängt damit an, dass man gerne liest, dass man neugierig ist auf Texte aus verschiedenen Bereichen. Ich habe weitgehend in den Verlagen, in denen ich gearbeitet hatte, nur mit Literatur und Wissenschaft und Sachbuch zu tun gehabt. Ich habe nie Kinderbuch verbreitet, aber auch privat natürlich, aber nicht beruflich. Und das steht am Anfang, dass man liest. Dann ist es die Entscheidung, da ich ja immer, also meine Perspektive ist schon sehr stark und das ist meine Hoffnung, dass die Self-Publisher, dass sie nicht langweilen, weil es ist ja stark verlagsorientiert, was ich erzähle, ist es, ja, die Entscheidung wird einem abgenommen. Man hat also, das ist ganz wichtig zu wissen für alle Berufe im Verlag, es gibt einen Verleger, eine Verlegerin, es gibt Lektoren, die einem die Entscheidung für den Stoff, mit dem man arbeitet, abnehmen. Und das hat mir sehr entsprochen, weil... Ja, das hat mir sehr entsprochen, weil ich finde es ungeheuer anstrengend. Also der Beruf des Agenten wäre für mich überhaupt nicht in Frage gekommen, weil da muss man sehr viel lesen und da muss man entscheiden oder auch der Verlegerin, da muss man entscheiden, verlege ich das oder biete ich das auf dem Markt an. Wenn die aber bei Verlagen arbeiten, dann haben sie Autoren, mit denen wurde ein Vertrag gemacht. Und das ist der zweite Schritt. Dieser Vertrag muss eine Balance abbilden zwischen dem Einkommen des Autors, die auch gesetzliche Regelung, und dem Umsatz, den der Verlag erwarten darf, für die Gehälter seiner Mitarbeiter und es fortkommt. Und das hat mich alles sehr fasziniert, dieses Zusammenspiel, was mich aber am allermeisten und wirklich 40 Jahre begeistert hat, und das merkt man ja auch mit jedem Satz, das begeistert mich nach wie vor. Ist das, was in dem Wort Verbreitung steht. Dass Sie einen Text haben und den können Sie in 170 Sprachen übersetzen, wenn der Markt es hergibt. Daraus können Sie Filme machen, daraus können Sie Hörbücher machen. Da ist so viel wandelbar, also in der Verbreitung, nicht in dem Text. Der Text sollte möglichst genuin bleiben, so wie in der Autor geschrieben hat oder die Autorin. Aber das, was man mit dem Text tun kann, das hat mich fasziniert, das hat mich inspiriert. Und das ist ganz früh entstanden, dieser Berufswunsch Verlag, weil ich hatte Glück, in der dritten Grundschulklasse hatten wir eine Lehrerin, die nahm mit uns die Bücher von Astrid Lindgren durch, also verschiedene Texte und dann sagte sie einen Satz und das war die Ausgangsinspiration und das ist verbirgt, die Anekdote durch eben diese Lehrerin und meine Mutter. Die hat gesagt, die Astrid Lindgren schreibt Blätter voll und dann geht sie mit den Blättern in ein Haus und da sind Menschen, die helfen ihr, ein Buch zu machen. Das war mein Coming-out als Verlagsangestellte und das wollte ich sein. Ein Mensch, der Astrid Lindgren hilft oder auch anderen Autoren. Das war gar nicht, die hat nicht gesagt, die hat das Wort Verlag nicht benutzt, die hat nicht Raben und Sjögren genannt, natürlich nicht. Die hat einfach gesagt, da sind Menschen. Und das wollte ich werden. Dann bin ich nach Hause gegangen, habe zu meiner Mutter gesagt, ich will ein Mensch werden, der Astrid Lindgren hilft, ein Buch zu machen. Und meine Mutter war sehr gleichmütig in Bezug auf meine Ambition. Die hat gesagt, ja, ja, das wirst du. Und so ist es gekommen.
Vera
00:17:08
Ja, so ist es gekommen.
Tamara
00:17:09
Ja, aber wenn ich kurz anschließen darf an das von eben wegen der Self-Publisher. Ich glaube, vor diesem Hintergrund kann man ja durchaus das so sehen, dass es für alle interessant ist, weil auch Self-Publisher brauchen ja Menschen, die ihnen helfen, ein Buch zu machen und haben ja im Prinzip auch einen Verlag, nur dass sie eben für alles selbst zuständig sind. Trotzdem müssen sie ja diese Balance finden zwischen, was kostet meine Arbeit, wo investiere ich, wie viel Geld habe ich, wie viel Budget habe ich für die Lektorin, für das Coverdesign. Also im Prinzip denke ich, die können auch sehr, sehr viel hier mitlernen.
Petra
00:17:42
Ja, Self-Publisher sind Unternehmen, die Bücher machen. Und das ist, finde ich, davor habe ich auch große Bewunderung, weil man muss im Gegensatz zu dem Verlagsautor, wenn er Glück hat, Autorin, die geht in den Verlag und kriegt zumindest eine klitzekleine Vorauszahlung auf ihre Leistung. Und der Self-Publisher muss investieren, er muss in die Tasche greifen und muss sagen, jetzt suche ich mir den Vertrieb, die Plattform, ich brauche einen Lektor, den ich bezahlen muss und, und, und. Also es ist erstmal ein Investment zu tun wie bei einem Startup und das finde ich schon sehr mutig. Natürlich, und er trägt das alleinige Risiko, er kann natürlich, er muss da nicht teilen. Das ist, wenn es gut läuft, muss er nicht teilen.
Vera
00:18:25
Um das mal so ein bisschen einzuordnen, lass uns nochmal so ein bisschen zurückgehen, damit unsere Hörer und Hörerinnen auch wissen, wo du jetzt so alle, was so deine Stationen waren. Die letzten 25 Jahre, wenn ich das richtig sehe, warst du ja maßgeblich bei Surkamp oder Inselverlag, was ja auch irgendwie zusammengehört. Und ich weiß nicht welche Verlage bei Sensurkamp orten man ja jetzt so als mittelgroßen Verlag ein ist noch nicht so ist kein der ganz großen aber auch kein kleiner vom Namen her es ist kein Konglomerat.
Petra
00:18:59
Wir haben ja eine Verlagsszene mit großen Konglomeraten und die vereinigen 40 vormals mittelgroße Verlage in sich.
Vera
00:19:08
Und sogar ist unabhängig Ja, hat er jetzt gerade den Besitzer gewechselt. Ja, genau. Und wie hast du denn in den letzten 25 Jahren so die Verlagsszene und vor allen Dingen auch die Entwicklung im Verlagsgeschäft wahrgenommen?
Petra
00:19:28
Ja, als ich zu Sürich am kam 1995, also 1995 habe ich angefangen, 1994 haben wir den Vertrag unterschrieben. Herr Unselt und ich, das war wirklich ein sehr glücklicher Moment, weil die Verlage vorher waren auch so sehr literarisch. Luchterhand, Atheneum, Klaassen. Und das war eine Vorbereitung auch für diesen großen Rechtebestand natürlich. Auf den muss man vorbereitet sein. Man kann nicht für 120 namhafte Autoren die Rechte verbreiten, wenn man von dem Sujet dann zu wenig Ahnung hat. Und es war noch das analoge Zeitalter. Das ist in meinem beruflichen 40-Jahre-Verlagsbranche oder Buchbubble, das ist dasselbe, war das der Weg, das wussten wir aber 1995 noch nicht, zum digitalen Zeitalter. Und das war ja nun der allergrößte Einschnitt, dem anderen Einschnitt, den ich gleich erwähnen werde, in meinem Berufsleben. Ich habe also 20 Jahre analog gearbeitet. Das kann man sich, das ist, wenn ich unterrichtet habe, habe ich das natürlich gerne. Also ja, die ältere Kollegin erzählt, wie wir saßen am Schreibtisch an meinem ersten Arbeitsplatzatheneum. Da war ich als, völlig verrückt, als Berufsanfängerin für Presse, Rechte und Lizenzen zuständig und Presse hat mir, das hat man dann gleich relativ schnell gesehen, nicht gelegen, aber die Rechte und Lizenzen, weil da standen Karteikasten und in diesem Karteikasten waren handschriftlich Gallimard, Grasse, Sö, stand da alles. Und da habe ich gedacht, wow, ich war gerade von der Uni gekommen wow, diesen Leuten kann ich schreiben denen kann ich jetzt was anbieten und da habe ich Gallimard, preußische Profile von, was gerade bei Athenia Maschinen war von Sebastian Hafner und Hans Venor. Dann hatte ich das Glück der Anfängerin, die haben die Tatsache tatsächlich gekauft. Es war noch, glaube ich, bis vor kurzem Lieferbar bei Gallimard. Und das war der Beginn meiner Faszination für diesen rechten Handel. Aber eben alles analog. Wir saßen da und haben auf die Kataloge gewartet aus Amerika. Es kamen mit der Post Kataloge aus Amerika. Ja, das kann sich nun heute keiner mehr vorstellen. Das sind Geschichten aus einem anderen Zeitalter. Also dann ab 2000 das digitale Zeitalter, die Anpassung der Verträge an ein neues Format, E-Book, die ganze Digitalisierung der Texte. Da mussten wir die Verträge neu ordnen und sehr viele Addenda schreiben, um diese Rechte für den Verlag zu sichern. Der Auto hatte natürlich die Möglichkeit, sie selbst zu behalten. Und dann parallel dazu, und das war wirklich virulent, der globale Markt, der globale Buchmarkt mit all seinen Möglichkeiten. Da gibt es ein Stichdatum. 1995 trat China dem Welturbeerheberrechtsabkommen bei. Das ist ja erst 30 Jahre her. Das ist nächstes Jahr 30 Jahre her und wir alle sehen in verschiedenen Marktbereichen, wie sich dieses Land entwickelt hat und welche Marktplätze es besetzt. Und das war faszinierend, wenn sie dann natürlich für die deutschen Verlage, die alle relativ große Rechtebestände haben, wir brauchen nicht immer nur von Zürcher, das gilt für die Holzbringgruppe mit Fischer und Robold, das gilt für Kippenheuer, das gilt für die ganzen Penguin Random Houseler in München, große Rechtebestände, die sie in die Welt hinaus anbieten konnten.
Vera
00:22:44
Wir hatten ja schon mal einen Gast bei uns, die auch Rechte und Lizenzen verkauft und da kam ja raus, dass so die Nachfrage nach deutschen Texten im Ausland so riesig gar nicht ist, außer vielleicht China. War das vor 1995 denn noch überhaupt kein Geschäft?
Petra
00:23:06
Es war vor 95 im Bereich der Literatur und Philosophie ein gutes... Also in China, das meinen Sie jetzt speziell...
Vera
00:23:13
Nein, nein. Also in China war das kein Geschäft.
Petra
00:23:17
Nein, nein, das war eben kein Geschäft. Und nicht nur nicht mit China, sondern mit den ganzen osteuropäischen Ländern. Und Russland nicht, auch nicht. Weil die hatten einen Staatsverlag. Also China, Russland und die osteuropäischen Länder hatten einen Staatsverlag, der war berechtigt, Übersetzungen zu machen. Und an denen hat man in Anführungszeichen diese Rechte verkauft, da gab es Verträge und die Tantiemen wurden dann dort für den Autor, wenn er zu Lesungen reiste, also Christa Wolf und Günther Grass, haben sich ihre Tantiemen, ihre Honorare in Bukarest oder Moskau abgeholt vor Ort. Da gab es keinen Transfer. Und die Chinesen hatten eher keine Neigung, was zu zahlen, weiß ich nicht. Es gab diese Möglichkeiten, es gab keinen Geldtransfer. Die haben natürlich auch Brecht gespielt. Natürlich haben die Pekinger Bühnen Brecht gespielt, aber es gab kein Honorar. Und das hat sich 1995, die haben das ja nicht aus Charity gemacht, die haben gewusst, wenn wir jetzt eintreten und von denen kaufen, kaufen sie aber auch von uns. Das ist eben dieser Handel. Und wir alle haben gehofft, wir waren euphorisiert, auch natürlich nach 1990 auf den Buchmessen, weil wir die osteuropischen Verleger, die haben dann eine Privatwirtschaft gegründet und kamen zur Frankfurter Buchmesse und haben zum ersten Mal, ich werde nie vergessen, wie die rumänische Übersetzerin und Verlegerin den Peter Wichsel getroffen hat an Surkamp stand. Also wir haben beide geweint. Wir kommen später noch zu Tränen. Also muss das Thema Tränen jetzt auch nicht ausreizen, zumal ich eher nicht oft weine leider. Aber das waren wirklich sehr berührende Momente. Diese Öffnung des Marktes. Und daran hatten alle Anteile, die kamen. Und es gab natürlich auch einen enormen Austausch, Systemaustausch, nicht in dem Sinne, aber des Lernens. Wir fuhren in die arabischen Länder, ach du meine, Goethe, da saßen wir dann in Kairo mit arabischen Verlegern, die uns ihre Ansichten über Israel mithalten und das sind Momente, da können sie aufstehen und gehen oder sie können sagen, nein, der ist an Habermas interessiert, der will Ulrich Beck verlegen, bleibt bloß sitzen. Also die Situation haben wir ja heute auch wieder in viel größerem Ausmaß. Da kann man sehr viel lernen.
Vera
00:25:42
Ja, so und jetzt, also das so die Anfang der 90er nach dem Mauerfall, ich meine, ich bin ja auch schon mal älter, also die Euphorie, da kann ich mich auch noch sehr daran erinnern. Deswegen schaut man ja umso erschütterter auf die aktuellen Entwicklungen. Wie hat sich das denn dann weiterentwickelt in dem Lizenzgeschäft? Wo ist denn heute so für deutsche Texte ein lukratives Lizenzgeschäft?
Petra
00:26:07
Wir hatten von 1998 bis 2015, Das, was ich das goldene Zeitalter für die europäische Literatur im Weltmarkt nenne, weil wir in dem Prozess des Anbietens und der Unterstützung der Goethe-Institute, der Institut Francais, der British Council, der Isto de Cervantes weiter waren, als die arabischen Länder, die jetzt sehr stark aufgeholt haben, die Chinesen, die Philippinen, Gottlob, also auch viele andere demokratische asiatische Staaten, haben begriffen, dass das Buch eine Begleitmusik braucht. Das Buch, der Text kann nicht nur alleine wirken. Der braucht Werbung, der braucht Unterstützung mit Lesungen, auch in den betreffenden Ländern, wo die Übersetzung erscheint. Und im besten Fall braucht er mediale Übersetzungen durch eine Verfilmung, durch Hörbücher und so weiter. Und da hatten wir einen Vorsprung. Den haben wir natürlich, ich spreche von Europa, alle sehr stark ausgenutzt. Es betrifft die Deutsche wie die Französische, die Englische muss man ausnehmen wegen der Dominanz der englischen Sprache, aber die anderen europäischen Sprachen. Und die Skandinavier, die haben sich vereint. Die Skandinavier haben von Anfang an was sehr Geschicktes gemacht, so wie auch sinnbildlich mit ihren fünf Botschaften in Berlin, die auf einem Grundstück stehen und ineinander verflochten sind. Die wussten, dass sie auf dem Weltmarkt nur bestehen, wenn sie sich zusammen als Gruppe präsentieren und auch eben Übersetzungshilfen garantieren und so weiter. Und dieser Vorsprung ist jetzt weg. Die anderen haben das begriffen. Die haben das System begriffen, wie bringe ich meine Autoren auf den Weltmarkt. Und es ist kein Zufall, dass wir in diesem Jahr eine südkoreanische Nobelpreisträgerin haben. Gottlob, es war die richtige Entscheidung, es ist eine hervorragende Autorin. Aber das ist, weil Südkorea seit Jahren Anstrengungen macht, ihre Autorinnen und Autoren auf den Weltmarkt zu bringen. Solche Dinge passieren nicht einfach so, das sind keine Trouweien. Die Akademie ist Teil des Buchmarktes, die lesen die Bücher, die übersetzt sind, am besten ins Schwedische. Also musst du erst mal, ich habe immer gesagt, für den Autor ist die wichtigste Übersetzung das Englische und dann das Schwedische. Das ist natürlich ein reines Gag, aber es muss ja gelesen werden von den Menschen und nicht alle, niemand, also wenige Menschen, wenige Menschen lesen Koreanisch in Europa. Ja, wie kommt man denn an den Text? Das gilt auch für den Self-Publisher im Bereich und deshalb ist es so schwierig. Ich habe mich mit Ihrer Seite des Verbandes beschäftigt und da ist alles wunderbar aufbereitet, aber das Thema Übersetzungen nicht.
Vera
00:28:56
Das ist auch noch ein schwieriges Thema. Es ist ein Thema.
Petra
00:28:59
Wo der Autor nochmal investieren muss. Und was man versuchen muss, ist eben, dass sie, das ist jetzt ins Blaue gesprochen, ich habe wirklich nur... Nach der einmaligen Lektüre ihrer Seite und des Blogs und geguckt, was gibt es da für den Self-Publisher, was ist da angeboten. Der Self-Publisher muss in das Übersetzungssystem der Goethe-Institute oder anderer europäischer Förderungen rein, sonst hat er niemals eine Chance. Sonst wird es schwierig. Jetzt komme ich zu Ihrer eigentlichen Frage. Sie sehen, das ist das Problem bei mir. Das sind die 40 Jahre. Aber ich kann es jetzt nicht ungeschehen machen. Sie hatten gefragt, wie die Situation der deutschen Autoren ist. Das ist für mich schwierig zu beantworten. Das sage ich ganz ehrlich, weil ich jetzt nicht mehr drinnen bin. Ich kann jetzt auf die Seiten von Hansa und Sorkamp und Fischer und Robert gehen und gucken, was ist alles übersetzt von den zeitgenössischen Autoren. Und dann sehe ich so ein bisschen. Also gute Chancen haben natürlich nach wie vor Buchpreisgewinner, also Gewinnerinnen, Gewinner des deutschen Buchpreises, weil das verschiebt sich leider viel zu sehr in die Richtung. Das war immer meine Kritik. Aber zum Beispiel die Serie Büchnerpreisträger aus Waldegger, der schreibt so kompliziert und so schön, das ist schwierig zu übersetzen. Das wird jetzt nicht ein, und die Marktanteile werden kleiner. Also die Marktanteile für die einzelne nationale Literatur, und das betrifft nicht nur die deutsche, werden kleiner. Also das kann ich mit Sicherheit sagen. Und das sehen Sie auch auf der Buchmesse. Wenn Sie jetzt auf der Buchmesse gehen, früher war eine starke Dominanz der europäischen Verlage, auch von der Größe der Stände, die können sich das teilweise gar nicht mehr leisten, die unabhängigen Verlage, große Stände. Wer aber den riesigsten Stand hat, China natürlich, warum auch nicht Indien. Indien wird immer präsenter auf der Buchmesse und das ist ja interessant mit Indien. Was ist denn Indien? Indien ist in erster Linie die englische Sprache, aber dann eben, ich erspare Ihnen die Aufzählung von zehn Sprachen, aber nur um Hindi oder Bengali oder Malayam oder Tamalial zu nennen. Das sind wichtige Sprachen, die auch Übersetzer haben. Das ist ein Kontinent, der will auf den Weltmarkt und der will adaptieren. Da gerät ganz Europa. Das sind eben diese geopolitischen Verschiebungen, die wir jeden Tag im Fernsehen sehen oder im Internet. Die stattfinden und natürlich bleibt der Buchmarkt davon nicht ausgenommen. Es wird nicht einfacher. Das kann man mit Sicherheit sagen.
Vera
00:31:44
Aber da muss man doch jetzt auch mal sagen, wenn man so mit anderen Autoren und Autorinnenverbänden auch spricht, dann kommt ja gerade aus der Verlagsautoren-Szene oft so der Verdacht, dass so manche der größeren Verlage lieber einen erfolgreichen Auslandstitel, die Lizenz kaufen, als einen deutschen Autor oder Autorin unter Vertrag zu nehmen. So, wie siehst du denn da die Entwicklung? Ist diese Befürchtung durchaus real?
Petra
00:32:14
Das ist für mich sehr schwierig zu beantworten, weil ich niemals in meinem Leben eine programmatische Entscheidung getroffen habe. Das war das, was ich eingangs dachte, dass ich lazy in meinem Stuhl saß, bis der Lektor mir das Manuskript auf den Tisch, die Lektorin legte. Und dann habe ich mich so ein bisschen aufgehoben. Und dann sagte ich, wie schnell soll ich das lesen? Dann sagt er schnell, ja, aber immer nur auf Zurufe.
Vera
00:32:44
Wie oft war denn da so eine Situation, hast du es gelesen, hast du gesagt, oh Gott, hat er denn da für eine blöde Entscheidung getroffen?
Petra
00:32:50
Das kommt vor, aber erstens mal, das kommt vor, aber das zum Glück, das war immer das Glück. Ich bin ja bei großen Verlagen und wenn man die Erfolge der deutschen Literatur im Ortland sieht, ich spreche jetzt auch nur von der Literatur. Wir haben ja ganz viele im Kinderbuch, im Jugendbuch, in diesem Segment New Adult oder All Ages haben ja die deutschen Verlage sehr gute Erfolge. Auch teilweise mit Krimi-Autoren. Also das sind nur Segmente, die ich, obwohl ich gerne Krimis lese, sie nicht bedient habe. Es ist, der Verleger guckt, mit was mache ich den meisten Umsatz. Und wenn wir das beim Beispiel Buch so kann bleiben, dann hat natürlich mit Allende und Vargas Llosa und der Ferrante, oder auch der Ernaud weniger, aber auch dem einen oder anderen Franzosen, das waren richtige Umsatzriesen für den Verlag. Da kamen die deutschen Autoren nicht mit, aber ja, warum denn nicht? Nicht, weil sie weniger interessant waren, sondern das liegt auch an der Lesekultur, an den Bestsellerlisten, da sind ganz viele Faktoren. Aber natürlich ist das ja ein Geschäft, was man über Jahrzehnte betreibt und die Zahlen, also von Peter Handke, von Thomas Bernhardt, von Hermann Hesse, die gehen weit, also die reichen allemal an das heran, was im Ausland, was Allende und Ferrante eingespielt haben. Also das ist immer eine Spitzengruppe, leider.
Vera
00:34:16
Das ist ja immer so, wenn man da guckt.
Petra
00:34:18
Das ist in der Musik so, das ist in der Kunst so. Und wer macht den Markt? Das sind ja soziologische Fragen. Da gibt es ja auch ganz viele Literatur dazu.
Tamara
00:34:29
Aber ich habe so den Eindruck, für viele ist ja der große Traum mein Buch auf dem englischsprachigen Markt. Und das haben wir ja eben gerade schon gesagt. Es gibt so viele andere Märkte, die da sinnvoller sind. Aber wie gehe ich denn vor? Ich habe jetzt ein Buch, wo ich sage, okay, ich möchte das noch weiter in die Welt hinausbringen. Wie finde ich denn raus, welcher Markt sich für meinen Stoff interessieren könnte? Ich wüsste jetzt überhaupt nicht, an wen ich mich wenden sollte, um rauszufinden, wohin soll ich denn übersetzen?
Petra
00:35:01
Als Self-Publisher ist die Frage für Self-Publisher oder für allgemein. Das ist schon ein großer Unterschied. Dem Self-Publisher kann man, weil es so schwierig ist, nur raten, in eine gute englische Übersetzung zu investieren.
Tamara
00:35:20
Also doch.
Petra
00:35:20
Ja, natürlich, weil jeder lesen kann. Also jeder Verleger oder Textinteressierte, auch in Mazedonien oder Slowenien oder Thailand, kann das Englische lesen. Das ist nun mal so, wenn er sich dafür interessiert.
Vera
00:35:39
Aber man muss kurz mal reinhaken, weil Self-Publishing ist natürlich auch, und da gibt es ja auch noch einen anderen Aspekt, da muss man ja auch betrachten, wie ist in den jeweiligen Zielländern der Self-Publishing-Markt. Und wir wissen ja, dass zum Beispiel in Europa, jetzt mal ausgenommen von UK, der Self-Publishing-Markt in Deutschland am meisten entwickelt hat. In Frankreich gibt es eigentlich gar keinen Self-Publishing-Markt. Klar, es gibt Amazon überall. Und eigentlich wäre dann auch für englische Literatur, klar, ist dann Amazon mit internationalen Plattformen in UK oder in den USA Ziel. Aber der klassische Buchmarkt, der wird in anderen Ländern wahrscheinlich nicht erreichbar sein. Der ist ja in Deutschland noch kaum erreichbar.
Petra
00:36:22
Aber auch eben für den Self-Publisher rate ich zu einer englischen Übersetzung, damit er auch auf dem französischen, damit er zunächst mal gelesen wird. Und dann kann man immer noch entscheiden, machen wir eine französische Übersetzung, italienische. Also ihr seht, ich rede von der Nachbarschaft. Das ist ein Prinzip bei der Verbreitung. Das habe ich auch, wenn ich in, bin oft nach Indien geflogen, um in der Siegel Publishing School zu unterrichten. Und da saßen dann sehr viele sehr junge Frauen, die alle einen Verlag gründen wollten. Das war die richtige Entscheidung. Ich sage, bleibt mal in eurer Nachbarschaft. Versucht erstmal die Nachbarländer oder Nachbarsprachen für euren Stoff zu interessieren, weil dann auch die Kenntnis des Stoffes oder der Begebenheiten, wie dieser Text entstanden ist, näher nachzuvollziehen sind. Und natürlich muss es nicht immer das Englisch sein, aber man muss ja jemanden finden, der ins Serbische oder Griechische oder also in kleinere Sprachen übersetzt. Und da ist ja auch die Übersetzerinnen-Decke nicht so groß. Also das sind alles auch technische Fragen.
Tamara
00:37:33
Grundsätzlich spricht ja auch nichts dagegen, dass man sagt, ich bin auf dem deutschsprachigen Markt Self-Publisherin, aber würde mal schauen, ob ich, keine Ahnung, in Polen einen Verlag für den polnischen Markt finde, um jetzt irgendein Land in die...
Petra
00:37:49
Dann kommt mein zweiter ganz wichtiger Rat, eine polnische Agentur zu nehmen. Oder für den Selbstpartner eine Agentur, die in mehreren Ländern verkauft, und zwar geografisch. Also meinetwegen eine Agentur in Ljubljana, die die Länder des ehemaligen Jugoslawien bedient und Italien noch gleich mit. Also eine Agentur, die regional, also im größeren Maßstab, funktioniert. Eine Agentur in Moskau, die auch Zentralasien mit bedenkt. Eine Agentur oder eine riesige Agentur, aber die kommt man meist nicht mehr ran, die Giganten des Marktes, so wie Nürnberg oder Carmen Balzels oder Andrew Weilly, das sind Giganten, die haben Autorenlisten aus aller Welt. 200 Autoren, also Hauptautoren, die sie betreuen, und zwar mit allen Rechten für alle Sprachen. Da kommt man wahrscheinlich als Autorin, Autor mit einer kleineren Auflage nicht hin. Aber es gibt ganz viele neue Agenturen. Das Agenturwesen blüht, weil das sind Kosten, die man überblicken kann. Die haben keine Produktion. Im Gegensatz zu den Verlagen haben sie keine Produktionskosten. Und die haben noch nicht mal die Kosten des Self-Publishers. Also das ist etwas, das ist eine, im positiven Sinne sind das Makler, die eben Leute zusammenbringen, die sich alleine nicht finden. Ja, und das kann auch der Self-Publisher, ja, da kann ich auch gut geben.
Vera
00:39:13
Und wie komme ich, wie finde ich die denn?
Tamara
00:39:15
Genau, einmal das, wie finde ich die und wenn ich vielleicht nochmal kurz wieder, also ich bin nochmal bei meiner Frage vom Anfang und ich glaube, das ist auch für VerlagsautorInnen dann so ein bisschen die Frage. Ich habe jetzt beispielhaft eben Polen gesagt, aber ich muss ja erstmal für mich rausfinden, welcher Markt könnte sich für den Stoff, den ich geschrieben habe, denn überhaupt interessieren? Und ich wüsste jetzt keinen Ansatz, wie ich das erstmal rausfinden kann.
Petra
00:39:43
Das kann man über die unterschiedlichen Buch-, also Verlegervereinigungen, Self-Publisher-Vereinigungen, die haben ja Tipps, also jetzt auf eurer Seite weniger, aber so wie der Börsenverein, da gibt es ja auch Aufstellungen, welche Märkte was verlegen. Aber ich glaube, ich habe nie, ich bin immer davon ausgegangen, dass ein Text alle betrifft. Und ich habe einmal sehr viel Applaus für eine sehr freche und eher fast dümmliche Bemerkung erhalten in Nubeljana, als ich sagte, mir sind zwei Leser in Nordmazedonien, in Skopje, habe ich gesagt, mir sind zwei Leserinnen in Skopje lieber als zehn in New York. Das war natürlich, aber die haben genau verstanden, was ich sagen wollte. Also es ist nicht so sehr wo, sondern mit wem und wie. Ich würde das gar nicht so in, weil zum Beispiel der Kinderbuchmarkt, aber der Kinderbuchmarkt funktioniert weltweit. Sie können wirklich Ihre Illustrationen, Ihre Stoffe, das ist ein blühender Markt. Denken Sie nur an Afrika, wo jetzt ganz neue Bildungsinhalte, Einheiten, Schulen sind. Entstehen, wo das Kinderbuch dringend gebraucht ist. Da können Sie auch als Self-Publisher, wenn Sie vielleicht dort einen Agenten nehmen, alles anbieten, was Sie geschrieben haben. Krimis ist speziell. Deutsche Krimis mit diesen vielen Regionalkrimis, die wir haben. Das ist jetzt, weiß ich nicht, wie die im Ausland funktionieren. Und da ist ja auch die Konkurrenz aus den angelsächsischen Ländern und Skandinavien sehr groß. Aber natürlich können Sie auch, nein, ich würde das jetzt nicht so sehr, und wie Sie Agenten finden, die Frage, da gehen Sie mal, das kann man alles recherchieren. Entweder fragen Sie wirklich Chatschipiti oder Perplexity, Sie werden sich wundern, was da alles daraus kommt. Die haben mich auch durch das Self-Publishing sehr gut gecoacht, muss ich sagen, glaube ich nicht, dass das alles richtig ist, aber als Anspunkt, ja, versteht ihr, als Pick-up ist es doch genial. Und ich meine, warum sollen wir nicht profitieren? Wir haben alle unwissentlich, haben wir da genau die Inhalte hineingegeben, jahrzehntelang, die wir jetzt hoffentlich auch wieder abrufen dürfen. Gucken Sie mal auf den Webseiten der großen Publikumsverlage unter dem Label Rechte und Lizenzen oder Fernwein. Sie haben das alle unterschiedlich aufgelistet. Da gibt es Subagenten, also bei Kontakt. Gucken Sie nur bei Kontakt. Gucken Sie gar nicht, was die verlegen, gucken Sie bei Kontakt. Und da stehen Subagenturen bei all diesen Verlagen. Und einer dieser Subaktoren könnte auch für Sie in Frage kommen. Wenn Sie jetzt sagen, Sie haben Lust auf Polen, kann ich Ihnen in einer E-Mail welche nennen, aber Sie können das auch herausfinden, indem Sie auf diese Kontaktseite. Sie können auch... Einfach Kollegen anrufen, die helfen ihnen da gerne weiter, der Markt ist so groß. Also diese Ratschläge mit wem man, und es gibt immer mehr, ich habe ganz viele Kolleginnen, die so wie ich in der Rente sind und noch sich fit fühlen oder denken, ich weiß das, warum soll ich das nicht noch weitergeben, die sich jetzt als Agentin niederlassen, also gerade im osteuropäischen Raum. In Frankreich ist das Agentenwesen nicht so verbreitet.
Vera
00:43:13
Also du machst ja auch Beratung, also man kann dich ja auch zu raten.
Petra
00:43:18
Ja, natürlich, gerne.
Vera
00:43:19
Für dein Projekt. Also ich wollte jetzt nur sagen, Rock in Peace ist doch prädestiniert. Also mein Niederrhein-Krimi wahrscheinlich, da wird es eng.
Petra
00:43:36
Ja, das ist prädestiniert. Würde ich auch sagen. Aber bei Verlagen, das ist eben der Unterschied, den man machen muss. Der Selbstpublisher braucht in dem Segment Übersetzung absolut eine Hilfestellung. Der kann das nicht allein. Das ist viel zu kostenintensiv. Und der Verlag, da habe ich immer dafür plädiert, es aus der eigenen, und das machen ja auch die deutschen Verlage, aus dem eigenen Haus zu machen. Ich hatte neulich in die Philippinen, haben ja jetzt nächstes Jahr Gastland, also Guest of Honor in Frankfurt. Und da hatte ich einen Einführungsvertrag gehalten und ich habe gesagt, das ist so toll, wenn man das aus dem eigenen Verlag macht. Und dann als die Moderatorin fragte, haben sie noch Fragen, da haben alle gesagt, können Sie uns eine Agentur empfehlen, die das für uns macht? Ja, natürlich. Weil die haben erkannt, wie aufwendig das ist. Und der Verlag investiert da rein, der will ja auch was rauskriegen. Bei dem ausländischen Autor muss er das nicht machen. Den kauft er ein, meist recht teuer, aber dann hat er halt seinen Umsatz.
Vera
00:44:43
So eine Befürchtung, gerade bei so Krimis und den ganzen skandinavischen Krimis und so, dass da deutsche Autoren und Autorinnen dann es schwerer haben. Wenn man jetzt so ein bisschen deine Vita guckt und auch so guckt, was du gemacht hast, dann tauchen ja alle möglichen exotischen Ländernamen aus. Du hast ja jetzt gerade im Gespräch schon die ein oder andere ernannt, wo ich noch nie war und wahrscheinlich auch nie hinkommen werde. Was war denn für dich so die besonders interessante Begegnung.
Petra
00:45:17
Ich muss vorausschicken, dass eben diese 40 Jahre, ich hatte Glück mit dem Kai Ross dieser 40 Jahre, 20 Jahre analog, um was zu lernen, in Ruhe, noch in Ruhe, hinterher war die Ruhe weg, in Ruhe das Geschäft zu lernen, von der Pike auf, denn meine Ausbildung, mein Studium der Romanistik hat mich dafür nicht prädestiniert. Und das musste man alles im Verlag lernen. Es gab, was ich toll finde in den 40 Jahren, ist, dass sich die Ausbildungswege zum Verlagmanager, egal welche Branche, ob Vertrieb oder sehr stark verändert haben. Da sind viel mehr Angebote in den Universitäten und zu meinem großen Entzücken hat jetzt die Universität Marburg einen neuen Masterstudiengang mit Hilfe der Frankfurter Buchmesse initiiert, internationale Literaturen und Buchmärkte. Ja, das hätte ich gebraucht für 40 Jahre, Das hätte ich gerne gelernt. So haben wir es zusammen uns erarbeitet. Ich hatte halt Glück, das war eben auch dieser globale Markt, der aufbrach. Und da war eben der Bedarf, dass die Französinnen, meine Kolleginnen oder auch aus London, die Kollegen, sind auch herumgekommen. Wir wurden geschickt. Wir wurden als Botschafterinnen nach China geschickt und in die arabischen Länder. Alleine hätte das weder der Surkamp Verlag noch ich schon gar nicht finanzieren können, diese Reisen. Jetzt gibt es ganz viel, das habe ich mit initiiert, diese Fellowships. Jede Buchmesse, als ich anfing, da gab es ein Fellowship der Frankfurter Buchmesse, also dass man Verleger, 20 Verleger aus 20 Ländern einlädt. Es gab das Jerusalemer Fellowship, das war von Holzbrink und Bertelsmann initiiert. Aber jetzt gibt es 60 Fellowships, mindestens bei 60 Buchmessen. Da kommen Leute zusammen, es hat sich also dieser Austausch. Es gibt die Gruppe Publishers Without Borders. Das können sich auch die Self-Publisher mal angucken. Da reintreten in die Gruppe Publishers Without Borders, Und da hat man viele Kontakte, die einem den internationalen Markt und diese Fellowships, auch als Self-Publisher, sich mal bewerben auf ein Fellowship. Und manche zahlen nur die Unterkunft, manche den Flug, manche beides. Das wusste man halt, was man da für Möglichkeiten hat. Und es ist so, man sollte schon Zusammenkommen aufmessen. Und der Das muss ich ja gestehen.
Vera
00:47:39
Also die ich habe ja eh eine Zeit lang gebraucht, bis ich so ein bisschen Frankfurter Buchmesse da so angekommen bin. Ich weiß noch, beim ersten Mal bin ich nach drei Stunden vollkommen desintentioniert gefahren und habe gesagt, das ist eine fremde Welt. So, heute, klar, kenne ich ein paar Menschen da und fühle mich da schon ein bisschen mehrheimig, aber ich muss auch gestehen, dass ich gerade diesen ganzen internationalen Bereich, auch die Hallen, wo dann so die auswendigen Verlage sind, eigentlich ich immer dran vorbeigehe. Wie wichtig ist denn dieser Teil des rechten Landes für den Buchmarkt? Welchen Umsatzanteil machen Verlage damit?
Petra
00:48:19
Großen, meist schon im Vorfeld der Buchmesse in den Hotels, meist auch schon im September. Das fokussiert schon auf diese Frankfurter Buchmesse hin oder im Frühjahr auf die Londoner Buchmesse, neue Stoffe, wobei es gibt Lektoren, die sagen mir, sie gehen jetzt eher in die Länder, um was zu finden. Die Buchmessen haben sich da fokussiert, alles um wenige Bestseller und sie finden nicht den Solitär, aber für den, für das, Neue Menschen in der Branche ist eine Kenntnis der Frankfurter und Leipziger Buchmesse oder auch mal einer im Ausland unabdingbar, um überhaupt den Markt zu verstehen. Und ich gehe gerne mit dir, wir haben ein Date in 25, da nehme ich, wen will, mal eine kleine Gruppe aus eurem Verband mit und dann können wir mal so eine Buchmessenbegehung machen.
Vera
00:49:08
Oder das Angebot ist angenommen. Also ich bin schon angemeldet. Super, das machen wir sehr gerne.
Petra
00:49:14
Das war immer mein Anliegen, um das was sichtbar zu machen, was unsichtbar ist. Es ist genau das, was du gesagt hast. Du gehst da herum und siehst nichts. Weil das, was passiert, ist an den Ständen, ist dahinter. Man muss jemanden kennen, um ins Gespräch zu kommen. Man kann nicht einfach auf den Stand treten und sagen, hallo. Und das hatte ich die Chance eben 40 Jahre zu machen und in dem Jahr, als ich dann Also 20 bin ich in die Rente und in 19 hat die Buchmesse so ein nettes Puster gemacht. Und ich war überglücklich, natürlich auch als gebürtige Frankfurterin, hat die Buchmesse natürlich für mich einen besonderen heimatlichen Stellenwert. Das gebe ich gerne zu. Ja, aber mit dem digitalen Zeitalter, es gibt ja jetzt auch Segmente, also dieses Jahr auf der Buchmesse, da stehe ich auch staunend. Ich stehe eigentlich wieder so staunend mit all diesen Entwicklungen, jetzt eben nicht mehr in fester Position, sondern genau wie ihr staunet, nur ich habe halt Ressourcen, aus denen ich schöpfen kann. Aber das Staunen ist neu dazugekommen, wie viele Länder jetzt neu auf der Buchmesse in diesem Marktanteil sind und was die zu bieten haben. Und natürlich ganz andere Formate, die digitalen Formate, dieses Mash-up zwischen performativen und medialen Sachen. Das Print gerät nicht in den Hintergrund, aber es wird ergänzt und mit wichtigen Bestandteilen. Und es bleibt, und da sind wir wieder ganz am Anfang, was bleibt, der Text. Es bleibt die Autorin und der Text.
Tamara
00:50:41
Aber ist das nicht schön, dass man nach Jahren staunen kann, anstatt zu sagen, das hatten wir früher nicht so. Das finde ich gerade richtig schön, dass du das sagst.
Petra
00:50:51
Ja, ich staune und ich möchte noch weiter staunen. Und es gibt auch jetzt Momente auf der Buchmesse, wo eine zunehmende Einfluss von Buchmärkten, die nicht in demokratischen Systemen stattfinden, wo mir die Verleger auch teilweise von ihren Bedrängnissen erzählen, aber trotzdem kommen. Und du fragtest nach Inspiration, die Frage kommt ja in der Buchbabel, ich möchte jetzt da nichts vorwegnehmen, aber Inspiration ist, ich habe es mal geschrieben, der Verleger, der Self-Publisher, der Verleger, jeder, der Autor, der einen Text geschrieben hat und ihn selbst oder für jemand anderes verlegt, ist der Navigator im Kulturbetrieb. Und wie viel politische Einfluss er haben könnte und auch wahrnehmen sollte oder im Demokratisierungsprozess oder in dem Diskurs, den wir täglich haben, das ist auf der Buchmesse sichtbar und ich fühle mich dadurch immer sehr bereichert, auch wenn ich jetzt manchmal eben denke, die werden immer mehr, also die. Ja. Und namhafte spanische Verlage sind jetzt bei Feltrinelli untergeschlüpft. Das, ja, so wie namhafte amerikanische Verlage nur noch unter Penguin Random House, aber das ist die Entwicklung des Marktes und ich. Aber ich mag gern die andere, ich will, ich habe gelernt, die andere Meinung zur Kenntnis zu nehmen. Das war das Wichtigste, was ich in meinem Berufsleben gelernt habe. Zur Kenntnis zu nehmen und erstmal nicht gleich, Ich sehe das aber völlig anders. Das kann man, sollte man, kann man sagen. Aber erst mal nachzudenken, bevor ich sage, ich sehe das völlig anders. Das habe ich gelernt. Das sind Lernprozesse. Das war nicht am Anfang meines Weges. Das war am Ende meines Weges, dass der internationale Austausch und die Begegnung auch mit ganz anderen Menschen, die wirklich Dinge anders sehen als ich.
Vera
00:52:50
Ja, aber da muss ich jetzt nochmal einhaken, weil wie gesagt, bei der Beschäftigung mit dir und der Navita sind wir natürlich auch darauf gestoßen. Du hast ja auch ein paar Bücher publiziert und da ist mir bei einem aufgefallen, Herzliebe, dass es das nur in den Arabischen Emiraten gibt. Ist das auch nur in Arabisch?
Petra
00:53:12
Nein, das gibt es. Also ich habe nur, das ist meine Laziness, ich habe nur zwei Bücher geschrieben, aber mit einem gewissen Trara. Ja, also das habe ich gelernt, aus wenig mehr zu machen. Und dieses Fachbuch, was ich geschrieben habe, Buying Protecting Selling Rights, wie man urheberrechtlich geschützte Texte erwirbt und verbreitet, die schützt und verbreitet, das ist in acht Sprachen erschienen. Und darunter ist auch eine arabische Ausgabe. Dann habe ich im Schock der Corona-Pandemie ein Buch, ein kleines autobiografisches Buch geschrieben, Fernlieben, wo ich kombiniere meine Erfahrungen als Großmutter von Enkeln, die in Kalifornien leben, die ich anderthalb Jahre nicht sehen konnte oder wir uns und den Rückblick auf berufliche Fernlieben, die wir auch nicht sehen konnten. Das Thema des Buches ist Fernleben. Und das ist in drei Sprachen erschienen. Im Englischen in den Emirati und nicht in den Emirati, es ist in Libanon erschienen und das Fachbuch ist in den Emirati erschienen. Und im Griechischen, ja.
Vera
00:54:16
Aber da ist doch ein Buch in deiner Vita, jetzt muss ich auch mal gucken hier, das es heute noch nur gibt in einem...
Petra
00:54:25
Ja, das ist diese Arabische Ausgabe von dem Rechtefachbuch. Das ist bei Kalima.
Vera
00:54:30
Das ist fünf Liebesgedichte der neuen deutschen Nürn.
Petra
00:54:33
Ach, Entschuldigung, das habe ich nur herausgegeben. Mit Thomas Spahr, das ist eine Herausgeberschaft. Deshalb haben wir Gedichte gesammelt.
Vera
00:54:44
Das gibt es in einem Verlag der Arabischen Emiraten. Und wenn ich auf die Seite gehe, ist alles arabisch.
Petra
00:54:50
Es war geplant, das ist eine traurige Geschichte, Es war geplant, dieses Buch bei einem israelischen Verlag und einem arabischen Verlag für die Kommunikation. Wir haben Gedichte ausgesucht und meine Kontakte in der arabischen Welt sind gut, waren gut. Thomas Spaß, Kontakte in Israel sind legendär, der hat ja auch studiert. Und da haben wir gesagt, wir finden und wir machen eine gemeinsame Veranstaltung vielleicht in Deutschland. Oder wir brauchen nicht darüber jetzt sprechen, warum das alles nicht stattgefunden hat. So blieb es bei der arabischen Ausgabe. Die haben halt viel mehr Geld als die Israelis und haben das gemacht. Und das ist eine Herausgeberschaft. Das ist hier überhaupt nicht lieferbar. Das ist dort lieferbar. Aber die haben gesagt, sie unterstützen auch eben andere Sprachen. Jetzt ist eine Ausgabe in Bengali im Gespräch. Aber das ist ein Orchidem-Projekt.
Vera
00:55:46
Also das fand ich jetzt so quasi den Höhepunkt der Internationalität. Ich habe ein Buch, das gibt es nur in Arabisch.
Tamara
00:55:56
Ja, es war ein bisschen anders.
Petra
00:56:01
Das war ein bisschen, ja. Aber ich hatte halt, wie gesagt, sehr viel Glück in dem historischen Kontext, der jetzt sich in verschiedenen Beziehungen verändert.
Vera
00:56:13
Wohl wahr. Du hast ja schon mal ein bisschen durchblicken lassen, dass du dich jetzt im Vorfeld zum Gespräch mal so ein bisschen mit Self-Publishing beschäftigt hast und so. Muss ich daraus schließen, dass du generell auch als du so in Verlagen warst, dass das Aufkommen des Self-Publishing gar kein Thema war? Das enttäuscht mich jetzt gerade.
Petra
00:56:35
Da muss ich darüber nachdenken, wenn ich dir eine ehrliche Antwort geben will.
Vera
00:56:40
Ich möchte eine ehrliche Antwort.
Petra
00:56:41
Ja, natürlich. Ich ringe mit meinem Gedächtnis, ob das ein Thema war. Ja, das war ein Thema, was sich oft verbannt mit, wenn der Lektor das Manuskript, was ihm vorgelegt wurde, nicht angenommen hat. Dann hat er der Autorin und dem Autor empfohlen, es selbst zu verlegen. Zum Beispiel. Als Erweiterung an die Verlage war das ein Fehlungsthema.
Vera
00:57:14
Ja, so kenne ich das auch. Zu der Zeit war das noch so.
Petra
00:57:18
Das hat sich ja aber durch die Art des Self-Publishing, dass das jetzt Start-ups, Unternehmen sind teilweise und teilweise recht erfolgreich, verändert. Das ist ja eine Branche geworden. Und das ist also alles, da kann ich nur sagen, und das ist aber auch die Meinung von anderen Verlegern und Verlegerinnen, denke ich, alles, was auf dem Buchmarkt stattfindet, ist keine Konkurrenz, sondern ein Surplus, eine Bereicherung. Das webt sich ineinander, diese Buchveröffentlichungen, egal auf welchem Wege. Das war auch im Ausland. Ich habe oftmals Bücher, wenn ich mit meinen Empfehlungen durch war für die ausländischen Verleger, der wurde immer gelangweilt, dann habe ich gesagt, ja, dann geht doch zu Aufbau, da ist gerade das und das erschienen, vielleicht gefällt dir das besser. Also das haben andere, der Michel Trüger hat das oft gemacht. Also das ist keine Großzügigkeit, das ist auch kein Spleen und das ist einfach eine Bestandsrettung. Wir sitzen hier alle in einem Boot und, das ist auch so ein blödes Beispiel, aber wir sitzen alle in einer Gilde. Ich habe immer gern das Wort Gilde, weil ich aus Frankfurt am Main komme und da gab es halt diese Märkte und da gab es den Gutenberg aus Mainz, der da, also Peter Weithars, der legendäre Buchmessendirektor der Frankfurter Buchmesse, ist ja vor ein paar Tagen verstorben und der hat hier ein Buch über die Geschichte der Frankfurter Buchmesse geschrieben und da sieht man sich ja als Frankfurterin immer mit diesen Ständen und Gilden und das ist, Ein gemeinsames Interesse, das weit über den Kontext Frankfurt, Leipzig oder Buch Berlin oder irgendwas hinausläuft, die Rettung des Textes als solches, der Urheberschaft, das Begleiten von Urheberschaft in die Welt, das ist unser gemeinsames Interesse. Und wenn mich was ermutigt hat, ich hatte wirklich das Glück. Ein sehr erfülltes Berufsleben zu haben, aber wenn es mal einen Tag gab, wo ich, kann ich das gar nicht so sagen, aber wenn ich mal so einen kleinen Kick wieder brauchte oder so, dann habe ich an Verleger gedacht, die unter Einsatz ihres Lebens publizieren. Die in Ländern Texte von Frauen verlegen, wo das nicht erwünscht ist. Die in Libanon Bücher von Amos Oz verlegen und damit mit Sanktionen zu rechnen hatten. Der Verleger dürfte da nicht auf die Buchmesse in Saudi-Arabien. Und das kostet ihnen sehr viel Umsatz. Also ja, nicht auf die größte Buchmesse in der arabischen Welt zu gehen. An diese Verleger muss man denken, und da schließe ich jede Konkurrenz und jedes Spashing oder irgendwas, aus. Das ist ein Ding.
Vera
01:00:06
Dann hoffe ich jetzt einfach mal, dass jetzt irgendwann jemand bei einem Agenten sitzt und der einen heiteren Krimi will, sagt, gut, wenn du uns auch nicht willst, dann geh mal zu der Vera Dentwig. Das wäre doch mal schön.
Petra
01:00:18
Nein, nein, du musst das, du machst das schon selbst und sucht euch, wenn ihr im Ausland erscheinen wollt, Agenten. Ansonsten schöpft alle Möglichkeiten auf dem deutschen Markt aus. Das tut ihr ja auch. Ich fand das sehr professionell, was den deutschen Markt anbelangt. Aber unser Thema war heute Übersetzungen und da ist natürlich Luft nach oben, aber fangen wir doch nächstes Jahr an mit der Buchmesse und den Philippinen.
Vera
01:00:41
Ich freue mich sehr auf unseren Rundgang, liebe Petra. Und dann sind wir jetzt mal sehr gespannt, wie deine Antworten auf unsere total kritischen Buchbubble-Fragen sind.
Tamara
01:00:51
Genau.
Petra
01:00:53
Das waren ja die einzigen Fragen, auf die ich mich vorbereitet habe.
Tamara
01:00:56
So sieht es aus. Und ich starte mit der ersten Frage. Welches Buch hat dich denn zuletzt Tränen weinen oder lachen lassen?
Petra
01:01:05
Ja, zuletzt ist bei mir immer, ist bei mir das Wiederlesen. Ich bin ein Mensch, der das gleiche Buch oft liest, durch die Jahrzehnte. Also da muss man schon die Jahrzehnte nehmen. Also wenn man jetzt denkt, ich habe einen, also mit sechs Jahren konnte ich lesen, also 70 minus sechs habe ich jetzt einen 64-jährigen Leseerwerb. Und da lese ich zum Beispiel immer wieder das Buch von Josef Roth-Hiob. Und das ist ein Buch, Da muss man am Ende weinen, weil es ist die Geschichte des Lehrers Mendelsinger in Galizien geboren und der scheitert. Der scheitert während seines ganzen Lebens, steht immer wieder auf, scheitert, also gemäß dem biblischen Vorbild Hiob. Und er hat große Beschädigungen und Verletzungen in seinem Leben hinzunehmen. Und am Ende des Romans kommt das Wunder und da muss ich weinen. Und das ist ein Buch, was mich immer wieder berührt ich lese auch andere Geschichten oder Autoren, die das Scheitern im Mittelpunkt ihrer Textgenese haben, also Samuel Beckett oder Thomas Bernhard, das lese ich gerne, weil das ist so realistisch man scheitert, man steht auf, man hat Beschädigungen, das kann man in eine Geschichte fassen, das kann man in Lebensläufe schaffen und dann habe ich Lieblingsautoren wie, ja, konservativ, sehr konservativ Thomas Mann, aber ich meine, der Zauberberg jetzt 100 Jahre, das ist ein Buch, was einfach 100 Jahre funktioniert, das ist ein Text, der funktioniert 100 Jahre, da gibt es in allen Ländern jetzt Neuübersetzungen, weil auch Thomas Bernhard urheberrechtsfrei geworden ist im letzten Jahr, also der wird jetzt urheberrechtsfrei, der ist glaube ich 54 gestorben und ja, und die Erstausgabe, ich habe eben von dem Hiob eine Erstausgabe von 1930, die ich antiquarisch erworben habe und das Buch ist so fleckig und speckig und wie so ein gelebtes Leben und das ja, und Das fasziniert mich. Und dann muss ich sagen, auch das Thema Wiederlesen, aber jetzt generationenübergreifend, ist das Kinderbuch. Ich las mit meinen Kindern Ende der 80er Jahre die Bücher von Tommi Ungerer und wir hatten gleichermaßen wirklich. Eine große Zuneigung zu den Texten Zeraldas Riese oder Die drei Räuber. Und das lese ich jetzt mit den Enkeln wieder. Und die haben auch relativ kleine Kinder, können für diesen hintergründigen Humor auch schon einen Sensus entwickeln. Und das macht uns allen Spaß. Und ja, das sind Buchbücher, die einen durchs Leben begleiten. Entweder generationenübergreifend oder aus eigenem Interesse.
Tamara
01:03:42
Sehr schön. Dann die zweite Frage. Welche, und das waren bestimmt sehr, sehr viele, aber welche Begegnung in der Buchbubble hat dich ganz, ganz besonders inspiriert?
Petra
01:03:55
Ja, liebe Tamara, das ist tatsächlich so. Wir können noch eine Stunde füllen mit den Namen der Menschen, die mich inspiriert haben. Denn das ist ja auch das, was ich meinte, mit dem wir sitzen alle gleich. Das sind alles wunderbare Menschen. Das sind oft mutige Menschen und inspirierende Menschen. Ich kann das nicht anders sagen, als dass ich am Anfang des Wegs durch große Verleger wie Sigrid Unseld, wie Klaus Wagenbach inspiriert war, eigentlich von ihnen gelernt habe, Inspiration ist Lernen, aber auch von Autoren, die große Selbstvermarkter waren, wie Hans Magnus Enzensberger und Günter Grass. Und natürlich das reine Business habe ich von Helene Ritzerfeld gelernt. Die war 50 Jahre Leiterin der Abteilung Rechte und Lizenzen im Sorkam Verlag. Und die hat praktisch mit Peter Sorkam diesen rechten Bestand, den Schutz und die Weiterverbreitung aus den Angeln gehoben. Und von der habe ich natürlich am meisten gelernt. Insofern ist das, also diese Inspiration ist jetzt weniger die Geschichten von auswärts als das. Day-to-Day-Business am Schreibtisch, wo man sehr stark inspiriert ist für die Aufgabe, um sie dann zu lösen und um sie dann in weltweite Anekdoten zu füllen. Aber zunächst mal muss das Handwerk her. Das Handwerk ist der Anfang und dann kommen weitere Inspirationen dazu. Und dann erzähle ich noch ganz kurz die Geschichte von den beiden Bibliothekarinnen im Kibbutz Misra, südlich von Nazareth. Und ich lernte die kennen. Die waren 1933 eben mit ihren Eltern aus Plauen und Osnabrück nach Palästina gekommen. Und die haben dort geheiratet und hatten Spaß an der Bibliothek. Und wir kamen ins Gespräch und kamen auf Zeit mir und ich sage, sie haben ja hier Hesse. Ja, Hesse wäre einer ihrer Lieblingsautoren. Ich sagte, wir verlegen Hesse. Ah, dann sind sie von S. Fischer. Sag ich, nein, ich bin von Surkamp. Nein. Also die hatten überhaupt von der Existenz des Zurgam Verlag natürlich, wieso auch, Kenntnis genommen und die haben gesagt, nein, nein, hier schauen Sie, wir haben noch alle Ausgaben von früher und das ist der Text, das ist der Text unabhängig, das ist der Text mit dem Autor im Gepäck und dann kommt erst der Verlag und dann kommt erst die Verwaltung, das ist das. Die haben an diesen Büchern gehangen und das hat sie, ja, ihre Situation, ihr neues Leben dort vielleicht auch begleitet und das hat mich sehr berührt. Also ferne, natürlich gar nicht mal so fern, das ist ja eine zutiefst deutsch-israelische Geschichte, aber ja, der Text als solcher, wie er weiterlebt und wie er immer wieder auf den Menschen zurückkommt. Und da waren diese beiden Bibliothekarinnen für mich schon eine große Inspiration.
Vera
01:06:41
Wobei ich jetzt mal einhaken muss, Steppenwolf von Hermann Hesse ist tatsächlich eins meiner absoluten Lieblingsbücher, würde ich mal gesagt haben.
Petra
01:06:49
Ja, ja, hat jeder so seinen Hesse, ne?
Vera
01:06:53
Jeder hat seinen Hesse, das ist auch so.
Petra
01:06:56
Ja, das war jetzt nicht so exklusiv, das war aber gerade in der Verteidigung, dass die sagten, es interessiert mich überhaupt nicht, wo du herkommst, ja? Die wollten nur über Hesse reden, die wollten über den Text reden, ne? Das ist eigentlich das, was mich da inspiriert hat, ja?
Tamara
01:07:14
Ja, und zum Abschluss, da bin ich jetzt besonders gespannt, welches Klischee möchtest du denn nie wieder in einem Buch lesen müssen?
Petra
01:07:24
Ich weiß nicht, ob du das nicht raten könntest, denn du kennst mich jetzt eine Stunde und ich bin ja relativ transparent. Und ja, es wird mir ernst. Es wird mir jetzt richtig ernst. Ich möchte, ich möchte nicht mehr, nicht mehr und nicht schon wieder, muss man sagen. Ich möchte keine Klischees lesen, die die Fähigkeiten von Frauen herabstufen. Das möchte ich ganz und gar nicht. Für mich nicht, für meine Tochter nicht, für meine drei Enkeltöchter nicht, für die Söhne und den Enkelsohn auch nicht, für niemanden auf der Welt. Denn es fängt mit dem Klischee an. Und ich greife nochmal in die weite Vergangenheit. Ich greife nach Frankfurt am Main, Stadtteil Bornheim, Working Class. Die Männer haben am Samstag ihre Autos gewaschen auf der Straße. Und dann haben sie gelacht und gescherzt. Und ein Witz war, pass auf, morgen fährt die Mutti am Sonntag, geh von der Gas. Also morgen fährt die Mutti in dem Auto, geh, rette dich. So, und damit fängt es an. Das waren keine Unholde, die haben darüber gelacht. Und ich stand als sechsjähriges Mädchen dabei und war verwundert. Und ich möchte das nicht mehr, denn wir haben gerade jetzt eine Situation, wo die Gewalt gegen Frauen und die Missachtung von Frauen weltweit zunimmt, nicht nur in Afghanistan und im Iran, weltweit zunimmt. Und das möchte ich nicht. Und da sind wir alle aufgerufen, dagegen vehement aufzustehen. Und das möchte ich auch im Klischee nicht lesen, denn damit beginnt es. Nicht jedes Klischee transformiert sich zu einem Femizid. Natürlich nicht. Und wir sind seit Corona 1960 wesentlich weitergekommen. Aber wir sind in einer Regression. Und ich möchte es nicht.
Vera
01:09:14
Jetzt hast du es geschafft, mich im Schluss tatsächlich so bewegt zu kriegen, dass ich nicht mehr weiß, was ich sagen soll. Ja, vielen, vielen Dank, liebe Petra. Und ich habe jetzt gerade meine Synonymliste für inspiriert nicht dabei, aber dein Gespräch war absolut bereichernd und ich nehme das Wort und sowas von inspirierend. Vielen, vielen Dank, dass du heute Zeit für uns hattest. Und wir werden das mit dem Rundgang in Frankfurt, da nehmen wir dich beim Wort. Und ja, an euch, liebe Hörer und Hörerinnen, ich bin sicher, ihr habt genauso viel mitgenommen wie ich. Und Petra Winkz möchte noch was sagen.
Petra
01:09:53
Ich wollte mich auch bedanken. Das ist immer schwierig. Die Moderatorinnen bedanken sich bei dem Gast und dann kommt der Abspann. Und der Gast hinkt, das ist auch im Fernsehen so, immer mit seinem Dank irgendwie dahinter her. Also vielen Dank, liebe Vera, liebe Tamara, das war für mich auch sehr inspirierend. Ich bin sehr dankbar, dass ich sprechen durfte und ich danke den Hörerinnen und Hörern für ihre Geduld. Und natürlich, wir machen bitte den Termin, Termine für die Buchmesse, ein letzter Fachrat, macht man im Juni aus. Also bitte schreibt mir im Juni 25. Ich freue mich drauf, wir haben ein Date.
Vera
01:10:35
Das werden wir machen, ihr habt es gehört. Zwei Plätze sind reserviert für Tamara und mich. Und dann kann ich jetzt dem eigentlich nichts mehr hinzufügen. Also macht es wie immer, folgt und bleibt uns gewogen. Bis nächste Woche.
Tamara
01:10:49
Danke, tschüss Petra.
Petra
01:10:51
Tschüss, ihr beiden.