DZVDT #241 - Die Erzählperspektive im Roman: Perspektivfehler vermeiden und Identifikation schaffen
Ein unerwarteter Perspektivwechsel gleich auf der ersten Seite eines Buches hat Vera beim Lesen so aus dem Konzept gebracht, dass sie Redebedarf hatte! Darum erörtern die Zwei von der Talkstelle heute, welche Erzählperspektiven wann sinnvoll sind.
05.12.2024 50 min
Zusammenfassung & Show Notes
Ein unerwarteter Perspektivwechsel gleich auf der ersten Seite eines Buches hat Vera beim Lesen so aus dem Konzept gebracht, dass sie Redebedarf hatte! Darum erörtern die Zwei von der Talkstelle heute, welche Erzählperspektiven wann sinnvoll sind.
Vera und Tamara besprechen, wo Perspektivwechsel überhaupt angebracht sind, wie man Perspektivfehler vermeidet und warum es nicht immer gut ist, die Wölkchen am Himmel zu beschreiben.
Zwischen einer Menge praktischer Tipps dürfen natürlich die üblichen Seitenhiebe und kleinen Meinungsverschiedenheiten nicht fehlen. Hört rein!
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Vera und Tamara besprechen, wo Perspektivwechsel überhaupt angebracht sind, wie man Perspektivfehler vermeidet und warum es nicht immer gut ist, die Wölkchen am Himmel zu beschreiben.
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Transkript
Hier ist Folge 241 von die zwei von der Talkstelle und wir widmen uns heute der Perspektive.
Welche Erzählperspektiven solltest du wählen? Welche Perspektivfehler könnten drohen?
Und warum ist Vera über ihre aktuelle Lektüre gestolpert?
Genau, nämlich ich habe da einen Perspektivfehler vermutet und habe das sofort mit Tamara diskutiert.
Und das Ergebnis hört ihr in dieser Folge.
Die,
Hier ist die Folge 241 von Die 2 von der Talkstelle.
Und mir gegenüber sieht noch eine etwas bedächtig reinschauende Tamara Leonard in meine Richtung.
Mein Name ist wie immer Vera Nentwig und was ist los Tamara?
Du bist doch jetzt nicht mehr Vorsitzende, du hast doch jetzt Unmengen an Freizeit
und bist es doch vor Erholung nur so strahlend.
Ja, deswegen ja so bedächtig. Wobei ich gerade überlege, wie schaut man bedächtig?
Ich glaube, das hätte ich dir jetzt im Lektorat angemerkt. Ich habe da keine Vorstellung zu.
Wenn du keine Vorstellung zu hast, muss es doch nicht falsch sein.
Das mag wohl sein.
Allein wenn ich den Leser oder die Leserin dann darüber nach,
inspiriert habe, darüber nachzudenken, wie man bedächtig schaut,
habe ich doch schon eine Aufgabe erfüllt.
Ja, wer weiß. Aber ich hätte zumindest die Diskussion eröffnet.
Aber zu deiner Frage, ja, mich hat es so ein bisschen erwischt.
Ich weiß nicht, ob man es hört. Ich bin ein bisschen verschnupft,
verkopfweht, aber ja, nicht so dolle schlimm.
Ich hoffe, es wird auch nicht schlimmer. Also heute ist es schon ein bisschen besser als gestern.
Schön, das freut uns. Ja, ich war ja in der letzten Folge schon etwas nasal,
wobei das mit mir kein Schnupfen ist und ich bin auch sicher,
es ist keine Allergie oder sowas.
Ich habe so ein bisschen den Eindruck, das ist so ein Signal,
dass der Körper ein wenig Erholung oder irgendwie aufgepäppelt muss.
Ich war gestern in der Apotheke und habe mir für teuer Geld jetzt so Aufputschmittel
gekauft, die ich einen Monat nehmen muss, damit alles wieder...
Witzigerweise rief dann genau heute mein Gynäkologe an und meinte,
bei den letzten Blutwerten wäre rausgekommen, dass mir Vitamin D fehlt.
Wahrscheinlich ist das sowas.
Das kann im Winter ja schon mal passieren.
Ja, irgendwas ist da so ineinander. Ja, der alte Körper, der macht das nicht mehr so.
Ja, aber dennoch sitzen wir natürlich immer noch frohen Mutes vor den Mikrofonen
und nehmen eine Podcast-Folge auf und die erste im Advent.
Ja, versuchen euch zu unterhalten und das eine oder andere Wissenswerte mitzugeben.
Und ja, ich überlege jetzt gerade, ob ich irgendwie die Kurve kriege,
ob denn irgendwas Interessantes in meinem Schreibleben so passiert ist seit der letzten Aufnahme.
Ich kann ansonsten, solange du überlegst, zum Thema Advent und Unterhaltung
eine Empfehlung beisteuern.
Ja, dann mach doch.
Und zwar waren wir im Kino, jetzt muss ich gerade schnell, ich bin mir mit dem
Titel nicht mehr ganz sicher.
Ich glaube, der Film heißt Red One, ich google das mal eben. Jawohl.
Ja, mit The Walk, oder?
Genau, mit Dwayne Johnson als Beschützer des Weihnachtsmanns.
Und den Film kann ich echt nur empfehlen, weil er einerseits so diese klassische
Geschichte erzählt, Weihnachten muss gerettet werden, aber andererseits auf moderne Art.
Also Santa ist da auch ein super durchtrainierter Muskelmann und der Schlitten,
der ist Hightech ohne Ende und das ist sehr witzig. und am Schluss musste ich
tatsächlich ein bisschen weinen.
Also kann ich empfehlen jetzt für die Adventszeit.
Also wenn man bei So Rock weinen muss, dann...
Ja, dann sind wir ja schon voll in der Adventszeit. Ich weiß nicht,
ob ihr alle Kekse oder Plätzchen backt oder sonst was macht.
Bei mir ist es ja traditionell eher ein bisschen eine ruhigere Zeit,
so langsam, so geschäftlich.
Was auch ist weniger, wenn alle irgendwie in Urlaub abschwören.
Ja, dummerweise komme ich so gerade überhaupt nicht in Schreibflow.
Ich habe schon im November heftig geschmächelt.
Und ich habe mir zwar jetzt ja letzte Woche dann die neue Version von Papyrus zugelegt, Papyrus 12.
Bist du jetzt auch reingekommen?
Ja, ja. Irgendwie hatten die ein Problem mit meinem E-Mail-Account.
Und habe es auch installiert und sieht auch nett aus und so.
Und man kann jetzt die Projekte so schön da drapieren und verwalten.
Ja, ich habe es alles schön gemacht, aber natürlich noch kein Wort geschrieben.
Vielleicht, also bei mir hat das mal geklappt, dass ich gesagt habe,
ich mache jetzt, weiß ich nicht mehr, wie lange das dann war,
zwei Wochen Urlaub oder so und will mich komplett erholen, will nichts tun,
will nicht an den Computer gehen und habe mir wirklich verboten,
in der Zeit zu schreiben und dann hatte ich so richtig Lust zu schreiben.
Vielleicht hilft es auch wirklich, dass du dir einen Zeitraum setzt und wenn
es nur eine Woche, zehn Tage sind und du sagst, ich darf gar nicht schreiben,
dann ist so dieser innere Zwang, ich sollte aber weg.
Ja, aber der ist danach noch umso schlimmer, oder?
Weiß ich nicht. Also bei mir hat das unheimlich das Bedürfnis gesteigert,
wann darf ich jetzt endlich wieder?
Weil dann so die Ideen geflossen sind, aber nicht raus konnten.
Okay. Hast du schon mal versucht, mir was zu verbieten?
Ich will es dir ja nicht verbieten. Du sollst es selber tun.
Aber du merkst ja schon, es geht schon in die richtige Richtung. Du wärst dich schon.
Ja.
Schon schreiben, siehst du?
Nein, ich will mir nirgends verbieten lassen.
Ja, ich hatte ja eigentlich so in meiner Planung, dass ich es wie gesagt in
diese etwas ruhigeren Zeiten, dass ich da dann auch vielleicht auch einen höheren
Tagesword-Count hinkriege, damit ich dann rechtzeitig,
im kommenden Jahr das Buch dann fertig habe, damit man die nächsten Schritte einleiten kann.
Naja, gut, wir werden, ich bin, vielleicht ist das wirklich Vitamin-D-Mangel
oder irgendwas, was mich gerade lähmt.
Ansonsten gibt es natürlich auch keine. Ich habe jetzt die Engagements,
so zwei für Kabarett nächstes Jahr und um den Weltfrauentag.
Sehr schön. Da freue ich mich auch. Klar kann gerne noch das eine oder andere mehr kommen.
Ansonsten gehen die Dinge ihren Gang.
Das ist doch nicht negativ.
Ja, Quatsch. Mal so, mal so.
Mal so, mal so. Aber das ist natürlich dann eine Zeit, jetzt mache ich mal einen
total genialen Übergang, wo man dann auch ein bisschen Ruhe hat und ein bisschen mehr lesen kann.
Und das habe ich dann auch getan, beziehungsweise versucht, vor ein paar Tagen,
weil unser letzter Gast, die Sibylle, hatte ja bei ihren Buchempfehlungen,
bei dem, welchem Buch sie zuletzt Tränen gelacht oder Tränen geweint hat,
einen doch sehr interessanten Buchtipp gegeben und,
Das Buch heißt ein wenig Leben von, ich will auch den Namen immer nicht aussprechen,
von dem Autor. Überraschend ein Mann.
Hania Yana Gihara.
Das klang doch spannend, habe ich mir gedacht, lies doch mal da rein, ob es was für dich ist.
Und dann habe ich mir die Leseprobe da runtergeladen und habe die ersten Absätze
gelesen und kam dann ins Stocken.
Und habe dann der lieben Tamara direkt ganz entsetzt eine WhatsApp-Nachricht
geschickt. Guck da mal rein.
Es kann noch nicht sein, dass so ein hochgelobtes Buch direkt auf der ersten
Seite einen dicken Perspektivfehler hat.
Und ja, dann habe ich mal so drüber geschlafen und dann fiel mir ein,
ja vielleicht ist da eine ganz andere Perspektive gemeint, als ich dachte.
Und ich schlage mal vor, damit die Hörerinnen und Hörer wissen,
was ich so meine, lese ich mal die ersten paar Sätze vor bis zu der Stelle,
an der es mich rausgehauen hat. Und dann reden wir mal darüber.
Die elfte Wohnung hatte nur einen einzigen Schrank,
aber es gab eine gläserne Schiebetür, die auf einen kleinen Balkon führte,
von dem aus er einen Mann im Haus gegenüber sehen konnte, der nur mit T-Shirt
und kurzen Hosen bekleidet im Freien saß und eine Zigarette rauchte,
obwohl es schon Oktober war.
Willem hob eine Hand zum Gruß, aber der Mann winkte nicht zurück.
Im Schlafzimmer schob Jude die Schranktür auf und zu wie ein Akkordeonspieler, als Willem hereinkam.
»Es gibt nur einen Schrank«, sagte er. »Das macht nichts«, sagte Willem.
»Ich habe sowieso nichts zum Reinhängen.
Ich auch nicht. Sie lächelten einander an. Die Maklerin folgte ihnen langsam in den Raum.
Wir nehmen sie, sagte Jude zu ihr. Doch im Büro der Maklerin erfuhren sie,
dass sie die Wohnung doch nicht mieten konnten.
Warum nicht? fragte Jude.
Sie verdienen nicht genug, um sechs Monatsmieten zu bestreiten und sie haben
keinerlei Ersparnisse, sagte die Maklerin, plötzlich kurz angebunden.
Sie hatte ihre Kreditwürdigkeit und ihre Bankkonten überprüft und war letztlich
zu der Feststellung gekommen, dass etwas nicht stimmen konnte,
wenn zwei Männer in ihren Zwanzigern, die kein Paar waren,
eine Zwei-Zimmer-Wohnung in einem faden, aber trotzdem teuren Teil der 25th Street mieten wollten.
So, ich hoffe ihr habt gehört, an welcher Stelle ich rausgefallen bin. Ähm...
Also eigentlich gibt es sogar zwei Stellen, das ist mir gerade aufgefallen.
Also man ist ja am Anfang anscheinend in einer Wohnung mit nur einem Schrank.
In dem ersten Satz steht drin, wird von ihm gesprochen, er, der diesen Mann da grüßt.
Und man stellt dann einen Satz weiter, dass es Willem ist, der eine Hand zum Gruß hebt.
Dann im Schlafzimmer schob Judy die Schranktür auf, als Willem hereinkam.
Daraus kann man noch schließen. Das kann die Sicht von Willem sein.
Der hat halt Jude gerade gesehen, wie er den Schreibtür aufmacht. Dann reden die beiden.
Dann kommt demnächst, die Maklerin folgte ihnen langsam in den Raum.
Auch da kann man von ausgehen. Das können die sehen, dass die ihnen langsam folgt.
Dann kommt die Sprung. Doch im Büro der Maklerin erfuhren sie.
Plötzlich sind sie bei einem Satz schon im völlig anderen Ort,
wo ich auch erst mal stockte.
Und dann sagt die Maklerin, sie verdienen nicht genug und so weiter.
Das ist klar, das hören ja Wilhelm. Also wenn ich mal noch davon ausgehe,
ist es aus der Sicht von Wilhelm geschrieben. Das hört er ja,
kann er ja dann auch beschreiben.
Aber dann kommt, sie hatte ihre Kreditwürdigkeit und ihre Bankkonten überprüft.
Da habe ich gestockt, weil mit ihre hätte ich jetzt eigentlich Wilhelm gedacht.
Also dass Wilhelm seine Kreditwürdigkeit und warum sollte er das tun?
Erst beim Hingucken, beim Nochmal Lesen stelle ich mir, nein,
das ist jetzt plötzlich die Sicht der Maklerin, weil die hat ja die Bankkreditwürdigkeiten überprüft.
Also klar, ich meine, theoretisch könnte man sagen, dass die Maklerin denen
das vielleicht gesagt hat und das jetzt hier nur nicht steht,
aber es ist eher unwahrscheinlich, also ich habe es auch gerade nochmal aufgemacht,
sie verdienen nicht genug, blablabla, sagte die Maklerin plötzlich kurz angebunden,
sie hat ihre Kreditwürdigkeit und ihre Bankkonten geprüft.
Also es liest sich schon eher so, als wäre das eine Information,
die nur sie hat und die beiden wissen nicht genau, woher sie diese Information hat.
Und dann sind wir tatsächlich bei ihr in der Perspektive.
Ja. Und ich war halt aufgrund der Anfangssätze, war ich voll in dem Bild,
das ist aus der Perspektive von diesem Wilhelm erzählt.
So. Und da wäre natürlich dann plötzlich die Innenansicht der Maklerin aus meiner
Sicht ein Perspektivfehler.
Wir sind ja, nachdem wir darüber gesprochen haben, zum Schluss gekommen,
Wahrscheinlich ist aber der auktoriale Erzähler, der gottgleiche Erzähler gemeint so.
Aber nach der reinen Lehre nach müsste der dann auch wirklich deutlich etabliert sein.
Ja, im Prinzip kann man hier drei Annahmen stellen.
Also entweder es ist der auktoriale Erzähler oder es soll eigentlich ein personaler
Erzähler sein, aber es ist halt ein Perspektivfehler.
Oder der Autor betreibt Perspektiven-Hopping.
Das heißt, er springt innerhalb von der Szene von einer Perspektive zur nächsten,
was halt nicht wirklich angenehm ist.
Also mich hat es wirklich an diesem einen Satz plötzlich rausgehauen.
Man ist ja am Anfang sowieso, will man sich orientieren und dann plötzlich,
wo ist der denn jetzt, wieso?
Es ist tatsächlich was, was ich gerade bei Debütromanen oft ins Lektorat bekomme.
Ich bin mir nicht ganz sicher, woran es liegt. Wir haben uns ja auch kurz ausgetauscht,
da hattest du mir zu der Begründung widersprochen.
Ich würde sie trotzdem gerne nochmal äußern. Also meines Erachtens sind wir
das von Filmen schon relativ gewohnt,
dass man viele Figuren hat und mal sieht man nur, was die eine allein erlebt,
dann ist man bei der anderen dabei,
also dass man da nicht so...
Eng an eine Figur gebunden ist, wie das heutzutage in Büchern üblich ist.
Und wenn man dann anfängt zu schreiben, dass man vielleicht ganz automatisch
irgendwie so diese einheitliche Perspektive nicht so auf dem Schirm hat.
Das ist meine Erklärung dafür, dass das doch tatsächlich recht oft passiert,
wenn Leute das zum ersten Mal in einem Buch schreiben.
Ja, also dazu eine Anekdote. Genau ein solcher Perspektivfehler oder vielleicht mehrere davon.
War das Erste, was bei unserer beginnenden Zusammenarbeit meiner Lektorin mir
bei meinem damaligen Büchlein angekreidet hat.
Und ich war vollkommen konsterniert, dass mir sowas passieren konnte.
Womöglich schaue ich deswegen auch besonders empfindlich immer jetzt darauf.
Ich habe mir daraufhin natürlich auch Filme und Serien angeguckt.
Und jetzt nach unserem Gespräch habe ich jetzt auch, wenn ich was geguckt habe.
Aber ich sage mal so, in einem gewissen Maß hast du recht, die Perspektive bei
Filmen ist, gerade wenn es so Ensemble-Filme sind, also wenn ich jetzt so ein
Fernsehkrimi gucke mit mehreren Mittlern,
dann ist die Perspektive zumeist nicht wirklich personengebunden.
Aber ich würde sagen, sie ist ensemblegebunden.
Natürlich gibt es auch schon mal Filme oder auch irgendwelche Sachen,
wo dann geschwenkt wird und man sieht, was der potenzielle Täter tut.
Oder so, wenn dann gibt es ja so Formate, dass der Zuschauer,
die Zuschauerin mehr weiß als die Ermittlerinnen.
Was ich aber auch oft bei.
Fernsehserien oder auch in Filmen gar nicht so schön finde, weil ich manchmal
wirklich schwierig finde, wenn es mich so ich identifiziere mich gerne mit irgendeiner Person.
Und wenn ich das da schaue. Also,
Also man merkt schon, wenn man Filme schaut, dass da schon auf eine Perspektive geachtet wird.
Sie ist vielleicht nicht, wie gesagt, nicht auf eine Person,
aber es gibt schon eine klare Blickrichtung, würde ich sagen,
die auch nur wenig und wenn dann nach Möglichkeit bewusst gebrochen wird.
Ja, aber beim Wort Blickrichtung würde ich tatsächlich einhaken,
weil das ist natürlich genau das Problem, was du beim Film hast,
was du beim Buch nicht hast.
Also wenn ich eine Perspektivfigur habe, dann kann ich mich beim Buch mit meiner
Kamera sozusagen die ganze Zeit auf deren Schulter setzen.
Das kann ich beim Film natürlich nicht machen, sondern ich zeige diese Figur ja frontal.
Das heißt, ich als Zuschauerin sehe, was hinter der Figur passiert.
Das sind ja diese Momente, wo man im Film dann ruft, Achtung, pass auf, hinter dir!
Was ja dann logischerweise nicht die Perspektive der Figur ist.
Aber ich glaube, ganz wichtig ist halt das Stichwort sich identifizieren.
Und wenn man mal so ältere Bücher liest, ich würde es mal sagen,
so 50er, 60er, 70er, dann hat man ja diesen auktorialen Erzähler tatsächlich noch öfter.
Und heutzutage so in der Gegenwartsliteratur ist es ja doch eher unüblich,
sondern man hat dann entweder den personalen Erzähler in der dritten Person,
der auch schon mal kapitel- oder szenenweise wechseln kann, aber halt innerhalb
der Szene schon beibehalten wird oder dann eben gleich, wie du es bei der Biene
Hagen hast, in Ich-Erzähler, weil man da einfach näher an die Figur gebunden ist.
Ja, und deswegen finde ich halt besonders wichtig, dass ich,
wenn ich so anfange zu lesen, dass ich in den ersten Sätzen vom Autor, von der Autorin,
eine Orientierung bekomme. Das finde ich jetzt an diesem überhaupt nicht.
Da liest sich der erste Absatz so, als ob das aus einer personalen Sicht geschrieben ist.
Also nicht nur am Anfang des Buches, sondern eben wenn man sich entscheidet,
nur einzelne Perspektivfiguren zu haben, aber halt zu wechseln.
Also es ist ja oft bei Liebesromanen so, dass manche Szenen oder manche Kapitel
aus der Sicht der einen Person geschrieben sind und andere Szenen dann aus der
Person des Love Interests.
Und gerade wenn man diese Wechsel hat und die jetzt nicht so aufgeteilt sind,
dass jetzt halt über dem Kapitel der Name steht oder so,
dann ist es halt super wichtig, dass man gleich im ersten Satz versteht,
ah jetzt sind wir bei Person XY und dass man da irgendwas einbaut,
wodurch das ganz deutlich wird, weil das andere nicht sehen oder wahrnehmen können.
Also, dass man was dazu schreibt, wie...
Der die Fläche sich anfühlt, auf der die Person sitzt oder so ein Satz wie,
ihm ran ist eiskalt den Rücken herunter.
Da weiß ich direkt, ich bin bei, wer auch immer ihm er dann ist,
aber eben solche Empfindungen, die ganz deutlich machen, wo man sich gerade befindet.
Ja, und ich muss auch sagen, also ich mag es, wenn denn solche Wechsel da sind,
wirklich, dass sie sehr deutlich sind und nicht so inflationär benutzt sind.
Also kapitelweise ist okay, wenn es szenenweise ist, dann auch nicht jetzt fünfmal
in einem Kapitel hin und her schwenken.
Ich denke mal, dass man sich als Autorin, Autor auch bewusst sein muss,
dass das letztlich die Lesenden immer ein bisschen aus der Geschichte rausholt. will.
Also mir geht's so, ich tauche da mit der Figur tiefer ein. Wir hatten das Wort
identifizieren ja schon.
Und so. Und jedes Mal, wenn ich da rausgerissen werde, muss ich wieder neu anfangen.
Das ist immer wieder wie so ein Neuanfang.
Und das braucht natürlich auch viel länger, bis ich da so einen Bezug zu diesen
Figuren aufgebaut habe.
So, wenn man das so hat, wenn das so zwei Figuren sind,
Und die auch so kapitelweise, dann geht das.
Wenn ich jetzt auch vielleicht womöglich noch mehrere habe oder ständig hin
und her geht, dann finde ich das viel schwieriger, mich in so eine Geschichte reinziehen zu lassen.
Ja, ich meine, ein Perspektivwechsel sollte halt auch immer einen Grund haben.
Also wenn wir jetzt annehmen, dass die Geschichte, die du eben vorgelesen hast,
Personaler, Erzähler hat und das Perspektivwechsel sein sollten,
Es würde nichts zur Geschichte beitragen, diesen kleinen Absatz jetzt aus Perspektive
der Maklerin darzustellen.
Sie hätte dann einfach sagen können, ich habe ihre Bankinformationen geprüft,
sie verdienen leider nicht genug.
Da wäre die Info auch da gewesen, ohne dass man unnötig die Perspektive wechselt.
Und deswegen finde ich, ist es halt Aufgabe des Autors oder der Autorin,
sich beim Schreiben vor der Szene oder dem Kapitel zu überlegen,
welche Perspektive ist die beste für das, was ich jetzt erzählen will.
Entweder, weil ich dadurch etwas zeigen kann, was die andere Perspektivfigur
nicht sieht oder nicht wahrnimmt, oder vielleicht auch, weil ich was verbergen kann.
Also wenn zum Beispiel ein Telefonat stattfindet,
will ich, dass meine Leser hören, was die andere Person in der Leitung sagt,
dann ist es natürlich die Person, die am Telefon ist, die Perspektivfigur sein sollte.
Oder will ich Spannung aufbauen, indem man genau diese Teile des Gesprächs nicht
hört, dann könnte die andere Person, also die noch mit im Zimmer steht,
das hätte ich vielleicht dazu sagen sollen, ich höre, wie jemand telefoniert.
Dann kann ich diese Informationen auslassen. Oder wenn ich bewirken will.
Dass irgendwie besondere Emotionen rüberkommen, dann ist auch die Frage,
bei wem ist die Szene jetzt besonders emotional?
Also was ich zum Beispiel bei meinen Liebesromanen immer gemacht habe,
also normalerweise habe ich innerhalb der Szene.
Perspektivwechsel vermieden. Wenn, dann habe ich es auch mit einer Leerzeile,
mit einem Absatz gekennzeichnet, aber ich habe es so gut ich konnte vermieden,
aber wo ich immer einen Perspektivwechsel eingebaut habe, war beim ersten Kuss.
Weil ich einfach es emotional schön fand, den von beiden Seiten zu erleben.
Erst ein bisschen beschrieben, wie es dazu kommt und wie es sich anfühlt von
der einen Person, dann einen Absatz und dann wie die andere Person das wahrnimmt,
weil das einfach eine wichtige Stelle ist und da die Emotionen von beiden Figuren
für mich relevant waren.
Aber das habe ich mir halt auch bewusst so überlegt und nicht einfach willkürlich
irgendwie die Kamera umgeschwenkt.
Ja, wobei wir vielleicht auch durchaus darüber diskutieren können,
ob das wirklich so hilfreich ist.
Aber ein anderer Punkt, der mir dabei immer auffällt und wo ich auch jetzt hier
bei dem Arzt, den ich hervorgeholt habe, so ein bisschen den Eindruck habe,
dass es vielen einfach passiert,
weil sie, wie du auch gerade schon erwähnt hast, irgendeine Information unterbringen wollen.
Und das ist so schön einfach. Man muss sie nicht umschreiben,
man haut sie einfach raus.
Was natürlich auch gegen Showdown-Tel spricht.
Und manchmal ist es einfach, man muss sich mehr durch überlegen.
Wie kann ich die Information jetzt so verpacken, dass sie sauber in der Perspektive passt?
Vielleicht kommt man auch manchmal zum Schluss, dass die information so wichtig
gar nicht ist so also da
ich mein tap ja ist mir selbst so passiert und und ich finde dass es mir hilft
also bei den bühnenhagen krimis muss ja extrem ist weil es ja auch noch ich
das peter wie viel präsent ist da,
hilft es mir total, weil ich mich wirklich genau fokussieren kann oder muss
auf das, was jetzt ist und was meine Figur sieht.
Punkt.
Und da komme ich gar nicht erst in Versuchung, jetzt plötzlich irgendwelche
anderen Gedankengänge zu schreiben oder sowas.
Und jetzt wollen wir auf dein Beispiel einzugehen.
Ich finde es persönlich durchaus reizvoll, Wenn ich jetzt die Liebesgeschichte
aus der Sicht einer Person habe und sie erlebt den ersten Kuss mit der anderen Person des Verlangens,
dass gerade dieses Rätseln und wie hat die andere Person reagiert und wenn dann
meine Figur versucht, jede Regung des Gegenübers zu deuten und auch die Leserin nicht weiß,
wie er fühlt und da miträtseln muss, Das finde ich viel intensiver,
als wenn einem das einfach gesagt wird.
Kann, ja, absolut. Also ich denke, dann erzählst du eine etwas andere Geschichte,
aber das kann total interessant sein.
Ich denke, das ist genau das, was ich meinte. Also du hast vor,
eine Szene zu schreiben und fragst dich, was will ich damit bewirken und wie bewirke ich das?
Und da muss man nicht immer unbedingt alle Fragen direkt beantworten.
Nö, absolut nicht. Ich habe auch durchaus schon Szenen geschrieben und habe
dann gemerkt, es wäre eigentlich spannender, wenn man das noch nicht wüsste
und habe die dann komplett in eine andere Perspektive umgeschrieben.
Das kann ja schon mal passieren beim ersten Schreiben, dass man erst mal intuitiv
alle Informationen gibt und dann nochmal zurückrudert.
Ja, also ich habe deswegen ja auch bewusst bei Frau Appeldorn die personelle
Perspektive in der dritten Person gewählt.
Also auch da schreibe ich nichts, was Frau Appeldorn nicht in irgendeiner Form
sehen oder mitkriegen kann.
Aber es ist ja dann auch in der Vergangenheit geschrieben, da habe ich schon
ein paar mehr Freiräume.
Und ich habe das halt auch entschieden, weil ich so diesen etwas distanzierteren
Stil, der dadurch erreicht wird,
passender finde für die straighte Chefsekretärin.
Und das passt irgendwie besser zu ihr, als der dann noch sehr schnelle und etwas
flippigere Stil bei der Biene Hagen rasant geht.
Wo ich wiederum im Gegenzug dazu einfach das Tempo total mag,
was dadurch entsteht, dass man halt im Präsenz und in der Echperspektive schreibt.
Geht alles immer zack, zack.
Weil ich weiß, du willst ja immer gerne noch ein bisschen Atmosphäre haben,
aber ist natürlich bei der Perspektive recht schwierig, weil man macht eine
Person sich schon mal Gedanken, wie es riecht.
Nur wenn es wirklich schlimm riecht oder so.
Ja, oder besonders gut.
Oder besonders gut, ja, das kann natürlich auch. Habe ich übrigens im letzten
Buch, gibt es das Aftershave einer Person, war besonders schön,
das habe ich auch bestätigt.
Sehr schön.
Habe ich übrigens irgendwann mal gelesen, dass standardmäßig in allen Büchern
alle Herren Aftershaves Sandelholz sind und habe mich ertappt,
dass es bei mir genauso ist.
Das riecht wahrscheinlich auch am besten an den Herren.
Aber so zum Thema Perspektivfehler, ich habe oft den Eindruck,
dass es beim Schreiben ein Thema, das sich identifizierend mit der eigenen Figur ist.
Also mir geht das eigentlich oft so, egal ob ich jetzt schreibe oder lese,
wenn beispielsweise eine Figur was in der Hand hat und es passieren Dinge und
sie beobachtet das und so weiter und Zeit vergeht und plötzlich tut sie irgendwas mit den Händen.
Da war mir die ganze Zeit eigentlich bewusst, dass da was in der Hand ist.
Und dann ist meine erste Reaktion zu sagen, stopp, das geht ja gar nicht,
die hält doch noch was fest.
Und mein Eindruck ist, dass es vielleicht passiert, wenn man sich beim Schreiben
nicht so richtig in die Figur reinversetzt hat oder nicht so ganz identifizieren
konnte, dass man das so ein bisschen vergisst, weil man das nicht permanent vor Augen hat.
Es passiert mir auch oft in Sitcoms zum Beispiel, wenn die da ins Zimmer kommen
und dann reden die und reden die und ich denke die ganze Zeit,
hallo, die Haustür ist noch offen.
Weil das einfach vergessen wird, weil die Leute schon mit den Nächsten beschäftigt sind.
Und für mich ist immer völlig klar, wo ich bin, was ich bin,
ob ich was in der Hand habe als diese Figur.
Ja, vielleicht ist es wirklich so eine Frage der eigenen Nähe zur Figur.
Ja, also auf jeden Fall kann man da wirklich auch nur die Empfehlung haben,
dass man sich dieser Figur auch ganz tief nähen.
Und ich würde sogar so weit gehen, dass man beim Schreiben auch da reinschlüpft.
Also mir geht es immer so, ich durchlebe die Szenen immer mit.
Deswegen werden wir uns auch immer ähnlicher.
Ein anderer Aspekt, der immer noch ganz wichtig ist, das hatte ich jetzt gerade
bei der Sache, die ich vorgelesen habe, ja auch schon mal gestreift.
Ich versuche ja auch am Anfang, wenn ich so in so eine Geschichte einsteige,
mich ja zu orientieren und suche halt die Person, die Figur,
mit der ich jetzt dieses Abenteuer durchlebe.
Und das ist im Regelfall ja die, aus deren Perspektive als erstes geschrieben wird.
Außer da ist so ein blöder Prolog vorne vor.
Also das heißt, wenn ich ein Krimi schreibe und ich fange an zu schreiben aus der Sicht des Mörders.
Auch wenn es ein Mörder ist und ich bestimmt nicht irgendwelche Aspekte davon
in mir habe, versuche ich trotzdem so.
In der Hoffnung, der wird nachher geläutert und der hat nur gebrochen,
weil er musste oder weiß der Geier was.
Aber ich bin bei dem Mörder.
Und wenn dann im nächsten Kapitel plötzlich der Kommissar kommt und eigentlich
sollte der die Figur sein also ja, ich bleibe dann wahrscheinlich beim Mörder,
und das heißt auch da muss man
sich wirklich überlegen wenn man jetzt da besonders geschickt sein will,
ich hatte mal den Fall, dass in einem Liebesroman mit dem bösen Ex-Mann begonnen wurde so,
bis ich begriffen hatte, dass das der böse Ex-Mann war und eigentlich die andere,
die Frau, die Person war, um die gedreht trotzdem, das hat ewig gedauert, bis ich,
da loslassen konnte, weil ich habe mich ein Kapitel lang an diesen bösen Ex-Mann gewöhnt Ja.
Man bondet halt einfach mit der Person und das kann man ja auch bewusst da kann
man auch bewusst mitspielen ich denke gerade an ein Buch von der Martina Straten.
Ach, wie hieß das denn nochmal?
Tanzmariechen oder so ähnlich. Da geht es halt um einen Mann,
also um einen Serienkiller, der immer irgendwelche jungen Mädchen,
die was mit Tanzen zu tun haben, tötet.
Und es gibt eben das aktuelle Mädchen, das er entführt.
Die Szenen sind natürlich aus ihrer Sicht geschildert, weil man ja wollen soll,
dass sie dann gerettet wird.
Aber dann gibt es immer wieder rückblenden zu früheren Morden,
die dann aus seiner Sicht geschildert sind oder auch zu seiner Kindheit,
was einfach bewirkt, dass man nicht gut heißt, aber versteht,
was in ihm vorgeht, was bei ihm kaputt ist und warum er das tut. Und,
Das bewirkt natürlich so eine Ambivalenz. Man will, dass er jetzt aufhört,
dass er geschnappt wird, aber irgendwo hat man auch ein bisschen Mitleid mit ihm.
Ich denke, Perspektive hat immer einen Sinn und einen Zweck und dessen sollte
man sich halt bewusst sein.
Ja, auf jeden Fall. Und ich finde, wie gesagt, ich bin persönlicher,
wie man vielleicht schon raus hört, wirklich keine Freundin von Perspektiv wechseln.
Wie gesagt, sie kann es geben und sie machen sicherlich hier und da auch Sinn.
Aber ich finde es immer schwieriger und weil ich das gerade das Thema gestreift habe,
unsere geneigten Hörer und Hörer wissen das ja wenn ich dann auch noch so ein
Prolog vorne vor habe, der irgendwie eine Gruselszene schreibt,
wo der Serienkiller irgendwas Böses plant,
dann bin ich erstmal völlig verwirrt und dann muss ich mich dann jetzt auf irgendeinen
Ermittler einschießen der dann im wirklichen ersten Kapitel kommt und erstmal
ein Kapitel lang seine familiären Probleme mehr anhört.
Ich finde das immer extrem schwierig ich will im ersten Absatz,
wenn ich anfange zu lesen, will ich reingesogen werden und dann will ich die
Figur an meiner Seite haben und mit der zusammen will ich durch dieses Abenteuer
schreiten und alles erleben,
ich will da nicht hin und her geschüttelt werden,
ja also von daher,
bin ich da wirklich keine so große Freundin von, mir ist auch aufgefallen also
ist mir auch schon in anderen Büchern aufgefallen.
Das sind oft auch nur so Nebensätze.
Wir hatten das mal in einem Spionageroman.
Während eines Kampfes,
dachte einer der Kämpfenden was, was er aber an dieser Stelle überhaupt nicht
wissen konnte. Das ist nur ein Satz.
Das sind aber generell so Sachen, an die man vielleicht im ersten Moment auch gar nicht denkt.
Wenn zum Beispiel ein Kampf stattfindet oder ich bin auf der Flucht und dann
werden irgendwelche Details der Landschaft beschrieben.
Wenn ich wirklich in der Perspektive dieser Figur bin, Dann bin ich mir doch
dessen bewusst, dass ich gerade auf alles Mögliche achte und Nerven habe,
aber nicht darauf, wie hübsch die Wölkchen am Himmel sind.
Das ist ja auch Perspektive im Prinzip.
Was kann ich rein kognitiv, mental gerade wahrnehmen oder bin ich einfach mit
wirklich genug anderen Sachen beschäftigt?
Jetzt bin ich ein bisschen überrascht, dass du nicht willst,
dass die Wölkchen beschrieben werden.
Die kann man beschreiben, wenn die Figur auf dem Rücken im Gras liegt und die
Welt genießt. Ja, das stimmt.
Nein, bin voll bei dir, du hast vollkommen recht. Und ja, was ist denn jetzt
so weiter noch, so unsere Perspektive? Ich bin gerade ein bisschen auserzählt.
Also was ich noch ganz wichtig finde, sind oft so kleine Worte,
die einen Unterschied machen, aus welcher Richtung man etwas wahrnimmt.
Gerade gestern noch einen Satz gelesen, wo die Perspektive eher war,
Er wurde von seinen Freunden gefragt, ob er noch mitkommt, irgendwo hin.
Und dann kommt der Satz, er kam mit. Und das ist ein Perspektivfehler.
Weil er kam mit ist aus Sicht der Leute.
Aus seiner Sicht muss es heißen, er ging mit. Oder von mir aus,
er begleitete sie, was auch immer.
Aber mitkommen ist ja immer eine andere Person.
Oder was man auch oft hat, wenn es um sowas geht wie ins Haus herein oder hinein.
Kommt drauf an, ist die Perspektivfigur schon im Haus, dann ist es herein, zu ihr her,
oder ist die Perspektivfigur draußen, dann ist es hinein, dorthin zum Haus oder
bei der Treppe auch hinauf oder herauf oder herauf.
Herauf oder hinauf?
Hinauf oder herauf, genau also her ist immer zur Perspektivfigur her,
wie es schon sagt und hin ist halt von der Perspektivfigur weg.
Aber.
Das sind so Kleinigkeiten die werden gern mal übersehen.
Absolut und wenn man so in diese Geschichten so reintaucht entweder beim Schreiben
oder erst recht beim Lesen also ich bleibe dann an solchen Sachen hängen,
manchmal weiß ich gar nicht genau warum dieser Unterschied zwischen her und
her und her, so gar nicht so schnell bewusst wird, aber irgendwas stört.
Wie jetzt hier bei dem Satz, dass sie plötzlich ihre, wieso ihre?
Das sind so die Feinheiten und da kann ich nur für plädieren, da ein bisschen,
genauer drauf zu achten und sich vorher klar zu machen, welche Richtung will
ich denn wirklich erzählen, aus welchem Blick will ich erzählen.
Also ich habe mir so eine Buchidee im Formular in meinem Evernote,
wo ich dann immer skizziere und da ist die erste Frage, wie ist die Perspektive?
Wobei bei den Reihen ist das jetzt immer klar,
Aber auch da habe ich halt, wie gesagt, bewusst entschieden,
das will ich jetzt mal so machen.
Manchmal finde ich auch gerade dieses mal etwas andere Perspektive,
oft auch ein eingebunden, etwas anderen Stil, das mich besonders reizt daran.
Was meinst du mit etwas anders?
Ja, also die Biene, die spricht ja eher flapsig.
Es ist zwar keine Mundart, aber der blickt immer so ein bisschen durch.
Also die Dialoge sind nicht ganz exakt hochdeutsch, sondern die sind so ein
bisschen reinig angehaucht.
Und ich möchte zum Beispiel immer mal eine Geschichte schreiben mit einer Figur,
die sehr blumig und sehr gehoben spricht.
Persönlich mag ich das. so auch mit so Worten spielen.
Das könnte Bienen, Bienen könnte nicht wirklich mit Worten spielen,
die ist gerade raus. Bei Frau Appeldorn ging es schon eher.
Musst du von einer Poetin erzählen?
Ja, oder ich versuche ja bei der Frau Appeldorn den Herrn Büyük Türk als Professor
der Germanistik mal hier und da so ein bisschen in die Richtung zu bringen.
Aber ich mag so diesen diesem, ja mir fällt kein anderes Adjektiv als blumig ein.
So einen etwas distinguierteren Sprechstil.
Wobei ich dann immer noch ein bisschen aufpassen muss, weil ich dann irgendwelche
Fremdworte benutze, so aus dem Bauch raus, ob die nachher wirklich das auch sind, was ich meine.
Da gibt es ja moderne Technologie, mit der du das herausfinden kannst.
Das ist jetzt weniger Perspektive, Wobei die da auch eine Rolle spielt. Nur die Frage ist...
Nein, nein. Also wenn du ja einen personalen Erzähler hast, dann ist ja schon
auch der Fließtext aus Sicht der Figur.
Richtig.
Und da kämpfe ich gerade so ein bisschen mit, weil mein Protagonist...
Auf der einen Seite oft eine sehr rohe Sprache hat, die man so in der direkten Rede auch raushört.
Manchmal auch im Fließtext, wenn er sich über was aufregt, dass ich auch im
Fließtext dann schreibe, dieses F-Wort, was auch immer.
Aber ich neige halt auch dazu, oft blumige Vergleiche zu verwenden.
Und da wurde ich neulich auch darauf hingewiesen, zu überlegen,
ist das ein Bild, das er benutzen würde oder nicht?
Oder ist das ein Bild, das die Autorin benutzen würde? Und da bin ich gerade
dran, das nochmal zu durchdenken.
Ja, das stimmt, absolut. Also insofern ist die Entscheidung,
aus welcher Perspektive, wenn es eine Personalerperspektive ist,
ich das berichte, letztlich auch durchaus zumindest ein Aspekt,
der auch Einfluss auf Sprache, auf Stil,
auf Tempo der Geschichte hat.
Wenn ich das, ich sag mal so, der Vergleich jetzt Frau Appeldorn-Bienerhagen, das Tempo,
die Erzählweise ist bei Frau Appeldorn schon gediegener und langsamer als bei Biene ist.
Was auch mit den Personen zusammenhängt, die trennen ja 30 Jahre und die haben
andere Lebensumstände.
Und da wird es natürlich besonders spannend, wenn man verschiedene Perspektiven
hat und wechselt, dass man dann auch darauf achtet, dass man nicht nur an den
Dialogen merkt, aus welcher Sicht ist es gerade, sondern eben auch am reinen Erzählstil.
Genau, also auch das ein Grund, sich sehr genau zu überlegen,
ob man so ein Perspektivwechsel will.
Weil der kann einiges ändern. und gut, meine Meinung wisst ihr,
lasst es, aber wenn ihr dann macht, dann macht es wenigstens richtig.
Ja,
gibt es noch was, auf das wir unsere Perspektive richten sollten?
Nee, ne?
Ich denke nach.
Gut. Sie dachte nach, während hinter ihr ihre Katze langsam den Katzbaum erklomm.
Die Katze ist gar nicht im Zimmer.
Ich erzähle auch eine Geschichte. Ich wollte jetzt mal so eine Perspektive.
Aber siehste, das passiert zwar hinter mir, aber weil ich mich selbst auch hier
im Videobildschirm sehe, ist das trotzdem auch meine Perspektive.
Wobei ich kam mir gerade ein bisschen wie ein gottgleicher Erzähler vor.
Da muss man dann auch aufpassen.
Wobei, wann würdest du denn heute noch diese auktoriale Erzählform nutzen?
Ich habe das Gefühl, und das passt natürlich jetzt auch wieder zu dem Text,
den du am Anfang gelesen hast,
dass eben so diese Texte, die die sich selbst als Hochliteratur verstehen,
das ganz gerne tun. Ich kann noch nicht so genau sagen, warum.
Aber was mir zum Beispiel auch, nachdem du es eben gelesen hast,
nochmal aufgefallen ist, gleich der erste Satz, der ist ja auch schon unglaublich lang.
Ist mir auch aufgefallen, ja.
Da sind drei ineinander verschachtelte Relativsätze.
Also die Wohnung, es gab eine gläserne Schiebetür, die auf einen Balkon führte.
Von dem aus er einen Mann sehen konnte, der nur mit T-Shirt und kurzer Hose
bekleidet war. Und dann geht der Satz noch immer weiter.
Also so, dass man so einen Relativsatz hat, der irgendeinen,
Wort näher beschreibt, okay, aber drei ineinander verschachtelte,
das hätte ich jetzt angestrichen, weil es halt einfach mühsam ist zu lesen.
Und ich habe das Gefühl, dass es eben Autoren, Autorinnen gibt,
die aber das ganz schön finden, wenn ihre Texte ein bisschen komplizierter sind.
Ich stelle das jetzt mal wertfrei hier rein.
Genau diesen Eindruck habe ich auch. Ich habe ja auch schon mal erzählt,
dass ich ja immer mal so versuche, die Buchpreisgewinner oder Gewinnerinnen,
also deren Werke zu lesen.
Jetzt bei der letzten habe ich es noch nicht.
Und bei nicht wenigen Büchern bin ich nach wenigen Seiten rausgestiegen,
weil die so verquast geschrieben waren, dass ich überhaupt keine Chance hatte,
mich da irgendwie reinzutauern. Das war regelrechte Arbeit.
Wahrscheinlich muss das bei so literarischen Preisgewinnern sein.
Da bin ich mir halt einfach nicht sicher, ob es das besser macht oder ob es
sich nur für die Menschen besser anfühlt.
Aber vielleicht sind wir auch alles Banausen, ich weiß es nicht.
Also ich sag mal so, ich wusste jetzt gerade, wo du den ersten Satz aus dem
Buch, auch, ich habe den Titel schon mal vergessen,
zitiert, das musste ich an den
ersten Satz aus Tote Models Nerven nur denken, der lautet, sie ist tot.
Und der zweite Satz, ich wollte mich entschuldigen, du blöde Kuh.
Da weiß man doch direkt, wo man dran ist, oder nicht?
Was soll ich sagen? Auf der ersten Seite meines aktuellen Manuskripts kommt
dreimal das F-Wort und es wird erst mal auf den Teppich gekotzt.
Aber nicht im ersten Satz. Wie könnte da der erste Satz lauten?
Er betrachtete die halbverdauten Krümel seines Muffins in seinem Ausgekotzten.
Nee, er kotzt ja erst später. Aber nein, ich finde tatsächlich,
jetzt muss ich es gerade aufmachen, ich finde tatsächlich meinen ersten Satz sehr, sehr schön.
Ich lese ihn dir mal vor. Also es kommt, nee, ich will jetzt nicht sagen, es kommt ein Prolog.
Ich habe, warte, warte. Nein, ich arbeite bei meinem Manuskript zwischendrin mit Zeitungsartikeln.
Und es ist ein Zeitungsartikel vorgeschaltet, bevor die erste richtige Szene
kommt. Also ist es nicht in dem Sinne ein Prolog.
Aber das erste Kapitel beginnt mit dem Satz, mit dem Zwei-Wort-Satz.
Ich lese da entsprechend auch noch den Folgesatz vor.
Schwarzer Nebel. Irgendetwas war in seinem Kopf, das ihm die Sinne verstopfte
wie schwerer schwarzer Nebel.
Ich mag den Satz, ich finde den schön.
Klingt auf jeden Fall auch sehr literarisch.
Ja, ne?
Doch, doch, also, ja.
Jetzt müsste man überlegen, schwarzer Nebel, gibt es sowas und so,
aber ja doch, ist das ein, wie nennt man das, weißer Schimmel?
Was ist das, ist ein Omniron oder wie heißt das?
Ich würde es eher als ein Bildschirr sehen.
Für eine nicht greifbare, nicht recht definierbare, traurige Stimmung.
Ja, kann man, glaube ich. Schwarzer Nebel ist auch nicht wie weißer Schimmel.
Wie heißt denn das Fremdwort dafür?
Ach Gott.
Heißt doch Omm, ungefähr mit Omm.
Warte.
Ich dachte, du bist doch die Germanistin hier.
Ach.
Neonasmus.
Ne, das habe ich noch nie gehört.
Das sagt aber dieses Internet da.
Okay.
Ah, du meinst das Oxymoron.
Oxymoron, das meinte ich.
Ja, aber das scheint falsch zu sein. Hier steht nämlich die Frage,
ist weißer Schimmel ein Oxymoron? Fragezeichen.
Der Ausdruck weißer Schimmel ist ein Pleonasmus, also eine Häufung sinngleicher
und sinnähnlicher Wörter.
Was ist das Gegenteil von einem Oxymoron? Das Gegenteil des Oxymoron ist der Pleonasmus.
Ja, aber dann ist doch...
Was ist ein Oxymoron? Beispiele für Oxymoron sind Ausdrücke wie Bitter süß,
still schreien, offenes Geheimnis Also genau das, nicht die Häufung von demselben
Ein Pleonasmus Und ist ein schwarzer.
Nebel ein Pleonasmus?
Also eigentlich empfinde ich Nebel normalerweise eher als weiß Ja oder grau
Aber es kommt wahrscheinlich darauf an, was man angekugelt hat von daher würde ich sagen.
Es ist keins von beidem,
so und da haben wir doch mal voll unsere Perspektive verloren und,
ja ihr Lieben, ansonsten ist ja jetzt noch die Perspektive zum Teil wird immer
weihnachtlicher ich habe glaube ich schon dreimal Last Christmas gehört,
wobei ich mag das Lied also kann gerne öfter kommen und Ja, ansonsten schauen
wir mal, was die nächsten Tage und Wochen noch so bringen.
Haben wir noch irgendwas unseren Hörern und Hörerinnen mitzuteilen, liebe Tamara?
Naja, das Übliche, folgt uns, teilt uns, gebt uns gerne mal eine Bewertung in
eurer Streaming-App und schreibt uns, wenn ihr möchtet.
Wir haben übrigens auf unserem Aufruf in der letzten Folge doch mal Ideen uns
mitzuteilen für unser 250.
Folgenjubiläum nächstes Jahr noch keine einzige Rückmeldung bekommen,
was ich sehr enttäuschend finde.
Ja, müssen wir uns beeilen, weil wir haben jetzt dieses Jahr noch nach dieser hier noch zwei Folgen.
Dann sind wir bei 243.
Das heißt, im neuen Jahr haben wir dann 44, 45, 46, 47, 48, 49.
In der siebten Woche ist dann das Jubiläum. Korrekt. Also im Februar.
Genau so ist es. Also von daher, schickt uns eure Ideen und gerne auch eure
Anmerkungen auch zu Perspektiven und bleibt uns gewogen und schöne Adventszeit, würde ich sagen.
Genau, bis dann.
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