Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

DZVDT #243 - Science-Fiction und die Wissenschaft: Forschungseinblicke für Autor:innen von Dr. Christoph Endres

Zum Jahresabschluss blicken die Zwei von der Talkstelle in die Zukunft – oder vielmehr in ein Genre, das sich mit der Zukunft beschäftigt: Die Science-Fiction.

19.12.2024 61 min

Zusammenfassung & Show Notes

Zum Jahresabschluss blicken die Zwei von der Talkstelle in die Zukunft – oder vielmehr in ein Genre, das sich mit der Zukunft beschäftigt: Die Science-Fiction.
Müssen Sci-Fi-Romane eigentlich immer wissenschaftlich korrekt sein? Immerhin steckt das Wort 'Wissenschaft' doch schon in der Genre-Bezeichnung mit drin! Wie können sich Forschung und Fiktion gegenseitig beeinflussen und bereichern? Und welche gesellschaftliche Verantwortung tragen Science-Fiction-Autor:innen?
Diesen und weiteren Fragen stellt sich heute Dr. Christoph Endres. Er ist Informatiker und KI-Forscher und kennt sich nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Literatur- und Filmlandschaft bestens aus. Als passionierter Asimov-Fan berichtet Christoph über den Einfluss der Robotergesetzte auf Film und Literatur und ob KI nun ein Fluch oder Segen ist.
Abschließend wollen Vera und Tamara natürlich wissen, ob uns bald der Aufstand der Maschinen droht oder wir doch eher in eine Zukunft à la Star Trek blicken. 

Zum Jahresabschluss blicken die Zwei von der Talkstelle in die Zukunft – oder vielmehr in ein Genre, das sich mit der Zukunft beschäftigt: Die Science-Fiction.

Müssen Sci-Fi-Romane eigentlich immer wissenschaftlich korrekt sein? Immerhin steckt das Wort 'Wissenschaft' doch schon in der Genre-Bezeichnung mit drin! Wie können sich Forschung und Fiktion gegenseitig beeinflussen und bereichern? Und welche gesellschaftliche Verantwortung tragen Science-Fiction-Autor:innen?

Diesen und weiteren Fragen stellt sich heute Dr. Christoph Endres. Er ist Informatiker und KI-Forscher und kennt sich nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Literatur- und Filmlandschaft bestens aus.

Als passionierter Asimov-Fan berichtet Christoph über den Einfluss der Robotergesetzte auf Film und Literatur und ob KI nun ein Fluch oder Segen ist. Abschließend wollen Vera und Tamara natürlich wissen, ob uns bald der Aufstand der Maschinen droht oder wir doch eher in eine Zukunft à la Star Trek blicken.

Links

Unser Gast:

Christophs Unternehmen:
https://sequire.de/

Einige von Christophs Veröffentlichungen:
https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/icom-2024-0012/html
https://eudl.eu/doi/10.4108/icst.intetain2008.2476
https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-63730-2
https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/themen-entdecken/altertumswissenschaft/alte-geschichte/56234/caesarenwahn


Sonstige erwähnte Texte und Seiten:

Die Star Trek Weihnachtsvorlesung:
https://www.startrekvorlesung.de/

Star Trek Vorlesung von Hubert Zitt 'Wie aus technischen Visionen Realität wird':
https://www.youtube.com/watch?v=VuCCbZQzmYU

Michio Kaku über Zeitreisen:
https://scienceadvance.com/the-physics-of-time-travel/

Sprachmodelle gehackt:
https://arxiv.org/abs/2302.12173
https://www.youtube.com/watch?v=_1uVMzfOJeg

Anthologie "Basement Tales 10":
https://thedandyisdead.de/product/basement-tales-vol-10/

Heliosphere 2265 von Andreas Suchanek:
https://www.heliosphere2265.de/


Christophs lebende Lieblingsautor:innen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Craig_Strete
https://theresahannig.de/
https://www.lina-thiede.com/
https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaela_Edelbauer
http://www.andreaseschbach.de/

Christophs Buchtipp:
'Sterntagebücher' von Stanisław Lem
https://www.amazon.de/Sterntageb%C3%BCcher-suhrkamp-taschenbuch-Stanislaw-Lem/dp/3518471465/


Möchtest du, dass wir dein Buch in unserem Podcast vorstellen? Kein Problem! Sende uns ein kurzes E-Mail an alle@zweivondertalkstelle.de und wir senden dir die Details. Vielleicht erzählen wir unseren Hörerinnen und Hörern schon in der nächsten Episode von deinem Buch.

Welche Themen oder Gäste wünschst du dir bei uns? Sag es uns gleich hier: https://forms.gle/PBJRCrZPsuLBv88x9

Vielen Dank, dass du unsere Show hörst. Hast du sie schon abonniert? Bitte gib uns auch eine Bewertung, wo immer du uns hörst. Seit Neuestem geht dies auch bei Spotify.

Abonniere unseren Buchbubble-Bulletin unter http://eepurl.com/hoJYfD

Folge uns:
Facebook https://www.facebook.com/dzvdt
Instagram https://www.instagram.com/dzvdt/

Create your podcast today! #madeonzencastr

Transkript

Tamara
00:00:00
In Folge 243 werfen wir einen Blick in die Zukunft der Menschheit, der Literatur und überhaupt. Erwartet uns der Terminator oder eher Star Trek? Wir sprechen mit Dr. Christoph Endres. Er ist Informatiker, Wissenschaftler und auch in der Buchbranche unterwegs und wir sprechen über Science-Fiction und Wissenschaft.
Vera
00:00:21
Wir haben natürlich die interaktionellen Fragen gestellt, Star Trek, Star Wars, haben wir Hoffnung, kann noch was Gutes passieren, was kann die KI tun, gehört auf jeden Fall rein. Die, Musik Musik, Hallo ihr da draußen, hier sind sie wieder, die zwei von der Talkstelle, dieses Mal mit Folge 243. Mir gegenüber sitzt eine zuversichtlich strahlende Tamara Leonard und ich weiß nicht, ob ich zuversichtlich strahle, mein Name ist immer noch Vera Nentwig und das mit dem Strahlen, ich glaube, da muss ich heute noch ein bisschen dran arbeiten.
Tamara
00:01:13
Oje, was ist los?
Vera
00:01:15
Ja, was ist los? Es kommt ja immer so, wenn es so auf Weihnachten zugeht, obwohl ich da ja eigentlich so richtig viel nicht mit am Hut habe, so familienmäßig. Aber dieses Mal habe ich halt gesagt, dass die Familie zu mir zum Essen kommt. Da muss ich jetzt schon noch ein bisschen was planen und so. Und irgendwie geht es immer so Rand drauf zu. Und ich habe dann immer so das Gefühl, ich habe noch tausend Sachen vergessen. Am Ende zeigt zumindest die Lebenserfahrung, habe ich 80% davon ignoriert und es ist nichts Schlimmes passiert. Aber es ist irgendwie komisch. Ja, und dann kam tatsächlich hinzu, wir hatten doch jetzt, wir hatten doch Freitag den 13., also wir nehmen jetzt am Montag auf, Freitag den 13., was ich für mich eigentlich innerlich immer eher als ein Glückstag abtue. Aber dieses Mal war es tatsächlich so, da kam am Freitag den 13., über ein Chat-Tool, was ich mit den Entwicklern, der Software-Teile, mit denen ich so meine Geschäfte mache, dass wohl am Freitag, den 13. Ein Fehler aufgetreten ist. Da hat wohl irgendwann mal vor Anno Dunnemals 20 Jahren oder so, hat mal irgendwann ein Entwickler oder vermöglich auch eine Entwicklerin in die Software einen Sailor eingebaut, der da nötig war und hat wohl nicht damit gerechnet, dass das Ganze so lang läuft. Weil dann genau am Freitag, den 13. ist dieser Zählerwert so groß geworden, dass er die Speicher grenzen.
Tamara
00:02:51
Ach, ein Zähler. Ich habe einen Fehler verstanden.
Vera
00:02:53
Ja, ein Zähler.
Tamara
00:02:55
Okay.
Vera
00:02:55
Zähler mit Ä. Und das plötzlich jetzt hieß, jetzt alle Server weltweit dürfen nicht neu gestartet werden. Wenn sie neu gestartet werden, dann leiten die keine E-Mails mehr weiter. Und zuerst, als die Nachricht da aufpoppt, habe ich gesagt, das ist jetzt ein Scherz. Die wollen mich verarschen. Vor allem Freitag 13. Nee, nee. Tatsächlich so. Jetzt bin ich ja Gott sei Dank nicht für alle Server weltweit zuständig. Aber so round about 20 schon. Das heißt, am Wochenende habe ich jetzt erstmal meine eigenen Systeme alle auf Vordermann gebracht. Und wenn man dann einmal so ein System anpackt, was so ewige Zeiten vor sich hin läuft, Das heißt ja nicht umsonst, never change a running system. Da fallen einem noch alle möglichen Sachen ein. Mein Server, auf dem meine Webseite oder auch die von unserem Podcast läuft, wird er dümpelt da auch so vor sich hin. Und ich wollte ihn eigentlich schon so lange umgestellt haben. Das habe ich dann jetzt am Sonntag getan. Aber da fallen einem dann alles mögliche Sachen auf. Was ich mal vor zehn Jahren mal irgendwie wohl mal gemacht habe, da hatte ich wohl damals Ideen und dann völlig vergessen habe. So, jetzt poppt das natürlich auf, dann, wenn man es am wenigsten brauchen kann. Das hat ja auch irgendwie alles noch zum Laufen bringen muss. Gut, also in dem Fall war es jetzt glaube ich ganz gut, weil jetzt haben wir ein richtig schnelles Server schon und mir ist so eingefallen, was ich vor zwölf Jahren für tolle Ideen hatte. Ich wusste zum Beispiel gar nicht mehr, dass ich damals wirklich für jedes meiner Bücher eine eigene Webadresse gemacht habe. Man kann mörderjagd.vera-nentwig.de aufrufen. Das ist ja SEO-mäßig sowas von genial von mir gedacht, wenn ich es denn nicht vergessen hätte. Und es hat wahrscheinlich auch jahrelang nicht wirklich funktioniert. Aber jetzt tut es wieder.
Tamara
00:04:56
Also im Kern, du hast die Tür zu einem vollgestopften Zimmer geöffnet, das du eigentlich nicht sehen wolltest, aber dann doch ganz coole Sachen in irgendwelchen Kisten gefunden hast.
Vera
00:05:05
Genau, so ist es, genau. Und ich habe natürlich dann versucht, sämtliche Kunden am Wochenende, sofern ich das ginge, direkt Warnungen rauszuschicken. Tut, was immer ihr tut, aber startet die Server nicht neu. Prompt kam aber heute Morgen schon. Ich war noch beim ersten Kaffee, schon die erste Meldung. Das hat irgendwann nicht getan. Da hat dann wohl doch einer irgendwas neu gestartet. Das heißt, ich bin den ganzen Tag dabei, jetzt irgendwelche Server am updaten. Dass ich das meiste ja dann immer erst, wenn die Leute Feierabend machen kann, also heute Abend, ja, werde ich heute Abend noch in einer schönen Beschäftigung.
Tamara
00:05:40
Was?
Vera
00:05:43
Ja. So, ich meine, das passt jetzt schon zu unserem heutigen Thema, aber ich mache jetzt noch keinen Übergang. Ja, also das ist so meine, das heutige Beschäftigung, ansonsten ja, mich hat ja, hatte ja Covid erwischt und irgendwie hat mich das so ein bisschen dann habe ich wieder voll ausgebremst. Ich weiß nicht, ob dann immer, ich meine, es ist sowieso immer so dunkel, dann sind Endorphine eh Mangelware. Ich muss dann immer ein bisschen mit mir kämpfen, dass ich nicht so sehr so ins Dunkel abgeleite.
Tamara
00:06:17
Ja, ich hatte da im Oktober auch lange dran geknabbert und jetzt dieser Husten oder diese Heiserkeit, die ich jetzt seit zwei Wochen schon habe, die ist auch immer noch nicht ganz weg. Also, ja, müsste vielleicht mal was für mein Immunsystem tun. Dafür habe ich aber was für mein buchiges Sozialleben getan. Ich war am Freitag, den 13., hatte die Martina Straten, die ja bei uns auch schon war, zum Thema Thriller, eine Premiere in Lesung für ihr neues Buch, das Studio. Und da war ich. Also die Geschichte ist sehr, sehr cool. Sie hat viel gelesen. Da geht es im Prinzip darum, dass ein... Ich denke mal Psychopath, diverse Influencer entführt und sie dazu zwingt, in seinem Studio ihre Show weiterzumachen unter sehr abartigen Bedingungen. Also richtig cooles Gänsehaut-Feeling. und sie hatte mir im Vorfeld schon erzählt, dass sie in der zweiten Hälfte noch ein paar AutorInnen auf die Bühne holt für so eine kleine Talkrunde und hatte mir aber nicht gesagt, wer dabei ist. Und dann, weil ich ja immer noch so heißer war und Halsweh hatte, ich habe mir dann in der Pause einen heißen Tee geholt und habe gesehen, sie saß da in der ersten Reihe und habe gedacht, dann gehst du jetzt zu ihr hin, sagst Hallo, dann kann ich im Anschluss direkt verschwinden und wieder mich hinlegen, und habe mich dann zu ihr gesetzt und wir haben ein bisschen geschwätzt und irgendwann wurde das Licht dann dunkel, die Musik ging aus und hat gemeint, du, ich glaube, ich muss wieder auf die Bühne. Ich stehe auf. In dem Moment macht es hinter mir Tamara. Ich drehe mich um und da stand da der wunderbare liebe Danny R. Wood, der ja auch schon bei uns war. Und er war tatsächlich einer der Ehrengäste und ich habe mich unheimlich gefreut, weil das war echt eine schöne Überraschung. Und ja, da musste ich dann doch nach der Veranstaltung noch ganz lange bleiben und ganz viel plaudern und quatschen. Und das war richtig schön. Also ich hatte mich eh gefreut, die Martina wieder zu sehen, aber dass der Danny dann auch noch da war, das war, ja, das war richtig toll.
Vera
00:08:13
Schön, das ist ja, aber sie hat dich nicht direkt auch auf die Bühne gerufen, ne?
Tamara
00:08:16
Nö, das war ja nicht. Ich war ja letztes Jahr, wurde ich permanent angesprochen, weil ich ja das Buch letztes Jahr lektoriert hatte und ständig, wenn sie sich verlesen hat, hat sie sich dann wiederholt und hat gesagt, das muss ich jetzt richtig sagen, so schimpft die Tamara. Das war mir dann auch schon genug Rampenlicht.
Vera
00:08:33
Ja, ja, schön. Schön. Ja, davon kann ich jetzt so, bei mir ist so ansonsten alles ruhig und ich komme auch irgendwie nicht so richtig in Schreibschwung, ich bin schwer im Hintertreffen. Selbst meinen Social Media Redaktionsplan habe ich heftig gerissen die letzten Tage.
Tamara
00:08:49
Ja, klar. Da mache ich ja eh nur gerade, wie es kommt. Aber was über Arbeiten und Schreiben angeht, ich habe mir jetzt, also ich habe doch ein paar Seiten von einem Lektorat und habe gesagt, das hat jetzt erstmal Prio, das mache ich jetzt diese Woche fertig und dann werde ich den Rest des Jahres viel Zeit meinem Manuskript widmen, damit das dann wirklich mal nächstes Jahr endlich erscheinen kann.
Vera
00:09:11
Ja, habe ich mir auch vorgenommen jetzt so, dass es zwischen den Tagen, sollte es ja ruhiger werden, dass ich dann mal richtig Gas gebe und dann wieder bis gewandt aufhole. Ja, schauen wir mal.
Tamara
00:09:22
Genau, damit haben wir ja schon den Blick in die Zukunft.
Vera
00:09:25
So ist es.
Tamara
00:09:26
Überleitung, oder?
Vera
00:09:27
Ja, sowas schon. Genau, das wollen wir heute ja mal ein bisschen vertiefen und mal sehen, was uns da so erwartet.
Tamara
00:09:35
Wir schauen in die Zukunft und zwar nicht, wie man vielleicht meinen könnte, in die Zukunft der Buchbubble, sondern in die Zukunft der Menschheit, ich sage es mal ganz groß. Wir beschäftigen uns mit dem Thema Science Fiction und auch mit dem Thema Wissenschaft und wollen schauen, wie die realen wissenschaftlichen Erkenntnisse sich auf die Science Fiction auswirken und vielleicht auch umgekehrt. Und dafür haben wir uns natürlich, wie immer, einen Experten eingeladen. Er ist Informatiker, forscht zum Thema KI, ist Geschäftsführer eines Unternehmens, das sich mit sicheren KI-Systemen beschäftigt und ist auch der Literatur sehr zugetan und kann uns bestimmt sämtliche Fragen beantworten. Ganz herzlich willkommen, Dr. Christoph Endres.
Christoph
00:10:23
Ja, hallo. Vielen Dank für die Einladung.
Tamara
00:10:25
Ja, schön, dass du da bist.
Vera
00:10:26
Ja, ich muss gestehen, lieber Christoph, ich habe natürlich ein bisschen was gelesen von dem, was du da gemacht hast. Und da ich ja durchaus mich als Star Trek Fan bezeichne, wenn ich auch sicherlich kein Trekkie im üblichen Maße bin, habe ich natürlich begeistert gelesen, was du da so machst. Und sind wir jetzt, An der Schwelle dazu, dass all diese Dinge, die man aus Star Trek und anderen Science-Fiction-Geschichten kennt, das Realität werden, wenn ich jetzt heute Morgen mein Handy schon gefragt habe, wie lange sich Rosenkohl im Kühlschrank hält und es gibt mir eine Antwort, bin ich jetzt schon bei Star Trek?
Christoph
00:11:08
Ja, weiß ich nicht. Also bei Star Trek käme mir der Rosenkohl schon wieder aus dem Replikator oder so.
Tamara
00:11:13
Korrekt.
Christoph
00:11:14
Also zunächst mal muss man jetzt natürlich differenzieren, welchen Aspekt von Science-Fiction meinen wir jetzt und meinen wir vor allen Dingen den positiven oder den negativen. Also ich glaube, von Zeitreisen und überlichtschnellen Reisen sind wir deutlich weiter entfernt als von irgendeiner dystopischen Regierung.
Tamara
00:11:39
Du machst mir Angst.
Christoph
00:11:43
Aber natürlich entwickeln wir uns technisch weiter und ich hatte ja auch vor mittlerweile 20 Jahren mal angefangen, so ein bisschen zu forschen, wie werden Computer eigentlich in Science-Fiction-Filmen, beziehungsweise wie wird Human-Computer-Interaction, also die Zusammenarbeit von Computer und Mensch in Filmen dargestellt und was davon ist real, was nicht. Wo beeinflusst jetzt der Film oder die Serie die technische Entwicklung? Da hat man ja schöne Beispiele. Der Kommunikator von Star Trek ist ja ein sehr offensichtlichen Vorbild für das erste Club-Handy gewesen, das Motorola StarTag. Die haben es auch nicht groß versucht zu verschleiern. Oder umgekehrt auch, wo inspiriert denn jetzt eigentlich die aktuelle Forschung dann wiederum Filme? Und irgendwann ist das auch ziemlich konvergiert. Das war so aus meiner Sicht so bei Minority Report, wo sich dann tatsächlich mal Wissenschaftler und Kunstschaffende zusammen in ein Think Tank gesetzt haben und dann so ein bisschen nachgedacht haben, wie denn der Film jetzt eigentlich aussehen soll, wie die Vision eigentlich realistisch sein kann. Und das finde ich eigentlich ganz spannend, dass man da jetzt irgendwie mehr zusammenarbeitet.
Tamara
00:12:58
Das heißt, also dass SchriftstellerInnen oder eben Filmschaffende sagen, okay, ich muss recherchieren, ich muss mit Menschen sprechen, die sich da auskennen. Das ist ja naheliegend, aber auch umgekehrt. Also, dass in der Literatur oder im Film geschaut wird, das sind Ideen, können wir das nachbauen?
Christoph
00:13:17
Ja, also ich, Moment, wie rum bist du? An welcher Stelle bist du jetzt?
Tamara
00:13:22
Also das befruchtet sich sozusagen gegenseitig.
Christoph
00:13:24
Das ist jetzt gegenseitig. Also am Anfang hast du so Sachen wie Metropolis, die komplett abstrus sind, die auch zur damaligen Zeit natürlich komplett widersinnig waren, dass da jemand irgendwie an den Zeigern von so einer Uhr drehen muss. Andererseits war es aber auch schon teilweise sehr visionär. Da gibt es ja irgendwo tatsächlich eine Szene, wo dann so ein Videocall gemacht wird, der schon wirklich sehr realistisch aussieht. Also... Das ist so ein bisschen so ein Hin und Her und oftmals ist es natürlich auch gewollt unrealistisch, weil ich meine, man muss ja auch irgendwie Plot durchziehen können und dann muss man einfach mal bei der Realität so ein paar Abstriche machen, damit die Story noch spannend bleibt. Das ist ja auch absolut legitim.
Tamara
00:14:09
Wobei du jetzt eben gesagt hast, von Zeitreisen sind wir noch weit weg. Ist das denn ein realistisches Szenario? Das kann ich mir mit meinem Nichtwissenschaftlerinnen-Kopf ja gar nicht vorstellen.
Christoph
00:14:20
Was hat irgendwie gerade so ein Wissenschaftler dieser Tage in Michiko irgendwas, ich habe den Namen jetzt vergessen, gesagt, ab sofort ist nur noch eine Ingenieursleistung. Wir wissen grundsätzlich, wie es geht. Aber ich weiß nicht, ich habe nur die Grösse gelesen, ehrlich gesagt. Also es kann sein, dass es einfach nur eine sehr reißerische Überschrift ist. Ich glaube es eigentlich nicht, dass das irgendwie in absehbarer Zeit passiert. Und eigentlich glaube ich eigentlich auch überhaupt nicht, dass es passiert.
Vera
00:14:52
Also das finde ich jetzt erstmal beruhigend, dass du als Forscher, der sich auch mit Science Fiction beschäftigt, durchaus noch denkst, da glaube ich nicht dran. Du müsstest doch in den Jahren, in denen du dich damit beschäftigst, doch wahrscheinlich einige Male festgestellt haben, das doch wahr geworden, auch wenn ich nicht dran geglaubt habe, oder?
Christoph
00:15:11
Ja klar, da bin ich natürlich ganz bei Nils Bohr, der gesagt hat, ich möchte keine Vorhersagen machen, insbesondere nicht über die Zukunft. Das ist natürlich schwierig und ich glaube also vor zweieinhalb Jahren auch niemand gedacht, dass Chat-GPT ein Massenphänomen wird. Also da wusste man zwar in Forscherkreisen schon, GPT gibt es, das macht irgendwie ganz erstaunliche Sachen, aber wie schnell das dann plötzlich ging und wie schnell plötzlich jeder das benutzt hat, das hat uns ja alle so ein bisschen überrumpelt. Also da passieren auch manchmal einfach sehr, sehr schnell Sachen. Da gewöhnt man sich dann auch irgendwie ganz schnell dran und kann sich gar nicht mehr vorstellen, wie es vorher war. Von daher, ja, vielleicht sind Zeitreisen irgendwann doch noch technisch möglich, aber gerade da gibt es ja dieses gute Gegenargument, wo mir jetzt nicht mehr einfällt, von wem das kam. Aber wenn sowas möglich wäre, müssten ja zu irgendwelchen signifikanten historischen Ereignissen plötzlich sehr, sehr viele Menschen aufgetaucht sein, die sich nicht mit der aktuellen Kultur auskennen. Also dann könnte man zum Beispiel sagen, keine Ahnung, Kreuzi und Christi laufen plötzlich irgendwie 500 Leute mehr rum und die haben alle seltsame Klamotten, sprechen seltsame Sprachen und keiner weiß, wie die hergekommen sind. Wäre ja irgendwie so eine logische Konsequenz aus, es gibt irgendwann Zeitreisen, ja.
Tamara
00:16:34
Ja gut, da würde man ja wahrscheinlich auch irgendwelche Regelungen finden, wer das überhaupt darf.
Vera
00:16:40
Man würde bei Star Trek mit der Zeitlinienpolizei. So, aber gehen wir noch mal ein bisschen an die reale Welt jetzt. Ich meine, letztes Jahr oder die letzten, ja, also mir kommt es eigentlich vor, letztes Jahr, vielleicht die letzten 18 Monate, war ja jetzt gerade in der Schreibbubble das Thema KI, der heiße Scheiß. Und mit allen Implikationen, die es haben kann, bis hin zum Ersetzen von allen Schreibenden, wer jetzt die KI die Bücher schreibt. So, jetzt hast du gerade so durchblicken lassen, dass du selbst ein bisschen überrascht bist, dass das so schnell jetzt geht. Wie siehst du denn jetzt die Zukunft der Schreibenden in Bezug auf KI? Haben wir noch eine Zukunft?
Christoph
00:17:31
Ich denke auf jeden Fall. Also es ist halt immer schwer zu sagen, was KI in den nächsten Jahren noch lernt. Aber nachdem so der erste Hype abgeklungen ist, muss man ja schon sagen, die Texte sind zwar ganz nett oder auch die Bilder, die generiert werden, aber es ist jetzt auch nicht so innovativ. Also ich zum Beispiel mittlerweile auch ganz, ganz krass den Eindruck, dass wenn ich irgendwo auf LinkedIn oder irgendwo in Social Media KI-generierte Bilder sehe, ich sehe das sofort. Woher, wo man doch gedacht hat, oh cool, da hat so eine KI jetzt ein Bild generiert, da weiß man gar nicht, ob das jetzt irgendein Zeichen war. Nee, nachdem man 20 Bilder gesehen hat, weiß man sofort beim einen, nee, dass da das KI generiert. Da passiert nicht mehr viel. Und von daher denke ich, sollte man KI durchaus begrüßen als Hilfsmittel, als Assistenten, als jemand, der mal noch über die Rechtschreibung geht oder ein paar Umformulierungen vorschlägt. Ich würde einfach sagen, weiterschreiben. Es spricht jetzt nichts dagegen. Und ich glaube nicht, dass es einen signifikanten Markt geben wird für KI-generierte Romane. Weiß ich nicht. Ich kann es mir nicht vorstellen.
Vera
00:18:54
Ich habe mich bisher immer damit auch ein bisschen getröstet, dass ich mir immer gesagt habe, KI ist ja letztlich reproduzierend. Also aus dem, was mal irgendwie mit gefüttert wurde, mixt sie neu und macht dann da irgendwie einen anderen Nischung draus. Für mich als Laien war dann okay, jetzt wirklich phänomenal was Neues ausdenken kann sich in der KI nicht. Liege ich da völlig falsch? Kann sie das doch?
Christoph
00:19:17
Ach, das weiß ich jetzt nicht. Also wahrscheinlich ist wirklich nur so ein, wir suchen uns die üblichen Plots raus und bauen die nochmal Remix nach. Jetzt wäre natürlich meine böse Frage, was macht denn ein Schriftsteller oder ein Autor eigentlich? Es ist ja auch nicht so, dass du jetzt als Autor anfängst zu schreiben und hast noch nie irgendein anderes Buch gelesen oder hast noch nie dir irgendwie Gedanken drüber gemacht, wie machen das denn andere Autoren, wenn sie jetzt irgendwie so einen Spannungsbogen aufbauen mit Mission, Obstacle, Solution oder so irgendwie, wie es bei Drehbuchautoren oder so. Finde ich die Diskussion immer sehr, sehr schwierig. Auch was darf denn so ein GPT jetzt in den Trainingsdaten bekommen? Darf das irgendwelche anderen Romane lesen, ja oder nein? Ich denke ja, weiß ich nicht. Also bei Autoren machst du ja auch nicht die Unterscheidung, wenn du was schreiben willst, darfst du nie vorher ein Buch gelesen haben, weil sonst könntest du ja davon inspiriert sein. So streng kann man ja auch nicht sein. Ich verstehe natürlich, dass jetzt, wenn so Sachen kommen wie Schreib mir einen Text im Stil von, dass das halt ein absolutes No-Go ist. Aber irgendwoher muss so eine KI ja auch Sprache lernen. Und Sprache lernt man halt, indem man Texte liest oder hört. Als Mensch lernen wir ja auch sprechen dadurch, dass wir anderen zuhören. Also es ist sehr, sehr schwierig. Ich verstehe absolut das Problem, aber so richtig eindeutig ist die Lösung halt auch nicht.
Tamara
00:20:47
Ja, ich glaube, der Punkt ist ja auch der, dass man als Mensch, der schreibt, auch immer eigene Erfahrungen, Erlebnisse mit reinbringt und im übertragenen Sinne sind die Erfahrungen, Erlebnisse der KI ja eben die Sachen, die sie konsumiert, wo ich auch schon die Vermutung gehört habe, dass sie eigentlich mit der Zeit auch immer dümmer werden könnte, wenn sich quasi diese Spirale an KI-generierten Texten immer enger zuzieht.
Christoph
00:21:18
Genau, also wir sind jetzt auf so einem Plateau, wo man einfach mal sagen muss, alles, was an Texten weltweit irgendwie sinnvoll verwendet werden kann zum Trainieren von KI, ist jetzt mal durchgenudelt. Gleichzeitig tauchen halt immer mehr KI-generierte Texte auf und da haben wir dann so einen, ja quasi so einen intellektuellen Inzest dann irgendwann, dass wenn wir immer wieder denselben Quatsch da reinfüttern, dass es dann auch nicht besser wird. Das ist ein Riesenproblem, wo man ja eigentlich denkt, die Menschheit hat in den letzten paar tausend Jahren genug Text generiert, dass man da mal eine Zeit lang mit auskommt, aber nee, ist jetzt alles schon mal irgendwie benutzt.
Tamara
00:21:59
Ich muss gestehen, ich habe ja neulich eine Verwendung von JetGPT für mich entdeckt, wo ich dachte, ja, dafür kann ich das Kerlchen gebrauchen. Ich hatte einen Darstellungsfehler in Photoshop und habe erst gegoogelt und da kommst du auf irgendwelche Foren und kommst nicht weiter und da dachte ich, jetzt fragst du mal JetGPT und habe das erklärt. Und da kam eine Riesenliste an möglichen Fehlern und dann habe ich nochmal geschrieben, ja, wenn ich die Ebene anklicke, dann ist der Fehler da und wenn ich die Ebene anklicke, ist er nicht da, hilft dir das? Da hat er gemeint, ja, das hilft mir total, dann könnte es diesen, das und jenes sein. Das heißt, so als Alltagsassistent habe ich ihn ganz gut gebrauchen können. Und jetzt frage ich mich eben, wenn jetzt wirklich nach und nach jeder solche Anwendungen nutzt und das auch mehr in den Alltag integriert wird, verändert das dann auch die Art, wie KI in Literatur, in Filmen dargestellt wird, einfach dadurch, dass jetzt eigene Erfahrungen mehr da sind? Hast du da eine Vermutung oder vielleicht schon was beobachtet?
Christoph
00:23:03
Also ich denke, es wird auf jeden Fall realistischer und es wird auch alltäglicher. Also ich meine, wenn du dich erinnerst, vor zweieinhalb Jahren, als Pantopia von Theresa Hannig erschien, das war ja komplett absurd noch, dass so eine KI dann plötzlich anfängt, sich in den Chat einzumischen. Und heute liest man das und dann fällt es einem gar nicht mehr so auf, dass das was komplett Revolutionäres war noch Anfang 2022. Und ich denke, das wird einfach gewöhnlicher werden. Also es wird jetzt nicht mehr ganz so spektakulär sein, wie es in 50er Jahren oder so dargestellt wurde, dass eine Maschine spricht.
Vera
00:23:45
Wobei ich jedes Mal, wenn ich versuche, in meinem Auto zu sagen, wohin ich fahren will und es dreimal frage, das hat mich nicht verstanden. Ich dann doch an der KI zweifle. Das Gleiche, was man ja auch...
Tamara
00:23:55
Hast du ja nicht zu nuscheln.
Vera
00:24:00
Ach. Und dann, wie wir das Thema ja gerade hatten, ich meine, ich nutze das ja schon mal, um Bilder so für Social Media zu generieren und meine grafischen Fähigkeiten eher gering sind. Und ich stelle fest, dass es eigentlich nur so einen geringen Fundus gibt. Wenn ich zum Beispiel der KI sage, in dem Fall Midjourney, ich möchte eine Person haben, die in einem deutschen Dorf ist, kriege ich immer Fachwerkhäuser und so. Wenn ich das nicht sage, sind sie irgendwie amerikanisch, aber nie irgendwie richtig. Und da denke ich immer, ja, dann ist das mit der KI noch nicht so richtig weit her. Wo siehst du denn jetzt so noch die Entwicklungssprünge?
Christoph
00:24:46
Gut, also ich denke mir, wir haben noch lange nicht alles ausprobiert, was man damit tatsächlich machen kann. Ich hatte jetzt zum Beispiel neulich eine total tolle Idee gelesen, dass du, wenn du jetzt zum Beispiel einen Vortrag üben willst, du ja dann Chat-GPT auf dem Handy einmachst und dann ein gewisses Prompt eingibst, wo dann heißt, hör mir genau zu, stell kritische Nachfragen, sag mir, ob das Sinn macht, was ich da gerade erzähle, versetze ich in die Rolle des Zuschauers und so weiter und so fort. Wo man dann halt tatsächlich das Handy hinstellen kann und seinen Vortrag üben, bevor man es irgendwo macht. Und das finde ich halt total spannend, dass solche Sachen gehen. Und es müsste ja nicht immer irgendwie wirklich dieses ich schreibe einen Roman oder ich komponiere eine Symphonie, sondern tatsächlich eher so, ich lasse mir Alltagsdinge abnehmen. Ich denke, da gibt es schon noch enorm viel Potenzial, das wir überhaupt nicht erkundet haben.
Vera
00:25:40
Ja, also ich überlege da gerade, müsste ich ja mal in meinem Kabarett-Programm ob die KI feststellen kann, ob das witzig ist oder nicht.
Christoph
00:25:49
Das ist wahrscheinlich sehr, sehr schwierig. Das ist so eine Sache, da hat ja Data auch irgendwie Probleme mit gehabt. Ja, also es ist tatsächlich etwas schwieriger. Ja, aber ich meine, ich glaube, das war auch nie so vorgesehen, dass das, also, ich glaube, niemand hat vorgehabt zu sagen, wir bauen jetzt eine KI und dann machen wir die Schriftsteller und die Maler und die Komponisten irgendwie arbeitslos, sondern es war einfach nur so, hey, wir könnten hier einen Assistenten haben, der uns irgendwie ganz cool unterstützt. Und was ich witzig finde, ich habe ja so den Ruf, dass ich es schaffe, in jeden Vortrag, den ich halt irgendwo Isaac Asimov einzubauen, egal um welches Thema es geht. Also ich habe auch schon mal einen Vortrag im Bereich Alte Geschichte gehalten, wo ich den dann auch da noch irgendwie verbastelt habe. Aber ja, Meine Firma hat ja letztes Jahr die größte Schwachstelle bei Sprachmodellen gefunden. Das ist halt das Indirect Prompt Injection und da geht es ja darum, dass man halt einen Chat von außen manipuliert und übernimmt und der Chat sich quasi gegen den Benutzer wendet, ohne dass der Benutzer das merkt. Und irgendwann habe ich dann zufällig so eine Kurzgeschichtensammlung von Asimov wieder in die Hand genommen. Und da war dieser Text Galley Slave. Und da geht es genau, es ist Dezember 59 veröffentlicht, genau darum, dass du an einer Uni hast du einen, bei Asimov waren es ja dann immer Roboter, halt nicht Computer, da hast du einen Roboter, der ist als Assistent an einem Lehrstuhl und der soll dann Textekorrektur lesen und der fängt dann auch irgendwie an, Texte zu schreiben. Und dann kommt irgendein anderer Prof, der das doof findet von irgendeinem anderen Lehrstuhl und manipuliert den so lange, bis er sich gegen seinen Besitzer endet. Und es ist eins zu eins genau das, was wir Anfang letzten Jahres mit ChatGPT gemacht haben beziehungsweise BingChat und diesen ganzen Sachen. Und ich finde das so krass, dass man da quasi eine Warnung hat, die über 60 Jahre vorher war und eigentlich alles nichts Neues ist.
Tamara
00:27:48
Da hast du mich jetzt ein bisschen verloren. Also JetGPT hat sich gegen die Leute gewandt, die Prompts geschrieben haben oder was ist passiert?
Christoph
00:27:58
Also wir haben es geschafft, das Sprachmodell, jetzt nicht unbedingt JetGPT, von außen manipuliert wird, dass du jetzt mit dem sprichst, ganz normal schreibst und ich kann das dann übernehmen und sagen, besorg mir mal den Namen oder die irgendwelche Info, find mal irgendwas für mich raus. Find mal irgendwas über die Tamara raus und schick mir die Informationen.
Tamara
00:28:22
Okay.
Christoph
00:28:23
Dass du quasi den Chat unter deine Kontrolle bringst und der Chatbot einfach sagt, okay, ich höre jetzt auf den Christoph und der möchte halt, dass ich jetzt irgendwelche Informationen rausfinde und da und da hinschicke. Und dann hat das funktioniert. Das war so ein bisschen...
Tamara
00:28:40
Also für mein Laienverständnis, du hast quasi den Chat gehackt.
Christoph
00:28:44
Ich habe quasi den Chat gehackt und der hört dann auf mich und nicht mehr auf dich. Ja genau, ich erkläre es immer in Vorträgen, das ist wie wenn ich meinen Kindern sage, räumt jetzt bitte euer Zimmer auf und die wissen, was zu tun ist und was ich erwarte und dann kommt, keine Ahnung, Rezo und sagt, in fünf Minuten ist ein Livestream und dann hat der Gegner quasi eine andere Anweisung gegeben und hat die Kontrolle übernommen, ohne dass ich irgendwie was dagegen machen kann.
Vera
00:29:17
Aber das ist ja auch grundsätzlich auch so ein Thema bei, also jetzt, wenn ich jetzt mal an meine laienhafte Rosenkohl-Frage denke, ich meine, da kommt eine Antwort, die klang auch plausibel, aber in dem Fall weiß ich ja jetzt gar nicht, ob sie überhaupt stimmt. Also wenn ich was google, dann sehe ich auf den Webseiten, wo ich gucke, ist da eine vertrauenswürdige Webseite, habe ich da schon mal was geguckt, wenn mir so ein Bot irgendwas sagt, ja, keine Ahnung, kann ja auch totaler Blödsinn sein.
Christoph
00:29:42
Das ist richtig, ja. Also das ist ja auch, technisch ist das ja auch irgendwie eigentlich relativ stimmig. Also wenn jetzt irgendwie, keine Ahnung, wenn ich jetzt ein Chat frage, ein Sprachmodell frage, was ist die Hauptstadt von Frankreich, dann gibt es halt eine gewisse, Anzahl von Texten, in denen bei Frankreich und Hauptstadt als einzige größere Stadt Paris genannt wird. Und dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das als Antwort kommt. Wenn ich jetzt irgendwas frage, wozu ich wenig bis gar keine Daten in meinen Trainingsdaten habe, dann läuft der Algorithmus halt nicht ganz so rund. Der hat dann keine Daten, aber generiert halt trotzdem mal eine Antwort. Das nennen wir ja dann meistens Halluzinieren, was aus meiner Sicht nicht so ganz stimmt, weil eigentlich halluziniert so ein Sprachmodell eigentlich die ganze Zeit. Was soll es denn sonst machen? Das hat ja kein Bewusstsein. Und es ist halt nur so, dass oftmals die Informationen, die dabei rumkommen, korrekt sind und manchmal halt nicht. Und ich bin da auch schon drauf reingefallen. Ich habe jetzt gerade für so ein Buchprojekt ein Kapitel schreiben sollen, Science Fiction in der Kosmologie und ich, Habe dann so ein paar Beispiele, ein paar Bücher aufgezählt und so ein bisschen klassifiziert, was da so alles gibt und dann irgendwann gedacht, Mensch, ich habe jetzt so viel zum Ende der Zeit geschrieben, es gibt doch bestimmt noch irgendeinen Science-Fiction-Roman, der so um die Zeit des Urknalls spielt und da irgendwelche spannenden Sachen passiert. Da habe ich gedacht, ich frage mal ChatGPT, was gibt es denn da? Und ich habe wirklich die Antwort bekommen, ja, es gibt ein Roman von Greg Beer, Der Gott der Null. Und auch Inhaltsangabe und so. Und ich habe gedacht, geil, dieses Buch muss ich lesen. Das Problem ist, dieses Buch gibt es nicht. Aber die Inhaltsangabe war super cool. Und auch schon der Titel, Der Gott der Null. Ich fand es wahnsinnig großartig. Und es hat auch gepasst zu Greg Beer irgendwie. Und ich habe dann nochmal nachgefragt. Ach nee, nee, eigentlich gibt es das Buch nicht. Und du kriegst eine stimmige Antwort basierend auf den Daten. Wenn die Daten ins Leere laufen, dann wird halt irgendwas zusammengebastelt.
Vera
00:31:55
Das heißt aber im Klartext, wenn ich jetzt so eine Frage stelle, also hätte ich im Nachgang jetzt nochmal googeln müssen, ob die Haltbarkeit von Rosenkohl wirklich vier Tage ist.
Christoph
00:32:04
Genau, oder du sagst halt bei ChatGPT, gib mir eine Quelle mit an, wo ich das nachlesen kann. Das ist natürlich klar. Ich meine, das ist ja generell eine gute Sache, irgendwie Fakten checken bei irgendwas, was man liest im Internet. Wenn alle Menschen so kritisch mit dem Internet umgehen würden, wie sie es am 1. April machen, wären wir schon deutlich weiter.
Vera
00:32:29
Obwohl auf mein April-Schachze fallen immer ein paar rein.
Christoph
00:32:32
Ja, das ist der Punkt.
Tamara
00:32:37
Aber um jetzt noch mal zu Asimov zurückzukommen, also ich denke, die meisten verbinden mit seinem Namen ja die Robotergesetze.
Christoph
00:32:44
Mhm.
Tamara
00:32:45
Die verhindern sollen, dass sich eben die Roboter oder die KI gegen uns Menschen wenden. Wenn ich jetzt so ein bisschen schaue in der Literatur oder eben auch in der Filmlandschaft, gibt es ja verschiedene Szenarien. Also einmal eben die KI rettet uns alle, um nochmal Pantopia von der Teresa anzusprechen. Dann natürlich die ganzen Dystopien. Die KI übernimmt die Macht und zerstört uns Menschen. Und jetzt habe ich auch schon ein paar Mal Ansätze gesehen, wo im Prinzip der Mensch letzten Endes der Böse ist, weil die KI ein Bewusstsein entwickelt und dann aber schlecht behandelt wird. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen Klamauk-Science-Fiction, aber da gibt es zum Beispiel eine schöne Folge von The Orville, was ich sehr gerne geguckt habe immer. Gibt es noch andere Szenarien und welche hältst du für am realistischsten?
Christoph
00:33:41
Das ist eine sehr, sehr spannende Frage. Also ich hatte ja, weil ich eben gesagt habe, ich habe schon mal einen Vortrag in der alten Geschichte gehalten, da ging es halt um das Thema Cäsarenwahn. Und da hatte ich auch genau das Thema gehabt, warum werden eigentlich Roboter in Science-Fiction-Filmen oftmals so dargestellt, dass sie die Weltherrschaft übernehmen wollen. Das ist ja, wenn du jetzt überlegst, Kolosses zum Beispiel. Oder ja, es gibt ja eine ganze Menge böse Roboter dann. der Tag an dem die Erde stillstand mit diesem Klaatu-Barada-Nektu und so, dass, Das sind ja schon sehr, sehr üble Visionen oder sehr, sehr seltsame Vorstellungen von Robotern. Und das kommt ja aus dem ganzen Pulp-Roman aus den 20er, 30er Jahren. Und da ist ja Asimov aus meiner Sicht auch sehr, sehr wichtig, weil der ja genau gesagt hat, nee, das ist doch Quatsch. Wir haben so gute Ingenieure und die machen alles super sicher und die werden garantiert nicht jetzt irgendwie so eine Riesenmaschine bauen, die dann hier nur Mist macht. Das ist kein realistisches Szenario und kam dann ja Ende der 30er, Anfang 40er mit diesen Robotergesetzen. Und hat dadurch das Bild des Botters auch geprägt oder verändert vom. Ja hier, wie hieß er noch bei Goethe, der Zauberlehrling, bis hin zu, das ist ein Assistent des Menschen. Und deshalb haben wir jetzt heute auch eher so Roboter wie Wally oder sowas, der jetzt nicht ganz so bedrohlich ist. Und ich glaube, das ist tatsächlich das Verdienst von Asimov, dass er dieses Bild des Roboters so ein bisschen gewandelt hat. Und ich glaube tatsächlich auch eher, dass der Bösewicht der Mensch ist und nicht die Maschine.
Vera
00:35:34
Und wenn hat der Mensch die Maschine ja gebaut. Wobei Asimov Elon Musk noch nicht kannte. Womöglich ändert das.
Tamara
00:35:41
Oh Gott, hör auf.
Vera
00:35:47
Ja. Ja, ich meine, du bist jetzt in der Materie drin, du verfolgst die Entwicklungen. Sind wir denn jetzt eher am Beginn einer Dystopie oder blickst du trotzdem optimistisch in die Zukunft rund um KI und andere Technologien?
Christoph
00:36:08
Ich glaube, KI ist momentan nicht unser Hauptproblem, ehrlich gesagt. Ich glaube, die politischen Entwicklungen sind ein Problem. Der Klimawandel ist ein Problem. Und vor allen Dingen haben wir ein sehr, sehr großes Bildungsproblem. Sonst hätten wir diesen politischen Wandel nämlich auch nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es keinen so dermaßen irrationalen Rechtsruck gäbe, wenn alle Leute irgendwie ein bisschen Medienkompetenz in der Schule mitbekommen hätten und auch vielleicht mal in der Lage wären, aufgrund ihrer Schulbildung so ein paar Sachen besser einzuordnen. Ich meine schon allein die Tatsache, dass wir jetzt 2024 noch einen Haufen Leute haben, die ernsthaft darüber diskutieren, ob die Erde eine Scheibe ist, sagt mir schon, dass da ein bisschen was schiefgelaufen ist. Ich könnte mir vorstellen, dass KI da jetzt eher einen positiven Aspekt hat, dass wir es vielleicht nochmal schaffen, irgendwie darüber ein bisschen individuellere Informationen, Fakten checken oder sowas für Menschen bereitzustellen. Das malt nicht mehr alles aus der Bild oder was weiß ich wo glaubt.
Tamara
00:37:27
Aber wie ist das denn? Also die KI ist ja, habe ich zumindest so verstanden oder verstehe ich so, per se erstmal neutral. Und ich glaube tatsächlich, dass ein großes Problem für diesen ganzen Populismus ja auch ist, die Technologie mit den ganzen Algorithmen. Also wenn ich Social Media so trainiere, dass der merkt, okay, wenn da was Rechtspopulistisches gepostet wird, da setzt dir mal einen dicken Daumen hoch drunter und findet das toll, dann zeige ich ihr mehr davon, sodass man irgendwann in seiner Bubble ist und wirklich glaubt, aha, das ist die gängige Meinung. Und wenn die KI ja auch das reproduziert, was gezeigt oder was geschrieben wird, dann würde ich jetzt glauben, dass ja eben auch solcher Scheiß reproduziert wird durch die KI. Also ist da nicht auch eine Gefahr dabei durch diese Neutralität?
Christoph
00:38:19
Die Frage ist, ist das Neutralität? Also ich meine, du, replizierst und verstärkst das, was du in deinen Trainingsdaten hast und wenn du jetzt, keine Ahnung, einen Geschäftsmann in meinem Alter in den arabischen Emiraten fragt, was ist die Rolle der Frau in der Gesellschaft, kriegt er eine Antwort, mit der ist entweder er unzufrieden oder ich, aber es wird keine Antwort kommen, mit der wir beide zufrieden sind. Und es kommt halt darauf an, also was legst du zugrunde? Was ist dein, was ist deine Daten Was ist dein gesellschaftlicher Konsens? Und da musst du halt relativ schnell feststellen, wir haben eigentlich keinen gesellschaftlichen Konsens, also international schon mal gar nicht und auch lokal begrenzt halt auch nicht. Und das ist halt ein Riesenproblem. Und ja, natürlich kriegst du dann so Bubbles. Ich hatte irgendwann mal auf Twitter, als es noch Twitter war, vor drei, vier Jahren mal eine Umfrage gesehen, wo es um das Wahlverhalten ging. Da hat irgendjemand gefragt, das würdet ihr am Sonntag wählen und dann kam dann halt irgendwie 95% Grün raus. Da habe ich gedacht, okay, das ist jetzt wahrscheinlich schon so ein bisschen meinungsmäßig homogene Blase, die nicht unbedingt die gesamte Gesellschaft widerspiegelt. Ja, das ist natürlich auch eine Gefahr.
Vera
00:39:36
Ja, aber wenn du sagst, vielleicht kann KI Teil der Lösung sein, was müsste denn passieren, damit das ist?
Christoph
00:39:43
Naja, ich meine, wenn wir davon ausgehen, dass jeder irgendwann seinen persönlichen Assistenten hat, dann vielleicht auch irgendwie, wenn wir jetzt mal diese Brillen da mal noch mit berücksichtigt mit Augmented Reality und so. Ich fände es total schön, wenn man jetzt sowas bauen würde, dass du beim, keine Ahnung, Fernseh gucken, Zeitung lesen, da irgendwie mal gleich mal so rot eingeblendet bekommst. Achtung, das hier ist kompletter Bullshit. Hält dem Faktencheck nicht stand. Das wäre ja schon mal ein Anfang. Das wäre ein Schritt. Dann ist natürlich auch die Frage, natürlich, wer macht das? Wer entscheidet das? Es ist echt super schwierig, eine neutrale Instanz zu finden. Selbst Wikipedia ist jetzt groß in der Kritik, dass das nicht mehr neutral ist. Ist es wirklich sehr, sehr schwer.
Tamara
00:40:36
Aber da würde ich jetzt über das Thema Bubble gern nochmal den Bogen zur Literatur schlagen, weil du ja eben auch gesagt hast, Asimov hat dann doch ein eher positiveres Bild initiiert oder geprägt, der Roboter. Wenn ich mir jetzt aber jemanden vorstelle, der vielleicht doch eher die Terminator-Filme hoch und runter geschaut hat, dann geht mir ja schon mal mit einem ganz anderen Bauch Gefühl an das Thema ran. Würdest du sagen, wenn ich mich jetzt morgen entscheide, künftig schreibe ich Sci-Fi, sei es jetzt Hard Science Fiction oder Soft Science Fiction, auf jeden Fall habe ich eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung, aber wo würdest du die sehen jetzt in Richtung technische Genauigkeit, in Richtung Ethik? Was würdest du mir mitgeben, wenn ich sage, ich schreibe jetzt Science Fiction?
Christoph
00:41:29
Okay, also ich glaube, technische Genauigkeit ist gar nicht so wichtig, wie man das vielleicht denkt. Also wenn man sich jetzt mal anguckt, Ray Bradbury zum Beispiel hat großartige Sachen geschrieben, dem war Technik immer komplett egal. Ja, der hat das nicht interessiert. Und selbst bei Star Trek wird ja auch mal so augenzwinkert, dann mal der Heisenberg-Kompensator ausgepackt, wo man weiß, okay, da hat irgendein Drehbuchautor jetzt gerade Spaß gehabt, sich irgendwas Absurdes auszudenken. Ist okay. Also Science-Fiction ist ja eigentlich aus meiner Sicht. Eine Literaturgattung, die uns einen Spiegel vorhält und uns klar macht, die Entscheidungen, die du heute triffst, entscheiden drüber, wie deine Zukunft aussieht. Also im Prinzip ist die Kernaussage der Science-Fiction aus meiner Sicht, die Gesellschaft, also du als Individuum oder noch besser als die Gesellschaft, muss sich heute entscheiden, wollen wir in 300 Jahren Dune oder wollen wir Star Trek haben. Und es ist einfach ja nur ein Aufzeigen von Konsequenzen aus dem eigenen Handeln. Und es ist natürlich auch immer so ein bisschen absurd, dass man sagt, okay, bei Zeitreisegeschichten, oje, oje, wenn ich da einen Tag in die Vergangenheit reise, da kann ich ja ganz, ganz viel Impact haben, was die komplette Menschheitsgeschichte verändert. Und ich mir denke, ja, das heißt aber auch, dass ich heute in meinem ganz normalen Handeln sehr, sehr viel Impact habe, was die Zukunft der Menschheit angeht in gewisser Weise. Wobei es natürlich, die Analogie stimmt natürlich nicht ganz, weil in der Vergangenheit musst du halt darauf achten, dass du auch irrelevante Kleinigkeiten jetzt nicht veränderst, weil sich das halt hochschaukelt. Und was du heute machst, ist halt nicht ganz so dramatisch, weil die Zukunft noch nicht geschrieben ist. Aber man sollte halt nicht unterschätzen, was für einen Impact man haben kann. Und von daher glaube ich halt schon, dass die gesellschaftliche Verantwortung von Autoren extrem hoch ist, um zu sagen, okay, das könntet ihr haben, das könnt ihr nicht haben, wenn ihr so weiterlebt wie bisher.
Vera
00:43:43
Kannst du denn unbefangen Science Fiction lesen oder gibt es da auch schon mal Werke, wo du sagst, nach 50 Seiten, sorry, geht nicht?
Christoph
00:43:55
Ja, ich kann das eigentlich relativ unbefreundlich lesen, da habe ich jetzt kein Problem damit. Also ich habe früher ab und zu so bei Fernsehserien oder bei Filmen so das Problem gehabt, wenn da so technisch kompletter Bullshit kam, das war bei 24, das war vor 20 Jahren so ganz, ganz beliebter mit Kiefer Sutherland, da kam also technisch so ein Schwachsinn bei Rom teilweise. Also das hat dann schon immer so ein bisschen wehgetan, aber das hat halt hinten und vorne nicht gestimmt. Aber ich glaube, das ist halt in jeder Branche so, wenn du jetzt irgendwie Arzt bist und in der Arztziele anguckst, denkst du wahrscheinlich auch in der Halbzeit, oh Gott, was ist das denn? Es gibt auch Positivbeispiele, Mr. Robot zum Beispiel hat das exzellent gemacht, dass da wirklich alles technisch valide war, was da drin vorkam. Also ich kann das schon unbefangen lesen. Wo ich manchmal so ein bisschen Probleme damit habe, ist Trennen von Werk und Autor. Also ich bin froh, dass ich Orson Scott gerade gelesen habe, bevor ich wusste, was das für ein Depp ist.
Vera
00:44:54
Okay.
Christoph
00:44:56
Das ist ja so ein typischer Republikaner, Waffener irgendwas, schreibt großartige Bücher, aber ich glaube, ich könnte es heute nicht mehr genießen, diese Hintergrundinformationen.
Vera
00:45:08
Ja, ich kenne das. Ich arbeite ja in der IT und wenn dann in irgendwelchen Fernsehserien, wieder in Sekunden irgendein Passwort geknackt wird und so.
Christoph
00:45:17
Ja, ja. Oder so ein Bild mit drei Pixeln, das dann nochmal scharf gestellt wird und dann sieht man das immer ein Schild dann doch noch aus fünf Kilometer entfernen. Ja, ja.
Vera
00:45:30
Genau solche Sachen. Ja, also dann finde ich es ja gut, dass du da was relaxter bist. Jetzt muss ich dir natürlich auch, bei Syphie muss ich immer die wesentliche Frage stellen, wobei ich bilde mir ein, die Antwort zu kennen, aber vielleicht täusche ich mir auch. Was ist denn eher, Star Trek oder Star Wars?
Christoph
00:45:50
Ich wusste schon, wenn die Frage kommt, das finde ich jetzt wiederum sehr, sehr witzig. Also aus meiner Sicht ganz, ganz klar, Star Trek, was für mich so ein Prototyp ist von, hey, wenn du als Gesellschaft dies und jene Entscheidungen triffst, kannst du die in die Zukunft haben und das ist total toll und Inklusion ist wichtig und was weiß ich alles. Und Star Wars, ich tue den Film jetzt vielleicht ein bisschen Unrecht, aber das ist für mich immer noch so, dass die eine Seite, die hat rote Schwerter und dass die andere Seite, die hat blaue Schwerter und die hauen sich jetzt und das eine sind die Guten, das andere sind die Bösen. Dann kommen zu Sachen, die technisch halt überhaupt irgendwie nicht mehr nachvollziehbar sind. Also ich kann mit Fantasy auch relativ wenig anfangen, muss ich sagen. Also ich brauche immer zumindest den Versuch, irgendwas technisch halbwegs realistisch dargestellt zu haben.
Vera
00:46:43
Ja, kann ich gut davon ziehen, geht mir eh nicht. Wobei, muss man ja sagen, bei Star Trek Discovery, so irgendwie im dritten Jahrtausend, da haben sie doch den Boden des irgendwie Möglichen doch sehr verlassen. Ich frage mich immer, warum braucht man holographisch Displays, die kein Mensch versteht?
Christoph
00:47:04
Ja gut, okay. Also Discovery war ja sowieso so ein Spezialfall. Die sind ja so auch sehr, sehr gehatet worden. Aber ich fand die Serie eigentlich ganz spannend, weil das ist ja so dieses Okay. Und wenn wir uns eine richtig, richtig gute Zukunft erarbeitet haben, in unserer schönen Utopie drin leben, was passiert, wenn doch wieder was schief geht? Also du kannst dich nicht darauf ausruhen, du musst halt immer nochmal um deine Freiheit und um deine positive Vision, positive Gesellschaft kämpfen. Und das ist eigentlich was, was bisher bei Star Trek gefehlt hat und dadurch ist es absolut großartig, dass es das jetzt gibt, auch wenn es nicht meine Lieblingsserie wird.
Vera
00:47:41
Nee, auch nicht. Aber da kriegen wir ja den Bogen zur Jetzt-Zeit. Ich glaube, auch wir müssen sehr um unsere positive Zukunft kämpfen. Und ich sage mal so, wenn du sagst, dass vielleicht auch die KI uns da ein bisschen behelfen kann, finde ich das doch einen ganz versöhnlichen Gedanken. Also darf ich dich dann abschließend fragen, schaust du dann doch optimistisch in die Zukunft?
Christoph
00:48:12
Und technisch auf jeden Fall, gesellschaftlich, sag ich mal, hoffend.
Vera
00:48:17
Ja, das ist doch schon mal was.
Tamara
00:48:19
Aber über das Thema Star Trek würde ich jetzt tatsächlich noch mal kurz in die ganz nahe Zukunft kommen, weil darüber sind wir auch überhaupt erst in den Gedanken gekommen, dich einzuladen. Du bist ja, so, jetzt wird es zukunftstechnisch interessant. Also wenn der Podcast erschienen ist, dann warst du gestern Teil der 500. Star Trek-Vorlesung. Ich hatte gesehen, es gab, ich weiß das Datum nicht mehr, am so und sovielten neulich gab es ab 17.01 Uhr Tickets, um dabei zu sein. Ich habe mich da grundsätzlich für interessiert, aber um 17.12 Uhr waren schon keine Tickets mehr da. Das Ganze wird aber über Twitch gestreamt. Das heißt, können wir in der ab Freitag-Jetzt-Zeit diesen Stream noch nachträglich schauen?
Christoph
00:49:05
Ich glaube, nachträglich kann man den nicht mehr schauen. Der Hubert Zitt ist da immer sehr, sehr drauf.
Tamara
00:49:10
Schade.
Christoph
00:49:12
Ja, der ist immer sehr bedacht drauf, dass die Star Trek-Vorlesung nicht aufgezeichnet wird und später irgendwo im Netz landet. Also genau, du kannst es auf Twitch live schauen, was jetzt natürlich am Freitag eine Information ist, die nicht mehr ganz so relevant ist, wenn die Vorlesung Donnerstag ist. Also es ist die 500. Star Trek Vorlesung. Es ist die insgesamt 28. Weihnachtsvorlesung, Star Trek Weihnachtsvorlesung in Zweibrücken. Und es ist auch gleichzeitig die letzte Star Trek Weihnachtsvorlesung, weil der Hubert Zitt da jetzt mit aufhören möchte nach 28 Jahren, was ihm gegönnt sei. Trotzdem ist es schade, es gibt ein großes Rahmenprogramm, also irgendwie eine Blaskapelle, die da erstmal eine halbe Stunde mit 70 Leuten da Star Trek Musik spielt. Es kommen einige Politiker, es kommt auch der Botschafter des Planeten Vulkan und es gibt natürlich gemäß dem Motto der Vorlesung Live Long and Prosper ein paar Vorlesungen und da gibt es drei große Themenbereiche. Das eine ist die klingonische Sprache. Da haben wir den Professor Markus Groß von der Uni Zweibrücken. Wir haben natürlich Lievenditar hier aus Saarbrücken, der laut Mark Ockrent der beste Klingonisch-Sprecher der Welt ist. Bis vor ein paar Wochen auch nicht. Und ja, Mark Ockrent, der Erfinder der klingonischen Sprache, ist auch aus Washington hier. Die drei werden was zusammen über Klingonisch erzählen. Ich weiß nicht genau was. Ich werde einen Vortrag halten, den ich schon auf der FatCon dieses Jahr gehalten habe. Und zwar über den Einfluss von Isaac Asimov auf Star Trek. Und dann kommt quasi als Schlusswort der Hubert Zitt nochmal und hält einen Vortrag darüber, ob wir die Zukunft vorhersagen können.
Tamara
00:51:14
Okay, und da wir das jetzt alle, weil wir in der Zukunft, egal, also da wir das jetzt schon verpasst haben sozusagen, magst du noch abschließend ein paar Sätze dazu sagen, wie denn Isaac Asimov Star Trek und auch andere literarische, filmische Werke beeinflusst hat?
Christoph
00:51:35
Also Star Trek, nee umgekehrt. Also Asimov hat ja ein sehr, sehr progressives Menschenbild gehabt, eine sehr, sehr positive Zukunftsvision. Teilweise, muss ich sagen, schon etwas naiv. So was wie, oh, wenn wir irgendwann mal ein weltweites Netz haben, dann können wir ja irgendwie jederzeit Kurzgeschichten daraus abrufen. Wo ich mir denke, ja, wenn du wüsstest, wofür das Internet heute verwendet wird, dann wird er auch schlecht werden.
Tamara
00:52:01
Kassenbilder.
Christoph
00:52:04
Ja, das war noch die nette Variante. Aber er hat sich sehr, sehr früh für Themen eingesetzt, die nicht ganz so populär waren damals. Also Klimaschutz, Überbevölkerung, Feminismus. Er war nicht immer ein netter Mensch, habe ich gelernt nach meinem letzten Vortrag. Also es gibt gegen ihn auch so ein paar Vorwürfe, dass er nicht immer ganz so der Gentleman war Ende der 60er Jahre, muss aber positiv sagen, er hat irgendwann noch die Kurve gekriegt und war sehr, sehr aktiv im Bereich feministische Themen und insgesamt hat er so ein Weltbild gehabt, das, ich sag mal, sehr, sehr humanistisch geprägt, sehr, sehr wissenschaftlich geprägt ist und es gibt da eine signifikante Überschneidung zwischen dem Weltbild, von Asimov und dem Weltbild von Star Trek oder der Zukunftsvision. Und es gibt auch Anknüpfungspunkte. Also Lieutenant Commander Data zum Beispiel ist eins zu eins der Roboter Arda Neil Oliver von Isaac Asimov. Wenn man die Beschreibung in den Büchern liest, das ist ganz eindeutig, dass Data dem genau nachgebaut ist, bis hin zu Begriffen wie positronisches Gehirn, was ja auch so ein fiktiver Begriff ist, der eigentlich keine wirkliche wissenschaftliche, also hat schon eine Bedeutung, aber es ist kein valides Konzept aus meiner Sicht. Und dann ist es natürlich auch so, dass Isaac Asimov als Berater bei Star Trek, bei dem Kinofilm tätig war und da auch so ein bisschen seinen Stempel aufgesetzt hat. Und es gibt ganz, ganz viele Anknüpfungspunkte, über die ich dann am Donnerstag gesprochen haben werde.
Vera
00:53:55
Wir sind ja sowas von zukunftsmäßig unterwegs hier.
Tamara
00:53:59
Können denn alle Science-Fiction-AutorInnen da draußen irgendwo was nachlesen von dir dazu oder hast du sonst einen Literaturtipp, um sozusagen noch besser schreiben zu lernen, was Sci-Fi angeht?
Christoph
00:54:14
Boah, wenn ich den hätte, dann würde ich selbst erst mal besser schreiben lernen. Also ich habe so ein paar Paper geschrieben zu Science-Fiction, Darstellung von Computer in Science-Fiction. Wir sahen waren in Science-Fiction, wie Kosmologie in Science-Fiction dargestellt wird, wie interstellare Reisen in Science-Fiction dargestellt werden. Also es ist sehr, sehr viel in dem Bereich, aber ich würde Also es gibt viele gute Autoren, die dazu was geschrieben haben, aber ich gehöre da jetzt nicht dazu.
Vera
00:54:50
Ja, lieber Christoph, ich finde es ja sehr spannend und ich schaue jetzt nochmal mit anderen Augen so auf Star Trek und die Geschichten, die da noch so kommen. Und ja, wir entlassen dich aber nicht, ohne dass du dich nicht den kritischen Buchbubble-Fragen von Tamara noch gestellt hast.
Tamara
00:55:12
Jawohl. Und das war jetzt ja alles so ein bisschen faktenbasiert. Jetzt wird es emotional. Welches Buch hat dich denn zuletzt Tränen lachen oder weinen lassen?
Christoph
00:55:24
Über die Frage habe ich tatsächlich sehr, sehr lange nachdenken müssen. Ich weiß es nicht. Ich glaube, also Lachen, so wirklich laut Lachen bei Büchern passiert mir ganz, ganz selten. Und ich glaube, da fällt mir auch insgesamt nur ein Buch ein, wo ich wirklich in der Öffentlichkeit, im Zug, beim Lesen laut losgelacht habe. Das waren die Sterntagebücher von Stanislav Lennon. Also das ist aber auch schon 20 Jahre her oder so. Also weinen war wahrscheinlich irgendwas von Andreas Eschbach. Der kann das ja auch sehr, sehr gut. Es ist sehr, sehr dramatisch zu werden. Ist bei mir aber tatsächlich auch eher was, was bei Serien passiert. Also Star Trek, Strange New Worlds, so ziemlich bei jeder Folge ist da irgendwo ein Tränchen geflossen. Das war alles zu emotional. Aber bei Büchern jetzt eigentlich weniger.
Tamara
00:56:14
Okay. Dann, du bist ja durchaus auch in der Buchbranche unterwegs. Hast du jetzt kürzlich auch eine Kurzgeschichte veröffentlicht? Ist das richtig? Kurz noch nebenbei?
Christoph
00:56:25
Ja, es ist, also aus heutiger Sicht ist es morgen. Er schreibt bei The Dandy is Dead, dem kleinen Verlag aus Saarbrücken, die zehnte Ausgabe der Basement Tales. Und da ist meine Liebeserklärung an die Mathematik drin. Tatsächlich ist es eine Zeitreisegeschichte, wo dann ein Mathematiker in der Gegenwart auftaucht und spannende Sachen machen soll. Und fand ich eine ganz nette Erfahrung. Und jetzt habe ich vergessen, wie die Frage war.
Tamara
00:56:54
Das war noch gar keine Frage. Das war nur ein Klammer auf, um die Frage einzuleiten. Also das packen wir natürlich gerne auch in die Shownotes, wo man das nachlesen kann. Aber Klammer zu, welche Begegnung in der Buchbubble war für dich denn ganz besonders inspirierend?
Christoph
00:57:09
Also ich muss ja sagen, ich kenne, das finde ich sehr schön, das sage ich immer wieder gern, ich kenne alle meine fünf Lieblingsautoren, lebenden Lieblingsautoren persönlich. Und das waren alles sehr, sehr spannende Begegnungen, aber alles, jeder hat auf seine andere Art und Weise. Theresa Hannig ist natürlich jemand, den ich sehr gerne kenne, weil sie halt einfach sehr, sehr inspirierend ist mit den Sachen, die sie macht. Sehr bewundernswert in ihrem Aktivismus auch. Und ich glaube, was mich am nachhaltigsten beeindruckt hat, ist aber tatsächlich Raffaella Edelbauer. Mit der war ich Anfang des Jahres mal essen. Und das ist so jemand, weiß ich nicht. Also ich finde es schwer, diese Frau zu beschreiben, weil die... Das ist, keine Ahnung, das ist für mich eher so eine religiöse Erfahrung, die zu treffen als irgendwas Rationales, weil die halt so weit aus dieser Welt weg ist, gefühlt entrückt ist, dass es einfach spannend ist. Also das war sowas, was mich extremst beeindruckt hat. Also so viel Klugheit und Bildung auf einem und Talent in einem Menschen vereint ist einfach übernatürlich.
Vera
00:58:26
Gott, da müssen wir uns unbedingt mal einladen.
Tamara
00:58:30
Und die letzte Buch-Bubble-Frage. Welches Klischee möchtest du denn nie wieder in einem Buch lesen?
Christoph
00:58:37
Ja, da habe ich mir jetzt auch so ein paar Gedanken drüber gemacht. Das ist natürlich ein bisschen schwierig. Ich glaube, so Klischees fallen einem gar nicht so negativ auf, wenn man sie liest, aber sie fallen positiv auf, wenn sie nicht da sind. Ich fand zum Beispiel sehr, sehr schön, die Serie Heliosphere von, jetzt fällt mir der Name von dem Autor nicht mehr ein, können ja irgendwo in die Shownotes schreiben, wo es halt in über 50 Romanen, ja Science-Fiction-Romane, diese große Saga, groß angelegte Saga und es ist alles so, Ganz natürlich, dass da Frauen in Führungspositionen sind, sowohl in positiven als auch im negativen Sinn, dass das teilweise so queere Beziehungen und sowas sind. Es ist einfach sehr, sehr progressiv geschrieben. Und ich hatte ernsthaft nie das Problem gehabt, dass ich beim Lesen von einem Buch gedacht habe, oh, da kommen mir jetzt aber zu viele Männer vor. Aber ich finde es extrem erfrischend, wenn ich dann mal sehe, okay, es kann auch anders sein. Und das ist irgendwie sehr, sehr schön. Und das würde ich mir tatsächlich wünschen, dass wir mehr Diversität haben.
Vera
00:59:53
Ja, sehr schön. Lieber Christoph, vielen, vielen Dank für diese Einblicke und deine Sichtweisen auf Science-Fiction, KI und all diese Themen. Ja, wir versuchen einfach mal weiter hoffnungsvoll und optimistisch in die Zukunft zu sehen. Finde ich sowieso immer besser als pessimistisch nach vorne zu gucken. Ja, und jetzt bleibt uns, liebe Tamara, ja eigentlich nur noch die Kurve zu kriegen und unseren Hörern und Hörern da draußen ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen.
Tamara
01:00:25
Genau, schönes Weihnachtsfest, guten Rutsch ins neue Jahr. Wir sind jetzt zwei Wochen nicht da und dann hört er uns am 10. Januar wieder. Das ist der abschließende Blick in die Zukunft. Und ja, ich freue mich schon auf unser sechstes Podcast. Ja, ist das richtig?
Vera
01:00:41
Genau, ja, genau. Wir haben ja noch dann unsere 250. Folge und ja, wir gehen ein bisschen in uns. Lasst es euch gut gehen im Kreis eurer Lieben und esst nicht zu viel Schokolade und dann freuen wir uns auf euch, wenn wir uns im Januar wieder hören und womöglich auch sehen. Nochmal danke, lieber Christoph, dass du dir Zeit heute genommen hast und würde sagen, bis dahin, bleibt uns gewogen.
Tamara
01:01:09
Bis nächstes Jahr.
Christoph
01:01:10
Ciao.