Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

DZVDT #244 - Erfolgreich mit Freude schreiben: Autor Andreas Hagemann über Resilienz und Motivation

Wie es möglich ist, auch dann die Lust und Freude am Schreiben zu behalten und mit einem Lächeln durch Autor:innenleben zu gehen, wenn persönliche Sorgen und das Weltgeschehen einen runterziehen wollen, verrät uns in dieser Folge Andreas Hagemann.

09.01.2025 63 min

Zusammenfassung & Show Notes

Voller Tatendrang ins neue Schreibjahr starten? Nicht immer sind die Umstände so, dass einem wirklich nach motiviertem Planen zumute ist. Wie es möglich ist, auch dann die Lust und Freude am Schreiben zu behalten und mit einem Lächeln durch Autor:innenleben zu gehen, wenn persönliche Sorgen und das Weltgeschehen einen runterziehen wollen, verrät uns in dieser Folge Andreas Hagemann.

Der Fantasy-Autor genießt das Schreiben trotz Rückschlägen auch noch nach 10 Veröffentlichungen. Auf Messen schafft er es mit seinem sonnigen Gemüt immer wieder, neue Leser*innen für sich gewinnen. Sein Motto: Aufgeben ist keine Option!

Kann Andreas Vera und Tamara mitreißen? Und wie sieht es bei dir aus? 

Voller Tatendrang ins neue Schreibjahr starten? Nicht immer sind die Umstände so, dass einem wirklich nach motiviertem Planen zumute ist. Wie es möglich ist, auch dann die Lust und Freude am Schreiben zu behalten und mit einem Lächeln durch Autor:innenleben zu gehen, wenn persönliche Sorgen und das Weltgeschehen einen runterziehen wollen, verrät uns in dieser Folge Andreas Hagemann.

Der Fantasy-Autor genießt das Schreiben trotz Rückschlägen auch noch nach 10 Veröffentlichungen. Auf Messen schafft er es mit seinem sonnigen Gemüt immer wieder, neue Leser*innen für sich gewinnen. Sein Motto: Aufgeben ist keine Option!

Kann Andreas Vera und Tamara mitreißen? Und wie sieht es bei dir aus?

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Transkript

Tamara
00:00:01
Willkommen zu einem neuen Jahr bei der Talkstelle. Hier ist Folge 244. Und wie es sein soll zum Beginn eines Jahres sprechen wir natürlich über das Planen des AutorInnenlebens. Und dafür haben wir heute Andreas Hagemann bei uns. Er verrät uns, wie man motiviert ins Schreibjahr startet, auch wenn vielleicht die Umstände gerade gar nicht so motivierend sind. Für heute. Vielen Dank. Oh, das kommt mir vor, hallo erstmal, das kommt mir vor, als wäre seit unserer letzten Folge irgendwie, weiß ich nicht, zwei Monate vergangen. Dabei waren es ja nur drei Wochen, glaube ich. Ja, nee, war eine ganz gute Auszeit. Ich bin ein bisschen zur Ruhe gekommen, habe auch ein bisschen was gearbeitet oder vorbereitet, aber auch ganz viel nichts getan oder gelesen und so. Und ja, bin so ein bisschen mit gemischten Gefühlen ins neue Jahr, aber dann aber sehr schön angefangen hat es für mich zumindest, dass ich angefragt wurde, relativ kurzfristig, beim Neujahrsempfang einer Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt zu singen. Und das war jetzt gestern, vorgestern war der erste Tag, wo ich wieder ins Büro gekommen bin und ansonsten habe ich tatsächlich die meiste Zeit, seit ich wieder im Büro bin, noch damit verbracht, hier auszumisten und aufzuräumen und Ballast abzuwerfen. Das fühlt sich gerade sehr gut an, um dann ein bisschen, ja, ich habe immer das Gefühl, wenn so viel Zeug rumliegt, irgendwelche Stapel und so, das blockiert mein Gehirn. Ja, aber es ist ja trotzdem ein Büro. Ne, aber wenn ich sage, ich mache jetzt Urlaub, dann betrete ich diesen Raum auch nach Möglichkeit nicht. Ja, deswegen habe ich es auch nicht für im Urlaub geplant, sondern für die ersten Tage des Wiederarbeitens, weil dann wusste ich, ich muss jetzt wieder arbeiten und jetzt mache ich das halt. Man findet da auch ganz spannende Dinge. Ich habe, also ich hatte, du siehst ja immer nur diesen Ausschnitt hier und der sieht ja immer soweit ganz okay aus. Aber würde ich die Kamera schwenken, hättest du bis vor kurzem da drüben einen Wust an Kartons gesehen. Die bin ich jetzt alle mal durchgegangen und in einem Karton habe ich halt einfach mal irgendwie 30 Bücher von mir gefunden, von denen ich noch nicht mehr wusste, dass ich sie in Bestand habe. Ja, die sind jetzt wieder einsortiert und können in gute LeserInnenhände gegeben werden. Hmm. Ja Mann, ey. Nur weil ich hier seit Wochen Geheimniskrämertum pflege, musst du jetzt nicht auch noch anfangen. Oh, aber ich glaube, eins hatte ich noch gar nicht hier im Podcast erzählt, sondern nur auf meinem Instagram, was ich schon mal erzählen kann, nämlich, dass ich dieses Jahr bei der Leipziger AutorInnenrunde zwei Tischrunden leiten darf. Da freue ich mich sehr drauf. Das ist am Messe-Samstag. Und genau, das eine Thema ist das Manuskript ideal aufs Lektorat vorbereiten und das andere ist mein Thema sich in Figuren hineinversetzen mit Schauspielerei und ich freue mich auf beide Tischrunden sehr. Und ja, ich war tatsächlich selbst noch gar nicht auf der AutorInnen-Runde vor Ort und jetzt darf ich gleich aktiv werden, habe mir auch dann den ganzen Samstag dafür geblockt, um mir dann noch andere Themen anzuhören. Und ja, genau, das konnte ich letztes Mal hier noch nicht erzählen und jetzt ist es offiziell. Naja, aber ich meine, so gesehen, da sind ja auch richtig tolle Leute und das ist ja irgendwo dann auch Messe, nur eben keine Stände, sondern Tische, Also wer vorbeikommen möchte, Tickets sichern. Mega. Ja, ich weiß. Das ist beeindruckend. Liebe Grüße an der Stelle. Ja, genau. Die Vera hat sich nämlich gewünscht, dass wir über das Planen sprechen, darüber sprechen, wie man sein Schreibjahr plant. Und ich hatte nicht so wahnsinnig viel Lust auf so, alles ist toll und wir schaffen alles und Chaka und Motivation und überhaupt, weil ich eigentlich gar nicht wirklich in der Stimmung bin. So für mich persönlich, wenn ich an meine Projekte denke, die anstehen, freue ich mich zwar total aufs neue Jahr, aber ich sage mal so, das Weltgeschehen und was uns da mit Wahlen und sonstigem noch ansteht. Jetzt heute kam gerade wieder, dass Meta wahrscheinlich künftig keine Faktenchecks mehr macht und weiß der Kuckuck. Also all diese Dinge, die ziehen mich so gewaltig runter, dass ich zeitweise mehr Angst vor dem neuen Jahr habe, als überhaupt Motivation, irgendwas zu planen. Und in dieser Stimmung habe ich einen Instagram-Post gesehen von unserem heutigen Gast, wo er eben auch schreibt, dass er ein Jahr hinter sich hat, was nicht gerade toll ist. Und über das er jetzt auch nicht unbedingt weiter nachdenken oder irgendwelche Rückblicke posten mag, sondern dann doch lieber nach vorne schauen möchte. Und da dachte ich, vielleicht kann er mich da ein bisschen mitreißen. Einfach frei nach dem Motto, wenn es gerade alles eigentlich nicht so toll läuft und man erschöpft ist und eigentlich nicht mag, trotzdem mit Motivation ins neue Jahr zu gehen. Das war jetzt eine lange Einführung, aber ich hoffe, jetzt werden wir gleich hören, wie man es schafft, mit so einer Stimmung optimistisch zu sein. Und ich freue mich sehr, dass er bei uns ist. Er war schon mal in Folge 66 da zu einem ganz anderen Thema. Hallo, lieber Andreas Hagemann.
Andreas
00:10:14
Hallo, ihr beiden. Schön, dass ich wieder dabei sein darf.
Tamara
00:10:19
So, ich habe ausgeredet.
Andreas
00:10:20
Ja, das war's.
Tamara
00:10:31
Na, du hast mir doch hier den Artikel geschickt übers Planen. Na guck, wenn du ihn gelesen hast, bist du ja quasi die zweite Fachperson. Jetzt motiviert mich mal.
Andreas
00:11:04
Mach mich glücklich. Los geht's. Das ist richtig. Ja, der Ansatz war eigentlich, tatsächlich hat das viel mit Motivation zu tun, gerade wie findet man die, wenn man drumherum, wie du schon sagtest, eigentlich alles andere außer Motivation gerade suchen will. Und für mich war der erste Gedanke, ich fokussiere mich komplett auf mich, weil am Ende geht es ja sowieso bloß um mich. Es ist ja mein Leben, das, was ich gerne damit anfangen möchte, um das für mich erfolgreich und glücklich zu gestalten. Und deswegen habe ich für mich gesagt, 2025 mache ich einen Cut. Das, was vorher passiert ist, alles schön und gut, aber es hilft mir nicht, nach hinten zu blicken, wenn ich nach vorne laufen möchte. Und dementsprechend habe ich mir gesagt, okay, was würde mich denn glücklich machen 2025? Als Autor natürlich ganz vorne dabei schreiben. endlich mal wieder ohne Sorgen schreiben, ohne Blockade schreiben, an Themen schreiben zu können, für die man nicht verpflichtet ist. Und da habe ich mir aber sicher... Ja. Genauso ist es, ja. Ich sehe das immer wie eine Art Urlaub. Bei dem Urlaub ist der Weg das Ziel. Das Genießen der Strecke, während man alles andere um sich herum vergessen kann und darf und soll. Und genauso ist für mich das Schreiben auch. Das ist in Anführungszeichen eine Urlaubsreise, die kann mal anstrengend sein, man muss mal länger aufbleiben, früher aufstehen. Es ist schon sehr vergleichbar. Aber am Ende geht es darum, dass ich jeden Tag genießen kann, dass ich mich freue, am nächsten Tag aufzustehen und das nächste Kapitel buchstäblich anzugehen. Und das ist erst mal sehr schwierig, weil man lernen muss, tatsächlich alles andere irgendwie auszublenden und sich wirklich nur auf eine Sache zu fokussieren, und das dann aber gerne macht. Dazu gehört aber auch, genau wie in einem Urlaub, dass man mal aufsteht und sagt, boah, heute ist mir nicht nach Bewegung. Heute vielleicht einfach nur zwölf Stunden liege, mal zwischendurch was essen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Ich muss nicht jeden Tag zehn Seiten schreiben. Manchmal reicht es, drei Zeilen zu schreiben. Wenn ich mit denen immer zufrieden bin, habe ich mein Tagesziel erreicht.
Tamara
00:14:00
Aber ich finde gerade dieses Genießen, Geht einem ja super schnell verloren. Also bei mir war das tatsächlich so, ich habe immer irgendwie so kleine Kurzgeschichten oder sowas geschrieben. Dann habe ich lange nichts mehr gemacht in der Richtung und habe dann Anfang 2017 wieder angefangen, habe so einzelne Kurzgeschichten geschrieben. Einfach nur für mich. Und die habe ich auf so Seiten veröffentlicht, wo man das kostenlos machen kann. Aber ich habe gemerkt, an den Tagen, an denen ich geschrieben habe, war ich einfach besser drauf. Da war ich irgendwie zufriedener. Und deswegen habe ich angefangen, mein erstes Buch zu schreiben. Aber tatsächlich kommt ja dann so viel dazu, so innerer Druck und veröffentlichen und darplanen. Und hier, dass einem das ganz schnell verloren geht.
Andreas
00:14:48
Ja, und da flüchte ich mich in die Geschichte. Weil bevor ich alles andere angehen kann, muss ich ja erst mal die Geschichte finalisieren. Und da ist das genau wie auch wieder der Vergleich mit dem Urlaub. Ich weiß, dass der Rückflug vielleicht 13 Stunden extrem stressig und anstrengend ist. Aber warum soll ich mir darüber schon Gedanken machen, wenn ich noch zwei Wochen Urlaub vor mir habe? Wenn ich ganz genau weiß, ich darf noch Zeit mit meinen Protagonisten verbringen. Ich darf die Geschichte noch genießen. vielleicht die Geschichte neu entdecken, obwohl ich vielleicht geplottet habe, vielleicht mal rechts oder links abzubiegen. Da gibt es so viele Wegstrecken, die man vorher nicht geplant hat, die einen überraschen. Und das, finde ich, ist Teil der Freude des Schreibens, eben nicht alles immer zu wissen.
Tamara
00:15:48
Ja. Wie machst du das denn?
Andreas
00:16:50
Ich glaube, dass das viel mit der persönlichen Art des Schreibens zu tun hat. Wenn man eher ein entdeckender Schreiber ist, also noch gar nicht weiß, wo es wirklich hingeht, dann glaube ich, kann das schon sehr challenging sein. Ich selber bin vom Entdecker zum Plotter geworden, deswegen weiß ich schon, wo ich hinkommen muss. Habe auch immer so eine grobe Richtung. Habe also nur einen ganz kleinen Rahmen, in dem ich mich bewege. Ich habe einen grob gesetzten Rahmen, in dem ich mich bewege, aber trotzdem genug Freiraum, dass mich das nicht stresst. Das habe ich mir natürlich über 10, 15 Jahre sukzessive mit den Veröffentlichungen so angeeignet, dass ich eine Arbeitsweise habe, mit der ich glücklich bin. Das ist glaube ich was, das muss jeder für sich erstmal selber finden wenn man. Tatsächlich ja, also Plotten ist was, da quäle ich mich durch, aber wenn ich das geschafft habe, dann weiß ich, das ist wie mit der Vorbereitung für den Urlaub, das ist unheimlich stressig weil man ganz genau weiß wenn du pünktlich abfliegen willst weil man setzt sich ja zumindest ich, muss mir einen Start und einen Endzeitpunkt irgendwie geben Weil sonst schlawenzle ich die ganze Zeit auf der Couch rum und das hilft der Geschichte nur nicht so sonderlich viel. Aber wenn man das alles geschafft hat und ganz genau weiß, ich fühle mich gut vorbereitet, dann kann ich die Reise antreten und dann kann ich jede Minute daran genießen.
Tamara
00:18:25
Oh mein Gott, Wahnsinn. Also für mich ergibt es Sinn. Es hat sich 2025 nichts geändert. Vera und ich sind uns uneinig.
Andreas
00:19:45
Für die erste Frage, ja, es nimmt mich tatsächlich sehr mit, mehr als es manchmal sollte, weil ich ein Mensch bin, der ein starkes Gerechtigkeitsempfinden hat. Und alles, was drumherum gerade passiert, torpediert das auf die verschiedensten Arten und Weisen. Der angehende Präsident in den USA ist, dass der Inbegriff dessen, was Unfairness ist an Lügen und Co., das fällt mir schwer zu verarbeiten. Und je länger und je mehr ich mich damit beschäftige, weil man ja auch irgendwie versucht, in seiner Bubble ein positives Setting beizubehalten, indem man über andere Themen versucht zu sprechen. Aber es wird schwieriger, weil die Themen einfach sich so reindrängen, dass es schwerfällt, den klaren Kopf zu behalten. Und ich bin von klein auf eigentlich jemand gewesen, der jeden Tag Nachrichten geguckt hat, einfach auch aus Bildungsgründen, einfach zu wissen, was passiert in der Welt. Und dieses Jahr ist das erste Mal, dass ich sage, ich möchte das nicht. Ich weiß, dass es mir nicht gut tut. Und da einfach zu sagen, ich reduziere das auf das Notwendigste, Damit man halt nicht völlig blind durch die Gegend läuft und dann einfach mal sagt, okay. Dann gucke ich, wie ich meinen Kosmos um mich herum gestalte, dass der wenigstens mir gut tut. Und wenn ich den Leuten innerhalb meiner kleinen Bubble gut tue, dann kommt auch was zurück. Und das ist was, das habe ich die letzten Jahre schon sukzessive immer weiter ausgebaut. Ich habe immer mehr reduziert Dinge, Kanäle, Inputs, die mich belastet haben, immer weiter abgeschnitten, auch wenn sie mir Spaß gemacht haben. Aber es gibt halt die positive Belastung und die negative. Und alles, was mir nicht gut getan hat, habe ich abgeschnitten, um immer mehr den Fokus auf das zu bekommen, was ich machen möchte und wo ich drin aufgehen möchte. Und das ist am Ende des Tages das Schreiben und seit letztem Jahr halt noch das Gestalten und Designen. Und das ist was, das macht Spaß, da kann ich mich verwirklichen und da kann ich mal alles auch über viele Stunden hinweg einfach mal vergessen. Und dann geht es einem besser, automatisch.
Tamara
00:23:17
Naja, das Ding ist halt, dass manche Dinge auch direkten Einfluss haben. Wenn jetzt ein Zuckerberg seine Plattform für Hate Speech öffnet und ich heute schon mehrfach von Leuten gelesen habe, dann gehe ich von Meta weg. Das heißt ja auch was für unser Marketing. Wir sind ja alle auf Instagram, Facebook, Reds und Co. unterwegs. Also solche Sachen berühren einen ja auch direkt oder wenn eben... Ja, ja, im Moment, aber man weiß halt nicht, was passiert zumindest. Ja, ja, aber es sind halt Dinge, die einfach passieren. Also ich habe das tatsächlich erst mitbekommen, weil andere Leute geschrieben haben, wenn das hier auch kommt, bin ich hier weg. Und das habe ich so oft gelesen heute schon, dass man natürlich direkt anfängt zu überlegen, Okay, wie sieht dann die Zukunft mit Marketing aus, wenn die Leute da verschwinden? Oder eben ein ganz anderes Thema, wenn bestimmte Parteien mehr Macht Einfluss bekommen, dann werden Minderheiten definitiv Probleme haben. Und zu einigen Minderheiten gehöre ich selbst, zu anderen gehören viele meiner FreundInnen. Das sind einfach Sachen, die einen im wirklichen, echten Leben halt anfassen.
Andreas
00:24:45
Mhm.
Tamara
00:25:07
Mhm.
Andreas
00:25:10
Mhm.
Tamara
00:25:13
Mhm. Und...
Andreas
00:25:54
Schön deutsch. Ich glaube, das ist für viele das Schwierigste, eine gesunde Ignoranz sich anzueignen, wie Vera sagt. Wenn ich in den Stream reingucke und sehe das, dann ist das Erste, was ich mache, von wem kommt das? Und dann weiß ich, wie nah stehe ich dem? Lohnt es sich, das überhaupt zu lesen oder scrolle ich einfach weiter? Und das habe ich gemerkt, das funktioniert auf Threads ziemlich gut, weil der Algorithmus relativ schnell merkt, okay, es interessiert den nicht. Und ich habe das Glück, dass mein Verhalten mich immer in relativ viel Sonnenschein bettet und dass ich mich gar nicht erst auf solche Diskussionen einlasse. Und wenn, dann sollen sie diskutieren. Aber es hilft mir ja in dem Sinne gerade nicht. Wenn es mich in irgendeiner Weise tankieren könnte, weil jetzt tatsächlich ein Gesetz konkret ansteht und man was machen kann mit einer Petition oder wie auch immer, dass man sich irgendwie engagieren kann. Dann mache ich mir konkret Gedanken. Lohnt es sich? Lohnt es sich, das bisschen Zeit, was ich habe, dafür zu investieren? Oder ist es vielleicht besser zu sagen, Threads auf, Katastrophe, Threads wieder zu? Und das ist irre schwer, weil wir halt so stark Social Media konditioniert sind. Und wie du sagst, es ist halt auch das bisschen Interaktion ist ja Teil unserer Präsenz, unserer Autorenmarke. Wir müssen ja irgendwie präsent sein, damit man uns sieht, dass man auch weiß, wie kann man uns einordnen und so weiter. Aber gerade Politik ist als Schreibender sowieso immer sehr, sehr schwierig. Da sollte man partout die Finger von lassen, insofern man sich da mit seiner Leserschaft nicht unbedingt verbrennen möchte. Das ist sowieso ein sehr guter Tipp. Aber ansonsten ist das genau Teil dessen, was ich dieses Jahr auch vermehrt ausblenden möchte. Wenn ich tatsächlich nichts daran ändern kann, gar nicht mit beschäftigen. Und das trifft für Social Media zu wie alles andere um mich rum. Wenn ich mich Dinge störe, die ich aber nicht ändern kann, kann ich erst an sich ranlassen. Dann nur schauen, wie man es besser daraus macht und versuchen, sein Mindset irgendwie anders einzunorden. Und das ist die größte Herausforderung.
Tamara
00:28:50
Also an dem Punkt, was du gesagt hast, Politik. Also ich muss sagen, für mich sind KünstlerInnen aller Art und insbesondere auch SchriftstellerInnen schon immer eine Stimme gewesen, die auch politisch unterwegs sein sollte. Aber davon abgesehen, denke ich, habt ihr definitiv recht. Also was Social Media angeht, muss ich lernen, besser zu kuratieren und auch die Zeit besser einzuplanen. Aber jetzt wollen wir ja hören, was du so für Pläne hast. Vielleicht, genau, Vera, hat du dich ja bei deiner Anfangsspeech quasi kurz gestoppt. Also du möchtest dich mehr auf dich konzentrieren und was gab es da noch zu erzählen?
Andreas
00:29:31
Genau, was ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, ist, mich mehr auf Buchmessen zu fokussieren, weil es genau sinnbildlich eigentlich das aufgreift, worüber wir gerade gesprochen haben. Ich beschäftige mich mit dem Thema, das mir gut tut. Das sind meine Schriftstücke, meine Werke. Ich kann direkt mit den Lesenden, mit anderen Schreibenden zusammenkommen. Ich, das ist, mittlerweile kenne ich so viele Leute, es ist fast schon immer wie ein Klassentreffen. Ja, ich freue mich wahnsinnig auf Leipzig, ich freue mich wahnsinnig auf Frankfurt, ich freue mich aber auch auf Berlin, weil ich jedes Mal andere Grüppchen sehe und da fokussiere ich mich drauf. Ich habe mir neue Messen mit auf die Fahne geschrieben für dieses Jahr, die ich ausprobieren möchte. Auch natürlich für das Weiterentwickeln, mehr Verkaufen und so weiter. Also das Marketing fällt nie vom Tisch, aber auch, weil ich immer wieder neue Leute kennenlerne.
Tamara
00:30:30
Ja, ich habe eben schon gesehen auf deiner Webseite, du kommst zu uns ins Saarland.
Andreas
00:30:34
So ist es. Genau, genau. Und das sind auch so Dinge. Ich probiere das aus. Das ist jetzt nicht allzu weit weg. In zweieinhalb Stunden bin ich da. Warum also nicht mal probieren?
Tamara
00:30:47
Wer hier aus der Ecke ist, es geht um die FARC in Schiffweiler. Wann ist die? Im Mai, ne?
Andreas
00:30:53
Im Mai, glaube ich. 17.
Tamara
00:30:55
Mai.
Andreas
00:30:56
Genau, 17. und 18.
Tamara
00:30:57
Das ist die Farg-Fantasy und Roleplay-Convent.
Andreas
00:31:01
Glaube ich, nennt sich das.
Tamara
00:31:03
Also wer im Saarland so ein Fantasy mag, der kennt es.
Andreas
00:31:06
Genau. Das ist auch so ein Ding, weil einfach viele in der Vergangenheit so geschwärmt haben. Einfach vom Publikum, von der positiven Energie. Gleichzeitig hat sich für viele der Verkauf dort vor Ort gelohnt. Und ich bin mittlerweile auch von dem Trip weg, jede Buchmesse muss eine schwarze Null haben. Weil man halt auch vieles einfach mitnimmt, das lässt sich in Euro gar nicht, Ja, aufwerten oder bewerten, weil einfach die Kontakte, die man da knüpft, im Nachgang manchmal mehr wert sind als das, was ich vor Ort an Büchern verkaufe, weil man neue Ideen mitnimmt, weil man inspiriert wird von Kostümen, von Figuren, die man vor Ort sieht, aus Gesprächen und das ist was, das bereichert mich jedes Jahr aufs Neue und deswegen kann es, glaube ich, einfach nicht genug Buchmessen für mich dieses Jahr geben. Ja, sogar fast alle. Ja. Indem ich mir darüber gar keine Gedanken mache, weil ich gelernt habe, dass diejenigen, die sich auf Geld fokussieren, nicht entspannt sind. Und wer verkrampft und ohne Lächeln am Stand steht, zieht einfach keine Leute an. Und das ist Teil des Mindsets, das man für sich erstmal verinnerlichen muss. Das ist... Nun habe ich mittlerweile auch ein gutes Portfolio, also mit zehn Romanen hat man da schon ein bisschen was auch im Angebot und mit ein paar Serien sind die Leute dann eher geneigt dazu, dann gleich die ganze Serie mitzunehmen. Das ist aber auch Teil dessen, was man dann über die Jahre lernt, wie man sich verkauft, wie man Dinge spielt vor Ort, wie man lernt, Interessenten zu lesen, um genau das rauszukitzeln, was sie interessieren könnte. Was ich besonders witzig finde, ist, dass ich es oft schaffe, die Partner noch mit zu Käufern zu machen, obwohl die eigentlich nur zum Tüten tragen da sind. Und ich finde das einfach wunderschön. Das ist richtig, ja. Bei Leipzig muss ich fairerweise sagen, habe ich dieses Jahr das erste Mal einen eigenen Stand. Die letzten Jahre habe ich einen Partnerstand gehabt mit anderen zusammen und da hatte ich die Kosten relativ einfach wieder drin, trotz Unterkunft und so weiter. Und ich hatte letztes Jahr das erste Mal in Frankfurt einen Stand. Da habe ich es fast geschafft, fairerweise, wobei man da natürlich sagen muss, die Kosten sind ein Vielfaches höher. Und selbst da war ich erstaunt, dass ich das doch relativ gut gemanagt habe, wenn man einfach mal von der ersten großen Messe absieht, was man da vorab investieren muss, was man die nächsten Jahre dann weiter an Marketingmaterialien mit nutzen kann. Nimmt man das raus, hätte ich die schwarze Null dort geschafft. Und das zeigt, dass da auch viel Potenzial drin ist. Und da glaube ich ganz fest an meine Geschichten. Und was ich auch mache, ist, die Leute lieben das Besondere. Ich habe für Messen Sonderdrucke, besondere Veredelungen. Die gibt es einfach nicht im Handel. Die gibt es nur bei mir persönlich im Onlineshop oder auf Messen. Und das zieht enorm. Und da muss ich auch sagen, ich habe keinen einzigen Farbschnitt.
Tamara
00:35:13
Moment, ich habe dein Marketing gesehen für den beigen Farbschnitt.
Andreas
00:35:19
Okay, das fällt dann aber wirklich in die Kategorie Marketing und ist dann im Prinzip, aber das hat hervorragend funktioniert. Du wirst lachen. Ich habe diesen Spaß in Leipzig letztes Jahr gemacht, weil ich das sehr witzig fand, wie alle ihren Farbschnitt angepriesen haben. Und es sind zwei, die kannten mich vorher nicht, die haben mich gesehen, sind vorbeigekommen und haben ein Buch gekauft. Ja, ich hatte einfach eins meiner Hardcover-Bücher genommen und habe so getan, als wäre das normale cremefarbene Papier jetzt speziell beigefarben gedruckt, dass es aussieht, als wären das echte Buchseiten und einfach so getan, das ist mein Farbschnitt, der besonders echt aussieht. Und da haben viele gelacht, vor allen Dingen sind einige mir fast auf den Leim gegangen, weil sie dachten, hat er das jetzt wirklich bedruckt in Zeiten, oder hat er das nicht gemacht? Und genau das ist das, was am Ende im Kopf bleibt. Ich habe einfach Spaß in der Situation, ich nehme mich selbst nicht so ernst, ich nehme meine Werke oft nicht so ernst und das ist das, was die Leute dann an der Person mögen und warum sie gerne zum Stand kommen oder gerne am Stand verweilen. Es gibt so viele, die kaufen auch einfach nichts und man hat einfach tolle Gespräche. Auch das ist völlig in Ordnung. Und da blende ich auch das Geld aus. Es sei denn, da warten gerade drei andere, die eine Widmung haben. Dann werde ich da kurz natürlich eine Pause einlegen. Aber das interessiert, das habe ich bei meinen Eltern gelernt. Die waren nämlich mal auf einem Firmen-Event, bei dem gebohlt wurde. Und alle anderen wollten gewinnen, weil es gab ein Preisgeld und ein Pokal und so weiter. Und sie waren die einzige Gruppe, die einfach nur bohlen wollte. Sie wollten Spaß haben. Die haben so viel gelacht und am Ende des Abends einfach das Ding gewonnen. das Geldbaum und den Pokal. Und das hat sich so in meinem Kopf festgesetzt, dass es im Prinzip genauso wie beim Schreiben ist, genießt den Moment auf der Messe. Lächelt die Leute an, auch die Leute, die vorbeikommen. Wünscht ihnen eine wunderschöne Messe, viel Spaß, tolle Entdeckungen. Und man sieht sich immer zweimal. Und es gibt so viele Leute, die kommen noch ein zweites Mal rum.
Tamara
00:37:44
Ich merke gerade, es läuft eigentlich auf genau dasselbe raus, wie was du eben über das Schreiben gesagt hast. Anstatt mit dem Kopf schon wochenweiter zu sein und sich deswegen zu verkrampfen, einfach in dem Moment das genießen, was gerade schön ist.
Andreas
00:37:58
Genau. Natürlich gehört noch viel drumherum mit dazu, wie gestaltet man den Stand, wie betreibt man eben, wo stellt man sich hin, damit man Leuten nicht im Weg steht und, und, und. Das sind Kleinigkeiten, die sich natürlich auch mit aufaddieren. Aber am Ende des Tages ist, es gibt nur eine Chance für den ersten Eindruck. Und wenn man da lächelt, dann hast du schon 60, 70 Prozent der Wegstrecke eigentlich absolviert und das ist genau das Gleiche, worum es beim Schreiben auch geht. Ich muss Spaß haben in dem Moment, ich muss mit meinen Protagonisten lachen und weinen können und wenn ich das nicht kann, dann habe ich keine Lust auf die nächsten Sätze.
Tamara
00:38:41
Andächtige Stille.
Andreas
00:38:49
Ich bin Fantasy ansässig, wobei ich da von humorvollem High-Fantasy bis Dark-Steampunk reiche. Also da tobe ich mich relativ breit aus. In den letzten Jahren, auch durch äußere Einflüsse, gewinne ich immer mehr Begeisterung auch für das Dark-Fantasy, und garniere das immer wieder gerne mit humoristischen Einlagen, witzigen Charakteren und solchen Dingen.
Tamara
00:39:15
Wie gehst du das denn an? Also wenn ich so auf dein Bild schaue, hinter dir, dein Regal mit den Büchern, das ist ja alles mit Maßstab organisiert. Also du scheinst ja ein sehr organisierter Mensch zu sein.
Andreas
00:39:30
Das ist auch so.
Tamara
00:39:32
Wenn du sagst, du springst so ein bisschen innerhalb der Fantastik hin und her, machst du dir da auch schon verkaufstechnisch Gedanken? Oder schreibst du wirklich das, worauf du gerade Lust hast, was dir denn Sinn kommt?
Andreas
00:39:46
Ich habe da eine ganz einfache Philosophie. Ich schreibe die Geschichten, die ich gerne lesen möchte. Und alle anderen haben das Privileg, sie lesen zu dürfen. Und damit fahre ich sehr gut. Das heißt aber auch, dass nicht alle der Geschichten auch kommerziell erfolgreich sind. Also ich habe gerade bei den Steampunk-Geschichten, da habe ich ein Stück weit mein Herz dran verloren, weil sie so vielschichtig sind, so viel mehr Potenzial bieten. Aber es ist ein unglaublich schwieriges Genre, das zu vermarkten. Also es gibt zwar spezielle Messen, aber nicht alle davon lesen, die da als Besucher hingehen. Sie sind eher gerne kostümiert, schauen Serien, Filme und so weiter. Aber diejenigen, die dann die Bücher bei mir am Stand entdecken und sich mal gesagt haben, okay, ich kaufe einen Hagemann, ich weiß, was ich kriege, sind dann oft überrascht, weil sie das Genre gar nicht kennen und dann selber sagen, wow, habe ich noch nie gelesen, finde ich irre spannend. Oder ich kriege gerade über solche Genre den Partner auf einer Buchmesse dran. Viele gehen auf das Humoristische, wollen gerade mit Humor alles andere ausblenden und dann habe ich dann ein Buch dabei, das nennt sich Painmaker, ist düster dunkel. Da springt dann auf einmal der Freund oder Ehemann drauf an und sagt, oh, das könnte mich aber interessieren. Und da geht es dann auch einfach darum, was beschäftigt mich gerade, was verarbeite ich gerade. Painmaker heißt nicht umsonst so, weil ich ein wirklich böses Jahr damit verarbeitet habe. Und das ist mit einer meiner Lieblingsgeschichten. Es mag vielleicht nicht viele Lesende finden, aber es war wichtig für mich. Und das ist alles, was zählt.
Tamara
00:41:34
Aber wenn du das gerade sagst, du hast damit ein böses Jahr verarbeitet oder eben auch nochmal auf deinen Eingangspost zurückzukommen und du sagst, ich mag gar nicht mehr über das letzte Jahr groß schreiben, kostet dich das nicht wahnsinnig viel Anstrengung, immer wieder zu sagen, ich lege das jetzt ab? Ich meine, wenn man dich sieht, du bist immer am Strahlen. Wie funktioniert das?
Andreas
00:41:57
Wenn ich dir das erklären könnte, aufgeben ist keine Option, weil ich möchte ja mein Leben selber möglichst angenehm verbringen. Also was bringt mir das, permanent mürrisch zu sein? Das tut mir mental nicht gut, das tut mir physisch nicht gut. Und das hat, da bin ich ehrlich, das hat lange gebraucht, um diese gewisse Ignoranz, eine gesunde Ignoranz sich anzueignen und zu sagen, pass auf, mein Panzer, der muss mindestens so dick sein, damit ich aber lächeln und da oben dann haupt, das durchs Leben gehen kann. Das hat lange gebraucht. Aber das ist das, was ich heute sehr gerne mache. Ich habe natürlich eine Kostenbasis. Mein Ziel am Ende des Jahres, einfach auch weil das Finanzamt mir natürlich im Nacken sitzt, ist mindestens die schwarze Null. Aber dadurch, dass ich hauptberuflich tätig bin und das Schreiben nebenbei mache, habe ich keinen Druck, auch wirklich schwarze Zahlen schreiben zu müssen. Und eben diesen Druck nicht haben zu müssen, befreit mich von dem, du musst, du musst, du musst. Und dann kommt das von ganz alleine. Und die Dinge, die mir im Negativen passiert sind die letzten Jahre, haben immer was Positives im Nachgang angestoßen. Und auch deswegen kann ich lächeln, weil es mich immer weiter vorangebracht hat. Ich habe das mal in einer Geschichte so versinnbildlicht. Man kann, es geht ja, wir wollen alle eine Treppe erklimmen und auf einer Kleppe, auf einer Treppe kann man schon mal stürzen, aber man fällt nicht zwangsweise nach unten. Manchmal fällt man auch einfach mit der Hand zwei, drei Stufen nach oben und zieht sich genau in der Position wieder hoch und plötzlich steht man drei Stufen weiter, als man gewesen ist, als die Misere gewesen ist. Und das, fand ich, ist ein schönes Sinnbild, dass manchmal was Schlechtes auch viel mehr Gutes nach sich zieht. Und so ist das, dass viel Schlechtes im Self-Publishing mir viel Gutes für einen Verlagsvertrag gebracht hat. Und das sind Dinge, die wertschätze ich dann sehr. Tatsächlich gibt es da ein paar rechtliche Restriktionen, weshalb ich darüber nicht reden darf. Es ist mir einfach eine Regel vorgeschoben, aber sagen wir es mal so, es war nicht immer einfach, die Bücher zu veröffentlichen und ich habe mich davon aber nie unterkriegen lassen. Es gibt heute so viele Möglichkeiten zu veröffentlichen, dann geht man einfach einen anderen Weg. Wenn man die finanziellen Mittel hat, dann kann man das angehen. Zum Glück ist das heute nicht mehr so teuer wie noch vor zehn Jahren. Und da muss man gucken, wie kann man sich da wieder rausholen. Natürlich fängt man bei vielen Dingen wieder bei Null an, aber man hat halt eine treue Leserschaft. Und beim nächsten Buch wird es dann wieder besser. Man findet wieder neue. Die Leute sind wieder dankbar über eine neue Geschichte und freuen sich wahnsinnig drauf. Genau, genau. Das hat ja auch viel mit dem Druck zu tun, den man sich selber macht. Viele setzen sich Ziele, die sind wirklich herausfordernd und sind am Ende des Jahres dann total frustriert, weil sie nicht mal mehr die Hälfte davon erreicht haben. Das ist auch was, was ich nicht so richtig nachvollziehen kann. Man sollte sich doch selbst am besten kennen, seine Schwächen und Stärken. Und wenn ich weiß, okay, es ergibt sich einfach nur, dass ich eine Seite am Tag schreiben kann, dann brauche ich nicht damit planen, dass mich drei ans Ziel bringen. Das ist sinnbefreit. Und ich sehe das leider sehr, sehr oft. Ja, die Frage ist, was... Mhm. Ja, die Frage ist, Komfortzone verlassen oder Opfer dafür bringen. Ich glaube, dass das zwar ein schmaler Grad ist, aber wenn die äußeren Umstände und ich kenne viele, die einfach noch Kinder haben und meistens nicht nur eins, bei denen das so schwer ist, überhaupt Zeit fürs Schreiben abzuknapsen, Da finde ich, habe ich immer wahnsinnig viel Respekt vor, weil ich habe keine Kinder, ich habe den Luxus nach Hause zu kommen, ich kann mich hinsetzen, ich kann meine Zeit relativ frei bestimmen und trotzdem hat man das Gefühl, sich mit Zielen und dem persönlichen Druck manchmal so zuzuladen, obwohl es gar nicht nötig ist. Und da ist so eine gesunde Selbstreflexion schon extremst hilfreich. Ja. Mhm. Mhm. Ja. Ja. Oder man weiß, dass es schwer ist, aber man freut sich drauf. Wenn man lange auf einem Marathon hingearbeitet hat, dann freut man sich am Ende aber auch, den Marathon zu laufen. Gar keine Frage.
Tamara
00:50:16
Ich werde es nie verstehen.
Andreas
00:50:26
Ich habe da immer das Cover-Reveal. Das ist der schönste Moment an der Verständlichung, weil das zündet es oder zündet es nicht. Da bin ich auch meistens immer am aufgeregten. Genau.
Tamara
00:51:03
Ich habe mein Cover revealed letztes Jahr und nicht veröffentlicht.
Andreas
00:51:08
Aber du hast den Moment genossen.
Tamara
00:51:11
Ja, das stimmt. Genau.
Andreas
00:51:17
Ich wollte es gerade sagt, guck mal, du kannst es jetzt sogar ein zweites Mal machen. Das kann auch nicht jeder sagen.
Tamara
00:51:28
Ja, aber dann erzähl doch mal nochmal kurz zu dem Thema eben Komfortzone verlassen, aber zu große Challenge sich vornehmen. Wie setzt du dir Pläne? Du hast mir schon verraten, dass eventuell das Vollzeitschreiben auch ein Thema für dich wäre, wo du ja eigentlich eben auch gesagt hast, es ist gerade ein totaler Luxus, es nicht zu müssen. Wie gehst du da vor?
Andreas
00:51:53
Ja, das ist Teil des sich-selbst-reflektierens. Ich arbeite mittlerweile auch über 20 Jahre schon in meinem Beruf und ich merke, dass das Kreative mich den ganzen Tag begleitet. Ich das aber erst ausleben kann, wenn der Arbeitstag rum ist. Und leider setzt dann irgendwann nach acht oder neun Stunden, ich habe das Glück, dass ich eine hervorragende Work-Life-Balance habe und trotzdem komme ich nach Hause und bin halt erschöpft. Und dann um 17, 18 Uhr nochmal anzufangen und die kreative Mühle in Schwung zu bringen, das kostet manchmal mehr Kraft, als eigentlich notwendig ist. Und wenn ich mir meine Notizen angucke, wie viele Buchideen darauf warten und alle hier schreien, ich glaube, das kennen wir alle, dann ist das schade, dass das kreative Potenzial, das ich da gerne ausleben würde wollen, dass das so ausgebremst wird. Gleichzeitig ist es aber so, dass natürlich mein Beruf mir heute diese kreative Ade erlaubt, dass ich halt meine Bücher teurer gestalten kann, als ich wirtschaftlich eigentlich tun muss, weil theoretisch bräuchte ich es auch einfach nur Listen, Deckel, Papier dazwischen, Buchstaben drauf, da ist es. Aber nein, ich beschäftige mich mit besonderen Covergestaltern, mit Illustratoren, mit Veredelung. Das ist aber auch Teil der Freude, die ich in das Ergebnis stecke, die mich auch über die Geschichte halt mit motiviert, das Endergebnis zu produzieren. Ja, jetzt habe ich so ein bisschen den Faden verloren, merke ich gerade, aber tatsächlich, ja. Ja, also in der Tat habe ich das für mich lange Zeit ausgeklammert, weil ich eben auch gesagt habe, heute komme ich nach Hause, ist für mich Schreiben Entspannung. Wenn ich schreiben muss, ist genau das, was ich als Benefit davon habe, ja eigentlich flöten. Und deswegen habe ich mich intensiver damit beschäftigt und aber gesagt, wenn ich frei bin von den äußeren Zwängen, also viel mehr schreiben kann, weil ich die Belastung nicht mehr habe, dann schaffe ich ja auch viel mehr Veröffentlichung. Und da kommt der Zufall oder das Pech aus der Vergangenheit hinzu, dass sich jetzt ein Verlag auftut. Und mit einem Verlag habe ich halt den finanziellen Druck des Veröffentlichen nicht. Und mein Bauchgefühl sagt mir einfach, es passt gerade alles. Es kommt alles zusammen. Die Wege aus der Vergangenheit, der kreative Freiraum, die Leute, mit denen ich da zusammenarbeite, das passt. Und ohne das könnte ich diese nächsten Schritte nicht gehen. Weil ich ganz klar sage, als Self-Publisher wäre es wirklich schwierig. Dafür kenne ich zu viele andere, die echt viel Zeit investieren müssen, um drei, vier Bücher im Jahr zu veröffentlichen. Das ist schon sehr heftig. Und ich habe für mich einen Weg gefunden, der für mich passen kann ab 2026. Und darauf arbeite ich jetzt hin. Die Basis habe ich die letzten Jahre gelegt, indem ich meinen Shop kontinuierlich ausgebaut habe, über meine Sondereditionen, über Buchmessen, wie ich eine große Leserschaft angeeignet habe, immer mehr Messen für mich ausgetestet habe, bei denen ich Geld verdienen kann, bei denen ich dann auch selektiv bin, ganz klar, weil man ist Unternehmer. Am Ende des Tages, die mir dann was bringen. Und auch über mein Crowdfunding letztes Jahr habe ich mitgelernt, dass Consulting in Anführungszeichen, dass das auch eine Option ist, dass viele angehende Schreibende gerne mehr Beratung hätten. Einfach Feedback sich einzuholen, konkrete Themen besprechen, dass auch das was ist, wo man über einen soliden Stundensatz sagen kann, bucht ihr eine Stunde, Lass uns das Thema einfach mal besprechen, Marketingideen bequatschen, dass sich da so viel momentan auftut, dass ich sage, das ist tatsächlich machbar. Und dann kommt halt mein zweites Standbein mit hinzu, bei dem ich eben nebenbei noch ein Modelabel letztes Jahr gegründet habe, aber auch das als kreatives Ventil da ist. Und als zweites Standbein, auch das dieses Jahr versuche zu etablieren, dass es regelmäßig Einkommen liefert. Und wenn das breit verteilt ist, weil das war früher eine meiner größten Sorgen. Jedes Buch muss ein Erfolg werden. Und dieser Druck verteilt sich dann, weil ich viele verschiedene Einnahmequellen etablieren kann. Und das gibt mir die Sicherheit zu sagen, ja, schaff dir noch ein Jahr einen finanziellen Puffer an, damit du mindestens ein Jahr überbrücken kannst, falls doch was schief geht, veröffentlichen, können sich verziehen, messen können, hops gehen, man wird krank oder wie auch immer, dass man zumindest erstmal abgesichert ist für einen gewissen Zeitraum. Und dieses Jahr schaffe ich wieder die schwarze Null. Sie wäre theoretisch noch größer, wenn man einmal gewisse Aspekte außen vor lässt, dass man sagen würde, okay, das kann wirklich gut funktionieren. Und daher schöpfe ich meine Motivation gerade draus, weil das das erste Mal ist nach bestimmt zehn Jahren Berufsdien, dass ich sage, ich habe richtig Lust auf die Zukunft, weil ich was für mich sehe und einen Pfad habe, auf den ich hinarbeiten möchte.
Tamara
00:57:42
Wenn das kein Schlusswort ist.
Andreas
00:57:52
Dankeschön. Das würde mich freuen.
Tamara
00:58:03
Also ich nehme für mich auf jeden Fall mit, ja, ein gesunder Mix aus Planen und Bauchgefühl und einer guten Ignoranz. Und wir unterstützen sich natürlich auch gerne noch in Sachen Mode, weil ich sehe die ganze Zeit schon, ich habe es erkannt, ich glaube, der Hoodie, den du trägst, das ist dein eigener.
Andreas
00:58:22
So ist es.
Tamara
00:58:24
Darfst gerne kurz sagen, wo man deine Klamotten findet und dann haben wir noch die Buchbubble-Fragen für dich.
Andreas
00:58:30
Ja, das Label nennt sich Sheetkram und die Webseite heißt dementsprechend sheetkram.com und da gibt es viele verschiedene Themen, unter anderem auch Designs zum Thema Schreiben für Leute, die sich selbst motivieren wollen oder ganz stolz als Schreibende sich präsentieren, aufmessen. Solche Sachen kann man da unter anderem finden. Daraus ist nämlich die Idee ursprünglich auch mal entstanden.
Tamara
00:59:04
Jawohl, lieber Andreas. Welches Buch hat dich denn zuletzt Tränen, Lachen oder Weinen lassen?
Andreas
00:59:11
Es war gar kein Buch, sondern mein eigenes Manuskript. Und zwar ist die Geschichte, an der ich gerade schreibe, extremst humoristisch. Und das ist das erste Mal, dass ich beim Schreiben gelacht habe.
Tamara
00:59:24
Ja.
Andreas
00:59:27
Das habe ich selten und ich habe viel Humoristisches geschrieben. Das sind tolle Momente und wenn ich das dann wieder lesen kann, dann freue ich mich darüber, dass ich auch noch ein zweites und drittes Mal darüber lachen kann.
Tamara
00:59:38
Das ist nämlich übrigens auch ganz praktisch an meiner Taktik, so lange an einem Manuskript zu arbeiten. Ich lese jetzt Sachen wieder, wo ich denke, huch, wer hat das denn geschrieben? Das ist ja cool.
Andreas
00:59:49
Das kenne ich sehr, sehr gut.
Tamara
00:59:52
Aber zur zweiten Frage, welche Begegnung in der Buchbubble war für dich denn ganz besonders inspirierend?
Andreas
00:59:58
Das sind sogar zwei. Und zwar ist das einmal der Andreas Suchanek und die Astrid Behrens. Der Andreas Suchanek, weil er eine unglaubliche Schreibmaschine ist, der einen so gigantischen Output hat, vom Jugendbuch bis hin zum Thriller. Und ich finde das so beeindruckend, wie man so eine Bandbreite hat. Er sagte mal, er schreibt im Schnitt achteinhalb Bücher im Jahr und bei dem Output immer noch Spaß hat und so nahbar ist und auch nicht mit Tipps und Ratschlägen, Guides, das finde ich, ist eine ganz, ganz tolle Persönlichkeit.
Tamara
01:00:44
Da muss ich nochmal schauen, den habe ich irgendwie völlig aus dem Fokus verloren.
Andreas
01:00:49
Wahrscheinlich, weil er auch so sehr in den Genres springt, dass er auch immer mal wieder zu bestimmten Themen dann auch immer nur wieder den Kopf gerade rausstreckt. Und die Astrid Behrens, weil sie, weil ich es für jemanden, der einen kleinen Verlag in Anführungszeichen betreibt, das mit so unfassbar viel Herzblut tut und mit so wenig Schlaf. Und es so beeindruckend ist, was sie, ich glaube, in fast 30 Jahren auf die Beine gestellt hat und wie viele Chancen sie gibt, Das ist beeindruckend und nach wie vor so eine Begeisterung für das Thema Buch hat.
Tamara
01:01:27
Das ist schön.
Andreas
01:01:28
Und das hoffe ich, dass ich die gleiche Begeisterung in 30 Jahren genauso habe.
Tamara
01:01:33
Ja, dann will ich doch gleich mal wissen, damit du diese Begeisterung für Bücher behalten kannst, welches Klischee möchtest du denn nie wieder in einem Buch sehen?
Andreas
01:01:42
Oh, das ist eine schwierige Frage. Tatsächlich bin ich gar nicht so empfänglich für Klischees. Manchmal tun sie gut, manchmal nicht. Aber ich habe es jetzt ehrlich gesagt nicht, dass ein Klischee mir wirklich auf die Nerven gehen würde.
Tamara
01:01:56
Also wieder gesunde Ignoranz.
Andreas
01:02:00
Oder einfach ich lese Bücher, wo die Klischees hervorragend eingewoben sind.
Tamara
01:02:05
Das mag sein.
Andreas
01:02:06
Als Lob nach draußen.
Tamara
01:02:09
Dann sind wir beim Thema Kuratieren.
Andreas
01:02:17
Vielen Dank. Bis zum nächsten Mal.
Tamara
01:02:57
Hä? Danke, Andreas. Das hat sehr gut getan.
Andreas
01:03:00
Ich danke euch. Schön, dass ich dabei sein konnte.