Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

DZVDT #247 - So rockst du kleine Buchmessen als Aussteller:in! Tipps und Ideen von H.C. Scherf und Michael Hirtzy

Sieben Buchmessen allein im Monat Mai! Dass er gerne als Aussteller auf regionalen Messen vertreten ist, kann Michael Hirtzy nicht leugnen. Und H.C. Scherf stellt nicht nur gerne aus, er organisiert mit der RE-Buch in Recklinghausen gleich selbst eine.

30.01.2025 75 min

Zusammenfassung & Show Notes

Sieben Buchmessen allein im Monat Mai! Dass er gerne als Aussteller auf regionalen Messen vertreten ist, kann Michael Hirtzy wohl nicht leugnen. Und H.C. Scherf stellt nicht nur gerne aus, er organisiert mit der RE-Buch in Recklinghausen gleich selbst eine regionale Messe.
Wer könnte also besser geeignet sein als diese beiden Autoren, um Messe-Skeptikerin Vera von den Vorzügen eines Standes zu überzeugen – und alle anderen mit guten Tipps zu versorgen?

Sieben Buchmessen allein im Monat Mai! Dass er gerne als Aussteller auf regionalen Messen vertreten ist, kann  Michael Hirtzy wohl nicht leugnen. Und H.C. Scherf stellt nicht nur gerne aus, er organisiert mit der RE-Buch in  Recklinghausen gleich selbst eine regionale Messe.

Wer könnte also besser geeignet sein als diese beiden Autoren, um Messe-Skeptikerin Vera von den Vorzügen eines Standes zu überzeugen – und alle anderen mit guten Tipps zu versorgen?

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Transkript

Vera
00:00:00
Hier ist Folge 247 von die 200 Talkstelle und heute beschäftigen wir uns mit dem Thema regionale und lokale Buchmessen. Macht das Sinn? Wir haben uns Experten eingeladen. Michael Hürzi ist da und HC Scherf. Beide besuchen viele Messen und HC Scherf organisiert sogar eine. Wir wollten genau wissen, lohnt sich das denn überhaupt?
Tamara
00:00:26
Wir haben darüber gesprochen, was kann man alles am Stand machen, um Leute zu sich zu locken, was kann man im Vorfeld an Werbung machen, wie entscheidet man eigentlich, welche Messe sich lohnt und ganz viel mehr. Also hör auf jeden Fall rein. Die zwei.
Vera
00:00:56
Hallo ihr da draußen, hier sind die zwei von der Talkstelle mit der Folge 247 und mir gegenüber lächelt irgendwie so, als ob sie auf einen Fehler von mir lauert, die Samara Leonard. Was guckst du so komisch?
Tamara
00:01:14
Nein, ich würde nie auf einen Fehler von dir lauern, die finde ich von alleine. Nein, es hat sich nur gerade hier die Leitung kurz aufgehängt und du hast mich in einem sehr lustigen Freeze-Bild angeschaut und ich habe mich gefragt, was gleich passiert.
Vera
00:01:29
Naja, nein, ich bin nicht gefroren und ich bin im Übrigen Vera Nentwig für alle die, die das jetzt immer noch nicht wissen. Also das mit der Reihenfolge der Namen, das kriege ich nie richtig hin. Und was steht an bei dir, liebe Tamara?
Tamara
00:01:45
Ja, ich bin fleißig. Schreibtechnisch bin ich jetzt tatsächlich endlich, wollte ich schon vor längerer Zeit, an der Stelle angekommen mit Überarbeiten, wo mich das weiße Blatt eiskalt anschaut. Und habe jetzt auch, bevor ich weitergeschrieben habe, mich nochmal hingesetzt und tatsächlich genau durchgeplottet, wie viele Kapitel ich noch brauche und was in welchem Kapitel passieren soll. Ich meine, es sind jetzt nur noch drei Kapitel zu schreiben. Da bin ich jetzt schon relativ klar, wie es weitergeht. Und habe mit dem ersten von diesen... Muss ja das Ende sein.
Vera
00:02:19
Quasi.
Tamara
00:02:19
Genau.
Vera
00:02:21
Da hast du quasi eine Showdown jetzt quasi.
Tamara
00:02:23
Richtig. Ich habe jetzt mit dem ersten Kapitel dieser drei Kapitel angefangen zu schreiben und merke, dass ich noch so ein bisschen im Überarbeitungsmodus eigentlich bin. Und sehr oft da sitze und denke, Wortfindungsstörungen. Aber das wird sich in den nächsten Tagen auch ergeben. Ich habe mir auch einen Word-Count wieder zusammengefrickelt. Erst hatte ich 960 Wörter am Tag. Dann habe ich gedacht, naja, vielleicht nehme ich doch lieber einen Tag vom Wochenende noch dazu. Jetzt bin ich bei 700 Paaren gequetschte.
Vera
00:02:55
Ja, aber das ist doch gut zu schaffen, 700 Paaren.
Tamara
00:02:57
Ja, eigentlich schon. Aber ich habe tatsächlich heute nur, ich glaube, 370 oder so geschafft, weil ich den Anfang noch mal mir angeschaut habe. Und dann habe ich noch was recherchiert und dann habe ich wieder Wortfindungsstörungen gehabt.
Vera
00:03:12
Man muss sich hinsetzen und schreiben und die ganzen anderen Sachen machen.
Tamara
00:03:15
Ich sage ja, der Schreibmuskel ist noch ein bisschen noch nicht so richtig warm gelaufen, aber ich bin zuversichtlich.
Vera
00:03:23
Ja, meiner Stock, also ich habe jetzt die letzten Tage, regelmäßig geschrieben, aber mein Wordcount war, der Tageswordcount war jetzt schon so nahe der Schmerzgrenze, deswegen habe ich mich da entschlossen, die Deadline ein paar Tage nach hinten zu verschieben. Damit das wieder so in so Größenordnungen kommt, die sich nicht so stressig anfühlen.
Tamara
00:03:45
Ich mache mir die Welt wieder, wie sie mir gefällt.
Vera
00:03:49
Ja, wenn man das kann. Naja, ist blöd. Ich weiß, ich schreibe ja immer morgens. Und morgen habe ich schon zu allerher ganz frühen einen geschäftlichen Termin. Da weiß ich, vorher schreibe ich bestimmt nicht. Also der Tag fällt schon wieder aus.
Tamara
00:04:02
Ja.
Vera
00:04:05
Ja, also momentan muss ich sagen, muss ich mir wirklich auch jede Szene erkämpfen. Ich bin da immer noch nicht so richtig in Flow. Ich hatte mir zwar, mache ich ja immer, wenn ich so eine Idee habe, habe ja so eine Checkliste, wo ich mir dann aufschreibe, so das Opfer, wie ist es umgekommen, wer ist mein Täter, wer ist potenzieller Verdächtiger, nur mehrere. So die Zusammenhänge, solche Sachen schreibe ich mir dann auf. Und meistens ergibt sich dann das eigentlich so beim Schreiben, aber jetzt irgendwie, Ich habe da noch nicht so richtig, also den richtigen Flow habe ich noch nicht. Ich habe heute Morgen beim Schreiben einige Flöcke reingesetzt. Das muss ich morgen jetzt mal wieder lesen, wie es sich anfühlt von einem Tag. Und vielleicht habe ich da eine gute Richtung vorgegeben. Aber ich habe irgendwie noch nicht so das Gesamtbild vor Augen. Tut sich gerade irgendwie schwer.
Tamara
00:05:05
Vielleicht müssen wir mal Co-Writing machen, wir zwei. Und gegenseitig ermahnen.
Vera
00:05:13
Also ich weiß nicht. Ich habe auch morgens im Nachthemd mit dem Latte Maggiato schreit. Könnte ich mir vorstellen, dass dich das hemmt.
Tamara
00:05:24
Wobei mir fällt auch gerade ein, also ein weiterer Grund, warum ich heute nur knapp unter 400 Wörter geschrieben habe, ist auch und das habe ich glaube ich noch nirgends erzählt. Hier exklusive Behind-the-Scene-Story. In dem Buch wird es einige Gedichte geben, die offiziell der Protagonist geschrieben hat. Und weil ich Lyrik nicht kann, habe ich mir schon letztes Jahr die wunderbare Poetin Jennifer Hilgert ins Boot geholt, die diese Gedichte für meinen Protagonisten schreibt. Und da hat dann noch was gefehlt und das hat sie mir heute früh geschickt und dann haben wir so ein bisschen hin und her geschrieben auch, wo ich gesagt habe, ja, die Situation ist ein klein bisschen anders und dann haben wir das so zusammen uns erarbeitet und das macht auch gerade sehr viel Spaß und ich freue mich sehr, dass wir das zusammen machen.
Vera
00:06:17
Ja, ja.
Tamara
00:06:18
Und genau.
Vera
00:06:20
Ja, schönen Namen, stell dir Jenny, aber schöne Grüße.
Tamara
00:06:22
Ja, genau, das hat dann auch noch so ein bisschen Zeit gekostet. Man muss sich ja rausreden, warum man nicht mehr geschrieben hat.
Vera
00:06:29
Ja, ich wollte es jetzt nicht so ausgedrückt haben, aber es lag schon nahe.
Tamara
00:06:34
Aber ja, jetzt habe ich das auch mal erzählt. Das ist mir tatsächlich bisher noch gar nicht, das muss ich auch mal irgendwie auf meinen Kanälen teilen und überhaupt mehr über mein Buch schreiben, weil jetzt fühlt es sich wirklich nach Endspurt an und das ist ja ein sehr ungewohntes Gefühl für mich.
Vera
00:06:50
Ja, muss man auskosten.
Tamara
00:06:52
Finde ich gut. Ich bin aber tatsächlich, wie du, auch schon gedanklich ein bisschen hinter der Veröffentlichung, Weil ich mag zwar diesen ganzen Hochladen und Marketing-Kram nicht so gerne, aber worauf ich schon richtig Bock habe, ist halt die Lesungen. Ich habe mir schon eine Playlist angelegt, welche Lieder dazu passen könnten. Ich habe schon Locations im Kopf, da bin ich teilweise auch schon im Gespräch und da freue ich mich schon unheimlich drauf, das dann vor Leuten zu lesen. Und das ist natürlich jetzt auch nochmal so eine Motivation. Vielleicht wage ich es auch wirklich demnächst und mache ein konkretes Datum aus, sodass ich wirklich fertig werden muss.
Vera
00:07:30
Ne, das finde ich auch. Also so ein Buch zu haben und was man damit alles machen kann, das ist auch das, was mich immer antreibt eigentlich. Wenn mal wieder das Schreiben was schwerer fällt. Auf jeden Fall. Ja, ich habe nichts so akutes zu erzählen. Wie gesagt, hauptsächlich Schreiben ist angesagt und der Rest kommt dann noch. Also, ja, und wenn du da ein Buch hast, dann kannst du ja dann demnächst dich wieder auf irgendwelchen Buchmessen präsentieren.
Tamara
00:08:06
Was für ein bezaubernder Übergang, liebe Vera.
Vera
00:08:09
Ja, ich bin gut.
Tamara
00:08:12
Wir wollen heute nämlich mal über Buchmessen sprechen und nicht die großen unbedingt, die Leipziger, die Frankfurter, sondern die kleinen Messen, die Cons, die kleinen Veranstaltungen, wo man mit eigenem Tisch ausstellen kann. Und ja, wir haben ja neulich schon in der Folge mit Andreas Hagemann gehört, dass das total toll ist und Spaß macht und das wollten wir jetzt mal genauer hören. Und deswegen haben wir uns heute zwei tolle Gäste eingeladen. Wir haben einmal den Autor H.C. Scherf, wir nennen ihn heute Harald bei uns. Harald schreibt Krimi und Thriller und er hat sogar schon mal eine Buchmesse veranstaltet. Und dann haben wir aus Österreich noch zugeschaltet, denn Michael Hirzi, er schreibt Science-Fiction, Fantastik und manchmal Horror. Und ich habe gehört, im Mai ist er auf sieben Buchmessen vor Ort. Also ich glaube, da können wir uns jetzt begeistern lassen.
Vera
00:09:03
Ja, hallo erst mal zusammen. Und ja, genau, dieses Begeistern machen. Ich habe ja im Vorgespräch schon mal angedeutet, ich bin doch ein wenig skeptisch, was das so angeht. Ich muss vielleicht ein bisschen ausholen. und ich bin eingeladen worden von einer Kollegin zu so einem Autorinnen-Treffen und da war ich dann und die haben also den ganzen Tag oder die ganzen Stunden eigentlich nur über geredet über irgendwelche, Buchmessen in irgendwelchen Dörfern, wo sie waren. Jetzt am Wochenende waren sie in Koblenz, ich bin jetzt in der WhatsApp-Gruppe und es kam die Liste, wo sie überall hinwollen und ich habe dann auch mal gefragt, Herrgott, dieser Aufwand, warum tut man sich das an? So, jetzt mal an euch, die ihr das ja ständig macht. Warum tut ihr euch das an?
Harald
00:09:52
Ich kann das vielleicht aus zwei Gesichtspunkten erklären. Einmal als Aussteller selber. Ich gehe wahnsinnig gerne zu diesen Messen, weil ich festgestellt habe, dass man da immer wieder mit den gleichen Gesichtern zu tun bekommt. Das heißt, wir sind eine riesige Familie geworden und es ist ein großes Hallo rundherum, wenn man da auftaucht, erst einmal mit so einem Köfferchen ankommt. Das ist schon herrlich, diese Hektik morgens zu spüren, wenn alle ihre Stände dekorieren, aufbauen. Und dieses große, dieses Dasein innerhalb der Familie, das ist das, was mich so lockt daran. Und aus dem Grund heraus habe ich mir auch gedacht, warum gehst du immer nur zu den Messen? Mach doch mal eine eigene.
Vera
00:10:45
Ja, da kommen wir vielleicht gleich noch zu.
Harald
00:10:47
Man hat ja so viel Erfahrung gesammelt mittlerweile. Wenn ich mal mich erinnere, wir haben in Deutschland ungefähr 27 Buchmessen dieser Art.
Vera
00:10:57
27 sind es nur? Das erscheint mir wenig.
Harald
00:11:00
Ja, ich habe jetzt die alle nicht genannt, die, wie gesagt, auf den ganz kleinen Dörfern stattfinden, in irgendeinem freien Raum, der da gerade mal von einem Geschäftsmann zur Verfügung gestellt wird, in Museen und dergleichen, die habe ich jetzt noch gar nicht auf dem Zettel. Dann gibt es noch die Comics, Spezialmessen, da gibt es noch, Fachmessen für Buchbinder, die sind jetzt gar nicht in einem Thema drin. Ich habe jetzt nur von den Größeren gesprochen, wie Buchpassionen zum Beispiel.
Vera
00:11:31
Die sind ja schon größer, ja. Aber lass mich vielleicht, da bin ich mal so reingrätschen, da, Farald, will ich doch erstmal jetzt so von Michael hören. Ist das bei dir auch so? Gehst du eigentlich nur hin, um Familie zu treffen?
Michael
00:11:43
Nein, eigentlich genau das Gegenteil, muss ich ganz ehrlich sagen.
Tamara
00:11:47
Du willst weg von der Familie.
Michael
00:11:48
Ja, nein, das auch nicht, da ich auf den meisten Buchmessen und Kons mit meiner Frau zusammen unterwegs bin, da wir das immer gemeinsam machen. Nein, es ist so, also ich freue mich natürlich auch jedes Mal, bekannte Gesichter bei den Ausstellern zu sehen, aber das Hauptthema, warum ich es mache, ist ganz einfach, es ist für Indie-Autoren irrsinnig schwer, ans Publikum ranzukommen. Die Präsenz im großen Buchhandel gibt es nicht. Geld auszugeben, um bei Amazon oder anderen Online-Händlern sichtbar zu werden, kostet einfach irrsinnig viel. Und Buchmessen sind die Möglichkeit, direkt mit den potenziellen Leserinnen und Lesern in Kontakt zu kommen. Und was ich einfach über die Jahre festgestellt habe, ist, dass die meisten, die auf solche Messen gehen, sich sogar darüber freuen, dass es dort irrsinnig viele unbekannte Verlage und Autoren und Autorinnen gibt, weil einfach auch genau diese im Buchhandel nicht präsent sind und die Leserinnen und Leser dort die Möglichkeit haben, neue Bücher, neue Autorinnen zu entdecken. Und genau das ist es, warum ich es gerne mache und warum ich auch dieses Jahr jetzt noch mehr es forciere, auf kleinen und mittleren Messen unterwegs zu sein.
Vera
00:13:04
Ja, aber wenn du das Geld ansprichst, also es ist ja nun mal ein enormer zeitlicher Aufwand. Das kostet auch je nachdem, wo man ist, mit Fahrt. Und gut, die Standgebühren sind meistens überschaubar, auch gerade auf den kleineren Messen. Wobei, ich habe ja gesehen, du bist ja auch oft in Leipzig, da bist du ja mal locker bei einem Tausender oder so. Ich meine, dafür kann ich jede Menge Amazon Ads schalten. Und ich behaupte sogar mal, da würde ich wahrscheinlich mehr Bücher verkaufen als auf seiner Messe.
Michael
00:13:31
Also dem kann ich inzwischen aus Erfahrung heraus widersprechen. Es ist natürlich immer, das muss man auch ganz klar sagen, vor allem, wenn man im fantastischen Bereich schreibt, jede neue Messe, die ich ausprobiere, immer wieder ein Risiko. Also Leipzig weiß ich inzwischen, die funktioniert. Alle Comic-Cons, egal ob in Österreich oder Deutschland, da weiß ich, das klappt für meinen Genre. Über so Spezial-Events wie den Bucon parallel zur Frankfurter Buchmesse Ich brauche als Fantastik-Autor gar nicht diskutieren, dass das mein Heimatspielfeld ist. Bei den kleineren Buchmessen ist es natürlich immer ein Experiment. Aber das gehört für mich jetzt auch dazu, wenn ich sage, wenn ich ein Unternehmen betreiben will und so sehe ich das Schreiben, also ich schreibe, weil ich gerne schreibe, aber das Business-Bücher zu verkaufen ist einmal ein Geschäft. Da muss man Dinge ausprobieren und muss man investieren. Und bisher, muss ich sagen, gab es erst einen einzigen Fall, wo ich wirklich bei einer Buchmesse rausgegangen bin und gesagt habe, okay, das hat sich wirtschaftlich egal, das kann ich mal nicht schön rechnen, das hat sich einfach nicht gerechnet.
Vera
00:14:38
Okay, da müssen wir gleich mal noch näher drauf eingehen, da bin ich sehr gespannt drauf. Also meine bisherigen Ergebnisse bei Buchmessen und ich meine, Harald, wir haben uns ja letztes Jahr in Mühlheim getroffen. Ich meine, ich habe an einem Tag drei Bücher verkauft und da war ich noch in der Spitzengruppe. Also deswegen, da müssen wir gleich mal drauf eingehen. Aber wie ist das denn bei dir, Harald? Ich meine, neben dem Familientreffen fährst du da hin, um Käffchen zu trinken, aber du verkaufst ja auch Bücher. Wie ist das denn wirtschaftlich? Inwiefern rechnet sich das denn?
Harald
00:15:09
Ja, da muss ich vielleicht mal einen kleinen Schritt zurückgehen. Du sparst gerade vor der Mühleimer Messe. Das ist natürlich eine dieser erwähnten kleinen Messen. Da war auch nicht allzu viel Publikum. Man hat auch da den Nachteil gehabt, dass Besucher keinen Tagplatz fanden. Ich habe mich gewundert über jeden einzelnen Besucher, der da reinkam, den ich selber auch schon 600 Meter entfernt parken müssen. Aber bei den großen Buchmessen steht bei mir jetzt nicht, darf eigentlich auch nicht der Mammon im Vordergrund stehen. Also ich generiere zwar Umsätze, aber ich habe einen riesen Vorteil. Ich kann meinen Leser, Auge in Auge gegenüberstehen. Und ich bin der Meinung, oder ich habe das zumindest festgestellt, dass Menschen, die dich schon mal persönlich kennengelernt haben, die von dir ein signiertes Buch gekauft haben, dass die eher zu deinen Followern gehören, als Leute, die in Amazon- oder Thalia-Gruppen gekauft haben. Das ist ein Erlebnis für die, was die nie vergessen werden. Man merkt auch, dass die später noch schreiben, dass sie Rezensionen auch bringen, Das hast du beim Amazon vielleicht mit einem Sternevermerk, aber wenig in Worte gefasst.
Tamara
00:16:30
Ja, das stimmt. Ich erinnere mich gerade dran, letztes Jahr auf der Wonnegauer Spätlese, da kam eine Frau an meinen Stand und sagte, ich kann leider nicht bis zu ihrer Lesung bleiben, aber ich habe letztes Jahr ihr eines Buch von ihnen gekauft und ich bin nur deswegen heute hierher gekommen, um das zweite persönlich von ihnen zu kaufen. Das war schon extrem berührend.
Vera
00:16:52
Ja, aber jetzt sagst du ja, jetzt habe ich Mülheim eigentlich so eingeordnet in so dieser klassischen städtischen Buchmessen. Ich meine, wir reden nicht über Buch Berlin und Leipzig und Buch Passion ist wahrscheinlich auch schon eine Nummer größer. So die Messen, die da so wie Pilze aus dem Boden schießen. Wie erkenne ich denn jetzt, ob es Sinn macht, da hinzufahren oder nicht?
Harald
00:17:20
Ich glaube, für das steht da mal die eigenen Erfahrungen, die man machen muss.
Vera
00:17:23
Ich habe ja keine.
Harald
00:17:26
Aber ich glaube schon, wenn man da mal ein wenig googelt, Erfahrungen mit irgendeiner Messe, kriegt man doch Antworten im Netz. Aber es gibt da wirklich ein paar, wie du sagst, die großen Messen wie Berlin und dergleichen und auch die Messen in Köln, in Erfurt, in Kempten, in Bremen. Die haben ganz andere Wirkungen auf die Besucher auch. Du merkst das auch schon, die haben andere Locations. So, wenn du in irgendeine gammelige Fabrikhalle gehst und da 34 Quadratmeter besetzt mit Tischen, kannst du nicht erwarten, dass ein großer Rücklauf kommt. Aber aus dem Grund heraus habe ich bei meiner ersten Messe mir das ganze Ruhrfischspielhaus in Recklinghausen angemietet. Das ist natürlich eine Hausnummer. Es ist für den Veranstalter mit sehr hohen Kosten verbunden. Das geht in den fünfstelligen Bereich rein. Deshalb muss man sich auch nie wundern, wenn dann die Tischkosten etwas erhöht sind. Das bekommst du aber eine Gegenleistung. Das heißt, unter 600 Besuchern tut sich da nichts.
Tamara
00:18:39
Wie macht ihr das denn? Also wenn ich jetzt höre Bremen, Hannover, Stuttgart, das ist ja wirklich kreuz und quer verteilt. Wonach entscheidet ihr, diese Strecke ist es mir für diese Größe oder diese Art Messe wert oder nicht?
Michael
00:18:57
Also grundsätzlich ist es bei mir mal so, alles, was ich in rund acht Stunden mit dem Auto erreichen kann, von mir zu Hause aus, kommt dann mal grundsätzlich in die engere Ausgabe, wo ich sage, damit beschäftige ich mich etwas intensiver, ist das interessant für mich oder nicht. Alles darüber hinaus müsste dann schon etwas ganz Besonderes sein. Also eine Veranstaltung wie zum Beispiel in der Schweiz, die Fantasy Basel. Da weiß ich, dass ich länger unterwegs wäre, aber das ist halt ganz einfach meine Zielgruppe. Und dann ist es so, bei bestehenden Buchmessen, die also schon einige Male stattgefunden haben, kann ich immer nur den Tipp geben, erstens Autorinnen und Autoren fragen, die schon mal dort waren, wie es gelaufen ist. Und das Zweite, was immer ein ganz gutes Kriterium auch ist, online nach Fotos dieser Veranstaltung zu sagen. Es gibt immer irgendwelche. Und wenn ich nur online finde Fotos vom Aufbau und vom Abbau oder von leeren Messehallen oder sowas, dann weiß ich, das Experiment brauche ich nicht eingehen, weil da habe ich nicht einmal die Chance, dass irgendwas in meiner Richtung dort ist. Wenn ich sehe, die ist gut besucht, dann ist der zweite Schritt, den ich mache, ich schaue mir an, wie viele andere Autorinnen und Autoren, die in meinem Genre auch schreiben, also in der Fantastik, sind auch dort oder waren auch dort. Weil auch eines, was ich gelernt habe, auf eine Buchmesse zu gehen, wo dann, und bitte, das hat jetzt nichts mit dem Genre zu tun, ich bin selbst begeisterter Krimi und Thriller-Leder, aber wenn ich mit Science-Fiction und Horror als einziger Aussteller aus diesem Genre auf eine Messe gehe, wo 50% Krimi und Thriller sind und die anderen 50% sind Romance, dann weiß ich schon vorher, dass ich dort nichts verkaufen werde. Mein Zielpublikum wird dort nicht hingehen. Also auf das schaue ich schon auch immer ein wenig. Und dann. Ist es relativ einfach. Komplizierter wird es natürlich, wenn es Messen gibt, die zum ersten Mal veranstaltet werden. Und da ist es für mich dann ganz einfach so, wenn ich im Vorfeld in der Kommunikation mit dem Veranstalter per E-Mail das Gefühl habe, der arbeitet professionell und der engagiert sich und der will dort etwas auf die Beine stellen. Ja, natürlich ist es dann immer ein Pokerspiel, das kann gut gehen oder kann nicht gut gehen. Aber dann bin ich schon auch einmal bereit zu sagen, okay, das Geld investiere ich jetzt, um es auszuprobieren. Weil eines ist mir halt auch klar, keine Buchmesse kann jemals größer werden oder Erfolg haben, wenn am Anfang alle sagen, na, ich warte einmal ab, ob es erfolgreich wird.
Vera
00:21:36
Dann muss ich jetzt mal fragen, warst du denn auf der Rehbuch in Recklinghausen oder ist das weiter als acht Stunden weg?
Michael
00:21:43
Streckenmäßig wäre es möglich gewesen, aber auf der war ich nicht. Okay.
Vera
00:21:47
Das ist ja die Messe, Harald, die du organisiert hast. Und jetzt hat der Michael gerade auch durchaus den guten Tipp gegeben. Hören wir doch mal was zu anderen Autoren und Autorinnen sagen. Wie war denn jetzt, ich meine, du hast dann ja, wie du gerade schon angedeutet hast, Harald, viel Geld in die Hand genommen. Wie war denn die Messe für dich? War es ein Erfolg?
Harald
00:22:09
Es war für mich nach der unglaublichen Anstrengung, die man vor allem bei meiner ersten Messe hat, schon ein Riesenerlebnis und es war wunderschön, wenn man dann als Veranstalter durch die Tische geht und von allen Seiten mit einem Lächeln begrüßt wird und nach Ende der Messe einem auf die Schulter geklopft wird. Und es war eine ganz toll organisierte Messe. Das war natürlich für mich das besondere Highlight. Aber man konnte auch beobachten, wie sich 600 Menschen in diesem großen Festspielgebäude verteilten. Ich hatte auch darauf geachtet, da wird Michael sicherlich Wert drauf legen, viel Zwischenraum zwischen den Tischen zu haben, damit die Leute auch vernünftig flanieren können. Und nicht, denken wir mal an Leipzig, wo man kaum die Chance hat, an einem Stand stehen zu bleiben, weil man dann weggedrückt wird. Jetzt habe ich, was Recklinghausen angeht, mal eine Idee für mich geschaffen, Man kann eine Messe machen im herkömmlichen Sinne mit allmöglichen Genres, wo natürlich auch Fantasy zugehört. Mein Gedanke ist, speziell eine Messe zu machen nur für Fantasy.
Vera
00:23:29
Da gibt es ja schon diverse, oder?
Harald
00:23:31
Das ist eine Spezialmesse, aber wir haben wahnsinnig viele Anhänger dieses Genres. Und das hat eine eigene Messe verdient.
Vera
00:23:39
Ja, ja, also das Fantasy-Genre ist, das wollte ich ja gerade sagen, also da gibt es ja schon einige spezielle Fantasy-Messen. Und ich glaube, Fantasy ist irgendwie auch was Spezieller. Wobei ich jetzt eher, und da möchte ich auch mal ein bisschen drauf reingehen, du hast jetzt aus deiner Sicht geschildert, dass du da positive Rückläufer bekommen hast. Ich habe in Autorenkreisen rumgefragt, oder ich habe zum Beispiel gefragt, würdet ihr mir empfehlen, nach Recklinghausen auf die Rehbuch zu gehen? Und da war die Meinung doch eher zurückhaltend. Liegt das jetzt an meinem Genre? Ist Cosy Crime etwas, was auf Buchmessen gar nicht geht? Gibt es neben der Mischung, die Michael gerade angesprochen hat, grundsätzliche Kriterien? Also ich kann mich erinnern, in Mühlheim, die sicherlich nicht gut war, aber du hast, glaube ich, 20 oder 25 Bücher verkauft und wie gesagt, ich nur drei. Mache ich da was falsch? Oder ist es halt wirklich das Genre?
Harald
00:24:40
Das Genre passt schon. Wir müssen nur eines bedenken, bei diesen größeren, kleinen Messen, da steht doch ein Genre stark im Vordergrund. Romance, die müssen möglichst bunt aussehen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass Menschen nur kaufen wegen der Optik. Aber das ist ein Genre, das wird natürlich aus den Händen gerissen. Da gibt es ein paar Autoren oder Autorinnen, die können wirklich davon leben. Krimi, Fantasy steht so ein bisschen hinten an, egal welche Messe das ist, außer es ist eine Spezialmesse.
Vera
00:25:22
Also Fantasy, wenn man jetzt mal Leipzig und so anguckt, Ich meine, das ist alles Fantasy, was da Schlange steht.
Harald
00:25:29
Wenn du sagst, du hast einige gefragt, ob sie zu Rehbuch gehen würden, wenn man natürlich Menschen fragt, die nicht da waren.
Vera
00:25:40
Nee, die waren da.
Harald
00:25:42
Aber die, die da waren, der hat sich schon wieder neu beworben.
Vera
00:25:48
Harald, nee, sorry, also es waren natürlich Leute, die da waren. Aber ich will jetzt auch gar nicht, weil ich wollte damit nur sagen, dass Michael vorhin sagte, hör mal den Autoren, wenn du drei Leute fragst, hast du vier Meinungen. So richtig hilft das für die Orientierung nicht. Und mir fehlen noch so ein bisschen die wirklichen Faktoren, an denen ich das einordnen kann. Und deshalb auch die Frage jetzt nach Genre, nach anderen Kriterien.
Michael
00:26:10
Du hast da gerade etwas ganz, ganz Wichtiges angesprochen, weil du sagst, wenn du drei Autoren fragst, kriegst du vier unterschiedliche Meinungen zu einer Messe. Da muss ich auch dazu sagen, das sind aber nicht nur bei den kleinen Messen. Also auch wenn du nach einer Leipziger Buchmesse Autorinnen und Autoren fragst oder auf einem Buchhorn, der einmal auf die fantastische Literatur spezialisiert ist, es wird immer Autorinnen und Autoren geben, die sagen, auf jeden Fall dorthin gehen, dort gehe ich immer wieder hin, es ist ein Erfolg. Und es wird auch immer wieder welche geben, bei denen es nicht funktioniert. Und die Erfahrung, die ich gemacht habe oder halt ein Ergebnis auch aus sehr, sehr vielen Jahren, in denen ich zuerst im Buchhandel gearbeitet habe und dann in anderen Bereichen im Verkauf ist, gerade Messen sind etwas, wo ich sage, und ich hoffe, das nimmt mir jetzt niemand übel, wenn ich das so ausspreche, aus meiner persönlichen Sicht. Es ist nicht jeder geeignet dafür, um auf Messen auszustellen. Und das hat überhaupt nichts mit den Büchern zu tun. Also aus meiner Sicht, solange man jetzt nicht in einem Genre schreibt, wo einem automatisch fast die Bücher aus den Händen gerissen werden, muss man vor allem am Anfang, um auf einer Messe auszustellen, bis zu einem gewissen Grad der Rampensau sein. Man muss sich wohlfühlen dabei, dass man aus sich heraus geht. Man muss sich wohlfühlen dabei, dass man auf potenzielle Käuferinnen und Käufer zugeht. Also auch das war mein Erfahrungswert, wenn ich auf Messen selbst auf den Großen darauf warte, dass meine Bücher gekauft werden, dass das nur wer anschaut und sagt, deswegen kaufe ich es jetzt, dann mache ich einen Bruchteil des Umsatzes und der Stückzahlen, die ich so machen würde und würde auch nur einen Bruchteil der Menschen kennenlernen, die ich so meine Bücher begeistern kann. Das muss einem schon bis zu einem gewissen Grad liegen, dass man einfach sagt, auch am zweiten Messetag oder Leipzig auch am vierten Messetag, Ich habe da immer die Energie und die Lust darauf, auf wen zuzugehen und zu sagen, interessieren Sie sich für Science-Fiction, gefällt Ihnen Horror, darf ich Ihnen da was empfehlen? Und das ist das, was ich halt auf vielen Messen festgestellt habe, die, die sich nicht wohlfühlen dabei und es ist jeder Mensch anders, das ist ja auch etwas sehr Schönes, die tun sich natürlich auf solchen Messen auch sehr schwer, weil, das verstehe ich schon, wenn man das nicht ist und das nicht mag, Jetzt wildfremde Menschen anzusprechen, ist nicht etwas, das jedem liegt.
Vera
00:28:37
Ja, also da bin ich, das kenne ich auch. Also, ja, also ich glaube...
Tamara
00:28:44
Vera ist eine Rampensache.
Vera
00:28:45
Ja, ich wollte es aufschreiben. Wie ist denn aus deiner Sicht, Harald, so die Einschätzung, die Faktoren, die da zählen? Also ich glaube nicht, dass bei mir das Problem ist, dass ich nicht auf Leute zugehe.
Harald
00:29:02
Und trotzdem muss ich die Worte von Michael bekräftigen. Ich erlebe das immer wieder auf diesen Messen, dass man klar unterscheiden kann. Der geht des Öfteren auf Messen, der andere ist zum ersten Mal da. Die sitzen wie die Mäuschen hinter ihrem manchmal sogar undekorierten Tisch, haben zwei Bücher da liegen und erwarten jetzt natürlich, dass die Käuferschar an ihren Tisch kommt und darum bettelt, ein Buch kaufen zu dürfen. Man muss wirklich auf die Menschen zugehen, weg vom Stuhl, aufstehen und den Menschen mal, da gibt es so verkäuferische Taktiken, die Zeit geben, mal den Klappentext zu lesen. Dann muss man genau den Augenblick erkennen, wo man seine Hilfe anbietet. Wo man vielleicht mal auf die Menschen zugeht und wenn sie jetzt etwas mehr zum Buch wissen wollen, haben sie die Gelegenheit, der Autoschritt neben ihnen. Das sind so kleine Tricks, die man anwenden kann. Aber wenn ich natürlich dahinter sitze, in mein Handy gucke oder das Strickzeug aus der Tasche hole. Das ist alles passiert. Kann man nicht erwarten, dass da der Besucher überhaupt Interesse zeigt. Man fühlt sich unangenehm, wenn man an den Tisch kommt. Du bist ein ungebetener Gast. Das Gefühl wird dann gegeben. Und da mache ich manchmal bei den Messen so Crashkurse, wie ich früher auch mit meinen Mitarbeitern gemacht habe. Das heißt Verkäufer, Verkäuferschonungen. vom Tisch ran an den Kunden, ohne aufdringlich zu sein. Und die schlechten Kritiken über Messen erfährt man meistens von den Menschen, die aus genau diesen Gründen kein Buch verkauft haben.
Vera
00:30:48
Das mag sein, ja.
Harald
00:30:49
Es gibt Autoren dabei, die sehe ich auf jeder Messe. Da stimmen keine Menschen, die ihren Geld böse sind, die aber gerne mal die 150 Euro in die Hand nehmen. Ich habe letztens erlebt, dass sogar eine Dame aus dem bayerischen Raum mit dem Flieger kam, drei Tage im Hotel gebucht hat und glücklich nach Hause gefahren ist. Da ging es ihr aber gar nicht darum, unmenge an Büchern verkauft zu haben, sondern dieser Kontakt zur Leserschaft war das, was sie mitgenommen hat. Das war ihre erste Messe und die war total begeistert.
Tamara
00:31:25
Ich habe so das Gefühl... Dass es vielleicht so ein Mix ist, aber dass es am Ende immer auf Emotionen ankommt. Also entweder ich habe ein Genre, das einfach wahnsinnig viel Emotion weckt und das ist, glaube ich, entweder Romance oder Fantasy. Da kann man sich in die Figuren reindenken, man trägt vielleicht sogar ein Kostüm oder so. Also ich glaube, das sind zwei sehr emotionale Genres. Oder eben, dass ich, so wie ich mich präsentiere, dass man mir wirklich direkt ansieht, ich bin so mit vollem Herzen dabei, man hat das sprudelt. Ich glaube, das sind so die zwei Punkte, wo vielleicht das eine stärker sein darf als das andere, aber die es dann am Ende reißen.
Michael
00:32:07
Ja, also definitiv. Also wie gesagt, nach vielen, vielen Jahren im Verkauf und einem Thema, mit dem ich mich sehr stark schon lange befasse. Am Ende des Tages ist Verkaufen etwas mit Emotionen. Und wie du sagst, es muss das Buch ansprechen, aber es muss eben auch in dem Fall auf einer Messe, wenn man als Autor oder Autorin dort steht, muss man selbst die Menschen ansprechen und positive Emotionen auslösen. Dann hat man eine Chance, dass man gut verkauft. Abseits dessen ist auch etwas, und das habe ich selbst aus leidiger Erfahrung am Anfang gelernt, Und nur mit einem einzigen Buch auf eine Messe zu gehen, ist ein Fehler, den ich niemandem raten würde. Das habe ich ganz am Anfang gemacht. Das waren meine ersten Messen, die komplett daneben gegangen sind. Ich habe festgestellt, seitdem ich mehr verschiedene Titel habe, mehrere Bücher anbieten kann, es wird mit jedem Mal mehr. Einerseits, weil jene Leserinnen und Leser, die mich noch gar nicht kennen, einfach eher hinschauen und hingreifen, wenn sie eine Auswahl haben. Aber natürlich auch, und das finde ich ist dann auch das Wunderschöne bei Messen, da hat es ja vorhin eh schon ein Beispiel gegeben, wenn man dann Interessierte trifft, die hinkommen und sagen, ich bin nur wegen dir auf die Messe gekommen oder was mich irrsinnig freut, wenn ich jetzt im Vorfeld selbst einer Leipziger Buchmesse bereits Nachrichten über Social Media von einzelnen Leserinnen und Lesern bekomme, ob ich wohl eh wieder auf der Messe bin, ob ich wohl was Neues dabei habe. Bei mir möchten es auf jeden Fall vorbeischauen. Das muss ich schon sagen, das ist etwas als Autor, da muss ich sagen, das ist nicht durch viel zu ersetzen, so ein Gefühl, wenn man sich denkt, da gibt es Menschen, die schon zwei Monate vorher überlegen, hoffentlich ist der dort und hat wieder was dabei. Und Erfolg auf Buchmessen aus meiner Sicht hat auch was mit Beständigkeit zu tun. Also irgendwann, ich hatte auch schon... Personen, die bei mir gekauft haben, die gesagt haben, jetzt sehen Sie mich schon auf der dritten Buchmesse und jetzt müssen Sie sich das einmal anschauen, was ich da schreibe.
Tamara
00:34:16
Aber wo du gerade sagst, nur ein Buch haben oder vielleicht nur zwei Bücher haben und der Harald hat vorhin auch was, ein Stichwort gegeben, undekorierte Tische. Wie seht ihr das denn, wenn man neben den Büchern noch andere Dinge anbietet, seien es Merch-Sachen oder vielleicht irgendwelche gebastelten Sachen, die zum Buch passen? Und das ist ja auch im Prinzip eine Einladung, um noch zu stöbern. Ist das den Aufwand wert?
Michael
00:34:42
Also du hast davor jetzt in deiner Frage eine ganz wichtige Sache untergebracht aus meiner Sicht, wenn es zum Buch passt. Also ich habe zum Beispiel eine österreichische Autorin, die ich gut kenne, mit der ich mich schon auf vielen Messen getroffen habe und auch schon gemeinsam ausgestellt habe, die Naomi Huber, die Romantic Fantasy schreibt. Die hat zum Beispiel, weil ein Drache ist ein großer Charakter in ihren Büchern, seit vielen, vielen Messen Drachenkerzen dabei, die sie selbst gibt und verkauft. Das passt natürlich eins zu eins zu ihren Büchern dazu. Das ist, so wie ich es mitkriege, auf jeden Fall, ich weiß nicht, wie viel sie daran verdient, aber bei den Verkaufszahlen sehe ich es auf jeden Fall auf den Messen, wo wir gemeinsam sind, die Sachen werden genauso stark gefragt wie ihre Bücher. Also das wird gerne gekauft. Und ich glaube, das ist genau das Thema. Wenn ich dort etwas verkaufe, was zu den Büchern dazu passt, dann ist das in Ordnung. Bei meinem Thema habe ich mir schon oft überlegt, bei Science Fiction mit Horror, was sollte ich da am passenden Merchantment verkaufen? Da bietet es sich einfach nicht an. Also da wäre alles, was ich dazu anbiete, einfach so, ja, ich habe heute noch irgendwas am Tisch dabei liegen. Also ich persönlich habe für mich entschieden, das passt bei mir zu meinen Büchern nicht dazu. Vielleicht würde sich das irgendwann einmal ändern. Aber passendes, das dazu passt und genau das Gleiche gilt aus meiner Sicht auch für die Tischdeco. Es sollte eine Tischdeko sein, wo man schon aus der Entfernung, wenn man an dem Tisch vorbeigeht, erkennt, womit habe ich es denn da zu tun? Also jetzt eine schöne blühende Blumenwiese, wenn man blutige Horror-Romanien hat, das ist die passende Tischdeko, die man nehmen sollte.
Vera
00:36:26
Dann lassen wir, Harald, wie gesagt, unsere Begegnung in Mülheim hat mich stark geprägt. Und was ist denn aus deiner, du schreibst ja jetzt Zwiller, das ist ja jetzt auch nicht die Themen, die jetzt Tamara gerade als Besonderster aufgezählt hat. Trotzdem verkaufst du ja da sehr erfolgreich. Gibt es aus deiner Sicht Do's und Don'ts bei der Tischdeko? Hast du ein Erfolgsrezept?
Harald
00:36:53
Ja, bei Krimi-Autoren, bei Söder-Autoren wird es etwas schwierig. Ich kann jetzt nicht, ich könnte natürlich Handschellen versuchen, an den Mann zu bringen.
Tamara
00:37:04
Das ist ein anderes Job.
Harald
00:37:14
Ich habe auch mal den Versuch gestartet, habe mir extra kleine Fläschchen gekauft im Handel, habe die mit einer roten, trinkbaren Flüssigkeit gefüllt und habe die als Blut an den Mann immer beim Buch dazugegeben. Ich halte es für den Bereich Thriller nicht besonders geeignet. Selbst bei Fantasy ist es schon ein bisschen grenzwertig. Ich habe einen lieben Kollegen, der verkauft Wildschweinwurst oder verschenkt Wildschweinwurst am Stand. Das kann man auch ganz gut an. Der ist aber auch, wie wir vorhin schon erwähnten, das ist eine wirkliche Rampensau. Der kann auf die Menschen unglaublich zugehen. Jetzt ist natürlich das Problem. Wo du von der verkäuferischen Möglichkeit ausgehst, kann ein oder zwei Bücher, können sich sehr gut verkaufen. Ich habe es gerade bei meiner letzten Messe erlebt, da kam eine junge Kollegin, eine Ärztin aus dem Bereich Recklinghausen und hat ihr erstes Buch an den Mann gebracht. Und die hat sehr gut verkauft. Selbst ich habe ein Buch von ihr gekauft, was ich überhaupt normalerweise nicht mache. Dann gab es Leute, die haben 30 Bücher da stehen und haben nicht so gut verkauft wie die Frau. Jetzt fragt man sich, warum ist das so? Muss man sich Folgendes vorstellen. Du gehst zu einer Messe, du triffst oftmals sogar die gleichen nachreisenden Groupies, die haben deine Bücher alle schon. Die sagen dir, schönen guten Tag, hast du mal wieder ein neues Buch? Dann hast du Glück gehabt, dann kannst du dieses Buch verkaufen. Und die alten verkaufst du an dir aber nicht mehr. Infolgedessen kannst du nur vom Glück reden, wenn du viele neue Besucher hast, die deine Bücher noch nicht kennen, die dich noch nie erlebt haben. Aber wie Michael so schön sagte, es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, wenn die Menschen an deinen Stand kommen, schön, hast du mal wieder ein neues Buch für mich, dann machst du mit denen auch das Selfie und die sind so glücklich mit ihrem Idol zusammen an einem Tisch gewesen zu sein. Und das macht alleine schon die Reise aus zur Messe. Das ist ein Highlight.
Vera
00:39:33
Ja, aber was würdet ihr denn jetzt mir, als bisher ja noch immer lokale Buchmessenskeptikerin, was würdet ihr mir denn empfehlen, damit ich dann auch mal überzeugt werde?
Harald
00:39:44
Das ist eine ganz banale Antwort darauf. Man sollte nicht aus dem Besuch einer Messe Rückschlüsse ziehen, das wird nichts, sondern immer wieder neu hingehen und immer mehr vergrößert sich der Kreis der Menschen, die deine Bücher anfangen zu lieben. Und es kommen zwei Dinge zusammen. Man kauft ja nicht nur das Buch. Man kauft auch den Menschen, der hinter dem Buch steht. Und wenn du als Autorin oder als Autor dich gut rüberbringen kannst, mal nett zu den Leuten bist, einfach mal den Mensch raushängen lässt, hast du schon gewonnen. Die kaufen dein Buch schon, selbst wenn sie es vorher gar nicht vorher hatten. Aber das richtige Lächeln dabei ist ganz wichtig.
Vera
00:40:26
Wolltest du damit sagen, dass ich bisher nicht nett zu den Leuten war?
Harald
00:40:29
Du hast lächelt wie ein Weltmeister.
Vera
00:40:31
Wollte ich auch sagen. Okay, aber ihr habt doch jetzt wahrscheinlich, ich behaupte jetzt mal, wahrscheinlich gibt es in Deutschland keine kleinere lokale Buchmesse, wo nicht einer von euch schon mal war. Welche dieser Buchfessen sollte ich denn? Natürlich die Rehbuch, das steht außer Frage. welche sollte ich denn, So als Einstieg für das erste Glücksgefühl auf jeden Fall mal besuchen.
Harald
00:40:59
Also ich wiederhole immer wieder, wo ich auch immer wieder anzutreffen bin, sind die Buchpassion. Allerdings reise ich nicht bis nach Kempten. Ich reise auch jetzt nicht mehr bis nach Erfurt. Das ist mir dann schon ein bisschen zu weit. Die Buch Berlin, da gibt es geteilte Meinungen drüber. Ich war noch nie da. Aber ich habe mir einige Messen auf den Plan gestellt für 2025. Da werde ich auf jeden Fall inreisen. Und da wird Michael mit Sicherheit viel bessere Argumente noch bringen für einzelne Messen. Denn er ist häufiger auf Messen als ich.
Vera
00:41:38
Tatsächlich, ja.
Harald
00:41:39
Ich reise nicht bis nach Wien.
Vera
00:41:43
Tamara war ja letztes Jahr auf der Buch Berlin und warst ja nicht so weit in Wien.
Tamara
00:41:48
Ich? Ich war noch nie auf der Buch Berlin.
Vera
00:41:51
Du warst doch auf irgendeiner Messe, wo es nicht gelaufen ist.
Tamara
00:41:54
Ich war Anfang des Jahres auf der, ich komme nicht mehr drauf, es war so eine Romance-Messe und das hat für mich nicht funktioniert. Und da war ich dann auch, ich war auch nicht gut drauf und ich wusste, ich sitze hier genauso, wie Michael es vorhin beschrieben hat, hinter meinem Stand und ich habe das für mich auch in Kauf genommen, weil das einfach ein doofer Tag war. Also es lag ganz, ganz viel bestimmt auch an mir, aber auch, dass ich glaube ich nicht so ganz ins Genre gepasst habe. Ich war zwar mit Liebesromanen auf einer Liebesromanmesse, aber ich glaube, dass da gerade andere Untergenres gefragt sind, als was ich so geschrieben habe.
Vera
00:42:34
Okay, Michael, dann musst du jetzt für einen ultimativen Ratschlag los, also wo ich da jetzt hinfahren soll.
Michael
00:42:40
Bei Cozy Crime bin ich wahrscheinlich absolut der Falsche, um mich zu fragen. Aber grundsätzlich Kann ich ganz einfach nur empfehlen, also nicht unter den ersten Buchenden zu sein, auch wenn es manchmal für die ersten Buchenden oft noch irgendwelche Rabatte oder sowas gibt, sondern ein bisschen zu warten und dann auch wirklich die Frage zu stellen, wer ist denn noch als Aussteller dort, beziehungsweise wie schaut der Hallenplan aus und dann die Entscheidung zu treffen ist unter anderem ein Grund, warum ich mich entschieden habe, nach einem Jahr aussetzen, dieses Jahr auf der Buch Berlin wieder dabei zu sein. Weil ich ganz einfach gesehen habe, dass es jetzt im Unterschied zu meinem letzten Mal, wo ich dort war, wo alles bunt gemischt war, jetzt einzelne Zonen für die einzelnen Genres und Bereiche gibt, was aus meiner Sicht ganz einfach mehr Sinn macht, weil... Die, die sich für einen einzelnen Bereich interessieren, dann gezielt dort die Runden gehen. Und auf so etwas achte ich inzwischen sehr stark und kann ich dir auch nur empfehlen, eben darauf zu achten. Was gibt es für andere Aussteller, wo du vielleicht meinst, das könnte dein Publikum sein und auch ganz offen mit den Veranstaltern zu sprechen, wie es ausschaut mit einzelnen Genres, Zonen und sowas, beziehungsweise was ich inzwischen auch mache, mit den Veranstaltern im Vorfeld zu sprechen und zu sagen, ich hätte gerne meinen Tisch an diesem und jenem Ort neben diesem und jenem Autor oder Autorin oder so platziert, wo ich sage, das ist mir schon klar, das ist nicht immer umsetzbar, aber zumindestens auch zu sagen, wäre es die Möglichkeit dort und dort zu sein und ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei den kleineren und mittleren Messen die meisten Veranstalter auch in diese Richtung hingehen und solche Wünsche, soweit es halt logistisch umsetzbar ist, auch umzusetzen und zu sagen, okay, wenn du dich dort wohlfühlst, dann platziere ich dich dort. Und das sind einfach dann die Dinge, die nach und nach dafür sorgen, dass man einfach eine bessere Chance hat, das richtige Publikum dorthin zu bekommen. Eines muss man aber trotzdem ganz ehrlich sagen, also bis jetzt auf die Spezialmessen, die halt eben auf Einschauer geben, wie Fantasy oder die ganz großen, wie ein Leipziger Buchmesse, ist jede Messe trotzdem immer auch ein bisschen ein Glücksspiel, denn es gibt viele Faktoren, die hineinspielen, ob der Tag erfolgreich wird. Wie es Tamara erwähnt hat, es hängt von mir selbst ab. Man ist selbst als Mensch nicht jeden Tag gleich gut drauf und nicht gleich fähig, auf die Menschen zuzugehen. Aber es gibt auch viele andere Dinge, die sich auch auf das Publikum auswirken. Ist ein schöner Tag? Ist ein schlechter Tag? Was hat es gerade gegeben? Wie viel Publikum kommt? Und wenn es zum Beispiel so ist, wenn man dann eine Messe hat, wo die Leute keinen Parkplatz in der Gegend finden und sich vorher schon eine halbe, dreiviertel Stunde gestresst haben, um einen Platz für ihr Auto zu suchen und dann hat man vielleicht noch das Pech und ist im Eingangsbereich irgendwo, also relativ weite vorne platziert, wo die, Entschuldigung, wenn ich das jetzt sage, so richtig angepisst reinkommen, jetzt bin ich halt da, weil das Ticket habe ich schon vorher gekauft. Da kann man mit aller Wahrscheinlichkeit auch tun, was man will. Man wird nicht erfolgreich sein. Und da kommt noch zu einem Tipp, jetzt nicht bei der Auswahl der Messen, sondern für das, was ich mir auch angewöhnt habe, bevor ich jemanden anspreche, Ich schaue mir die Leute ganz genau an, und zwar ihren Gesichtsausdruck. Ist es jemand, der, erstens einmal natürlich, wenn er mein Buch schon in der Hand hat, interessiert, da reinschaut, aber auch wenn jemand an meinem Stand vorbeigeht und ich überlege, spreche ich den an oder nicht, ist es jemand, der ausschaut, als hätte er hier einen guten Tag und ist froh, dass er hier ist? Oder geht da jemand vorbei, was Harald du sicherlich auch schon auf Messen gesehen hast, der so ausschaut wie zehn Tage Regenwetter und gestern die Steuernachzahlung kriegt und sonst noch irgendetwas. Es bringt nichts. Also das Einzige, was man daraus hat, es wird diese Person nicht positiv reagieren. Und gleichzeitig kriegt man selbst auch noch negative Energie ab und ist frustriert. Und wenn man drei solche hintereinander hat, ist es dann irgendwann ziemlich schwer, selbst noch positiv auf jemanden zuzugehen.
Vera
00:46:48
Absolut, ja. Stimmt, ja.
Harald
00:46:50
Die Autoren, die jetzt öfter mal zum Messen gehen, die haben ja mittlerweile einen kleinen Vorteil. Ich sage das mal so ganz glatt. Wir können unsere Schweine an Gang erkennen. Und das ist das, was Michael gerade meinte. Wir sehen schon, wenn der nur unseren Stand betrachtet, ob das einer für uns geeigneter ist oder ob der einfach nur gelangweilt vorbeigeht. Wobei wir immer eins bedenken müssen. Ungefähr ein Drittel der Leute, die da rumlaufen, die wollen gar kein Buch kaufen, die müssen die nur tragen. Die Leute, die fahren müssen und die dann die großen Taschen tragen müssen, die spricht man gar nicht erst an. Aber man kann schon erkennen, ob jemand ein Krimi-Leser ist oder ob er ein Romance-Leser ist. Und dann vermeidet man schon.
Vera
00:47:42
Woran erkennt man das?
Harald
00:47:44
Ja, das ist noch eine Erfahrungssache.
Vera
00:47:46
Okay.
Tamara
00:47:48
Das ist das Profiling.
Harald
00:47:51
Ja, natürlich. Aber ich möchte mal ein Wort sagen zu den ganz großen Messen wie Leipzig. Ich habe ja auch Leipzig schon ausgestellt. Es hat alles seinen Vor- und Nachteil. Der Nachteil ist, Leipzig ist wahnsinnig teuer. Frankfurt ist schon fast unerschwinglich. Für den kleinen Self-Promptish. Aber... Wenn du da gesehen wirst, wenn du selbst einen kleinen Stand hattest als unbedeutender Autor, da kommen tausende von Menschen vorbei. Und ein Mensch hat ein fotografisches Gedächtnis. Der behält deinen Namen im Hinterkopf. Und irgendwann sieht er mal ein Buch von dir in der Buchhandlung. Der sieht das bei Amazon, Facebook. Ach, den habe ich aber da gesehen. Da musst du mal ein Buch von kaufen. Jetzt habe ich nur das Glück, in diesem Jahr darf ich noch mit zwei tollen Autorenkolleginnen da in Leipzig lesen. Das ist etwas, das ist unbezahlbar. Das ist eine Image-Steigerung, die kann man nicht so einfach erkaufen. Und deshalb halte ich auch große Stücke auf diese großen Messen. Aber ein eigenes Stand kann ich mir als hohe Ständer nicht erlauben.
Michael
00:49:07
Also da muss ich auch sagen, eben sowas Großes wie Leipzig würde ich mich alleine mit einem Stand nie drüber trauen. Also das weiß ich schon vorher, das kann nicht funktionieren. Also da kann ich jedem aus dem Indie-Autoren-Umfeld nur die Empfehlung geben, sich andere Autorinnen und Autoren zu suchen, mit denen man das Gefühl hat, mit denen kann man gut zusammenarbeiten und sich die Kosten zu teilen. Dann kann es sich wirtschaftlich rechnen, wenn man es alleine macht. Ich meine, man muss immer dazu sagen, diese Grundregel, die immer kloppt, die gibt es sowieso nicht. Es gibt leider immer oder zum Glück auch immer wieder Ausnahmen, aber, Leipzig wird man alleine, vor allem am Anfang, nicht wirtschaftlich dastehen können. Da sind tausende Euro in kürzester Zeit verbrannt, die man nie wieder hereinbekommt. Also da bin ich froh, vom ersten Tag an eine Gruppe von anderen Fantastik-Autorinnen und Autoren gefunden zu haben, die gesagt haben, den Unsinn machen wir gemeinsam und den Spaß geben wir uns gemeinsam. Und da wird es dann auch etwas Schönes vom Geschäft her, aber natürlich auch mit der Zeit ein Gruppenevent, das man nicht mehr vermissen möchte.
Tamara
00:50:25
Aber das ist ja nicht nur bei so großen Messen so. Also ich war einmal auf einer Messe, da hatte die ausstellende Person neben mir so ein Glücksrad. Also auch Leute, die quasi schon auf mich zukamen, wurden dann abgelenkt mit, dreh doch mal mein Glücksrad. Das ist natürlich sehr ungünstig. Und wenn man da vielleicht sagt, man hat irgendwie drei, vier KollegInnen, die vom Genre her passen, wo man aber auch weiß, wir unterstützen uns gegenseitig, dann schafft man sich ja quasi seine eigene Nachbarschaft. Also ich habe zwei Beispiele gesehen. Ich war als Besucherin Ende letzten Jahres auf dem Weih-Nerds-Markt und da waren auch einige AutorInnen dabei und drei waren so übereck mit ihren Ständen und die hatten zwar jede ihren eigenen Stand, aber die haben dann auch wirklich gesagt, ja und sie da drüben hat noch was Passendes. Also die haben mich so unter sich hin und her geschickt. Ich habe aber auch schon erlebt, Gemeinschaft stand, wo zwei Personen waren und eine hat halt alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen und die andere ist da untergegangen. Also ich glaube, wenn man sich so ein bisschen seine Nachbarschaft selbst gestaltet hat. Genau, das war mein Referat.
Michael
00:51:39
Ja, das ist eben genau das, was ich vorhin gemeint habe. Man kann und sollte schon auch die Veranstalter darauf aufsprechen, wenn man schon sieht, okay, diese oder jene Autorin oder Autor ist dort, ich wäre gerne dort in der Nähe, ich werbe gerne bei dem zusammen. Auch das habe ich inzwischen schon einige aus meinem Genre, die ich kenne, wo, wenn man sieht, dass der andere auf einer Messe ist, Das steht dann sogar teilweise schon in den, oder wir sprechen uns vorher ab und dann steht in der Anmeldung drin, Platzierung bitte neben dem und der andere schreibt genau das andere rein. Und da funktioniert es dann genauso, wie du es beschrieben hast auch, dass man sagt, danke, dass Sie sich für meine Bücher interessieren, aber jetzt zum Abschluss, ich habe noch einen ganz tollen Tipp für Sie. Und ich muss sagen, aus meiner Erfahrung bisher bei 99,9 Prozent aller Autorinnen und Autoren funktioniert das in beide Richtungen. Das ist ein Geben und Nehmen und da ist man irrsinnig gern zusammen. Es gibt natürlich immer, wie überall, wo Menschen aufeinandertreffen, dann die eine oder andere Person, die da macht sich bei sowas nicht mit und das sind die Einzelkämpfer. Die muss man sagen, die findet man aber auf den Messen auch meistens relativ schnell heraus, weil das sind so die, mit denen niemand redet auf der Messe. Die beim Aufbauen nicht begrüßt werden, die ihr Ding machen, mit niemandem reden, sind aus meiner Erfahrung nur sehr, sehr, sehr wenige. Ja, denen muss man halt aus dem Weg gehen. Aber die meisten sind wirklich welche, die sich gegenseitig helfen, wo immer es auch nur geht.
Vera
00:53:13
Also das muss ich auch sagen, also bei aller Skepsis, die ich hier habe, das sind bisher immer die positiven Erlebnisse, dass Netzwerken unter den anwesenden Autoren und Autorinnen, die Kontakte, die da entstehen, das ist sicherlich für mich auch ein Wert an sich. Mal losgelöst von irgendwelchen Buchverkäufen. Also das finde ich schon. Jetzt wollte ich die ganze Zeit eine Frage stellen, jetzt habe ich sie vergessen.
Tamara
00:53:42
Dann hätte ich noch ein Thema. Wie sieht es denn aus mit Bewerben des Standes im Vorfeld, was Social Media oder vielleicht auch währenddessen irgendwie Storys hochladen, kommt noch vorbei, keine Ahnung. Macht ihr da viel?
Harald
00:53:57
Das wäre dumm, es nicht zu tun. Ich glaube, dass ich als Autor, ob das in den Newslettern sind oder in normalen Posts, sollte ich schon sagen, ich bin am so und so viel, noch Messe XY am Stand so und so viel. Das merken sich viele und du merkst auch, ach, schön, dass ich dich gefunden habe. Ich habe die Nummer gesucht. Nee, also das ist schon sehr wichtig, dass man da auch Eigenwerbung betreibt, was ja der Messe insgesamt dient.
Tamara
00:54:27
Ja, ja, also dass man es einmal postet, ist ja ganz klar. Aber da gibt es eben die, die sagen einmal Bescheid, hier bin ich und andere, die ballern dann wirklich raus. Und ich frage mich, wo so der sinnvolle Weg ...
Harald
00:54:38
Ja, die Waage zu finden ist ziemlich schwierig. Also ich mag auch nicht, wenn da so unendlich viel rausgeballert wird, dann überlesen die Menschen das schon. Ach, habe ich schon gesagt. Nein, wie oft noch? Möchten die auch nicht. Aber vielleicht zum Stand auf der Messe nochmal einen kurzen Satz. Ich finde das aber ganz interessant. Der Mensch ist ja ein Herbentier. Und es ist immer zu beobachten, wenn man versteht, Menschen an seinen Stand zu holen, holt man automatisch auch diejenigen zu sich heran, die man gar nicht angesprochen hat. Denn da, wo viele sind, muss ich auch sein. Und dieser Effekt kann sein, wenn ich neben einem erfolgreichen Autor stehe oder Autorin, dass das so eine Wirkung auch auf meinen Stand hat. Während die den großen Stand da besuchen wollen von der superbekannten Autorin, kann ich die mal eben anquatschen und kann meine Bücher auch verkaufen. Dann habe ich eine Menge Leute um mich rum. Ganz schlimm sind die dran, die wie die Mäuschen hinter dem Tisch sitzen und kein Wort sagen. Da geht man nicht hin. Und die rundherum stehen, die leiden mit. Weil die da auch nicht hingehen. Die Ecke wird ausgespart. Von den Besuchern. Und da muss man ganz vorsichtig sein. Man darf nie sich in die Ecke setzen und den Leuten das Gefühl geben, kauf bloß nicht meine Bücher. Man hört schlecht drauf.
Vera
00:56:11
Na gut. Ja, also ich muss jetzt mal in mich gehen, ob ich mir das Abenteuer regionale Buchmesse noch mal gönne. Ich meine, ich höre ja schon zwischen den Zeilen, dass man das vielleicht auch mal ein bisschen regelmäßiger tun muss, um da was wachsen zu lassen. Wie sieht es denn aus, Harald? Gibt es die Rehbuch denn dieses Jahr wieder?
Harald
00:56:35
Die wird es am 4. Oktober geben, allerdings nicht mehr in dem Hochfestspielhaus. Da wird das große Theater renoviert. Ich habe keine Chance, in den Saar heizukommen. Ich habe aber ein adäquates Revier gefunden. Das ist die berühmte Zeche Ewald in Herpen. Das wird von der Firma Motorworld geführt. Und da habe ich die Waschkauer angemietet. Nein, die Schwarzkauer nennt sich die. Und da habe ich eine Fläche von 1200 Quadratmeter zur Verfügung. Das heißt, 200 Tische sind da untergebracht. Und alles schön ebenerdig. Unglaublich viele Parkplätze. Läuft gerade an. Ich habe schon die halbe Halle voll.
Vera
00:57:23
Und hast du, ist denn eine Cosi-Qualmecke oder wäre ich da allein?
Harald
00:57:27
Kann man machen.
Vera
00:57:29
Naja.
Harald
00:57:30
Also wollte ich neben die großen Krimi-Autoren stellen.
Vera
00:57:35
Na ja, schauen mal. Was ist denn so, du hast, Michael, du hast ja vorhin auch noch gesagt, so bei der Auswahl von Messen, dass man so ein bisschen drauf schaut, auf die Professionalität der Veranstalter. Das hätte mich damals in Mülheim schon skeptisch machen sollen. So, was sind denn da so noch so Kriterien, wo du drauf guckst?
Michael
00:57:56
Auf der einen Seite einmal grundsätzlich überhaupt, wenn ich Anfragen schicke, wie schnell gibt es Antworten und wie wird auf das, was ich gefragt habe, auch eingegangen? Das ist einmal ein ganz so guter Punkt. Und eben genau solche Themen eben auch, gibt es konkrete Pläne zu, wie wird die Halle aufgeteilt sein, wie groß ist das Ganze dort, wie schauen die Tische aus? Also ich hatte schon Situationen mit Veranstaltungen im Vorfeld, wo zwei Monate vor der Veranstaltung, wie ich angefragt habe wegen einem Tisch, der Veranstalter noch nicht mal sagen konnte, wie groß die Tische sein werden. Das ist so eine absolute Red Flag für mich, wo ich sage, ja, erstens einmal weiß ich nicht, was bedeutet das jetzt, was kriege ich dann? Kriege ich 80 Zentimeter oder zwei Meter um diesen Preis? Also das sind so Dinge, nach denen ich frage. Ich frage auch noch nach Parkplätzen, wie es dort ausschaut. Parkplätze für die Aussteller, Parkplätze für die Besucher und natürlich auch ist immer spannend zu wissen, was planen die Veranstalter im Vorfeld an Werbung. Wie gesagt, es ist aus meiner Sicht auch wichtig, dass jeder Aussteller auch Werbung dafür macht, in einem gewissen Rahmen, ohne die eigenen Follower oder so zu nerven. Aber wenn einmal ein Termin feststellt, wenn man die Standnummer weiß und eine Woche vorher noch einmal Werbung dafür zu machen, ist sicherlich kein Fehler. Aber was macht auch der Veranstalter? Und ich habe aktuell gerade eine Situation, wo mich in Österreich ein Veranstalter von einer Messe. Die im März stattfinden soll, gefragt hat, ob ich nicht Interesse hätte, als Aussteller auch dabei zu sein, der jetzt sechs Wochen davor, noch keine aktive Webseite hat, der auf seinem Instagram-Profil bisher nur zwei Postings hat, ja, es wird diese Veranstaltung geben, wo ich sagen muss. Nein, bei aller Liebe, auch wenn ich dort nur eineinhalb Stunden hinfahre, das tue ich mir nicht an, weil es wird niemand dort sein, Weil niemand davon wissen wird, dass das stattfindet. Und wenn ich mir da im Gegenzug dazu anschaue, die Comic-Con-Tornbieren, die dieses Jahr im März mal erste Messe sein wird, mit der es losgeht, die Messesaison, die schon seit Ende letzten Jahres die Werbung dafür machen, Tickets sind im Vorverkauf, jetzt in einem großen Einkaufscenter neben der Messe am letzten Wochenende. Die meinen, ja, okay, Comic-Con ist eine andere Liga, aber trotzdem dort eine Veranstaltung hatten mit Cosplayern, um auf die Comic-Con aufmerksam zu machen, die in zwei Monaten, da sage ich, ja, da weiß ich, die Hütte wird voll sein, ganz einfach, weil die etwas tun dafür. Sowas Großes kann man natürlich als regionaler Buchmessenveranstalter nicht machen, aber es muss halt auch immer dazu passen und mir auch das Gefühl geben, okay, da gibt es Aktivitäten auf der Webseite, auf Social Media, und das sind so die Dinge, die für mich hier mit reinspielen, wo ich sage, habe ich das Vertrauen in diese Veranstaltenden, dass das was werden kann oder habe ich eher das Gefühl, ja, das wird vielleicht ein schönes Branchentreffen, wo sich 50 Autorinnen und Autoren treffen und zwei Tage lang Kaffee trinken können miteinander, aber da gibt es dann kostengünstigere und schönere Varianten, diese Menschen zu treffen, dafür muss ich nicht auf einer Messe herumstehen. Ja.
Vera
01:01:14
Wie sieht denn dein Marketingkonzept aus, Sarald, bei der Rehbuch?
Harald
01:01:19
Ja, das beginnt jetzt gerade wieder. Social Media, klar, das ist noch mit das Leichteste. Die Website steht seit drei Tagen. Man kann sich also informieren, man kann sich bewerben. Dann bekommt man auch die Anmeldeunterlagen. und ich habe eines gelernt, was Michael gerade auch angesprochen hat, wie sieht es mit den Tischen aus? Da kann man schnell Fehler machen. Ich habe auch bei der ersten Messe einen kleinen Fehler gemacht. Ich habe eigentlich nur 120er Tische angeboten. Jetzt sind viele dabei, die haben ein kleines Portemonnaie und die würden gerne einen Tisch teilen. Jetzt teilen wir mal 120 cm. Da kannst du noch nicht mal die zwei Stühle dahinter stellen. Ich bin jetzt hingegangen und habe geordert, da ich eine leere Halle gemietet habe, habe mir also drei verschiedene Tischgrößen geordert, von 1,20 für Singles. Bis zu 2,20 Meter für Leute, die jetzt ein größeres Angebot haben, beziehungsweise die sich einen Tisch teilen möchten. Dann hat aber jeder ein Szenen am Ende. Und ich schlage nicht auf, nur weil zwei sich den Tisch teilen. Ich nehme dann 50 Prozent von den Leuten. Das wird nämlich auch häufig gemacht. sagen wir mal, ein Tisch kostet 150, den Tisch muss jeder für 80 bezahlen. Das halte ich für unfair mittlerweile. Ich möchte diese Familie der Buchinteressierten und der Schreiberlinge erweitern und sehe das nicht unbedingt nur als Einnahmequelle für mich als Veranstalter, zumal ich sowieso das Geld alles an einen Kinderhospizdienst weitergebe. Also da steht der Verdienst nicht im Vordergrund. Dafür habe ich meine Rente.
Vera
01:03:19
Ja, sehr schön. Ich werde dann nochmal in mich gehen, auf die Webseite und so. Tun wir ja in die Shownotes. Und Michael überlegt, vielleicht sehen wir uns ja bei der Rehbuch oder so. Das kann ja sein.
Harald
01:03:32
Aber um die Marketinggeschichte noch weiter zu schreiben. Entschuldige, Vera. Da gibt es natürlich noch Plakatwerbung. Da gibt es dann noch die Ansprache an die Radiosender. Selbst dieser lokalen Fernsehsender habe ich angesprochen und die haben schon Interesse daran gezeigt, zumal ja der Charity-Gedanke dahinter steht, habe ich die große Hoffnung, dass die WDR 3 zum Beispiel im Lokalfernsehen da sein wird. Also da mache ich schon einiges, damit die Messe bekannter wird.
Vera
01:04:07
Ja, sehr schön. Ja, also ich muss gestehen, eine gewisse Neugier ist da und, ich weiß nicht, Tamara, vielleicht machen wir doch mal die zwei von der Talkstelle stand, oder?
Tamara
01:04:21
Ja, genremäßig kommen wir da zwar nicht so richtig zusammen.
Vera
01:04:24
Aber ja, so weit weg sind wir auch nicht, aber wir machen das durch unsere positive Stimmung und unser Lächeln wett.
Tamara
01:04:32
Auf jeden Fall.
Vera
01:04:34
Aber ihr seid noch nicht entlassen, weil Tamara stellt euch nämlich jetzt noch unsere total kritischen Buch-Bubble-Fragen.
Tamara
01:04:44
Jawohl, Harald, Michael. Welches Buch hat euch denn beim Lesen zuletzt entweder zu Tränen gerührt oder euch Tränen lachen lassen?
Harald
01:04:55
Möchtest du anfangen, Michael?
Michael
01:04:56
Danke, gerne. Da habe ich einen Titel, der beides gewirkt hat.
Tamara
01:05:01
Sehr schön.
Michael
01:05:02
Es war ein Buch Ende letzten Jahres von einer Autorin, die ich sehr schätze, von der Melanie Vogeltanz, die ja auch österreichische Fantastikautorin ist. Und der Titel ist Backstage. Es ist ein sehr düsterer Fantastikroman, der aber definitiv beides bei mir ausgelöst hat. Und für mich eines, wenn nicht sogar das beste Buch ist, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Und wer mir auf Social Media folgt oder so, so ziemlich jeden, der nach guten Büchern fragt, empfehle und nicht durchlasse davon, weil ich finde, das ist ein Buch, das sage ich nicht oft, aber das sollte man gelesen haben.
Harald
01:05:42
Aber bei mir ist das etwas anders. Ich lese eigentlich relativ wenig, es sei denn, es sind Fachbücher über Kriminalistik, über Rechtsmedizin etc., weil ich die dann als Recherchematerial für meine Bücher brauche. Und habe trotzdem vorhin ja schon mal ein Buch anklingen lassen, was ich mir gekauft habe. Das ist ein Buch von Nadine Detloff. Das heißt, hätte ich dich doch nur gesehen. Das behandelt ein ganz, ganz interessantes Thema, was mir sehr an die Nieren gegangen ist, Man muss sich mal vorstellen, dass jemand ins Wachkoma fällt und die Wissenschaft weiß bis heute nicht, was denkt dieser Mensch. Denkt er überhaupt? Hat er die Fähigkeit zu denken? Was sieht er? Was hört er? Und da an einem fiktiven Beispiel geht die Ärztin darauf ein und erklärt das auch mal innerhalb der Handlung ganz toll. Ich mache mit ihr in nächster Zeit aus diesem Buch eine szenische Lesung Da freue ich mich schon wahnsinnig drauf. Das hat mich angefasst, weil ich selber auch mal ganz nah am Tod stand. Und das hat mich schon wirklich zu Teilen gerührt.
Vera
01:07:01
Das kann ich verstehen, ja.
Tamara
01:07:04
Ja, die zweite Frage, da habt ihr bestimmt Unmengen, aus denen ihr schöpfen könnt. Welche Begegnung in der Buchbubble hat euch denn ganz besonders inspiriert?
Vera
01:07:15
Harald, da fang du mal an.
Harald
01:07:16
Ja, das war jetzt gar nicht so lange her. Im letzten Sommer, da hatte ich eine Lesung mit Klaus-Peter Rolf und wir haben uns lange vorher zusammengesetzt und haben miteinander gequatzt. Und da habe ich wahnsinnig viel gelernt, zumal ich diesen Menschen schon zu Anfang seiner Schreiberei kennenlernen durfte. Als ich noch eine Zeitung geleitet habe, da saß er bei mir in der Redaktion und wollte gerne eine Rezension zu seinem Buch haben. Und da hat keiner, also weder er noch ich, jemals ein Gedanken daran verschwindet, wie groß dieser Mensch irgendwann mal werden würde. Und jetzt habe ich ihn wieder getroffen. Ich habe ihn in Röcklinghausen am Bahnhof abgeholt, den Mann in seiner blauen Tuchhose mit Hosenträgern und sieht aus, als wenn sie ihn vorher überfallen hätten. vorher. Wir haben uns lange, lange, sieben Stunden unterhalten und der hat mir unglaublich viel beigebracht, was ich in Zukunft bei meinen Büchern anwenden werde. Man muss sich vorstellen, der schreibt noch mit Füllhalter in eine Kladde.
Tamara
01:08:26
Ui.
Harald
01:08:26
Das kann man sich gar nicht vorstellen. Aber der hat mich inspiriert.
Vera
01:08:32
Michael?
Michael
01:08:34
Bei mir war es, also es gibt sehr viele Menschen, die mich in dem Bereich berührt und inspiriert haben, aber eine ganz besondere Person für mich ist ein Zeichner, der auch für mich Cover gestaltet hat. Also wie ich angefangen habe, Science-Fiction zu schreiben, habe ich mir immer gedacht, ich würde mir wünschen, irgendwann einmal vom Arndt Drechsler ein Cover zu haben. Der ist im Science-Fiction-Bereich ein Bekannter, der hat für alle großen Science-Fiction-Verlage im deutschsprachigen Bereich Cover gemacht, für Heine, für Bastei Lübbe, für alle, der jahrzehntelang für Peri Roden gearbeitet und für viele andere Serien. Und da war immer so, von dem hätte ich gerne mal ein Cover und habe mich dann einfach irgendwann einmal durchgerungen. Mein Gott, der hat eine Homepage, ich schreibe halt ein E-Mail hin, ob er für Self-Publisher auch was machen würde. Und das hat keine Stunde gedauert, da kam ein Mail zurück mit einer deutschen Handynummer, wo nur dringestanden ist, ruf mich einfach an. Das habe ich damals gemacht und dann eineinhalb Stunden lang mit Arndt Drechsler geplaudert über Gott und die Welt, über österreichische Filme und Serien, weil er damals mir erzählt hat, dass er ein riesengroßer Fan, er und seine Frau, riesengroße Fans von österreichischen Komödien und Filmen sind. Der hat dann angefangen für mich Cover zu machen, hat sie gezeichnet, ist dann auch 2023 extra auf die Leipziger Buchmesse gekommen, um mich dort zu besuchen, weil er gewusst hat, ich bin am Stand dort und er wollte mich persönlich kennenlernen. Er war ein irrsinnig freundlicher Mensch, der unglaublich engagiert war dafür, alle, mit denen er zusammenarbeitet, zu unterstützen. Das war so, wo ich mir gedacht habe, ja, so möchte ich sein, wenn ich mit anderen arbeite, ihnen zu helfen, zu unterstützen. Das Traurige an der Geschichte ist leider, dass wir ein paar Monate später noch über einen Kaber gesprochen haben, wo er schon in der Gestaltung war und wenige Tage später ist er leider gestorben. Aber er ist jemand aus der Buchbabel, den ich sicherlich nie vergessen werde.
Vera
01:10:40
Ja, wow. Tolle Begegnung.
Tamara
01:10:43
Okay. Und zum Abschluss, welches Klischee möchtet ihr denn nie wieder in einem Buch lesen?
Harald
01:10:50
Ja, also ich persönlich mag nicht, wenn in Büchern Helden gefeiert werden, die absolut fehlerfrei dargestellt werden. Ich brauche Menschen mit Hecken und Kanten in meinen Büchern. Und vor allen Dingen, die bleiben im Gedächtnis, nicht diese Superhelden. Ich mag keine Vorverurteilung von Randgruppen. Ich habe deshalb in all meinen Büchern immer auch diesen Randgruppen ein Forum geboten. Ganz aktuell habe ich mich mit dem Thema beschäftigt, der sexuellen Orientierung. In tödliche Wandlungen habe ich dieses Thema mal wirklich ernsthaft recherchiert, habe auch sehr große Hilfe erfahren von zwei Betroffenen. Das hat mir wahnsinnig viel geholfen, diese Menschen zu verstehen. Man muss den Mut besitzen, auch in seinen Büchern mal an schwierige Themen heranzugehen. Allerdings erwarte ich dann, dass die sehr gut recherchiert sind. Dumme Phrasen darf man nicht vorbei.
Michael
01:12:03
Ich glaube, da passt es ganz gut zusammen, was Harald schon gesagt hat. Also bei mir ist es, was ich so überhaupt nicht mehr ausstellen kann, diese Helden aus irgendwelchen Überlieferungen, die jahrzehntelang irgendwo im Versteckten gelebt haben, ohne zu wissen, dass sie selbst die großen Helden der Prophezeiung sind. Also das ist etwas, das vertrage ich gar nicht mehr. Und vor allem eben auch so dieses Klischee, wie ein Held zu sein hat, dass Helden, das sind immer so die, die irgendeiner Norm entsprechen und so sind und diese strahlenden Helden, Ecken und Kanten ist was ganz, was Wichtiges, aber eben auch, und ich glaube Harald, so wie ich das bei dir heraushöre, ist das bei dir auch so, dass dieses, ja, ja. Es darf schon mal jemand mit einer Beeinträchtigung oder so. Einem Buch vorkommen hat, aber die Helden sind dann trotzdem wieder die Normcharaktere. Also das mag ich so überhaupt nicht. Und auch da versuche ich, mein Bestes in meinen Büchern da auch zu zeigen, dass auch Menschen mit unterschiedlichen körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen auch die Helden sein können, die etwas Besonderes machen. Dass es unabhängig von Religion, Herkunft oder sonst irgendeiner Ausrichtung oder Denkweise für jeden möglich ist, etwas Besonderes zu tun. Und das würde ich mir in sehr vielen Büchern wünschen, die aus meiner Sicht dann auch zumindest für mich wesentlich realistischere Bücher werden.
Tamara
01:13:37
Jawohl.
Vera
01:13:38
Ja, vielen, vielen Dank. Also um da mal eine geniale Überleitung zu machen, ihr seid für mich die Helden der lokalen Buchmessen. Und ich überlege, ob ich mal versuche, in eure zwar viel zu großen Fußstapfen zu treten. mal sehen, wo wir uns dann begegnen. Ja, an euch da draußen, liebe Hörerinnen und Hörer, ihr habt vielleicht auch ein bisschen Inspiration mitbekommen und berichtet uns gerne mal, was ihr so an Erfahrungen gemacht habt bei diversen Buchmessen. Wie gesagt, ich warte noch auf den Tipp, wo ich als erstes mal so hin soll. Und ja, ansonsten wisst ihr, was ihr zu tun habt. Folgt uns, wo immer ihr könnt. Abonniert unser Buchbubble und bleibt uns gewogen. Vielen Dank, Harald. Und vielen Dank, Michael.
Michael
01:14:25
Danke.
Vera
01:14:25
Vielen Dank an euch da draußen. Bis dann.
Tamara
01:14:27
Danke euch.
Harald
01:14:28
Ciao.