Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

DZVDT #248 - ‚Show, don‘t tell‘ mit Thomas Dellenbusch: Wie die Regie-Methode beim Erkennen von 'Tell' hilft

Gehört haben wir wohl alle schon von der Schreibregel 'Show, don't tell'. Aber sie zu kennen, und sie anzuwenden, das sind dann doch zwei Geschichten, denn oft hapert es schon am treffsicheren Erkennen sogenannter 'Tell'-Passagen!

06.02.2025 62 min

Zusammenfassung & Show Notes

Gehört haben wir wohl alle schon von der Schreibregel 'Show, don't tell'. Aber sie zu kennen, und sie anzuwenden, das sind dann doch zwei Geschichten, denn oft hapert es schon am treffsicheren Erkennen sogenannter 'Tell'-Passagen! Deshalb hat Thomas Dellenbusch nun ein Buch zu genau diesem Thema veröffentlicht.
In Podcast-Gespräch stellt uns der Autor, Lektor und Verleger die 'Regie-Methode' vor, die es Schreibenden leichter macht, Stellen im Roman zu identifizieren, die mehr 'Show' brauchen.
Natürlich erklärt Thomas auch, wann und warum das Ganze überhaupt wichtig ist, und liefert konkrete Beispiele. Ob Vera und Tamara nun viel zu überarbeiten haben? 

Gehört haben wir wohl alle schon von der Schreibregel 'Show, don't tell'. Aber sie zu kennen, und sie anzuwenden, das sind dann doch zwei Geschichten, denn oft hapert es schon am treffsicheren Erkennen sogenannter 'Tell'-Passagen!

Deshalb hat Thomas Dellenbusch nun ein Buch zu genau diesem Thema veröffentlicht. In Podcast-Gespräch stellt uns der Autor, Lektor und Verleger die 'Regie-Methode' vor, die es Schreibenden leichter macht, Stellen im Roman zu identifizieren, die mehr 'Show' brauchen.

Natürlich erklärt Thomas auch, wann und warum das Ganze überhaupt wichtig ist, und liefert konkrete Beispiele. Ob Vera und Tamara nun viel zu überarbeiten haben?

Links

Unser Gast:
Thomas Dellenbuschs KopfKino-Verlag: https://www.meinkopfkino.de/
Lektorat und Korrektorat: https://www.meinkopfkino.de/autorenservice/254-korrektorat-und-lektorat.html

Thomas Dellenbuschs Buch 'Show, don't tell: Die Regie-Methode':
https://www.amazon.de/Show-dont-tell-Die-Regie-Methode-ebook/dp/B0DVP2NM67/

Die Zwei von der Talkstelle live auf der LBM2025:
Sonntag, 30.03.2025, 12:30 - 13:00 Uhr, Forum autoren@leipzig (Halle 5, Stand D501)

Thomas' Buchtipps:
'Kleine Probleme' von Nele Pollatschek
https://www.amazon.de/Kleine-Probleme-Roman-Nele-Pollatschek/dp/3869712406/

'SORLA Schlangenkaiser' von Amadeus Firgau
https://www.meinkopfkino.de/geschichten/280-sorla-schlangenkaiser.html

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Transkript

Vera
00:00:00
In Folge 248 von die zwei von der Talkstelle geht es um die Schreibregeln aller Schreibregeln. Show, don't tell. Und wir haben Thomas Stellenbusch eingeladen, der gerade ein kleines Büchlein dazu geschrieben hat, wie man Tell-Passagen findet. Und wir haben über konkrete Passagen in meinem Manuskript gesprochen. Und ich sage jetzt nicht, was dabei rausgekommen ist.
Tamara
00:00:25
Ich will nur noch ergänzen, Thomas hat mir aus dem Herzen gesprochen. Und es war ein tolles Gespräch und hört auf jeden Fall rein. Die 2, Ihr Lieben, Folge 248 von Die 2 von der Talkstelle und mir gegenüber sitzt die liebe Vera Nentwig. Mein Name ist Tamara Leonhardt und ich sage Hallo.
Vera
00:01:01
Ja, Hallöschön, liebe Tamara. Ja, mir fällt gar nicht ein, was ich so sagen soll.
Tamara
00:01:09
Okay, wie läuft es denn mit deinem Schreiben?
Vera
00:01:12
Oh ja, da habe ich jetzt, ich habe so das Gefühl, dass ich am Wochenende den Knoten durchschnitten habe. Also eigentlich wollte ich am Wochenende ganz viel schreiben, aber irgendwie, ich kam Samstag nicht so von der Stelle Und dann habe ich alles nochmal hinterfragt und das Wochenende genutzt, so das Konzept, also die Grundidee, wie ich sie bisher hatte, nochmal so umzukrämpen, nochmal durchzudenken. Und da sind wir so bis zum Sonntagnachmittag, sind mir so ein paar Ideen gekommen, wie das besser ist. Und das fühlt sich jetzt gut an. Und jetzt habe ich wirklich jetzt gut schreiben können und habe jetzt gerade ein gutes Gefühl. Ich weiß noch nicht, wie lange es anhält, aber es fühlt sich jetzt gerade gut an.
Tamara
00:01:57
Sehr, sehr schön. Das freut mich.
Vera
00:01:59
Ja, mich auch. Unser letztes Gespräch hat ja auch Nachwirkungen gezeigt. Ich habe jetzt gerade vorhin bezahlt, habe jetzt einen Tisch bei der Rehbuch, da habe ich noch einen Oktober gebucht. Ich habe gesagt, ich gehe das Wagnis jetzt nochmal ein. Mit der Messe. Schauen wir mal, wie es wirkt. Und ja, ist ja noch ein bisschen hin bis Oktober.
Tamara
00:02:30
Ja, zum Glück. Also die Zeit geht ja schnell, aber wir wollen es nicht übertreiben.
Vera
00:02:37
Nee, nee, also das muss jetzt auch nicht so sein. Ja, wir haben ja auch schöne Neuigkeiten.
Tamara
00:02:45
Ja, genau.
Vera
00:02:46
Im März in Leipzig werden wir ja wieder unsere berühmte Doppelsession machen.
Tamara
00:02:55
Genau. Ihr könnt uns live auf der Bühne sehen, die zwei von der Talkstelle, mit ein bisschen lesen und viel gebabbeln.
Vera
00:03:02
Wir haben doch ja nicht darüber gesprochen, was wir da machen wollen.
Tamara
00:03:04
Ja, jetzt ist es raus.
Vera
00:03:06
Genau, weil du hast in deinem Post geschrieben, Live-Podcast. Also nicht, dass die Leute denken, wir nehmen da was auf.
Tamara
00:03:12
So. Wir können ja ein Handy mitlaufen lassen oder was aufgenommen.
Vera
00:03:18
Bei unserer Tonqualität fällt das wahrscheinlich ja nie auf. Und ja, Ja, aber auf jeden Fall sind wir da. Du hast den Termin bestimmt im Kopf.
Tamara
00:03:27
Nicht im Kopf, aber auf meinem zweiten Bildschirm. Und zwar ist das am Messe Sonntag am 30. März von 12.30 Uhr bis 13 Uhr im Forum Autoren at Leipzig. Das ist in Halle 5 Stand D501 und natürlich kommt das Ganze auch in die Shownotes.
Vera
00:03:47
Genau. Und wenn ihr uns dann treffen wollt, müsst ihr euch dann beeilen, weil um 13.15 Uhr fahren wir nach Hause.
Tamara
00:03:55
So ungefähr. Also an dem Tag geht es auf jeden Fall noch heim. Ich weiß nicht, ob du schon einen Zug oder was gebucht hast. Ich fahre mit dem Auto. Du fährst mit dem Auto. Ich bin noch unentschlossen.
Vera
00:04:05
Du weißt doch, dass ich mit dem Auto fahre, weil du vom Hotel bis zur Messe mit mir fahren möchtest.
Tamara
00:04:10
Stimmt, jetzt wo du es sagst. Ja, weil einmal sind wir ja von Leipzig aus zusammen mit dem Zug gefahren. Deswegen hatte ich den jetzt im Kopf.
Vera
00:04:17
Nee, ich fahre mit dem Auto.
Tamara
00:04:18
Eine der schlimmsten Zugfahrten meines Lebens und das hatte nichts mit dir zu tun.
Vera
00:04:22
Ja, aber erst nachher, als ich weg war, oder?
Tamara
00:04:26
Nee, schon als du da warst.
Vera
00:04:28
Ach stimmt, ja, ich erinnere mich. Du musst immer, wie ich, ich suche immer, ich buche dann immer im Großraumwagen den Einzelsitz. Da hat man seine Ruhe.
Tamara
00:04:38
Ja, ich wollte ja bei dir sitzen.
Vera
00:04:43
Oh, ich konnte es nicht wettmachen. Na gut.
Tamara
00:04:47
Naja, aber zurück zu schöneren Themen als mit Vera Zug fahren.
Vera
00:04:53
Oh, super.
Tamara
00:04:56
Ja, danke für die Rückfrage. Mit meinem Schreiben läuft es auch ganz gut.
Vera
00:05:02
Genau.
Tamara
00:05:03
Ich habe zwar letzte Woche waren wieder Tage dabei, wo ich gegen meines, wie sagt man, meines Vorsatzes, nicht jeden Tag geschrieben habe, aber dafür habe ich am Sonntag den zweieinhalbfachen Wordcount geschrieben und bin jetzt beim zweiten von den wahrscheinlich drei letzten Kapiteln. Ja, ich denke, es wird noch eins danach geben.
Vera
00:05:31
Ich bin immer wieder überrascht.
Tamara
00:05:33
Das Ende ist wirklich ganz nah.
Vera
00:05:35
Ich bin immer überrascht, wie lange du an einem Schluss arbeiten kannst. Das wird der längste Schluss, den es je gab.
Tamara
00:05:42
Nee, der ist tatsächlich nicht sehr lang, aber der muss ja doch... Gerade das Ende muss ja schon stimmig sein.
Vera
00:05:52
Stimmig muss es schon sein, aber nicht lang. Ja, ich bin sehr gespannt. Ich bin sehr gespannt auf dein Werk.
Tamara
00:06:00
Ansonsten habe ich noch schöne literarische Erlebnisse gehabt. Ich war am Donnerstag in Saarbrücken bei einer Premierenlesung einer Anthologie. Und da war unter anderem auch unser Gast, wann war er bei uns? Ich glaube, der letzte Gast letztes Jahr war es, genau, der Christoph Endres, der mit uns über Science-Fiction gesprochen hat. Der hat da eine Kurzgeschichte beigesteuert zu der Anthologie. Das hatte er ja damals schon angekündigt. Die Anthologie heißt übrigens Basement Tales und das ist Volume 10. Und ich habe mich fast kaputt gelacht.
Vera
00:06:37
Ja, stimmt.
Tamara
00:06:38
Es geht um ein paar Mathematiker, die ein mathematisches Problem zu lösen haben, was sie nicht hinbekommen. Aber sie haben eine Zeitmaschine und können sich ja deswegen die besten MathematikerInnen der Zeitgeschichte holen. Sie entscheiden sich für Isaac Newton, erwischen aber sein 16-jähriges Ich. Und was ich ganz clever finde, wer in der Zeit reist, muss eine 14-tägige Quarantäne absolvieren, indem ihm quasi so die ganzen Veränderungen nahegebracht werden. Und ja, Isaac Newton wirft die ganze Zeit mit Dingen wie YOLO und LOL um sich und es ist einfach nur lustig.
Vera
00:07:16
Ja, das klingt auf jeden Fall witzig. Ich kann keine literarischen Erlebnisse mitteilen. Ich hatte eigentlich, hatte ich Erlebnisse. Das klingt jetzt doch, ja, private schon, aber die erzähle ich jetzt hier nicht.
Tamara
00:07:32
Ihr Mensch.
Vera
00:07:33
Ja, nee, nee. Und ich habe, ich weiß nicht, wie ich das hier schon mal erzählt habe, ich bin ja Regio-Schwester West, der neuerlichen Schwestern und 15. Februar, jetzt so 14 Tagen, habe ich ein Kick-Off-Event organisiert. Dann treffen wir uns in einem Hotel in Dortmund, um halt quasi Schwung für das Jahr 2025 zu holen. Und ja, da freue ich mich schon sehr drauf. Das wird sicherlich spaßig. Und ich muss ja gestehen, ich liebe ja solche Dinge zu organisieren. Ach, das könnte ich ja rund um die Uhr tun. Und von daher bin ich da gerade voll in meinem Element.
Tamara
00:08:15
Cool.
Vera
00:08:16
Ja, ansonsten bin ich froh, dass ich überhaupt mit dir reden kann, weil gestern hatten wir ja totalen Netzausfall, also war alles weg. Und Fernsehen, Internet, Telefon, alles.
Tamara
00:08:26
Was hast du denn da gemacht?
Vera
00:08:27
Ich habe gar nichts gemacht. Dann habe ich geguckt, im Internet stand, ich habe hier Vodafone und da stand aber auch drin, dass andere Provider wohl auch großflächig betroffen seien und Reparatur dauert drei Tage. Ich sah mich dann schon jetzt irgendwie hier mit meinem Equipment dann doch ins Büro fahren, weil da hatten sie wohl noch Internet aber jetzt, war es jetzt, als ich heute aus dem Büro zurückkam, wieder da das Internet ich hoffe mal, es bleibt auch, und ja, solltet ihr auch irgendwelche Unterbrechungen mitbekommen, dann weil vielleicht noch nicht so richtig da ist das Internet, keine Ahnung.
Tamara
00:09:12
Dann geben wir wo davon die Schuld?
Vera
00:09:14
Die haben es dann auch Schuld, also keiner. Womöglich auch irgendeinen Bagger, der irgendeine Lack habe oder doch die russische Schattenflotte, die hier über den Reihen gekurvt ist, keine Ahnung. Man weiß es ja heutzutage nicht mehr.
Tamara
00:09:30
Man weiß es nicht.
Vera
00:09:33
Ja, wie kriege ich jetzt die Überleitung zum Thema hin?
Tamara
00:09:37
Das ist eine sehr gute Frage.
Vera
00:09:39
Mit nicht Wissen, klar. Wobei ich mich ja frage, gibt es noch irgendjemanden, der das nicht weiß? Das werden wir jetzt gleich klären.
Tamara
00:09:47
Ja, das war so semi.
Vera
00:09:52
Aber ich habe mein Bestes gegeben. Ja, heute wollen wir uns nämlich mit einem Thema befassen, bei dem ich gar nicht so sicher bin, ob es noch Leute da draußen gibt, die das nicht kennen. Anders ist, dass jemand ein Büchlein geschrieben hat, speziell zu diesem Thema. Dieser jemand ist heute da und da freuen wir uns sehr. Thomas Dellenbusch ist heute bei uns. Hallo Thomas.
Thomas
00:10:23
Hallöchen ihr beiden. Schön, dass ich hier sein darf.
Tamara
00:10:26
Ja, als du das letzte Mal da warst, haben wir uns ja noch gar nicht gesehen. Da haben wir nur aufgenommen mit Audio.
Thomas
00:10:31
Ja, das stimmt.
Vera
00:10:33
Ja, und das Thema, um das es geht, ist die Schreibregel aller Schreibregeln. Das, was man als erstes gesagt bekommt, wenn man irgendwem sagt, dass man ein Buch schreibt. Und diese Regel lautet, show, don't tell. Lieber Thomas, wieso schreibst du ein Büchlein zu diesem Thema? Das kann doch jeder.
Thomas
00:11:01
Gut, ich muss eine Sache korrigieren. Ich habe kein vollumfängliches Buch zum Thema Showdown Tell veröffentlicht vor ein paar Tagen, sondern nur zu einem Teilaspekt. Denn der Markt ist voll von Schreibratgebern über alle möglichen schreibhandwerklichen Regeln, natürlich auch über Showdown-Tel, wahrscheinlich das am häufigsten publizierte Thema. Und da muss ich nicht noch einen eigenen dazu steuern. Mir ist aber in der Arbeit als Lektor für verschiedene Autorinnen und Autoren aufgefallen, dass die wenigsten ein Problem damit haben, einmal erkannte Tell-Passagen in Show umzuschreiben. Womit sie viel mehr Schwierigkeiten haben, ist im eigenen Manuskript diese Tell-Passagen erst einmal zu identifizieren, sie als solche zu erkennen. Und zu diesem Teilaspekt habe ich ein kleines Büchlein geschrieben. Wie erkenne ich Tell? Darum geht es.
Vera
00:12:02
Dann fangen wir doch mal ein bisschen grundlegend an. Dann erzähl doch mal, was ist denn eine Tell-Passage?
Thomas
00:12:08
Also beim Showdown-Tel, auf Deutsch zeigen und nicht berichten, geht es darum, die Romanhandlung dem Leser nicht nur zu berichten, sondern sie ihm zu zeigen. Der Grund ist relativ einfach, es geht um Unterhaltung. Also ein Roman ist ein Unterhaltungsmedium. Der Leser möchte unterhalten werden. Berichte liest er auf der Arbeit. Und unterhalten werden in diesem Zusammenhang bedeutet, er möchte etwas erleben und er möchte etwas fühlen, mitfühlen. Am liebsten würde er den Roman so lesen, als sei er selbst dabei. Und dafür ist das bekannte Schreibhandwerk Showdown Tell halt ein wunderbares Werkzeug. Nehmen wir ein Beispiel.
Vera
00:12:58
Ich bitte darum.
Thomas
00:13:00
Ganz simples Beispiel. John wurde wütend. Ich denke, diesen Satz finden wir in hunderten Romanen. Diesen oder ähnlichen Satz. Mit diesem Satz berichtet der Autor aber nur über den Gemütszustand von John. Er zeigt ihn nicht. Man kann ihn nicht mitfühlen es ist ein Bericht wenn ich stattdessen schreibe John schlug mit der Faust auf den Tisch sieht der Leser seine Wut ich muss das Wort Wut noch nicht einmal benutzen der Leser sieht es und er kann es mitfühlen je nach Kontext der Szene.
Vera
00:13:39
Jetzt muss ich ja Tamara du hast ja auch im Vorgespräch gehört, dass das auch so dein Herzensthema ist und, als ich das Büchlein von dir da gelesen habe und du mir das jetzt geschickt hast habe ich auch gedacht, habe ich dann bei meinem eigenen Schreiben so ein bisschen drauf geguckt weil bisher habe ich mir mal eingebildet ruhig gekennet und, dann habe ich so einige Szenen gelesen und da war ich dann tatsächlich nicht mehr so ganz sicher, und bin auch nicht mehr so ganz sicher so, wo so diese Grad, dieser Unterschied ist. Ich finde das so ein bisschen schwammig. Also wenn du zum Beispiel Tamara ja gerne, beschreibst, wie es riecht, wie das ist und so, ist das dann Tell oder ist das Show?
Tamara
00:14:32
Das ist ja jetzt ein sehr allgemeiner Satz.
Vera
00:14:36
Ja, ich habe ja jetzt keine aktuelle Szene von dir, die ich jetzt vorlesen könnte. Aber an welchem, wo dran mache ich denn den Unterschied fest?
Tamara
00:14:48
Also wenn du mich fragst daran, ob da steht, was die Person wahrnimmt, oder ob da steht, wie der Autor das interpretiert, was die Person wahrnimmt.
Thomas
00:15:00
Wenn ich da reingrätschen darf?
Vera
00:15:02
Sehr gerne. Dafür bist du da.
Thomas
00:15:04
Ja, mein kleiner Ratgeber trägt den Untertitel Die Regiemethode, weil ich dem Leser meines Ratgebers erläutere, wie er mit der Regiemethode Tellpassagen erkennen kann. Und ganz kurz zusammengefasst geht es darum, beim Überarbeiten des eigenen Manuskripts sich vorzustellen, dass ein Regisseur neben mir sitzt, der dieses Buch, was ich geschrieben habe, dieses Manuskript verfilmen soll fürs Kino. Und ich lese bei der Überarbeitung mein Manuskript mit seinen Augen oder noch besser gesagt mit seinen Nöten, denn er muss sich bei jedem Satz fragen wie verfilme ich das ohne Offsprecher ich möchte im Film keinen Offsprecher der dem Zuschauer erklärt was der Kommissar fühlt das muss er schon sehen. Und mein imaginärer Regisseur, der neben mir sitzt, fragt mich bei fast jedem Satz, wenn es um Show oder Tell geht, wie sieht das nachher im Film aus? Was soll ich dem Schauspieler sagen, was er tun soll? Hier steht, seine Laune besserte sich. Das ist theoretisch, das ist abstrakt, das ist ein Bericht. Wie sieht das nachher aus? Oder er wurde nervös. Auch genauso wie er wurde wütend finden wir, er wurde nervös oder er war verzweifelt diese Gefühlsbeschreibungen finden wir immer und immer wieder in Romanen wenn ein Regisseur daneben säße und sich Gedanken darüber macht, wie verfilme ich dieses Buch exakt so, wie es da geschrieben steht darum geht es ja, dann muss er den Autor fragen in einem inneren Zwiegespräch wie sieht das aus, dass er verzweifelt ist Oder wie sieht das aus, dass er verlegen ist oder dass er sich schämt oder dass er wütend ist oder dass er nervös wird? Wie sieht das aus? Und dann muss ich als Autor meinem inneren Regisseur eine Antwort darauf geben und sagen, ja, okay, dann streiche ich den Satz, er wurde nervös, sondern macht daraus, er nestelt an seinem Hemdkragen. Dann sieht der Kinozuschauer, dass der Mann nervös ist. Und der Leser meines Buches sieht es vor seinem inneren Auge, dass der Mann nervös ist. Ich muss nicht mehr schreiben, er wird nervös. Das versuche ich mit der Regiemethode zu erklären.
Tamara
00:17:35
Das ist clever.
Thomas
00:17:37
In der zweiten Hälfte des Buches gehe ich auch noch in die Theorie und liste auf, an welchen Stellen der innere, imaginäre Regisseur, regelmäßig aufmucken wird bei bestimmten Verben, bei bestimmten Gefühlen und so weiter. Und als Faustformel für das Handwerk Showdown Tell gebe ich als Tipp menschliches Tun und menschliches Fühlen. Ein Naturzustand, da stellt sich die Frage nicht, ob ich das im Show oder Tell mache. Wenn ich schreibe, es regnet, dann regnet es. Ich muss nicht schreiben tausende Wassertropfen fallen, vom Demeterin zu springen in tausend Fünzen auf dem Boden. Das ist nicht nötig. Da reicht es, wenn ich schreibe, es regnet.
Tamara
00:18:25
Ich glaube, das ist aber tatsächlich ein Beispiel, wo wir jetzt zwar alle gelacht haben, aber was oft genommen wird, wo es dann halt heißt, immer Show wäre so viel langsamer und würde die Handlung so ausbremsen. Aber ob ich jetzt schreibe, er schlug die Faust auf den Tisch oder er wurde wütend, das ist ja von der Länge her kein großer Unterschied. Ich glaube tatsächlich, dass genau solche Beispiele, jetzt den Regen zu umschreiben, ein Grund sind, warum ich Show Don't Tell für eine Geschichte voller Missverständnisse halte.
Thomas
00:18:59
In einem Punkt gebe ich dir recht. Wenn ich menschliches Tun, also menschliche Handlungen oder menschliche Gefühle im Show schreibe, brauche ich üblicherweise etwas mehr Text dazu. Er wurde nervös, ist kürzer, als wenn ich schreibe, er nestelte an seinem Hemdkragen herum. In der Regel, das ist meine Erfahrung, ist die Show-Variante enthält mehr Wörter. Ich mache mehr Text.
Vera
00:19:26
Das ist doch prima, habe ich meinen Tagesverkaufsteller voll.
Thomas
00:19:29
Ja, das ist das Interesse des Autors. Aber das Interesse des Lesers ist es, dass er dabei sein möchte bei dem, was in dem Buch steht. Ich habe ein anderes Beispiel. Der Leiter der Mordkommission verwies die Presse vom Tatort und dann wurde das Gelände weiträumig abgesperrt. Das ist so eine typische Tellpassage.
Vera
00:19:54
Das könnte aus der Pressemitteilung der Polizei sein.
Thomas
00:19:59
Das ist ein typischer Polizeibericht. Der Leiter der Wortkommission verwies die Presse vom Tatort und das Gelände wurde weiträumig abgesperrt. Der Leser möchte aber dabei sein. Er möchte auf dem Grundstück stehen und er möchte lesen, Hauptkommissar Hans Anders tritt gegen eine neben ihm stehende Holzkiste und schreit den Pulp der Journalisten an, verlassen Sie sofort diese Lagerhalle. Und uniformierte Polizisten drängen die versammelten Reporter aus der Lagerhalle und sperren den Tatort mit rot-weißem Flatterband ab. Dann habe ich das Gefühl, ich bin dabei. Und Berichte lese ich auf der Arbeit, das brauche ich im Roman nicht. Natürlich sind das mehr Wörter. Ja, es ist mehr Text. Damit befriedige ich das Interesse des Autors und gleichzeitig das Interesse des Lesers, denn der möchte einen Film sehen vor seinem geistigen Auge. Er möchte nichts berichtet bekommen.
Tamara
00:20:56
Ja, bei dem Beispiel hat es das jetzt tatsächlich auch von der Handlung her länger gemacht, aber jetzt dein Beispiel mit nervös sein oder am Hemd herum nesteln, das sind zwar mehr Wörter, aber ich weiß nicht, wie siehst du das, findest du, es bremst die Handlung aus, für mein Empfinden nicht?
Thomas
00:21:14
Nein, für mein Empfinden auch nicht.
Vera
00:21:16
Nö, vermeint auch nicht. Das muss ich auch gestehen, wenn ich dann so, meine eigenen Texte lese und manchmal gebe ich ja zu, beim Schreiben rutschen einem dann auch solche Tell-Klassiker raus und dann beim Lesen fällt mir das dann auf. Ich habe aber bei den Sachen, gerade wenn es um so menschliche Reaktionen geht, habe ich so das Problem, dass wir spätestens am dritten, vierten Kapitel mein Fundus an menschlichen Reaktionen ausgegangen ist. Also gerade, wenn ich so eine Stimmung bei einem Dialog beschreiben will. Vieles ist ja so Mikromimik, wo ich jetzt, wenn ich dabei wäre, am Gesicht der Person sehen würde, dass die jetzt gerade ungehalten ist. Und da habe ich immer das große Problem, wie schreibe ich das jetzt in einer Show Passage. Gut.
Thomas
00:22:20
Also es hilft tatsächlich, ich will mich nicht wiederholen, aber es hilft tatsächlich, wenn ich die Szene, die ich zu überschreiben gedenke, mit den Augen und den Nöten meines inneren Regisseurs lese und mich dann selber frage, was soll der Schauspieler tun?
Vera
00:22:38
Na gut, also der Regisseur, ganz ehrlich, der Regisseur wird dem Schauspieler auch die Emotionen sagen und der Rest macht der Schauspieler irgendwie. Der würde ja nicht sagen, zwinkere mit dem linken Auge.
Thomas
00:22:50
Nein, nein, darauf wollte ich jetzt hinaus. Wenn beim Erkennen solcher Tellpassagen der innere Regisseur, der den Roman verfilmen soll, hilft, ist beim Finden der dazu passenden Showversion der Schauspieler im Autor, der imaginäre Schauspieler, der neben mir sitzt, gefragt, der das dann in Mimik oder in Gestik umsetzt. Natürlich musst du aufpassen, dazu brauchst du ein bisschen Kreativität, dass du nicht jedes Mal die Figur, die rechte Augenbraue hochziehen lässt. Jedes Mal. Es sei denn, der heißt Mr. Spock. Dann geht's.
Vera
00:23:31
Man könnte das als Macke natürlich aber ansonsten ein bisschen abwechslungsreich. Jaja, aber ich glaube, das hatten wir schon mal irgendwann.
Tamara
00:23:43
Schauspieltechniken Vera, du kannst doch schauspielern.
Vera
00:23:46
Ja, also ich kann das machen.
Tamara
00:23:47
Aber du sollst es fühlen.
Vera
00:23:50
Es ist ja auch gar nicht das Problem, das zu fühlen. Nur wenn du mir sagst, so Vera jetzt hier, da ist irgendeine Situation und du bist sauer auf den Gegenwart, dann würde ich das hinkriegen, das zu spielen. Also ich bin durchaus auch jemand, der beim Schreiben wirklich auch diese Szenen spielt. Aber wenn ich wütend bin, bin ich wütend und wahrscheinlich bin ich immer auf gleiche Art und Weise wütend. Ich bin nicht auf 100 verschiedene Arten wütend. Aber im Zuge eines Buches brauche ich vielleicht 20, 30 Arten und so viel habe ich nicht.
Thomas
00:24:27
Naja, also es kommt ja immer auf den Kontext an. Wenn meine Figur wütend ist, sie könnte einen Gegenstand an die Wand werfen. Sie könnte gegen irgendwas treten. Sie könnte mit der Faust irgendwo draufhauen. Sie könnte schreien. Sie könnte mit dem Fuß aufstampfen. Sie könnte jemanden beim Kragenpacken ihn an die Wand drücken. Also es gibt schon das ist eine Frage von Kreativität.
Vera
00:24:49
Ja, aber das sind ja schon auch sehr heftige Reaktionen.
Thomas
00:24:52
Wir reden auch von Wut und nicht von Ärger.
Tamara
00:24:55
Gut, ich glaube, wenn man da mal einen Schritt zurücktritt und sich dann vorher erst nochmal reinversetzt, was ist das für eine Figur? Wut kann ja auch sehr, sehr leise sein, wenn es zur Figur passt. Also ich glaube, da ist halt dann wirklich so dieses, ich muss mir jetzt erstmal die Figur verinnerlichen, wie ist ihr Background, wie ist ihr Charakter und mich da reinversetzen und dann werde ich wahrscheinlich merken, dass sie nicht die Person ist, die losschreit.
Vera
00:25:23
Ja, und dann zuckt sie mit der Augenbraue oder zieht die rechte Mundwinkel hoch oder sowas.
Tamara
00:25:32
Oder bräst die Zähne aufeinander. Das ist dann innerlich.
Thomas
00:25:35
Ich habe in diesem kleinen Ratgeber verschiedenste Beispiele. Unter anderem beendet eine Partei eines Zwiegespräches in einem Beispiel den Dialog einfach, indem er sich stillfreigend umdreht und leise die Tür hinter sich zuzieht und den anderen typiert und alleine zurücklässt. Da muss nichts mit schreien mit schlagen, mit treten oder sonst was sein, so geht es auch natürlich, ich sag dir es ist auch eine Frage von ein bisschen Kreativität, sich da eine Lösung einfallen zu lassen, wie würde ich reagieren in der Situation wäre ich XY.
Tamara
00:26:16
Aber ich finde die Diskussion, die wir gerade haben die ist ja ein absolutes, ein absoluter Beweis dafür wie schön Show ist, weil das alles, was wir jetzt am Beispiel hatten, ist entstanden aus dem Satz, er wurde wütend. Also wie viel mehr Variationen und Details man reinbringen kann, wenn man das eben nicht nur beschreibt, sondern zeigt, das ist ja schon sehr wertvoll.
Thomas
00:26:42
Ja, es ist sehr facettenreich. Es gibt ein weiteres Beispiel. Vielleicht sollte ich das mal vorweg erklären. Dieses Buch startet mit einer Kurzgeschichte. In dieser Kurzgeschichte trifft sich ein Romanautor tatsächlich mit einem Filmregisseur und die machen eine Vorbesprechung. Und der Filmregisseur kommt mit einem Laptop an und sagt, wir haben mit den Schauspielern eine Szene aus ihrem Buch schon mal grobeweise gedreht. Schauen Sie sich das mal an, dass wir so unsere gemeinsame Vorgehensweise finden. Und in dieser Szene, die die Schauspieler gespielt haben und die der Romanautor jetzt auf dem Laptop sehen kann, sind verschiedene menschliche Handlungen, die die Schauspieler anders machen, als der Autor es beim Schreiben im Kopf hatte. Und das liegt in dieser Kurzgeschichte daran, dass die zu verfilmende Szene sehr stark im Tell geschrieben ist in dem Roman. Und der Leser meines Ratgebers kriegt dann so langsam mit, welche Probleme es geben kann, je nachdem, wer eine menschliche Handlung interpretiert. Interpretiert der Autor sie oder interpretiert der Leser sie? So, jetzt habe ich den Faden verloren, was ich sagen wollte.
Tamara
00:28:05
Pazetten.
Thomas
00:28:07
Achso, ja, genau. Und in dieser Szene begrüßt der Schauspieler seine Frau. Und in der Romanvorlage steht, er begrüßte sie nur flüchtig und zwängte sich an ihr vorbei in die Wohnung. So. Und dieses, er begrüßte sie flüchtig, lässt sich ja in unglaublich vielen Varianten zeigen. Flüchtig begrüßen ist ein Bericht des Tell. Er könnte ihren Kuss aufdrücken, er könnte Hallo sagen, er könnte kurz die Hand zum Gruße heben, er könnte sie kurz in den Arm nehmen. Es gibt jede Menge verschiedene Varianten, flüchtig begrüßen zu zeigen, weil es unterschiedliche Arten und Weisen gibt zu begrüßen.
Tamara
00:28:55
Auch ausgehend davon, was bei den jeweiligen nicht flüchtig wäre.
Thomas
00:29:00
Ja, genau. Also das meinte ich eben mit, es ist sehr facettenreich, wie man es zeigen könnte.
Vera
00:29:08
Ja.
Thomas
00:29:14
Ich schreibe ja selber auch. Also mir hilft tatsächlich mein innerer Regisseur und mein innerer Schauspieler. Der innere Regisseur zeigt mir, wo ich getellt habe. Und mein innerer Schauspieler sagt mir, so würde ich es auf der Bühne darstellen, was du da geschrieben hast. Das ist eine Methode, die funktioniert eigentlich sehr gut.
Tamara
00:29:35
Wobei wir als RomanautorInnen natürlich noch den Vorteil haben, dass wir bei der Perspektivfigur auch zeigen können, was im Innen passiert. Das kann der Schauspieler nicht.
Vera
00:29:47
Aber ist das dann schnell?
Thomas
00:29:49
Gefühle geht schon. Also Gefühle kann der Schauspieler schon darstellen.
Tamara
00:29:53
Naja, aber er kann zum Beispiel nicht zeigen, dass sein Magen sich verkrampft. Das können wir als AutorInnen noch mit reinbringen. Aber das siehst du halt von außen nicht an der Bühne, außer er hält sich jetzt im Bauch, was dann natürlich ein bisschen plakativ wäre. Also es gibt ja noch viele Vorgänge im Körper, die der Schauspieler dann nicht so zeigen kann.
Vera
00:30:14
Also da sich der Magen verkrampft, ist dann Show, nicht?
Tamara
00:30:19
Würde ich jetzt.
Thomas
00:30:21
Es ist vielleicht eher ein Klischee.
Vera
00:30:24
Na gut, er ist jetzt aus dem Bauch geschossen.
Tamara
00:30:27
Aus dem Bauch geschossen. Aus dem Bauch, ja.
Vera
00:30:31
Ach Gott.
Tamara
00:30:34
Oder dass sich der Puls beschleunigt von mir aus.
Vera
00:30:36
Also das sieht man.
Tamara
00:30:37
Ja nicht so gut von außen.
Vera
00:30:39
Ich habe gerade heute Morgen eine Szene geschrieben, wo ich beschreiben wollte, dass eine Nachricht meiner Hauptfigur der Frau Appeldorn ja, dass sie die emotional, beschäftigt und ja da habe ich dann sowas halt geschrieben dass sie halt spürte, dass ihre Wangen, warm wurden oder ja, dass er warm ums Herz wurde. Ist das jetzt Tell?
Thomas
00:31:14
Ich müsste es lesen.
Vera
00:31:17
Okay. Was wäre jetzt eine Variante, wo das Tell ist und wo es Show? Aber das ist ja eigentlich der Punkt. Und ein Regisseur jetzt mal, würde der sagen, da muss dir jetzt das warm ums Herz werden?
Thomas
00:31:32
Sie könnte verträumt aus dem Fenster gucken und in der Vergangenheit schwelgen. Ich weiß jetzt nicht, welche Nachricht das ist, ich weiß nicht, ich kenne den Kontext nicht.
Vera
00:31:44
Aber das ist ja Außenansicht dann, oder? Das ist ja die Perspektivfigur. Kann ja trotzdem. Dass sie dann, also die Nachricht, kann ich ja sagen, Frau Apelow, tote Kapitän und sie hat ja durchaus für den toten Kapitän was empfunden und sie kriegt hat die Nachricht, dass er wohl für sie auch was empfunden hat. Und das bewegt sie emotional. Und da habe ich halt versucht, was würde ich fühlen? Und ja, da würde schon mal sowas wie eine gewisse Wärme, die einen durchflüht oder sowas ist mir da eingefallen. Und ja. Ich meine, ich kann Frau Appeldorn nicht vor Freude rumhüpfen lassen oder sowas.
Thomas
00:32:33
Das wäre ja auch nicht angemessen.
Vera
00:32:37
Wie finde ich denn, oder gibt es Hilfestellungen, wie ich, Aktionen, das sind ja dann letztlich Aktionen, Handlungen finde, die solche eigentlich ja doch stillen Gemütszustände in irgendeiner Form beschreiben.
Thomas
00:32:53
Ich kann dir jetzt nichts aus dem Ärmel schütteln.
Vera
00:32:56
Nein, das habe ich ja nie gemacht.
Thomas
00:32:57
Aber so spontan, Ich würde sie den Brief aus der Hand legen lassen, für einen kurzen Moment in eine imaginäre Ferne schauen lassen und dann vielleicht mit der Kuppe des Zeigefingers irgendeine Figur auf die Tischplatte malen, von der sie selber nicht weiß, was es ist. So ungefähr. Ich glaube schon, dass der Leser merkt, dass sie gerade schwelgt, bevor ich schreibe, ihr wurde warm ums Herz. Das ist natürlich Tell.
Vera
00:33:31
Okay, super.
Tamara
00:33:33
Weil es ja nicht faktisch warm an der Stelle wird.
Vera
00:33:37
Doch, ein bisschen schon, aber egal. Okay, verstanden. Ja, ich finde das teilweise echt schwierig mit diesen Gemütszuständen, da eine adäquate, auch für die Person und der Situation passende Handlung zu finden. Habt ihr da einfach so ein Fundus für oder gibt es da irgendwelche Hilfestellungen, wie man die findet? Also liegt vielleicht auch daran, ich bin zum Beispiel ein Mensch, der nie wütend wird, also sehr still wütend. Also wenn ich wütend bin, dann rede ich nicht. Ich habe einmal in meinem Leben war ich wirklich wütend da habe ich mich den ganzen Tag drauf vorbereitet und das war nach drei Minuten vorbei, also deswegen wenn ich jetzt eine Figur so dann aufstampfen und was weiß ich das kostet mich schon Selbstüberwindung, das würde ich auch als Schauspielende erstmal so intuitiv so nicht machen Ja gut.
Thomas
00:34:48
Aber du bist ja nicht die Romanfigur es kommt ja auf die Romanfigur an, was würde die machen? Auch ein Schauspieler, und du spielst ja selber auch auf der Bühne auch ein Schauspieler versetzt sich in seiner Arbeit ja in den Charakter dessen, den er darstellen soll und nicht in seinen eigenen, Das tut der Schauspieler in mir, wenn ich Romane schreibe tut das auch. Er versetzt sich in die Romanfigur, nicht in den Thomas Dellenbusch.
Vera
00:35:19
Ja, ja, stimmt. Wobei natürlich jetzt meine Hauptfiguren sehr nahe sind. Aber du hast natürlich recht. Also da muss ich dann auch meine eigenen Hürden überwinden und mich da noch mehr reinfallen.
Thomas
00:35:36
In Filmen funktioniert es ja auch und das ist ja das Thema. Darum geht es ja. Deswegen habe ich das auch Regiemethode genannt. In Filmen funktioniert es auch, dass der Kinozuschauer merkt, dass der Frau Appeldorn warm ums Herz wird, ohne dass sie das sagt. Sie müsste es ja alternativ sonst sagen. Och, mir wird es so warm ums Herz. Du kannst sie das sagen lassen. Aber wenn sie allein in der Küche sitzt, dann ist das ein bisschen albern. Also muss man es anders darstellen. Und die Schauspielerin, die deine Frau Appeldorn spielen würde im Film, die würde es dann auch irgendwie darstellen. Das ist dann Kreativität, sich das auszudenken und da auf eine Lösung zu kommen. Und wenn es nicht funktioniert, dann ist es nicht wichtig, dass ihr warm ums Herz wird, dann lass es weg.
Tamara
00:36:25
Aber das kann ja auch eine ganz kleine Sache sein und wenn nur so ein ganz leichtes Lächeln oder so ein bisschen wehmütig die Lippen zusammenpressen oder so, da kannst du ja genauso ranzoomen, wie die Kamera ranzoomen würde.
Thomas
00:36:38
Exakt, genau so ist es, ja.
Vera
00:36:41
Ist denn... Du hast gerade gesagt, wehmütig die Lippen zusammenpressen. Ich habe jetzt vorhin für mich so ein bisschen abgespeichert, dass eigentlich jedes so beschreibende Adjektiv ja eigentlich schon Tell ist. Also wenn ich sage, wehmütig die Lippen zusammenpressen.
Tamara
00:37:04
Ja gut, dann wäre er schlug heftig auf den Tisch mit der Faust. Da sind die Grenzen, glaube ich, nicht so zu ziehen.
Thomas
00:37:12
Nicht jedes Adjektiv ist tell. Es gibt ein kleines Kapitel über Adjektive auch in meinem Buch. Da geht es allerdings um Adjektive, die ein Verb spezifizieren, was zu vage ist, um konkret zu sein.
Vera
00:37:32
Okay, kannst du ein Beispiel nennen?
Thomas
00:37:34
Ja, Beispiel flüchtig begrüßen. Begrüßen ist das Verb, aber es lässt sich auf mannigfaltige Art und Weise darstellen. Die Hand zum Gruße heben, jemanden drücken, einen Kuss geben, Hallo sagen. Es gibt verschiedene Sorten oder verschiedene Arten, wie man jemanden begrüßt. Also ist das Verb begrüßen zu vage, um konkret zu sein. Es ist nicht konkret, es erzeugt kein Bild. Und der tellende Autor versucht, dieses Problem zu lösen mit einem spezifizierenden Adjektiv. Auf die Frage seines inneren Regisseurs, wie begrüßt der Mann seine Frau, schreibt der tellende Autor flüchtig. Das hilft dem Regisseur keinen Schritt weiter.
Vera
00:38:18
Okay, alles klar, verstanden.
Thomas
00:38:20
Und diese spezifizierenden Adjektive, die vergeblich versuchen, ein unkonkretes Verb konkreter zu machen, die führen natürlich ins Tell.
Vera
00:38:37
Wie weit würdet ihr denn gehen beim Eliminieren dieses Tells? Ist jedes Tell zu vermeiden?
Thomas
00:38:47
Nein, es gibt Passagen, die schreibt man im Tell. Zum Beispiel Gedanken deiner Romanfigur, wenn sie einen Plan ausheckt. Wenn sie über verschiedene Alternativen ihres Planes nachdenkt, wenn sie versucht, Prioritäten der unterschiedlichen Alternativen sich zu überlegen, wie sie vorgehen möchte, dann ist es keine Showalternative. Sie zwei Seiten lang im Zimmer auf- und abgehen zu lassen. Sondern die Gedanken, die sie sich macht, die musst du deinem Leser schon berichten. Da geht kein Weg dran vorbei. Schön wäre es natürlich, wenn du diesen Gedankenblock zwischendurch mal unterbrichst und sie tatsächlich durchs Fenster einen Spatz beobachten lässt, der draußen im Garten in der Vogeltränke sich erfrischt, um einfach diesen riesigen Gedankenblock etwas zu splitten und aufzulockern. Aber die Gedanken selber musst du im Tell schreiben.
Tamara
00:39:45
Ja, und um auch so ein bisschen die Erdung mit der Welt drumherum nicht zu verlieren.
Thomas
00:39:51
Ja.
Tamara
00:39:53
Ich würde aber auch sagen, einfach Szenen, die quasi so Übergangshandlungen sind von ich bin jetzt an Stelle A, ich muss nach Stelle B und teile mit, was dazwischen ist. Aber es ist nicht so wichtig, dass wir unbedingt dabei sein müssen. Also ich habe jetzt heute früh gerade was geschrieben, da ist eine Autofahrt, sie geht tanken, er kauft sich ein Brötchen, da muss ich nicht unbedingt dabei sein, das kann ich in einem Nebensatz abhandeln, finde ich jetzt.
Thomas
00:40:21
Das wäre ja auch Show. Also ich sehe da jetzt kein Tell in dem, was du schilderst. Sie fahren auf einer Tankstelle, er steigt aus, sie steigt aus, sie tankt, er holt ein Brötchen. Das ist kein Tell.
Vera
00:40:34
Das ist ja Handlung.
Tamara
00:40:36
Das ist Handlung. Ja, stimmt auch wieder.
Thomas
00:40:37
Und ich sagte ja eingangs schon, als Faustformel...
Vera
00:40:41
Wenn du gesagt hättest, er geht flüchtig ein Brötchen hoch.
Thomas
00:40:51
Ich habe ja eingangs gesagt, als Faustformel sage ich, wenn es um menschliches Tun und menschliche Gefühle geht, da ziehe ich als Autor, nicht als Lektor, als Autor, ziehe ich die Showvariante vor, um den Leser das miterleben zu lassen. Denn das ist das, wofür er Geld ausgegeben hat, meiner Meinung nach. Es gibt Autoren, die sehen das anders. Aber meiner Meinung nach gibt mein Leser Geld dafür aus, ein Abenteuer zu erleben. Und dann soll er es erleben und nicht nur berichtet bekommen.
Tamara
00:41:22
Nicht nacherzählt bekommen. Ich glaube, das ist so die Faustformel, die eigentlich über allem steht.
Vera
00:41:30
Jetzt hast du dich ja dann auch bemüßigt gefühlt, da dein Büchlein zu machen. Vielen Dank. Das ist ja jetzt nicht aus dem Ansatz heraus, dass du gesagt hast, das mache ich jetzt und werde reich und berühmt, sondern du hast es gemacht, weil du es ja auch für notwendig empfunden hast. Das hat mich ja jetzt so ein bisschen überrascht, weil ich eigentlich, da habe ich ja eingegangen gesagt, dachte, das ist doch die Regel, die kriegt doch jeder mit, der schreibt.
Thomas
00:41:58
Ja, wie gesagt, der Ratgeber behandelt das Thema nicht vollumfänglich, sondern ich habe mich wirklich auf diesen Teilaspekt konzentriert, den ich aus meiner Lektoratsarbeit immer wieder beobachten kann und auf den ich auch immer wieder stoße, dass meine Auftraggeber mir sagen, ja gut, dass du diese Tellpassage erkannt hast, da mache ich Show draus, kein Problem und dann machen sie es in der Regel auch gut. Aber selber die Tellpassagen zu erkennen, da hapert es oft. Nicht an der Fähigkeit, daraus Show zu machen, das kriegen die meisten hin, sondern an der Fähigkeit, Tellpassagen tatsächlich selber zu erkennen. Und da habe ich mir gedacht, das ist ein Aspekt, den habe ich so noch nicht in irgendeinem Ratgeber gelesen, jedenfalls nicht so konzentriert, wie ich es versuche. Weil das ermöglicht das Ganze ja erst. Nur wenn ich es erkennen kann, kann ich es besser machen.
Vera
00:42:56
Das stimmt. Wie wir gerade bei Warmumsherz festgestellt haben, bin ich da womöglich auch nicht vorgefeilt. Und was eigentlich meine Frage beantwortet, dass es anscheinend ja doch dann häufiger vorkommt, dass es nicht bemerkt wird. Wie ist das denn bei dir, Tamara, in deiner Arbeit? Ist das auch doch immer noch, obwohl jeder die Regel kennen sollte?
Tamara
00:43:18
Ja, aber eine Regel zu kennen und sie anwenden zu können, sind ja auch zwei Paar Schuhe. Genau. Und ich glaube halt wirklich, dass es so viele Aspekte auch innerhalb von Show Don't Tell gibt und auch so viele Missverständnisse. Ja, mir begegnet das auch sehr regelmäßig und mir passiert es bestimmt auch regelmäßig.
Thomas
00:43:39
Das ist ein wichtiger Punkt, den du sagst. Eine Regel zu kennen und sie anwenden zu können, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Und deswegen habe ich versucht, dem Leser meines Ratgebers einen inneren Regisseur an die Seite zu stellen, der ihm mit den richtigen Fragen dabei hilft, seine eigenen Tell-Passagen zu erkennen. Das ist ja die Anwendung.
Tamara
00:44:00
Ja, genau.
Vera
00:44:02
Aber was sind denn zum Beispiel so Missverständnisse bei Show and Tell?
Thomas
00:44:07
Ein Missverständnis könnte sein, dass Autoren davon ausgehen, wenn sie die Romanfigur handeln lassen, wäre das schon Show. Das ist aber nicht unbedingt richtig. Auch dieses Beispiel habe ich benutzt in dem Buch. John warf das Buch wütend gegen die Wand. Da könnte man auf Anhieb denken, das ist Show, weil da steht ja, John wirft. Aber werfen ist noch zu unkonkret. Es gibt verschiedene Arten von werfen. Achtloses Wegwerfen, gezieltes Zuwerfen. Wenn ich schreibe, er wirft es wütend gegen die Wand, dann schließt das die beiden anderen genannten Beispiele zwar aus, aber es ist immer noch zu theoretisch.
Tamara
00:45:00
Ist halt wieder ein beschreibendes Adverb.
Thomas
00:45:02
Mein Regisseur würde mich fragen, wie sieht das aus nachher auf der Leinwand? Wie sieht das aus, was John da macht?
Vera
00:45:09
Also du musst da wirklich schreiben, er holt auf und...
Thomas
00:45:11
Und dann antworte ich meinem Regisseur, ja mein Gott, er pfeffert das Buch halt an die Wand. Na also, da habe ich es doch. Wenn da steht, John pfefferte das Buch an die Wand, dann brauche ich noch nicht einmal mehr das Adjektiv wütend. Der Leser sieht, was der macht und welche Bemühtslage dahinter steckt.
Vera
00:45:32
Ja.
Thomas
00:45:34
Mit konkreten Verben ist schon viel gewonnen.
Vera
00:45:37
Ja.
Thomas
00:45:38
Leise reden ist flüstern, leise lachen ist kichern, leise gehen ist schleichen. Also mit konkreteren Verben habe ich schon eine ganze Menge gewonnen. Einfach nur, dass die Figur handelt, ist noch nicht automatisch Show. Wenn ich schon ein Adjektiv brauche, um sein Handeln etwas konkreter zu machen, dann muss ich schon hellhörig werden.
Vera
00:46:02
Genau, daher kommt so ein bisschen meine Grundauffassung, dass Adjektive immer irgendwie auf Tell hinweisen. Was nicht immer so sein muss, habe ich jetzt gelernt. Aber es hilft wahrscheinlich nochmal genauer drauf zu gucken, ob man nicht besser so ein konkreteres Verb nehmen kann.
Thomas
00:46:22
Ja, an einer anderen Stelle des Buches sage ich, es gibt eine Ausnahme zu dieser Regel, wie ist zu jeder Regel eine Ausnahme. In der Kurzgeschichte, die ich dem Buch voranstelle, da wo dieser Romanautor den Regisseur trifft zu einer Vorbesprechung, da steht, also der Romanautor heißt Marco Kaiser, da steht, als der Regisseur den Laptop aufklappt und auf die Leertaste drückt, damit die testweise gedrehte Szene gezeigt wird, dass Marco gebannt auf den Monitor sieht. Und da komme ich später, viele Seiten später darauf zurück, als es um Adjektive und unkonkrete Verben geht und sage, hoppla, was ist mir denn da passiert? Sehen ist ein unkonkretes Verb und gebannt drauf sehen ist ein spezifizierendes Adjektiv zu diesem unkonkreten Verb. Trotzdem habe ich es benutzt, weil das ist die Ausnahme zu der Regel. Wenn eine Kombination aus einem unkonkreten Verb und einem spezifizierenden Adjektiv in der Diskussion mit meinem inneren Regisseur keine zwei Meinungen darüber zulässt, wie das aussieht, wie der Schauspieler das macht, dann kann man das benutzen. Dann ist das kein Tell, weil gebannt sehen ist gebannt sehen. Da fällt mir nichts anderes zu ein. Jetzt könnte man sagen starren.
Tamara
00:47:42
Ja, aber das kann auch anders sein.
Thomas
00:47:44
Aber unter Starren verstehe ich was anderes. Unter Starren verstehe ich ein hypnotisiertes Gefesseltsein und unter Gebannt Sehen ein interessiertes Verfolgen. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Tamara
00:47:55
Ja, Starren kann auch entsetzt sein. Also das würde es eher schwammig machen dann.
Thomas
00:48:00
Ja, in dem Buch habe ich als Beispiel genommen, stellen wir uns einen Spanner vor, der durchs Fenster seine Nachbarin beim Ausziehen beobachtet. Der Start. Und sein Blick hat mehr was von einem Hypnotisierten gefesselt sein, als von einem gebannt neugierig verfolgen. Der ist natürlich hochgradig neugierig, was der Regisseur aus seiner Buchszene, aus seiner Romanszene gemacht hat. Der sieht gebannt zu, der starrt nicht.
Vera
00:48:29
Jetzt habe ich gerade gedacht, ich hätte es verstanden. Das heißt aber wirklich, Ich muss wirklich sehr genau darauf schauen, welche Verben gegebenenfalls mit Adjektiven ich verwendet habe und mir da wirklich auch ein genaues Bild machen, was jetzt dieses eine Verb exakt bedeutet.
Tamara
00:48:54
Ich meine, das war jetzt auch ein Beispiel, was der Thomas gerade gesagt hat. Sorry, eine Ausnahme. In der Regel ist es ja schon, das ist glaube ich einer der Sätze, die ich am häufigsten an den Rand schreibe, anstatt ein schwammiges Verb näher zu beschreiben, nimm doch ein treffendes.
Vera
00:49:10
Genau.
Thomas
00:49:12
Ja, das habe ich auch geschrieben in dem Buch. Wenn der Autor das Gefühl hat, das benutzte Verb ist zu vage, dann sucht er paradoxerweise nicht nach einem präziseren, sondern er ergänzt es durch ein spezifizierendes Adjektiv und das Desaster nimmt seinen Lauf.
Vera
00:49:30
Ja, weil, muss ich ja auch gestehen, weil das manchmal schneller von der Hand geht.
Thomas
00:49:35
Ja, es ist eine Frage der Bequemlichkeit.
Vera
00:49:38
Ja, ja, und gut, ich schaue dann schon halt durch die bei den Synonymen, bei Papieros oder so. Manchmal muss man aber wirklich auch den Satz komplett umstellen, weil es irgendwie so ein einfaches Ersetzen durch nicht hilft.
Thomas
00:49:54
Das ist die berühmte Transpiration beim Schreiben, die über die Inspiration hinausgeht. Da fängt das Schreiben an Arbeit zu machen.
Vera
00:50:04
Als fauler Mensch versuche ich die ja immer zu vermeiden.
Tamara
00:50:08
Aber Werben können halt so viel. Also du kannst, wenn ich zum Beispiel jetzt sage, er hob die Kiste auf den Tisch und beschreibe dann, die Kiste war groß und schwer und unhandlich. Wenn ich einfach nur dieses Heben ersetze durch, er hievte die Kiste auf den Tisch, dann brauche ich die Kiste gar nicht mehr beschreiben. Dann kann ich den ganzen Satz weglassen.
Thomas
00:50:28
Ja, genau. Das geht aber auch mit Substantiven. Du kannst die Kiste auch als Ungetüm bezeichnen. Das funktioniert auch.
Tamara
00:50:35
Stimmt, ja.
Thomas
00:50:36
Schriftstellerei ist eine Frage von Wortschatz und Sprache. Geschichten erzählen können viele.
Vera
00:50:44
Okay, jetzt bin ich total verunsichert.
Thomas
00:50:46
Ja.
Vera
00:50:50
Okay, also, ja, ihr habt mich schwer zum Nachdenken gebracht. Ich werde jetzt, morgen lese ich ja immer das, am Morgen lese ich immer zuerst das, was ich am Vortrag geschrieben habe. Ich werde das nochmal sehr kritisch durchlesen. Und das mit dem Warmungsherz. Da werde ich jetzt Frau Appeldorn aber sowas von Reaktionen zeigen lassen. Da können sich die Leser und Leserinnen jetzt schon mal drauf freuen. Ja, und wir schauen jetzt mal, ob du die total kritischen Buchbubble-Fragen mit Tell beantwortest oder das lebhaft zeigen kannst.
Tamara
00:51:29
Ja, also ich kann auf jeden Fall schon mal sagen, dass ich das Gespräch hier sehr, es hat mich beinahe zu emotionalen Ausbrüchen jetzt bewegt.
Thomas
00:51:39
Bist du wütend?
Tamara
00:51:40
Nein, das ist sehr positiv.
Vera
00:51:41
Entschuldigung, das war jetzt Tell, das war jetzt kein Handproblem.
Tamara
00:51:44
Ich habe auch nicht gesagt, dass ich im Schauspräch, sondern ich wollte keinen Übergang schaffen. Also mir hat das sehr viel Freude gemacht, dieses Gespräch, das war auch Tell. Und jetzt möchte ich wissen, welches Buch dir besonders viel Freude gemacht hat in letzter Zeit. Und zwar so sehr, dass es dich zu Freuden oder zu, ja, wie sagt man? Also welches Buch hat dich zum Weinen gebracht, egal ob, weil es so lustig war oder so berührend?
Thomas
00:52:07
Ich fange lieber erstmal mit einem an, das mich zum Lachen gebracht hat. Das habe ich nämlich vor, weiß nicht, drei oder vier Wochen gelesen und ich habe wirklich teilweise Tränen gelacht. Das ist das Buch Kleine Probleme von Nele Polacik. In dem Buch geht es um einen Mann der Strohwitwer ist allein zu Hause seine Frau ist für eine Woche auf irgendeiner Geschäftsreise und sie hat ihm eine To-Do-Liste hinterlassen was er in der Woche zu erledigen hat, das macht er natürlich erst am letzten Tag, am siebten Tag und die To-Do-Liste ist lang und, Und dann beschreibt sie in der Ich-Form, wie er diese To-Do-Liste versucht abzuarbeiten, welche Gedanken er dabei hat und welche Probleme ihm das macht. Und dabei habe ich wirklich teilweise herzhaft gelacht und besonders beeindruckend fand ich, wie Nele Polacek es geschafft hat, sich so dermaßen treffsicher in die Gedanken- und Gefühlswelt eines Mannes hineinzuversetzen. Denn ich fühlte mich wirklich getroffen. Also ich fühlte mich erwischt. Staubsaugen ist ein Punkt auf der T-Duel-Liste, die Wohnung aufräumen und solche Sachen. So typische Sachen, die ein Mann gerne vermeidet. Und die Art und Weise, wie er darüber denkt und versucht sie zu vermeiden und wie er sie dann nachher doch in die Tat umsetzt, das ist wirklich typisch Mann. Und das fand ich erstens sehr beeindruckend, dass eine Frau das geschrieben hat. Zweitens war es so lustig, ich habe teilweise echt Tränen gelacht.
Vera
00:53:48
Sehr schön.
Tamara
00:53:49
Vielleicht, Thomas, geht es uns damit ja eigentlich genauso wie euch. Es fällt nur nicht so auf.
Vera
00:54:01
Wobei, bei der nächsten Frage, welche Klischees, das ist schon sehr klischeeig ist da eigentlich, oder?
Thomas
00:54:07
Klischees kommen wir vielleicht noch zu.
Vera
00:54:09
Ja, komm, das ist die nächste Frage. Ich will nicht vorgehen.
Thomas
00:54:11
Ja, noch ein Buch erwähnen, weil Tamara fragte, was mich zum Weinen gebracht hat. Ich kann wirklich jetzt im Moment ad hoc in letzter Zeit kein Buch nennen, was mich wirklich zum Weinen gebracht hat. Aber ich kann eins nennen, was mich ergriffen hat, was mich sehr berührt hat. Jetzt gerade in diesen Wochen verlege ich die fünfbändige Fantasy-Saga Sola von Amadeus Viergaun neu. Das war ein sehr populärer Fantasy-Epos in den 90er Jahren, lange bevor es Amazon gab. Und diese fünfbändige Sage veröffentliche ich jetzt unter meinem Verlag neue Cover und so weiter. Und ich habe natürlich in den letzten Wochen die gesamten, ich weiß nicht wie viel, es sind 1500 Seiten, nochmal neu gelesen, weil ich sie zusammen mit dem Autor redaktionell überarbeitet habe, hatte weg, aus Tell Show gemacht und so weiter. Also musste ich das Ganze nochmal neu lesen. Ich habe es vor sechs Jahren schon gelesen, jetzt nochmal neu. Und da gibt es tatsächlich eine Stelle, die für mich wirklich extrem bewegend war, damals schon und jetzt bei der Überarbeitung wieder. In der Sage geht es um Sola, das ist die männliche Hauptfigur. Und in jedem Band wird er etwas älter. Der erste Band ist seine Kindheit, zweiter und dritter Band seine Jugend. Und im vierten und fünften Band ist er erwachsen. Und im vierten Band wird er selber Vater. Was er aber lange Zeit nicht weiß, fährt irgendwann, dass er Vater geworden ist. Und der Moment, wo er zum ersten Mal seinen Töchtern begegnet, da hat Amadeus Viergau etwas draus gemacht, was meines Erachtens im Fantasy-Genre seinesgleichen sucht. Er hat alte griechische Mythologie mit Fantasy gemischt und eine Sache daraus gemacht, die haut mich jedes Mal wieder um. Das ist wirklich einmalig gut.
Vera
00:56:12
Also ihm wurde nicht nur einfach warm ums Herz.
Thomas
00:56:14
Nein, nein. Ich will auch nicht spoilern, aber das ist wirklich sehr ergreifend, wenn Zorla zum ersten Mal seinen Töchtern begegnet. Das ist sehr bewegend.
Tamara
00:56:30
Sehr schön. Kommt auch in die Shownotes, wie natürlich dein Ratgeber auch, falls das nicht klar war. Und dann kommen wir jetzt zur zweiten Frage. Welche Begegnung in der Buchbubble hat dich denn ganz besonders inspiriert?
Thomas
00:56:44
Ja gut, also besonders wichtig für mich war natürlich die Begegnung mit der WDR-Literaturkritikerin Christine Westermann, das denke ich ist klar. Die hat mich vor ein paar Jahren zu einem Gespräch in eine ihrer Sendungen eingeladen und noch am Tag vorher hatten wir ein Vorgespräch über Inhalt und Ablauf der Sendung. Das war natürlich innerhalb der Buchbubble eine für mich sehr wichtige Begegnung, unter anderem natürlich, weil mein Buch Liebe ist kein Gefühl von ihr in dieser Sendung erwähnt wurde was dazu geführt hat, dass die WDR Moderatorin Sabine Heinrich es gelesen hat und dann beim WDR Literaturmarathon ein halbes Jahr später öffentlich daraus gelesen hat, das hat natürlich zu deutlich mehr Verkäufen geführt. Das ist für einen Autor immer wichtig. Aber auch ansonsten mal hinter die Kulissen zu gucken und zu erleben, wie so etwas abläuft und welche Fehler man selber dabei machen kann. Und ich habe Fehler gemacht. Das war eine ganz wichtige Erfahrung. Wenn es um Inspiration geht, das wird Vera jetzt peinlich sein. Macht man sicherlich ungern, aber ich will es auch nicht außen vor lassen. Und die Begegnung mit dir, Vera, war für mich enorm beeindruckend und inspirierend. Wir haben ja mehrere Jahre lang zusammen in der Geschäftsstelle des Self-Publisher-Verbandes gearbeitet und die Art und Weise, wie zielgerichtet, zielorientiert, engagiert und professionell du eine solche Aufgabe übernimmst, da kann man sich echt eine Scheibe von abschneiden. Das versuche ich auch seitdem. Das hat mich sehr stark beeindruckt.
Vera
00:58:31
Jetzt wird mir warm ums Herz und meine Wangen röten.
Thomas
00:58:34
Jetzt wird dir warm ums Herz. Wie du guckst, wie du guckst. Also die beiden Begegnungen fallen mir auf Anhieb als wichtige Begegnungen ein.
Tamara
00:58:46
Sehr schön.
Vera
00:58:46
Ich fühle mich sehr geehrt.
Tamara
00:58:49
Und zum Schluss, welches Klischee möchtest du nie wieder in einem Buch lesen?
Thomas
00:58:55
Wenn es langweilig ist. Frauen einparken zum Beispiel. Stell dir vor, du kommst in einem Roman an eine Stelle, wo die Heldin versucht, rückwärts einzuparken, kriegt es nicht hin und die männliche Romanfigur muss das übernehmen.
Vera
00:59:13
Was gibt es noch? Ja, sowas liest du noch.
Thomas
00:59:17
Da klappe ich das Buch sofort zu. Weil es so durchsichtig ist, dass der Autor oder die Autorin das nur als Werkzeug benutzt, damit die beiden sich näher kommen. Damit er das Gefühl hat, helfen zu können und sie beschützt zu sein.
Vera
00:59:34
Das ist wirklich klischeehaft. Da geht es ja kaum noch.
Thomas
00:59:37
Wenn man es andersrum macht, dann wird es prickelnd. Wenn die männliche Figur Richard Gere in einem Ferrari den Gang nicht reingelegt kommt und Julia Roberts, übernimmt dann das Steuer, weil er mit dem Ferrari nicht umgeht, Ja, dann wird doch ein ganz anderer Schuh draus. Da wird es doch spannend.
Vera
00:59:58
Aber es war ein Lotus, aber egal.
Thomas
01:00:01
Ja, das wäre ein Ferrari. Aber mal aus diesem Klischee-Denken auszubrechen und nicht das Langweilige als Werkzeug zu nehmen, sondern es umzudrehen und daraus was Spannendes, was Knisterndes zu machen, das würde mich reizen. Aber bei dem erst genannten Klischee würde ich das Buch direkt wieder zuklappen.
Vera
01:00:23
Ja, hast du vollkommen recht. Jetzt bin ich voll bei dir. Wobei ich da auf der Bühne immer meine Witze mitmache.
Thomas
01:00:29
Ja gut, das eignet sich natürlich. Für Satiriker und Kabarettisten ist das ein gefundenes Fressen. Das wissen wir alle.
Vera
01:00:38
Ja, lieber Thomas, es war uns eine große Freude, dass du heute bei uns warst. Wie gesagt, ich werde jetzt noch mal sehr kritisch über mein bisher geschriebenes Lesen und wahrscheinlich doch noch die ein oder andere Tellpassage jetzt finden. Naja, und eigentlich an die Buchverfilmung denke ich sowieso immer. Also von daher, mir jetzt immer noch so ein Regisseur vorzustellen, das kommt mir durchaus entgegen.
Tamara
01:01:07
Da kannst du deine Tagträume jetzt als Arbeitszeit sehen.
Vera
01:01:10
Ja genau, so ist es, so machen wir das.
Thomas
01:01:12
Also die Arbeit mit meinem inneren Regisseur, mir hilft sie tatsächlich.
Vera
01:01:17
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Klingt gut. Ja, dann wünschen wir dir viel Erfolg mit deinem Büchlein und möge es noch viele, viele Autorinnen und Autoren aufklären. Ihr da draußen, schreibt uns ruhig mal, was ihr so für Erfahrungen mit Show Don't Tell habt. Geht euch das leicht? Habt ihr das Gefühl, ihr findet alles? Oder ist euch jetzt in der vergangenen Stunde doch auch noch die eine oder andere Stelle aufgefallen, wo ihr gesagt habt, oh Mist, da muss ich noch mal ran? Also, wir freuen uns über jedes Feedback. Ansonsten wisst ihr, was ihr zu tun habt, uns zu folgen, wo immer es geht und natürlich weiter zu empfehlen. Also bis nächste Woche. Bleibt uns gewogen. Ciao.
Tamara
01:01:59
Ciao, ciao.
Thomas
01:02:00
Danke.