Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

DZVDT #251 - Buch-Marketing, aber achtsam! Annika Bühnemanns neues Mindset als Autorin

Sie war der allererste Talkstellen-Gast in Folge 11, jetzt ist sie wieder bei uns! Die 'Vom Schreiben leben'-Fachfrau Annika Bühnemann spricht mit uns darüber, wie sich Social Media und das Buchmarketing verändert hat.

27.02.2025 71 min

Zusammenfassung & Show Notes

Sie war der allererste Talkstellen-Gast in Folge 11, jetzt ist sie wieder bei uns! Die 'Vom Schreiben leben'-Fachfrau Annika Bühnemann spricht mit uns darüber, wie sich Social Media, das Buchmarketing und auch ihre Sicht aufs Thema Achtsamkeit in den letzten fünf Jahren verändert haben.

Wie sind Erfolg und Selbstfürsorge vereinbar?
Was sind heute die Must-Haves in Bookstagram & Co.?
Wie findet man eigentlich sein Genre?
Und welche Tipps hat Annika für Tamaras nächstes Release-Marketing?

Das und vieles mehr hört ihr in dieser Folge!

Links

Unser Gast:
https://annikabuehnemann.de/
https://www.vomschreibenleben.de/
https://www.instagram.com/annikabuehnemann/

Annikas Buchtipp - 'Der Gesang der Flusskrebse' von Delia Owens:
https://www.amazon.de/Gesang-Flusskrebse-Bestseller-Taschenbuch-Zauberhaft/dp/3453424018/

Möchtest du, dass wir dein Buch in unserem Podcast vorstellen? Kein Problem! Sende uns ein kurzes E-Mail an alle@zweivondertalkstelle.de und wir senden dir die Details. Vielleicht erzählen wir unseren Hörerinnen und Hörern schon in der nächsten Episode von deinem Buch.

Welche Themen oder Gäste wünschst du dir bei uns? Sag es uns gleich hier: https://forms.gle/PBJRCrZPsuLBv88x9

Vielen Dank, dass du unsere Show hörst. Hast du sie schon abonniert? Bitte gib uns auch eine Bewertung, wo immer du uns hörst. Seit Neuestem geht dies auch bei Spotify.

Abonniere unseren Buchbubble-Bulletin unter http://eepurl.com/hoJYfD

Folge uns:
Facebook https://www.facebook.com/dzvdt
Instagram https://www.instagram.com/dzvdt/

Create your podcast today! #madeonzencastr

Transkript

Tamara
00:00:00
Hier ist Folge 251 von die zwei von der Talkstelle und eine Folge nach dem Jubiläum schauen wir noch einmal ein bisschen zurück. Sie war nämlich unser erster Gast in Folge 11. Heute ist sie wieder da und wir machen so ein kleines Check-in. Was hat sich verändert im Social Media Marketing, im Marketing und ja auch im Thema Achtsamkeit? Annika Bühnemann ist da.
Vera
00:00:22
Wir haben sehr intensiv uns ausgetauscht über Mindset, wie sich ihr Denken verändert hat in diesen letzten fünf Jahren und haben auch so ein bisschen mal drüber gesprochen, was sie sich so vorstellt, wie das so weitergeht. Die zwei, Hier sind wir nach ausufernden Jubiläumsfeierlichkeiten mit Folge 251 der 2 von der Talkstelle. Mir gegenüber sitzt die lächelnde und sehr entspannt wirkende Tamara Leonard mit einem Blümchen im Haar oder was es ist.
Tamara
00:01:10
Das ist ein Haargummi. Ein gehäkeltes Haargummi.
Vera
00:01:18
Ja, also in meinem Härchen ist kein Haargummi und auch kein Blümchen, höchstens ein paar graue Strähnen. Ich bin Vera Nentwig und starte frohgemut in den Tag und in das Gespräch mit dir, liebe Tamara. Wie läuft die Autorinnen-Lounge? Seid ihr schon ausgebucht?
Tamara
00:01:38
Noch nicht ganz, aber es hat sich schon ganz viele angemeldet und ich muss gestehen, die letzten, also wir haben jetzt heute, was haben wir denn heute? Mittwoch?
Vera
00:01:47
Mittwoch.
Tamara
00:01:48
Am Samstag bin ich ja nach Oppenheim gefahren und... War dann auch vor Ort, als Sissi ihre Literatur- und Kultur-Lounge vor Ort eröffnet hat. Und als ich dann abends zu Hause war, bin ich ins Bett gefallen und habe quasi den ganzen Sonntag durchgeschlafen und versuche noch so ein bisschen jetzt seit zwei Tagen wieder anzukommen. Weil du weißt ja, wie das ist, wenn man so eine Lounge hat. Man ist der Meinung, alles ist gut geplant und dann tauchen doch noch Dinge auf und die Technik legt dir Überraschungseier und ich glaube, ich habe letzte Woche echt jeden Tag so 14 Stunden gearbeitet, und muss jetzt erstmal so ein bisschen wieder rund laufen.
Vera
00:02:32
Dann machen wir heute eine spannende Podcastrunde.
Tamara
00:02:36
Auf jeden Fall.
Vera
00:02:36
Wir haben ja wie immer einen sehr inspirierenden Gast und das wird funktionieren. Nein, also ich konnte am Wochenende nicht schlafen, sondern musste ganz viel schreiben. Weil jetzt so doch die zwar selbst gesetzte Deadline, aber die auch jetzt notwendige Deadline doch sehr drückt. Habe ich kräftig am World Count gearbeitet. Und ja, es fehlt zwar immer noch einiges, aber ich habe jetzt schon mal den Veröffentlichungstermin für Frau Appeldorn und den Totenkabinien auf den 30. Mai festgesetzt. Und tata, das E-Book kann auch schon vorgestellt werden bei Amazon. Ich hoffe also viele Klicks und jetzt der Druck wächst. Danke zweiterweise hat sich herausgestellt, oder glücklicherweise, dass der Erik Bauerkämper, der ja schon mal bei uns zu Gast war zum Thema Coworking beim Schreiben, aus Niedendorf kommt oder da gelebt hat. Und auch hier, was sich da sehr gut auskennt. Und der mir jetzt die letzten Tage sehr geholfen hat, immer gelesen hat und mir gesagt hat, ob das so passt oder nicht. Der arme Kerl ist auch noch gerade krank, also gute Besserung, lieber Erik. Und nutzt dann die Zeiten, wo er nicht schlafen kann, um mein Manuskript zu lesen. Ja, das hat mir sehr geholfen. Ich habe dann auch schon ein paar Sachen noch geändert. Ja, sodass ich jetzt zwar immer noch eine relativ große Wortanzahl zu schreiben habe, aber doch eine gewisse Zuversicht in mir aufkeimt. Ich könnte es irgendwie fertig kriegen.
Tamara
00:04:16
Sehr schön.
Vera
00:04:18
Obwohl ich momentan noch das Gefühl habe, Das ist das härteste arbeitete Buch meines bisherigen Oeuvres. Ich hoffe, das lohnt sich. Bestimmt. Ja, also, ich bin da guter Dinge.
Tamara
00:04:34
Schweiß und Herzblut reinstecken lohnt sich immer.
Vera
00:04:37
Ja.
Tamara
00:04:41
Rede ich mir ein.
Vera
00:04:48
Nein, also von daher, Ja, dann habe ich ja Ende nächster Woche, ist der 8. März, ist der Weltfrauentag, da habe ich ja auch einen Auftritt. Das heißt, nächste Woche muss ich auch noch schwer jetzt am Programm arbeiten und mir das wieder gut drauf schaffen. Ja, so zieht eins zum anderen, ein bisschen arbeiten für Geld muss man ja auch noch. Ja, also es wird nicht langweilig.
Tamara
00:05:12
Schaue ich dich erwartungsfroh an, ob du mich auch nach meinem Schreibupdate fragen willst.
Vera
00:05:18
Achso, du warst doch schon fertig.
Tamara
00:05:20
Nein, ich war nicht fertig. Ich hatte meine Mindestwortzahl erreicht.
Vera
00:05:24
Okay, bist du jetzt schon bei 100.000 oder was?
Tamara
00:05:26
Nein, tatsächlich habe ich heute früh einen ordentlichen Block wieder rausgelöscht. War dann wieder drunter, bin jetzt aber wieder drüber. Also ich hatte da so ein kleines Plotproblem noch auf die letzten Meter, weil ich hatte zwei Themen, die ich im letzten Kapitel, in der letzten Szene zu Ende führen wollte. Und von der Logik her musste das eine vor dem anderen passieren. Das hat mir aber von der Dramaturgie her überhaupt nicht gefallen. Und ich habe das Problem dann auf der Fahrt am Samstag nach Oppenheim mit dem Benjamin Spang gelöst, der ja ein sehr guter Plotter ist, und habe mich da heute drangesetzt. Und tada, ich bin quasi fertig. Mein letztes Kapitel habe ich vor 20 Minuten zu Ende geschrieben. Jetzt fehlt nur noch der Epilog. Ja, es gibt einen Epilog und der ist noch wichtig. Aber das wird jetzt nicht mehr viel. Vielleicht schaffe ich das nachher noch oder spätestens morgen. Und dann ist mein Buch tatsächlich fertig.
Vera
00:06:26
Ja, Mann. Ich frage dich nächstes Mal wieder, ob du da auch wieder sagst, ja, ich muss auch das machen, dann ist es das.
Tamara
00:06:35
Nein, ich hatte ja wirklich das Ziel, vor dieser Aufnahme noch den Epilog fertig zu kriegen, damit ich mir genau das nicht anhören muss. Aber ich will ja ehrlich sein.
Vera
00:06:47
Ja, das blieb von dir.
Tamara
00:06:48
Aber ich bin sehr, sehr froh, dass ich diesen Plottknoten aufdröseln konnte. Ich hatte auch normalerweise, habe ich eigentlich immer schon recht früh so eine Idee, was die letzten Worte im letzten Kapitel sein würden. Und diesmal war es wirklich so, ich wusste zwar, was so die... Schlusserkenntnis ist, aber ich hatte so keine Schlussworte im Kopf und die haben mich jetzt beim Schreiben gefunden und ich mag sie ganz gerne.
Vera
00:07:17
Ja, sehr schön. Ja, ich finde das auch immer. Ich habe auch immer am Anfang jetzt auch bei Frau Abel, der Tutte Kapitän, hatte ich auch eine super Idee, wo der Showdown stattfinden könnte, weil von Niendorf fahren immer die Schiffe zu Seebestattungen ab, habe ich gedacht, so auf so einer Seebestattung oder so. Aber je mehr ich dem Ende zukomme, desto schwieriger kriege ich irgendwie die Kurve dahin. Und irgendwann glaube ich, muss ich mich von dem Ende trennen und sagen, ich muss es anders machen ich weiß es noch nicht, wohin es mich führt ja und wollte ich gerade noch was anderes erzählen jetzt habe ich es vergessen wenn.
Tamara
00:07:56
Es dir nicht mehr einfällt, ich kann jetzt glaube ich eine gute Kurve zu unserem heutigen Gast kriegen weil jetzt rattert es in meinem Kopf natürlich so mit dem ungefähren Zeitplan Ich muss jetzt dringend noch einen Post absetzen für Rezi-LeserInnen und mir überlegen, wie ich jetzt das Marketing nochmal aufbaue und tue und mache rund um die Veröffentlichung.
Vera
00:08:17
Gibt es jetzt den Veröffentlichungstermin? Steht der jetzt?
Tamara
00:08:20
Ich habe noch kein Datum festgelegt. Ich habe mir aber überlegt, an dieser LBM mich festzuklammern. Ist eigentlich Blödsinn. Ich mache es lieber danach, wenn die Leute auch wieder die Augen und Ohren offen haben für was anderes. Also Anfang der April.
Vera
00:08:38
Das sind drei oder vier Wochen, wer will es denn hinkriegen?
Tamara
00:08:40
Wie ist denn ein Monat?
Vera
00:08:42
Ja, das sind drei oder vier Wochen.
Tamara
00:08:44
Drei Wochen sind kein Monat. Im April sein und ich habe einen vielleicht Termin für eine Veranstaltung, für eine Lesung Ende April. Das heißt, bis dahin bräuchte ich die Prints. Das sind jetzt so grobe Eckdaten, die ich im Kopf habe. Das wird sich wahrscheinlich in den nächsten Tagen alles klären.
Vera
00:09:07
Ich glaube, Lektorat und so muss man auch noch machen.
Tamara
00:09:10
Ja, bis Mitte Ende April ist doch mehr Zeit, als manche Leute haben, um ihr ganzes Buch zu schreiben.
Vera
00:09:17
Ja, aber du musst doch für so einen Druck, wenn du die geliefert haben willst, locker zwei bis drei Wochen planen.
Tamara
00:09:24
Ja, das ist vielleicht so ein Problem, wo ich nicht so recht weiß. Ich habe tatsächlich auch, um jetzt auch nochmal das Thema Druck und Marketing zu verbinden. Ich war am Freitagabend dann, das waren die einzigen zwei Stunden letzte Woche, die ich nicht gearbeitet oder geschlafen habe, war ich auf einer Lesung im Drachenwinkel. Drei Fantasy-AutorInnen, Benjamin, die Caro Summer und die Mina Becker. Und ich habe von allen dreien ein Buch gekauft. Und das Buch von Mina Becker, Skafa, ist mein erstes Buch mit Farbschnitt. Wobei Farb, gut, ich habe mir gestern von einem Buchbinder erklären lassen, ja, schwarz ist eine Farbe, weil es ja drucktechnisch die Mischung aus allen Farben ist. Also es ist kein bunter Farbschnitt, sondern es ist so schwarz mit so, ich sage es jetzt bestimmt ganz falsch, aber ich würde jetzt mal sagen so Monde und so ein bisschen Dot-to-Work-Mandala. Also es sieht sehr, sehr cool aus. Und seitdem überlege ich so ein bisschen, ob ich nicht auch ein paar Exemplare mit, schwarzen Farbschnitt und irgendwas, ich weiß nicht, vielleicht Gitarren oder so ein Anarchiezeichen oder irgend sowas. Irgendwie so gerade für die Lesungen, es wäre schon cool.
Vera
00:10:44
Ja, also wenn man sich das gönnen will.
Tamara
00:10:46
Vielleicht sogar eine Glanzfolierung für die Schrift, ich weiß nicht.
Vera
00:10:50
Also es schwirrt.
Tamara
00:10:52
Es schwirrt mir.
Vera
00:10:52
Es kostet halt Geld und es wird sich wahrscheinlich nicht wirklich refinanzieren, aber wenn man sich das gönnen will.
Tamara
00:10:58
Ich muss mich nochmal schlau machen, weil tatsächlich das Argument, das gibt es nicht im regulären Handel, das gibt es nur jetzt hier bei der Lesung oder hier am Stand. Das ist natürlich marketingtechnisch schon ganz klug. Und ja, ich muss schon zugeben, es sieht schon geil aus.
Vera
00:11:16
Naja, und bei dir zu dem Thema passt das ja auch. Bei mir, bei Cozy Crime, weiß ich nicht.
Tamara
00:11:20
Ja, ich dachte halt die ganze Zeit, das kannst du nur für Fantasy und Romance machen. Aber irgendwie jetzt, wo ich mal diese Schwarz-Weiß Variante gesehen habe.
Vera
00:11:28
Also für Musikdrama geht das auch. Du bist da ja so Trendsetterin, du setzt jetzt die Maßstäbe. Wir können ja gleich mal mit unserer Expertin sprechen, ob das Marketingtechnik Sinn macht.
Tamara
00:11:42
Genau, sie war ja unser erster Gast in einer der ganz, ganz frühen Folgen.
Vera
00:11:47
In Folge 12, vor ziemlich genau drei Jahren.
Annika
00:11:50
11, ja.
Vera
00:11:51
11, genau.
Tamara
00:11:52
Du musst doch nichts sagen, ich muss dich doch erst angeschrieben.
Annika
00:11:55
Entschuldigung, ich habe nichts gesagt.
Tamara
00:11:58
Das war nämlich damals Vera und ich haben über Marketing gesprochen und das irgendwie auf Twitter, glaube ich, geteilt und dann hat sie das kommentiert und, ja, ihre gegenteilige Meinung zu irgendwas geäußert und haben gesagt, dann komm doch vorbei. Und so kam das überhaupt, dass wir mal Gäste angefangen haben einzuladen und ich freue mich sehr, sehr darüber. Und ja, das ist ja jetzt schon richtig lange her. Ich freue mich total, dass wir sie wieder gewinnen konnten, mit uns zu sprechen. Und ich würde mal sagen, Marketing ist so ein großes Thema von ihr, vom Schreiben. Leben ist auch ein Stichwort, mit dem man sie verbindet. Aber ich habe gesehen, da passiert noch ganz viel mehr. Und das wollen wir jetzt alles wissen von der wunderbaren Annika Bühnemann. Wie schön, dass du da bist.
Annika
00:12:42
Vielen lieben Dank für die Einladung und herzlichen Glückwunsch zu 250 Folgen. Das ist mehr, als ich jemals geschafft habe mit deinem Podcast.
Tamara
00:12:51
Dankeschön.
Annika
00:12:52
Finde ich toll. Ich freue mich sehr für euch.
Tamara
00:12:54
Ja, das ist ja gerade so ein Stichwort mehr, als ich jemals geschafft habe. Wenn man jetzt auf deine aktuellen Posts ein bisschen guckt bei Instagram. Da sind doch einige Beiträge, wo du so auch sagst hier, hey, pass auf, dass du kein Burnout bekommst oder ganz frisch ADHS-Diagnose und erzähle euch jetzt, wie es damit geht, was ich sehr fühle. Und ich glaube, da sind ganz, ganz viele in der Kreativ-Bubble betroffen, was einfach dazugehört. Und das finde ich sehr, sehr spannend, dass du sowohl den Leuten zeigst, wie funktioniert Marketing, wie kannst du sichtbar werden, wie kannst du ganz viel schaffen, aber auch jetzt einfach sagst, stopp, tritt mal auf die Bremse, sei achtsam mit dir. Vielleicht, wenn du zu Beginn einfach mal so ein bisschen diese, ich nenne es mal Diskrepanz, vielleicht ist auch einfach so eine neue Achtsamkeit im Internet, die sehr, sehr gut ist, denke ich, erzählen magst, so ging der Verstände.
Annika
00:13:54
Gerne, genau. Mal gucken, ob ich mir das alles merken kann. Ja, also eine ganze Zeit lang war im Internet, glaube ich, so eine ganz große Hustle-Mentalität angesagt. Höher, schneller, weiter, wie man es schon so aus dem Business-Kontext irgendwie auch kennt, galt dann irgendwie auch für uns. Und viele haben das aufgenommen, gerade als Self-Publishing so die Fahrt aufgenommen hat. Und klar wurde, okay, anscheinend haben diejenigen, die vier Romane oder mehr im Jahr veröffentlichen, die besten Chancen, erfolgreich zu werden. Also zieht mal durch, so nach dem Motto. Und das hat bei manchen tatsächlich dann zu Burnout-Erscheinungen geführt oder sogar zu diagnostizierten Burnout, was therapiewürdig ist. Und bei mir war es so, wir haben in Folge 11 miteinander gesprochen, das war 2020. Da hatte ich gerade, ich habe auch noch mal im Vorfeld reingehört, was wir so besprochen haben und wie so die Situation damals war. Da hatte ich ein blaues Auge, da hatte ich mich völlig vergessen, die Treppe hochgefallen, wie meine Kinder mich heute noch daran erinnern. Und da ging es mit Corona ja gerade los. Wir hatten darüber gesprochen, dass die Buchmesse abgesagt wird zum Beispiel. Das war ganz frisch, gerade eine Woche oder so zwei Wochen vor der Buchmesse oder so. Und ich hatte gerade mein zweites Kind da, das hört man auch im Hintergrund. Die ist jetzt fünf mittlerweile, ist heute im Kindergarten. Heute bin ich zwar auch nicht allein, also nebenan sitzt meine große Tochter, die jetzt sieben schon ist. Und ja, ich habe so ein bisschen Revue passieren lassen, was denn alles in der Zeit einerseits passiert ist. Und bei mir war 2021 so ein starkes Jahr der Veränderung, weil dort für mich dann alles zusammenkam. Das heißt, wir hatten den zweiten Lockdown, falls ihr euch daran erinnert. Ich hatte dann ein einjähriges und ein dreijähriges Kind zu Hause, hatte mein Business vom Schreiben Leben, habe meine Bücher geschrieben. Also ich habe dann so ein bisschen aus Versehen eine Ausschreibung gewonnen und musste dann einen Roman dafür schreiben, kurz zu sagen. Und der war nicht eingeplant. Das heißt, ich hatte ein Großprojekt, so ein Roman ist ja nichts, was man in der Regel innerhalb von wenigen Wochen durchzieht, außer bei wenigen, die es können. Ich hatte also ein Großprojekt am Bein, das ich nicht eingeplant hatte in meinen Zeitplanen. Und mit ganz kleinen Kindern kann man sowieso schlecht planen. Und das war für mich der Moment, zu Hause nicht raus können, Lockdown, beide Kinder unternehmen und noch dieser Roman, wo es dann so in Richtung Nervenzusammenbruch steuerte, mal davon abgesehen, dass unser Haushalt einfach nur chaotisch aussah. Und ich habe, glaube ich, einfach ein sehr gutes Körpergefühl und höre sehr darauf, was mein Körper mir so sagt. Und habe gemerkt, okay, alle Alarmglocken gehen an, die irgendwie angehen können. Ich muss jetzt wirklich was ändern. Und das war bei mir so ein Punkt, wo ich dann gesagt habe, okay, wisst ihr was, höher, schneller, weiter kann nicht die Lösung sein. Sondern wir machen jetzt mal das Gegenteil hier. Ich mache jetzt mal ganz viel auf Achtsamkeit und auf Minimalismus und ich muss gar nichts, so nach dem Motto. Auch wenn das bedeutet, dass vielleicht mein Business drunter leidet, was es auch getan hat. Also es wäre mir finanziell mit Sicherheit besser gegangen, wenn ich weiter durchgepowert hätte. Habe ich aber nicht. Und ich habe mir dann die Zeit genommen, mich nochmal ein bisschen neu zu orientieren und zu überlegen, was ist mir denn wirklich wichtig? Eigentlich so ein bisschen Midlife-Crisis-Fragen, die man sich da macht.
Vera
00:17:26
Du darfst keinen Bochscher bestellen.
Annika
00:17:29
Das war da nicht mehr drin. Aber ich habe so ein bisschen überlegt, okay, wenn ich jetzt auf mein Leben zurückblicken würde, was würde ich denn darüber denken? Wäre ich stolz auf mich? Wäre ich zufrieden mit dem? oder würde ich mir sagen, okay, du hättest auch ein bisschen mehr Zeit mit den Kindern verbringen können, als sie so klein werden oder keine Ahnung so. Und das hat mich dann dazu gebracht, dass ich mir eine Life-Coach-Ausbildung finanziert habe, weil ich gerne, also ich bin ja jemand, der immer sehr gerne sehr tief in so Themen einsteigt und nur das einfach irgendwo zu lesen ist mir dann zu wenig, sondern ich lasse mich dann gleich ausbilden als diese Person. So apropos zu viele Projekte auf einmal. Das hat mir aber tatsächlich eine neue, Oder andere Perspektive auf alles Mögliche gegeben. Und das hat, glaube ich, mit dazu geführt, dass ich auch in meinem Business eben viel mehr diesen Mindset-Aspekt drin hatte. Und das Lustige ist, was mir erst im Nachhinein aufgefallen ist, ich habe ja 2014 mit meinem Blog vom Schreibenleben.de angefangen und damals habe ich schon Schreiben, Marketing und Mindset mit drin gehabt, also die drei Säulen. Ich habe nur das Thema Mindset relativ wenig behandelt, weil ich viel mehr auf Marketing und Schreibhandwerk fokussiert war. Und im Grunde habe ich mich nur wieder zurückerinnert an die Anfänge, was mir damals wichtig war und habe einfach den Mindset-Aspekt sehr viel mehr mit reingebracht und fühlte mich dann natürlich auch ein bisschen, ich sage mal, fähiger und befähigter, auch was darüber sagen zu können, weil ich dann eben so eine Zertifizierung in dem Bereich eben auch vorweisen konnte und sagen konnte, okay, ich habe es jetzt nicht nur gelesen, sondern gelernt quasi. Es war für mich, ich glaube, in echt ist es gar nicht so wichtig, aber es war für mich, für mein Selbstvertrauen wichtig, sagen zu können, okay, ich weiß, wovon ich rede. Und ich glaube, das war für mich dann der ausschlaggebende Aspekt, warum sich das Business so ein bisschen mehr in diese ganze achtsame Richtung mitentwickelt hat und warum ich auch gar nicht mehr so viel von dieser krassen Hustle-Mentalität mit vorangetrieben habe, weil ich da nicht mehr so hinterstehen konnte, wie zuvor. Letztes Jahr habe ich drei Romane geschrieben. Ich muss auch schon gucken, dass ich authentisch bleibe. Das sind aber Kurzromane. Und zeige dann eben auch, worauf ich verzichte, was der Preis ist, wann ich was mache. Also ich versuche da transparent zu zeigen, was dazugehören würde, wenn man den Weg geht.
Vera
00:19:58
Jetzt nehme ich beim Mindset, habe ich immer so die Vorstellung, ich erinnere mich, wir hatten ja mal Elvira Zeissner, glaube ich, zu dem Thema hier. So Mindset immer in dem Sinne, glaub dran, dass du erfolgreich werden kannst und stell dir vor, wie das ist, wenn du in der Spiegel Bestsellerliste bist. Also ich setze das nicht so gleich mit Achtsamkeit.
Annika
00:20:18
Okay, also genau. Mindset ist ja auch so ein Begriff, der irgendwie ganz viele verschiedene Assoziationen auslöst. Das, was in diese Richtung geht von stellst dir vor und werde zu der Person, die du schon sein willst und so weiter, das ist eher in Richtung Manifestieren. Das hat aber auch mit Mindset zu tun. Das ist ein verwandter Bereich. Das Mindset-Thema, was ich meine, ist tatsächlich Verhaltenspsychologie eigentlich. So wie ich über Sachen denke, Gedanken lösen Gefühle aus und Gefühle führen zu Handlungen. Das heißt, wenn ich das Gefühl habe, hat eh alles keinen Sinn, was ich hier tue, fühle ich mich meistens auch relativ demotiviert und dementsprechend werde ich nicht so nach draußen gehen, wie man so schön sagt, nicht so auftreten und dementsprechend auch andere Ergebnisse haben, als wenn ich sage, ich mache das jetzt, auch wenn ich scheitere, weil es wichtig ist. Dann habe ich eine andere Energie sozusagen, die ich mit reinbringen kann und erscheine dann. Mir fallen einfach auch, das lässt sich alles psychologisch ziemlich gut klären auch, mir fallen andere Sachen ein, wenn ich in dieser Spirale drin bin. Das kennt ihr ja selber, wenn man das Gefühl hat, dieser Tag wird nichts, dann findet man ganz viele Gründe, die das bestätigen. Und wenn ich sage, dieser Tag wird richtig gut, bin ich tendenziell offener für die guten Sachen.
Vera
00:21:36
Was ich aber in dem Kontext noch nicht so verstehe. Wenn ich jetzt mir... Ich sage es jetzt mal bewusst so, den Mindset erarbeite, ich bin toll, ich bin tolle Schriftstellerin und ich bin jetzt die Erfolgreiche und ich gehe raus und ich mache. Das ist für mich aber ein hundertprozentiger Widerspruch zu Achtsamkeit.
Annika
00:21:56
Warum?
Vera
00:21:57
Weil ich doch dann mit meinen Gedanken all diese vielleicht etwas leichteren oder stilleren Warnungen ja einfach niedertrample. Also ich kenne das so aus meinen Zeiten, dass ich mir gesagt habe, du bist toll und erfolgreich und mich nicht rechts und links gehört und geguckt, weil einfach nur dieses Bild da war.
Annika
00:22:20
Ich glaube, da gibt es ja viele Grauschattierungen zwischendrin, weil meine Herangehensweise wäre zu sagen, ich kann erfolgreich sein und gleichzeitig achtsam. Ich bin eine erfolgreiche, aber achtsame Autorin, die nicht hustelt und nicht auf Biegen und Brechen kostet, was es wolle, erfolgreich sein will, sondern ich bin eine Autorin, also wenn ich jetzt übertreiben würde, würde ich sagen, ich bin eine Autorin, der fällt der Erfolg förmlich zu. Also ich muss mich nicht extrem viel anstrengen und ständig meine Bedürfnisse missachten, um erfolgreich zu sein, sondern das wäre ein Mindset zu sagen, wenn ich erfolgreich sein will, muss ich dafür Opfer bringen. Das ist eine Einstellungssache. Ich kann auch sagen, ich kann erfolgreich sein und achtsam. Ich muss nicht jeden Tag auf Social Media, wir haben ja damals über Social Media viel gesprochen, ich muss nicht jeden Tag auf Social Media posten. Ich finde andere Wege, wie Leute zu meinen Büchern kommen. Sei es bezahlte Werbung oder was weiß ich, keine Ahnung. Da kann man dann im Detail nachschauen. Aber die... Wahrscheinlich ist es die unterschiedliche Herangehensweise zu diesem Begriff erfolgreiche Autorin. Da müsste man dann erstmal definieren, was ist eine erfolgreiche Autorin? Eine, die ständig immer nach vorne prescht und noch ein Buch da ist und jeden Tag drei Postings und so weiter, dann kann es natürlich schnell so sein, dass man jetzt nicht mehr so achtsam mit seinen Bedürfnissen ist. Aber vielleicht ist eine erfolgreiche Autorin auch einfach eine Autorin, die jeden Tag Zeit für ihre Leidenschaft findet, nämlich das Schreiben und Bücher veröffentlicht in ihrem Tempo, die die Leserin finden, die sie finden will. Wäre auch eine Art von, das ist nur für die Frage, wie definiert man Erfolg?
Vera
00:24:00
Ja, also ich finde den Gedanken, ich bin eine Autorin, der der Erfolg so zufällt, schon sehr, sehr schön.
Annika
00:24:06
Muss man das mal glauben können, ne?
Vera
00:24:07
Das wollte ich genau nicht hinbekommen. Das muss man glauben können. Ich meine, wenn du die letzten fünf Jahre unserer Podcast-Folgen hier und da mal reingehört hast, dann wirst du feststellen, dass wir das zwar immer hoffen, aber passiert ist es bis heute noch nicht.
Annika
00:24:21
Ja, genau. Das ist, glaube ich, ein ganz großes Ding, wo viele auch enttäuscht sind, wenn sie sich mit diesem ganzen Manifestieren-Kram beschäftigen. Weil manchmal so der Eindruck entsteht, du musst es nur fest genug wollen oder stark genug wollen und dann passiert ist. Ganz so ist es auch nicht, weil immer die Strategie sozusagen dazugehört. Das veränderte Mindset ist eigentlich eine Art Ausgangspunkt. Man sagt, okay, ich habe jetzt meinetwegen den Glauben, dass ich irgendwann erfolgreich werde. Sagen wir mal so. Irgendwann bin ich diese Autorin, der der Erfolg so zufällt. Was würde ich denn tun, wenn ich diese Person schon wäre? Da geht es in diese Richtung von eben. Wenn ich schon eine erfolgreiche Autorin wäre, der der Erfolg zufällt, Was würde ich denn tun? Die liegt nämlich in der Regel nicht auf der Couch und legt die Füße hoch. Meistens nicht, sondern meistens ist sie ja jemand, sie schreibt zum Beispiel. Und da ist ein bisschen, was mir geholfen hat, das kommt aus Money Mindset eigentlich, aber ich finde, das passt jetzt auch ganz gut. Es geht eigentlich nicht um die Frage, was tue ich, wenn ich schon erfolgreich bin? Dann kann ich mich vielleicht ausruhen auf meiner Yacht und irgendwo durch den Atlantik schippern. Sondern was würde die erfolgreiche Autorin mir in meiner jetzigen Situation sagen, was sie tun würde? Das ist eher so die Frage. Das ist ein bisschen komplizierter zu verstehen. Aber die Yacht-Autorin auf dem Atlantik würde mich anrufen und sagen, hey Annika, wenn du mein Leben haben willst, dann musst du jetzt aber auch schreiben. Ja, sagt sie nicht, leg dich doch auf die Couch, sondern sagt sie ja.
Vera
00:25:58
Sie sagt wahrscheinlich, kauf keine Yacht, musst du ständig kotzen. Möglicherweise auch.
Annika
00:26:04
Und ist schlecht für die Umwelt.
Tamara
00:26:07
Ich habe gerade noch so den einen oder anderen Knoten im Kopf. Ja, also ich verstehe dieses Mindset so, du musst nur dran glauben und du musst dich halt einsetzen und bla. Was halt dann schon auch in dieses Hasseln reingehen kann. Ich verstehe auch, ich sage es jetzt mal konträr dazu, das Mindset Erfolg ist Definitionssache und schau, dass du dich wohlfühlst mit dem, was du tust. Aber dieses Beispiel, was du jetzt gesagt hast, ich bin eine erfolgreiche Autorin, der das so zufällt, liegt für mich so dazwischen und ich kann das nicht so richtig definieren, weil wenn mir etwas zufällt, das kann ich ja nicht so wirklich beeinflussen. Wenn ich mich aber hinsetzen und schreiben muss, dann kann das ja schon wieder in die Richtung gehen, ja, aber da sind die Kinder und da ist der Brotjob und da ist jenes und das. Und dann ist es ja doch schon wieder ein Müssen, egal ob ich mich gerade dazu in der Lage fühle oder eigentlich echt mal einen Sonntag lang auf der Couch vor mich hinsabbern müsste. Weißt du, was ich meine?
Annika
00:27:07
Also weiß ich, die erfolgreiche Autorin auf der Yacht würde dann ja wahrscheinlich zu dir sagen, hey, arbeite im Rahmen deiner Kapazitäten mit dem, was du kannst, mit dem, was du jetzt hast, im Rahmen deiner Möglichkeiten. Und dann würde sie sagen, dann, wann du dich fit genug fühlst, arbeitest du da dran, organisiere es so, dass du zum Beispiel einen Babysitter hast, dass du eine Stunde am Tag dann irgendwie schreiben kannst. Und wenn deine Kapazität aufgebraucht ist, wenn du das Bedürfnis nach Ruhe hast, dann nimmst du dir Ruhe, weil du auch wichtig bist. Deine Psyche ist genauso wichtig wie der Körper und wie meinetwegen der Erfolg oder keine Ahnung. Also ich glaube, wir denken, Menschen denken gerne schwarz-weiß. Entweder du hustlest oder du entspannst. Aber die Wahrheit liegt halt in der Regel dazwischen. Ich hustle, wenn ich hustlen will und mich gut fühle und mich auch in so einer Phase befinde, wo es möglich ist. Und dann gibt es auch diese Ruhephasen. Gerade Frauen arbeiten mehr so phasenweise in Zyklen. Und haben Phasen, in denen sie wirklich viel reißen können, viel organisieren, voller Energie, sind total nach vorne preschen. Und dann gibt es wieder Phasen, wo man sich komplett zurücknehmen muss und auch gar keine Lust vielleicht aufs Schreiben hat. Und vor allen Dingen nicht auf Menschen und einfach nur zu Hause sitzen und Filme gucken will. Und das ist dann auch in Ordnung, weil man über die Strecke gesehen ja trotzdem seinem Ziel dann näher kommt. Das ist ja das Blöde bei einem Roman, dass das halt alles so lange dauert. Es dauert so lange, einen Roman zu schreiben und erfolgreich zu sein. Also im Schnitt haben die erfolgreichen Autorinnen ja mindestens zehn Bücher am Markt. Ja, das wird nicht weniger.
Tamara
00:28:41
Heißt das, man sagt ja ganz oft so, nimm dir deine tägliche Schreibzeit, Routinen, Routinen. Was du sagst, klingt jetzt aber sehr gegenteilig dazu, sondern eher so ein bisschen go with the flow, schau, wie es gerade passt.
Annika
00:28:56
Ja, ich habe auch eine Routine, dass ich jeden Tag schreibe, auch wenn ich mich nicht so danach fühle. Also wenn ich krank bin, schreibe ich nicht zum Beispiel. Wenn ich mich nicht danach fühle, kommt es drauf an. Ich habe zum Beispiel bei mir, ich stehe in der Regel so zwischen fünf, Viertel nach fünf ungefähr auf und schreibe so von halb sechs bis halb sieben mit meiner Schreibgruppe und von neun bis zehn nochmal. Und es kommt vor, dass ich den Abend vorher zu spät ins Bett gegangen bin und dann ist es zwölf oder so und ich denke mir, ei, ei, ei, fünf Stunden Schlaf ist schon wenig. Aber dann melde ich mich vorsorglich in der Gruppe ab und sage, hey, es ist Mitternacht und ich gehe jetzt erst ins Bett. Ich glaube nicht, dass ich morgen dabei bin. Manchmal stelle ich den Wecker dann auch wirklich gar nicht und schlafe wirklich bis, keine Ahnung, und stehen die Kinder auf, halb sieben oder so. Manchmal stelle ich den Wecker trotzdem für den Fall, dass ich mich fit fühle. Kommt auch vor. Dann entscheide ich im Grunde, dann höre ich mich, der Wecker klingelt, ich mache aus und überlege dann, wie fühle ich mich denn jetzt. Fühle ich mich nach weiterschlafen oder fühle ich mich nach, ich will dieses Buch wirklich jetzt schreiben. Dann entscheide ich das so. Ich glaube, das Problem wird nur, wenn man halt jeden Tag denkt, ach, das Bett ist so gemütlich. Dann muss man irgendwann gucken, okay, bin ich jetzt wirklich nur noch in meiner Komfortzone, um mich gut zu fühlen, aber nicht mehr, weil es ein körperliches Bedürfnis ist, mich auszuruhen, sondern weil es so gemütlich hier ist. Dann wiederum kommt so, das ist klassisches Live-Coaching, der Erfolg passiert außerhalb der Komfortzone, in der Komfortzone vom Diskomfort sozusagen.
Tamara
00:30:26
Weil es ja auch da inzwischen Dinge gibt. Also heute früh war ich genau in dieser Situation. Ich wollte unbedingt, ich habe es Vera eben schon erzählt, ich wollte unbedingt mein Buch komplett zu Ende schreiben, vor der Aufnahme, damit ich das hier stolz erzählen kann. Der Epilog fehlt noch.
Annika
00:30:39
Naja gut, da hast du aber Ende ja schon geschrieben.
Tamara
00:30:43
Quatsch.
Annika
00:30:44
Zählt. Herzlichen Glückwunsch.
Tamara
00:30:45
Dankeschön. Aber gleichzeitig war ich halt auch eigentlich zu müde und wollte nicht aus dem kuscheligen Bett raus. Und ich habe aber hier mein großes Setting mit drei Bildschirmen und Pipapo. Und ich habe noch so ein kleines Netbook. Und dann habe ich halt gesagt, dann schreibe ich einfach im Bett. Ja. Das war dann in dem Moment für mich die beste Lösung.
Vera
00:31:05
Ja, genau.
Annika
00:31:06
Das ist bei mir jetzt keine Option. Wegen der Kinder und wegen meinem Mann. Ich werde die nicht aufwecken. Aber das ist genau das, was ich meine. Wenn du dann feststellst, okay, ich will eigentlich nicht aufstehen, dann statt zu schlafen kann man ja trotzdem dann schreiben. Ich habe auch eine Zeit lang dann einfach morgens, als es mir schlecht ging mental, das war so 2021, da habe ich morgens zum Beispiel nicht an meinem Roman geschrieben, sondern Journaling gemacht. Also mit Papier und Stift und meinem Notizbuch und habe mir alles mögliche aufgeschrieben und versucht, meinen Kopf irgendwie zu organisieren, meine Gefühle zu verstehen und hast nicht gesehen. Und das war auch eine Zeit lang, war das zum Beispiel mir dann wichtiger als meine Romane, obwohl diese komische Deadline ja trotzdem gedrückt hat, weil ich musste das halt abgeben. Ich habe übrigens auch zu spät abgegeben, dreimal verschoben, aber egal. Weil ich gesagt habe, okay, das war eigentlich ein gutes Beispiel. Ich sollte diesen Roman abgeben und hatte meine Deadline und war an diesem Punkt, wo ich gemerkt habe, das ist jetzt echt ein Scheideweg. Entweder ich ziehe jetzt durch, dann ist das aber auf Kosten meiner mentalen Gesundheit, dann renne ich ins Burnout rein. Das habe ich förmlich vor mir gesehen, weil ich wusste, ich kann eigentlich nicht. Ich kann mich jetzt zwingen, aber es ist nicht gesund. Oder ich höre jetzt auf meinen Körper und meine Psyche und bitte um Aufschub und sage nochmal die Situation, in der ich mich befinde und hoffe einfach das Beste. Und wisst ihr was, ich habe nachher, das war so eine Ausschreibung, wo man erst eine Leseprobe, ich glaube 50 Seiten hat eingereicht, dann sollte man den ganzen Roman einreichen und dann wurde die Gewinnerin gekürt und dann hätte das Buch eigentlich dann gedruckt werden sollen. Und ich, die 50 Seiten Leseprohung, eingereicht. Und dann sollte man halt das ganze Buch einreichen. Und das habe ich nicht geschafft. Ich habe nur 60 Prozent abgegeben. Und habe gedacht, okay, entweder es reicht, um zu gewinnen, oder eben nicht. Mehr mache ich nicht, weil dann liege ich hier auf dem Boden. Es hat gereicht, ja.
Vera
00:33:06
Ja, gut, Glückwunsch.
Annika
00:33:08
Danke, danke.
Vera
00:33:09
Wobei, es war ja jetzt ja, gut, das war ja ein glücklicher Ausgang. Aber es gibt ja so Dinge. also, Das hängt ja ein bisschen auch mit der Wichtigkeit ab, die man so einem Ziel gibt, insbesondere wenn noch so ein existenzieller Faktor dazukommt, wenn es ein finanzielles Thema ist. Also es gehört ja nur noch eine gewisse Unabhängigkeit dazu, sowas einfach mal jetzt liegen zu lassen, wenn man halt von was anderem lebt. Wenn ich zum Beispiel, wie der Titel ja deiner Webseite vom Schreiben leben will und wirklich auch vielleicht leben muss, dann habe ich ja ganz andere Zwänge.
Annika
00:33:45
Ja, da muss man sich rechtzeitig überlegen, wie ist mein Business aufgebaut, was habe ich für Einkommensströme, funktionieren die alle, kann ich die optimieren, kann ich andere Einkommensströme noch irgendwie dazu buchen. Ich hatte jetzt vor zwei Wochen ein Gespräch mit jemandem, der eigentlich auch in so einer künstlerischen Schiene sich selbstständig machen will oder auch selbstständig ist, aber seit ein paar Monaten einen Nebenhauptjob sozusagen hat. Ich weiß jetzt nicht, wie viele Stunden klangen jetzt nach Teilzeit, um so ein paar Basics wie die Miete und solche Sachen dann schon mal abgefrühstückt zu haben, um nicht mehr ganz so den krassen Druck auf der kreativen Ebene zu haben. Und das ist für viele machbar. Ich weiß von einigen Autorinnen, es ist gerade anscheinend in den letzten zwei, drei, vier Jahren, also eigentlich seit Corona tatsächlich, scheint es wirklich an vielen Orten schwieriger geworden zu sein, für viele auch schwieriger geworden zu sein, in allen möglichen Branchen, ja, aber bei uns eben auch. Wo tatsächlich sogar Autorinnen, die wirklich sehr erfolgreich sind, überlegen, ob sie nicht doch aus Sicherheitsgründen noch einen kleinen Teilzeitjob nebenbei machen. Einfach nur, weil das so wackelig, also noch wackeliger als eh schon geworden ist.
Vera
00:35:00
Ja, man muss ja wirklich sagen, also der Prozentsatz der Autorinnen und Autoren, die vom Schreiben leben, ist ja nicht sehr hoch, der ist sehr gering. Also eigentlich müsste man jedem raten, sich ein anderes Berufsziel zu suchen.
Annika
00:35:13
Ja, habe ich tatsächlich. Ich habe neulich, wir haben jetzt quasi... Also nächstes Jahr war ich meine zehnjährige Selbstständigkeit und dann hatte ich schon mal so ein bisschen geguckt, die ersten in den Anfängen und so weiter und hatte noch gesehen, dass irgendwo, habe ich geschrieben, so ganz groß nach dem Motto, wenn du viel Geld verdienen willst, dann schreib keine Bücher. Ja, ich meine, es gibt einige wenige, die damit viel Geld verdienen, aber es ist halt nicht das Gros der AutorInnen und es ist ja auch für uns in der Regel eben nicht die erste Ambition, dass man sagt, ich hätte gerne viel Geld, ich glaube, ich schreibe mal ein Buch. Ja, eigentlich nicht. Man tut das meistens aus einer anderen Motivation heraus. Und ich finde es eigentlich auch ganz wichtig, dass man so lange sich absichert mit etwas anderem, was das jetzt ist. Das ist ja für jeden etwas anderes. Manche können sich durch ihre Partnerschaft absichern. Manche haben einen anderen Job, mit dem sie sich absichern können. Andere haben vielleicht Rücklagen, auf die sie zurückgreifen können. Und die Dritten arbeiten oder bauen sich passives Einkommen auf. Oder was auch immer. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten. Da kann man sich, glaube ich, dann hinsetzen, um einfach Druck aus der Sache rauszunehmen.
Vera
00:36:25
Ja, das mit dem Druck ist halt so das Thema. Und ich habe gerade jetzt zum Jahreswechsel jetzt auch sehr rekapituliert. Bin ja schon auch länger als zehn Jahre dabei. habe auch mehr als 10 Bücher und trotzdem mit dem Erfolg, also finanziellen Erfolg ist relativ wenig. Da fragt man sich dann schon, mache ich das alles richtig oder müsste ich was Grundlegendes ändern? Das finde ich aber extrem schwierig rauszukriegen.
Annika
00:36:54
Ja, es ist auch schwierig, weil keiner hat das Geheimrezept. Weder die Verlage noch die Self-Publisher wissen unter Garantie, wie sich was entwickeln wird oder so. Manchmal hat man Glück und man hat zufälligerweise vor fünf Jahren New Adult geschrieben und dann ist es jetzt gut gegangen. Aber wenn man Pech hatte, dann hat man halt, was weiß ich, was, irgendein anderes geschrieben. Ja, aber Cozy, ich habe jetzt auch Cozy's geschrieben letztes Jahr und bin so mit reingegangen in die Schiene und habe festgestellt, dass es gibt schon so seinen Markt, aber es ist natürlich kein Vergleich zu New Adult oder klassischen Romance-Geschichten oder so. Aber auch da, je nachdem, ich bin zum Beispiel sehr am Rumprobieren. Also ich habe mir die Freiheit genommen, habe gesagt, okay, ich probiere so lange rum, bis ich gefunden habe, was funktioniert. Und habe für meine Cosi zum Beispiel jetzt festgestellt, dass ich sie nicht nur exklusiv auf Amazon veröffentlichen werde, weil das im Vergleich bei mir geringere Sichtbarkeit und Einnahmen generiert hat.
Vera
00:37:55
Auch als Beispiel. Bei mir genau umgekehrt.
Annika
00:37:58
Genau, das ist auch bei vielen genau umgekehrt. Bei mir, und da finde ich das wichtig, auch zu sagen, Leute, probiert das auch ein bisschen mal aus vielleicht, ob, dieser Weg, der richtige ist, beziehungsweise ob das, was ihr tut, das richtige ist. Bei mir zum Beispiel läuft alles über Newsletter-Marketing und über bezahlte Anzeigen hauptsächlich und über Connections und Blogger und Multiplikatoren und so weiter und fast nichts über Social Media, klassischerweise Instagram und Co. für diese Cozy Crimes zum Beispiel. Weil die Zeit habe ich gar nicht. Dann könnte es machen, aber nee, dann zahle ich lieber ein bisschen was und mache es ein bisschen nachhaltiger sozusagen. Und darüber kommen wir, weil ich da gesehen habe, okay, die meisten, vielleicht nicht die meiste, aber mindestens die Hälfte der Leute, kauft nicht bei Amazon. Was für mich ganz ungewöhnlich ist, weil ich kaufe alles bei Amazon. Aber gut. Da habe ich dann drauf reagiert. Das funktioniert dann bei mir eben auch so.
Vera
00:38:50
Wie ist das denn auch so? Ich habe jetzt gerade, wir hatten das Thema vorhin, gerade am Wochenende mal so überlegt, was würde ich denn anderes schreiben wollen? Also ich muss dazu sagen, ich liebe meine Geschichten. Das ist auch das, was ich sehr gerne lese. Das ist so mein Leib und Magen. Genre. Ich habe da mal vereinzelt auch mal was anderes geschrieben und dann habe ich so überlegt, jetzt willst du anders schreiben. Soll ich jetzt doch in Romance? Da bin ich aber auch nur so MeToo. Dann überlege ich immer, welches Genre passt denn überhaupt zu mir? Ich habe bei vielen, gerade so bei den New-Alt-Autorinnen und ich sage jetzt Bewusst-Autorinnen, das Gefühl, die könnten aus ihren Büchern entspringen oder auch bei einigen Fantasy-Autorinnen. Welches Buch stellt man sich denn bei mir vor? Keine Ahnung. Also, mich springt nicht so direkt was an. Also wäre das, wie du ja vorhin auch schon gesagt hast, ein Verlassen der Schreibkomfortzone, sich mal in was völlig anderes reinzuspringen.
Annika
00:39:50
Kann man tun.
Vera
00:39:51
Kann man tun. Aber da bin ich auch wieder an dem Punkt, wo fängt denn da der Punkt an, wo ich mich womöglich quäle.
Annika
00:39:59
Ja, genau.
Tamara
00:40:00
Ich wollte nämlich gerade sagen, also du bist ja sowieso ein Mensch, der sagt... Das Schreiben ist jetzt nicht das Highlight des gesamten Buchentstellungsprozesses. Und wenn du dann noch was schreibst, worauf du nicht so richtig Bock hast, das spielst du nicht.
Annika
00:40:15
Die Spielerei hat sie nicht. Ja, das ist echt unangenehm. Ich habe ja mal versucht, Thriller zu schreiben, weil ich so gerne Thriller lese. Und habe gedacht, ich würde es gerne können, so nach dem Motto. Und habe es probiert. Ich glaube, vom Text her war es auch okay. Aber da habe ich zum Beispiel, was ich überhaupt nicht in meine Überlegungen mit einbezogen hatte, Da habe ich festgestellt, dass mich die Hintergrundrecherche zu den Themen, über die ich da geschrieben habe, viel zu sehr in meiner Gesamtstimmung runtergezogen hat. Also es ging da, ich habe hier irgendwelche ganz kuriosen Bücher rumstehen. Die wirklich gar nicht schön sind. Und wo ich dann dachte, nee, also ich möchte mich eigentlich gar nicht in meiner Freizeit damit beschäftigen, was man Menschen Schlimmes antun kann und warum das Leute tun und was da irgendwie schiefgelaufen ist und was die für eine Kindheit hatten und hast du nicht gesehen. Das war mir irgendwie alles zu abgründig dann doch. Obwohl ich, wie alle Menschen, wir finden die Abgründe ja mega spannend. Deshalb lese ich das wohl auch gerne. Aber es ist dann doch, und das hatte ich nicht so bedacht, Es ist was anderes dann doch, das zu lesen, was jemand anderes dann quasi recherchiert und verpackt hat, als selbst die echten Berichte und echten Erfahrungen von Opfern und so weiter sich anzugucken. Und nee, das hat mir dann ein bisschen den Spaß verdorben und es hat tatsächlich meine Grundstimmung runtergezogen, sodass ich dann gedacht habe, okay, ich mag ja trotzdem diese spannenden Bücher und ich lese sie auch, aber ich werde wohl doch nie eine Thriller-Autorin werden, was ein bisschen wehtat, weil ich möchte gerne. Aber ich habe dann auch entschieden, nee, das ist nicht gut für mich, das zu machen. Ich bin da zu sensibel für.
Tamara
00:41:53
Ist ja dann auch wieder achtsam.
Annika
00:41:55
Ist ja auch wieder achtsam und habe gedacht, nee, was. Und da kam ich dann nämlich auf die Frage im Grunde, die Vera auch gestellt hat. Was möchte ich denn eigentlich schreiben? Was kann ich vielleicht auch gut? Und da habe ich dann auch überlegt, okay, was ist denn vielleicht so eine Stärke beim Schreiben bei mir? Was fällt mir vielleicht leicht oder was kann ich nicht und habe mich einfach selbst ein bisschen analysiert und bin da eigentlich dann drauf gekommen, naja gut, ich kann, glaube ich, ganz lustig schreiben, kann die Leute ganz gut so zum Lachen bringen und bin halt auch ziemlich sarkastisch normalerweise unterwegs, gerade in meinem Alltag und das könnte man ja vielleicht auch ein bisschen verpacken. Und so kam ich dann auch auf die Cozy Crime Ecke und dachte, okay, wenn ich Cozy Crime mache, Das ist ja ein Genre, was schon auch recht geflutet ist. Gerade Nordsee-Setting oder allgemein Küsten-Krimi-Setting. Und ich kann immer nichts anderes, weil ich wohne hier halt. Ich dachte mir so, ja, es war ja auch mit den Verlagen im Gespräch und da war so dann die Frage, muss es denn Küsten-Krimi sein? Ich so, ja, ganz ehrlich, ich... Ich wüsste nicht, was ich sonst schreiben soll. Ich habe immer nur an der Küste gelebt. Ich kenne mich nur hier mit dem Schlagmenschen hier aus. Und dann gedacht, na gut, dann muss ich mir eine wirklich sehr gute Positionierung suchen. Wo ich dann sagen kann, okay, das sind Bücher, die... Das hat ganz gut funktioniert. Also vielleicht ist da so eine Positionierungsfrage, wenn ich jetzt mal die Marketingkoffer aufmache. Könnte es sein, dass vielleicht die Positionierung nicht glasklar ist. Ich habe mir jetzt die Bücher gar nicht im Einzelnen bei dir angeguckt. Aber das ist, glaube ich, eine Sache, die man schnell als Leserin dann irgendwie verstehen will. Was ist das jetzt für eine Art von zum Beispiel Cold Crime oder so?
Vera
00:43:42
Naja, das stimmt. Da habe ich sicher auch ein Problem. Zumal ich eben nicht an der Küste wohne und jetzt aktuell aber tatsächlich einen Krimi schreibe, der an der Ostsee spielt. Ich glaube, wenn die alle mal an die Küste gehst, dann gehst du auch mal an die Küste.
Annika
00:43:57
Manchmal funktioniert das ja auch.
Vera
00:43:59
Also schauen wir mal.
Annika
00:44:01
More of the same.
Vera
00:44:04
Ja, das ist immer so eine Überlegung. Aber ich will natürlich jetzt so, wo wir dich dann jetzt auch nochmal hier haben, müssen wir schon nochmal so ein bisschen in Richtung Marketing schauen. Und du hast ja gerade selbst gesagt, in der Folge 11 war ja der Ausleser Social Media Marketing. Jetzt hast du vorhin in so einem Nebensatz schon gesagt, so richtig viel Social Media ist gar nicht mehr so dein Ding. Wie hat sich das in den fünf Jahren verändert aus deiner Sicht?
Annika
00:44:29
Im Markt, meinst du? Im Buchmarkt? Oder allgemein?
Vera
00:44:33
Ja, für die Schreibenden dieser Welt.
Annika
00:44:38
Ja, also ich habe schon das Gefühl, vielleicht geht euch das auch so, dass nach Corona schon irgendwie eine große Veränderung in der Branche auch stattgefunden hat. Wie gesagt, also New Adult, klammer ich mal so ein bisschen aus, das ist ein sehr interessantes Phänomen. Ich wurde beauftragt von einem Verlag, einen Ratgeber zu schreiben, zum Thema, wie man Liebesromane schreibt. Und da habe ich so ein New Adult natürlich so ein bisschen auch mit reingenommen und habe unter anderem aufgegriffen, dass beispielsweise ja bei der letzten Buchmesse in Frankfurt eine komplette Halle angebaut, erstellt wurde, gefüllt wurde, nur für dieses Genre. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das ist total ungewöhnlich. Ich glaube, vielen Besuchern ist das gar nicht so klar, wie ungewöhnlich es ist für ein Untergenre. New Adult ist ja ein Subgenre vom Liebesroman. Dafür eine eigene Halle zu haben. Es ist total, nicht, dass einfach nur da Verlage sind, sondern ja auch Universen förmlich von Autorinnen. Die knammere ich mal so ein bisschen aus, weil ich glaube, bei denen ist das alles relativ gut gelaufen. Es hat ja eine Riesenwelle gegeben. Aber im Allgemeinen habe ich das Gefühl, dass viele bei Social Media immer mehr die Authentizität vermissen, die Sinnhaftigkeit vermissen, den echten, realen, rohen Austausch. Man wird so zugemüllt mit Informationen, die man nicht haben will und mit Werbung und mit hochpolierten, was weiß ich was. Das war ja schon immer so, aber ich habe das Gefühl, das Bedürfnis nach diesen echten Menschen ist noch größer geworden, würde ich mal so schätzen. Das heißt, wenn man jetzt, Ich meine, Ästhetik funktioniert trotzdem. Wer einen ästhetischen Feed hat, es sieht trotzdem schön aus. Aber dann müssen die Texte überzeugen. Eine ganze Zeit lang war es mal sehr einfach, einfach einen ästhetischen Feed zu haben, schön mit dem Bücherregal und dann schreibt man darunter einfach nur have a nice day. Und das klappt nicht mehr so, solche Sachen.
Vera
00:46:38
Aber ist ja nicht genau der Booktalk-Trend ist doch genau das. Da sortieren irgendwelche Booktalker ihr Bücherregal um und zeigen, halten bunte Bücher rein. Ja, das ist aber so richtig. Die haben sie ja noch nicht mal gelesen, im Zweifelsfall. Und dann kaufen die Leute das.
Annika
00:46:54
Ja, aber sie zeigen nicht einfach nur, was früher Bookshelf Sunday oder was das auch nochmal war, irgendwie heißt das so. Sie zeigen nicht in der Regel, es gibt natürlich Ausnahmen, aber viele zeigen nicht einfach mehr nur, das ist mein Bücherregal, denn das ist keine Geschichte. Und sie sagen mal, früher war wirklich so ein Bild, have a nice day, tschüss. Und das hat dann viele Lacks gekriegt. Sondern, was du nämlich genau richtig gesagt hast, Sie zeigen, hey, ich nehme dich mit heute, ich räume mein komplettes Bücherregal, 5000 Bücher, ich räume komplett aus und werde sie nach Regenbogenfarben sortieren. Watch me. Und dann machen sie das. Das heißt, das ist ein gewisser Unterhaltungswert. Es sieht ästhetisch aus. Wie gesagt, Ästhetik ist trotzdem noch wichtig. Oder wichtig nicht, aber zieht manchmal. Aber Geschichten sind halt das. Ich meine, das spielt uns eigentlich voll in die Karten. Denn Storytelling ist wichtiger als früher.
Vera
00:47:50
Wir machen bisher nicht bewusst, dass Regalaufräumen Storytelling ist.
Annika
00:47:54
Ja, das ist eine Mikro-Story. Ja, weil was ist die Frage? Also eine Story aus Marketing gesprochen, natürlich, wenn man mit Romanautorinnen spricht, die denken natürlich zu komplex. Marketing ist Storytelling. Ich habe einen definierten Anfang, eine Mitte und ein Ende. Das heißt, am Anfang habe ich die Aufgabe, hey, ich sortiere heute mein Regal um. Dann kommt die Mitte, wo man zeigt, was man tut. Wir neigen dazu oft zu sagen, show, don't tell. Man kennt das irgendwoher. Wir neigen dazu oft zu sagen, zuerst mache ich das und das. Einfach zeigen. Zeig im Zeitraffer, wie du das sortierst. Und dann zum Schluss das Endergebnis zeigen. Das hat sowas Befriedigendes, wenn du einen definierten Anfang und ein definiertes Ende hast. Das wusste Maria Montessori schon. Die hat ein komplettes Erziehungskonzept darauf basieren lassen, dass man einen Anfang, eine Mitte und ein Ende hat. Und das wird heutzutage, glaube ich, immer wichtiger, gepaart mit einer gewissen Authentizität. Das heißt, wenn ich als Valerie, also als Valerie Nordmann veröffentliche ich die Bücher und wenn Valerie spricht, dann ist sie meistens ziemlich sarkastisch. So, weil das einfach, dann kann ich völlig, ganz nicht selbst sein. Das heißt, die würde das dann anders beschreiben ein bisschen. Authentisch für diese Pseudonym, als wenn ich als, keine Ahnung, Achtsamkeitscoach das sagen würde. Würde ich eine andere Melodie nehmen? Hätte ich eine andere Musik dahinter? Würde ich einen anderen Fokus drauflegen, auf was für eine Geschichte ich eigentlich erzählen will? So kann man es ein bisschen gestalten.
Vera
00:49:26
Ich überlege gerade, ob ich hier, ihr seht es hinter mir, mein chaotisches Sideboard aufräumen und TikTok-Filme.
Annika
00:49:34
Ja, also ich habe das schon mal gemacht, das lief nicht weg. Und ich habe auch, ihr könnt das jetzt ja nicht ganz so gut sehen, aber mein Regal quillt über vor Büchern. Ich habe es auf meiner To-Do-Liste wirklich drauf, das komplett durchzusortieren und auszumisten. Und es ist eigentlich prädestiniert dafür, das irgendwie mitzufilmen. Man kann das auch für Instagram einfach mit so einem Karussell, man muss da kein Reel draus machen, wenn man da gerne mag. Aber es sieht natürlich schon vom Unterhaltungsfaktor her, ist es schon einfach schön, das zu sehen, wie es jemand tut, in einem Zeitraum zu machen.
Vera
00:50:07
Also ich glaube, ich muss vorher schon ein bisschen aufräumen, so ist mir das doch peinlich.
Annika
00:50:12
Zum Thema Authentizität würde es passen, zu sagen, okay, hey, ich wollte es eigentlich aufräumen, damit ihr nicht seht, wie chaotisch das ist, aber egal, guck mal, so sieht es aus. Das sind Sachen, wenn das zum Marketing passt, es muss natürlich immer so ein bisschen zu dem passen, was man repräsentieren will. Aber das ist genau so, habe ich das in meinem letzten Video gemacht, was ich auf meinem persönlichen YouTube-Kanal hochgeladen habe. Da ging es um ein völlig anderes Thema, Hat ja nichts auch mit dem Schreiben zu tun. Aber da habe ich auch authentische Eindrücke aus dem Leben mit zwei kleinen Kindern gezeigt, wo halt wirklich das Chaos ausbricht, nur weil das eine Kind mal zwei Stunden zu Hause war, statt im Kindergarten. Und das wurde mir mehrfach dann in den Kommentaren wiedergespiegelt, so nach dem Motto, ich bin so glücklich, dass du gezeigt hast, wie chaotisch das bei euch in echt aussieht. Ich sehe immer nur diese top aufgeräumten, perfekten, super inszenierten Instagram-worthy Wohnzimmer und die Mütter, die top gestylt, total fresh, mit einem Kaffee in der Hand fünf Kinder gekriegt haben. Es ist so schön, einfach mal was Authentisches zu sehen. Und das ist gerade das, ich weiß, das ist das Buzzword schlechthin im Marketing, weil es seit Jahren propagiert.
Vera
00:51:19
Das war immer schon so.
Annika
00:51:21
Ach, war schon immer so. Keiner weiß so richtig, was gemeint ist. Gemeint ist Ehrlichkeit, dass man einfach ehrlich und verletzlich sagt, bei mir ist nicht alles alte Sonnenschein.
Tamara
00:51:33
Aber das ist ja auch, also gerade wenn ich jetzt an so Momente denke, wo gerade super viel los ist und Chaos und so, wenn ich dann noch überlege, jetzt muss ich da noch ein Video draus machen oder passende Bilder oder so, das ist ja dann auch noch mehr zu tun. Das finde ich in diesen Momenten dann besonders schwierig. Also da passiert es mir oft, wenn ich denke, okay, ich muss jetzt irgendeine Info noch weitergeben, dass ich auf ein altes Foto von einem Fotoshooting zurückgreife, weil man ja irgendein Bild braucht, weil mir das dann auch in dem Moment einfach zu viel ist.
Annika
00:52:09
Ja, da hast du eigentlich das richtige Wort ja auch schon gewählt, nämlich muss. Sobald man denkt, ich muss, dann hat man natürlich auch schon keinen Bock mehr drauf. Also ich zumindest, wenn es danach riecht, dass ich irgendwas müssen soll.
Vera
00:52:22
Bin ich weg.
Annika
00:52:24
Das ist genau so. Ich versuche auch, apropos Achtsamkeit, es ist tatsächlich auch so ein bisschen eine Mindset-Übung, immer sich zu fragen, warte mal, muss ich das wirklich? Muss ich hier aufräumen? Muss ich mich eigentlich um meine Kinder kümmern?
Tamara
00:52:38
Wer kann mit?
Annika
00:52:39
Muss ich nicht. Das hat mir viel Freiheit gegeben, als ich festgestellt habe, ich muss mich eigentlich nicht um meine Kinder kümmern. sondern ich will es ja.
Tamara
00:52:49
Ah, okay.
Annika
00:52:51
Ich könnte auch die Koffer packen und einfach abhauen.
Vera
00:52:57
Aber dann müsstest du mit den Konsequenzen leben.
Annika
00:52:59
Das ist richtig. Das muss ich auch, wenn ich mich drum kümmere.
Vera
00:53:04
Genau.
Tamara
00:53:05
Es ist halt immer so ein bisschen ein Ding mit dem Müssen. Und das habe ich eben auch im Vorgespräch schon erwähnt. Ich versuche da jetzt mal ganz elegant noch einen Tipp abzukrasen. Ich habe ja eben schon gesagt, Buch ist jetzt fertig geschrieben. Das heißt, jetzt muss ich mir langsam Gedanken machen über nochmal Marketing ankurbeln, BloggerInnen finden, das Ganze drumherum. Und ich habe es halt schon mehrfach so gehabt, dass ich wirklich Herzblut ins Buch gesteckt habe und dann einfach den Release verkackt. Einmal war ich super krank, einmal war ich einfach komplett ausgebrannt und hatte keine Energie mehr für mehr, als nur bei Amazon auf Upload zu blicken und das ist halt dann auch einfach super schade und unbefriedigend, wenn man so viel Zeit, Energie und Liebe da reingesteckt hat und dann funktioniert es nicht. Wie würdest du jetzt in einer Situation, wo wirklich ein hartes Jahr hinter einem gelegen hat, wo man endlich dieses Herzensbuch fertig hat und das jetzt aber trotzdem ordentlich bewerben würde, wie würdest du vorgehen?
Annika
00:54:09
Erstmal würde ich mir genug Zeit nehmen. Das ist eine Sache, die ich ja auch aus dem letzten Jahr, zum Beispiel bei mir war es ähnlich. Ich habe ja, wie gesagt, letztes Jahr drei Bücher veröffentlicht, was ja echt viel ist. Und das letzte kam im Dezember. Und das ging auch völlig im Chaos unter. Ich habe gar keinen großartigen Release gemacht. Ich habe auch nur eine E-Mail mit, Leute, das Buch ist jetzt da und ich bin weg, weil das war einfach zu viel auf einmal und zu viel Chaos. Und da denke ich mir, okay, das ist auch noch ein Weihnachtsbuch, das kannst du noch nicht mal irgendwie nachbewerben oder das muss ich bis nächstes Jahr, also bis Dezember wieder warten, bis das irgendwie wieder auf die Pfanne kommt. Genauso das Gleiche. Mein erstes Buch war ein Valentinstagsbuch. Ja, ratet, was vor zwölf Tagen war. Ja, schade. Also ich hätte total gut das erste Buch jetzt nochmal bewerben können, aber weil ich gerade diesen Ratgeber da schreibe, habe ich einfach das auch landunter, habe es auch nicht gesehen oder nicht kommen sehen, so ach ja, morgen ist ja Valentinstag. Naja, machst du nochmal schnell ein Gewinnspiel. Das machst du dann auch. Das heißt, viel Zeit einplanen ist, glaube ich, so, das, was man für seine Psyche auch am besten machen kann. Oft hat man die ja nicht, aber wenn man die Möglichkeit hat, genug Zeit einzuplanen, würde ich das machen. Also pro Buch eignen sich schon irgendwie so mindestens acht Wochen Vorlauf mit Marketing, lieber mehr. Also wenn es irgendwie geht, ich würde drei Monate mit einplanen und dann ja, es kommt halt total auf die Marketing Strategie drauf an. Also wie verkauft man denn gut? Ich hatte vorhin schon gesagt, bei mir ist zum Beispiel das Newsletter, das Ding, wo ich am meisten drauf achte, ich suche mir also einen Fokus Verkaufstool, nenne ich es mal, was bei mir der Newsletter ist. Ich schaue also, wie viele Leute habe ich in meinem Newsletter, wie kriege ich bis dahin vielleicht noch mehr rein und wie kann ich das irgendwie nutzen, dass viele Leute das kaufen, kann ich irgendwie mein Team vergrößern, was vorab rezensiert, wie ist meine, Veröffentlichungsstrategie, auf welchem Shop will ich irgendwie keine Ahnung was und so. Also da gehören ja viele Punkte dazu. Deshalb braucht man so viel Zeit, um das alles einzuplanen und durchzugehen, weil die Leute müssen es ja auch noch lesen. Also wenn man ein Blogger-Team hat zum Beispiel, die müssen das ja auch lesen und ihre Beiträge vorbereiten oder manche wollen dann vielleicht ein Gewinnspiel machen oder naja, was auch immer. Deshalb wäre meine Rückfrage, was ist denn deine Veröffentlichungsstrategie?
Tamara
00:56:33
Ja, also man, Das ist auch wieder so ein negatives Wort, mein Problem ist. Meine Herausforderung ist, also zum einen habe ich natürlich so dieses Ding im Hinterkopf, ich will letztendlich veröffentlichen, weil eigentlich war es schon für letzten Sommer angekündigt. Das andere Ding ist aber, das habe ich auch eben schon kurz angedeutet, kann aber noch nicht so Details erzählen, aber eventuell habe ich eine sehr coole Lesemöglichkeit Ende April, die ich natürlich wahrnehmen möchte und da hätte ich natürlich auch schon gern Printbücher da. Da denke ich jetzt halt wirklich, muss denn das ganze Marketing alles davor stattfinden oder kann ich auch auf diesen Termin hinarbeiten und das, was nicht geschafft ist, noch danach machen? Aber früher hat man immer so gesagt, die ersten paar Tage und Wochen zählen und danach ist der Drops gelutschen.
Annika
00:57:24
Also, wenn es nur darum geht, bei einem bestimmten Event, das ist ein Offline-Event, nehme ich an, und das ist nicht mit Verlag, ein Self-Publishing, oder? Ja, wenn es also nur darum geht, bei einem bestimmten Event ein Buch zum Verkauf da zu haben, spricht theoretisch ja nichts dagegen für das Event, es so vorzubereiten, dass du dann halt da zehn Bücher oder sowas hast, obwohl es das Buch noch gar nicht gibt, habe ich auch schon gemacht. Ich habe mal bei einer Lesung, das war Leipzig, habe ich aus einem Buch gelesen, das es offiziell noch gar nicht gab. Leipzig war damals im April. Im Juni war das erste, das war besagtes Buch, diese Ausschreibung da. Und im Juni hat der Verlag das erst veröffentlicht. Und ich habe aber im April schon daraus gelesen. Mit Erlaubnis sozusagen.
Tamara
00:58:09
Das ist natürlich eine Idee, zumal ich eben auch, wie ich es schon erzählt habe, so ein bisschen steckt mir eine Sonderausgabe mit Farbschnitt in der Nase. Ob man dann wirklich da was ganz Exklusives draus macht.
Vera
00:58:19
Ja, klar.
Annika
00:58:21
Also das ist so eine Strategie.
Vera
00:58:24
Also da jetzt mal, wir hatten das Thema nämlich schon, ich habe auch gesagt, es wird knapp Ende April. Farbschnittdruck dauert noch länger als normaler Druck. Du musst mal gucken.
Annika
00:58:34
Je nachdem, wie fertig das Buch dann jetzt halt schon ist. Und dann mal vielleicht schauen. Aber man darf kreativ werden. Man darf auch sagen, Leute, wisst ihr was, das Buch gibt es noch gar nicht, aber alle, die sich heute hier in diese Liste eintragen, bekommen die erste Ausgabe mit Farbschnitt, sobald sie erhältlich ist. Man, schränkt sich manchmal selbst so ein, weil man denkt, ich gehe auf eine Lesung, ich muss das Buch da haben. Aber man muss ja gar nichts. Das ist eine Sache, die wir heute mit tun. Ich muss nichts. Ich darf es auch anders machen als alle anderen. Weil ich sage, sorry, aber ich habe das Buch erst vor vier Wochen zu Ende geschrieben. Ich habe jetzt noch keinen Farbschnittdruck hier, aber ich verspreche euch, ihr seid die Ersten, die es kriegen. Tragt euch in diese Liste ein.
Vera
00:59:20
Also das muss ich auch sagen, aus meiner Erfahrung, wo ich am Anfang immer dachte, diese eine Dinge muss ich unbedingt machen und dann wird das Riesenerfolg. Und so, mit der Zeit denkt man, nein. Also es hängt nie an irgendwas Einzelnem und dann macht es eher Sinn, doch mal ein bisschen gelassener zu sein, sein Bestes zu geben. Das bringt, glaube ich, mehr, als sich da jetzt zu überfordern.
Annika
00:59:45
Ja, vor allen Dingen Schritt für Schritt Vielen Dank. Zu gehen, das Stück für Stück aufzubauen und was vielleicht auch noch ein Tipp auch für alle DebütautorInnen ist, man neigt manchmal dazu wirklich sehr viel Fokus auf ein Buch zu legen und da vielleicht, das ist auch so ein Learning glaube ich von mir, einfach, das Gros der Bücher also wirklich in, also ich übertreibe mal, wenn ich sage, in 10er Paketen zu denken, also die ersten 10 Bücher, nehmt eine Zahl, mit der ihr euch nicht völlig überfordert fühlt, die ersten drei Bücher oder die ersten fünf oder was auch immer, dass man sagt, okay. Natürlich ist es wichtig, dass ich das einzelne Buch gut schreibe und vermarkte und so weiter, aber daran hängt nicht die ganze Karriere, sondern es geht darum, was kannst du heute innerhalb der nächsten fünf Jahre machen? Also für Valerie zum Beispiel ist die Marketingstrategie auf fünf Jahre ausgelegt. Das heißt, ich gehe davon aus, dass ich die ersten fünf Jahre keinen großartigen Gewinn machen werde, weil das die Hustle-Phase sozusagen ist, ohne dass ich wirklich hasse dabei. Aber das ist so die Phase, wo ich dann überhaupt erstmal einen Fuß in die Tür kriegen will, wo ich Leserschaft aufbauen will, wo ich meinen Newsletter bekannt machen möchte, wo ich überhaupt erstmal ausprobiere, was ist mein Ding innerhalb dieses Cozy-Crime-Genres. Und ja, natürlich würde ich schon gerne so viele Bücher wie möglich schreiben. Geplant wären eigentlich zwei bis drei pro Jahr gewesen, wo ich schon jetzt weiß, okay, das wird dieses Jahr nur eins. Einfach weil das zeitlich nicht anders zu machen ist. Ja, dann wird es halt in Anführungszeichen nur eins. Das ist ja immer noch viel. Ja, und das kann man ja dann anpassen. Ich, für mich, habe so die Strategie, wenn ich weiß, dass ich jetzt nicht so viele, in Anführungszeichen, so viele Bücher veröffentliche, also keine drei Bücher, dann mache ich halt mehr über persönliches Marketing. Das heißt, ich schreibe dann meinetwegen Newsletter oder Beiträge, die dann eben erzählen, was ich tue, was ich mache. Wenn ich jetzt nicht erzählen kann, es kommt ein neues Buch. Sondern so plotte ich meinen nächsten Fall. Oder habt ihr Ideen, wie die Person sterben soll? Keine Ahnung. Gerade wenn man Sarkasmus und Krimi zusammenbringt, kann man viele schöne Fragen stellen. Das macht dann auch Spaß.
Vera
01:02:03
Das Problem ist, ich habe hier so eine rosa Wasserspritzpistole. Da habe ich ein gutes Foto gemacht. Das hat mir TikTok dann gesperrt. Das geht nicht.
Annika
01:02:12
Genau, du darfst keine Waffen zeigen. Man muss auch mal dann, das ist ja, deshalb sind die Texte manchmal auch so kryptisch geschrieben, weil man dann irgendwie versucht, irgendwelche Wörter, Keywords zu umgehen, aber das auch da, wenn man da kreativ macht, geht das schon. Jaja, das muss man dann, das lernt man dann, ja.
Tamara
01:02:32
Ja, danke kurz.
Vera
01:02:35
Ja, genau.
Annika
01:02:35
Bitte, bitte.
Vera
01:02:36
Sie denkt und wir schauen, wir werden das dann verfolgen, wie das so läuft. Ja, Ich möchte noch einen Abschluss, bevor es dann zu den kritischen Buchbubble-Fragen kommt. Was ist so dein Fazit? Du hast ja jetzt die Buchbubble, das Schreiben, die letzten fünf Jahre sehr intensiv verfolgt. Was ist so dein Fazit nach diesen fünf Jahren? Was meinst du, wo entwickelt sich das hin? Was werden wir in fünf Jahren sagen?
Annika
01:03:05
Ja, also ich glaube, in fünf Jahren wird es viele Bücher, die KI generiert sind, geben. Was einfach ein eigenständiger Bereich wird, so wie das E-Book ein eigenständiger Bereich innerhalb der Branche ist, wird es, glaube ich, KI-Bücher geben, aber weiterhin auch die Bücher, die wir bisher so auch kennen. Ich glaube, dass sogar diese menschliche Arbeit, menschliche Komponente noch mal mehr Wert bekommen wird, eben weil keiner das Original kopiert sehen will. Wenn ich also ein Buch von 40 meinetwegen lesen will, dann unterhält es mich zwar auch, zum Beispiel eine KI-Kopie zu lesen, aber irgendwie wird der Wert, wenn er wirklich das selbst veröffentlicht, glaube ich, steigt das nochmal. Das heißt, ich kann jetzt mich als Mensch sozusagen noch mal mehr nach vorne bringen. Und diese Komponente Mensch wird, glaube ich, einfach wichtiger, noch wichtiger, als es eh schon war in Zukunft. Also nicht nur gut schreiben, weil ich glaube, der eigene Stil wird auch noch wichtiger. Den kann man zwar auch kopieren mit der KI, aber wie gesagt, Leute kaufen gern das Original. Und da liegt, glaube ich, die Aufgabe für uns, überhaupt für kreative Menschen drin, herauszufinden, wer ich denn als Original eigentlich bin. Warum kommen die Leute denn zu mir? Oder warum kann es sich vielleicht lohnen, irgendwie in meinen Dunstkreis reinzukommen? Was unterhält mich daran? Oder was biete ich persönlich an meinen Erfahrungen, was ich jetzt nicht alles KI generiert dann auch bekommen könnte? Und ich denke, dass auch diese Themen wie Achtsamkeit und Co. In der Bubble hoffentlich noch mehr Anklang finden. Dass auch Verlage darauf Rücksicht nehmen, dass da Menschen arbeiten und nicht nur, weil New Adult gerade funktioniert, eine Autorin nachher fünf Bücher im Jahr schreiben soll. Einfach nur, weil es gutes Geld bringt. Sondern dass auch da der Mensch mehr gesehen wird und wir einfach insgesamt ein bisschen rücksichtsvoller und toleranter umgehen. Das wäre zumindest mein Wunsch. Ob es so wird, liegt mit an uns, glaube ich.
Vera
01:05:18
Eine schöne Vorstellung und wir sprechen jetzt schon mal ab in Folge 501 in fünf Jahren bist du wieder eingeladen.
Annika
01:05:26
Kommt man da wieder zusammen.
Vera
01:05:27
Freu ich mich schon. Schauen wir mal, was dann wirklich passiert ist. Aber zum Schluss gibt es noch Tamaras kritische Buchbubble-Fragen.
Tamara
01:05:38
Ja, ich muss jetzt nur kurz sagen, also ich fand das gerade sehr, sehr schön, so einen optimistischen Ausblick mal zu hören in Zeiten relativ dystopischer Realitäten. Das tut mir gerade sehr gut. Und die erste Buchbubble-Frage, die ich für dich habe, ist, welcher Roman hat dich zuletzt zum Tränen, Weinen oder Lachen gebracht?
Annika
01:06:05
Ja, da musste ich tatsächlich voll lange drüber nachdenken, weil ich bin, was Bücher betrifft, gar nicht nah am Wasser gebaut. Da kommt, glaube ich, meine norddeutsche Mentalität raus. Ja, war jetzt nicht schlecht.
Tamara
01:06:17
Das ist das beste Kompliment.
Annika
01:06:18
Was man geben kann. Es gibt zwei Bücher in meinem Leben, bei denen ich geweint habe. Und eins davon war tatsächlich, es sind ein Zöller und ein Krimi, also ich bin auch ein bisschen komisch. Letzte war tatsächlich, glaube ich, der Gesang der Flusskrebse, was eigentlich gar nicht so ein typisches Heulbuch ist, aber bei mir, das hat mich dann zu Tränen gerührt am Ende. Warum auch immer, das hat mich sehr gepackt. Das fand ich übrigens auch einen tollen Schreibstil. Ich glaube, um ehrlich zu sein, Tränen gelacht, habe ich, glaube ich, bei einem Buch in meinem ganzen Leben noch nie.
Vera
01:06:48
Okay, du hast noch keins von mir gelesen, oder?
Annika
01:06:50
Anscheinend, das wollte ich vielleicht jetzt mal machen, ja.
Tamara
01:06:55
Ja, welches war denn für dich in der Buchbubble die inspirierendste Begegnung?
Annika
01:07:01
Ja, das ist eine gute Frage. Ich weiß gar nicht, ob ich mich da überhaupt irgendwie auf eine Person oder so zurück konzentrieren kann, weil es gab natürlich in den ganzen Jahren ständig viele tolle Menschen, die mich inspiriert haben. Ich möchte aber ganz gerne unsere Autorenkollegin Julia K. Stein nennen, die leider letztes Jahr verstorben ist. Und da mit ihr hat mich eine persönliche Freundschaft verbunden auf der einen Seite und aber auch so eine professionelle Verbundenheit. Und ich habe ganz viel mit ihr auch über Business-Sachen gesprochen. Wir haben zusammen die gleiche Life-Coach-Zertifizierung gemacht und wir haben uns ganz viel unterstützt in den Zeiten. Und das war, glaube ich, so rückblickend gesehen die Person, die mich mit am meisten inspiriert hat, auf verschiedensten Ebenen, wo ich immer noch erschüttert und tief traurig bin, dass sie leider nicht mehr unter uns war.
Tamara
01:07:56
Eine schöne Antwort. Und zum Schluss, welches Klischee möchtest du denn nie wieder in einem Buch lesen?
Annika
01:08:04
Ja, wenn ich mich da auf eins einigen könnte. Ach, es gibt, ja. Das Problem mit den Klischees ist, ich glaube, manchmal ist das, alles findet so seine Zielgruppe. Das heißt, wenn ich jetzt sage, der x-te toxische Mann, der eine Frau retten will oder so, Das sind so Sachen, wo ich einfach persönlich durch meinen Feminismus allergisch reagiere. Aber ich glaube, trotzdem findet es also seine Zielgruppe. Ich weiß auch nicht, ob das als Klischee gilt. Wenn es ein Klischee ist, toxische Beziehungen zu romantisieren, nehme ich das. Das finde ich nämlich sehr gefährlich.
Vera
01:08:44
Ich glaube, das ist der meistgenannte Klischee bei der Frage.
Annika
01:08:48
Soll ich mir ein bisschen mehr gegen angehen.
Vera
01:08:51
Ja, absolut. Ja, liebe Annika, es war uns eine große Freude, dass du Zeit für uns hattest, dass wir uns jetzt nach fünf Jahren wieder gesehen haben. Wir haben es auch schon lange nicht mehr persönlich gesehen. Das stimmt. Bist du eigentlich in Leipzig?
Annika
01:09:03
Ja, das ist eine gute Frage. Also ist es so, da kommt das ADHS nämlich wieder raus. Ich hatte alles schön gebucht und stellte dann fest, ich habe eine Woche zu früh gebucht.
Tamara
01:09:13
Oh nein!
Annika
01:09:15
Ich dachte noch, oh.
Tamara
01:09:17
Cool, ich habe was gefunden.
Annika
01:09:18
Das ist so günstig. So nach dem Motto. Und dann fiel mir auf, oh, warte mal, das ist gar nicht am, was weiß ich, 22. oder was dann die Woche ist, die ich gebucht habe. Ja, deshalb stehe ich jetzt vier Wochen vor der Messe und habe keine Unterkunft. Deshalb weiß ich ehrlich gesagt noch nicht, ob ich dabei bin, weil ich nicht bereit bin, keine Ahnung, 800 Euro für eine Buchmesse auszugeben. Ja, von daher, also wenn jemand mich aufnehmen möchte, bitte, dann nehmt mich auf. Ansonsten ja, also... Ich weiß es auch noch nicht so. Wenn ein Wunder passiert, ja.
Vera
01:09:49
Wir haben ein positives Mindset.
Annika
01:09:51
Ja, ich manifestiere mir das jetzt, um den Anfangskreis wieder zu schließen.
Vera
01:09:54
So ist es. Und ich manifestiere, dass wir uns dann auf ein Käftchen treffen.
Annika
01:09:59
Ja, das kriegen wir hin.
Tamara
01:10:00
Also ich habe ja letztes Jahr, drei Wochen vor der Leipziger Buchmesse, eine E-Mail bekommen. Ihr Hotel wurde storniert. Ich habe dann herausgefunden, dass das Hotel geschlossen hat. Und habe dann zusammen mit der lieben Sissi eine WG in einem Airbnb-Zimmer noch gefunden. Und das war sehr schön.
Annika
01:10:17
Ja, vielleicht werde ich sowas nochmal ins Auge fassen. Ja, irgendwie sowas.
Vera
01:10:22
Manchmal braucht es solche Sachen, um ganz neue Dinge zu erleben.
Annika
01:10:25
Ja, wer weiß, was ich Tolles erleben werde jetzt dann.
Vera
01:10:28
Also da haben wir doch ein sehr positives Mindset jetzt zum Ende hin.
Annika
01:10:34
Total.
Vera
01:10:35
Und bei unserem Podcast ja sowieso immer. und ja, an euch da draußen. Wir freuen uns, dass ihr uns immer zuhört. Ich hoffe, das bleibt so. Folgt uns, wo immer ihr könnt und ja, dann kann ich nur noch Danke Annika sagen, und bleibt uns gewogen. Bis nächste Woche.
Tamara
01:10:53
Dankeschön, dass du da warst.
Annika
01:10:55
Danke für die Einladung. Tschüss.