Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

DZVDT #254 - Blinde und Sehbehinderte in der Buchbubble: Jutta Frenzel liest und schreibt mit Behinderung

Jutta Frenzel ist nicht nur Autorin, sondern auch Mitglied und Förderin der Gemeinschaft BLAutor, die aus blinden und seheingeschränkten Autorinnen und Autoren besteht. Sie verrät, wie der Alltag für Schreibende und Lesende mit Sehbehinderung aussieht.

20.03.2025 51 min

Zusammenfassung & Show Notes

Jutta Frenzel ist nicht nur Autorin, sondern auch Mitglied und Förderin der Gemeinschaft BLAutor, die aus blinden und seheingeschränkten Autorinnen und Autoren besteht. In dieser Podcastfolge verrät sie, wie der Alltag für Schreibende und Lesende mit Sehbehinderung aussieht und worauf Autor:innen und Verleger:innen achten können, um Bücher inklusiver zu machen.

Wir sprechen über Schriftgrößen und -farben, über Romanfiguren mit Behinderung und über Möglichkeiten, die Lebensrealität von sehbehinderten Menschen ein wenig verstehen zu lernen.

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'P.S. Ich liebe Dich' von Cecelia Ahern
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Die Zwei von der Talkstelle Live auf der LBM 2025:
Sonntag, 30.03.2025
12:30 - 13:00 Uhr
Forum autoren@leipzig (Halle 5, Stand D501)

Möchtest du, dass wir dein Buch in unserem Podcast vorstellen? Kein Problem! Sende uns ein kurzes E-Mail an alle@zweivondertalkstelle.de und wir senden dir die Details. Vielleicht erzählen wir unseren Hörerinnen und Hörern schon in der nächsten Episode von deinem Buch.

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Transkript

Tamara
00:00:00
Hier ist Folge 254 von die 200-Hawk-Stelle und wir sprechen heute mit Jutta Frenzel. Sie ist von der Gemeinschaft Blautor. Das ist die Gemeinschaft Blinder und Seh eingeschränkte Autorinnen und Autoren. Und sie gibt uns ein paar Einblicke, wie das Leben ist für AutorInnen mit Sehbehinderung, wie das Leben ist für LeserInnen mit Sehbehinderung, worauf Schreibende achten können.
Vera
00:00:24
Auf jeden Fall hat sie uns so ein bisschen Hinweise gegeben, was man tun kann, wenn man sehbehinderte, blinde Menschen in seinen Figurenensemble einordnen möchte. Also hört auf jeden Fall mal rein und lasst euch da auch so ein bisschen sensibilisieren. Die zwei von, Hier sind die zwei von der Talkstelle mit Folge 254. Mir scheint nicht nur die Sonne ins Gesicht, sondern auch das Lächeln der Tamara Leonard. Mein Name ist Vera Nentwig und ich kann gerade sowohl lächeln als auch Sonne durchaus gebrauchen.
Tamara
00:01:17
Die sonnengleiche Tamara.
Vera
00:01:20
Genau.
Tamara
00:01:25
Ja, hier bei mir ganz in der Nähe die Stadt, in der ja auch mein Protagonist aus dem Buch aufgewachsen ist, Saarlouis, heißt ja auch Saarlouis, weil da Ludwig XIV., also der Sonnenkönig, die Stadt erbaut hat. Also hier ist immer Licht und Sonne.
Vera
00:01:42
Ja, genau. Ja, eigentlich habe ich ganz viel Sonne im, wie sagt man, übertragenen Sinne im Leben. Aber irgendwie, ich hatte letzte Woche ja einen wirklich tollen Auftritt in Jülich. Und da hat es dann im Nachgang auch einen noch tolleren Zeitungsartikel drüber gegeben. Also die Presse war den ganzen Tag da, den ganzen Abend da während des Programms und also wirklich richtig super tolle Artikel.
Tamara
00:02:17
Ja, hast mehr gezeigt.
Vera
00:02:20
Und ich war so richtig im Hochgefühl und dann habe ich ja auch jetzt Frau Appel-Lorrit der gute Kapitän zu Ende gebracht. Also das sind ja alles Sachen, wo die Endorphine nur so aus den Ohren schießen. Ja. Aber ich weiß nicht, ob du das kennst, wenn dann so ein Hai ist.
Tamara
00:02:47
Dann fällt es umso tief.
Vera
00:02:49
Und jetzt ist nichts mehr irgendwie, wobei das nicht so ganz stimmt, aber nichts Vergleichbares mehr. Und ich hänge total durch. Dabei hatte ich echt schöne, ich habe jetzt Zusage für eine Lesung in Köln im Sommer bekommen. Gerade eben kam Zusage für Lesungen beim Bücherbummel in Düsseldorf.
Tamara
00:03:09
Ah, cool.
Vera
00:03:10
Nicht? Und ja, also könnte ja nur schlimmer sein.
Tamara
00:03:15
Nächste Woche ist schon Messe.
Vera
00:03:18
Nächste Woche ist schon Messe, genau. Und ja, ich bin ja gerade wieder dabei, auf Gewicht und Sport und Gesundheit zu achten und habe heute Morgen einen neuen Minusrekord auf der Waage gehabt. Also eigentlich alles super, aber warum fühle ich mich da nicht so?
Tamara
00:03:43
Das ist eine gute Frage. Jetzt so per Ferndiagnose ganz schlecht beantworten.
Vera
00:03:49
Okay, ja schade eigentlich. Also ich kann verstehen, wenn dann so große Stars, letztens habe ich ja auch den Film da von Robbie Williams gesehen, wenn die da irgendwie, weiß ich nicht, wo 30.000 oder noch mehr Leuten spielen und umwuselt werden und dann irgendwie ins Hotelzimmer kommen, dass die dann völlig durchdrehen und das nicht für gebacken kriegen. Also ich glaube, ich würde da auch, wenn mir da irgendeiner gefährliches Zeug geben würde, oh oh.
Tamara
00:04:22
Ei, ei, ei.
Vera
00:04:23
Ja, ich hoffe, das ist dann nur Schokolade. Schuld mir noch. Ja, aber auch die darf ich noch gerade nicht. Das Leben ist so hart.
Tamara
00:04:35
Oh, weia.
Vera
00:04:37
Ja, so ist die Situation aktuell. Wie ist es bei dir? Du musst doch in Dauereuphorie sein jetzt hier, voll in Planungen, Veröffentlichungen und, und, und.
Tamara
00:04:50
Ja, ist ja noch ein weiter Weg bis dahin.
Vera
00:04:53
Hast du denn jetzt eigentlich einen Termin genau festgesetzt?
Tamara
00:04:56
Nee, ich muss erst mal diesen ganzen mit der Druckerei mir das alles noch mal in Ruhe angucken. Aber es ist echt im Moment wieder so viel, dass ich kaum irgendwas geschafft kriege. Zumindest nicht das, was ich alles geschafft kriegen möchte. Deswegen ist jetzt erst mal Fokus, das Manuskript weiter fürs Lektorat vorbereiten, und bis zur Messe einige Dinge erledigt haben. Und dann ist erst mal Messe und dann schauen wir weiter. Aber so grob gerechnet liege ich gedanklich immer noch bei Mai.
Vera
00:05:29
Okay.
Tamara
00:05:30
Ja, aber...
Vera
00:05:31
Ja, ich meine, kannst ja auch 30. Mai, dann machen wir eine parallele Buchveröffentlichung.
Tamara
00:05:36
Als wir das das letzte Mal gemacht haben, habe ich gerade ein Gebett gelegen. Ich weiß nicht, ob das ein gutes Oben war. Okay.
Vera
00:05:43
Ich behaupte, dass es an mir lag. Ich schicke es dir.
Tamara
00:05:47
Ja, ich muss gucken, wenn ich jetzt mal zum Luftholen komme, dann rechne ich alles durch. Ja, nee, ansonsten, ja, wie gesagt, viel am Arbeiten. Ich nehme seit kurzem wieder, du siehst es vielleicht hinter mir, da steht ein neues Schmuckstück, ein instrumentalisches. Ich nehme seit kurzem wieder Gitarrenunterricht, weil mich das so genervt hat, dass ich einfach so schlecht bin. Und ich zumindest für den Fall, dass mich mein Gitarrist mal, sei es krankheitsbedingt, hängen lässt, dass ich zumindest dann nicht völlig in Panik geraten müsste, sondern mich dann eben selbst begleiten könnte.
Vera
00:06:29
Oh, das ist aber so. Ja, okay.
Tamara
00:06:31
Ja, jetzt nehme ich wieder Unterricht und habe mir da eine schöne andere Gitarre ausgeliehen, weil meine alte Akustik-Gitarre, mit der bin ich gar nicht klargekommen, die hat so einen ganz dicken Hals, da kann ich gar nichts drauf greifen, das ist eine alte klassische. Und jedes Mal die E-Gitarre zusammenstöpseln und die ist auch so schwer, da habe ich gesagt, ich brauche was, was ich, wenn ich so drei Minuten über habe, so mal eben schnell schnappen kann. Und da habe ich mir die jetzt mal ausgeborgt von einem Freund und komme jetzt auch schon ganz, also ein Lied kann ich schon von meinem Programm, was ich immer platzspiele. Und ich habe so ein bisschen Blasen an den Fingern jetzt.
Vera
00:07:08
Ja gut, das hat man ja am Anfang immer. Ist das Lied denn mehr als drei Akkorde?
Tamara
00:07:14
Ja, tatsächlich.
Vera
00:07:16
Mit Barret oder ohne?
Tamara
00:07:19
Naja, also bei drei von vier Liedern kommt ein F vor. Und das hat ja immer ein Barret und ist überhaupt ein ganz doofer Akkord.
Vera
00:07:28
Ich kann es nachvollziehen, ja. Ich meine, mein Klavier steht hier immer noch sehr schmuck im Wohnzimmer.
Tamara
00:07:38
Ich erinnere mich dunkel.
Vera
00:07:40
Aber... Ja, aber was ich ja letzte Woche dann auch bei den Auftritten ausprobieren konnte, überraschend oft ausprobieren konnte. Normalerweise, wenn ich so Kabarettauftritte mache, kaufen nicht viele Leute Bücher nachher, weil das ist halt ein anderes Thema. Diesmal war es aber wirklich so, dass doch einige gekauft wurden. Da konnte ich ja jetzt immer meinen Prägestempel.
Tamara
00:08:07
Ja.
Vera
00:08:08
Und die Leute waren echt begeistert. Oh, das wäre ja toll.
Tamara
00:08:12
Cool.
Vera
00:08:13
Ja. Also.
Tamara
00:08:15
Bring den mal mit nach Leipzig und zeig ihn mal.
Vera
00:08:18
Sowieso, wir sind ja am Sonntag in Leipzig und da hoffe ich doch auch, dass ich den da oft nutzen kann.
Tamara
00:08:23
Stimmt, stimmt.
Vera
00:08:24
Ich bin ja mit dem Auto, ich habe das Auto voll Bücher.
Tamara
00:08:27
Ja, wir sollten es vielleicht gerade nochmal sagen, für alle, die es sich noch nicht aufgeschrieben haben, ich schreibe es auch nochmal in die Shownotes, also am Messe Sonntag, 30. März, findet ihr uns um 12.30 Uhr auf der Bühne Autoren at Leipzig. Das ist in Halle 5, Stand D501 und da machen wir wieder unsere Live-Talk-Stelle mit Mini-Lesung und viel Geplauder.
Vera
00:08:50
Genau, genau. Und ich habe Bücher dabei und meinen Prägestempel.
Tamara
00:08:56
Vielleicht habe ich auch ein paar alte Bücher dabei.
Vera
00:09:01
Genau. Ich musste jetzt tatsächlich nachbestellen. Ich habe gleich drei Bücher ausverkauft.
Tamara
00:09:09
Schlecht.
Vera
00:09:10
Kam auch jetzt wieder überraschend eine Bestellung von Libri von Tote Tanten Plaudern nicht. Ich meine, er ist zwei Jahre alt. Scheint immer noch gekauft zu werden.
Tamara
00:09:23
Ja klar, gehört ja zur Reihe.
Vera
00:09:25
Ja, aber obwohl ich hatte den eigentlich im VLB schon als nicht lieferbar gesetzt, aber das scheinen die zu ignorieren. Egal, ich hatte auch gerade noch die drei, die die haben wollten. Jetzt muss ich aber nachbestellen. Und ja. Jetzt muss ich schon ein bisschen arrangieren hier. Ich habe mir zwar so ein Regal in den Keller gebaut, wo ich die Bücher stable, aber ich schreibe ja immer neue Bücher. Da kommen immer direkt mal 200. Die müssen ja irgendwo hin. Also kauft Bücher, Leute. Kauft Bücher. Mein Keller muss leer werden.
Tamara
00:09:55
Jawohl. Ihr könnt uns ja auch vorab Bescheid sagen, welche Bücher ihr gerne hättet und die schon mal quasi vorbestellen, damit sie mal weiß, wie viel man mitbringen soll.
Vera
00:10:06
Sonst habe ich die nachher gar nicht dabei. Also ich bin ja im Auto, also meine Büchertasche ist da sowieso immer drin, aber ich packe dann gerne die Titel ein, die gewünscht werden. Vom neuesten Tote singen selten schief habe ich natürlich immer ein paar dabei. Ja, so viel dazu und wir kriegen jetzt den Übergang zum Thema. Überhaupt nicht. Tamara, du machst jetzt einfach mal eine gute Weise.
Tamara
00:10:35
Ich weiß einen Übergang. Ich habe unseren heutigen Gast nämlich auf der letzten Frankfurter Buchmesse getroffen. Jetzt stehen wir kurz vor Leipzig und so schließt sich ein Kreis. Ja, guck. Vor der letzten Frankfurter Buchmesse hat sie uns nämlich damals noch Self-Cabletcher-Verband angeschrieben, um sich mal auszutauschen. Und da haben wir uns dann kennengelernt am eigenen Stand, beziehungsweise am Stand der Gemeinschaft Blautor. Und die hat nichts mit einem blauen Tor zu tun, sondern das BL am Anfang steht für?
Track 4
00:11:06
Für Blinder und Sehbehinderter.
Tamara
00:11:09
Sie sagt es schon gleich selber, bevor ich sie überhaupt richtig vorgestellt und begrüßt habe. Genau, bei uns ist nämlich heute Jutta Frenzel und sie ist Teil dieser Gemeinschaft, wird uns gleich alles darüber erzählen und wir wollen heute mal darüber sprechen. Ja, zum einen, was mir so gar nicht in meiner kleinen heilen Welt bewusst war, wie viele sehbehinderte Schreibende es tatsächlich gibt, aber auch darüber, wie wir als schreibende Menschen mit Sehbehinderung besser integrieren können, auf was wir achten können, damit sie besser sehen können. Das wollen wir heute alles mal hören und deswegen ganz herzlich willkommen, Jutta Frenzel.
Track 4
00:11:52
Hallöchen, ihr zwei, vielen Dank zur Einladung.
Vera
00:11:55
Ja, das war, glaube ich, die längst Ansage ever.
Tamara
00:11:58
Nö, nö. Ich verliere mich gern in sowas. ich habe auch dein Kopfschütteln schon bemerkt.
Vera
00:12:12
Ja, liebe Jutta, erzähl doch mal, was macht denn Blautor?
Track 4
00:12:16
Blautor ist eine Gemeinschaft von blinden und siebenhinten Autorinnen und Autoren. Wir sind alle schreibend. Wir haben aber auch Leute, die Hörbücher produzieren. Das heißt richtig, Hörgeschichten, die aufgenommen werden, was machen die sonst noch Schönes? Wir treffen uns so ungefähr einmal im Vierteljahr online, wo wir dann halt alles das besprechen, was notwendig ist. Und zwischendrin gibt es auch mal Sondersitzungen, wenn irgendwas ganz Dringendes ist, wo besprochen werden muss. Das liegt in der Sache der Dinge. Wir sind überall verstreut. Bundesweit, also in jedem Bundesland so ziemlich vertreten. plus dem, dass wir noch in Holland jemanden haben, in Österreich und in der Schweiz und auch in Indien.
Tamara
00:13:12
Wie viele seid ihr ungefähr?
Track 4
00:13:14
Wir sind derzeit so 75 Leute, also komplette Mitglieder. Die jüngste ist jetzt elf und die älteste ist, ich meine, 90. Die jüngste ist dann 99. Ich glaube, 99.
Vera
00:13:30
Und der kriegt dann mit dem Online noch hin, ja?
Track 4
00:13:34
Nee, da ist sie überhaupt nicht. Also da hat weder Computer noch sonst irgendwas. Aber einer unserer fleißigsten Schreibern, die es gibt.
Vera
00:13:44
Ja, kann mir vorstellen. Jetzt wollte ich mal so ein bisschen zur Einordnung. Also mir ging es ja da wie Tamara, als sie das Thema vorschlug, habe ich gedacht, ach ja, das ist ein Thema. So, hast du so eine Übersicht, Jutta? wie viele blinde oder sehbehinderte Autorinnen und Autoren wir da so in Deutschland überhaupt haben. Sind das mehr als eure 70 oder 75?
Track 4
00:14:12
Es sind auf jeden Fall mehr als unsere 75. Davon gehe ich aus, weil viele, die ich inzwischen schon angesprochen habe, über die Buchmesse oder sonst was.
Vera
00:14:23
Aber jetzt lass mich mal so ein bisschen nach. Wie muss ich mir das vorstellen? Ich habe schon mal gesehen, dass es ja spezielle Computertastaturen und Hilfsmittel an Computern sind. Wie ist das jetzt? Du bist ja nicht blind, du bist sehbehindert. Ist das richtig? Genau, richtig. Ich sage, wenn es indiskret ist, darf ich fragen, wie viel Sehkraft du noch hast?
Track 4
00:14:50
Stell es dir ungefähr so vor, du bist ja als Normalsehender, so zu sagen. Also ein Viertel von dem, was du siehst, sehe ich.
Vera
00:15:00
Okay, das ist nicht mehr viel, das ist wohl wahr. Und ich trage schon eine Gleitsichtbrille. Wie muss ich mir denn jetzt deine Arbeit vorstellen? Kannst du noch so normal tippen oder wie geht das?
Track 4
00:15:12
Ja, ich schreibe noch ganz normal. Ich schreibe auch handschriftlich noch. Und ja, ich lese auch noch ziemlich viel. Also so viel, wie es halt meine Augen bis zur Ermüdung ertragen. Ja.
Vera
00:15:27
Also liest du denn jetzt noch gedruckte Bücher oder E-Books?
Track 4
00:15:31
Ja, gedruckte Bücher.
Vera
00:15:32
Tatsächlich noch, ja?
Track 4
00:15:33
Ja.
Vera
00:15:35
Okay, auch wenn die Schrift dann noch so klein ist.
Track 4
00:15:36
Auch von Toten Tanten.
Vera
00:15:38
Okay, also meine Schrift ist doch, ist denn meine Schrift, Dann kannst du mich jetzt direkt kritisieren. Was solltest du denn besser machen, damit du das besser lesen kannst? Oder kannst du es besser gut lesen?
Track 4
00:15:48
Ich kann im Prinzip die Bücher, die derzeit auf dem Markt sind, relativ gut lesen. Also die meisten haben eh, die zum Beispiel bei BOD drucken lassen, haben oftmals einen guten Druck, den sie ausgewählt haben. Ich beobachte aber manche, die jetzt so unbedingt peu à peu was rauswerfen wollen auf den Markt, dass die relativ kleinen Druck machen, um wenig Papier nutzen zu müssen. Dann kommt dann halt so ein Kleindruck raus. Also, nee, danke, da lasse ich das Buch dann lieber auf dem Tisch liegen. Da hat er dann halt Pech, auch wenn es möglicherweise gut ist.
Tamara
00:16:32
Ist das denn nur die Schriftgröße, die für dich relevant ist oder auch der Zeilenabstand oder die Schriftart die Schriftart Schriftgröße.
Track 4
00:16:45
Und es gibt ja, ihr könnt euch vielleicht noch daran erinnern, an die Bücher von den 1960er, 70er Jahren.
Tamara
00:16:53
Ich nicht.
Track 4
00:16:53
Das sind ja so ziemlich kleine Drucke und ziemlich eng geschrieben. Und auch, sag ich mal, vom Zeilenabstand her auch relativ, naja, nicht gerade unbedingt so gut. Beim Lesen also sehr, sehr ermüdend. Und auch anstrengend.
Vera
00:17:11
Ja, wahrscheinlich für mich, die ich noch mehr oder weniger normal ist, das anstrengend.
Track 4
00:17:17
Weil du gerade vorhin gefragt hast, Vera, wegen der Tastaturen, also ich schreibe ja über normale Tastatur und die Blinden, die haben auch zum einen die normale Tastatur und dann unten drunter noch direkt mit integriert die Breitzeile, an der sie dann halt auch abtasten können, was sie geschrieben haben.
Tamara
00:17:40
Also auf jeder Taste quasi, ist das mit drauf?
Vera
00:17:43
Nein, nein.
Track 4
00:17:47
Schade, dass wir jetzt nicht auf YouTube sind oder sowas.
Vera
00:17:51
Kann man sagen.
Track 4
00:17:52
Könnte ich nämlich Bilder hoch zeigen.
Vera
00:17:55
Aber ich möchte, bevor wir jetzt auf die Technik, ich möchte noch mal ein bisschen, weil ja so für Autorinnen und Autoren da draußen, die jetzt zuhören, auch für mich, also ich hätte ja gerne, dass du und deine Kolleginnen und Kollegen, meine Bücher, auch gut lesen kannst, du hast jetzt ja schon gesagt, so die ganz kleine Schrift ist es nicht, aber kannst du so ein bisschen sagen, so was ist so die Mindestschriftgröße, was sind die Faktoren an der Schriftart? So, wie diese Faktoren nennen?
Track 4
00:18:26
Wie sie im Buchdruck genannt werden, kann ich jetzt nicht beurteilen. Dazu fehlt mir jetzt noch die Kennzeichnung.
Tamara
00:18:32
Beschreib es einfach.
Track 4
00:18:34
Also wenn du jetzt einen Brief von Behörden kriegst, die haben ja Arealschriftgröße 12 im Standard. Und der geht noch sehr, sehr gut.
Vera
00:18:44
Das heißt also auch so eine Areal ist ja eine serifenlose Schrift. Das heißt, die hat da unten keine Füßchen.
Track 4
00:18:50
Genau.
Vera
00:18:51
Das geht also auch. Das geht auch. Im Buchbruch hat man ja eher Schrift mit Serifen. Die hat da diese Füßchen.
Track 4
00:18:59
Times New Roman geht noch. Was da halt an Möglichkeiten gibt, ich habe dazu noch keine Erkenntnisse, weil bisher habe ich ja noch Kurzgeschichten veröffentlicht.
Vera
00:19:15
Wenn du sagst, so Schriftgröße 12, das ist ja schon ein Anhaltspunkt. Dass man so sagt, ich bin meistens, ja, ich bin auch.
Track 4
00:19:23
Ihr habt doch bestimmt schon mal Bücher in der Hand gehabt von DTV.
Vera
00:19:29
Ja.
Track 4
00:19:30
Die meisten Bücher von DTV sind eben in dieser Druckart, wie ich sie also wirklich sehr liebe.
Tamara
00:19:37
Ja.
Track 4
00:19:38
Und diese Druckart nimmt auch der Parhas Verlag, bei dem wir veröffentlichen, der lässt bei BOD drucken.
Tamara
00:19:49
Ah ja.
Track 4
00:19:50
Ja.
Vera
00:19:51
Ja gut, das ist ja der Buchsatz, was BOD-Druck gibt man nicht vor. Ja. Also gut, aber da hat man schon mal so eine Richtlinie, dass man also für die jetzt, die in deinem Maße sehbehindert sind, also dass es schon so mindestens Schriftgröße 12 sein muss.
Track 4
00:20:08
Oder aber, also für die Vollblinden ist es am allerbesten, wenn sie Hörbücher haben.
Vera
00:20:14
Ja gut, das ist klar.
Track 4
00:20:17
Also bei den Hörbüchern gibt es ja noch eine andere Art und das sind dann die Hörspiele, die dann halt manchmal adaptiert werden von diversen Geschichten, die man ja schon mal auch gelesen hat oder die verfilmt wurden und so weiter.
Vera
00:20:31
Das ist natürlich ein ganz anderes Thema und ist ja relativ aufwendig, auch wenn es ja gerade viel Bewegung da ist. Ich meine, Audible hat ja jetzt schon angekündigt, die ersten von KI produzierten Hörbücher da zu machen. Netflix hat auch schon die ersten von KI synchronisierten Serien angekündigt. Da müssen wir mal sehen, wohin da der Zug. Ich meine, das kann helfen für jemanden, der sonst gar nicht konsumieren kann, damit er zumindest was kriegt. Gibt es denn noch so weitere Anforderungen jetzt für dich und deine Kolleginnen und Kollegen, wenn wir ein Buch aussuchen wollen?
Track 4
00:21:18
Die Blinden, die holen sich meistens ihre Bücher über die Blindenbibliotheken. Die haben wir ja in NRW, in Leipzig gibt es und in Hamburg. Dort können auch Normalsehende sich ausleihen. bei unseren Hörbüchern, die wir produzieren bin ich derzeit Schirmherrin, beziehungsweise Partien der Bücher also mit finanziellen Unterstützungen etc. damit die dann auch produziert werden können weil das ist ja, sag ich mal eine Summe, die nicht so locker jeder um den Tag legen kann, wobei ich bin auch kein Goldesel das will ich dazu sagen, aber Aber ich unterstütze das halt sehr gerne, weil es mir wichtig ist, dass auch die, die jetzt keine Schwarzschrift lesen können, dass sie es wenigstens die Geschichten hören können.
Tamara
00:22:15
Aber das ist vielleicht ein ganz wichtiges Stichwort, was du gerade sagst, auch wenn es bestimmt ein Fachwort ist. Aber du sagst gerade Schwarzschrift und du hast mich ja mal darauf angesprochen, wenn wir jetzt von den Büchern weggehen, sozusagen in die Online-Buch-Bubble, Social Media und so weiter, dass du bestimmte Farbkombinationen, Text auf Hintergrund nicht gut lesen konntest. Das sind ja auch Sachen, also es wird ja jetzt immer öfter, dass man bei Posts eben auch wirklich den ganzen Text nochmal auf Bildern drauf hat.
Track 4
00:22:45
Genau.
Tamara
00:22:46
Auf was kann man denn da generell achten? Also ich habe schon mal das Stichwort gehört, auch Alternativtext ganz wichtig zu den Bildern.
Track 4
00:22:55
Ja, Alternativtext wäre schon, mach bei euch, aber oftmals halt immer schwierig. Es kommt immer darauf an, wie das Bild aussieht, welches Bild du dann halt auch generierst. Bei einfachen Bildern ist das ziemlich, sag ich mal, einfach machbar. Aber bei größeren Bildern oder mit viel Text ist es eher schwierig.
Tamara
00:23:15
Ja, ja. Auf was kann man denn da so achten oder was macht dir das Leben schwer, was Menschen unwissentlich machen?
Track 4
00:23:23
Ich zum Beispiel, ich tue mir manchmal ein bisschen schwer, wenn jetzt jemand im Video spricht, da ist ja dann halt manchmal auch dabei nochmal schriftlich unterlegt, was gesprochen wird. Da tue ich mir zum Beispiel schwer, wenn ich dann mal nochmal kurz mitlesen möchte, damit ich von der Akustik ja alles richtig verstanden habe. das ist dann für mich sehr hilfreich dass ich dann halt, zum einen höre ich ja und zum anderen ist es halt so dass ich manche Buchstaben nicht richtig hören kann, also ich bin nicht nur dass ich Sehbehinderung habe sondern ich habe auch noch auf dem linken Ohr eine volle Tomate drauf, und auf dem rechten Ohr habe ich ohne Hörgerät und ohne Kopfhörer noch ein Hörvermögen von 10% dass ihr das auch euch unbedingt orientiert in der Richtung. Da tue ich mir dann halt schwer, wenn ich halt Gespräche höre, dass ich dann halt manchmal bestimmte Buchstaben nicht raushöre. Mal ein Beispiel. Ich war heute mit dem Bus unterwegs und dann gibt es manche Stationen. Wenn ich sie nicht lese, dann verstehe ich es. Weil ich kann manchmal zwischen F und S und PF nicht raushören. Das ist oft sehr schwierig.
Vera
00:24:44
Wie ist das denn jetzt genau?
Track 4
00:24:47
Noch mal zurückzukommen auf das Eigentliche, was wir wollten. Wenn ich jetzt eine Schrift habe, ich habe einen weißen Hintergrund und eine graue Schrift, ist relativ schwierig. Dann würde ich das Grau eher noch ein bisschen mehr verdunkeln, etwas mehr vorheben. Macht Sinn, also immer das Kontrast des Sinn. Aber niemals bestimmte Kontraste nehmen. Zum Beispiel in Gelb und Rosa oder rötliche Farbe ist kontraproduktiv. Also kann man gar nicht lesen. Also bei mir geht es jedenfalls nicht. Da habe ich wahnsinnig Schwierigkeiten. Andere sehen es vielleicht ganz gut. Farbenblindheit ist ja wieder eine ganz andere Sichtweise. Den Test macht ja der Augenarzt, wo du dann ja die Buchstaben siehst und verschiedene farbliche Segmente hast, wo du dann rauslesen musst, was für eine Zahl oder Buchstabe das ist. Und so müsst ihr euch das vorstellen. So ist das dann auch, wenn ich dann Texte auf Instagram oder wo auch immer sehe. Die mit verschiedenen Farben arbeiten. Also manchmal geht es ganz gut, da bin ich ganz happy, dass es gut lesbar ist und andere Mal denke ich immer, meine Güte, okay, da ist der Kursche noch nicht gefallen. Aber so ist es halt. Wenn man dieses Wissen nicht hat, kann man auch nicht wissen, es funktioniert nicht. Aufklärung ist die beste Basis.
Tamara
00:26:20
Deswegen bist du hier.
Track 4
00:26:22
Deswegen sage ich noch mal, Also, Dankeschön, dass ich hier sein kann.
Vera
00:26:25
Ja, aber jetzt muss ich doch mal fragen. Du kannst ja noch etwas sehen. Ist zwar nicht mehr viel, aber es ist ja noch was. Wie ist das denn bei den vollblinden Menschen? Nutzen die sowas wie Social Media überhaupt? Können die das nutzen?
Track 4
00:26:41
Nein, ich liege barrierefrei. Wir haben zwar einige auf Instagram, die bei mir in der Truppe sind. und die haben aber Assistenten oder Familienmitglieder, die ihnen helfen. Weil ansonsten ist das schwierig. Vor allen Dingen auch, was, sag ich mal, mit Videodrehs und so weiter einhergeht. Es ist enorm schwierig. Also ich habe mir schon mit verschiedenen Unterhalten, das definitiv nicht barrierefrei.
Vera
00:27:19
Jetzt hattest du vorhin diese Blindenbibliotheken angesprochen. Da leitet man dann aber physikalische Bücher oder leitet man Bücher in Blindenschrift oder was leitet man denn da?
Track 4
00:27:31
Einerseits, es gibt Bücher, aber mittlerweile sehr, sehr selten in Blindenschrift. Nicht mehr so wie früher. Meistens machen die Blinden halt Hörbücher inzwischen.
Vera
00:27:45
Was ist denn mit dem Thema E-Book jetzt auch gerade für Menschen, die vielleicht noch so Restsehvermögen haben. Da kann man die Schrift ja beliebig groß machen, kann ja auch eigene Schriften machen.
Track 4
00:27:57
Das ist auch machbar. Es gibt auch noch hochgradig Sehbehinderte, die haben ein Fernsehlesegerät, mit dem sie dann halt auch die Schrift entsprechend vergrößern können. Ist auch noch machbar.
Vera
00:28:12
Was heißt machbar? Ist das so ein Randthema?
Track 4
00:28:17
Ja, das ist deswegen ein Randthema, weil wir hochgradige Kurzsichter haben, in die, wie soll ich dir das erklären, eine Schriftgröße brauchen, wenn du jetzt zum Beispiel, einen Buchstabe nimmst, aus der Zeitung raus. Da hat man ja oben, die Hauptüberschrift, die ist ja relativ groß. Und wenn du solche Buchstaben nimmst und den nochmal ein Stückchen größer machst, dann brauchen es so groß.
Vera
00:28:50
Aber ein Buchstaben auf der Kindle-Seite dann.
Track 4
00:28:54
So ungefähr. Die brauchen dann halt wesentlich länger, um den Text vollständig zu lesen. Ich meine, Denn es gibt auch Normalszene, die Schwierigkeiten haben, die Datenverordnungen oder sonst dergleichen, die AGBs und so weiter zu lesen.
Vera
00:29:10
Die ist ja aber ganz klein.
Track 4
00:29:12
Ja, das sage ich immer. Ich komme das nächste Mal mit meinem Blindestock, dann kann ich besser lesen.
Vera
00:29:17
Jetzt gibt es ja, glaube ich, ich muss gestehen, mein Kind ist schon so alt, er tut es gar nicht mehr. Aber es gibt ja mittlerweile auch so Vorlesefunktionen, dass man sich Text vorlesen lassen kann. Also das ist ja gerade bei elektronischen Büchern oder Texten. Nutzt ihr das oder ist auch nur so ein Rand?
Track 4
00:29:37
Es gibt viele, die das nutzen. Also ich nutze es sehr selten, weil es für mich ein Einschlagpotenzial ist.
Vera
00:29:46
Ja, das kann ich nachvollziehen. Deswegen, ich bin ja auch nicht so wie Hochbuchhörerin, weil nach zehn Minuten laufen meine Gedanken weg und ich weiß keinem, worüber der Mensch da redet.
Track 4
00:29:56
Dafür hast du aber dann schöne Träume.
Tamara
00:29:59
Ja, aber das kommt auf das Hörbruch an.
Vera
00:30:01
Das kommt auf das Hörbruch an, ja.
Track 4
00:30:05
Nee, also wir haben gute Funktionen, die wirklich wunderbar klappen.
Vera
00:30:12
Ja, jetzt hast du ja vorhin gesagt, ihr macht ja bei Blautor, ihr macht da eure eigenen Bücher und ihr trefft euch da. Was ist denn so, jetzt ist ja wieder Leipzig nächste Woche, was sind denn so die, ich sag mal, Anforderungen, die ihr von Blautor oder die überhaupt die Gemeinschaft der Sehbehinderten und blinden Autorinnen und Autoren an die restliche Autorinnen und Autorinnen-Bubble hat? Und seid ihr da voll drin? Gibt es da noch Verbesserungsmöglichkeiten?
Track 4
00:30:48
Also ich versuche, so wie ich es mit euch jetzt mache, mit jedem zu reden, mit jedem zu sprechen, irgendwie Kontakte zu pflegen. Wir anderen machen das so weitgehend auch in ihrem Bereich, so gut wie es geht halt. Wir haben einen, der ist Kinderbuchautor. Der ist blind und im Rollstuhl sitzend. Also hat eine hochgradige Körperbehinderung und ist mittlerweile in einem Heim untergebracht und arbeitet dort auch. Wenn man so will, eine Behindertenwerkstatt ist das. Er ist nicht in die allgemeine Gesellschaft interessiert, was ich sehr, sehr schade finde. Aber es ist am besten immer, wenn das genauso wie wenn du Leute hast, die aus dem Ausland kommen, die sollen ja auch integriert werden. Gleich geht es mit wehenden Menschen auch. Das ist ja das, was ja Rauthassen ja immer ganz, als Aktivist immer wieder hervorhebt, dass Aufklärung notwendig ist und darf man das wissen, was man an Erfahrungen gemacht hat, weitergibt. Es gibt nichts Schlimmeres, als jemanden unwissen zu lassen.
Vera
00:32:11
Ja, genau. Das ist ja unser Thema. Und jetzt hattest du, Tamara, in deiner sehr langen Einführung gesagt, dass ihr vom Blautor in Frankfurt einen eigenen Messestand hattet. Habe ich das richtig verstanden?
Track 4
00:32:25
Ja. Ja, den hatte ich organisiert, den habe ich auch finanziert, gerade speziell, weil ich halt gesagt habe, es ist notwendig, dass Blinde und Sehbehinderte gesehen werden. dass eine höhere Sichtbarkeit da ist und dass die, die normalsehend sind, ganz normale Arbeitswelt haben, dass die sehen, okay, hier gibt es Leute, die schreiben auch, die sind zwar blind, aber die können genauso gut tolle Geschichten schreiben wie jede andere Autorinnen und Autor auch. Und von daher ist es halt nur die Möglichkeit, immer wieder zu sagen, wir gehen voran, wir gehen an die Öffentlichkeit, und es gibt ja auch viele, die machen Lesungen.
Tamara
00:33:21
Wie würdest du denn so den ersten Stand in Frankfurt einschätzen? Also hattest du da gute Gespräche? Hättest du dir mehr gewünscht? Gab es da irgendwelche Abha-Erlebnisse?
Track 4
00:33:31
An Gesprächen hätte ich mir durchaus mehr gewünscht. Das muss nur einer, die auch mal mit Interesse nachgefragt hätten, wie es halt ist. Und das Gute war, dass es wirklich doch einige da waren, die sich den Stand angesehen haben, die sich auch die Bücher begutachtet haben, die ich ausgestellt hatte. Ich hatte ja nicht nur die Anthologien von uns ausgestellt, sondern auch von unseren Autorinnen und Autoren die Bücher ausgestellt. Und auch die Bücher bei anderen Anthologien, in denen sie Texte veröffentlicht haben. und ja.
Tamara
00:34:10
Hattest du das Gefühl, da gab es irgendwie so Berührungsängste und was würdest du den Menschen da sagen?
Track 4
00:34:18
Dass ein Mensch ein Mensch ist. Konsequent. Stell dir einen Menschen nackig vor, dann weißt du, wen du vor dir hast.
Vera
00:34:27
Das will ich jetzt nicht immer.
Track 4
00:34:29
Nee, allen Ernstes. Ich meine, du kannst morgen vom Bus überfahren werden und du hast keine Arme und keine Beine mehr. Du bist aber trotzdem noch am Leben, Wenn man jetzt mal so durchgeht, die jetzt beim Behindertensport mitmachen, die jetzt durch Unfall zu Schaden gekommen sind und jetzt halt mit einer Behinderung weiterleben müssen, das sind Stehaufmenschen, die sagen sich halt, es geht einfach weiter, was soll's. Wir haben, ich habe eine Kollegin, die ist blind und die ist zweimal die Woche in der Dialyse. Also ich meine, die meisten von uns haben mehrere Krankheiten. Wir müssen halt damit leben. Ich bin halt jetzt einer, ich gehe aufgrund, hauptsächlich, weil ich das Orientierungsschirr nicht habe, gehe ich halt nachts nicht raus. Ich würde eine Assistenz brauchen, dass ich dann halt mal zu einer kulturellen Veranstaltung oder zu einer Lesung oder sonst was gehen könnte. Nein, geht halt nicht.
Tamara
00:35:46
Würdest du dir denn generell in Geschichten auch mehr Repräsentation wünschen? Oder findest du es dann sehr schwierig, weil wahrscheinlich irgendwelche Klischees dann geschrieben werden?
Track 4
00:35:58
Ich habe jetzt noch relativ wenig Bücher erwischt, die davon handeln, dass die Hauptfigur eine Behinderung hätte.
Tamara
00:36:12
Man muss ja nicht unbedingt davon handeln. Man kann ja einfach mal Menschen vorkommen.
Track 4
00:36:18
Ja, das ist schon richtig. Gelegentlich. Ich habe jetzt schon Filme gesehen, wo es darum ging, von Gehörlosen zum Beispiel. Solche Filme habe ich schon in einem oder anderen gesehen.
Vera
00:36:33
Also bei den Filmen?
Track 4
00:36:35
Ja, wo Familie da ist, die eine Bauernwirtschaft haben, wo das Mädchen hörend und normal sprechend ist, aber der Rest der Familie taub. und sie ist eigentlich immer halt da gewesen für ihre Eltern, damit sie halt, wenn sie zu Behörden müssen, übersetzen kann. Plötzlich hat sie aber von der Schule her gesagt, sie ist eine gute Sängerin und soll auf eine Akademie gehen.
Vera
00:37:04
Den Film habe ich auch gesehen, der ist wirklich schön. Ja, genau. Aber ich habe noch ein paar Fragen jetzt gleich. Zum einen, ja, also die Filme und Fernsehserien, die versuchen ja schon jetzt diverser zu werden und da tauchen immer mal wieder jetzt Menschen im Rollstuhl aus oder mit irgendwelchen Behinderungen, und ich überlege bei jedem Buch auch immer, was könnte ich so tun ich muss gestehen ich habe da einen Heidenrespekt vor weil ich immer Heideangst hätte, ich schreibe da was falsch, was nicht so ist, oder ich müsste mich erstmal in das Thema wirklich richtig eindauern.
Track 4
00:37:42
Um das nachzuvollziehen ich gebe dir mal einen guten Tipp In NRW und in Bayern, also bei Würzburg irgendwo in der Nähe, gibt es Restaurants und Cafés, die im Dunkeln stattfinden. Also du musst im Dunkeln dann essen und trinken, beziehungsweise dann Kaffee und dann Kuchen zu dir nehmen. Im Dunkeln, wohlgemerkt.
Vera
00:38:09
Ich weiß, ja.
Track 4
00:38:11
Auf der Buchmesse. Ich habe jetzt einen Moment den Namen an dem Kopf. Die auf der Frankfurter Buchmesse, stellen die Möglichkeit, jedem zur Verfügung mal durch einen dunklen Raum zu gehen.
Tamara
00:38:29
Ja, ich weiß nicht, ob ich dasselbe meine wie du, weil der war nicht dunkel, aber ich habe das nämlich letztes Jahr gemacht, das war draußen auf der Agora und da hat man so eine Pappbrille aufbekommen, mit der man dann noch zehn Prozent hatte und einen Blindenstock und dann musste man durch diesen Wagen durch, wo es halt Treppen und alles gab. Das war sehr, sehr interessant und eindrücklich.
Track 4
00:38:50
Genau. Sowas musst du halt machen, weil ich empfinde immer, jede Geschichte ist ja etwas, was du schreibst, was auch aus deiner eigenen Erfahrung heraus ist.
Vera
00:39:03
Ich kann nicht alle Erfahrungen selbst gemacht haben. Ich ermittle immer in Mordfällen, das habe ich noch nie selbst gemacht. Richtig.
Tamara
00:39:13
Du traust dich ja nur nicht.
Vera
00:39:15
Ja, wahrscheinlich. Aber wie ist das denn, Jutta, ich habe jetzt zum Beispiel gerade jetzt bei Frau Appeldorn und der tote Kapitän an der Ostsee, da habe ich dann jemanden gefunden, der da gelebt hat und der mir geholfen hat, diese Sachen auch wirklich richtig zu beschreiben. Wenn jetzt ein Autor, eine Autorin sagt, ja, ich möchte unbedingt mal in meinem Figurenensemble etwas diverser werden und mal jemand Sehbehindert oder gar Blindes einbauen, könnte der auf Blautour zukommen und sagen, hey, würdet ihr mir helfen? Würdet ihr zum Beispiel sowas auch mal testlesen oder so?
Track 4
00:40:00
Testlesen? Bestimmt. Aber halt als Blinder eher nicht, gehe ich mal davon aus. Wenn du ihm jetzt zum Beispiel eine E-Mail schickst oder es als Textdatei schickst, dann kann er das über die Breitzeile ablesen. Das ist möglich. Dass du generell jemanden danach fragst, ist wichtig. Weil du nur etwas besser rüberbringen kannst, wenn du auch das Hintergrundwissen hast. Ja, genau.
Vera
00:40:35
Das ist ja auch.
Track 4
00:40:36
Wenn du jetzt von deiner Frau Appleborn oder wie sie auch immer heißt, die lustige Dame.
Vera
00:40:43
Appel Dorn.
Track 4
00:40:44
Ach, Appel Dorn.
Vera
00:40:44
Frau Appel Dorn.
Track 4
00:40:45
Wenn du eine solche Figur erarbeitest, musst du ja auch ein bisschen ein Hintergrundwissen haben, wenn sie spezifisch irgendwas hat. Und dieses Hintergrundwissen musst du ja haben, um die richtig plausibel darstellen zu können.
Vera
00:41:00
Aber es muss ja nur nicht plausibel sein.
Track 4
00:41:03
Ich meine, dass ein gewisser Grad von Fantasie mit drin ist, ist ja normal. Ist ja in jeder Geschichte. Dass man versucht, die Spinne spinnen zu lassen.
Vera
00:41:14
Genau. Seid ihr in Leipzig auch?
Track 4
00:41:17
Nee, ich bin dieses Jahr nicht da. Ich weiß gar nicht, wer überhaupt das sein wird. Ich habe keine Ahnung. Ob überhaupt jemand hingeht, weiß ich nicht. Also im nächsten Jahr habe ich definitiv vor. Ich war ja 2018 das erste Mal dort. Da lag Schnee, das werde ich nie im Leben nicht vergessen.
Vera
00:41:37
Ja, ich erinnere mich. Ich habe jetzt auch noch Angst. Zwar haben wir jetzt schönes Wetter, aber Leipzig ist immer Kaffee. Ja, ja. Wie ist es denn umgekehrt, wenn du Geschichten schreibst oder Anthologien? Kommen da immer behinderte Menschen vor oder lasst ihr die auch raus?
Track 4
00:41:55
Also wenn du meine Geschichten liest, dann wirst du, ja, also ich versuche immer meine Behinderung mit rein zu kreieren. Beispiel bei Stößchen, da geht es darum, um Missverständnisse. Ja, weil ich habe nämlich mal, das ist mir immer in Erinnerung geblieben, mein Bruder und seine Frau waren mal, als ich noch in Berlin lebte, zu Besuch. Und die Frau meines Bruders hatte ein Stöfchen gesucht. Und ich hatte Stößchen verstanden.
Tamara
00:42:34
Du wolltest gleich Sekt trinken, na klar.
Vera
00:42:37
Genau. Na, Stößchen ist ja nicht Sekt.
Track 4
00:42:41
Ja, und so habe ich mir dann halt eine Geschichte, eben aus diesen beiden Wörtern eine Geschichte halt rausgestreckt. Und die ist zu finden, ich meine, die wäre bei Farbenfroher Dunkelheit mit drin.
Vera
00:42:58
Ja, also habt ihr eine Webseite, dann mal die in den Show-Notes packen können.
Track 4
00:43:02
Dann machen wir das auf jeden Fall. Das ist die blautour.de.
Vera
00:43:05
Ja.
Tamara
00:43:06
Ah, wo ich gerade draufgehe, ich glaube, das hast du nämlich extra recherchiert, da muss ich dich ja auch fragen. Weil wenn man auf blautour.de geht, dann sieht man dieses, was ja manche dann auch am Arm tragen, diesen gelben Hintergrund mit den drei schwarzen Punkten.
Track 4
00:43:20
Jawohl.
Tamara
00:43:21
Und ich habe dich mal gefragt, wie kommen diese drei Punkte zugestanden? Die müssen ja eine Bedeutung haben.
Track 4
00:43:27
Eine Bedeutung haben sie nicht unbedingt. Sondern sie waren früher mal, anno 1919, als Verkehrsschild gedacht.
Tamara
00:43:38
Ah, okay.
Track 4
00:43:39
Ja, und zwar als Verbotsschild für Motorräder und Kraftwagen. Ich weiß es im Moment jetzt ganz genau. Jedenfalls waren sie als Verkehrsschild gewesen. Und dessen Namen habe ich jetzt im Moment nicht mehr so ganz im Kopf. Der hat dann irgendwann gesagt, das könnte man eigentlich anders benutzen. Und 1919 ist das dann für Kriegsversierte eingeführt worden, die im Ersten Weltkrieg ihr Gehör verloren hatten und nicht mehr im Straßenverkehr zurechtkamen. Weil dadurch ja immer häufiger Unfälle passierten, wo sie dann zusätzlich weitere Verletzungen zugetragen haben. Und 1900, möchte ich jetzt die Wahl haben, weiß jetzt nicht mehr genau, wann das war. Ich glaube, jedenfalls einige Jahre, Jahrzehnte später, ist es dann als Blindenabzeichen, beziehungsweise als Behindertenabzeichen verwendet.
Tamara
00:44:39
Interessanter Wert.
Track 4
00:44:41
Das ist als Kenntnis, dass du entweder taub bist, dass du sehbehindert bist. Wenn du jetzt ein Blindenbindträger bist mit Blindenstock, dann bist du definitiv blind. Also ich habe ja auch immer, wenn ich im Staatsverkehr bin, den ganz kunstgewöhnlichen Blindenstock, das ist so ein ganz einfacher, der mir wenigstens die Möglichkeit gibt, den Verkehrsteilnehmer aller Art zu sagen, hallo, ich habe eine Seheinschränkung. dass sie dann halt wissen okay, ich muss mich jetzt mal aus dem Paket ziehen.
Vera
00:45:26
Ich wusste nicht, dass das auch für Zauber das ist für mich zur Sicherheit im Straßenverkehr.
Track 4
00:45:34
Wenn mal ein Unfall passiert, dann greift auch die Versicherung richtig ah, okay.
Vera
00:45:41
Also ich war mal Bekannte von uns, die haben eine taube Tochter, die war damals in einem Spezialinternat für hörgeschädigte Kinder. Da war ich dann mal zum Kaffee. Das war sehr spannend, weil um es auf sich aufmerksam zu machen, haben die immer auf die Tische gehauen. Da war vielleicht was los, für Hörer war das echt laut.
Track 4
00:46:03
Ja, es gibt eine Sendung, die heißt Hören statt Sehen, die läuft immer bei Bayern. Sehr interessant, vor allen Dingen auch sehr lehrreich, so finde ich. Und so gibt es auch, bei Aktion Mensch zum Beispiel, ZDF strahlt das immer aus, am Samstag 12 Uhr, die heißt einfach Mensch, die Sendung und da wird von jeder Behinderungsart mal ein Bericht gebracht, ob jetzt gehörlos oder blind oder wie auch immer. Ja, es gibt ja auch mittlerweile Gehörlose, die auch noch ein Auto fahren. Früher durften die auch kein Auto fahren.
Vera
00:46:50
Also die von mir genannte ist mittlerweile ja älter, ist ja schon viele Jahre her, ist verheiratet, hat zwei Kinder, ist selbstständige Malermeisterin, ist Chefin von diversen, also das ist schon eine Leistung, ohne da was zu hören. Und lebt eigentlich völlig normal, also das wird man gar nicht wissen, wenn man es nicht weiß. Ja, also ein spannendes Thema und vielleicht muss man wirklich nochmal schauen, dass man seine Figuren dann noch ein bisschen diverser macht. Und ja, dann, liebe Jutta, musst du dich natürlich dann auch noch den total kritischen Buch-Bubble-Fragen von Tamara stellen.
Tamara
00:47:32
Jawohl.
Track 4
00:47:33
Oh Gott, oh Gott.
Tamara
00:47:34
Und die erste Frage lautet, liebe Jutta, Welches Buch hat dich zuletzt Tränen weinen oder lachen lassen?
Track 4
00:47:43
Das war definitiv, das ist schon viele Jahre jetzt her, dass ich das gelesen habe, PS, ich liebe dich.
Tamara
00:47:50
Ah, okay.
Track 4
00:47:52
Das Buch hat mich nicht nur, dass es mich tief berührt hat, sondern auch wirklich tränenreich entlassen.
Vera
00:48:01
Ja, du bist ja wahrscheinlich nicht die Einzige.
Track 4
00:48:03
Ja, es hat aber auch damit zu tun, dass mich die Geschichte in der Weise eingestimmt hat, weil ich in der gleichen Situation bin.
Tamara
00:48:15
Okay.
Vera
00:48:17
Okay, das hatte ich besonders dann.
Tamara
00:48:19
Ja. Dann wollen wir zu einer ganz besonderen Begegnung gehen, nämlich welche Begegnung in der Buchbubble hat dich ganz besonders inspiriert?
Track 4
00:48:31
Oha. Könnte ich jetzt so genau gar nicht sagen. Eigentlich alle. Alle, denen ich bisher begegnet bin, die, ja, ganz besonders, die ist mir richtig ans Herz gewachsen, ist die Anja Kiel. Das ist eine ganz Liebe. Die, ja, nimmt mich, das sag ich mal schon, automatisch mal so, wie ich bin. Ohne jetzt, sag ich mal, einen merkwürgigen Blick rüberzubringen oder was. Bei dir Tamara, du hast es im letzten Jahr auch, ganz normal. Ja? Und das ist ja auch das Wichtige, dass man halt behinderte Menschen als normale Menschen betrachtet.
Tamara
00:49:17
Ja?
Track 4
00:49:18
Und das ist das, wenn man ein Mensch so rüberkommt, und dann ist das für mich ein Herzensmensch.
Tamara
00:49:25
Mhm. Und die letzte der drei Fragen. Welches Klischee möchtest du nie wieder in einem Buch lesen?
Track 4
00:49:34
Klischee?
Tamara
00:49:35
Mhm.
Track 4
00:49:36
Könnte ich jetzt gar nicht so genau beantworten. Ich habe bis jetzt immer Bücher gelesen, die mir nicht so klischeehaft waren.
Tamara
00:49:45
Mhm. Dann sollten wir mal deine Leseliste durchstöbern.
Vera
00:49:51
Ja.
Track 4
00:49:52
Also jetzt ist mir nichts, sage ich mal, klischeehaft jetzt aufgefallen.
Tamara
00:49:58
Dann kuratierst du deine Bücher sehr gut. Genau.
Vera
00:50:03
Ja, liebe Jutta, vielen, vielen Dank für deine Einblicke, die du uns da gegeben hast. Und ja, ich glaube, also mich hast du da zumindest schon wieder ein bisschen mehr sensibilisiert, mal darüber nachzudenken, ob ich das Thema in Bücher aufnehme. und wenn ich jetzt für den Buchsatz mache, immer schön aufpasse, dass die Schrift groß genug ist. Ja, dann an euch da draußen, ihr könnt gerne mal Rückmeldungen geben, ob ihr euch schon mal mit dem Thema generell Behinderung, spezieller, Sehbehinderung beschäftigt habt, zu welchen Schlüssen ihr gekommen seid und schaut mal dann bei Blautor vorbei, vielleicht kriegt ihr ja doch noch so ein bisschen Inspiration. Also nochmal vielen Dank, liebe Jutta und an euch da draußen. Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Folgt uns und empfehlt uns weiter und bleibt uns gewogen. Bis nächste Woche. Tschüss.
Tamara
00:50:56
Danke, Jutta.
Track 4
00:50:57
Ich danke euch. Tschüss.