Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Hürden im Autor:innenleben – Melanie Amélie Opalka übers immer wieder Aufstehen

Eine Rücksendung von über 300 Büchern. Ein Karrieresprung, der nicht hält, was er versprach. Und mehrere gescheiterte Unternehmensgründungen – Autorin Melanie Amélie Opalka macht aus den sprichwörtlichen Zitronen lieber Limonade, als aufzugeben.

05.02.2026 71 min

Zusammenfassung & Show Notes

Eine Rücksendung von über 300 Büchern. Ein Karrieresprung, der nicht hält, was er versprach. Und mehrere gescheiterte Unternehmensgründungen – Autorin Melanie Amélie Opalka macht aus den sprichwörtlichen Zitronen lieber Limonade, als aufzugeben, und plaudert in dieser Folge aus ihrem bewegten Leben.

Sie erzählt, mit welcher Idee sie ihre Buchrücksendung wieder attraktiv machte, wie sie mit eigenen Blockaden umgeht und warum selbst hinter erreichten Wunschzielen manchmal ein tiefes Loch lauert. Lass dich von Amélie dafür sensibilisieren, Hürden einmal aus einem anderen Licht zu betrachten! 

Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Eine Rücksendung von über 300 Büchern. Ein Karrieresprung, der nicht hält, was er versprach. Und mehrere gescheiterte Unternehmensgründungen – Autorin Melanie Amélie Opalka macht aus den sprichwörtlichen Zitronen lieber Limonade, als aufzugeben, und plaudert in dieser Folge aus ihrem bewegten Leben.

Sie erzählt, mit welcher Idee sie ihre Buchrücksendung wieder attraktiv machte, wie sie mit eigenen Blockaden umgeht und warum selbst hinter erreichten Wunschzielen manchmal ein tiefes Loch lauert.

Lass dich von Amélie dafür sensibilisieren, Hürden einmal aus einem anderen Licht zu betrachten!

Links

Buchwerbung:
'Ein teuflisch netter Engel' von Dana Graham:
https://danagraham.de/fantastisch/ein-teuflisch-netter-engel/

Unser Gast:
https://melanieamelieopalka.de/

Amélies Buchtipp:
'Die LET THEM Theorie' von Mel Robbins:
https://www.amazon.de/Die-THEM-Theorie-internationalen-Nummer-1-Bestsellers/dp/3442180651/

Veras Buchstartparty zu "Tote Vettern erben nicht"
Willicher Buchhandlung, Donnerstag, März 5 2026
https://www.eventbrite.de/e/buchstartparty-tote-vettern-erben-nicht-tickets-1981146661997

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Transkript

Vera
00:00:00
320 Bücher stehen plötzlich vor deiner Tür, sind zurückgekommen, deine Pläne sind gescheitert. Was tust du? Das besprechen wir heute mit Melanie Amelie Opalka. Sie beschäftigt sich intensiv mit den Scheitern und den Fehlern und sagt uns, wie man damit am besten umgeht.
Tamara
00:00:18
Wir haben über verschiedenste Situationen gesprochen, in denen man scheitern kann, in denen Dinge nicht so laufen, wie sie sollten, in denen man vielleicht sogar einen Schicksalsschlag erleidet und wie man trotzdem lernen kann, das Beste draus zu machen, vielleicht gerade dadurch nochmal Kraft zu sammeln. Also hört auf jeden Fall rein. Willkommen zu Folge 297 von Die zwei von der Talkstelle, dem Podcast übers Schreiben und Veröffentlichen in Self-Publishing und im Verlag. Mir gegenüber wieder einmal die wunderbare Vera Nendwig. Ich bin Tamara Leonhardt. Hallo Vera.
Vera
00:01:09
Hallöchen Tamara. Ja, was macht der Schreibflug?
Tamara
00:01:13
Der kehrt gerade zurück.
Vera
00:01:16
Okay, also er war weg.
Tamara
00:01:19
Ja, ich hatte ja ein bisschen pausiert, einfach weil ich zwei sehr straffe Deadlines hatte und ja, dann doch am Ende, obwohl ich das eigentlich nicht mehr wollte, entscheiden musste zwischen meine Arbeit schaffen, schlafen und am Manuskrupp weiterarbeiten und habe dann gesagt, okay, kontrolliert, diese eine Woche pausiere ich und dann geht es direkt wieder weiter. Habe mir aber währenddessen Gedanken gemacht, das hatte ich letztes Mal ja auch schon angerissen, dass ich mit dem Anfang super unzufrieden war und habe mich dann wirklich entschieden, die ganzen ersten zwei Szenen komplett zu löschen, weil halt der Konflikt erst in Szene 3 kam. Da habe ich gesagt, ja, warum fange ich dann nicht einfach dort an und musste das jetzt natürlich umschreiben und bin jetzt mit dem Anfang sehr zufrieden und habe tatsächlich währenddessen auch schon ein bisschen versucht, mit dem Diktieren.
Vera
00:02:11
Okay.
Tamara
00:02:12
Was sich in meinem Kopf dann doch schwieriger herausgestellt hat irgendwie, weil da immer dieses Denken war so, ich muss jetzt gucken, hat der mich richtig verstanden und so. Und habe da jetzt auch drüber nachgedacht, ich glaube, und das muss ich jetzt ausprobieren. Ich glaube, was vielleicht sinnvoll ist, dass ich mir eine App aufs Handy hole und so abends auf der Couch oder beim Gassi gehen oder so was einspreche mit dem Wissen, dass es dann bei der nächsten richtigen Schreibsession am Rechner das, was ich nochmal sauber schreibe. Weil mein Problem ist, ich erzähle mir oft so, keine Ahnung, abends zum Einschlafen so Szenen, die als nächstes kommen, im Kopf und denke dann, ja genau so kann ich es formulieren, das klingt gut. Aber wahrscheinlich, ohne dass ich das merke, korrigiere ich mich da gedanklich dann auch mal oder formuliere was nochmal um. Und ich komme nicht mit dem Gedanken zurecht zu sagen, ich spreche das jetzt ganz schlicht ein. Ich habe an meine Rohversion schon einfach einen... Wahrscheinlich zu hohen sprachlichen Anspruch. Ich kann das dann so nicht stehen lassen. Aber ich glaube, wenn ich sage, ich spreche das jetzt mal ganz roh ins Handy und dann habe ich was, womit ich, wenn ich mich an den Rechner setze, arbeiten kann, ich glaube, das könnte für mich funktionieren. Das muss ich jetzt testen.
Vera
00:03:46
Also ich muss gestehen, dass ich so im Nachgang, habe ich auch darüber nachgedacht, aber dass ich glaube, dass wir da auch unterscheiden müssen. Das, was der Matthias macht, ist quasi vor unserer erstgeschriebene Version.
Tamara
00:04:02
Wer jetzt gerade die ganze Zeit denkt, hä, um was geht's? Letzte Folge anhören, da ging es ums Diktieren der Erstversion und keine Ahnung, ich kenne jetzt die Pro-Versionen von Matthias nicht, aber dadurch, dass ich ja immer schon direkt, wenn ein Kapitel fertig ist, das an meine Vertrauensperson gebe, will ich halt auch, dass sich das auch schon ein bisschen literarisch anhört und so. Und da kann ich, glaube ich, nicht genug loslassen, um zu sagen, ich spreche es einfach nur ein und lasse es so stehen.
Vera
00:04:35
Aber ich denke, das macht er ja auch nicht.
Tamara
00:04:39
Ja, ja, nee, nee, aber so wie ich es verstanden habe, spricht er halt sehr, sehr viel ein, um es dann zu bearbeiten. Und ich glaube, das würde mich, glaube ich, kirre machen. Ich muss dann schon sehr zeitnah mich dem nochmal widmen. Aber ich glaube, so dieses Zweistufige, das könnte tatsächlich die Dinge beschleunigen, weil ich dann nicht vorm leeren Platz sitze.
Vera
00:04:56
Ja, ja.
Tamara
00:04:57
Werde ich dir nächste Woche berichten.
Vera
00:04:59
Ja, man kann sicherlich auch nicht erwarten, dass man jetzt mit ein, zwei Mal ausprobieren, sich da komplett ändert. Dann muss man sich wahrscheinlich auch eingrooven mit sowas.
Tamara
00:05:07
Ja, ja. Und ich habe das einfach mal gestern versucht mit der Spracherkennung von Word, die schon ganz okay ist, habe aber die automatische Satzzeichen-Einrichtung ausgeschaltet gehabt. Und habe, glaube ich, gemerkt, dass dieses ständige Komma-Punkt, Anführungszeichen, unten, dass das auch in meinem Kopf verhindert, dass ich in so einen Erzählmodus komme. Das war zu technisch. Ich denke, das muss ich wieder aktivieren und dann einfach denken, ja gut, dann sind die Satzzeichen halt falsch, da kann ich mich später drum kümmern. Also ich war in einem sehr technischen Modus und dann stockt der Kopf natürlich auch und erzählt dir nichts.
Vera
00:05:49
Ja, wobei, wie gesagt, das ist wahrscheinlich auch Übungssache. Da muss man sich erstmal so ein bisschen drin zurechtfinden.
Tamara
00:05:55
Naja, ich taste mich gerade vor, aber ich hatte schon Lust, das irgendwie zumindest mal ernsthaft zu testen.
Vera
00:06:01
Ich merke es, ich merke es.
Tamara
00:06:04
Wie sieht es denn bei dir aus?
Vera
00:06:05
Ich bleibe da beim Vorgehen, wie es sich für mich letztlich auch bewährt hat. Und tippe. Und so, ja, klar, ich bin jetzt so im Mittelteil und da muss ich jetzt schon ein bisschen mehr kämpfen, aber ich bleibe dran und schaffe jeden Morgen meinen World Count und auch wenn ich jetzt aktuell das Gefühl habe, es ist gerade scheiße, Entschuldigung, scheiße langweilig. Und ich dann denke, du musst noch mal alles lesen, ob der Spannungsbogen wirklich stimmt. Ist auch der Unterschied, den ich jetzt bemerke, weil früher habe ich immer schön ein Projekt gemacht, dann habe ich das veröffentlicht, dann habe ich mich langsam wieder ins nächste Projekt gemacht. Jetzt läuft so alles parallel, während ich da an Frau Appeldorn und die tote Diva schreibe, habe ich jetzt gerade tote Väter und Erben nicht aus dem Lektorat zurück, dann muss ich jetzt einarbeiten. Und parallel denke ich, da habe ich natürlich alle möglichen To-Dos im Kopf, die ich für die Veröffentlichung machen muss. Und... Wo früher alles Platz war für diese eine Geschichte, dass ich die so wirklich komplett im Kopf hatte, der muss sich jetzt den Platz streitig machen mit anderen Dingen und das merke ich. Das geht mir dann nicht ganz so leicht von der Hand. Da muss ich jetzt mehr arbeiten und so. Aber gut.
Tamara
00:07:26
Mein Gefühl, während du das erzählst, ist auch so ein bisschen so ein eingezwängt sein, weißt du, was ich meine? Also ich erinnere mich, ich habe während des Studiums einen Nivi-Job und ich glaube, ich habe immer dienstags und donnerstags gearbeitet und das hat mir total Spaß gemacht. Aber es war halt immer so, ein Tag studieren und das ist ja alles ein bisschen lockerer und so. Und kannst ein bisschen mehr deinen Tag selbst planen und einen Tag dann wirklich morgens um acht dort sein und so. Und dann wieder einen Tag lockerer. Und als ich dann angefangen habe, richtig zu arbeiten, habe ich gemerkt, boah, du kommst nach Hause und dann ist ja am nächsten Tag schon wieder. Und genau dieses Gefühl weckt das gerade so ein bisschen in mir, wenn du das erzählst.
Vera
00:08:08
Ja, ist auch so ein bisschen so. Ist auch für mich jetzt eine Umstellung, aber ich habe es mir halt vorgenommen. Und ich muss sagen, dafür bin ich auch wirklich sehr zufrieden mit mir, dass ich da auch wirklich dranbleibe, auch wenn ich latent das Gefühl im Kopf habe, ich habe irgendein Detail bei der Veröffentlichung vergessen und das wird dazu führen, dass das alles völlig katastrophal scheitert. Wenn ich dann genau überlege, fällt mir zwar nichts ein, aber das Gefühl bleibt trotzdem.
Tamara
00:08:38
Aber was das Schreiben angeht, bin ich ein bisschen stolz auf dich.
Vera
00:08:43
Dankeschön, dankeschön. Och, das erröt dich ja zart. Nein, also muss ich sagen, da fühle ich mich auch wirklich stolz auf mich, das muss ich mir jetzt mal ab und zu auch sagen, gerade wenn ich jetzt so denke, auch das muss ich noch und das muss ich noch machen. Jetzt drückt halt die Zeit, jetzt ab Freitag muss ich das Buch in Druck geben, damit ich alles pünktlich fertig kriege. Und ja, jetzt muss ich halt noch richtig noch ein bisschen Gas geben und mich um alles mögliche kümmern. Gleichzeitig, das ist aber auch so ein Effekt, den ich immer mal wieder gemerkt habe, wenn man so richtig im Flow ist, dass dann plötzlich auch die Ideen sprügeln. Wenn du nichts zu tun hast, kommen irgendwie die Ideen nicht.
Tamara
00:09:24
Nein, man ist einfach drin.
Vera
00:09:26
Ja, man ist so drin, das hatte ich ja damals auch, als ich im Vorstand vom Selbstpartbücherverband war, auch wenn man total viel zu tun hatte, irre viel Idee, was ich alles noch tun könnte. Und das macht schon auch Spaß. Also ich merke auch, dass mir das auch Energie gibt, auch wenn ich mich da auch ein bisschen überfordert fühle, aber trotzdem. Wenn dann plötzlich wieder Dinge kommen, wo ich denke, ach, das kannst du noch machen und das kannst du noch machen. Teilweise auch Sachen, die ich zwei Jahre vor mir hingeschoben habe und aus unerfindlichen Gründen nicht gemacht habe. Jetzt hätte ich totale Lust, die zu machen. Also es ist witzigerweise ziehen auch gerade Verkäufe auf Amazon total an. Ich bin völlig geplättet. Also ich habe jetzt die ersten drei Tage von diesem Monat schon mehr Verkäufe als in den ersten Wochen des letzten Monats. Ich weiß nicht, ob das jetzt auch an den Anzeigen liegt. Ich habe da die Ad-Aktion jetzt mit Unterstützung. Man weiß es ja nicht, wie da der Amazon-Algorithmus ist. Also ja, von daher... Und ja, und ich meine, ich genieße es ja sowieso, wenn es mit Buchstatt, Buchstatt-Party ist ja jetzt geplant. Ich habe halt viele Möglichkeiten, jetzt irgendwie was in die Welt zu posaunen.
Tamara
00:10:46
Das finde ich ja total.
Vera
00:10:48
Und so kriegst du natürlich dann auch Feedback. Wobei, also ich hoffe natürlich, dass wir die Buchstatt-Party ausverkaufen. Also von daher, falls du am 5.3. irgendwie in der Nähe des Rheinlands bist, erwarte ich dich in der Willischer Buchhandlung.
Tamara
00:11:03
Ja, wir schreiben es in die Shownotes.
Vera
00:11:05
Ja, ne? Und ja, also von daher geht alles seinen Gang und so, dann schauen wir mal.
Tamara
00:11:15
Ich habe noch was Cooles zu erzählen, was mich mega freut. Und zwar hat mein Buch Rock in Peace es unter die Monatsempfehlungen der Buchhandlung Brockmann in Brühl geschafft. Das finde ich super cool.
Vera
00:11:28
Ja, super, das ist wirklich super toll.
Tamara
00:11:31
Also da gab es einen Post zu schon und auf der Website, wenn man drauf geht, direkt auf der Startseite ist mein Buch, kann man das direkt bestellen und ja.
Vera
00:11:40
Ja, super.
Tamara
00:11:42
Freue ich mich total.
Vera
00:11:44
Wir haben noch ein Wettrennen, wer von uns zuerst in der NDR Talkshow kommt. Ja, also von daher läuft alles in Gang. Größere Fehler sind uns bisher nicht bewusst, oder?
Tamara
00:11:59
Ich glaube nicht, ne.
Vera
00:12:01
Aber wenn, das ist ja wahrscheinlich auch keine Katastrophe, auch wenn es sich vielleicht gerade so anhört. Aber das wollen wir uns ja so Thema, mit dem wir uns heute etwas ausführlicher beschäftigen wollen. Wir haben nämlich heute eine Expertin zum Thema zu Gast. Sie hat einen Podcast, der sich mit dem Scheitern und mit den Fehlern beschäftigt. Sie spricht darüber, sie ist Speakerin, Mentorin, Autorin und heute ist sie bei uns. Die Rede ist von Melanie Amelie Opalka. Hallo Amelie, schön, dass du da bist.
Amélie
00:12:32
Hallo ihr zwei, vielen Dank, dass ich dabei sein darf.
Vera
00:12:35
Was war denn dein größtes Scheitern?
Amélie
00:12:38
Oh, mit meinem größten Scheitern wollen wir lieber gar nicht erst anfangen. Dafür haben wir, glaube ich, heute hier überhaupt kein Hits.
Vera
00:12:44
Doch, wir brauchen sowas.
Amélie
00:12:48
Du, mein allergrößtes Scheitern, um es ganz kurz zu sagen, ist immer wieder mein Gefühl von, ich bin zu spät dran. Ich bin wie das weiße Kaninchen in Alice im Wunderland und habe eigentlich konstant das Gefühl, dass alles, was ich tue, zu spät ist.
Vera
00:13:01
Ja, aber das ist ja jetzt kein Scheiter, das ist ja nur ein Gefühl, oder?
Amélie
00:13:05
Ja, also so ein Stück weit behindert es einen dann, wenn man nicht irgendwann, und den Punkt habe ich glücklicherweise dann für mich auch mal erreicht, sich in den Hintern tritt und sagt, nee, ist noch nicht zu spät, ist nur zu spät, wenn du nicht jetzt wirklich mal anfängst.
Tamara
00:13:17
Da muss ich jetzt kurz nachhaken. Meinst du zu spät innerhalb eines Projekts, zu spät gemessen mit anderen, die dasselbe schon länger machen, zu spät gemessen am Lebensalter oder was heißt für dich zu spät?
Amélie
00:13:31
Das ist eine Kombination natürlich, aber in erster Linie bezieht es sich tatsächlich auf mein Lebensalter. Ich war relativ alt, als ich zum Beispiel Snowboarden gelernt habe. Ich bin erst mit Mitte 30 mal mit dem Rucksack alleine irgendwo hingefahren. Ich bin erst mit 40 Mutter geworden und ich habe auch letztendlich auch erst mit 40 angefangen, Self-Publishing überhaupt ernst zu nehmen und für mich in Betracht zu ziehen. Und ja, also so gemessen an meiner Lebensspanne waren das immer so Momente, wo ich gedacht habe, das konnten andere schon früher und schneller und vielleicht wärst du auch schon Meter weiter, wenn du eher angefangen hättest. Aber es hat sich bei mir halt nicht anders ergeben.
Vera
00:14:02
Also wenn das bei dir mit 40 schon alles zu spät ist, was soll ich denn dann sagen?
Amélie
00:14:08
Du bist ja schon viel weiter, als ich wäre.
Vera
00:14:11
Ja, ich habe auch viel später angefangen.
Tamara
00:14:14
Ich kenne den Gedanken aber mehr so im Sinne von, ja, schade, dass mir das nicht früher eingefallen ist, das macht ja Spaß. Aber generell denke ich mir, man kann mit jedem Alter alles anfangen.
Vera
00:14:25
Ja, es ist nie zu spät.
Amélie
00:14:27
Und das ist die Message, die wir heute weitergeben wollen und die ich auch immer fleißig weitergebe.
Tamara
00:14:32
Ja gut, schön, danke, dass du da warst.
Vera
00:14:34
Nein, haben wir das ja schon mal gelöst. Naja, aber du kommst jetzt nicht aus der Nummer raus. Also wie gesagt, unser Aufhänger war ja auch, dass du einen Post gemacht hast, wo du was als Fehler beschrieben hast, was wir persönlich gar nicht so als Fehler sehen, aber das kann man ausdiskutieren. Ich sage mal, wenn du jetzt schon über Fehler und Scheitern redest, wenn das ein Thema ist, dann musst du natürlich auch mal jetzt auspacken. Was sind denn jetzt richtig? Was sind denn Fehler gewesen, wo du sagtest, okay, jetzt mein Leben ist zu Ende oder was?
Amélie
00:15:07
Also das Leben zu Ende, das war nur der eine Fehler, wo ich mal fast aus dem siebten Stock gefallen wäre. Alle anderen habe ich relativ gut überlebt, muss ich sagen. So wirtschaftlich habe ich mir durchaus schon den einen oder anderen geleistet, denn ich bin seit 13 Jahren, mittlerweile 15 Jahre selbstständig und habe in der Zeit vier Firmen gegründet und drei davon begraben. Also Karrieren begraben kann ich ganz gut und das auch immer mit dem nötigen wirtschaftlichen Fehlverhalten dann. Allerdings muss ich auch sagen, das war natürlich alles immer nur so ein Tod des Egos. Das sind ja so die kleinen Tode des Egos, die man da stirbt.
Vera
00:15:41
Das war auch mehr so gemeint, ja.
Amélie
00:15:43
Genau, und das ist auch das, was sich dann so durchgezogen hat, auch durch die Autorenschaft. Ich habe angefangen mit Familienromanen, so ein bisschen komisch, mit so Comic-Charakterkarten dazu und solchen Sachen. Und habe gedacht, jetzt wäre ich schon richtig angekommen und jetzt würde ich schon richtige Bücher schreiben. Und nach drei Büchern sagte dann meine Marketingfrau mal zu mir, Das kann ich nicht vermarkten. Das ist so nischig, kann ich nicht vermarkten. Ja, dann war meine super Karriere, die ich gerade erst geglaubt hatte, gestartet zu haben, auch schon wieder begraben. Und das sind dann so die Punkte, wo ich immer wieder festgestellt habe, es ist schön, dass ich erst so spät solche Fehler immer wieder machen durfte. Oder es sind ja keine Fehler, es sind ja nur diese kleinen Stolpersteine im Grunde genommen. Weil ich hatte natürlich schon ein bisschen Lebenserfahrung zu dem Zeitpunkt mitgebracht und habe mich dann nicht mehr so komplett abwerfen lassen. So am Anfang des Schreibens habe ich mich halt gerne mal so sechs, sieben oder auch 15 Jahre wieder zurückgezogen und habe nur für die Schublade geschrieben und gearbeitet. Und zu dem Zeitpunkt, als das passiert ist, 2020 oder 2021, war es halt dann so, dass ich mich nur umgedreht habe und gesagt habe, okay, alles klar, was schreibe ich dann jetzt? Und dann hatte ich da halt noch so ein Manuskript in der Schublade, was ich schon mal im Internet begraben hatte. Das habe ich dann wieder ausgebuddelt mit Hilfe von einer Bloggerin und habe dann eben angefangen, Frauenentwicklungsromane zu schreiben. Und plötzlich habe ich gemerkt, ach guck mal, da bist du viel authentischer an der Stelle und du bist auch viel mehr du und viel echter. Und mit einmal wollten es auch Leute lesen. Also das war interessant. Und so geht das halt weiter und so zieht sich das auch so durch, weil ich habe dann auch mal den Versuch gemacht, dass ich in den Verlag wollte, beziehungsweise bei einer Agentur mich beworben hatte. Und die waren dann total happy und total sofort reagiert. Innerhalb von 24 Stunden hatte ich Interessebekundung, dass ich bitte das Exposé schicke. Und dann habe ich das Exposé geschickt. Und dann hatte ich sofort innerhalb von 24 Stunden die Interessensbekundung, ich möge doch mal 30 Seiten schicken. Dann habe ich wie so eine Irre über Nacht quasi mehr oder weniger 30 Seiten zusammengezimmert, weil das Manuskript gab es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Und dann wieder irgendwie zwei Tage später, oh ja, super, schick uns doch bitte das ganze Manuskript. Ja, alles klar. habe ich dann nochmal schnell vier Wochen lang ein Manuskript zusammengezimmert, den dahin geschickt, Und dann kam das große Schweigen von deren Seite. Und dann habe ich nach zwei Monaten mal höflich nachgefragt. Ich sage, wie sieht es denn aus? Könnt ihr nur mal so einen Zeitrahmen irgendwie abstecken, indem ihr euch das jetzt anschaut? Naja, 24 Stunden später hatte ich die Absage. Und das hätte mich dann auch zu einem anderen Zeitpunkt, hätte mich das meilenweit wieder zurückgeworfen und wieder komplett am Anfang versetzt und in Panik. Und da war es halt nur so, ich hatte bereits mein Netzwerk um mich rum, ich hatte meine LektorInnen und ich hatte meine KorrekturInnen und ich hatte mein Cover-Design. und ich habe dann nur alle angerufen. Ich sage so, wer kann in den nächsten Wochen zügig? Dann habe ich das Buch eben alleine rausgebracht. Ich finde es halt schön, dass man so im Laufe des Alters einfach, wenn man so an Scheiterpunkte oder an Stolpersteine kommt, ich finde so der Korb an Ressourcen, den du dir mitgebracht hast und erarbeitet hast aus deinen Erfahrungen zuvor, der wird immer besser und immer reichhaltiger. Und dann muss ich ehrlich gestehen, es wird immer schwieriger, mich in den Straucheln zu bringen. Und ich glaube, das geht euch auch so. Also je mehr man erlebt hat, umso leichter richtet man sich auch wieder auf, wenn man dann mal wieder ins Stolpern gekommen ist.
Vera
00:18:53
Oh ja, also das ist ein langes Thema. Wir haben ja noch eine Stunde oder zwei. So, fangen wir mal vorne an. Also zum Ersten stelle ich fest, deine Definition von Scheitern, also deine Fehler wären bei mir Erfolge. Also wenn du drei Bücher geschrieben hast und du hast eine Marketingfrau, dann bist du mir schon meilenweit voraus. Ich habe beim ersten Buch mit dem handgemalten Cover schon schnell gemerkt, dass da irgendwas nicht richtig läuft. Dann kriegst du direkt auf 24 Stunden eine Antwort von der Agentur. Frag mal in der Autorenbubble rum, wem sowas passiert. Sowas passiert eigentlich nur, wenn da direkt das Angebot dranhängt für 10.000 Euro die Bücher.
Tamara
00:19:37
Auf die Pointe habe ich auch die ganze Zeit gewartet.
Amélie
00:19:41
Bleibe ich euch schuldig.
Vera
00:19:42
Ja, so und dann klöppelst du in vier Wochen mal eben so ein Buch rum. Also ich meine, dass das vielleicht eine Agentur dann nicht überzeugt, ist jetzt nicht so eine Überraschung. Meine liebe Amelie du bist überhaupt nicht gescheitert, und dann die Frage hat man Werkzeug also ganz ehrlich ich habe jetzt gerade den ziemlich frustrierenden Eindruck dass ich im Vergleich zu dir wesentlich schlimmer und mehr gescheitert bin und ganz ehrlich Es gab Zeiten, wo dieses Scheitern so prägnant war, dass es echt schwer war, noch irgendwo einen Lichtblick zu sehen, weil ich mir so oft eine blutige Nase bei denen geholt habe, wo ich zumindest meine Erwartungen nicht erreicht habe. Auch da muss man ja mal darüber reden, was ein Scheitern ja noch heißt. Und wo ich dachte, ihr habt überhaupt noch Hoffnung für mich, ich habe doch alles schon ausprobiert. Aber diesen Fall scheinst du nicht zu haben oder kommt das bei dir auch vor?
Amélie
00:20:52
Also natürlich hast du immer mal wieder auch Situationen, wo du das Gefühl hast, du weißt gar nicht mehr, wie du dir selber helfen kannst. Und das ist auch total legitim. Es gibt so einen Podcast, den ich auch sehr schön finde von Jay Shetty und der zitierte neulich eines seiner Lieblingszitate und sagte, Dinge, die noch nicht so sind, wie du sie gerne hättest, sind entweder gar nicht für dich bestimmt, noch nicht für dich bestimmt. Oder aber es wartet noch etwas viel Besseres auf dich.
Vera
00:21:22
Das ist schön, ja.
Amélie
00:21:25
Und da ja nicht alles nicht für mich bestimmt sein kann grundsätzlich, bin ich immer gerne dann auch bei Punkt 2 und 3 und denke mir auch so, ja, vielleicht war es noch nicht der richtige Zeitpunkt. Das heißt einfach nur, ich darf es nochmal probieren oder aber es kommt noch was Besseres. Und ich finde, wir sind, und das hast du eben auch schon super schön formuliert, Vera, wir sind so häufig mit unserer eigenen Erwartungshaltung, diejenigen, die uns am meisten im Weg stehen. Und Dieter Lange sagt das auch immer, was ist der Tod des Glücks? Erwartung. Und wenn wir da uns selber so ein bisschen mehr Luft lassen und vielleicht so ein bisschen erwartungsfreier oder offener an Situationen herantreten, dann haben wir natürlich auch ganz andere Chancen.
Tamara
00:22:09
Ich glaube, das ist aber vielleicht auch mehr. Also ich persönlich tue mich ein bisschen schwer mit so Aussagen, das ist für dich bestimmt oder nicht bestimmt. Stimmt, aber es bringt einen vielleicht an den Punkt zu sagen, okay, das hier funktioniert nicht, was gibt es denn noch für andere Wege, was letzten Endes aufs Gleiche rausläuft.
Amélie
00:22:28
Genau, ganz genau. Und da habe ich ja jetzt akut jetzt auch gerade so eine hübsche Situation gehabt und das hatte ich euch ja im Vorwege auch erzählt, dass ich von Nova MD so viele Bücher zurückgeschickt gekriegt habe. Und die sind natürlich alle nicht mehr taufrisch, die sind alle nicht mehr ganz neu. Die sind teilweise anderthalb oder auch zwei Jahre alt. Das heißt, wenn man da dann plötzlich wieder mit so einem großen Batzen an Büchern zu Hause steht, dann ist im ersten Moment so, okay, alles klar, muss ich jetzt umziehen und mir eine neue Wohnung besorgen? Oder wo tue ich das jetzt alles hin und was mache ich denn jetzt mit diesen alten Büchern? Und das hat Spaß gemacht tatsächlich. Also es ist mir zweimal passiert. Beim ersten Mal bin ich hinten übergefallen. Bin ich ganz ehrlich, das waren 320 Stück, die sie mir da zurückgeschickt haben. Das war quasi eine ganze Auflage, die sie erst nachgeordert und dann doch nicht mehr verkaufen wollten. Und da habe ich echt tief durchgeatmet, weil ich nur gedacht habe, um Gottes willen, was machst du denn damit jetzt? Und mit denen habe ich tatsächlich dann was gemacht, dass ich sie nicht verschlimmbessert, sondern verschönert habe. Ich habe dann einen Farbschnitt drauf machen lassen und plötzlich war das Buch wieder in aller Munde und verkauft es sich auf Messen ganz hervorragend und auch die Auflagengröße brauchte mir dann keine Angst mehr zu machen, sondern es arbeitet sich jetzt ab. Und als es dieses Mal der Fall war, hätte das nicht genau so gepasst, weil ich einfach verschiedene Bücher in kleineren Mengen zurückgeschickt gekriegt habe. Die kleinste Menge waren nur 16 Bücher, die größte Menge 150. Da kannst du denn so einen Farbschnitt, könntest du rein theoretisch auch machen natürlich, aber das ist einfach, das rechnet sich dann nicht mehr. Das ist nicht mehr wirtschaftlich.
Tamara
00:24:00
Wo hast du das machen lassen?
Amélie
00:24:02
Bei Bookstyler habe ich die machen lassen.
Tamara
00:24:04
Also hingeschickt und die haben das dann bedruckt und dir zurückgeschickt.
Amélie
00:24:08
Genau, die haben tatsächlich das fertige Buch nochmal in die Hand genommen und haben das dann erst mit Farbschnitt versehen. Das ist nicht im ersten Anlauf von der Druckerei gemacht worden.
Tamara
00:24:16
Okay, okay. Und das lohnt sich nur bei größeren Mengen bei denen?
Amélie
00:24:20
Also sie machen es sowieso erst ab 300, wenn mich nicht alles täuscht. Lass mich nichts Falsches jetzt sagen. Aber ja, ich glaube, dass die Mindestgrenze bei 300 Büchern lag. Und dann brauchen die immer noch so ein, zwei Bücher zum Spielen sozusagen, um China einzustellen und dass das dann auch alles passt und klappt. Aber so, da geht das ungefähr los und alles andere ist für die nicht wirtschaftlich und für mich nicht wirtschaftlich oder für keinen Autoren wirtschaftlich, weil du dann ja immer die Druckeinrichtung hast und du musst überhaupt erstmal einen Farbschnitt machen lassen und dann musst du die Bücher hin und her schicken und das zweimal und wenn du das dann alles hochrechnest, dann wird es irgendwann nicht mehr so lustig. Aber so ab einer gewissen Auflage lohnt sich das und dann kann man das gut machen und eben auch gut machen, um ein älteres Buch aufzuwerten und dann nochmal wieder tatsächlich attraktiv und verkäuflich zu machen.
Tamara
00:25:04
Jetzt ganz praktisch, wenn ich kurz dazwischenfragen darf. Also du hast ja da ein Buch mit einer ESPN und dann bekommt das einen Farbschnitt. Ich nehme an, die ganzen Kosten eben mit dem Hin- und Herschicken, mit dem Draufdrucken, die willst du ja auch irgendwie reinbekommen. Hast du dann eine andere ESPN und einen höheren Preis angesetzt oder war das mit einkalkuliert für den Selbpreis oder wie hat das funktioniert?
Amélie
00:25:30
Also da ich selber ja im Auflagendruck drucken lasse und weiß, was mein Buch am Anfang gekostet hat. Und dieses Buch, wie gesagt, schon über zwei Jahre alt war. Das heißt, das hat schon zwei Preiserhöhungen im Handel erfahren. Einfach weil ja mittlerweile Bücher zu bestimmten Preisen gar nicht mehr verkauft werden können, beziehungsweise weil halt heutzutage Papier teurer ist und so weiter und so weiter. Das heißt, das Buch, da muss ich ganz ehrlich sagen, hatte ich ein bisschen Marge.
Tamara
00:25:52
Okay.
Amélie
00:25:53
Und natürlich haben sich die Kosten vom Buch, also jetzt vom Farbschnitt und so, nicht komplett neu gerechnet. Aber um deine Eingangsfrage zu beantworten, ja, es ist immer noch die gleiche ISBN. Und das Buch hat jetzt eben einfach einen Farbschnitt.
Tamara
00:26:06
Okay, okay.
Vera
00:26:08
Ja gut, also ich meine, wenn du es selbst auf Messen verkaufst, kriegst du wahrscheinlich noch was. Wenn du es jetzt als Barsortiment liefern müsstest, dann hätte es ein Problem.
Tamara
00:26:15
Ja, ja, ich dachte nur, weil, also wenn sie den Preis erhöht und das gleichzeitig vielleicht noch irgendwo existiert, aber du bist auch nur bei Nova MD. Genau, okay.
Vera
00:26:24
Ja gut, aber Nova MD, also da müsste ja Nova MD das dann eintragen und kommt das in die gelbe Liste des VEB. Und Buchhändler, die das dann auf Lager haben, schickst du dir zurück. Das zieht dann schon noch 27.80.
Amélie
00:26:39
Die zwölf Stück, die die noch haben, haben, glaube ich, auch noch keinen Farbschnitt, von daher.
Vera
00:26:42
Ja, ja, gut. Aber wie gesagt, solange du die nur selbst quasi auf Messen verkaufst, spielt das ja eigentlich keine große Rolle.
Amélie
00:26:49
Genau.
Vera
00:26:50
Ja, aber ich wachte immer noch auf die große Scheitergeschichte, ehrlich gesagt. Das große Scheitern.
Tamara
00:26:58
Vielleicht müssen wir, Vera, vielleicht müssen wir aber auch deine Erwartung dahingehend mal etwas gerade rücken, weil ich glaube, das war jetzt einfach ein schönes Beispiel für Oh Mist, hier ist was blöd gelaufen, ich kann jetzt den Kopf in den Sand stecken oder kreativ werden und was draus machen.
Vera
00:27:13
Ja, das spricht ja eigentlich dafür, für den Umgang, den du hast, dass ich aus deinem Scheitern, ich meine, wenn mir jetzt irgendwie 320 Bücher plötzlich vor die Tür gestellt werden, ja, das würde im kurzen Moment schon an Scheitern denken lassen, da gebe ich dir vollkommen recht. Aber dass das so im Hintergrund getreten ist, das spricht dann schon für dich, Amelie. Und ich wollte aber auch das Thema Erfahrungen noch so ein bisschen eingehen. Das ist so ein Thema, mit dem ich gerade so in der letzten Zeit oder im letzten Jahr sehr gerungen habe, weil ich wirklich auch vor dem Thema stand, was mache ich denn jetzt? Ich bin jetzt, wie du ja auch schon sagst, relativ lang dabei. Deine Scheitererfahrungen wären Erfolge für mich, die ich aber gar nicht erlebt habe. Und da bleibt dann wirklich die Frage, so ist da noch ein Lichtblick. Wie gehe ich denn um mit diesen Erfahrungen? Habe ich, wie du das ja vorhin auch gesagt hast, ist das, was ich eigentlich wollte, ist das vielleicht nicht meins? Weder noch nicht, sondern vielleicht überhaupt nicht. Muss ich ganz anders denken. Und die Frage ist ja immer, wie kriege ich raus, was ist denn meins? Wo macht es Sinn, nochmal darauf zuzurennen? Und wo besteht nicht das große Risiko, sich zum hundertsten Mal eine blutige Nase zu holen? Wie gehst du denn damit um? Wie kriegst du denn raus, was jetzt Sinn macht?
Amélie
00:28:37
Das sagt dir eigentlich am besten dein Bauch. Also ich kann es dir nicht sagen, sondern es muss dir tatsächlich dein Bauch sagen. Denn wenn du für eine Idee brennst und du hast etwas, was du wirklich nach außen tragen möchtest mit Leidenschaft, dann wird sich auch ein Weg finden, das richtige Publikum dafür zu finden. Denn es ist ja immer nur, und da sind wir wieder bei der Definition von Erfolg. Was ist Erfolg? Ist Erfolg jetzt, ich habe möglichst viele Bücher verkauft als Autor. Okay, dann haben wir natürlich verschiedene Stellschrauben, an denen wir schrauben können. Wir können schauen, wie präsentierst du dich nach außen, wie gut ist dein Marketing, wie gut ist deine Zielgruppenerreichung, wie gut ist deine Umsetzung von deinem Thema für die Zielgruppe und so weiter und so weiter und so weiter. Da haben wir ganz viele Stellschrauben, an denen wir drehen können. Nehmen wir an, du möchtest, keine Ahnung, wir machen mal was ganz anderes an Thema, du möchtest irgendwie auswandern oder möchtest nochmal irgendwo neu anfangen und hast das bis jetzt nicht hinbekommen. Ja, dann müssen wir uns mal fragen, wie groß ist denn die Motivation eigentlich wirklich? Brennst du wirklich für dieses Thema? Willst du das wirklich? Oder aber schlummert da vielleicht noch was ganz anderes in dir, was du dich nicht traust oder was du dir nicht zugestehst oder nicht gönnst, warum ist dieser Traum noch nicht verwirklicht? Und auch da gibt es wieder Dutzende und diverse Gründe. Ich kenne Menschen, die haben ihr erstes Buch bis heute nicht rausgebracht und die schreiben da seit 25 Jahren dran. Warum haben sie es noch nicht rausgebracht? Weil so viele andere Träume und Karriereschritte und so weiter vorher schon mal nicht geklappt haben. Und wenn ich jetzt auch noch diesen letzten Traum vermassele, was kommt denn danach? Und da kann ich immer nur sagen, hey, hör auf, darüber nachzudenken, ob du es verwasseln könntest. Was wäre denn, wenn es klappt? Und was wäre denn, wenn genau dieses zu überwinden nachher dazu führt, dass? Und vielleicht ist es nicht das Buch selbst, also wir bleiben jetzt mal wieder bei der Buchanalogie, vielleicht ist es gar nicht das Buch selbst, was das ist, was dann deinen Erfolg ausmacht hinterher, sondern vielleicht bewegst du mit diesem Buch etwas, dass du von den richtigen Menschen gehört wirst und hinterher als Speaker auf der Bühne landest oder aber deine eigene, keine Ahnung, ein Künstlerhaus gründest, in dem du genau diese Themen eben mit der Community weiter bewirken kannst. Oder, oder, oder. Und das entwickelt sich, weil du den Schritt trotzdem trotz aller Angst gegangen bist. Und das ist ja Mut. Mut ist immer den Schritt zu gehen, obwohl du Angst hast. Und in deinem Fall jetzt, wo du sagst, meine Misserfolge sind deine Erfolge, da kann ich ehrlich gesagt nur lachen, weil die Wahrnehmung habe ich überhaupt nicht. Alles, was ich von dir sehe, sieht großartig aus. Von daher wäre auch da wieder einfach Perspektivwechsel. Und du sagst es selber, wenn du dich mit anderen vergleichst, bitte um Gottes Willen, ich hört auf mit der Vergleicherei. Alle ihr da draußen, hört auf mit der Vergleicherei. Die einzige Person, mit der ihr euch vergleichen könnt und dürft, seid ihr selbst gestern, letzte Woche und letztes Jahr. Und wenn da in der Entwicklung, wenn ihr da raufschaut und ihr das Gefühl habt, hey, ich bin vorangekommen und sei es auch nur, ich habe das nächste Buch geschrieben. Hallo, wie viele Menschen kommen zu mir und wollen ein Buch schreiben und keiner hat es getan und keiner kriegt das hin, Vera, du hast Bücher geschrieben, du bist großartig. Und das ist doch der Punkt. Miss es doch an dir.
Vera
00:31:50
Ich versuche ja immer auf meinen Bauch zu hören und mein Bauch sagt mir ständig, ist Schokolade und das tut auch nicht gut.
Tamara
00:31:57
Aber das ist tatsächlich genau dieses auf den Bauch hören ist so ein Thema, was mir gerade durch den Kopf geht. Also wenn ich jetzt so zurückdenke an die letzten zwei Monate, da habe ich verschiedene Sachen ausprobiert, verschiedene Sachen mir vorgenommen, alles mit dem Ziel, mein Buch bekannter zu machen. Und es gab einige Dinge, Die habe ich sofort gemacht, die haben auch super geklappt und es gab einige Dinge, da musste ich mich überwinden, habe es vielleicht teilweise auch gar nicht geschafft, mich zu überwinden, war aber davon überzeugt, das gehört dazu, das muss man machen. Und da schwank ich so zwischen dem Gefühl zu sagen, ja, aber wenn sich irgendwas so in mir sperrt, vielleicht ist das gerade gar nicht mein Weg und dann kommt aber wieder die andere Stimme, die sagt, ja, oder gibst du einfach nur auf, weil es gerade anstrengend ist. Also da für sich rauszufinden, was sollte ich pushen, was lohnt es sich einfach, wie du eben auch gesagt hast, trotzdem zu machen und wo merke ich da blockiert vielleicht aus gutem Grund was und ich habe einfach nur das Gefühl, so muss man das machen. Wie findet man sowas raus?
Vera
00:33:16
Da muss ich jetzt mal schnell einhaken. Eine, die gefunden hat, wie man es macht, ist nämlich eine Autorin, die einen Buchtipp bei uns gebucht hat und der kommt jetzt. Wir haben heute wieder einen Buchtipp für euch. Ihr wisst ja, dass wir gerne auch dein Buch bei uns vorstellen. Schicke einfach ein E-Mail an alle-2-von-der-talk-stelle.de und wir schicken dir alle Infos. Liebe Tamara, was haben wir denn heute als Tipp?
Tamara
00:33:48
Heute haben wir was, Vera, das wird dir gefallen. Das wird dich nämlich an eine deiner Lieblingsserien erinnern. Aber du weißt ja, erstmal erzähle ich dir ein bisschen was über das Cover. Und das ist ganz in frühlingshaften Grün- und Gelbtönen mit ein paar rosafarbenen Blüten gehalten. Und wir sehen hier Silhouetten. Der Titel steht in der Mitte, den verrate ich dir gleich. Und ist von einer Art Blumenranke umgeben. Und auf dieser Blumenranke steht die Silhouette eines männlichen Engels. Unterhalb des Titels sehen wir ein kleines Dorf, einen Blumenladen und eine Frau, die eine Blume in der Hand hält. Ja, und mit dem Engel weißt du vielleicht schon ein bisschen, in welche Richtung es gehen könnte. Du hast die Serie zu Beginn unserer Podcast-Zeit gesuchtet ohne Ende und fandest den Hauptdarsteller unfassbar schön. Ziffer. Genau, ich denke an Luziffer. Der Titel ist nämlich »Ein teuflisch netter Engel« und stammt aus der Feder von der wunderbaren Autorin Dana Graham.
Vera
00:34:57
Und ist das auch so ein teuflischer, wobei das war ja wirklich ein Teufel, aber ist das auch so ein teuflischer, gutaussehender Engel, wie ich den jetzt so gerade vor Augen habe?
Tamara
00:35:05
Es klingt so, ich lese dir jetzt erstmal den Klappentext vor. Also, Todesengel küsst man nicht oder doch? Die Suche nach zwei auf Erden verschwundenen Seelen klingt für Engel Tamael wie ein Routineauftrag. Doch kaum angekommen, verliert er seine Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen und wird von einer jungen Frau entdeckt. Floristin Jana weiß nicht, wo ihr der Kopf steht. Mit der Eröffnung ihres Blumenladens und einem unzuverlässigen Angestellten hat sie keinen Nerv für den überheblichen gestrandeten Engel, der bei ihr einziehen möchte und nicht einmal weiß, wie man eine Dusche bedient. Dennoch gibt sie seinem Wunsch nach und sofort fliegen die Fetzen zwischen ihnen. Trotz aller Auseinandersetzungen merkt Jana bald, dass hinter Tamales kühler Fassade mehr steckt als angenommen. Wiedererwarten entwickelt sie Gefühle für den Boten Luzifers und wünscht sich mehr als nur eine WG auf Zeit mit ihnen. Aber darf man sich in einen Todesengel verlieben? Eine magische Wholesome Romance zwischen Himmel und Hölle.
Vera
00:36:13
Oh, das klingt auf jeden Fall spannend. Ich habe jetzt schon ein paar Bilder vor Hause hier.
Tamara
00:36:18
Ich habe bei diesem Stichwort und weiß nicht einmal, wie man eine Dusche benutzt, auch so ein bisschen an einen meiner Kino-Highlights aus dem letzten Jahr gedacht. An Good Fortune mit Keanu Reeves. Das war ein Engel, der dann, ich glaube...
Vera
00:36:32
Zufälligerweise gerade am Sonntag es trinkt.
Tamara
00:36:35
Ach echt? Dann hast du es noch ein bisschen aktiver in Erinnerung. Ich glaube, er ist ein Mensch geworden. War das richtig? Auf jeden Fall fand ich ihn unglaublich goldig, wie er so tollpatschig durch diese Welt getappt ist. Und genau, so ein bisschen zwischen diesem wunderbaren Film und Lucifer habe ich das Gefühl. Auf jeden Fall finde ich es super ansprechend. Das klingt unheimlich interessant. Und ja, so eine urban romantic fantasy, das wäre doch was für dich, Vera.
Vera
00:37:04
Ja, doch, auf jeden Fall. Wobei ich mich jetzt die ganze Zeit frage, wenn du mit dem Flügel unter der Dusche bist, wie lange musst du da füllen?
Tamara
00:37:11
Wahrscheinlich so ähnlich lang wie ich mit meinen Haaren.
Vera
00:37:16
Also, es sind exzentielle Fragen, die das Werk aufwirft Auf jeden Fall sehr reizvoll Sag doch mal den Titel Jawohl.
Tamara
00:37:26
Das ist das Buch Ein teuflisch netter Engel Ganz frisch erschienen von Dana Graham Und was sie schreibt, ist ja sowieso wunderbar Ja.
Vera
00:37:33
Also, schaut mal rein und habt Spaß, So, also wir wünschen der Autorin viel Erfolg. Sie hat schon mal einen Schritt gemacht Richtung Erfolg. Ja, Amelie, was antwortest du Tamara? Was kann sie tun?
Amélie
00:37:51
Tamara darf einfach genauso weitermachen, wie sie es bis jetzt gemacht hat. Sie darf weiter probieren und sie darf weiter dranbleiben an dem Gefühl. Und ich finde es gut und richtig, dass du dich auch selber hinterfragst, wenn du merkst, oh, das wird jetzt schwierig. Warum wird es schwierig? Ist das mein innerer Widerstand oder ist es wirklich, dass es nicht sein soll? weil das tun nämlich ganz viele Leute schon mal nicht. Die bleiben dann bei der kleinsten Hürde stehen, bewundern die Hürde, freuen sich über die Hürde, freuen sich über das Problem, gehen mir weg mit einer Lösung, ist schließlich mein Problem, sang schon Alain Duzian, und meinte damit natürlich, ich mag mein Problem und ich möchte gerne weiter über mein Problem sprechen, aber bitte, bitte komm mir nicht mit einer Lösung, weil da müsste ich mich vielleicht bewegen und verändern und überhaupt. Nichtsdestotrotz kannst du dir selber eine Messlatte setzen sozusagen Und du kannst für jeden Versuch, den du machst und alles, was du ausprobierst, immer dir selber auch eine kleine Zielsetzung dazugeben und sagen, ich mache das bis dahin. Und wenn es sich dann immer noch schwer anfühlt und immer noch schwierig ist und immer noch nicht läuft, dann nehme ich es nochmal zurück. Nicht, ich mache es dann nie wieder, sondern ich nehme es nur nochmal zurück, um dann zu schauen, was will sich daraus ergeben. Weil auch wieder ein Lernschritt, vielleicht hast du dann schon wieder eine neue Schraube gefunden, wo du sagst, ah, guck mal hier, dann kann ich es vielleicht nochmal so und so probieren. Und auf die Art und Weise tastet man sich daran. Und etwas, was heute funktioniert, kann sein, dass es morgen schon wieder nicht mehr funktioniert. Und etwas, was gestern funktioniert hat, kann auch sein, dass es heute schon wieder nicht mehr funktioniert. Wir sind ja auch nur Menschen. Unsere Umwelt verändert sich permanent und wir müssen uns ständig und andauernd anpassen. und wir dürfen da tatsächlich flexibel bleiben und das ist anstrengend und das weiß ich und ganz vielen Leuten ist es tatsächlich auch zu anstrengend und die, wie sage ich es. Nehmen dann hin, dass sie lieber den Schmerz ertragen, in dem Bekannten zu bleiben, als den Schmerz ertragen, weiterzugehen. Wehtun wird es auf jeden Fall, das garantiere ich dir, so oder so. Kannst du dir immer nur aussuchen, welchen Schmerz du dir aussuchst. Es ist schmerzhaft, selbstständig zu sein. Es ist genauso schmerzhaft, einen ätzenden Chef zu haben. Es ist schmerzhaft, Bücher zu schreiben. Es ist vielleicht noch schmerzhafter, in meinem Fall auf jeden Fall, nicht zu schreiben. Es ist schmerzhaft, irgendwie Geld in die Hand nehmen zu müssen für Werbung. Es ist auch schmerzhaft, keine Werbung zu machen, such dir deinen schmerzhaft aus. Wehtun tut es auf jeden Fall, ist nur die Frage, welchen Schmerz du wählst.
Vera
00:40:11
Ist das wirklich so? Ich habe bisher immer das Empfinden, dass die Dinge, die irgendwie zumindest so im Rückblick gut gelaufen sind, dass die mir, dass ich die nie als Last empfunden habe.
Amélie
00:40:24
Das Lustige ist ja auch, dass häufig die Dinge, die wirklich gut funktionieren und wirklich funktionieren sollen, überhaupt nicht geplant waren, sondern uns zufällig zu fallen.
Vera
00:40:32
Zum Beispiel, ja. Und das ist auch immer, ich versuche immer da so ein bisschen das zu beurteilen. Also wenn etwas so richtig schwerfällt, ist das dann nicht ein Zeichen, dass es vielleicht das Falsche ist?
Amélie
00:40:48
Da sind wir wieder bei Beurteilen. Das kannst letztendlich nur du für dich beantworten, wenn es wirklich schwerfällt. Was ist denn wirklich Schwerfallen? Ich meine, ist es schon Schwerfallen, wenn ich irgendwie... 10 Kilometer bis zur Bushaltestelle laufen muss, bevor ich in die Schule fahren kann? Oder ist es schwer erst bei 20 Kilometern? Oder wo ist es denn schwer? Andere würden sagen, um Gottes Willen, 10 Kilometer kannst du auch nicht bis zum Bus laufen müssen. Das ist doch furchtbar, geht gar nicht. Dann musst du zu Hause bleiben.
Vera
00:41:16
Aber es ist ja ein subjektives Empfinden.
Amélie
00:41:18
Genau.
Vera
00:41:19
Jemand, der in sich oder wie du das vorhin gesagt hast, in deinem Bauch spürt, 10 Kilometer laufen, das ist ein tolles Abenteuer, der wird das mit Freude angehen, der wird das nicht als schwer empfinden. Jemand, der zwar irgendwie von außen mitbekommen hat, 10 Kilometer laufen, wäre toll, aber das ist eigentlich gar nicht sein Ding, für den wird das eine Qual sein. Also ist dieses Empfinden, ob es ein großes Hindernis ist, eine Last ist, doch ein Gradmesser nach dir, ob das etwas ist, was ich wirklich will oder nicht.
Amélie
00:41:51
Du musst dann nur dazustellen und du musst dich dann auch fragen, wozu? Wozu willst du dieses Ziel erreichen bzw. wozu lässt du gerade die Ausrede oder die Hürde dir im Weg stehen? Meiner persönlichen Erfahrung als individualpsychologischer Coach ist, dass ganz häufig haben wir Hürden geschaffen oder sehen wir Hürden an Stellen, die jemand anders gar nicht sieht. Weil mein Wozu zum Beispiel ist, dass ich ja lieber über das Problem spreche oder lieber auf der Couch sitzen bleibe, weil ja eventuell könnte ich erfolgreich werden. und um Gottes Willen, was mache ich dann? Dann löst sich vielleicht mein Freundeskreis auf und ich müsste mir neue Freunde suchen oder ich muss womöglich umziehen. Das ist mir alles viel zu stressig. Die Menschen boykottieren sich ja selber ganz häufig in ihrem Erfolgsprozess und auch in ihrem Erfolgsempfinden. Und wenn du sagst von wegen, das fühlt sich jetzt schwer an und das sollte ich vielleicht besser lassen. Ja, im ersten Moment würde ich dir sofort zustimmen und sagen, ja, auf jeden Fall. Das darf sich auch mal leicht anfühlen. Das darf auch mal leicht gehen. Aber gib es nur aus den richtigen Gründen auf.
Vera
00:43:01
Ja, aber wenn doch, um in deinem Beispiel zu bleiben, wenn so eine Person so, ich sag mal, Angst davor hat, erfolgreich zu werden, ja, dann ist es doch nicht das Richtige für sie. Warum soll sie sich denn dann anstrengen?
Amélie
00:43:12
Richtig. Wenn sie aber nach außen und sich selber immer noch einreden möchte, dass sie eigentlich erfolgreich sein will und eigentlich gesehen werden möchte und eigentlich auf die große Bühne will. Inneres dagegen immer sie boykottiert und rebelliert, weil sie nämlich genau dieses zweite Fenster in sich nicht anschaut, aus welchen Gründen auch immer. Und ganz häufig ist das schwer, da alleine hinterzukommen, muss ich auch ganz ehrlich sagen. Da ist es gut, wenn man eine gute Freundin oder einen guten Freund hat oder jemanden, mit dem man darüber sprechen kann und von mir aus auch eine professionelle Person, die man da hinzuzieht. Wenn man merkt, dass man an einem Punkt steht, wo man das Gefühl hat, ich kann nicht weiter, da blockiert mich immer alles. Die Umstände sind immer gegen mich, dann ist es wirklich interessant, mal hinzuschauen, was passiert da. Denn viele Dinge, und ich will nicht sagen, dass es nicht auch viel Mist in der Welt gibt und viele Sachen, die echt blöd laufen und so, aber viele Dinge nehmen wir uns selbst als Chance. Und das ist nur meine Einladung, da gut hinzuschauen und da auch auf sich selbst zu hören und mal reinzuspüren, wenn ich so einen Widerstand habe von geht nicht, passt nicht, klappt nicht, wieso eigentlich nicht, will ich das in der Form wirklich oder möchte ich das vielleicht auch anders oder wünsche ich es mir auch anders und gestehe es mir aber nicht zu und deswegen versuche ich es immer noch und der Versuch ist natürlich haarig und schwierig und ganz sicher auch mit extrem großen Widerständen behaftet. Und da einfach sensibel hinzuspüren in dich selber und dein Bauchgefühl zu hinterfragen, ich glaube, das ist einfach die Einladung, die ich da aussprechen möchte.
Tamara
00:44:44
Ich glaube, es ist halt auch super komplex. also, Wenn ich jetzt jemanden habe, die will vielleicht wirklich auf die große Bühne, aber keine Ahnung, ich packe jetzt mal die Hobbypsychologin, Schrägstrich Autorin aus, sie hat vielleicht eine Mutter, die immer zu ihr gesagt hat, du stellst nichts dar, so wie du da stehst und dann einfach die Angst, das dann wieder zu hören oder so, keine Ahnung. Dann ist ja nicht der Wunsch, auf die Bühne zu gehen, das Problem, sondern das Problem liegt ja da ganz woanders. Aber das kann man ja über Jahrzehnte so verdrängt haben, bis man da erstmal drauf kommt.
Amélie
00:45:23
Exakt, absolut. Und wir sind ja alle so, dass wir natürlich einen blinden Fleck haben, den wir auch nicht erkennen können und schon gar nicht alleine erkennen können und vielleicht kann ihn auch sonst niemand erkennen, weil wir ihn einfach wirklich gut getarnt haben. Da sind wir alle Magier drin. Nur es ist immer wieder die Einladung an dich selbst, so ehrlich wie möglich mit dir zu sein und so offen wie möglich mit dir zu sein und auch diese Blockaden wirklich anzuschauen und, ein Stück weit zu akzeptieren, denn sie gehören auch zu uns. Ich habe auch innere Blockaden und ich habe auch Hürden und ich habe auch Sachen, die mir nach 50 Jahren immer noch peinlich sind und die ich immer noch nicht witzig finde, wenn sie geschehen. Aber wie ich vorhin sagte, so im Laufe der Jahre habe ich mich zumindest mit mir so weit arrangiert und weiterentwickelt, dass ich sage, okay, komm, kannst jetzt mal eben fünf Minuten, darfst du heulen und danach aber wieder, abklopfen, weiterlaufen. Das ist das, wie ich mit mir umgehe. Das ist vielleicht auch nicht passend für jeden. Darum geht es überhaupt nicht. Ich bin ja nicht das Maß aller Dinge, sondern es ist einfach nur etwas, was ich gelernt habe. Wenn ich merke, dass Dinge nicht funktionieren, wie ich sie mir wünsche und dass ich irgendwie mehr Widerstand kriege als alles andere, dann behalte ich das im Augenwinkel. Ich versuche mich nicht sofort in die Beurteilung drüber zu bewegen und zu sagen, das will nicht sein, weil das ist dann doof oder die sind doof oder das, soll nicht für mich sein, ist nicht für mich oder was auch immer, sondern ich versuche, das im Augenwinkel, so ein bisschen in der peripheren Sicht zu behalten und mich erstmal wieder auf was anderes zu konzentrieren, um zu gucken, was passiert mit dem Problem oder mit der kleinen Hürde, wenn ich den Fokus mal ein Stück wegnehme. Und ich nenne euch ein Beispiel. Ich habe gerade versucht, mich für eine Messe anzumelden und aus irgendeinem Grund, und die Messe ist mir wirklich wichtig, das ist die Messe für mich dieses Jahr, das ist die wichtigste Messe, die ich dieses Jahr machen will und ich habe den Einschreibetermin verpasst.
Tamara
00:47:19
Oh.
Amélie
00:47:20
Dann habe ich im ersten Moment gedacht, so alter Verwalter, wie konnte denn das passieren, du? Welch Geisteskind bist du eigentlich? Wie ernst nimmst du dich eigentlich? Und dann bin ich einen Schritt zurückgetreten, peripheres Sehen, schön so ein bisschen aus dem Sichtfeld geschoben, das ganze Problem. Und habe gedacht, so jetzt warte mal ganz kurz, was kannst du machen? Dann habe ich den Support angeschrieben von der Messe. Ja, gar kein Problem, wir können da und überhaupt und lass uns sprechen, wir rufen dich an. Okay, kam kein Anruf. kam dann auch die nächste Woche, keine Ahnung, bin ich dann nochmal hingeschrieben. Ich sage, wie wäre es denn? Wollten wir nicht nochmal sprechen? Weil es ging um den Frühbucher-Termin, den ich verpasst habe und den endgültigen Einschreibetermin, der jetzt sehr kurzfristig gerade kam. Ja, ja, wir wollen sprechen. Auf jeden Fall. Wir melden uns. Mhm, passierte wieder nicht. Ich habe das immer noch im peripheren Sehen gehabt. Ich war innerlich so, dass ich mich so weit von dem Wunsch, auf diese Messe zu gehen, distanziert hatte, dass ich gesagt habe, wenn es nicht sein soll, soll es nicht sein. Jetzt hast du aber alles getan dafür. Du hast nochmal den Dialog angestoßen. Wenn das jetzt auch wirklich nicht sein soll und scheitert, dann okay. Und dann kriegte ich den Anruf. Zwei Tage vor Toreschluss, mega nettes Gespräch, total klasse. Ja, überhaupt gar kein Problem, kommen mir auch entgegen und Frühbucherrabatt kann ich doch noch kriegen und überhaupt kein Ding. Alles gut, nur einfach schnell die Unterlagen einreichen. So, Unterlagen eingereicht, Haken dran, fertig. Das ist das, was ich meine. In dem Moment, wo ich mich darauf versteift hätte zu sagen, oh nein, um Gottes Willen, jetzt habe ich den Termin verschlafen, wem auch immer ich dafür die Schuld gebe, jetzt geht das nicht mehr und es soll nicht für mich sein, hinzu, ich kann ja nochmal nachfragen, ich muss eventuell akzeptieren, dass ich es verpennt habe, okay, aber Fragen kosten nichts, lass mal offen bleiben. Und diese Offenheit, diese Durchlässigkeit, dieses aha, interessant, möchte ich da nochmal Energie nachschieben, ja, kann ich noch ein bisschen, kann ich, ohne dass es weh tut, wieder rausgehen, wieder rein spüren, wie ist es denn gerade so, aha, hat sich wieder was bewegt, sehr schön, das ist so ein Wechselspiel, in dem, Ich mich bewege und ich glaube, sich letztendlich jeder Mensch bewegt, wenn er irgendwas ausprobiert. Und wir sind häufig einfach nur zu schnell dabei, uns zu beurteilen und uns zu verurteilen und uns dann schon wieder zu kasteinen und auf die Finger zu hauen, anstatt einfach zu sagen, hey, interessant, lass doch mal gucken, was noch geht.
Vera
00:49:37
Also ich bin voll bei dir bei der Aussage, dass aus meinem Empfinden heraus die meisten Menschen eigentlich hinter ihrem Potenzial bleiben und viel zu oft sagen, ich kann das nicht. Mein übliches Beispiel ist, wenn man über Singen redet. Jeder sagt eigentlich gar nicht Singen, was für ein Blödsinn ist. Wenn man halt auch da jetzt, was Schulbildung dann auch eingeredet bekommt und und und.
Amélie
00:50:01
Oh ja.
Vera
00:50:02
Also viele dieser Dinge sind ja eigentlich, oder anders gesagt, das Entscheidende bei Zielen ist ja auch immer nachzuspüren, ist das etwas, was eigentlich von außen aufdruiert ist oder etwas, was aufs Meer kommt. Bestes Beispiel ist ja immer, wenn man mal so Deutschland sucht den Superstar geguckt hat, wenn da irgendeiner vor sich hinkrächzt und von Dieter Bohl fertig gemacht wird, wo ich immer denke, hilft denn diesen armen Menschen? Haben die niemanden zu Hause, der denen sagt, ihr könnt nicht singen oder übt nochmal oder so? Wie können die das machen und so blind sein und sich bis ins Fernsehen trauen und vom Star rumträumen? Das glaube ich, das ist sehr viel von außen, weil sie halt irgendwelche Vorbilder haben auf TikTok oder sonst wo und denken, das ist das ideale Leben, das muss ich anvisieren. Und da fehlt dann so dieses Gefühl dafür, was eigentlich mein eigener Weg ist. Jetzt ist aber doch in dem Bereich, wo wir sind, oder ich rede jetzt mal von mir, wo ich bin. Und es wird sich in den letzten 296 Folgen des Podcasts schon rumgesprochen haben, dass ich durchaus einen gewissen Drang in die Öffentlichkeit habe und auch gerne auf Bühnen auftrete, also gerne gesehen werde. Und ja, ich will immer noch in die NDR Talkshow. Und da sagt mein Bauch mir auch bis heute noch nicht, dass das das falsche Ziel ist. Es könnte aber sein, dass ich das mein Leben lang nicht schaffe. Und dann ist natürlich gerade, wenn so ein Ziel ja mehr so extrinsisch modelliert ist, also wenn es auf dem Zuspruch von anderen ist, da ist die Grenze ja sehr fließend. Auch wenn mir diese Beachtung von außen durchaus ein gutes Gefühl gibt, ist so die Grad, wann tut es mir noch gut und wann nicht, sehr schwierig zu finden. Ich glaube, ich habe ihn bis heute nicht gefunden. Das schwankt eher einmal so. Ja, ist es denn jetzt, wenn ich in absehbarer Zeit nicht in der Talkshow komme, ist das dann ein großes Scheitern oder war es einfach nicht mein Ziel?
Amélie
00:52:17
Ist es das? Und die Frage muss ich direkt zurückgehen, weil die kann ja nicht ich beantworten, es ist ja dein Wunsch. Und das, was ich mit solchen großen Plänen, Träumen und Zielen mir mittlerweile eben auch einfach gestatte, ist diese Flexibilität von, ja, das hätte ich gerne. Ich hätte auch gerne einen Spiegel-Bestseller. Und ja, da gibt es noch ein paar Titel, die würde ich wahnsinnig toll finden in meiner Vita. Nur auch da wieder eine kleine Anekdote. Ich habe 15 Jahre lang darauf hingearbeitet, um endlich Marketingleiterin eines Unternehmens sein zu dürfen. Dann hatte ich die Visitenkarte mit dem Titel drauf. Und ich kann euch sagen, ich habe selten in meinem Leben einen so dummen Job gemacht. Also das hatte ganz viele Faktoren, die da einfach überhaupt nicht gingen in dem Zusammenhang. Aber ich habe am Ende nach einem Jahr gesagt, vielen Dank und auf Wiederhören. Ich nicht mehr und dann auch nicht mehr angestellt hinterher. Aber das war wirklich so der Schlusspunkt für mich, den ich offensichtlich erreichen und haben musste, an Scheitern in dem Fall karrieretechnisch, um festzustellen, ich bin nicht geeignet für ein Angestelltenverhältnis. Ich bin keine Geborene angestellt, es funktioniert einfach nicht. Aber ich habe es jetzt wirklich bis zu dem höchsten Punkt, den ich für mich erreichen wollte, durchlitten und kann mit Überzeugung sagen, schönen Dank, nie wieder. Jetzt kannst du dich fragen, okay, sind das dann 15 verschwendete Jahre gewesen und war der ganze Kampf dahin und die zusätzlichen Studien und Ausbildung und alles so nebenbei gemacht habe, um da hinzukommen. War das alles für die Katz? Nee, natürlich nicht.
Vera
00:53:46
Es war nicht für die Katz, aber es war ja offensichtlich nicht dein Weg. Also du hättest die 15 Jahre vielleicht sinnvoller woanders verbringen können.
Amélie
00:53:54
Ich hätte sie mit Sicherheit sinnvoll auch woanders verbringen können, aber ich könnte heute zum Beispiel auch nur halb so sinnvoll über Scheitern sprechen und über viele Dinge im Bürokontext und mit meinen Firmenkunden sprechen, wenn ich das nicht auch erlebt hätte. Wenn ich nicht aus erster Hand wüsste, wovon sie sprechen. Und das ist ganz spannend, wenn man sich Lebensläufe betrachtet, die verstehst du ja nie vorwärts. Die verstehst du ja immer erst rückblickend. Und wenn wir uns ein bisschen mehr Offenheit für Möglichkeiten gestatten, so nach dem Motto, ja, es ist eine Möglichkeit, dass ich die NDR Talkshow erreiche, es ist aber auch eine Möglichkeit, dass ich sie nicht erreiche. Und jetzt ist doch nur die Frage, wie viel Emotionen und wie viel Herzwunsch hänge ich da dran und wie viel meines persönlichen Glückes hänge ich an diesem Wunsch, dann könnte ich es zum Scheitern erheben, wenn es nicht klappt und dann könnte ich es vielleicht auch zur absoluten Lebenskrise erheben, Oder ich könnte einfach sagen, oh naja, ich war nicht im NDR, aber dafür habe ich im Hummer gesessen und keine Ahnung, wo du dann vielleicht als nächstes noch gesprochen hast.
Vera
00:54:57
Also ich komme jetzt bei Wetten, dass, bei der Kaunitz, Zwingling auf die Couch, das geht auch.
Tamara
00:55:03
Das habe ich eben gedacht, du kannst zu Wetten, dass gehen mit. Niemand hat öfter in einem Podcast gesagt, dass sie in die NDR Talkschau gehen.
Vera
00:55:14
Genau.
Tamara
00:55:17
Aber was mir so die ganze Zeit durch den Kopf geht, ist, dass so dieser Impuls, wenn was blöd gelaufen ist, Da das Positive zu sehen, das ist, glaube ich, ein Muskel, den man erstmal finden und dann ausbilden muss, weil eben gerade deine Geschichte, 15 Jahre auf was zugearbeitet, was du dann scheiße fandest. Erster Impuls ist erstmal, ich habe 15 Jahre verschwendet. Aber da auch automatisch zu sagen, ja, aber was habe ich in diesen 15 Jahren gelernt, was kann ich daraus ziehen, das ist, glaube ich, eine Denkweise, die muss man sich sehr diszipliniert erstmal antrainieren.
Amélie
00:55:57
Hat wieder was mit liebevollem Loslassen zu tun. Das hat wieder was damit zu tun, möchte ich mit mir selber morgens im Spiegel klarkommen oder möchte ich gerne so eine verhämte Flappe dann irgendwann im Spiegel haben und dann lieber nicht mehr in den Spiegel gucken, sondern... Die Entscheidung ist ja eigentlich immer für mich, egal wo ihr seid, egal welche Fehler gemacht worden sind, die Entscheidung ist ja immer für mich. Und das geht mit Vergebung los. Nicht nur gegen andere, sondern immer auch für mich. Und wenn ich 15 Jahre gebraucht habe, um zu lernen, dass Angestelltenverhältnis nicht für mich ist, dann hättest du mich am nächsten Morgen auch nicht fragen dürfen, ob ich das jetzt gerade geil gefunden habe. Hätte ich dir damals auch gesagt, nee, mal so überhaupt nicht. Oder ein Jahr später, wo ich dann meinen Gründerzuschuss aufgebraucht hatte. In meinem völligen Wahn, Kunden werden schon von allein den Weg zu mir finden, weil die ersten drei hatten mich auch alleine gefunden. Ja, Pustekuchen. Schon gleich das erste Mal richtig schön wieder richtig reingerasselt in meine eigenen Erwartungshaltungen und Versagen, weil ich nicht das getan habe, was ich hätte tun sollen an der Stelle. War das ein Scheitern? Ja, natürlich war das ein verdammtes Scheitern, aber habe ich nichts daraus gelernt. Dann wäre es doof gewesen. Habe ich aber Gott sei Dank. Also weitermachen. Und dieses im Stolpern verharren und uns daran festhalten und dann nicht weiter wachsen, das ist glaube ich so der Fehler, den ich allen Menschen immer nur sagen kann, das ist Mist und den bitte ich euch zu vermeiden. Bleibt doch in dem Scheitern nicht hängen. Seid ihr gestorben dran, dann würden wir heute nicht sprechen, also ist das schon mal nicht der Fall, dann kann es doch gar nicht so schlimm gewesen sein. Es kann doch gar nicht so schlimm gewesen sein, dass du nicht was draus lernst und nicht irgendwie für die Zukunft etwas verändern kannst damit. Und sei es auch nur in deiner eigenen Haltung dir selbst gegenüber, wenn es mal wieder stolprig wird.
Vera
00:57:43
Also erstmal bin ich jetzt beruhigt, dass wir tatsächlich jetzt mal auch einen Fall des Scheiterns mehr oder weniger gemeinsam haben. Ich bin ja auch schon seit 35 Jahren selbstständig und ich weiß, ich hatte noch nicht mal einen Gründer-Zuschuss, weil das brauche ich doch nicht. Ich hatte einen Kunden und habe gedacht, jetzt geht es los. Später wusste ich echt nicht, wie ich die nächste Woche zu essen kaufe. Habe ich überstanden. Aber du hast vorhin was anderes gesagt, auf das ich nochmal zurückkommen wollte. Du hast das sehr richtig gesagt, dass man Lebensläufe immer nur Rückführer gut interpretiert. Und es ist ja sehr interessant, wenn man mit Menschen redet, die auch große Schicksalsschläge hinter sich haben, dass die mit einer gewissen Distanz sehr häufig sagen, dass dieser Schicksalsschlag richtig gut für sie war, dass der neue Türen geöffnet hat, an die sie vorher nicht gedacht haben. Und die auch Kräfte entwickelt haben, von denen wir nicht bewusst haben, dass wir sie hatten. Und das finde ich immer so markant, man ist ja häufig so in seinem Trott drin und es fällt einem ja auch oft schwer, sich etwas über den eigenen Erfahrungshorizont hinaus vorzustellen und überhaupt irgendwie ein Bild dafür zu entwickeln, was da auch anders sein könnte. Und das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt. Etwas, was ich versucht habe, mir zu erarbeiten, zu sagen, ja, manchmal weiß man eben nicht, was kommt. Manchmal muss man einfach nur Schritte machen. Und die Lebenserfahrung, ich habe ja jetzt ein paar mehr Jahre schon auf dem Punkt gehört, meine Lebenserfahrung ist, dass dann was kommt. Manchmal, wie du ja auch schon gesagt hast, etwas, wo du überhaupt nicht mitgerechnet hast, was völlig anders ist. Und ich bin gerade so in dem Modus, dass ich so Schritte mache in diesem Jahr, klar mit dem Autorinnen-Dasein, aber womöglich bin ich am Ende des Jahres auch völlig anderes. Keine Ahnung, wird sich zeigen. Aber wenn man halt nur so zu Hause bleibt und an seinen Scheitern denkt und an das, was alles nicht hat, dann kann auch nichts Neues passieren.
Tamara
00:59:56
Aber ich glaube, der Punkt ist halt der, dass nicht diese Schicksalsschläge irgendwie magisch tolle Sachen auslösen, sondern eine andere Person wäre am gleichen Schicksalsschlag völlig zerbrochen. Und das ist halt dieser Muskel, den ich eben meinte, sich anzugewöhnen, wenn man es verdaut hat, dann zu überlegen, okay, was mache ich jetzt da draußen aus der Erfahrung, was mache ich stattdessen? Und ich meine, man sieht es da draußen, es gibt halt mehr als genug Leute, die genau mit diesen hängenden Mundwinkeln rumlaufen, weil sie an den Punkt nie kommen.
Amélie
01:00:33
Und wie viel Lebensqualität nimmt man sich da, ne?
Vera
01:00:35
Ja, absolut. Ich habe gerade letzte Woche wieder so eine sagenhafte Geschichte gehört im Radio. Kennt ihr Paul Alexander? Ich kannte ihn vorher auch nicht. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, er ist 1952 in Boston, USA geboren und hatte mit sechs Jahren Kinderlähmung. Das war dann so schlimm, dass er nach ein, zwei Jahren nicht mehr selbstständig atmen konnte und in die eiserne Lunge kam.
Tamara
01:01:03
Ach doch, der ist vor ein paar Jahren gestorben.
Vera
01:01:06
Genau, der ist 72 geworden, der war Anwalt, obwohl er dein ganzes Leben in der eisernen Lunge gesteckt hat. Er hat Bücher geschrieben und, und, und, und. Und was muss der für einen Lebensmut gehabt haben, in so einem Ding zu stecken, 300 Kilo schwer. Der wurde dann zum Teil mit dem Lastwagen irgendwo hingefahren und hat all das gemacht.
Tamara
01:01:29
Und da ist nämlich, kurz dazwischen, das ist nämlich genau der Punkt. Und ich habe das, ich weiß, ich sollte mir Facebook einfach ganz abgewöhnen, aber ich habe das auf Facebook gesehen, ein Bild von ihm, wo er in diesem Tunnel liegt, in dem er gelebt hat und sein Gesicht strahlt über alles und er war Professor oder so. Und wie viele Leute haben dann drunter geschrieben, das ist doch kein Leben, dann lieber Tod, die es einfach selbst angesichts dieses Fotos nicht verstanden haben.
Vera
01:02:03
Vielen Dank.
Amélie
01:02:04
Aber das sind wieder dieses, was gestehe ich mir selber zu? Und die Menschen, die solche Kommentare darunter schreiben, das sind ja häufig die Menschen, die sich für ihr eigenes Leben überhaupt keine Magie zugestehen und überhaupt keinen Erfolg zugestehen. Und die sich alles immer nur kleinreden und schlechtreden. Und immer ist die Ampel rot, wenn ich komme. Und immer habe ich die längere Schlange an der Kasse. Und das sind doch genau die Menschen, die ihren Fokus für ihr eigenes Leben auch einfach völlig, und ich sage es jetzt bewusst, falsch ausrichten. Tut mir leid, aber mit Glück hat das nichts zu tun. Wenn dein Ziel ist, nicht glücklich zu sein in deinem Leben, okay, fair enough, dann hast du alles richtig gemacht. Solltest du aber auf dem Plan haben, glücklich werden zu wollen in diesem Leben, dann würde ich doch ganz dringend mal einen Perspektivwechsel vorschlagen. Und ich weiß, dass es im Alltag nicht immer leicht ist, wenn man so eingespannt ist mit dem, was man sowieso auch da zu tun hat und Familie und Freundeskreis und was man nicht alles zu bedienen hat und vielleicht noch ein Ehrenamt und dann hat man nicht nur einen Job, sondern auch noch eine Passion und, Ich weiß, wir haben alle genug um die Ohren. Nur die Ausrede, ich muss erst einen Schicksalsschlag erleiden oder mir muss erst was ganz Schlimmes passieren, damit ich wach werde, die lasse ich nicht gelten. Denn ganz ehrlich, wenn da etwas in dir schlummert und da möchte etwas raus, und jetzt kommen wir mal zu dem Gesangsbeispiel zurück, und du möchtest gerne singen, dann ist nicht der erste Schritt, eine Bühne zu buchen und peinlich vor die Tabolen zu scheitern, sondern der verflickst erste Schritt ist dann, fang unter der Dusche damit an. Dann treller doch mal los.
Vera
01:03:36
Und dann suchst du dir vielleicht einen Coach.
Amélie
01:03:39
Was sagst du?
Vera
01:03:40
Ich würde vielleicht mal in Chor gehen.
Amélie
01:03:42
Und dann kannst du in Chor gehen und du kannst Gesangsstunden nehmen und du kannst gucken, wo dein Engagement überhaupt auch für reicht, für welche Art von Intensität. Und wer weiß, vielleicht ist es dann irgendwann so, dass du auf irgendeiner Bühne stehst und was mit vorträgst. Weiß man ja alles gar nicht. Weiß man ja nicht, welche Talente da schlummern. Nur, wenn ich gar nicht losgehe, sondern immer nur rumjäumele, ja, dann wird es garantiert überhaupt nichts.
Vera
01:04:05
Ja, ja, ich sage immer gerne, mein Herbert Grönemeyer kann eigentlich auch nicht singen, aber der tut es.
Tamara
01:04:10
Und er wird auch erfolgreich.
Vera
01:04:15
Und von daher, man muss halt seinen Weg da finden und wenn es dann wirklich etwas ist, was man gerne macht und mit Leidenschaft, dann wird es auch irgendwie ein Türchen sich öffnen.
Tamara
01:04:25
Ja, ich denke, warum man manchmal so einen Dämpfer braucht, um sich nochmal richtig zu motivieren, ist wahrscheinlich, wenn ich jetzt dein Beispiel, Amelie, nehme, man hat so ein Ziel, so einen Wunsch. Ich möchte Marketingleiterin werden und dann werde ich glücklich sein. Dann wird mein Berufsleben ganz toll sein und dann weiß man ja, wo man hin muss und erst wenn man dann auf einmal da steht und denkt, ja verdammt nochmal, das war es auch nicht, dann wird wahrscheinlich das Umdenken aktiviert.
Amélie
01:04:56
Und das gleiche passiert übrigens auch, wenn man den Erfolg erreicht. Einfach nur mal als Denkanstoß sozusagen. Stellt euch vor, ein Reinhold Messner, der das erste Mal den Mount Everest bestiegen hat, ist da so blitzartig wieder runter und ist zutiefst betrübt gewesen und hat im Basislager monatelang erstmal eine Depression auskurieren müssen, weil dieser Erfolg, was soll danach kommen? Ein Boris Becker, der Wimbledon gewonnen hat, hinterher in der Kabine, erstmal geheult, weil ich bin jetzt auf dem Peak meiner Laufbahn. Was soll jetzt noch kommen?
Tamara
01:05:27
Jetzt geht's bergab.
Amélie
01:05:29
Ab jetzt kann es nur noch bergab gehen. Und das haben wir natürlich als AutorInnen sowieso überhaupt nie, weil wir werden immer das beste Buch erst als nächstes schreiben. Das ist ja das Gute an der Sache. Von daher, wir können ja ganz beruhigt bleiben. Nur auch das ist, genauso wie Scheitern, ist Erfolg manchmal etwas, was unglaublich lähmend sein kann. Und da gibt es von der Elizabeth Gilbert so einen fantastischen TED-Talk, zu wen das interessiert. Die hat ja auch damals mit Eat, Pray, Love so extrem viel Erfolg gehabt. Quasi Overnight. Und dann war es Julia Roberts in der Verfilmung. Und weiß ich nicht was alles. Und wie sie das so schön beschreibt, dieses demütige Gefühl danach, ich werde nie wieder daran anknüpfen können. Und dann trotzdem mit dir leben zu lernen und dich trotzdem zu mögen und trotzdem weiterzuschreiben und trotzdem weiterzumachen, das ist auch, das ist genau wie ein Scheitern. Das ist grausam. Also ich weiß gar nicht, was ich den Leuten mehr wünschen möchte, dass sie tragische Schicksalsschläge erleiden oder ihre größten Erfolgserlebnisse feiern dürfen. Also, beide Extreme sind extrem hart.
Vera
01:06:29
Ja, also vielleicht komme ich völlig deprimiert von der NDR Kochshow zurück.
Amélie
01:06:36
Du wirst feststellen, dass die auch nur mit Wasser kochen.
Vera
01:06:38
Ja, da bin ich relativ sicher, dass ich das feststellen werde. Aber ich würde das Risiko trotzdem eingehen. Und ich muss gestehen, dass mich das Gespräch mit dir, liebe Amelie, die da durchaus bestärkt hat und mein Bauch sagt mir, das ist das Richtige, aber ist auf dem Weg ganz viel Schokolade. Ja, und liebe Amelie, du hast sicherlich auch die ein oder anderen Hörenden von uns mitgerissen. Du bist aber noch nicht entlassen, du musst dich noch den total kritischen Buch-Bubble-Fragen von Tamara stellen.
Tamara
01:07:13
Jawohl, und es geht erstmal ums Lesen. Welches Buch hat dich als Leserin zuletzt tränen, weinen oder lachen lassen?
Amélie
01:07:20
Ich habe hier aktuell auf dem Schreibtisch liegen Let Them, und wir haben vorhin von ihr gesprochen, von Mel Robbins, und das Buch ist für mich, auf jeder Seite und manchmal schaffe ich nur zwei Seiten am frühen Morgen in meiner Meditationszeit, aber es ist immer wieder so zum selber an die Nase fassen und es, also ja, ich habe schon geweint, ich habe schon gelacht, ich liebe dieses Buch sehr.
Tamara
01:07:44
Ja, ich muss gestehen, ich habe es nach unserer Folge mit der Andrea Wilk mir als Hörbuch gehört, und bin auch gerade dran.
Amélie
01:07:53
Dann weißt du, was ich meine.
Tamara
01:07:56
Ja, und welche Begegnung in der Buchbubble war denn für dich eine besonders große Inspiration?
Amélie
01:08:02
Da muss ich immer Niki nennen. Ich habe euch vorhin erzählt, dass ich diese drei Bücher geschrieben hatte aus der Papa-Reihe über das Thema unerfüllter Kinderwunsch und diesen ganzen Kram, die ja marketingtechnisch nicht zu vermarkten waren. Und dann kam eine Bloggerin um die Ecke und die hatte mein eigentliches Erstlingswerk, das ich, wie gesagt, systematisch im Internet versteckt habe, das war schon zehn Jahre her, gefunden und sagte original zu mir, Amelie, ganz ehrlich, das ist schon ganz nett, aber wenn du fünf Sterne haben möchtest, dann musst du da nochmal ran. Und Niki bin ich bis heute zutiefst dankbar und in tiefer Dankbarkeit verbunden, denn ohne sie hätte ich vielleicht an der Stelle aufgegeben. Ohne sie hätte ich den Roman vielleicht nicht nochmal überarbeitet und dann als Herz in Acryl rausgebracht, so wie er heute ist und dann auch tatsächlich gelesen, geliebt und gekauft worden ist. Und ohne sie wäre ich zum Beispiel auch bei weitem nicht so gut aufgestellt, denn sie begleitet mich bis heute auf die Leipziger Buchmesse jedes Jahr wieder und ist die ganze Zeit dabei und hilft mir am Stand und ist einfach unbezahlbar. Und das ist wirklich so ein Mensch, der meine Autorenschaft und mein Autorensein maßgeblich mitgefärbt hat. Also an dieser Stelle, Niki, wenn du es hörst, ganz lieben Dank.
Tamara
01:09:14
Sehr schön. Da habe ich zwei Gedanken zu. Zum einen wollte ich die ganze Zeit schon sagen, als du das am Anfang erzählt hast, hat es in mir nämlich gleich rebelliert, wo ich gedacht habe, und wenn es noch so nischig ist, vermarktbar ist doch alles. Ich sehe hier gerade so einen kleinen Bogen zu der Deutschland sucht den Superstar-Geschichte. Manchmal brauchen wir einfach auch Menschen, die sagen, ja, ist schon viel Schönes bei, aber gut ist es halt noch nicht. Das brauchen wir, glaube ich, wirklich. So, genug Philosophie. Die letzte Frage. Welches Klischee möchtest du nie wieder in einem Buch lesen?
Amélie
01:09:47
Oh, ja, da müsste ich jetzt auch ganz weit ausholen, aber ich sage es ganz kurz, Dark Romance. Ich kann diese böse Männer, Frauen erleiden, alles und dann ist es doch die große Liebe. es tut mir leid, es hat für mich mit Liebe nichts zu tun und ich finde das Frauenbild, was wir an junge Menschen und vor allem an junge Mädchen vermitteln, unterirdisch, Punkt.
Vera
01:10:05
Ja, da sind wir voll bei dir. Ja, und ja, vielen, vielen Dank liebe Amelie, dass du heute Zeit für uns hattest und ja, an euch da draußen, teilt uns gerne mal so mit, was ihr so an Erfahrungen mit Scheitern habt, wo hat es euch neue Erkenntnisse gebracht, wie habt ihr es überwunden? Wir freuen uns da immer sehr über Feedback und wollen gerne dazu lernen. Ansonsten wisst ihr, was ihr zu tun habt. Abonniert unser Buchbibble-Politor und folgt uns, wo immer es geht. Naja, und bleibt uns gewogen. Bis nächste Woche.
Tamara
01:10:40
Danke, Amalit.
Amélie
01:10:41
Ich danke.