Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Konfliktarme Romane schreiben: Christiane Wolter über Healing Fiction

Healing Fiction: Was steckt hinter den Romanen, die Leser:innen innerlich heilen sollen? In dieser Folge sprechen wir mit Autorin und Psychologin Christiane Wolter darüber, was dieses Genre so besonders macht.

02.07.2026 61 min

Zusammenfassung & Show Notes

Healing Fiction: Was steckt hinter den Romanen, die Leser:innen innerlich heilen sollen? In dieser Folge sprechen wir mit Autorin und Psychologin Christiane Wolter darüber, was dieses Genre so besonders macht.
Im Zentrum von Healing Fiction steht nicht der große Plot-Twist oder der atemberaubende Spannungsbogen, sondern die innere Reise einer Figur, die aus einer persönlichen Krise herausfindet. Die Geschichten enthalten eine tröstende Tonalität und oft psychologische Tiefe. 
Christiane erklärt, wie sie Atmosphäre, Naturbeschreibungen und Dialoge einsetzt, um einen Safe Space für die Figur zu schaffen, ohne dabei in Klischees zu verfallen.
Wo liegen die Grenzen zu anderen Cozy Genres? 
Und wo ordnet der Buchhandel Healing Fiction ein?
Außerdem erzählt Christiane, wie der Weg zum Verlagsvertrag für ihr Debüt 'Ein Garten voller Wunder' bei Ullstein verlief und wie sie ihr Marketing mit der Toxizität auf Social Media in Einklang bringt.
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Healing Fiction: Was steckt hinter den Romanen, die Leser:innen innerlich heilen sollen? In dieser Folge sprechen wir mit Autorin und Psychologin Christiane Wolter darüber, was dieses Genre so besonders macht.

Im Zentrum von Healing Fiction steht nicht der große Plot-Twist oder der atemberaubende Spannungsbogen, sondern die innere Reise einer Figur, die aus einer persönlichen Krise herausfindet. Die Geschichten enthalten eine tröstende Tonalität und oft psychologische Tiefe.

Christiane erklärt, wie sie Atmosphäre, Naturbeschreibungen und Dialoge einsetzt, um einen Safe Space für die Figur zu schaffen, ohne dabei in Klischees zu verfallen.

Wo liegen die Grenzen zu anderen Cozy Genres?
Und wo ordnet der Buchhandel Healing Fiction ein?

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Transkript

Healing, Fiction und Wohlfühlromane. Ein Trend, der, gerade so zu uns rüberschwappt und wir wollen natürlich genau wissen, was muss man da beachten, wie funktionieren die und haben deswegen mit der Autorin Christiane Wolter gesprochen. Sie hat einen Wohlfühlroman bei Ullstein veröffentlicht und uns Einblicke gegeben.
Vera
00:00:21
Wir haben natürlich, wie ihr uns kennt, genau nachgefragt, wo muss man darauf achten, um dieses Genre zu schreiben, was sind die besonderen Faktoren, wie funktioniert das und wie kann es klappen, auch wenn man grundlegende Schreibregeln eigentlich ignoriert. Hier ist Folge 318 von Die 2 von der Talkstelle, dem Podcast rund ums Schreiben und Veröffentlichen, ganz egal ob im Verlag oder im Self-Publishing. Mir gegenüber strahlt die liebe Tamara Leonard aus dem kühlen Keller irgendwo in Frankreich. Und mein Name ist Vera Nendwig. Ich habe es nicht ganz so kühl, aber es wirkt besser. Wie hast du die Hitze überstanden?
Tamara
00:01:23
Ja, als Kellerkind ohne Fenster hier. Selten wissend, ob es draußen gerade noch hell oder dunkel ist. Ja, ging irgendwie. Am Samstag haben wir auch eine sehr kluge Idee gehabt. Da waren wir nachmittags, als es dann hier bei uns 39 Grad hatte, in einem klimatisierten Hallenbad. Das war sehr, sehr angenehm.
Vera
00:01:45
Ja, also bei uns waren die Bäder völlig überfüllt und so.
Tamara
00:01:49
Ja, Hallenbad. Wir sind dran vorbeigefahren. Die Schlange, die war, als wenn es da was umsonst gäbe. Und dann haben wir gesagt, komm, wir fahren ins Hallenbad.
Vera
00:02:00
Ja, schön. Ja, gut. Also ich habe es auch verstanden. Also zeitweise hatte ich so 31 Grad in der Wohnung. Ja, da macht man halt keine unnötigen Bewegungen. Aber gut.
Tamara
00:02:12
Jetzt warte ich drauf, dass die Kühle, die angekommen ist draußen, draußen auch den Weg ins Haus findet, was noch nicht so ganz gelungen ist. Deswegen sitze ich immer noch in der Waschküche. Aber ich habe es mir hier inzwischen sehr gemütlich gemacht. Für alles, was ich brauche.
Vera
00:02:31
Genau. Und ansonsten hast du denn trotz Hitze schreiben können oder neue Erfolge verbuchen können?
Tamara
00:02:39
Habe ich neue Erfolge verbuchen können? Nicht direkt. Ich habe mir so gedacht, nachdem ich jetzt die letzten Monate so brav geübt habe und so fleißig war, ich drehe mal die Kamera ein Stück, darf ich mir eine neue Gitarre gönnen?
Vera
00:02:55
Noch eine neue Gitarre.
Tamara
00:02:57
Die kam, wann kam die an? Am Samstag war ich die auch holen von der Post. Und ja, habe ich jetzt ein neues Baby hier stehen. Ja, also ich meine, es gibt ja so viele verschiedene Aspekte an verschiedenen Gitarren. Da braucht man ja schon eine Auswahl.
Vera
00:03:15
Ja, ja. Sogar ich, die ich schon seit Jahren nicht mehr gespielt habe, habe zwei.
Tamara
00:03:24
Ja, jetzt habe ich eine Konzertgitarre, die ich nicht mehr spiele, weil die habe ich damals mit 16 bekommen und die ist eigentlich nicht so angenehm, aber das ist halt aus nostalgischen Gründen behalte ich die. Ich habe die E-Gitarre, ich habe die reine Akustik-Gitarre und das ist eine, elektrisch-akustische.
Vera
00:03:39
Wow. Ja, dann bist du jetzt für alle Eventualitäten ausgestattet.
Tamara
00:03:42
Och, ich glaube, da geht noch was.
Vera
00:03:43
Ja, ja. Das ist gefördert.
Tamara
00:03:48
Ja, nee, sonst kann ich gerade, glaube ich, nicht viele Neuigkeiten berichten. Irgendwie ist die Woche im wahrsten Sinne des Wortes einfach so an mir vorbeigeflossen.
Vera
00:03:58
Nö, das kann ich so nicht sagen. Ich hatte letzte Woche Geburtstag und auf meinem Geburtstag habe ich die hunderttausendste gelesene Seite bei Amazon für diesen Monat gefeiert. Und an meinem Geburtstag war der erste Tag, wo mehr als 10.000 gelesene Seiten waren. Und als ich Book Report aufrief, poppte mein Meilenstein auf, dass ich das 10.000. Buch bei Amazon verkauft habe.
Tamara
00:04:30
Wow, das ist ja ein Trippel.
Vera
00:04:33
Ja, und dann alles auf meinem Geburtstag.
Tamara
00:04:35
Mega gut.
Vera
00:04:36
Also wenn das kein Zeichen ist, oder?
Tamara
00:04:38
Mega gut. Die 100.000 hattest du mir ja schon geschickt, aber die anderen Sachen wusste ich noch nicht. Das ist eine Aussage. Ich würde sagen, wir haben es seit 2019 immer wieder verkündet, aber 2026 ist ein Jahr. Hat ein bisschen gedauert.
Vera
00:04:57
Aber jetzt ist es so weit. Genau, da wollen wir nicht verschreien. Aber das fand ich auch mega. Um das Einzelne, auch 10.000 Bücher bei Amazon verkauft, seit Anbeginn, wo ich da bin, also seit 2013. Das relativiert die Zahl ein wenig, aber trotzdem fand ich das geil. Ich habe dann auch jetzt meine Buchstatt-Party für meine neue Krimi-Reihe festgemacht. Die wird jetzt am 27. August stattfinden. Plakat und Werbekarten sind schon in Druck. Und ja, und ich schreibe fleißig weiter. Gut, jetzt die drei besonders heißen Tage, da war ich nicht kreativ. Aber das hole ich jetzt wieder auf. Und ja, ich kann gerade nicht meckern. Also wenn es so weitergeht, jetzt ist klar das Finanzielle. Dieses Jahr, diesen Monat werde ich ziemlich viel Geld an Amazon überweisen. Aber nach allen Theorien, die ja darauf setzen, dass dann am Anfang die Basis ist und die Leute dann die Reihen durchlesen, sollte sich das dann schon zügig auch auszahlen. Ich bin jetzt mal auf den Juli gespannt, wenn das so der erste Monat wird, wo ich keine ausgiebige Testphase mehr habe. Wo ich jetzt eigentlich so kontinuierlich weiterfahren kann, wie ich das bisher tue mit kleinen Korrekturen oder hier und da mal ein Keyword mehr oder so. Um dann mal zu sehen, was dann rauskommt. Ach ja, was ich auch festgestellt habe, ich habe ja die letzten zwei Wochen jetzt immer mal wieder Bestellungen von Libri bekommen. Ah ja, cool. Immer mal zwei Bücher, mal acht Bücher. Und vor allen Dingen immer, wenn ich das eine Paket gerade geschickt habe.
Tamara
00:06:45
Dann weggelegt. Ja, so ist es dort.
Vera
00:06:49
Ich habe dann auch mal zusammengezählt. Ich habe jetzt bis diese Woche dieses Jahr 100 Bücher an Libri geliefert. Das ist jetzt keine gigantische Menge, aber ich finde 100 Bücher für den Buchhandel.
Tamara
00:07:02
Ich habe keine 100 Bücher an Libri geliefert.
Vera
00:07:05
Ja, und was ich interessant finde, dass die jetzt vermehrt die ersten Teile von Frau Appeldorn bestellen. Also da scheinen wirklich jetzt Leute auf den Kapitän oder jetzt auf die Diva aufbauen und dass die dann sagen, ich will die anderen auch lesen.
Tamara
00:07:19
Ja, das sind auch coole Titel und ich finde halt wirklich, dieser Name ist so gut gewählt, dass man einfach direkt ein Bild vor Augen hat.
Vera
00:07:27
Ja, ja, die performt auch sehr gut in den Anzeigen und... Ja, also du merkst, in mir ist sehr viel Zuversicht.
Tamara
00:07:36
Sehr schön, sehr schön.
Vera
00:07:39
So kann es weitergehen.
Tamara
00:07:41
Eins muss ich dir noch beichten. Also ich habe noch nichts getan, aber ich habe da so einen Plot Bunny. Und ich möchte natürlich nicht, also im Gegensatz zum letzten Mal, als Rock in Peace als Plot Bunny dahergehoppelt kam und ich alles abgebrochen habe, Was ich immer noch als die richtige Entscheidung betrachte, möchte ich dieses Mal nicht meine Arbeit am neuen Buch abbrechen. Aber die Idee reizt mich unheimlich und es wäre tatsächlich eine Idee, die ich, glaube ich, eher versuchen würde, in einem Verlag unterzubringen. Und jetzt muss ich mir Gedanken machen, ob ich die so lang aufschieben will, bis ich meine Reihe nach Rock in Peace fertig geschrieben habe oder ob ich irgendwie mir die Zeit schaufeln könnte, parallel an zwei Projekten zu arbeiten, oder keine Ahnung, aber ja.
Vera
00:08:36
Ja, gut, ich meine, theoretisch brauchst du ja für Verlag, hat Exposé und die 30-Seiten-Leseprobe. Wobei natürlich die Annahme-Chance schon größer ist, wenn da steht, Manuskript ist schon fertig. Ja, muss ja wissen.
Tamara
00:08:49
Ja, muss ich mal drüber nachdenken.
Vera
00:08:51
Was machen denn die, wie ich finde, wesentlich relevanteren Pläne, deine bisherigen Liebesromane zur Reihe zu machen?
Tamara
00:08:59
Ja, auch da bin ich dran tatsächlich. Das wirst du jetzt wieder unwirtschaftlich und dumm finden, aber ich habe, mir gesagt, wenn ich die jetzt noch mal so aktiv bewerbe und noch mal neu an den Markt bringe, ich möchte die alle mal schnell, du hörst die Anführungszeichen, mal schnell noch mal durchlesen, weil ich grob weiß, dass da ein paar Sachen drin sind, die ich heute anders machen würde. rein von meiner Haltung her, also jetzt nicht von wegen, ich muss das jetzt besser formulieren, weil ich irgendwie dazugelernt habe, das ist mir egal, aber es gibt so ein paar Sachen, die würde ich minimal anpassen wollen und da bin ich dran. Also ich lese gerade Memories of Your Smile wieder und muss ehrlich sagen, das ist auch ein cooles Erlebnis, weil ich hatte die letzten Monate so gar keine Lust mehr gehabt, meine Romance-Titel, weiter zu bewerben und jetzt lese ich dieses Buch und denke, boah, das ist ein richtig cooles Buch. Und das beflügelt tatsächlich diese Idee auch nochmal stärker, das dann eben nochmal nach vorne zu bringen. Aber es wird ein bisschen dauern, weil, wie gesagt, ich möchte halt...
Vera
00:10:11
Du willst behaupten, dass mich das überraschen würde, dass es etwas dauert.
Tamara
00:10:16
Ja, aber das ist mir tatsächlich wichtig, da diese diversen Dinge ein bisschen anzupassen und dann mache ich das. Ja, es läuft ja nicht weg.
Vera
00:10:27
Ja, ja, klar. Mach du mal. Ja, soll ich das mal sagen, ne? Ich bin gespannt auf den Moment, wenn es dann soweit kommt.
Tamara
00:10:42
Jawohl.
Vera
00:10:43
Und ja, wie kriegen wir jetzt den Übergang zu unserem heutigen Thema? Also, ja, so direkt weiß ich keinen.
Tamara
00:10:51
Machen wir einfach mal zu.
Vera
00:10:52
Dann musst du den jetzt gleich machen.
Tamara
00:10:54
Ja, unser heutiger Gast ist hier, weil ich vor längerer Zeit einen Instagram-Post von ihr gesehen habe, der mich persönlich in meiner Suche nach, was schreibe ich da eigentlich mit meinen Büchern, sehr angesprochen hat. Da hatte ich zu dem Zeitpunkt den Begriff noch nicht gehört und zwar ging es da um das Genre Healing Fiction. Sie hat ein Buch sehr erfolgreich in diesem Genre geschrieben und wir wollen jetzt genau wissen, wie das funktioniert und wer ist die Zielgruppe und auf was muss man achten und so vieles mehr. Sie ist nicht nur Autorin, sie ist auch Psychologin und deswegen bestens gewappnet für unsere Fragen zu diesem Genre. Ganz herzlich willkommen, Christiane Wolter.
Christiane
00:11:35
Ja, vielen herzlichen Dank für die nette Vorstellung.
Tamara
00:11:39
Ja, genau. Also du hast das Buch Ein Garten voller Wunder im Ullstein Verlag veröffentlicht und das ist Healing Fiction. Wer es noch nie gehört hat, wie würdest du das erstmal grob einkreisen?
Christiane
00:11:52
Ganz grob würde ich sagen, es geht um eine Person, die in einer persönlichen Krise steckt. Und in der Regel wird dieser Person durch jemanden geholfen, aus dieser Krise herauszukommen. Oft sind das eben Ratschläge, sage ich mal, aus der Psychologie, die weiterhelfen. Wobei sehr viele Autoren, Autorinnen, die in diesem Bereich schreiben, gar nicht aus dem Bereich der Psychologie kommen. Muss man vielleicht auch dazu sagen. Ganz viele sind Journalisten, Regisseure. Also da gibt es ein ganz breites Spektrum an Personen, die das schreiben. Aber es geht darum, diesen Heilungsweg darzustellen. Ganz grob gesagt.
Tamara
00:12:32
Also ich habe das Gefühl, ich habe schon öfter Autorinnen gesehen, die so Geschichten schreiben, wo es so um die Reise zu sich selbst und sowas geht. Jetzt habe ich die Frage vergessen.
Vera
00:12:43
Du wolltest bestimmt fragen, was die unterscheidet von Reading Fiction oder ob es das schon war.
Tamara
00:12:48
Nein. verdammt.
Vera
00:12:49
Aber das war eine gute Frage gewesen, finde ich. Also bevor Tamara so lange nachdenkt, Christiane, wie ist das denn? Was unterscheidet denn jetzt dieses, ja, wie du sagst, relativ neue Genre, unterbricht mich jetzt, wo ich gerade eine tolle Frage formuliere. Ja, was unterscheidet dieses neue Genre von bisherigen Büchern? Ich meine, das Café am Rande und sowas gab es ja auch schon. Also, was ist da der Kern? Was ist der Unterschied?
Christiane
00:13:20
Ich finde, es ist halt der Unterschied bei zum Beispiel das Café am Rande der Welt oder dieses So bin ich aus dieser Krise herausgekommen. Das sind ja erzählende Sachbücher, während Healing Fiction Romane sind und im Bereich der Belletristik zählen. Aber die Grenze ist verschwimmend. Also ich habe mir wirklich lange überlegt, was sind denn überhaupt die Grenzen davon, außer wie vielleicht die Verlage oder die AutorInnen das selbst einschätzen und selbst vermarkten. Ich finde, vieles bei erzählenden Sachbüchern sind wirklich Handlungsanleitungen, die man daraus lesen kann. Während bei Healing Fiction hat man eher ein Angebot. Man bekommt Gedankenanstöße, und kann sich dann selbst Gedanken darüber machen, falls das jetzt gerade auf einen passt. Und um da mal ein Beispiel einfach zu bringen, das klingt jetzt alles sehr abstrakt, finde ich. Mein Buch kam ja jetzt erst vor vier Wochen raus und ich finde es ganz faszinierend, wie unterschiedlich die Hauptsächlichleserinnen, die Schwerpunkte setzen oder was sie daraus ziehen. Also ich kriege da ganz unterschiedliche Rückmeldungen. Manche sind gerade selbst in einer Zeit der Trauer. Das ist ja so das Hauptthema von dem Buch, dass die Protagonistin ihre Mutter verliert. Und denen hilft das unglaublich zu wissen, anderen geht es auch so. Man geht eben durch verschiedene Phasen der Trauer durch. Und das ist zum Beispiel auch okay, mal wütend zu sein. Das gehört auch dazu. Und andere Leute sehen da sowas wie, ja, ich bin selbst, habe einen Garten und habe auch keinen grünen Daumen. Die erkennen sich darin dann wieder in der Protagonistin. Ich übrigens auch nicht. Ich habe sehr viel von dem Garten aus meinen Eltern gelernt. Oder sie erkennen sich in diesem, es geht sehr viel um Freundschaften in dem Buch, dann erkennen die sich in dem Aspekt wieder. Da gibt es ganz viele verschiedene Aspekte und mit manchen identifiziert man sich. Während bei so erzählenden Sachbüchern, wenn es da um so einen Lebensweg zum Beispiel geht, so ein Memoir, hat man ja ein Thema und lernt dazu dann ganz viel, finde ich. Bei mir ist es eher Garten und was kann man aus mit Gartenmetaphern erreichen, zum Beispiel.
Vera
00:15:40
Okay.
Tamara
00:15:41
Und wenn jetzt so diese psychologische Herangehensweise und die Betrachtung von Heilungswegen so stark im Fokus steht, wie ist das denn mit dem Spannungsbogen? Also darf der da ein bisschen zurücktreten? Wie bist du das angegangen?
Christiane
00:16:02
Ja, das ist auch eins der Hauptkriterien, denke ich, von Healing Fiction, dass wenig Konflikt drin ist. Das ist jetzt nicht unbedingt das, was man so in westlichen Kulturen kennt von Büchern. Ich habe mich da selbst an eine Struktur gehalten, deren Name, ich vergesse jedes Mal den Namen, Kisho Tungetsu ist. Das heißt, da ist sehr wenig Konflikt und man hat nicht dieses, dass man irgendwie so nach 70, 80 Prozent so diesen Wahnsinns, man ist am Boden zerstört und weiß nicht, wann weiterkommt und sowas, sondern da ist es so, dass es so eine Vieraktstruktur ist. Und beim dritten Akt lernt man eine Sache, die die Perspektive verändert.
Tamara
00:16:51
Okay.
Christiane
00:16:52
Also zum Beispiel meine Protagonistin findet was über ihre Mutter heraus, was ihre Perspektive auf ihre eigene Vergangenheit total ändert. Und da ist dann aber nicht dieser Wahnsinnskonflikt. Und wie ihr sagt, was bringt dann die Leute dazu, das überhaupt weiterlesen zu wollen? Ich hatte da echt große Angst.
Vera
00:17:10
Ja, klar.
Christiane
00:17:11
Einfach weil, das sind keine Cliffhanger am Ende jeden Kapitel. Ich hatte gedacht, man liest ein Kapitel, schlägt es zu und nie wieder auf. Aber ich habe von einigen gehört, die es nicht aus der Hand legen wollten. Also ich weiß nicht warum. Ich glaube, man will halt einfach wissen. Kommt sie aus der Trauer raus? Wie entscheidet sie sich? Das geht darum, dass sie das Haus ihrer Mutter verkaufen muss, um wieder zurück nach Köln zu kehren. Wie geht sie damit um? Und sie lernt ein paar Leute kennen. Was passiert mit denen? Ich glaube, das sind so diese Treiber dann in dem Buch, warum man das dann weiterlesen möchte.
Tamara
00:17:52
Ich glaube, es ist ja vielleicht auch nicht nur dieses, ich muss unbedingt wissen, wie es ausgeht, sondern ich kann mir vorstellen, es tut einfach gut. Also gerade in so einer Welt, wo doch überall im Moment irgendwie negativ Nachrichten oder auf Social Media sehr viel Hass unterwegs ist und dann einfach so abzutauchen in so eine Wohlfühloase. Also ich glaube schon, dass das einfach extrem der Zeitgeist auch ist.
Christiane
00:18:15
Ja, das ist eigentlich auch eine Vermutung, weshalb das so groß wurde in Japan. Das war Ende der 1990er.
Tamara
00:18:23
Ach schon?
Christiane
00:18:23
Ja. Und ich habe jetzt Erklärungen gehört, da ging es darum, dass Ende der 90er kam so ein Wirtschaftscrash. Das heißt, viele Leute haben ihre Jobs verloren. Ich weiß nicht, ob ihr das damals mitbekommen hattet, mit dieser OM-Sekte, wo dieser Massenselbstmord war. Ja, das hat wohl auch die Psyche ziemlich belastet der Leute. Und ein riesen Erdbeben in Kobel in der Region, was halt zu vielen Toten geführt hat.
Vera
00:18:54
War nicht der Tsunami, der war doch dann da auch.
Christiane
00:18:56
Ah, der war später.
Tamara
00:18:57
Das war später.
Christiane
00:18:58
Ich kann gerade überlegen, das war 2005 oder 2006.
Vera
00:19:02
Glaube ich. Ich dachte erst, das hätte erst mit Corona angefangen.
Christiane
00:19:06
Das war bei uns.
Vera
00:19:08
Ach, das war dann bei uns. Genau.
Christiane
00:19:10
Und das war zuerst in Japan, dann ist er so nach Südkorea übergeschwappt. Das heißt, man findet auch da viele Autoren und Autorinnen, die solche Romane in Südkorea geschrieben haben. Dann ging der Weg weiter so in die USA und wie du sagst, bei uns kam das dann jetzt so zur Corona-Zeit eigentlich an.
Vera
00:19:30
Ja, jetzt haben wir ja schon so ein bisschen angerissen, klar, dieses Konflikt-Thema. Also normalerweise sagt man ja Konflikt, Konflikt, Konflikt und so. Und das ist ja jetzt bei dem Genre eigentlich genau das Gegenteil. Ich habe ja schon ein bisschen Angst vor all den Schreibenden, die nicht schreiben können und mit ihren Manuskripten kommen und sagen, ich habe keinen Konflikt, das ist Healing Fiction. Also ich muss ja gestehen, ich schreibe ja sehr handlungsgetrieben und ich tue mich extrem schwer mit so Szenen, wo nicht irgendwie Handlung passiert. Und jetzt muss ich gestehen, ich habe dein Buch noch nicht gelesen, aber ich kann mir ja vorstellen, dass das dann doch sehr viel Innenansicht und solche Sachen gibt. Was ja auch wenig Show und viel Tell ist, oder? Oder wie kriegt man denn da die Kurve hin?
Christiane
00:20:24
Gut, man kriegt Show rein durch Dialoge zum Beispiel. Man kann ja auch durch Flashbacks, wenn man es geschickt macht, Show hinbekommen. Ich will nicht sagen, dass ich das immer so geschickt hinbekomme. Aber man muss ja sehr aufpassen, was das Ganze vielleicht rausreißt. weil da ist ja schon viel Tell dabei, das stimmt, ist, dass man versucht, so eine immersive Atmosphäre zu schaffen. Also viel Beschreibung, von dem Garten, der Blumen, von der Natur, von was die Protagonistin sieht, was sie erlebt.
Vera
00:21:05
Und was sie riecht. Vergiss nicht, was sie riecht. Da steht Kandala voll drauf.
Christiane
00:21:08
Ganz wichtig.
Vera
00:21:10
Ja.
Tamara
00:21:12
Gerüche können gut tun.
Vera
00:21:14
Ja, natürlich. Aber genau, das ist ja jetzt auch der Punkt. Man, hat ja immer so einen, diesen Wohlführe, diesen Safe Space. Das ist dann die Bibliothek oder das Café oder bei dir das Begarten. Und dann gibt es immer so einen kleinen Tick Magie da drin. Worauf muss man denn achten, wenn ich so ein Safe Space gestalte? Was muss der haben und was sollte er nicht haben?
Christiane
00:21:44
Also der Safe Space sollte, das hat man ja schon angesprochen, wenig Konfliktpotenzial haben.
Vera
00:21:50
Alles klar.
Christiane
00:21:51
Also genau. Was oft mit reinspielt, sind sehr gut gesinnte Personen. Also bei mir ist es zum Beispiel der Nachbar, der dann diese weißen Lebensratschläge gibt, der jetzt wirklich keinerlei Bösartigkeit in sich trägt, sondern einfach nur Menschen mag. ist die Frage, also das ist ja auch ein Wohlfühl-Roman. Das sind ja ganz viele von diesen Ja.
Vera
00:22:19
Klar.
Christiane
00:22:20
Ja, kann ich mal alle, finde ich. Weil ich hatte auch welche gelesen, wo ich mir dachte, ich fühle mich da jetzt gerade nicht so wohl damit. Die können sehr harsh sein, teilweise finde ich. Ja, vielleicht ist das auch der japanische Stil zum Teil. Da habe ich auch gelesen, dass er halt eher nüchtern ist und dann gar nicht so dieses immersive Erlebnis, dass man sich irgendwie so in diese Szene dann so reinlebt, gar nicht so hat. Bei manchen Katzencafés natürlich schon, aber zum Beispiel bei diesem Buch, Frau Komatschi empfiehlt ein Buch, die wird auch eher so als ein bisschen ein Besen beschrieben, finde ich, die jetzt nicht unbedingt wahnsinnig freundlich ist, aber halt gute Bücher empfiehlt. Das heißt, deswegen sage ich, dass das Genre ist noch gar nicht so bestimmt, weil es ist nicht immer unbedingt diese Wohlfühlatmosphäre da drin. Ich glaube, was das wirklich das Entscheidende ist, ist, dass einer Person weitergeholfen wird, darin einen Konflikt zu bearbeiten und wieder mehr zur inneren Balance zu finden.
Vera
00:23:24
Aber jetzt bist du ja auch Psychologin, du bist vom Fach. Jetzt werden da ja durchaus, ich sage mal, psychologische Herausforderungen thematisiert.
Christiane
00:23:33
Ja.
Vera
00:23:35
Die aber ja dann trotzdem irgendwie doch auf einfache, etwas vielleicht magische Weise behandelt werden oder sowas. Da besteht natürlich die Gefahr, sehr zu vereinfachen oder in Klischees abzurutschen.
Tamara
00:23:54
Ich würde da kurz zwischenfragen wollen, dieses Magische, das sehe ich irgendwie, gar nicht. Also bin ich da, habe ich da die falschen Sachen im Kopf oder die Vera?
Christiane
00:24:08
Du meinst generell, siehst du das nicht oder ist das bei meinem Buch?
Tamara
00:24:11
Nee, bei Healing Fiction. Also ich hätte das jetzt nicht als irgendwie ein Genre eingeordnet, wo Magie ein Thema ist.
Christiane
00:24:19
Ja, oft haben die so einen ganz kleinen Teil magischen Realismus. Es gibt ja dieses, das Mondscheincafé zum Beispiel, wo die Protagonistinnen und Protagonisten von Katzen bedient werden. in Menschen oder Menschen, große Katzen, die dann für die einzelnen Planeten im astrologischen Planetensystem quasi stehen. Das ist so da dieses Magische und es taucht immer dann auf, wenn das eben jemand wirklich benötigt. Bei Frau Komatschi empfiehlt ein Buch, ist es zum Beispiel meiner Meinung nach, dass diese Frau nicht so genau beschrieben wird und sie, findet jedes Mal so ein Filzobjekt für die Leute, die zu ihr kommen, das genau zu deren Lebenssituation passt, obwohl sie die Menschen gar nicht kennt.
Tamara
00:25:06
Okay, okay.
Christiane
00:25:07
Das kann man vielleicht so sehen.
Vera
00:25:09
Ja, ja, Kleinigkeiten sind das.
Christiane
00:25:11
Ja, genau, ja.
Tamara
00:25:12
Würdest du dann, falls du das Buch kennst, die Mitternachtsbibliothek auch in die Richtung einordnen?
Christiane
00:25:19
Ich würde es, ja.
Tamara
00:25:20
Ja, okay, okay. Dann akzeptiere ich alles, was Vera zu Magie sagt und entschuldige mich, weil wahrscheinlich habe ich jetzt die Frage gecrashed. Und was war nochmal die Frage?
Vera
00:25:30
Ich wollte wissen, ob man dann nicht psychologische Herausforderungen sehr vereinfacht oder womöglich auch klischeehaft behandelt.
Christiane
00:25:40
Ich glaube, die Gefahr ist auf jeden Fall da. Ich habe sehr stark versucht, das zu vermeiden, indem ich es auch nicht irgendwie den Nachbarn einfach irgendwelche 0815-Ratschläge geben lasse, sondern die Protagonistin erlebt das dann auch. Und kann das dann auch umsetzen, wobei wir da wieder bei der Grenze zum Erzählen ein Sachbuch sind. Da haben wir auch ähnliche Sachen. Ich hatte zum Beispiel, also wenn ich mal so ein bisschen ausholen darf, ich hatte ein erzählendes Sachbuch geschrieben. Und da geht es auch um die Reise einer Person, die aber mehr so heldenreisenhaft ist. Und sie begegnet ihren inneren Schatten. Und... Und da werden wirklich mehr Ratschläge noch erteilt. Also dann gibt es dann Tipps und sie fragt zum Beispiel, ja, jetzt habe ich hier ja meine unbewussten oder jetzt mittlerweile bewussten Glaubenssätze, wie kann ich denn damit umgehen? Und das ist eben auch eine weise Frau, die ihr sagt, wie kann sie damit umgehen? Also es gibt wirklich dann so diese Umsetzungsdialoge sozusagen. Und da musste ich mich sehr, sehr, sehr am Riemen reißen, das halt nicht in diesem Buch zu machen und das dann einfach so auslaufen zu lassen, damit die LeserInnen sich dann selbst so ihre Meinung bilden können und sich Gedanken machen, ja, was könnte man umsetzen? Könnte ich mir mal überlegen? Das sind alles so Vorschläge, was man machen könnte, aber wirklich keine Handlungsanweisungen per se.
Vera
00:27:04
Aber jetzt bist du vom Fach, du kannst beurteilen. können ja, ich glaube ja nicht, dass jetzt die Mehrzahl der Autoren, Autorinnen von Healing Fiction Psychologen sind. Wie erlebst du das denn? Hast du schon Bücher gehabt, wo du denkst, um Gottes Willen, was schreiben die da?
Christiane
00:27:22
Ja, eher wie schreiben die und dann habe ich die auch zugeschlagen. Ich kann manchmal nicht fertiglesen. Also ich hatte zum Beispiel, ich will jetzt gar keine Bücher irgendwie.
Vera
00:27:33
Ne, keine Namen, aber muss man.
Christiane
00:27:34
Ja, aber da ist dann sehr, sehr, sehr viel Infodampf und das will ich halt nicht.
Vera
00:27:38
In der Normale. Aber das ist natürlich auch eine Gefahr, wenn so gar nichts passiert, was schreibt man denn da?
Christiane
00:27:45
Ja, also es passieren ja schon Dinge. Also ich meine, es gibt Partys und es gibt Begegnungen und alles Mögliche, aber es ist halt schon sehr innerlich. Das geht wirklich um die innere Reise. Das stimmt.
Vera
00:27:56
Wie differenzierst du denn da zum Beispiel zu jetzt in Cozy Romance? Gut, beim Romance müssen sie sich am Ende kriegen, Aber wenn sie sich nicht kriegen, ist das eine Reise zu sich selbst und Healing Fiction.
Christiane
00:28:17
Meiner Meinung nach ist es, dass dann, wenn es wirklich, eine Krise gab, dieser Hauptperson. Die gibt es ja immer.
Vera
00:28:27
Das ist ja immer der Anfang eines Romans.
Christiane
00:28:29
Ja, jetzt ist es halt eine innere Krise, einen inneren Konflikt, der dann durch die Hilfe anderer gelöst wird. Die Grenzen sind wirklich fließend. Es ist auch zum Wohlfühl-Roman. Healing Fiction ist meiner Meinung nach so ein Unterbereich oder kann ein Unterbereich von Wohlfühl-Romanen auch sein. Definitiv.
Tamara
00:28:52
Ja, es gibt ja auch Wohlfühl-Liebesromane, wo dann halt eben nicht diese großen Eifersuchtsdramen und dieses, ewig lange umeinander herumgetänzelt ist und sowas, sondern da geht es einfach darum, eine schöne Liebesgeschichte ohne großes Drama zu erleben. Aber das ist dann halt eben nicht zum Heilen, sondern einfach so, um gemütlich eine nette Zeit zu haben.
Vera
00:29:16
Ja gut, das ist ja eigentlich bei jedem Buch so, oder?
Tamara
00:29:20
Weiß ich nicht.
Christiane
00:29:21
Die Metal Fight ist ja nicht immer, hast du gerade so Thriller.
Vera
00:29:24
Ja gut, aber die lese ich ja nun auch letztlich zum Vergnügen.
Christiane
00:29:28
Ja, zum Vergnügen, klar. Aber das ist nicht dieses Hach, ist das aber jetzt schön. Hat er gerade wieder den abgeschlachtet.
Tamara
00:29:35
Es wühlt ja schon auf.
Vera
00:29:36
Es kommt jetzt auf den Charakter an. Aber ja, gut, jetzt schreibe ich Kosi Quaim. Ich meine, bei dir stirbt auch jemand, die Mutter. Bei mir stirbt er das Mordopfer. Also, aber gut.
Christiane
00:29:48
Das sind wahrscheinlich noch keine, Ein wichtiger Punkt bei Healing Fiction ist auch, dass es Trost spendet. Ich weiß jetzt nicht, wie das bei dir ein Cozy Crime ist. Wenn man am Ende das Buch zuschlägt und sich sagt, das war jetzt schön und jetzt fühle ich mich irgendwie getröstet und glaube wieder an die Welt.
Tamara
00:30:11
Ich glaube, der Unterschied ist ja auch einfach, dass in der Regel wäre deine Bücher nicht von den Angehörigen der Mordopfer so sehr handeln und es denen am Schluss besser geht, sondern es wird halt ein Verbrechen aufgelöst.
Vera
00:30:24
Wenn sie bei mir auftauchen, sind sie eher verdächtig. Jetzt schreibst du, du hast dich ja jetzt auch, wie wir schon merken, tief in dieses Genre eingearbeitet. Das heißt, jetzt bist du auch vom Beruf her, kennst du die psychologischen Anforderungen, die so die Menschlein, widerstehen müssen. Jetzt tauchst du bei so einem Buch tief darin ein. Was macht das mit dir als Autorin? Bist du danach auch in besonders guter Stimmung?
Christiane
00:30:56
Oje. Ja, gerade bei den Anfangsszenen, das war sehr traurig, da habe ich es selbst viel gemeint. Weil ich mir einfach vorstellen musste, wann das meiner Mutter passiert. Ich habe ja auch das mal die ersten drei Kapitel vorgelesen, bevor ich die eingereicht hatte beim Verlag und konnte gar nicht weiterlesen.
Vera
00:31:16
Das macht auch viel mit mir. Hast du deiner Mutter vorgelesen, dass sie stirbt?
Christiane
00:31:21
Die Mutter im Buch, nicht meine eigene. Das ist ganz anders. Also das war schon hart. Ich muss eine Sache dazu sagen, ich bin Psychologin, aber keine Psychotherapeutin. Da gibt es ja nochmal Unterschiede, aber ich habe mich halt sehr viel mit positiver Psychologie beschäftigt, was ja bedeutet, wie finden wir innere Balance. Und das übertrage ich oder versuche ich in meine Bücher eben zu übertragen. Und da gibt es ganz verschiedene Modelle, die eben aussagen, was trägt zur inneren Balance bei. Und eines davon habe ich mir dann zum Beispiel rausgepickt oder zwei. Und zwar sind das einmal Freundschaften. Und wenn man fähig ist, Freundschaften zu schließen, dann kann das eben wirklich sehr dazu beitragen, dass man wirklich glücklich wird oder sich innerlich ausgerichtlichen fühlt. Und das klingt für viele wahrscheinlich total, ja, ist doch logisch. Ich persönlich finde es zum Beispiel sehr, sehr schwer, Freundschaften zu schließen. Oder Freundschaften, Ja, oder auch Selbstfreundschaften aufrecht zu erhalten. Und ich bin auch selbst sehr introvertiert, wie die Protagonistin, die halt auch nicht so offen auf andere zugeht und dann wird sie eingeladen und sagt dann lieber mal ab, aus Angst, dass sie dann irgendwie so in so einem Setting ist, wo sie sich unwohl fühlt. Und da versuche ich einfach so ein bisschen noch einen Anschub zu geben, zu sagen, probier es mal. Einfach so, aber ja. Es ist nicht irgendwas erklärt mit Freundschaft musst du schließen, weil, blablabla.
Vera
00:32:56
Ja klar, das wäre dann satt. Aber jetzt hast du ja gerade schon gesagt, dass das ja nah an dir ist. Jetzt gibst du der Figur Ratschläge, die du dir auch selbst geben würdest.
Christiane
00:33:10
Die ich mir vor vielen Jahren gegeben habe, ja.
Vera
00:33:12
Okay, also Problem ist gelöst bei dir.
Christiane
00:33:16
Ich kenne das zumindest. Ich begebe mich immer wieder in Situationen, wie auch hier zum Beispiel im, Podcast, wo ich reden muss, statt schreiben.
Vera
00:33:30
Aber das machst du gut, das ist prima. Aber du hast jetzt gerade auch schon angesprochen, so eine Frage, die mir auch vorfällt, so gekommen ist. Du hast ja gerade schon gesagt, du hast die ersten drei Kapitel gelesen und musstest selbst weinen. Wie wird man denn, wenn man schreibt und man hat ständig da so gefühlt intensive Szenen, Wie kriegt man das denn hin, da einerseits drin zu sein und trotzdem eine gewisse Distanz zu halten?
Christiane
00:33:58
Ich denke dadurch, ich bin ja nicht hauptberuflich Autorin. Ich hatte jetzt meine Arbeitszeit, jetzt ein bisschen mehr als ein Jahr auf 80 Prozent beschränkt, aber hauptsächlich bin ich in der Personalentwicklung tätig. Da komme ich immer wieder sehr gut raus. Und die Zeit, in der ich mich dann mit dem Buch beschäftige, Ihr kennt es ja selbst, das ist ja nicht nur Schreiben und sich reinversetzen. Das ist ja viel über Arbeiten, viel über Plot nachdenken und so weiter. Es sind begrenzte Zeiten, finde ich, in denen man sich da wirklich ganz tief reinversetzt und dann wirklich die ganzen Emotionen durchlebt.
Vera
00:34:32
Aber wenn du den Plot überarbeitest, dann bist du da auch drin. Und beim Überarbeiten bist du eigentlich immer drin. Also ich zumindest.
Christiane
00:34:38
Ja, zum Teil zumindest. Also wenn es jetzt irgendeine Naturbeschreibung ist zum Beispiel, dann ist das jetzt mit... Es sind ja viele... Es ist ein Wohlfühl-Roman. am Ende. Es gibt zwar dieses Thema mit, die Mutter stirbt und das nimmt sie auch sehr mit, aber das beschränkt sich auf die allerersten Kapitel und danach geht es ja wirklich bergauf. Und dann gibt es ja auch sehr viel Positives. Ich habe auch oft gelacht beim Schreiben und mich gut gefühlt. Das wiegt das schon auf. Und es ist ja auch eine Art Katharsis, wenn man mal durch diese ganzen Emotionen durchgeht.
Tamara
00:35:14
Als ich diesen Post von dir gesehen habe und diesen Begriff zum ersten Mal gelesener Peeling Fiction, dachte ich so kurz, Könnte ich da meinen Roman auch grob einordnen, weil am Ende geht es ja eben auch bei mir drum, nach dem Tod einer wichtigen Person wieder auf die Beine zu kommen. Aber das Wort Wohlfühlroman finde ich jetzt bei mir gar nicht passend, weil es sehr viel erstmal um Schmerz und Verlust und Wut und so geht. Und habe dann gedacht, gut, dann gibt es die Wohlfühl-Romane Healing Fiction und habe dann für mein Genre, sage ich mal, die Bezeichnung Dark Healing Fiction mir ausgedacht, weil wir eben mit den Protagonisten erstmal so richtig durch den Dreck durchmarschieren müssen, bevor es dann wieder rausgeht. Und wie viel Konflikt würdest du denn sagen, also wo kippt es denn deiner Meinung nach? Weil ganz ohne Konflikt ist klar, geht es ja auch nicht.
Christiane
00:36:18
Du meinst, wo kippt es dann, dass es nicht mehr zur normalen Healing Fiction gehört?
Tamara
00:36:23
Dass es einfach nicht mehr zum Wohlfühlen ist, weil zuerst zu viel Drama ist oder...
Christiane
00:36:31
Ich denke, wenn man wirklich irgendwann denkt, boah, jetzt wird es mir zu schwer, auch als Leserin zum Beispiel, da hatte zum Beispiel meine, einmal meine Agentin, aber auch meine Lektoren wirklich stark darauf geachtet, dass man jetzt nicht denkt, okay, jetzt ist die schon wieder so negativ. Und jetzt ist das schon wieder so. Was ich selbst vielleicht gar nicht so als so negativ angesehen hatte. Aber da musst du schon wirklich darauf achten, dass es in diesem Wohlfühlbereich bleibt. Und bei dir klingt das auch sehr nach Entwicklungsroman, finde ich. Ja, also Auch, ja Aber ein Dark-Healing-Fiction finde ich ganz gut Solange irgendwie aufgezeigt wird, wie diese Person dann wieder ihre innere Balance findet, Kann man das bestimmt darunter zählen, ich meine, das ist ein neues Genre Warum soll man da eine neue Unterscheure Ich hab's mal in mein Insta-Bio geschrieben, Aber ich finde jetzt.
Vera
00:37:28
Dark-Healing finde ich irgendwie ein Widerspruch in sich.
Tamara
00:37:31
Aber gut Widersprüche sind interessant Ja.
Vera
00:37:35
Außer bei Healing Fiction, da ist alles klar.
Tamara
00:37:38
Aber du hast gerade ein gutes Stichwort gesagt, deine Agentin, deine Lektorin. Du hast ja das Buch eben bei einem namhaften Verlag rausgebracht und ich habe auch deinen Beitrag gesehen, als du zu Besuch warst bei Ulstein und dann dein Buch da an der Bücherwand stand, was bestimmt ein wahnsinnses Gefühl ist. Wie leicht oder schwer war es denn für dich, bei dem Verlag unterzukommen? zu kommen. Also ich könnte mir jetzt ganz naiv vorstellen, hey, sie ist Psychologin, das Genre ist gefragt. Na, das war ja einfach. Aber war es ja bestimmt nicht.
Christiane
00:38:11
Es war eine weite Reise, wenn ich ein bisschen ausholen darf. Das fing nämlich mit diesem erzählenden Sachbuch an, das ich geschrieben habe, mit dem ich dann auch die Agentin gefunden habe.
Vera
00:38:24
Ja.
Christiane
00:38:25
Und sie dachte, weil es ja ein erzählendes Sachbuch ist und ich Psychologin bin, lässt sich das ja für leicht verkaufen. Aber Pustekuchen? Schön wär's. Die Verlage haben es gesehen. Es gab auch zwei oder drei, die da wirklich bis zum Ende mitgegangen sind und Interesse daran hatten. Und am Ende haben sie es doch abgelehnt, weil mir die Follower auf Instagram fehlen.
Tamara
00:38:47
Okay.
Christiane
00:38:47
Wenn man nämlich für Bücher braucht. Genau. Ich hatte dann schon wirklich aufgegeben, hatte gedacht, vielleicht hilft das ein Newsletter zu machen. ich möchte Leute einfach nicht auf Instagram bringen. Also nicht mit irgendwelchen, Heilungstipps oder wie findest du zur inneren Mitte, indem ich die auf Instagram aus ihrer inneren Mitte rausschmeiße, weil man nur am Scrollen ist. Finde ich, das passt einfach überhaupt nicht zusammen. Und dann dachte ich, vielleicht kann ich das mit dem Newsletter anders lösen, der so positive Nachrichten bringt und immer so ein bisschen, wie findest du zur inneren Mitte. Hat auch nicht geklappt. Ich hatte einfach nicht genügend Subscriber dann am Ende und hatte mit der Agentin ausgemacht, ich kontaktiere sie letztes Jahr, Mitte Januar nochmal, weil sie einen Verlag noch an der Hand hatte, damit sie diesen Verlag fragten, habe dann so gemeint, naja, soll man uns in drei Monaten dann treffen, dann kann ich die Rechte zurückkriegen an dem Buch und dann kann ich es ja selbst veröffentlichen. Also ich finde ja Self-Publishing super. Also es ist viel, viel Arbeit. Also da habe ich wirklich Respekt vor. Das hätte ich dann halt als Lösung dann gemacht. Und dann meinte sie, ja witziger Zufall, sie hatte sich Wochenende mit einer Freundin getroffen und meine Agentin war selbst bei Ulstein früher, Senior Elektorat. Und ihre besten oder eine ihrer guten Freundinnen ist da eben auch im Lektorat und hat sie gefragt oder hat ihr erzählt, ja, ich habe da so eine Idee für ein Buch. Da soll es darum gehen, dass eine Person irgendwie an den Garten kommt und dann ist da ein weiser Nachbar, der irgendwie hilft, wenn die hat irgendeine Krise. Kennst du jemanden, der das schreiben könnte? Und dann hat sie gesagt, ich kann mir da jemanden vorstellen, die sowas ganz gerne schreibt. Ich zeige dir mal das Buch, das ich von ihr habe. Dann kannst du dir schon mal den Stil angucken, ob es überhaupt passen würde. Und dann hatte ich es gemacht, hatte man ja klar, könnte sich schon vorstellen, ob ich mal ein Exposé schreiben könnte und eine Leseprobe. Und dadurch bin ich dann an diesen Vertrag dran gekommen.
Tamara
00:40:42
Spannend. Es war gar nicht.
Christiane
00:40:43
Dass ich das vorher geschrieben hatte, sondern die hatten quasi diese grobe Ursprungsidee. Ich habe das mit der Agenda zusammen ein bisschen ausgebaut und dann haben die dem dann zugestimmt.
Vera
00:40:55
Ah, ja, cool. Ja, da war man einfach, warst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort?
Christiane
00:41:00
Ja, absolut. Also gerade, als ich aufgegeben hatte, das war...
Vera
00:41:04
Das ist ja an sich schon eine Healing-Fiction-Story jetzt eigentlich.
Tamara
00:41:07
Das stimmt.
Christiane
00:41:08
Könnte man so nennen. War nicht ganz so cozy für mich, aber ja.
Vera
00:41:13
Du warst ja jetzt für deine Protagonistin wahrscheinlich auch nicht, oder?
Christiane
00:41:17
Das stimmt. Ja.
Tamara
00:41:22
Aber ich finde jetzt den, was du eben gesagt hast, ja, Instagram- Werbung, wenn man Leute zur inneren Balance bringen möchte, Es ist natürlich richtig, es ist eigentlich ein, totaler Gegensatz, aber wie gehst du es dann jetzt an, das Buch? Ich nehme mal an, du musst auch trotzdem Marketing machen.
Christiane
00:41:41
Ja, ich sag mal so, das ist ja in der Midlist, das ist jetzt kein Top-Titel, das heißt, das Marketing vom Verlag ist, ich würde jetzt mal minimal sagen.
Tamara
00:41:50
Überschaubar.
Christiane
00:41:52
Sehr überschaubar. Es gab einen Post auf Instagram zum Tag des Gartens. Ja. Frag mich nicht, warum. Bei Sachbüchern wird das verlangt, bei Bellet Ristick nicht ganz so sehr. Ich bin als Autorin auf Instagram, aber nicht in dieser Funktion von, ich erzähle euch hier, wie ihr zur inneren Mitte finden könnt, sondern eher, ich zeige euch was aus meinem Alltag. Ich finde, ich hoffe, dass das auch einigermaßen stimmt. Für mich ist diese Buchbubble so sehr heilsam irgendwie. Man trifft sich dann mit anderen Leuten, die an Büchern interessiert sind. Die lesen ja auch noch und nicht nur diese kurzen Beiträge, die man immer sofort weiterswipet. Also da ist noch Aufmerksamkeitsspanne da und dann finde ich das vertretbar, so auf Instagram zu sein, aber halt nicht als jetzt Expertin, die da weiterhelfen möchten.
Tamara
00:42:42
Ja. Das heißt, wie machst du noch Marketing für das Buch?
Christiane
00:42:47
Durch meinen Newsletter zum einen. Dann, ach, ich finde es wahnsinnig schwierig. Und es verkauft sich auch nicht wirklich sehr gut. Das muss ich auch dazu sagen. Es ist ein Debühroman in einem Genre, das in Deutschland von deutschen Autorinnen auch noch nicht so bekannt ist. Das heißt, vor allem die großen Buchhandlungsketten haben da echt Bedenken, das auszulegen, weil sie könnten es ja vielleicht nicht verkaufen.
Vera
00:43:12
Okay. Ich dachte, das wäre gerade so ein Hype-Thema.
Christiane
00:43:16
Ja, aus Japan und Korea, ja.
Vera
00:43:19
Okay.
Christiane
00:43:20
Matt Haig, ja, mit seiner Mitternachtsbibliothek, war erst diesen Mitternachtszug und so weiter. Ja, ja, Debüt, Mittellist, nein. Da haben die wirklich Vorbehalte. Das heißt, ich werde jetzt zum Beispiel am Wochenende mal zu so ein paar Buchhandlungen in der Gegend hier von Frankfurt gehen und einfach mal nachfragen. Ich habe so einen Waschzettel erstellt, wie man das ja auch als Selbstpublisher macht, um den dann da hinzutragen, zusammen mit dem Buch und zu zeigen, hier, schönes Buch, wollt ihr das nicht auslegen? Ich kann auch signieren, wenn ihr wollt. Das mit dem Signieren hat in Frankfurt geholfen. Ansonsten, ich finde es sehr schwierig.
Vera
00:43:57
Ja, ja, also ich meine, das ist aber jetzt unabhängig vom Genre. Als Debüt sichtbar zu werden, ist generell schwierig. Das, ist völlig egal, ob das jetzt Self-Public geht. Das ist immer schwierig. Und sonst sagt man ja, die beste Marketing ist das nächste Buch. Also du bist es jetzt halt nach dem Wundergarten, jetzt was weiß ich.
Christiane
00:44:23
Oh ja, es kommt Ende Oktober noch eins raus.
Vera
00:44:25
Ja, wie heißt das denn?
Christiane
00:44:26
Zwölf magische Nächte, da geht es um die Raunächte. Auch ein Roman. Die kam auf die gleiche Weise zu mir wie das erste Buch.
Tamara
00:44:35
Okay, interessant.
Vera
00:44:38
Ich meine, das ist ja auch legitim. Es scheint ja Urstein sicher doch, eine gewisse Gewinnerwartung zu haben, sonst würden sie das ja nicht machen.
Christiane
00:44:48
Ja.
Vera
00:44:49
Aber da sind wir jetzt auch bei einer Frage. Ich muss gestehen, Tamara sagte das ja auch. Sie hatte vorhin noch gar nicht so richtig mitbekommen. Da wusste ich auch zuerst nicht. Und habe dann jetzt recherchiert und dass das tatsächlich so ein gewisses Hype-Thema ist. Aber du sagtest ja gerade schon, Hype für das, was wirklich so aus den Ursprungsländern kommt. Wie siehst du das denn? Ist das jetzt mal so ein kurzes Auflackern? oder ist er nächstes Jahr vorbei oder ist das jetzt wirklich ein Trend, der sich länger hält?
Christiane
00:45:23
Dadurch, dass es ja in Japan schon so lange ein Trend ist, kann ich mir schon vorstellen, dass sich das noch ein bisschen länger hält, zumal ja die Weltpolitik, jetzt auch nicht gerade so viel besser wird und ich glaube, man sich wirklich gerne einfach mal zurückzieht und so ein bisschen Selbstreflexion leid hat, beim Lesen von solchen Büchern. Weil es so ein bisschen heile Welt noch ist. Und man danach denkt, ja, es gibt noch gute Dinge auf der Welt.
Vera
00:45:53
Also noch zwei Jahre, wenn Trump abgewählt ist, dann ist das vorbei.
Christiane
00:45:56
Dann ist immer noch gut hin, da fürchte ich.
Tamara
00:45:58
Aber warten wir, was dann bei uns los ist.
Christiane
00:46:01
Oh mein Gott, ja.
Vera
00:46:04
Naturkatastrophen weiß nicht was. Ja, klar. Das kann schon sein. Aber wie ist das denn jetzt? Hast du das bei Urstein gemacht? Die haben auch quasi die Initialzündung gegeben. Du wirst wahrscheinlich nicht mehr sehr viel Entscheidungsfreiheit bei Cover und sowas gehabt haben.
Christiane
00:46:20
Nein. Also bei dem Garten voller Wunder, das Cover hat mir von Anfang an sehr, sehr gut gefallen. Da muss ich gar nichts sagen. Bei dem anderen, ja, das stimmt. Man hat nicht so viel Freiheit.
Vera
00:46:33
Gibt es Kriterien, die die Cover erfüllen müssen? Also sind das immer irgendwie Pastellfarben Farben oder, Was sind so die Dinge, die so ein Buch direkt als Healing Fiction erkennbar machen?
Christiane
00:46:52
Normalerweise. Ich meine, meins ist jetzt ein bisschen anders. Das ist ja schon ein bisschen Pastell-Colored, aber da hast du jetzt nicht irgendwie einen Kaffee vorne drauf. Du hast jetzt auch nicht den kleinen Schreibwarenladen um die Ecke und keinen Mondschein-Kaffee mit irgendwelchen Katzen.
Vera
00:47:07
Okay.
Tamara
00:47:08
Nee, aber ich finde, es ist sehr in diesem aktuellen Stil, den man jetzt oft hat. Also zurzeit sind ja oft so wie Gemälde auf Covern und dann ganz groß, bold, die Schrift drüber. Also das ist ja schon gerade so der aktuelle Stil von allem, was man so als Roman bezeichnen würde. Also ein bisschen außerhalb von Genre, von daher.
Christiane
00:47:29
Roman schon. Ich weiß halt nicht, ob man sich dann was anderes darunter vorstellt, wenn man das zuerst sieht. Zumal jetzt auch die Buchhandlungen nicht unbedingt wissen, wo die das einsortieren sollen. Das macht es auch nicht einfach.
Vera
00:47:39
Okay.
Christiane
00:47:40
Also als ich in Frankfurt in der großen Kette da war, meinte der, der wird es zur Esoterik legen. Und er so, ja, was steht irgendwas mit heilende Kraft der Natur? Das ist Achtsamkeit für mich, das ist positive Psychologie. Das ist nicht unbedingt, in dem Fall. Ich meine, das andere ist natürlich spirituell, da geht es ja um die Raunechte, aber in dem Garten voller Wunder.
Vera
00:48:05
Das überrascht mich eigentlich, dass so ein großer Verlag wie Ulstein das nicht genau positioniert.
Christiane
00:48:10
Ja, mich auch. Also ich fand das echt faszinierend, dass die das überhaupt geordert haben, das Buch, oder dass die die Idee dazu hatten.
Vera
00:48:18
Ja gut, das finde ich jetzt, wenn ich meine, dass das ja so ein Trend ist, das habe ich jetzt bei meiner Recherche schon gelesen, dass dann auch die große Verlage draufsetzen, das überrascht mich jetzt nicht, aber dass die dann, so bei Cover und bei Positionierung halt nicht wirklich genau in diesem Trend liegen, sondern da so ein bisschen sich von unterscheiden, das macht eigentlich keinen Sinn.
Christiane
00:48:41
Ja, ich glaube, das liegt wirklich daran, du hast, wenn du in Buchhandlungen gehst, hast du so Ecken mit japanischer und koreanischer Literatur. Da passt es nicht rein.
Vera
00:48:51
Nee, das ist klar, da passt es nicht rein.
Christiane
00:48:53
Also wo macht man sowas dann hin? Weil dann hast du deine Ecken mit Liebesromanen. Das ist jetzt auch kein Liebesroman. Das ist richtig schwierig. Ich wüsste auch nicht so genau. Und dann hatte ich überlegt, wenn ich jetzt mal einen anderen Autoren reinwerfen darf, Carsten Hennen zum Beispiel. Mich würde sehr interessieren, wie er seine Bücher sieht, gerade zum Beispiel der Geschichtenbäcker, das hatte ich mir jetzt neulich mal als Hörbuch angehört, wo halt auch so ein italienischer Bäcker, ständig irgendwelche Lebensweisheiten von sich geben. Und ich würde das halt auch in diese Richtung sortieren. Und da frage ich mich, wo sortieren Buchhandlungen das ein? Wobei man da eher so einen allwissenden Erzähler hat. Und das hat man halt bei so Healing-Novels eher nicht. Viel ist eine Ich-Person. Bei mir ist es in so einer naja, relativ ich weiß gar nicht, wie man das sagt, geschlossene, dritte Person.
Vera
00:49:47
Also du hast eine Person, die mitspielt und das aus ihrer Sicht erzählt?
Christiane
00:49:52
Ja, die Protagonistin. Also es ist alles aus ihrer Sicht erzählt.
Vera
00:49:55
Das ist ja normal, das mache ich auch immer.
Christiane
00:49:57
Nicht in Ich.
Tamara
00:49:59
Personaler Erzähler.
Vera
00:50:01
Ja, genau.
Christiane
00:50:02
Und bei Carsten Henn, also es ist halt aus allen Perspektiven erzählt. Deswegen so ein allwissender Erzähler, wie das früher der Fall war. Wahrscheinlich macht das auch diesen ganzen Charme aus, dass man dann so diesen, gemäßlichen Erzähler hat und so. Aber das muss ja auch irgendwo einsortiert werden.
Vera
00:50:19
Ja, aber du hast doch gerade gesagt, dass du Healing Fiction als so ein Untergenre von Wolfiel-Romanen siehst. Also warum dann nicht dahin? Also mir fallen jetzt diese ganzen, Wohlfühl-Romance-Geschichten oder die Geschichten von unserer geschätzten Kollegin Karin Müller, die in Kirkby spielen, das sind auch alles Wohlfühl-Geschichten.
Christiane
00:50:41
Ja, aber so Romance ist halt wieder was anderes.
Tamara
00:50:44
Also ich muss gestehen.
Christiane
00:50:45
Null Liebesroman.
Vera
00:50:47
Ja, trotzdem Wohlfühlen ist ja dann das.
Tamara
00:50:50
Also wenn ich jetzt eine Buchhandlung hätte, ich würde es glaube ich eher so in dieses, ich sag mal, bisschen Richtung Hochliteratur tendierende, ja, sie nennen es immer einfach Roman. Also wenn ich jetzt zum Beispiel an Martina Hefter denke, hey, guten Morgen, wie geht es dir? Das ist ja auch so, also ich fand das auch einen totalen Wohlfühlroman. Also man geht so mit dieser, klar ist da auch eine Handlung, aber man geht so durch diese Zeit mit ihr und irgendwie wird viel nachgedacht und überlegt und da würde ich das jetzt hinstellen in die Ecke. Und das ist auch genau da, finde ich, wo das Cover angelehnt ist.
Vera
00:51:29
Das stimmt, Ja, das stimmt. Dann passt es ja wieder. Hat sich Unstein womöglich doch was gedacht.
Christiane
00:51:34
Ich gehe von außen.
Tamara
00:51:35
Das ist ja crazy.
Vera
00:51:40
In unserem Podcast gibt es immer wieder Überraschungen.
Tamara
00:51:47
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man Lust hat, sowas zu schreiben. Ich glaube, gerade aus deiner Position, wenn es deine persönliche Mission ist, auch so positive Psychologie irgendwie nach draußen zu tragen. Wenn jetzt jemand irgendwie sagt, ja, das ist eigentlich, was ich total gerne machen möchte, so Hoffnung den Leuten mitgeben und was Schönes erzählen, hast du einen Tipp, wie man an so eine Geschichte rangehen kann?
Christiane
00:52:14
Ich hatte es wirklich auch schon überlegt, weil ich habe noch keine Idee, wie ich selbst weitermachen will. Das hat mich meine Lektorin auch gefragt, ob ich schon weitere Ideen habe. Aber ich weiß so in diesen Scheuklappen mit diesen zwei Büchern innerhalb von eineinhalb Jahren fertig zu kriegen. Ich würde wirklich überlegen, was sind solche Dinge, die Menschen glücklich machen. Also es sind ja so Modelle aus der Psychologie. Es ist halt meine Art der Herangehensweise. Also Freundschaften machen glücklich. Es macht glücklich, eine bestimmte Art von Denkweise zu haben. Wenn man jetzt zum Beispiel eher Optimist ist, Optimistin, als jetzt irgendwie pessimistisch immer zu denken. Man kann jetzt natürlich sagen, okay, denen fehlt einfach der Realitätssinn, aber so ist es ja gar nicht. Das sind einfach Menschen, die so eine andere Perspektive haben. Einfach überlegen, was kann dazu beitragen, dass man sein Leben zum Besseren verändert. Darum würde ich dann die Story basteln. Also ich hatte mir zum Beispiel auch bei dem Garten voller Wunder überlegt, was gebe ich denn dieser Protagonistin Ella noch mit, außer dass sie irgendwie aus dieser Trauer rausfinden soll. Also welche Schwächen hat sie? Ich sage jetzt mal Schwächen. Also wird ja oft so, wenn man so introvertiert ist, als Schwäche eher angesehen. Oder wenn man eben nicht so gut darin ist, Freundschaften zu schließen, solche Sachen. Und wie kann ich die da wieder rausholen? Wie kann ich dann quasi zeigen, anhand ihrer Geschichte, so kann das zum Beispiel gehen? Oder da kann man sich mal Gedanken drüber machen, ob man vielleicht selbst dann auch das so machen könnte. Hilft das?
Vera
00:53:59
Ne, finde ich also sehr schön. Ich habe da auch in der Richtung, ich habe halt immer, also mein persönliches Problem ist halt, weil ich sagte ja gerade schon, ich habe immer das Gefühl, ich brauche irgendwie Handlung. Und das jetzt so irgendwie eine Geschichte zu machen, die 300 Seiten füllt.
Christiane
00:54:17
Wie viel füllen Sie die Bücher?
Vera
00:54:19
Ja.
Christiane
00:54:20
Das ist ja das Gute. Also ich glaube, ich weiß gar nicht, wie viele Seiten der Verlag wollte. Ich glaube tatsächlich 300. und ich habe gesagt, nee, das kannst du mit einer introspektiven Geschichte. Das geht nicht. Dann langweilt man sich wirklich. Also das hat jetzt 230 ungefähr.
Vera
00:54:36
240.
Christiane
00:54:38
Und das ist schon relativ lang. Die meisten in dem Bereich, die sind wirklich noch kleiner. Die haben um die 200.
Vera
00:54:45
Okay. Das kommt mir ja hingegen. Ansonsten, also ich versuche schon, also ich mag das. Ich zähle mich durchaus zu den Optimistinnen und ich möchte eigentlich auch immer so eine Botschaft bringen. Wenn meine Protagonisten oder Protagonistinnen ja das meistern und dass sie nach vorne gehen und so, das will ich auch schon als positive Botschaft sehen. Aber ich verpacke es halt in einer Krimi-Handlung.
Christiane
00:55:12
Warum nicht?
Tamara
00:55:14
Dafür gibt es ja verschiedene Genres.
Christiane
00:55:16
Ja eben und es mag ja auch nicht jeder Healing Fiction lesen. Die Leute, die dann Krimis lesen, kriegen dadurch was mit. Ja.
Vera
00:55:23
Ja, sehr schön, dass du den Menschen ein gutes Gefühl gibst. Also ich sage mal, ich kann mich ja zu den sehr glücklichen Menschen schätzen. Ich habe ja einen Podcast und ich denke mal mittlerweile eine Freundschaft zu Tamara. Also von daher, mein Leben kann ja kaum noch besser werden. Und du bist ja jetzt Teil der großen Talkstellenfamilie. Also deins geht jetzt auch voll ab. Also so viel Healing, da gebe ich ja nicht. Aber wir müssen jetzt noch so ein bisschen Wasser in den Wein kippen. Es gibt noch die total kritischen Buch-Bubble-Fragen von Tamara.
Tamara
00:56:02
Ach, das ist purer, köstlicher Wein. Liebe Christiane, welches Buch hat dich als Leserin denn zuletzt ganz positiv überrascht?
Christiane
00:56:13
Das wäre im Grunde gut von Rutger Prekmann. Man sieht es natürlich im Podcast jetzt nicht. Er ist aus den Niederlanden und das ist ein Sachbuch. Und es gibt so viel Hoffnung. Es zeigt einfach, wie gut die Menschen eigentlich sind. Man kriegt es halt nur nicht mit, weil natürlich Medien zeigen das ganz andere Bild. Aber es ist wirklich gespickt voll mit ganz vielen Beispielen. Richtig schön geschrieben, finde ich.
Tamara
00:56:45
Ich glaube, ich muss das lesen.
Vera
00:56:46
Ich auch.
Christiane
00:56:47
Ja, das glaube ich auch.
Tamara
00:56:48
Ich bin immer wieder so kurz davor, mir irgendwie eine Tasse oder ein T-Shirt zu kaufen mit dem Spruch, ich hasse Menschen.
Christiane
00:56:55
Genau, ja. Ich muss sagen, ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich bin auch nicht mal die geduldigste mit anderen Personen.
Vera
00:57:04
Also introvertiert und ungeduldig, das ist aber eine blöde Kombination.
Christiane
00:57:07
Ach, man hat es nicht leicht.
Tamara
00:57:12
Sag nochmal den Titel.
Christiane
00:57:13
Im Grunde gut, heißt er auf Englisch. Ich habe das also Humankind auf Englisch gelesen.
Vera
00:57:19
Ja, aber gibt es auch in Deutsch.
Christiane
00:57:21
Vom Titel her ist er. Ja, ich glaube auch original ist, glaube ich.
Tamara
00:57:24
Ach so, das Wortspiel, ja, jetzt check ich es erst.
Christiane
00:57:26
Humankind.
Tamara
00:57:27
Ja, ja, okay, okay. Ja, sehr schön.
Christiane
00:57:31
War echt schön.
Tamara
00:57:32
Und zur zweiten Frage, was hast du denn aus deinen größten Fehler gelernt?
Christiane
00:57:36
Ja, ich habe mir ja viele Podcasts von euch angehört. Meistens sagen die Leute gar nicht so, was der größte Fehler war. Aber, ich habe ja, wie ihr jetzt auch gesagt habt, Psychologie studiert. Das ist sehr lange her. Lange, lange Jahre dachte ich, ich habe keine unbewussten Glaubenssätze. Ich muss gerade selbst lachen darüber. Weil ich habe es ja studiert, ich weiß es ja, dass es sowas gibt, also sind alle bewusst. In leidvollen Erfahrungen musste ich lernen, das stimmt nicht. Ich habe da wirklich gelernt, mich selbst zu hinterfragen, immer und immer wieder, meine eigenen Reaktionen immer und immer wieder zu hinterfragen, nichts als normal anzunehmen. Also wenn Leute mir sagen, ich meine, das ist jetzt lange her, aber wenn die mir gesagt haben, du bist so empfindlich, das hat durchaus einen Grund und der liegt in mir in dem Fall und nicht an denen, also ja, das war ein sehr großes Learning.
Vera
00:58:35
Ja, das kann ich mir vorstellen.
Tamara
00:58:36
Sehr richtig.
Vera
00:58:37
Das gehört ja auch nie auf, das kenne ich.
Christiane
00:58:40
Ja, absolut. Man findet immer irgendwas, das ist echt Wahnsinn.
Vera
00:58:43
Oh Mann, da gibt es echt so viel zu finden.
Tamara
00:58:52
Das ist ein anderes Buch.
Vera
00:58:54
Erzähl jetzt nix, Tamara.
Tamara
00:58:59
Und zum Schluss, Christiane, welchen Satz sollten deiner Meinung nach alle AutorInnen über ihrem Schreibtisch stehen haben?
Christiane
00:59:06
Ja, es klingt ein bisschen wie aus Omas Mottenkiste, aber gut, Ding braucht Weile. Einfach weil, wenn man Autor, Autorin ist, Das ist Wahnsinn, wie lange sich das alles zieht, wie lange man wartet, wie viel Zeit in ein Buch fließt, wie viel Geduld man dafür braucht und überarbeiten, dann wieder überarbeiten.
Vera
00:59:28
Ja, da hast du vollkommen recht.
Tamara
00:59:31
Wie ich im Vorgespräch sagte, es dauert noch ein bisschen.
Vera
00:59:35
Genau. Bei Samara, ja, genau. Ja, liebe Christiane, ich fühle mich schon etwas geheilter als vorher, definitiv. Und wir werden auch heilende Vibes hinaus zu unseren Hörerinnen und Hörern geschickt haben. Wir freuen uns natürlich, wenn wir entsprechende Vibes auch mal zurückbekommen und ihr sagt so, was ist so euer Eindruck? Habt ihr schon Healing Fiction gelesen? Ist das was für euch? Oder seid ihr gerade dran, das zu schreiben? Geht ja schnell, sind ja nur 200 Seiten. Also da freuen wir uns immer und ihr habt ja jetzt auch gelernt, wie wichtig Instagram Follower sind, insbesondere wenn man wie wir reich und berühmt werden will. Also vergisst nicht, uns zu folgen, wo immer es geht. Und Rezensionen. Und Rezensionen. Schaut in das Buch von Christiane rein. Der Garten der Wunder heißt es.
Tamara
01:00:32
Ein Garten voller Wunder.
Vera
01:00:34
Ein Garten voller Wunder, jetzt sage ich auch mal falsch. Und vielleicht heilt es, welche Wunden auch immer ihr habt. Und jetzt habe ich ein bisschen Fahnen verloren. Ach ja, ihr wisst, was er zu tun hat. Bleibt uns gewogen, bis nächste Woche. Danke, Christiane.
Christiane
01:00:49
Vielen Dank euch.
Tamara
01:00:51
Tschüss. Danke dir.