Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Kreative Freiheit und Erfolg: Christoph Straßers kontroverses Autorenleben

Von Gedichten über berühmte Rapper und P*rnostars bis zu den Katzen in Mazedonien: Christoph Straßer lässt sich als Autor nicht in Schubladen stecken. In dieser Folge erzählt er uns, warum ihn gerade die unbequemen Themen reizen und was ihn antreibt.

16.07.2026 62 min

Zusammenfassung & Show Notes

Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Von Gedichten über berühmte Rapper und P*rnostars bis zu den Katzen in Mazedonien: Christoph Straßer lässt sich als Autor nicht in Schubladen stecken. In dieser Folge erzählt er uns, warum ihn gerade die unbequemen Themen reizen und was ihn antreibt, zu schreiben.

Christoph berichtet, wie er über schlechte Gedichte und brisante Biografien zum Roman fand und wie ihn das Schreiben zu außergewöhnlichen Orten und Menschen dieser Welt führte.

Für die Biografie über Harry S. Morgan war er ein Jahr lang in der P*rnobranche unterwegs. Größere Wellen schlug seine Biografie über 'Mehmet' Muhlis Ari, die schon vor Erscheinen für mediale Aufregung sorgte.

Wir sprechen darüber, warum ihn gerade kontroversen Stoffe interessieren, welche Vorteile Christoph in kleinen Verlagen sieht und warum er seinen Kühlschrank im Zweifel lieber mit anderen Tätigkeiten als dem Scheiben füllt.

Links

Unser Gast:
https://www.christophstrasser.de/
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Christophs Buchtipp: 'Gromzell' von Dirk Bernemann
https://www.amazon.de/dp/3949671242

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Transkript

Vera
00:00:00
Vom Pornostern zu den Katzen von Mazedonien. Christoph Strasser ist da. Er hat eine lange Erfolgsgeschichte als Ghostwriter, als Schreiber von Biografien für Menschen wie den Rapper-Kollega und berühmten Pornoproduzenten und schreibt heute Romane, von denen er selbst sagt, dass die nicht so richtig an Genre passen, die aber kritische und satirische Themen aufnehmen.
Tamara
00:00:26
Ein super erfrischendes Gespräch mit einem Autor, der sich in keine Schublade pressen lässt und trotzdem seine Erfolge vorzuweisen hat. Mir hat sehr, sehr viel Spaß gemacht. Hör auf jeden Fall rein. Die zwei, Hier ist Folge 320 von die zwei von der Talkstelle, den Podcast übers Schreiben und Veröffentlichen im Self-Publishing und im Verlag. Mir gegenüber leuchtet die liebe Vera, nennt mich in einem knallpink, sommerlich-fröhlichen Shirt. Ich bin nicht ganz so leuchtend, Tamara Leonhard. Hallo Vera.
Vera
00:01:19
Ja, hallo schon Tamara. Na ja, du leuchtest ja innerlich.
Tamara
00:01:26
Ja.
Vera
00:01:26
Naja, bei mir leuchtet gerade auch nur das Shirt. Also, ja. Und hattest du denn spannende Sachen zu tun oder einfach nur viel Arbeit?
Tamara
00:01:35
Ich überlege gerade irgendwie.
Vera
00:01:37
Okay.
Tamara
00:01:38
Habe ich das Gefühl, wir haben gestern erst gesprochen. Also ich hatte zwischendurch ein Interview für einen Podcast. Das wird allerdings im Dezember erst ausgestrahlt. Das werde ich dann nochmal erzählen.
Vera
00:01:51
Da sind wir weiterhin.
Tamara
00:01:52
Genau. Aber ansonsten überlege ich wirklich, was war. Und ich glaube, ich habe einfach so vor mich hingearbeitet.
Vera
00:01:59
Ja, muss man ja auch belegen, die Stutt. Ich wäre froh, wenn ich das denn so getan hätte. Oh, was ist los? Nö, nichts Schlimmes. Ich bin so ein bisschen einfach aus dem Schwung gekommen. Ich war ja an einem Samstag, da war ich auf dem Schwiegenboden-Festival.
Tamara
00:02:16
Ja, wie war das denn?
Vera
00:02:17
War und ich meine, war nachher, wir hatten da so knappe vier Stunden. Problem war, das war ja Open Air auf einer großen Wiese und wir hatten halt die Sonnenseite. Gott sei Dank hatte einer der Kollegen, mit denen ich da zusammen war, so ein Pavillon, dass wir so ein bisschen Schatten hatten, aber es war natürlich trotzdem warm. Und leider Gottes haben sich natürlich die meisten Besucher eher auf der Schattenseite aufgehalten, zumal da der Bier- und Eisstand war. Aber ich sag mal Also ich habe jetzt in den dreieinhalb Stunden elf Bücher verkauft. Das ist ja eine gute Quote.
Tamara
00:02:51
Ja.
Vera
00:02:52
Ich kenne zwei tägliche Messen, wo ich weniger verkauft habe. Was mich ja immer ein bisschen schockiert ist, das war jetzt ja wirklich nur 50 Meter, vom Tatort meines ersten Bienen-Hagen-Krimis weg, also mitten in Gräfrath, wo ich seit zehn Jahren Krimis schreibe und wirklich wie viele Menschen da in unserem Stand waren, die noch nie von meinen Büchern gehört hatten. Das frustriert mich ja total. Ich denke immer, ich rödle. Manchmal, man hat das Gefühl, jetzt hier auch zu viel Werbung zu machen und die Leute überforderst. Ich habe mal wieder festgestellt, du kannst gar nicht zu viel machen. Die Leute kriegen das ja nicht mit.
Tamara
00:03:32
Ja, nee, wenn die diese Zeitschrift oder diese Zeitung da nicht lesen und nicht auf Social Media in derselben Bubble unterwegs sind, woher sollen sie es wissen?
Vera
00:03:41
Ja, gut, ich habe ja da auch Veranstaltungen gehabt und alles. Aber ja, anscheinend ist das so. Also ist da noch Luft nach oben, würde ich sagen. Immerhin habe ich dem Bürgermeister mal die Hand geschüttelt. Der weiß jetzt auch, wer ich bin. Ja, aber wie gesagt, ich war da so ein bisschen, ich bin so gerade so in der Mitte, auf der Hälfte des Schreibprojektes. Und irgendwie hatte ich so ein bisschen den Kontakt verloren. Ich weiß auch nicht, wie ich das ausdrücken soll. Ich weiß, du kennst das vielleicht, wenn du so im Schreibprozess bist, dann denkst du da dran und dann setzt du dich hin und dann hast du sofort die Handlungsfäden und so, bist du einfach drin. Und irgendwie, ich weiß nicht wodurch, aber irgendwie war dieser Faden gerissen und ich musste jetzt die letzten zwei Tage erstmal wieder alles lesen, was ich da geschrieben habe und, auch ein paar Sachen ändern, also so ein bisschen rumflicken, sodass ich jetzt halt nicht so in den Schreibflug gekommen bin, was natürlich dann auch dazu führt, dass mein Tageswordcount jetzt natürlich auch, so langsam in die unangenehme Größenordnung kommt, was mich dann auch nicht gerade motiviert. Ich will aber auch nicht verschieben das Enddatum. Also es ist immer noch genug Luft für die Veröffentlichung, aber so weit bin ich noch nicht. Ja, ich muss also da jetzt auch wieder ein bisschen drankommen. Aber ich bin jetzt auch ganz guter Dinge. Ich habe jetzt, wie gesagt, noch mal alles durchgearbeitet und finde es jetzt auch sehr stimmig alles und habe jetzt auch wieder alle Szenen so vor Augen, sodass ich denke, dass es jetzt morgen dann wieder losgeht. Und darüber hinaus habe ich dann morgen auch einen Termin bei der letzten verbliebenen Krawattenfirma in Krefeld.
Tamara
00:05:21
Okay.
Vera
00:05:22
Zum Hintergrund, mein Hauptfigur Lutz Weber ist ja ehemaliger Krawattendesigner. Und ich hatte so letzte Woche, momentan habe ich ja immer so viele Ideen, wie habe ich das direkt umgesetzt, habe ich mal verschiedene Institutionen in Krefeld angeschrieben, die vielleicht Interesse haben konnten. Unter anderem Heimatverein und halt auch die Krawattenfirma. Und hatte dann einfach mal so spontan beim Schreiben die Idee, ich frage die, ob die nicht in der Krawatte für die Buchstatt Party spenden wollen. Okay. Dann haben sie direkt zurückgeschrieben und wie toll sie das finden und, dass sie natürlich in der Krawatte spenden. Und dann habe ich den Faden aufgegriffen und habe gesagt, ja, dann, wenn ich die dann abholen könnte, ob sie da noch mal ein paar Minuten Zeit für mich hätten, dass ich noch ein paar Fachfragen stellen kann. Hatte sie und jetzt habe ich dann morgen Termin. Ohne.
Tamara
00:06:15
Also du willst eine Krawatte und was machst du mit der?
Vera
00:06:18
Das weiß ich noch nicht. Ich habe da überlegt, also im einfachsten Fall verlose ich sie einfach an der Buchstatt-Party. Habe aber überlegt, ob ich da auch vielleicht was Social-Media-Aktionen draus machen kann. Jetzt gehe ich mal davon aus, dass Krawatten nicht mehr so innen sind. Und ich weiß nicht, ob ich die dann Social-Media verlosen soll, so als Gag. Weiß aber nicht, ob das so zieht. Also so richtig weiß ich es noch nicht. Ich habe ein spontaner Gedanke. Also wenn da jetzt da draußen jemand eine total coole Idee hat, was ich mit der super duper Ascot-Krawatte aus Krefeld dann machen soll, ich bin dankbar für Tipps.
Tamara
00:06:57
Denken wir alle nochmal intensiv nach.
Vera
00:07:00
Ansonsten wird sie einfach auf der Buchstattparty irgendwie verlost oder ich mache irgendein Quiz und der Gewinner kriegt sie oder so.
Tamara
00:07:07
Natürlich auf der Rückseite von designiert.
Vera
00:07:09
Genau, natürlich. Natürlich. Und sowas halt.
Tamara
00:07:16
Aber apropos intensiv nachdenken, gerade kam mir, dass ich doch was noch erlebt habe. Die Hitze hat mein Gehirn irgendwie wieder völlig aufgefeicht. Ja, ich hatte am Samstag ja ein Fotoshooting und da sollte es ja auch so heiß werden und deswegen haben wir gesagt, wir treffen uns gleich um 9 Uhr an so einem Lost Place und ja, hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe gesagt, ich würde gerne mal was irgendwie so mit Schreibmaschine und E-Gitarre machen. Und ja, da haben wir drei, vier, vier verschiedene Locations ausprobiert. Mal mit Gitarre, mal mit Schreibmaschine, mal nur ich. Und es hat sehr, sehr viel Spaß gemacht. Und ich finde, es sind noch recht coole Sachen dabei rausgekommen.
Vera
00:08:01
Ja, schön.
Tamara
00:08:02
Ja, jetzt habe ich nochmal einen neuen Schub an Fotos, die ich verwenden kann. Und ja, freue ich mich sehr.
Vera
00:08:10
Ja, sehr schön. Es macht auch immer Spaß.
Tamara
00:08:12
Ja, auf jeden Fall.
Vera
00:08:14
Ja, und ansonsten, also klar, ich habe jetzt, ich denke mal, morgen, also wir haben heute Dienstag, morgen am Mittwoch wird dann mal wieder ein Buchbububu, ein Buchbububulleton rauskommen. Ich muss es noch ein bisschen feintunen. Und ja, mit so Sachen beschäftige ich mich halt. Und weiter schön meine Amazon Ads betreuen und gucken, dass das irgendwie mal so in die Gewinnzone kommt. Also, Business as usual, würde ich sagen.
Tamara
00:08:45
Ein letztes Ding habe ich, glaube ich, noch gar nicht erwähnt, weil es irgendwie noch so weit weg ist gedanklich. Ich habe eine Lesung vereinbart in einem Vorort von Saarbrücken im September 2027. Keine Ahnung, was ich da lese. Ich muss da noch einen Text vorbereiten, der irgendwie halt nicht zu schwammig sein sollte, aber halt auch nicht irgendwie so konkret sein kann. Aber ja, finde ich ganz witzig.
Vera
00:09:13
Ja, so ist das bei den Stars. Die haben ja immer schon die Pläne für die nächsten Folgejahre schon voll.
Tamara
00:09:18
So sieht es nämlich aus. Ja, so ist das.
Vera
00:09:24
Ja, jetzt muss ich irgendwie gucken, dass wir eine gescheite Überleitung zu unserem Gast hinkriegen.
Tamara
00:09:29
Ja, zu den richtigen Stars.
Vera
00:09:31
Genau, zu den richtigen Stars. Er hat zumindest sehr innigen Kontakt zu einigen Stars oder auch einigen, ich weiß nicht, ob die Stars sind, auf jeden Fall Namen, die man kennt, aber die man vielleicht nicht unbedingt als Star bezeichnen würde. So könnte man das sagen. Unser heutiger Gast hat einen doch sehr abwechslungsreichen Werdegang, wenn man so seine Vita studiert und Tamara und ich haben ihn kennengelernt auf einem Literatur-Event in Krefeld, und da hat er aus seinem neuesten Werk gelesen, sehr amüsant und dann haben wir gesagt, hey, du musst unbedingt in unseren Podcast kommen und er hat zugesagt, heute ist er hier, die Rede ist von Christoph Straßer. Hallo Christoph.
Cristoph
00:10:17
Hallöchen, hallo zusammen. Hallo Tamara.
Vera
00:10:20
Sag mal Christoph, ich habe mich natürlich ein bisschen mit dir beschäftigt, habe so gelesen und da habe ich gelesen auf deiner Webseite, dass du gerne nachts aufstehen möchtest, um deine alten Gedichte zu verprügeln. Wie muss ich mir das vorstellen?
Cristoph
00:10:36
Ich glaube, jeder kennt ja so eine Situation, dass man vor zig Jahren mal irgendwas total Doofes gesagt hat, aber sich da immer noch ein bisschen für schämt und dann geht so ein Zucken durch den Körper. Das habe ich auch und ich habe es besonders, wenn ich an meine literarischen Anfänge denke, als ich gedacht habe, oh, ich schreibe Gedichte, das kann ich, da bin ich gut drin. Und ich wurde leider da auch bestärkt, indem man die Gedichte in Anthologien veröffentlicht hat. Tatsächlich sind die aber, also ich finde die nicht gut. Und wenn ich da teilweise daran zurückdenke, was ich da so Ende der 90er, Anfang der Nullerjahre so stolz zu Papier gebracht habe, da habe ich dann auch schon Scham, empfinde ich da. Ich habe dann gemerkt, Lyrik ist halt nicht mein Format.
Vera
00:11:24
Ja, ich würde mir wünschen, so mancher hätte diese Selbsterkenntnis, aber ich glaube, das kennt jeder. Wenn ich so mein erstes Büchlein, das ich veröffentlicht habe, zurückdenke, ich meine, ich habe es später nochmal überarbeitet, aus genau eben diesem Grund, da denkt man sich auch, aber vielleicht muss es aber einfach so sein.
Cristoph
00:11:45
Ja, also klar, wenn ich meine ersten Sachen so Revue passieren lasse, da bin ich dann auch ein bisschen anders. Also da denke ich auch, okay, das könnte man heute anders machen, das könnte man anders erzählen. Handwerklich könnte man das anders machen. Aber ich schäme mich da eigentlich nicht für. Das habe ich dann wirklich noch mit tollen Gedichten.
Vera
00:12:02
Wobei dein erstes Buch war, glaube ich, Pornostar.
Cristoph
00:12:06
Pornostern.
Vera
00:12:06
Pornostern. Und da war es ja direkt dann in der Porno-Szene drin. Ich meine, das ist ja mal ein guter Start, oder?
Cristoph
00:12:14
Ja, das ist super, das finde ich immer noch gut. Also das Buch liebe ich aus vielen Gründen heiß und innig. Unter anderem war das mein erster Roman, der dann halt bei einem Publikumsverlag erschienen ist. Und da sind also Verleger aktiv auf mich zugekommen und haben gesagt, du bist jetzt Autor, weil ich bis dahin nicht. Das war super und das war auch also hat sich auch gut verkauft, die Kritiken waren gut und es ist halt also so ein richtig rotzfreches, derbes Ding, das man heute gar nicht mehr machen würde und auch kein Verlag mehr würde das anfassen.
Vera
00:12:47
Warum?
Cristoph
00:12:49
Ach, es ist einfach, also Porno ist eh schwierig und in dem Buch geht es auch schon zur Sache. Also ich bin da schon sehr explizit und sehr deutlich und habe auch als Zuschauer, möchte ich betonen, Erfahrungen in der Pornobranche gesammelt. Also ich habe mich mit Regisseuren, Darstellern, Produzenten unterhalten können und es ist alles doch schon recht authentisch und auch die Sprache ist da schon sehr authentisch. So, da würde man heute wahrscheinlich ein bisschen zurückschrecken.
Tamara
00:13:17
Vielleicht war das damals einfach so eine Möglichkeit zu provozieren und heute ist es das halt einfach nicht mehr. Und dann hat es so diesen Sparkle verloren dadurch. Auf jeden Fall.
Cristoph
00:13:30
Also dieser Marketingfaktor ist auf jeden Fall weg. Also das ist damals bei U-Books erschienen und die Reihe, in der es rausgekommen ist, nannte sich dann Antipop. Also bewusst halt, da ging es dann halt irgendwie um Sex und um Drogen und Hauptsache nicht Mainstream. Und ja, das war halt dieser unique selling point, wie wir Marketing-Experten sagen. Und dementsprechend wurden da halt die Romane auch veröffentlicht, um anzuecken, um zu provozieren, um sich halt von den großen Verlagshäusern abzusetzen.
Tamara
00:14:00
Ja, wenn ich denke, wie damals das so ein Riesending war, wenn ein Comedian das F-Wort im Fernsehen sagte, da holst du heute halt keinen mehr hinterm Ofen vor.
Cristoph
00:14:10
Ja, genau. Also das ist auch vorbei. Also wir hatten jetzt auch, die großen Verlage sind dann auch irgendwann darauf angesprungen und da gab es im Prinzip gar keinen Protagonisten mehr, der nicht auf Drogen war, der nicht irgendwie rumgehurt hat. Und da gab es dann auch irgendwann so einen Sättigungseffekt und die Leute hatten da auch keinen Bock mehr drauf.
Tamara
00:14:27
Aber wie sind die zu dir gekommen, wenn die gesagt haben, du bist jetzt Autor? Wie kam die auf dich?
Cristoph
00:14:33
Ich habe mich bei Verlagen vorgestellt, wie es sich gehört, mit dem Manuskript. Und U-Books ist dann damals zu mir gekommen und hat gesagt, wir machen das. Das ist super. Und das war, ich glaube, mein dritter Versuch mit dem Roman. Und das fand ich dann schon, ich kannte die ganzen Geschichten halt auch. Du brauchst eine Agentur, sonst kannst du es gar nicht erst versuchen. Und die antworten dir alle eh nicht. Und bei mir war es dann halt, zumindest bei dem Roman später dann auch nicht mehr, dass du halt dritter Verlag, U-Books, direkt geantwortet haben, super, machen wir. Halt jetzt auch nicht, schick uns mal das ganze Manuskript und lass uns mal reden, sondern wirklich direkt Zusage. Geil. Und das war auch ein toller Moment, weil ich gedacht habe, das geht jetzt immer so weiter.
Tamara
00:15:15
Nein.
Vera
00:15:17
Wobei du hast ja dann, wenn ich das mal so ein bisschen provokant sage, so eine kleine Porno-Karriere hingelegt, als, Du hast ja dann sogar noch so einen berühmten Pornoproduzenten die Biografie geschrieben.
Cristoph
00:15:29
Ja, Harry S. Morgan, das war seinerzeit Europas erfolgreichster und bekanntester Pornoproduzent. Der ist dann halt aufgrund des Romans an den Verlag herangetreten, der Verlag dann wieder an mich. Und ja, da haben die gefragt, hör, hast du Bock, das zu machen? Der Michael Schey, so heißt er bürgerlich, hat damals in Düsseldorf gelebt, wie ich auch, und das war schon mal gut. Und ja, er suchte halt einen Autoren, der das halt für ihn macht. Und der halt vor dem Thema keine Angst hat. Weil das war dann auch vielen so, nee, man ist ja dann doch irgendwie Schriftsteller und dann hat man ein Rollkragenpullover und rennt über die Bruchmesse. Und so mit Pornoleuten eher nicht. Und das Problem hatte ich nicht. Ich war noch nicht so lange dabei und ich hatte auch keine Berührungsangst. Ich habe gesagt, super geil, machen wir halt. Dann haben wir uns mal getroffen auf dem Bierchen, haben uns direkt super verstanden und dann war ich ein Jahr mit ihm unterwegs und habe seine Biografie geschrieben.
Tamara
00:16:20
Klingt ja sehr interessant.
Cristoph
00:16:21
Ja, da war es.
Vera
00:16:22
Da müssen wir jetzt auch, wir sind ja der investigative Podcast, da wollen wir jetzt ja auch ein bisschen tiefer wissen. Ich meine, wie ist das denn, wenn man ein Jahr oder tiefer so in der Porno-Szene unterwegs ist? Das stelle ich mir jetzt ja herausfordernd vor.
Cristoph
00:16:36
Ja, also ich hatte ja schon so ein bisschen über ein paar Ecken Bekanntschaften, die dann halt irgendwie da aktiv waren, was mich ja auch dazu gebracht hat, den Roman Pornostern zu schreiben. Aber jetzt wirklich so jeden Tag dabei zu sein, nicht jeden Tag, aber so mehrmals die Woche, dann irgendwie mit zu Dresd nach Berlin zu fahren und was weiß wohin Neuss und halt ja auch in die Provinz. Und also das ist schon ein Einblick, den man dann hat, man kommt schon schnell dahinter, das ist einfach ein Routinejob, das ist wirklich ein 0815 Job, wenn man sich den ganzen Sexkram da mal wegdenkt, ist es halt ein ganz normaler Job und wie in jedem anderen Job hast du halt, verrückte Kollegen, schlaue Kollegen, dumme Kollegen, Kollegen, die fürs Alter sparen, Kollegen, die alles in der nächsten Disco auf den Kopf hauen.
Vera
00:17:22
Mhm.
Cristoph
00:17:23
Es ist sehr banal. Also banaler, als man glauben könnte. Und es ist halt auch als Zuschauer zumindest auch ein gutes Stück langweilig. Also wenn man da so sitzt und das ist die siebte Szene des Tages, die gedreht wird und man hat dann da irgendwie zwei Meter von einem entfernten Pärchen, das da gerade Gott weiß was macht und man guckt einfach nicht hin, weil so, boah, nicht schon wieder.
Vera
00:17:46
Hast du daraus was fürs Leben gelernt?
Cristoph
00:17:48
Nein, nein. Also ich bin ja Spätblüher, was Romane und Schriftstellerei angegangen. Also ich war ja da auch schon so Gide in den Anfang der 30er Jahre und da gab es nicht mehr viel zu lernen. Also nicht von Porno.
Vera
00:18:00
Nein. Aber du hast ja, das zieht sich ja so ein bisschen durch, du hast das schon, kann man das Reizthemen nennen, bearbeitet? Ich meine, du hast dann damals diesen Mehmet da, die Biografie geschrieben, der kann ich mich noch gut erinnern, dass das ja durch die Presse ging. Ich meine, wie kommt denn sowas überhaupt zustande? der war ja dann in der Türkei und.
Cristoph
00:18:25
Ja, also das war, also so ganz genau weiß ich auch nicht, wie das zustande gekommen ist. Ich habe einen Anruf gekriegt von dem Verlag, bei dem ich damals halt irgendwie, oder wie war der, jetzt muss ich selber mal überlegen, genau. Ich habe einen Anruf von einem Verlag bekommen, der mich gefragt hat, ob der Anwalt von Mehmet mich kontaktieren dürfte, um seine Biografie zu schreiben.
Tamara
00:18:47
Fass es vielleicht, wenn ich reingrätschen darf, nochmal kurz in drei Sätzen zusammen für die, die jetzt gerade nicht parat haben, um was es da ging?
Cristoph
00:18:55
Mehmet Ismulisari, das ist, ich glaube 1994 war es, das war ein ganz großer Fall, der war damals 14 Jahre glaube ich oder 13 Jahre, ich weiß es gar nicht mehr, auf jeden Fall ständig irgendwie mit der Polizei in Konflikt und da hat die bayerische Landesregierung ein Exempel statuieren wollen und hat ihn dann in die, in Anführungszeichen, Heimat abgeschoben, ohne seine Eltern. Er hatte einen türkischen Pass und die Eltern kamen auch aus der Türkei, aber er selber war in München geboren. Das heißt, dann haben sie dann in die Türkei abgeschoben.
Tamara
00:19:27
Mit 13.
Cristoph
00:19:28
Mit 13, irgendwie so. Ohne Eltern, er sprach die Sprache nicht und war ein ganz großes Ding. Unter den Medien war das natürlich damals auch ein ganz großes Theater. Und seitdem sitzt er da und versucht immer noch zurückzukommen. Und da wurde ich halt gefragt, ob ich den Schluss hätte. immer wieder rüber zu fliegen, mich mit ihm zu treffen und die Biografie zu schreiben. Damals natürlich super halt. Das war toll. Und ja, dann kam dann auch so eine Situation, dass ich da zu Hause in der Küche sitze und dann ruft mich irgendeine Handynummer an, die ich nicht kenne und dann stellt sich einer vor. Ja, hier, bla bla bla. Vom Spiegel. Oh, der Spiegel ruft mich an. Auch da habe ich gedacht, oh, das geht jetzt immer so weiter. Hat es auch nicht. Nee, aber das Buch ist halt auch lange vor erscheint schon in der Luft zerfetzt worden, von wegen hier Serientäter, wie kann man ihn unterstützen und ganz schlimm. Ja, kann ich verstehen, aber ja.
Vera
00:20:25
Aber es war ja viel Werbung, es war ja glaube ich doch schon ein Bestseller.
Cristoph
00:20:30
Oder? Ich glaube schon, ja. Also es war, es hätte besser sein können, aber tatsächlich ist da sehr viel Hass drüber gekübelt worden und, ehrlicherweise muss man dazu sagen, dass es auch nicht geholfen hat, dass dann halt kurz nach Veröffentlichung Mehmet in der Türkei schon wieder verurteilt wurde. Wegen irgendwas.
Vera
00:20:45
Okay.
Cristoph
00:20:47
Ich glaube, irgendwie so Kleinigkeiten, Freiheitsberaubung, Körperverletzung. Das hat dann den Start des Buchs auch so ein bisschen behindert.
Vera
00:20:59
Aber kann man das so wenn ich das so sehe, kann man so sagen dass so Reizthemen, im wahrsten Sinne des Wortes dich auch reizen?
Cristoph
00:21:08
Ja, also mich reizt alles was ich persönlich ganz subjektiv als interessant empfinde.
Vera
00:21:13
Aber es muss schon ein bisschen was also ich meine manche empfinden irgendein Auto interessant oder so Aber bei dir muss es schon ein bisschen was fetziger und reizvoller sein, oder?
Cristoph
00:21:26
Ja, also es muss mich persönlich interessieren. Würden mich Autos interessieren persönlich, was sie im Prinzip nicht tun, dann würde ich vermutlich auch ständig über Autos schreiben. Aber man wird ja auch ruhiger im Alter. Also ich fand es damals halt auch schon ein bisschen spannend, natürlich dann mit so Büchern so ein bisschen anzuecken. Und dann schickt man ein Rezensionsexemplar an irgendeine Stadtpostelle und die dann halt zwei Seiten völlig entsetzt über dieses Buch schreibt, die kann man nur, was das denn? Und aber... Und ja, also mir fliegen die Themen halt so ein bisschen zu. Wenn mich was interessiert und wenn mich was packt und ich das Gefühl habe, so okay, da kann man was draus machen, dann mache ich da was. Also ich habe auch viele Sachen, die mich völlig interessieren, aber zu denen ich keine passende Geschichte habe. Ich versuche ja auch immer eine Geschichte zu erzählen, nicht einfach nur hinzuklatschen, was mich gerade interessiert. Und da hakt es dann halt sehr oft bei mir, dass ich halt keine Geschichte dazu habe. Aber so Aufstieg und Fall eines Pornodarstellers war schon eine interessante Sache. Dann gab es ja auch diesen Sexschlop-Angestellten, Hasi. Das war auch super. Aber es gibt dann auch durchaus ruhigere Sachen, wie jetzt im aktuellen die Katzen von Mazedonien, in dem es einfach nur darum geht, wie jemand da ein ihm völlig fremdes Land kennenlernt.
Vera
00:22:36
Wobei du ja schon auch in die Welt der Callcenter eintauchst, oder?
Cristoph
00:22:41
Ja, am Rande. Also das gibt Schlimmeres. Ich meine natürlich, mit Callcentern hat man ja auch seine Erfahrung als Kunde. Also das ist ja auch globalisiert und internationalisiert. Da ruft einen ja auch jemand vom anderen Ende der Welt an, wenn man da irgendwie Kummer hat mit seiner Lieferung. Also ich habe jetzt auch letzte Woche wieder mit irgendjemandem telefoniert von, Amazon darf man ja nicht sagen, von einem großen Versandhändler, weil mein Kabel nicht kam und dann hatte ich dann auch jemanden mit einem wirklich sehr derben indischen Akzent, der sich dann auch so als Peter Schmidt vorstellt. Das ist halt grotesk, aber man spielt das Spiel halt mit, weil ja gut, das Peter Schmidt, was soll es überhaupt, der hat mein Kabel so.
Vera
00:23:20
Ja.
Cristoph
00:23:22
Und so ist es ja auch wirklich. Also was in dem Buch da auch am Rande, das ist nicht das Hauptthema, geschildert wird, ist halt natürlich auch, dass da irgendwie in aller Welt irgendwelche Büros aufgemacht werden und damit da Leute die Service-Hotline übernehmen für irgendwelche Firmen, die möglichst Personalkosten sparen wollen. Weil die Welt ist ja im Prinzip online, ist auch ein paar Ausnahmen. So in Deutschland hat ja jeder flächendeckend Internet. Und der einzige Faktor, der da wirklich noch zu berücksichtigen ist bei der Kalkulation, ist halt Mensch, wo sind Menschen billig? So, und da gibt es dann halt noch die Türkei, da gibt es den Balkan, da gab es mal die Ukraine, da ist aber jetzt aktuell, ne? So, jetzt hier irgendwie einen Deutschen mit seinem gewerkschaftlich erstrittenen Mindestlohn von 17 Euro noch, im Himmelswillen, der telefoniert nicht für Amazon. Da kostet ja Vermögen. Ja, aber das ist auch nur am Rande Thema.
Vera
00:24:13
Ja, ja.
Cristoph
00:24:14
Aber klar, spielt auch eine Rolle.
Vera
00:24:17
Jetzt, ich habe ja auch gesehen, Du hast gesagt, am Anfang war es ja noch so ein Publikumsverlag, denn deine Biografien sind ja auch, ein VG habe ich gesehen und durchaus namhafter Verlagen. Jetzt bist du ja eher, Zumindest sind das Verlagsnamen, die ich noch nie gehört habe. Also vermute ich mal, dass das so kleinere Verlage sind.
Cristoph
00:24:38
Ja, es ist kleinere Verlage. Also tatsächlich der große Verlag, das war die Münchner Verlagsgruppe damals mit den Biografien. Das war halt auch seinerzeit, ich glaube, Europas größtes Verlagshaus, was sowas angeht, Biografien und so. Meine Romane sind tatsächlich immer eher in so kleinen beziehungsweise mittelgroßen Verlagen erschienen. Das hat sich bisher heute auch nicht geändert, weil halt auch die großen Verlage, viele Sachen einfach nicht anfassen. Also das muss Mainstream sein. Die müssen das Manuskript sehen und müssen direkt sehen, okay, das sind 30.000 verkaufte Bücher auf jeden Fall. Weil der Branche geht es halt schon seit Jahren wirklich nicht gut und da wird halt auf die nackten Zahlen geguckt. Ich persönlich kenne auch Autoren, die halt bei Rowold und Fischer und Gott weiß wo waren und dann einfach auch einen Tritt gekriegt haben, weil, ne, Der aktuelle Roman lief nicht und dann vorbei. Den zweiten machen die da nicht. Und ich finde halt, gerade bei den kleinen Verlagen, finde ich die Entwicklung halt auch sehr spannend, weil dann in Anführungszeichen namhafte Autoren auch wirklich da veröffentlichen, weil sie da noch eine gewisse kreative Kontrolle haben. Dann wird da nicht wie noch eine Liebesgeschichte reingezwungen, die da gar nicht reingehört. Oder ursprünglich nicht reingezwungen. Einfach nur, ja, sonst haben wir den Marktanteil bei den weiblichen Leserinnen nicht. Muss das in dem Land spielen? muss dieses Wort da vorkommen, können wir das Wort nicht einfach streichen? Das sind Debatten, die du mit kleinen Verlagen nicht hast, die sind halt mutig und die sind wirtschaftlich halt so aufgestellt, dass die von den Büchern im Prinzip auch nicht leben müssen, weil die Verleger selber eigentlich noch einen richtigen Job haben. Deswegen findet man die Bücher auch in den großen Buchhandlungen halt extrem selten, einfach weil die Masse nicht anspricht.
Vera
00:26:22
Die haben ja auch keine Vertretung, Vertriebsteam oder sowas.
Cristoph
00:26:25
Nein, ach was, gar nicht, haben die alles nicht. Das ist Mundpropaganda, das ist Social Media und dann hoffen wir das Beste.
Tamara
00:26:31
Was würdest du denn sagen, ist für dich der Vorteil eines kleinen Verlags im Vergleich zu Self-Publishing? Weil ich glaube, das hast du ja auch schon ausprobiert.
Cristoph
00:26:40
Oh ja, also Self-Publishing habe ich zweimal gemacht und zwar anno 2007.
Vera
00:26:46
Oh, da gab es das auch gar nicht so richtig.
Cristoph
00:26:48
Richtig, also ich würde mich auch nie als Self-Publisher bezeichnen, um Himmels Willen. Also ich habe damals mein Manuskript an Books on Demand geschickt, dann habe ich denen irgendwas überwiesen und dann haben die das gedruckt. So, das war's. Self-Publisher heute ist ja eine völlig andere Geschichte. Also mit Ehrfurcht sehe ich, was diese Leute da teilweise leisten. Also von Cover-Satz und Druck und Korrektorat und Lektorat, die machen ja alles selber. Und dann am Wochenende knallen die sich das Auto mit Kisten, weil sie ihren Büchern voll und fahren dann zur Messe nach Pusemuckel. Also ja, Das ist wirklich Leidenschaft und Herzblut. Das muss man bewundern. Das ist toll. Und auch, was die Leute ausgeben. Also auch Werbung und Vertrieb, das machen sie ja alles selber. Das habe ich alles nie gemacht. Also ich bin kein Self-Publisher. Ich habe das irgendwann mal einfach irgendwo hingeschickt, gesagt, hier Druckdaten. Und dann haben die gesagt, okay, kostet 40 Euro. Und dann, ja, das ist 40 Euro. Das war es. Ich bin kein Self-Publisher, überhaupt nicht.
Tamara
00:27:46
Also für dich ist das Angenehme, dass du dich nicht um alles kümmern musst?
Cristoph
00:27:50
Ja, ja. Also ich schreibe den Roman, ich schreibe den Text, ich lese den auch hundertmal gerne nochmal Korrektur, rede auch mit dem Verlag gerne darüber, dann sprechen wir auch, wie könnte ein Cover aussehen, was machen wir da. Ja, und dann bin ich halt auch Berater. Aber ich bin dafür nicht verantwortlich. Das wäre mir dann auch zu viel Arbeit und das kann ich auch nicht.
Vera
00:28:10
Aber was ist denn dann eigentlich, also dann scheint ja jetzt Geld verdienen bei den Büchern kein Antrieb zu sein.
Cristoph
00:28:17
Das ist eh nicht. Also wer Romanisch schreibt, das Geld ist wegen, der ist eh verloren. Also es gibt, glaube ich, in Deutschland irgendwie zehn Autoren, die davon leben können. Also der Rest.
Vera
00:28:25
Ja, ich kenne schon ein paar mehr, aber.
Tamara
00:28:27
Ja.
Vera
00:28:29
Das ist eine humorvolle Welt. Nein, also die Masse sicherlich nicht. Wobei zwischen Geld verdienen und davon leben können, ist ja noch eine Spanne.
Cristoph
00:28:38
Ich wollte gerade sagen, es gibt immer mal Monate, wo man denkt, oh Mann, ich bin gemacht, super. Und dann kommt ein Sommer mit drei Monaten gar nichts. Ja, da will der Kühlschrank aber auch voll gemacht sein.
Vera
00:28:47
Ja, aber was ist denn deine Motivation für die Bücher?
Cristoph
00:28:50
Das frage ich mich auch. Also der Markt hat sich ja, wie gesagt, sehr geändert und die Verkäufe gehen auch immer weiter runter. Also nicht nur bei mir, sondern grundsätzlich bei auch anderen Kollegen. Und seit, weiß ich nicht, zehn Jahren denke ich, nach jedem Roman, so jetzt reicht es aber auch. So, jetzt habe ich keine Lust mehr. Das schaffe ich aber irgendwie nicht und fange dann doch wieder an zu schreiben. Dann fällt mir irgendwas ein und das wäre witzig, das ist lustig. Und haben wir das eigentlich schon mal irgendwo gelesen in der Form? Nee, noch nicht. Ja, dann können wir das aber machen. Und dann habe ich noch das Glück, einen Verleger zu haben, der die Sachen dann gut findet und sagt, super, das veröffentlichen wir. Und dann ist da für Frustration auch nicht mehr viel Platz. Aber tatsächlich ist Geld nicht der Antrieb. Also ich freue mich halt, wenn ich mal irgendwo eine Lesung habe und jemand sagt, okay, dafür kriegst du dann 250 Euro. Oder ich kriege halt eine Abrechnung und dann ist dann wirklich, weiß ich nicht, mal vierstellig oder so. Aber die Zeiten sind halt vorbei. Also zumindest in dem Genre, in dem ich schreibe. Ich mache nichts mit Vampir Werwölfen und irgendwas mit Spice. Früher mehr Ficken gesagt.
Vera
00:30:00
Wobei du dich da ja auskennen würdest.
Cristoph
00:30:04
Nee. Also technisch, der Akt, da habe ich eine grobe Vorstellung. Aber das jetzt über Seitenweise zu ziehen, so dass irgendwelche Leserinnen dann da auch wirklich sagen, oh, das ist aber erotisch. Schreiben ist für mich halt in erster Linie mal eine Freiheit, das zu machen, worauf ich selber Bock habe. Und ich könnte jetzt auch gar nicht, selbst wenn ich jetzt vorhätte, irgendwie im Ruch zu schreiben, was dann Bestseller wird und da kommt dann sofort irgendwie, weiß ich nicht, Random House, hier Heine und sagt, wir machen das. Ich könnte das gar nicht durchhalten auf Manneskriptlänge, irgendwas zu schreiben, was mich gar nicht interessiert. Also ich habe auch schon Autoren kennengelernt, die das machen. Die halt irgendwie unter weiblichem Pseudonym ihren 25. Cornwall-Roman veröffentlichen. So, heiße Liebe in den Highlands.
Vera
00:30:56
Teil 45.
Cristoph
00:30:58
Das rennt wie der Teufel, der verdient da gut mit, alles toll. Also wirklich, finde ich in Ordnung. Verurteile ich überhaupt nicht. So, aber wer, wenn ich meins, kann ich nicht.
Vera
00:31:08
Nee, das würde ich auch nicht können, das finde ich schon.
Tamara
00:31:10
Ich glaube, das ist auch so, dass die wichtigste Erkenntnis, die man für sich selbst als Autor oder Autorin treffen sollte, was ist mir wichtig, wo will ich stehen und was will ich machen. Weil man hört so viel von anderen Leuten, du musst so und so veröffentlichen, du musst dessen das schreiben oder so und so schreiben. Und wenn man nicht wirklich für sich klar ist, was einem wichtig ist, dann ist es, glaube ich, sehr, sehr frustrierend.
Cristoph
00:31:36
Auf jeden Fall. Dann ist es halt irgendein Drecksjob. Also das ist dann halt wirklich einfach nur ein Job wie jeder andere auch. Dann schreibst du halt deinen Quatsch runter, von dem du nicht überzeugt bist, den du nicht leiden kannst, damit dir hoffentlich irgendwann irgendwer am Ende des Tages Geld dafür gibt. Und wenn das Schreiben für dich ist, okay, für mich funktioniert das so nicht. Ich meine, es gibt ja genug, ich sag mal, deutsche Triller-Autoren, Bekannte, die jetzt irgendwie seit 100 Jahren dasselbe Buch schreiben. Aber es läuft, es funktioniert. Oder wie jeder, was war das so? Dann gab es mit Stieg Larsson raus, Vergebung, Verblendung, Verdammnis, diese ganzen Dinger. Großartige Bücher, war ein Welterfolg. Aber dann hat auch wirklich jeder Hinz und Kunz hat sich dann umbenannt. Dann hieß dann irgendwie, der Peter Schmidt, der hat dann plötzlich seinen Eiffel-Krämie umgeschrieben. Dann spielte der in Norwegen, dann hieß der auch nicht mehr Peter Schmidt, sondern weiß ich nicht, Lasse Reinbögen und dann lief das. Und das wurde auch auf Anraten der Verlage so gemacht. Also entweder spielt das Ding jetzt in der Eifel und wir veröffentlichen es nicht oder wir machen halt mit Word suchen und ersetzen und machen aus der Eifel Malmö und dann kriegst du einen Vertrag. So, sagst du, ja gut, dann scheiß drauf, mal müh. Wäre jetzt nicht meins, aber dazu gehört natürlich auch eine gewisse Unabhängigkeit. Wenn ich jetzt jemand wäre, der wirklich klar darauf angewiesen ist, dass sich meine Bücher gut verkaufen, weil ich sonst die Miete nicht mehr zahlen kann, dann hätte ich da sicher auch ein anderes Verhältnis.
Tamara
00:33:04
Das heißt, deine Miete zahlst du mit was komplett anderem oder mit einer anderen Art von Schreiben?
Cristoph
00:33:10
Mit was komplett anderem. Also ich mache was anderes. Eine Zeit lang war es so, dass ich halt davon gelebt habe, dass ich eben diese Biografien geschrieben habe. Das waren halt wirklich, wie gesagt, für die Münchner Verlagsgruppe. Das waren andere Zeiten. Das gibt es jetzt, glaube ich, so auch nicht mehr. Aber damals war es halt so, Bums, bevor du irgendwas gemacht hast, 6.000 Euro Vorschuss. Plus Spesen und da triffst du dich mal mit dem und dann kriegst du noch hier und dann kriegst du noch da und plus 10% vom Buch. Also da kam wirklich richtig Geld rein. Das war toll. Aber das ist dann auch so ein bisschen den Bach runtergegangen. Also die Zeiten sind auch vorbei, wo jeder YouTuber mit 50 Abonnenten ein eigenes Buch kriegt. Als ich das gemacht habe, war das noch so. Also ich habe mich allein mit 5, 6 Leuten hier in Düsseldorf getroffen. Also und so, weil die auch alle hier sind. Und weil eigentlich an jeder Ecke irgendeiner war, der berühmt genug für ein Buch war. Das ist jetzt nicht mehr so. Jetzt hat man die ganz großen Namen, da hat man einen gewissen Pool an Ghostwritern, die da drauf angesetzt werden und, Man muss aber auch sagen, dass das Produktbuch halt für viele auch nicht mehr interessant ist. Damals war das halt so Renommee irgendwie, dass man sagt, okay, ich habe jetzt CDs veröffentlicht, ich habe jetzt hier einen Kinofilm, fehlt mir eigentlich nur noch das eigene Buch. So, dann habe ich es geschafft. Das haben viele gar nicht mehr, weil das Medium Buch halt im Leben von sehr vielen Leuten einfach gar keine Rolle mehr spielt und auch kein Prestige ist. Also, wenn du jetzt YouTuber XY, wenn der jetzt erzählt, ich habe ein Buch geschrieben, das sind seine 40.000 Follower halt überhaupt nicht, weil die einfach nicht...
Tamara
00:34:46
Ich glaube, es kommt aufs Thema an, also bei einigen ist es, glaube ich, schon noch sehr beeindruckend für die Leute.
Cristoph
00:34:53
Es kommt drauf an, aber wenn man jetzt irgendwelche Rapper nimmt, beispielsweise, also damals Bushido, das habe ich nicht geschrieben, das war jemand anders.
Vera
00:35:01
Das war Kollegah, Kollegah hast du doch gesagt.
Cristoph
00:35:03
Kollegah, ja, das war auch ein paar Jahre später, als Bushido dann Kollegah, ja, das war auch so ein Ding, das war super interessant, er hat damals in Düsseldorf gelebt, ja, Und es hat Spaß gemacht. Ich habe den halt kennengelernt. Felix ist ein netter, sympathischer, höflicher, zuvorkommender Mensch. Das glauben mir auch viele nicht. Aber mit dem zusammenzuarbeiten war sehr toll, sehr angenehm. Und er, was auch nicht jeder gemacht hat, er war wirklich sehr fleißig. Und wenn er was irgendwie auszusetzen hat an dem, was ich gemacht habe, dann halt auch immer konstruktiv. Und dann, nee, wir müssen das so machen, wir müssen das so machen. Oder hast du eine Idee? und wir haben unsere Teile einfach da zusammengesetzt, unsere Manuskript-Dinger. Und er hat selber auch sehr viel geschrieben und haben dann dieses Buch gemacht. So, während andere, da kam ich dann rein, da war ich der Dienstleister so. Schreib mein Buch. So, und dann erzählen die mir 20 Minuten ihr Leben und daraus soll ich dann ein Buch machen. Dann sind von diesen 20 Minuten 10 Minuten gelogen. Und das ist wirklich hart.
Vera
00:36:06
Jetzt muss ich aber nochmal zurückkommen, weil die Frage hast du eigentlich noch nicht richtig beantwortet. Klar, also Geld haben wir jetzt schon rausgehört, ist es nicht, was dich antreibt, Wo ist denn bei dir, also wir wissen, bei Tamara, sie geht darin auf, wenn sie ein Buch drei Jahre lang überarbeiten kann. Ich gehe darin auf, wenn ich es raus habe und das erste Feedback von Menschen bekomme, bevorzugt gutes Feedback. Oder wenn ich Veröffentlichungen machen kann und das Schreiben hinter mir habe. Was ist bei dir der Moment, der dich befriedigt?
Cristoph
00:36:40
Also der wirklich befriedigende Moment an der ganzen Geschichte ist halt auch ähnlich wie bei dir halt. Das Buch ist fertig, es ist raus und die ersten Reaktionen kommen rein. Also der Schreibprozess, der macht mir natürlich Spaß, der finde ich toll, der hat wirklich sehr viele schöne Momente, aber der ist es, wäre es alleine jetzt nicht. Dieser Moment des Veröffentlichens und sagen, okay, ich bin fertig, das Ding ist geschafft, das ist halt der große Moment für mich halt. Danach kommt auch leider nicht mehr viel. Ich quäle mich auch immer so ein bisschen aus Büchern zu lesen, die ich vor drei Jahren veröffentlicht habe. Also Bücher sind da so ein bisschen wie Kinder. Also für mich so, man mag die, man schätzt sie, aber ist dann auch froh, wenn sie aus dem Haus sind. Ich befasse mich ungern mit meinen alten Romanen. Also ich habe das total oft, dass mich dann Leute ansprechen und sagen, ich habe das Buch jetzt diese Woche von dir gelesen. Also der, weiß ich nicht, Sven, Peter, ich weiß es nicht mehr. Das ist ja echt ein witziger Typ. Und ich frage mich dann, wer ist denn das? Und dann ist das irgendeine bedeutsame Randfigur da oder Nebenwolle in meinem Roman und ich habe den Kern halt komplett vergessen. Weil ich mit der einen Hälfte der Gedanken beim aktuellen Roman bin und mit der anderen Hälfte bei dem Roman, den ich danach schreiben möchte.
Vera
00:37:58
Wie lange arbeitest du an so einem Buch?
Cristoph
00:38:00
Das ist unterschiedlich. Also wenn ich, wenn es gut läuft und es richtig flutscht, also ein halbes Jahr habe ich schon mal geschafft. Aber ich habe auch die mazedonischen Katzen beispielsweise, da habe ich sehr lange dran gesessen. Mit hier nochmal überarbeiten, da nochmal, hat das ganze Ding, glaube ich, zweieinhalb Jahre gedauert.
Vera
00:38:17
Oh wow, das ist lang.
Cristoph
00:38:18
Ja, ja.
Vera
00:38:19
Das ist lang. Wie viel Recherche machst du? Wie plottest du?
Cristoph
00:38:25
Ich plotte gar nicht. Ich schreibe drauf los und ich habe auch keine Charakterkarten und sowas. Also ich bin wirklich einer, der wild drauf losschreibt und einfach macht und guckt, wohin sich das entwickelt. Also manchmal entwickelt es sich auch in eine andere Richtung als geplant. Aber wenn es gut ist, dann okay, alles klar. Dann soll der Roman mir sagen, was er werden will. Das ist auch noch. Ich bin da nicht streng. Also plotten finde ich anstrengend. Aber auch das Genre, in dem ich schreibe, verlangt das jetzt auch nicht. Also ich habe jetzt auch keinen, ich schreibe keine Fantasy, wo ganz klar ist, wie die Welten aussehen, wie viele verschiedene Völker es da gibt und so. Das muss man plotten, da muss man sich Charakterkarten machen. Also das kann man nicht im Kopf haben, unmöglich. Bei mir eine Handvoll Figuren, die eine Handvoll Schauplätzen stattfinden und der Rest ist dann aus dem Ärmel geschüttelt. Böser Humor und ein Hauch von Handlung. Nein, natürlich nicht schon mehr.
Vera
00:39:18
Aber ich finde es gerade da schwierig. Also ich meine, ich schreibe ja jetzt Krimis. Ich meine, da ist relativ klar, da passiert ein Mord und der muss aufgeklärt werden und so ein Bausenbarverdächtige. Also da gibt es ja so Strukturen, die sind relativ klar. An denen kann ich mich auch entlanghangeln. So, jetzt schreibst du einen Roman über das Ankommen in Mazedonien. Da wüsste ich schon gar nicht, was ist denn bei so einem Roman das Ende, wo man sagt, ja super, Happy End. Ich muss gestehen, ich habe ihn jetzt noch nicht gelesen.
Cristoph
00:39:51
Ich lege jetzt auf. Das ist ja Quatsch hier. Was seid ihr für Journalisten? Ich dachte, ihr habt euch eingelesen.
Tamara
00:40:01
Wir waren doch auf deiner Lesung.
Cristoph
00:40:04
Die elf Minuten.
Vera
00:40:10
Also das ist, wir haben ja schon mal häufiger auch Kollegen und Kolleginnen da, die solche, ich nenne es mal Entwicklungsromane schreiben, was ich immer höchst interessant bin, wo ich auch wüsste, ob ich das hinkriegen könnte, weil mir so ein bisschen dieser Faden, diese Leitschnur fehlt. Wo will ich eigentlich hin? Hast du wirklich losgelegt? Irgendwann war es an einem Punkt, dass du jetzt fertig bist? Oder wie machst du das?
Cristoph
00:40:36
Also in dem Fall war es einfach so, ich war, privat bin ich jetzt seit 12, 13 Jahren regelmäßig in Mazedonien und habe da Land, Leute ein bisschen kennengelernt und halt auch, die skurrilen Geschichten da mal so gesehen, aber halt auch so Sozialismusnachwirkungen, Bürgerkriegsnachwirkungen, das ist alles so ein bisschen in der Mischung. Und ja, war halt einfach, ist halt eine spannende Ecke so, wenn man ein bisschen mit offenen Augen da durchgeht. Dann hab, also auf die Idee da irgendwas drüber zu schreiben, bin ich gar nicht gekommen, bis ich dann irgendwann plötzlich so eine Szene hatte, ich dachte, das wird auch lustig. So, und dann kam noch eine nächste dazu und hab ich gesagt, okay, das wär auf jeden Fall ein super geiles Ende. So, dann hatte ich aber keinen Roman und keine Geschichte zu diesem tollen Ende. Und da hab ich gesagt, okay, fang mal an. Also, ich setz mich immer dran mit, fang mal an und gucke. Also es gibt bei mir auf dem Laptop auch noch genug Sachen, die nicht fertig geworden sind und nie fertig werden. Also auch meine epischen Romane, die mindestens 500 Seiten lang gehen werden, da fange ich dann an und nach 20 Minuten ist das Ding komplett auserzählt. Und. So, habe dann 50 Seiten und denke, okay, oh, das wird wohl doch kein Roman. Oder ich komme ins Quatschen, das ist halt auch ganz schlimm. Da bin ich bei meinem aktuellen Manuskript ein bisschen unglücklich. Da muss ich auch nochmal drüber, dass ich halt irgendwie nicht zur Potte komme. Und da kommt halt das nächste Kapitel und da und da und da passiert einfach nichts, also Spannungsbogen und so, findet da aktuell noch nicht so richtig statt. Da muss ich dann auch nochmal drüber. Aber das ist halt der Haken, wenn man dann wirklich einfach drauf losschreibt. Dann verfranst man sich auch oder läuft in eine falsche Richtung. Oder ein total ernstes Thema, da fallen dir irgendwelche witzigen Sachen zu ein und gleichzeitig hast du irgendwas wirklich absurd Lustiges und da fällt dir überhaupt nichts zu ein. Das ist ein bisschen Quellerei. Also es ist halt so, du kletterst in Turnschuhen auf dem Berg. Du bist einfach nicht vorbereitet, aber willst da hoch. So sitze ich dann bei den Romanen.
Tamara
00:42:39
Aber das kommt mir so ein bisschen wie so ein roter Faden bei dir vor, dass du so mal schaust, was auf dich zukommt. Also sei es jetzt Projekte oder dann eben auch das Ende des Romans. Ist das vielleicht auch so ein Antrieb, so dieses, einfach was Neues entdecken und dich auf Dinge einlassen?
Cristoph
00:42:55
Ja, also das ist mein Leben. Also ich lasse mich einfach treiben. Also es ist jetzt nicht ganz so schlimm, aber es kommt selten vor, dass ich wirklich was plane. Also ich habe jetzt auch nie irgendwie so einen Lebensentwurf gehabt, dem ich folgen möchte. Also in dem Alter möchte ich das und das erreicht haben und dann zehn Jahre später das und das habe ich nicht. Also dafür hat auch mein Leben wie jedes andere wahrscheinlich auch einfach ganz komische Wendungen genommen, die dann doch irgendwie wieder zu was anderem geführt haben. Also nicht exklusiv ich, das hat glaube ich jeder Mensch. Aber ich fühle mich da auch ganz wohl drin, einfach da morgens zu sitzen mit einer Tasse Kaffee und nur so halb zu wissen, was da jetzt auf mich zukommt. Hat Vorteile, hat Nachteile. Also gerade früher war es halt so, wenn es nur ums Schreiben ging, also das Schreiben war das einzige Einkommen, dann ist natürlich schon so eine gewisse finanzielle Unsicherheit natürlich nicht so erfüllend. Wenn halt da der Verlag sich letzte Woche schon melden wollte wegen einem neuen Auftrag und er hat immer noch nicht angerufen, in drei Wochen will aber eine Miete haben, das ist natürlich nicht geil. so. Rückblickend natürlich spannend und toll, aber in dem Moment natürlich ätzend. Also.
Vera
00:44:07
Ja.
Cristoph
00:44:08
Ich kann nichts. Ich lasse einfach alles auf mich zukommen. Ich lasse mich treiben wie ein Blatt im Wind.
Tamara
00:44:12
Ja, okay.
Vera
00:44:16
Auch keine Träume, keine Dinge, die du erreichen möchtest. Also du hast, ich meine, du hast vorhin ja ganz am Anfang gesagt, du fandest das schon cool, wenn der Spiegel anruft oder sowas.
Cristoph
00:44:27
Ja, natürlich. Am Anfang träumt man, also ich habe davon geträumt, okay, ich veröffentliche jetzt Bücher und dann habe ich da den Buchhandel, der hat dann so einen Tisch mit meinen Sachen und dann wird den Leuten aus der Hand gerissen. Aber man lernt ja auch den Literaturbetrieb ein bisschen kennen mit der Zeit. Und ich weiß einfach, dass das nicht passieren wird. Einfach, weil die Leute, nicht da sind, die diese Bücher, also meine Bücher und die von vergleichbaren Kollegen einfach nicht kauft. Und der Buchmarkt ist halt sehr, sehr, sehr eng geworden. Es gibt halt eine Handvoll Sachen, die sehr, sehr gut funktionieren, andere nicht. Also jetzt zu sagen, ich wünsche mir, dass ich mal Spiegel-Bestseller werde, ist halt illusorisch mit den Sachen, die ich schreibe, mit den Themen, die ich behandle, mit der Sprache, die ich benutze. Das wird nicht passieren. wahrscheinlich. Es wäre schön, aber es ist kein Traum von mir.
Vera
00:45:20
Also wir hatten ja schon mehrere Gästinnen in diesem Fall, die dir jetzt sagen würde, dann stimmt einfach dein Mindset nicht.
Tamara
00:45:28
Ich glaube, der Unterschied ist ja der, wenn du sagst, Spiegel Bestseller ist mein Traum, dann arbeitest du da gezielt drauf hin, dann nimmst du eben auch in Kauf, dass du Bücher genau so vorbereitest, dass der Markt sie haben will. Und genau das ist ja die Entscheidung von Christoph, dass er eben lieber die Themen entdecken möchte, die ihm gefallen.
Cristoph
00:45:48
Jaja, also genau das ist ja der Punkt. Ich meine, es gibt auch...
Vera
00:45:53
Wobei du damit implizierst, dass es da keine Schnittmenge gibt. Das sehe ich aber nicht so.
Cristoph
00:45:57
Nein, es gibt Schnittmengen. Es gibt immer Sachen, die dann plötzlich aus dem Nichts Bestseller werden und dann einen eigenen Hype kreieren. Natürlich. Nein, nein, das schon. Es ist nicht immer alles geplant, aber hinter den meisten Bestsellern steckt tatsächlich viel Geld und viel Marketing. Natürlich entstehen auch mal Bestseller, dass irgendein Verlag selber überrascht ist, wie gut ein Buch läuft. Aber die meisten sind halt einfach geplant. Und wenn ich dann über so irgendwelche Aufkleberstoße auf Buchcover, wo draufsteht der Überraschungshit, dann muss ich halt wirklich lachen, wenn ich dann halt sehe, da war irgendwie eine zig Millionen Euro Werbekampagne steckt hinter diesem Überraschungshit. In jedem Buchladen von Hamburg bis München wurden Schaufenster gekauft, damit dieses Buch da drin steht. Der Überraschungshit. Also... Ich sage das jetzt ganz ohne Frust, aber es ist halt einfach so. Viele Sachen werden halt einfach auch zu Bestsellern gemacht. Es gibt immer mal wieder Sachen, die entstehen, einfach so, weil der Geschmack der Leute dann plötzlich da ist, wo der Verlag ihn nicht vermutet hätte. Oder Sachen sind einfach so neu oder so gut. So eine Sache wie Harry Potter oder sowas. Das kam ja auch für mich zumindest so halbwegs aus dem Nichts. Startete so ein bisschen als Jugendbuch-Ecke, hat dann auch so kleine Fernsehspots gekriegt und ist dann halt einfach total explodiert und inzwischen, glaube ich, ein bedeutender Teil des britischen Rheinland-Produkts. Also das ist schon krass. Und es gab ja auch genug Leute, die versucht haben, das nachzumachen.
Vera
00:47:35
Naja.
Cristoph
00:47:36
Und nichts davon hat richtig funktioniert, weil manchmal Sachen einfach entstehen.
Vera
00:47:40
Das stimmt. Wobei, du haltest ja jetzt, wie gesagt, mit deinem Pornobuch durchaus den Aufhänger. Aber ich meine, mit ein bisschen Geschickt hätte man dich doch schon in diverse Talkshows kriegen können.
Cristoph
00:47:53
Ja, aber das Problem bei mir ist, und das habe ich auch von verschiedenen Literaturagenturen schon zu hören bekommen, ist, dass man halt bei mir nicht ganz genau weiß, ich weiß es auch nicht, welches Buch als nächstes kommt. Es ist natürlich immer schwierig, wenn man jetzt nicht so in so festen Genre oder festen Schubladen drinsteckt. Also ich gerade auch immer stotter, wenn man mich fragt, in welchem Genre ich schreibe. Das ist halt so, weiß ich nicht, Großstadtroman, Independent, ich weiß es wirklich nicht. Es ist nicht Krimi, Thriller, Erotik, Fantasy, es ist nicht so klar. Und ich weiß auch nicht, was da als nächstes kommt. Also ich habe halt einen Roman geschrieben über einen fiktiven Pornodarsteller. Ich habe einen Roman geschrieben, so ein Roadtrip durch Mazedonien. Ich habe einen Roman geschrieben über Zombie-Katzen. Ich weiß es nicht, was als nächstes kommt. Und dann verstehe ich auch eine Agentur, die sagt, okay, wie sollen wir dich denn vermarkten? Wie sollen wir dich denn zum großen Verlag bringen, wenn du uns nicht mal sagen kannst, was du machst und in Zukunft machen wirst? Also auch gar kein Groll gegen diese Leute. Wenn ich jetzt da, wenn ich aus der Sicht der Agentur oder des Verlages irgendwie mit mir zu tun hätte, wüsste ich auch nicht, was das soll. Was wollen wir mit dem?
Tamara
00:49:08
Das ist für die Vera gerade ganz, ganz schwer hinzunehmen, dass jemandem die Freiheit wichtiger ist als der sachliche Erfolg.
Vera
00:49:17
Nein, nein, das ist nicht schwer hinzunehmen. Das ist so. Er macht ja sehr deutlich, dass er, was ich schwierig finde, und das kennst du ja auch, Tamara, das sind die Leute, die noch, nicht mal in einem Satz erklären können, worum ihr aktuelles Buch geht, und dann aber selbst träumen, davon leben zu können. Und da muss ich sagen, das funktioniert nicht.
Cristoph
00:49:38
Das ist richtig, das funktioniert nicht. Du brauchst da, wenn du davon leben willst, musst du von Anfang an, glaube ich, relativ gut planen. Und ja, schreib so, wie es vermutlich, wissen kann man es nicht, den meisten Leuten gefällt. Oder sei schnell genug und spring auf irgendeinen Zug rauf. Als damals Fifty Shades rauskam, da kam mal plötzlich jeder mit irgendwelchen BDSM-Romanen um die Ecke. Die ganzen Verlage, die das seit Jahren in der Schublade liegen hatten, weil sie gedacht haben, um Gottes Willen, den Dreck. Niemals. Aber wir halten es mal in der Hinterhand und haben es dann plötzlich rausgehauen. Diese Nachfolgeromane sind natürlich nicht alle innerhalb von zwei Tagen geschrieben worden, sondern die Verlage hatten die schon. Das haben die dann rausgebracht. Da kann man natürlich auch Glück haben. Aber das ist dann auch wieder so ein Trend, der geht dann vorbei und dann steht man da.
Vera
00:50:26
Aber ich meine, so ein kleiner Trend zieht sich ja durch deine Bücher. Du hast es ja mit den Katzen, die Katzen von Mazedonien. Könntest du doch wieder in den nächsten Katzenroman schreiben.
Cristoph
00:50:38
Ich könnte auch einen Katzenroman schreiben. Nein, aber das ist...
Tamara
00:50:42
Also Schäfchenkrimis haben gerade einen Trend. Vielleicht kannst du Katzenkrimis machen.
Cristoph
00:50:47
Ja, durch die verfilme meines wie-viel-Jahre-Alten-Romans. Wenn ich jetzt im Verlag mit dem Schafskrimi ankomme, dann fragen die sich wahrscheinlich auch, von welchem Planeten ich gerade komme. Riesenidee. Riesengorilla klabelt über ein Hochhaus in New York. Ich nenne den Roman Angriff des Riesenaffen. Was sagt ihr?
Vera
00:51:11
Du hast doch gesagt, dein Verleger vertraut dir.
Cristoph
00:51:14
Naja, aber mein Verleger ist ja auch nicht verrückt. Also, wenn er sieht, das wird nix, dann wird das halt auch nix. Und wenn ich ihn dann schon lachend da rüberschicke, dann fragt er sich wahrscheinlich auch, ist der schon wieder auf Fentanyl, was ist da los?
Vera
00:51:32
Also, man muss ja manchmal auch einfach nur das provokant nach vorne bringen und selbstbewusst auftreten, dass dann plötzlich die Menschen sagen, ja, der will provozieren oder der will uns, was vor Augen halten oder was da gar was.
Cristoph
00:51:49
Nee, das will ich gar nicht. Also ich sehe mich da mehr als, ich erzähle halt Geschichten und dokumentiere durch meine Romane oder mit meinem Roman die Welt, die um mich herum stattfindet. Also ich will niemanden wachrütteln, ich will niemanden provozieren. Belehren will ich sowieso schon zweimal keinen. Mhm. Also im Idealfall liest man meinen Kram, nimmt vielleicht ein bisschen was mit und fühlt sich da sehr gut unterhalten und denkt, oh toll, vielleicht lese ich das nächste auch. Das ist das Ziel halt im Prinzip. Und wenn ich dann entsprechende Rückmeldungen kriege, dass die Leute da wirklich begeistert sind oder es zumindest gut fanden oder gekauft haben, das ist eigentlich das Wichtigste, dann bin ich happy halt. Aber wie gesagt, ich lebe nicht davon. Ich warte jetzt nicht drauf, dass da irgendwie der Verleger mir Geld überweist. Also schön, wenn er es tut. Oder schön, wenn ich für Lesung Geld kriege, natürlich. Aber ich nehme das Geld von der Lesung nicht und trage es direkt irgendwie zum Stromanbieter. Weil der schon seit drei Tagen wartet. Und das ist halt eine schöne Situation, und eine gewisse Freiheit, die mir auch mit Scheiben dann Freiheit lässt. Ich kann machen, was ich will. Wenn ich jetzt irgendwie wieder ein Zombie-Katzen-Buch mache oder nur diesmal spielt das auf dem Mars, das Ding hat 20 Seiten, ich möchte aber dafür 35 Euro haben, dann kann ich das machen. Das wird nicht funktionieren. Aber ich kann das machen.
Tamara
00:53:08
Du kannst versuchen.
Vera
00:53:10
Aber dann würdest du ja deine Befriedigung nicht haben. Du würdest ja die Befriedigung haben, dass die Leute, dass die das lesen und toll finden und so.
Cristoph
00:53:17
Das wird ja dann passieren. Ja, ist natürlich jetzt ein bisschen, auch der Verleger wird wahrscheinlich sagen, nein. Außer die Verkaufspreis gestaltet auch tatsächlich nicht ich, das macht der Verlag.
Vera
00:53:27
Ja, klar. Was ist denn dein, hast du schon ein nächstes Projekt nach den Katzen von Mazedonien?
Cristoph
00:53:32
Ja, ich sitze tatsächlich an einem Roman dran. Ich hoffe, den dieses Jahr noch fertigstellen zu können. Das ist so, er beschäftigt sich ähnlich wie konform, auch wieder mit so tagesaktuellen Sachen, ist auch sehr, satirisch, bösartig, nimmt so die ganzen politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre mal so ein bisschen aufs Korn, auch sehr bösartig, würde ich mal doch tatsächlich ich sagen, ist ein bisschen der kleine Nachfolger von Konform. Und ja, aber mehr darf ich natürlich nicht verraten.
Vera
00:54:03
Aber dann sagen wir es nochmal ganz kurz. Worum es in Konform ging?
Cristoph
00:54:08
Konform, da lasse ich drei sehr woke, wie man sagt. Studenten, Studentinnen, Anfang 20 gegen ihren ehemaligen Deutschlehrer antreten. Das ist halt so ein typischer Gen-X-Vertreter, der mit diesem ganzen, in Anführungszeichen, Schwachsinn wie Gendern und so nichts zu tun hat. Und er ist halt jemand, der dann halt inzwischen gelernt hat, Wie sage ich das jetzt? Ich will doch nicht zu viel verraten. Also sein Geschäftsmodell besteht einfach darin, diese Leute auszunutzen, ihre Schwächen, ihre Blauäugigkeit einfach für sich knallhart und kapitalistisch auszunutzen. Also auch das sehr böse und tatsächlich ist es mir auch gelungen, da als Autor auch nicht Stellung zu beziehen. Was ich auch schon, wo ich hier und da mal ein bisschen Zweifel hatte, weil die eine Stelle hat mir beim Schreiben doch schon mehr Spaß gemacht als die andere. Aber die Rückmeldung haben mir dann schon verraten, dass ich hingekriegt habe.
Vera
00:55:03
Also es ist sicher nicht einfach.
Cristoph
00:55:06
Es wurde hier und da bereits als Diskussionsbeitrag genannt. Konform. Das finde ich natürlich super. So war es auch mal gedacht. Beide Seiten haben ihren Punkt. Nicht alle haben, der eine hat recht, der andere nicht. Und auch diesen Thomas-Gotschalk-Sound, man darf ja gar nichts mehr sagen, den habe ich vermeiden können. Das hat mich auch sehr gefreut. hat, weil auch den wollte ich im Himmelsbild nicht haben. Also ich wollte jetzt nicht wie so ein alter Mann klingen, der jetzt irgendwie durch die Welt rennt und sagt, jetzt gibt es auf einmal 150 Geschlechter, was ist das für eine Welt? So will ich nicht sein. So will ich auch in meinem Roman nicht klingen.
Tamara
00:55:48
Das spricht für dich.
Vera
00:55:49
Ja, genau.
Cristoph
00:55:50
Ja, dankeschön. Aber den Anspruch habe ich auch außerhalb des Schreibens, so ein bisschen.
Vera
00:55:57
Ja, lieber Christoph, jetzt fehlenden wir gerade Worte, jetzt wollte ich ganz so ein Toll gemacht, Entschuldigung.
Cristoph
00:56:04
Hallo, alles gut.
Vera
00:56:05
Genau. Ja, also wir wollen natürlich in unserem Podcast auch sehr wohl zum Diskursieren anregen und zum Abschluss brauchen wir dazu noch deine echten Antworten auf Tamaras total kritische Buchbubble-Fragen.
Cristoph
00:56:20
Alles klar.
Tamara
00:56:21
Überraschungen hatten wir ja jetzt an vielerlei Enden, aber welcher Roman hat oder welches Buch hat dich als Leser denn zuletzt besonders überrascht im positiven Sinne.
Cristoph
00:56:34
Oh ja, also im positiven Sinne überrascht hat mich tatsächlich schon länger nichts mehr so. Ich muss da aber auch dazu sagen, dass ich zuletzt mich in einer Phase befand, in der ich auf meinen Buchhändler gehört habe. Und der hat mir sehr viele Romane empfohlen, die gerade sehr aktuell waren und sehr gehypt wurden. Und jeder einzelne davon war, ich sag mal vorsichtig, nicht so gut, wie ich gedacht habe. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber... Ich bin auch kein Literaturkritiker, aber ich habe halt einige Sachen gelesen, die mich ein bisschen sprachlos zurückgelassen haben. Warum wird dieses Buch so gefeiert? Auch in der Buchbubble. Das ist so toll. Gerade das letzte Buch, ich will jetzt gar nichts sagen, ist halt auch so schwarzhumorig. Das war harmlosester Humor. Das war 0815. Wenn jemand auf der Bananenschale ausrutscht und ein anderer lacht, dann ist das nicht schwarzhumorig. Da habe ich auch eine Existenzkrise so ein bisschen gekriegt. Für wen schreibe ich eigentlich Bücher? Wenn das schwarzer Humor ist, für wen schreibe ich eigentlich noch? Die Leute gibt es ja gar nicht mehr. Naja, aber um es kurz zu machen, ich möchte aber meinen Kollegen Dirk Bernemann mal lobend erwähnen, mit Gromzell. Das Buch habe ich gelesen, das hat mich jetzt nicht positiv überrascht, in dem Sinne, dass ich gedacht habe, das ist schlecht, aber es war dann gut, sondern ich bin davon ausgegangen, weil ich Dirk halt auch schon sehr lange kenne, dass es gut sein wird. Aber das fand ich wirklich grandios. Also selbst für ihn, und das will was heißen, war das wirklich richtig gut. Also das ist mir auch schon länger nicht mehr passiert, dass ich da wirklich das Buch zugemacht habe und gedacht habe, wow, geil, wirklich, wirklich toll. Und das von dem Autor, den ich schon habe. Die Stimmung, die Art zu erzählen, ein wirklich ganz, ganz, ganz feiner Humor, Also ich fand es einfach herausragend. Also sprachlich sowieso. Also Dirk ist natürlich sprachlich vielen Autoren auch mir weit überlegen. Einfach weil er sich mit Sprache sehr, sehr, sehr beschäftigt. Sag mal den Titel. Gromzell.
Tamara
00:58:36
Gromzell.
Cristoph
00:58:37
Jaja, von Dirk Bernemann. Also unbedingte Leseempfehlung, blind kaufen. Wie das meiste von Dirk. Aber Gromzell zweimal kaufen. Großartig.
Tamara
00:58:48
Und was hast du denn aus deinem größten Fehler gelernt?
Cristoph
00:58:51
Größter Fehler? Also mein größter Fehler, was Schreiben angeht, war, glaube ich, der, dass ich ein Manuskript habe veröffentlichen lassen, mit dem ich überhaupt nicht einverstanden war. Also ich habe den Roman irgendwann mal geschrieben und dann lag der da jahrelang. Und als ich dann das erste, zweite, wievielte Buch veröffentlicht hatte, bin ich wieder auf dieses Manuskript zurückgekommen, habe das ein bisschen überarbeitet, fand das eigentlich nicht so doll, habe das dem Verlag aber trotzdem geschickt. Und der meinte dann, super, wir machen wir. Und dann wurde da halt ein Roman draus, den ich bis heute eigentlich nicht gut finde und auch man hier und da blitzt ein bisschen durch, was er hätte sein können, aber das ist schlimm. Also das soll man nicht machen. Also das habe ich dann auch wirklich gelernt, so wenn ich mit irgendwas nicht zufrieden bin, gebe ich es auch nicht mehr aus der Hand. Also das war wirklich ein Moment, das habe ich da gelernt. Das kann ich auch nicht oft sagen, dass es Momente gab, in denen ich das gelernt habe. Aber in dem Moment war es wirklich so, das machst du nie wieder.
Tamara
00:59:52
Ja, super wichtig. Und was sollte deiner Meinung nach über dem Schreibtisch aller AutorInnen stehen?
Cristoph
01:00:00
Was da drüber stehen sollte natürlich ganz groß, mach, worauf du Bock hast. Also Schreiben bietet dir wie, glaube ich, keine andere Kunstform, vielleicht wie die Musik noch, eine unendliche Freiheit. Du bist nicht abhängig von Mitteln, wie beim Film, du brauchst Produzenten, du brauchst Schauspieler oder sowas. Du sitzt da wirklich ganz alleine und machst dein Kram. Und dann mach auch bitte, was du willst. Eng dich nicht selber ein, zensier dich nicht selber und schiel nicht auf den Verkauf, sondern wirklich mach, worauf du Bock hast. Dann wird es auch funktionieren. Vielleicht nicht in dem Umfang, vielleicht nicht so schnell, aber es wird funktionieren und du wirst immer Bücher haben, die du dann auch mit Freude im Bücherregal betrachtest. So wie ich. Bis auf das eine. Dass ich mit Ekel und Abscheu betrachte, was auch völlig neben meinem Gedichtband steht, wo es hingehört.
Tamara
01:00:50
Sehr schön.
Cristoph
01:00:50
Die dunkle Ecke.
Vera
01:00:51
Ja, da haben wir ja die Kurve zum Beginn dann geschlagen.
Cristoph
01:00:55
Ja, da ist der Autor immer wieder durchgekommen. Der Kreis muss sich schließen.
Vera
01:00:57
Genau.
Tamara
01:00:58
Perfekt, perfekt.
Vera
01:01:00
Da ist der Könner in mir. Vielen Dank, lieber Christoph. Ja, ich danke euch. Sehr, sehr spannende und auch ungewöhnliche Einblicke hat man, glaube ich, so in den 319 vorherigen Folgen noch nicht so in der Tiefe.
Cristoph
01:01:15
Nicht? Oh, toll. Das freut mich.
Vera
01:01:18
Ja, uns auch immer wieder. und ich hoffe natürlich, dass es euch da draußen, liebe Hörer und Hörer, auch freut. Und ihr wisst ja, was ihr zu tun habt, nicht? Folgt uns, wo immer es geht und, abonniert das Buch Babbel Bulletin, wenn ihr es dann immer noch nicht habt. Ich habe ja schon gesagt, wenn die Folge rauskommt, ist auch das nächste Bu-Bu-Bu schon wieder da. Und naja, und empfehlt uns weiter. Also, weil nächste Woche gibt es die nächste Folge. Bis dahin, bleibt uns gewogen. Danke, tschüss.
Tamara
01:01:49
Danke, Christoph. Das war sehr schön.
Cristoph
01:01:51
Ja, freut mich. Ich danke euch. Also es war toll. Hat Spaß gemacht.