Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Lesungen neu gedacht: Poetry Slam als Vorbild für Autor:innen

Marco Jonas Jahn ist Bühnenpoet. Als Poetry Slammer erweckt er seine Texte live zum Leben. Wir erfahren von ihm, was einen Slam-Text ausmacht und wie Lesebühnen als Format funktionieren.

30.07.2026 59 min

Zusammenfassung & Show Notes

Marco Jonas Jahn ist Bühnenpoet. Als Poetry Slammer erweckt er seine Texte live zum Leben. Wir erfahren von ihm, was einen Slam-Text ausmacht und wie Lesebühnen als Format funktionieren.
Aus der Slam-Szene bringt unser Gast eine ganz neue Perspektive mit, die Autorinnen und Autoren jedoch enorm inspirieren kann: Ein Slam-Text lebt fast ausschließlich vom Vortrag vor Publikum, nicht vom Lesen auf Papier, und das verändert, wie man ihn überhaupt schreibt.
Marco ordnet ein, warum das Format in Deutschland so offen und unterschiedlich gewachsen ist, und warum gerade diese Offenheit für volle Säle sorgt. Besonders spannend findet Tamara natürlich diesen Vergleich zu klassischen Lesungen: 
Hat Marco konkrete Ideen, wie man zurückhaltende Publikumszahlen mit ungewöhnlichen Herangehensweisen erhöhen kann? Auf jeden Fall verrät er, welche Rolle lokale Netzwerke und Kulturbüros bei Leseengagements spielen und wie man sich als Autorin oder Autor für solche Auftritte überhaupt ins Gespräch bringt.
Außerdem macht Marco mit der Idee neugierig, eigene Lesebühnen als wiederkehrendes Format zu organisieren. 
Also hört unbedingt rein!
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'Trophäe' von Gaea Schoeters 
https://www.amazon.de/Troph%C3%A4e-Roman-Gaea-Schoeters/dp/3442775248/
Foto Marco: (c) Mölleken
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Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Marco Jonas Jahn ist Bühnenpoet. Als Poetry Slammer erweckt er seine Texte live zum Leben. Wir erfahren von ihm, was einen Slam-Text ausmacht und wie Lesebühnen als Format funktionieren.

Aus der Slam-Szene bringt unser Gast eine ganz neue Perspektive mit, die Autorinnen und Autoren jedoch enorm inspirieren kann: Ein Slam-Text lebt fast ausschließlich vom Vortrag vor Publikum, nicht vom Lesen auf Papier, und das verändert, wie man ihn überhaupt schreibt.

Marco ordnet ein, warum das Format in Deutschland so offen und unterschiedlich gewachsen ist, und warum gerade diese Offenheit für volle Säle sorgt. Besonders spannend findet Tamara natürlich diesen Vergleich zu klassischen Lesungen:
Hat Marco konkrete Ideen, wie man zurückhaltende Publikumszahlen mit ungewöhnlichen Herangehensweisen erhöhen kann? Auf jeden Fall verrät er, welche Rolle lokale Netzwerke und Kulturbüros bei Leseengagements spielen und wie man sich als Autorin oder Autor für solche Auftritte überhaupt ins Gespräch bringt.

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Transkript

Vera
00:00:00
20 Jahre Poetry Slam, Lesebühne und jetzt ist er bei uns. Die Rede ist von Marco Jonas Jahn. Wir haben darüber gesprochen, über die speziellen Anforderungen beim Poetry Slam.
Tamara
00:00:12
Ja und natürlich wollte ich auch genau wissen, wie kommt es eigentlich, dass Poetry Slam immer so gut besucht ist und Lesung manchmal etwas Schwierigkeiten hat, Publikum zu finden. Wie sieht es da mit dem Image aus? Was können wir machen, um mehr zu lesen? Hört auf jeden Fall rein. Die 2, Das ist Folge 322 von Die 2 von der Talkstelle, dem Podcast übers Schreiben und Veröffentlichen im Verlag und im Self-Publishing. Deswegen, wie immer mir gegenüber, Vera Nentwig, ich bin wie immer Tamara Leonhardt. Nicht ganz immer, aber meistens. Hallo.
Vera
00:01:01
Okay, wer bist du sonst?
Tamara
00:01:03
Ein oder zweimal wurde ich ja schon ersetzt von Karin Müller, Annette Strohmeier, noch irgendjemand. Ja, ich glaube, ich bin mir nicht mehr sicher.
Vera
00:01:13
Ja, ja, das stimmt.
Tamara
00:01:15
Ich habe wechselnde Persönlichkeiten, aber meistens bin ich es.
Vera
00:01:19
Meistens bist du es, ja. Schön, dass du es heute auch wieder bist. Und ja, wie ist es denn dann so in dir drin?
Tamara
00:01:28
So wehr, wie sie es anhört.
Vera
00:01:32
Ja, da haben wir den gewohnt professionellen Start.
Tamara
00:01:38
Ja, es hat sich nicht so viel geändert seit dem letzten Mal. Ich habe mehrere Tage und Nächte bis vier Uhr früh durchgearbeitet und bin sehr beschäftigt und dementsprechend manchmal ein bisschen durcheinander.
Vera
00:01:56
Ich gehe mal davon aus, nicht beschäftigt mit Buchschreiben, sondern mit...
Tamara
00:01:59
Mit Buchveröffentlichen.
Vera
00:02:01
Mit Jobs für Geld, ne? Wahrscheinlich.
Tamara
00:02:06
Ja, idealerweise ist Buchschreiben auch für Geld.
Vera
00:02:08
Aber… Aber ja, das ist ja ein bisschen indirekter.
Tamara
00:02:12
Mit anderen Büchern als meinen.
Vera
00:02:14
Ja, genau, okay. Ja, also du kannst mich jetzt hier nochmal einmal kurz anschauen, weil ich stehe kurz davor, weltberühmt zu werden.
Tamara
00:02:24
Aha. Und dann darf ich dich nicht mehr anschauen?
Vera
00:02:28
Doch, aber dann siehst du mich nicht mehr, da bin ich ja nur noch auf Welttournee oder so. Verstehe. Ja, weil am Samstagmorgen, so mein Morgenritual und dann Platte Macchiato und dann mal so aufs Depplet gucken, da hatte ich eine Mail vom WDR, die mich eingeladen haben in einen Podcast mit Christine Westermann.
Tamara
00:02:54
Wow, bin ich beeindruckt.
Vera
00:02:57
Weil sie in meinem Buch Frau Appeldau und die Sorte Diva so toll fanden.
Tamara
00:03:00
Ehrlich, wie toll.
Vera
00:03:02
Ja, ne? Ich habe natürlich auch direkt begeistert geantwortet. Und als ich die Antwort abgeschickt habe, habe ich das Mail mir nochmal genauer angeguckt.
Tamara
00:03:12
Oh nein, sag nicht, das war ein Betrug.
Vera
00:03:15
Also ich sage mal so, es waren ein paar Sachen da, die mich, also dass das von einer, AOL-Web-E-Mail-Adresse kam und nicht von der WDR-Adresse.
Tamara
00:03:24
Das kann schon mal passieren.
Vera
00:03:25
Das passiert schon mal, hatte ich auch schon mal anders, weil die Journalisten ja oft Freiberufler sind und dann mit ihren eigenen Adressen. In der Signatur war, eine Web-Adresse angegeben, allerdings über Bitly verkürzt. Bitly ist ja so eine Webseite. Und als ich da draufklickte, kam auch direkt eine Sicherheitswarnung meines Virenskenners.
Tamara
00:03:46
Oh Mann.
Vera
00:03:48
Da habe ich gedacht, das ist aber schon sehr unprofessionell. Dann habe ich mal die Redakteurin, die mich angeschrieben hat, recherchiert, bin dann auf ihre Webseite gestoßen. Bei der gab es allerdings auch eine Sicherheitsmeldung, weil das SSL-Zertifikat abgelaufen ist.
Tamara
00:04:04
Was allerdings auch öfter mal bei Leuten passiert.
Vera
00:04:07
Das war schon mal passiert, die sich nicht so tagtäglich drum kümmert. Das hat mich natürlich sehr zweifeln lassen. Und dann habe ich aber gedacht, In der Zeit kam dann auch schon eine Antwort, dass man sich freuen würde, dass sie dabei sind. Und ich hatte gefragt, ob die vor Ort aufnehmen oder online. Nein, sie würden online und ich sollte doch mal Terminmöglichkeiten schicken. Das habe ich dann auch gemacht. Und habe aber parallel das Mail an die Redaktion vom WDR, die ich in der Zwischenzeit rausgefunden hatte, weitergeleitet und mal angefragt, ob das echt ist. Und dann kam auch in der Zwischenzeit wieder eine Antwort, und da habe ich dann wieder zurückgeschrieben, habe aber geschrieben, dass irgendwie das komisch ist, diese Anfrage, habe meine verschiedenen Sachen da reingeschrieben und habe auch geschrieben, dass ich das an die Redaktion angefragt habe. Daraufhin kam die Antwort, ja, danke, dass ich das so offen ansprechen würde und man würde jetzt die Klärung abwarten. Ja, das fand ich schon eine merkwürdige Reaktion. So, ein bisschen später kam dann die Antwort von der Redaktion, das ist ein Fake.
Tamara
00:05:21
Ach, Mensch.
Vera
00:05:23
Aber gestern, einen Tag später, kam dann eine Nachfrage von diesem Faker, wahrscheinlich ohne KI, ob ich denn alles geklärt hätte. Da habe ich dann zurückgeschrieben, ja, ich habe es geklärt, das ist ein Fake. Seitdem habe ich auch nichts mehr gehört. Ja, also...
Tamara
00:05:42
Oh, Vera, ich habe mich jetzt wirklich aufrichtig gefreut.
Vera
00:05:45
Ja, ich hatte mich kurzzeitig auch gefreut. Und ich habe dann in der Zwischenzeit auch geguckt, weil die hatten für den Podcast zwei Seiten vom WDR 5, wo die Christine Westermann mit der Mona Ametze-Dingsbums, die mich, angeblich angeschrieben hat, da habe ich mir auch angehört, und die haben gar keine Gäste, die reden immer nur selbst über die Bücher.
Tamara
00:06:05
Ach, verdammt.
Vera
00:06:06
Ja, ja, also von daher war das nur ein kurzer Moment. ausgeführten Ruhms und der ist schon wieder vorbei.
Tamara
00:06:15
Okay, dann bleibt mir ja dein lieblicher Anblick wenigstens erhalten.
Vera
00:06:18
Genau, ich bleibe jetzt noch was hier, muss sie jetzt durch.
Tamara
00:06:21
Mensch, jetzt hast du aber hier richtig einen auf 1. April gemacht.
Vera
00:06:26
Ja, so sind wir ja auch gegangen. Wobei ich mich die ganze Zeit frage, was wollen diese? Also ich vermute, man ist wirklich schon ein KI-Agent, der da antwortet.
Tamara
00:06:35
Ja, vielleicht irgendwann dann so, dass jetzt ein paar Unkosten halt vorabgedeckt werden müssen oder so. Also ich habe auch schon so.
Vera
00:06:40
Oder irgendwie melde dich hier an, für die Aufnahmen machen und dann musst du irgendwelche Privatdaten abgeben.
Tamara
00:06:45
Ja, irgend sowas. Also ich habe auch schon ein Schreiben von irgendwelchen angeblichen Redakteurinnen bekommen, die mein Buch so toll fanden. Und da war aber allein schon, also was die halt über das Buch geschrieben haben, so allgemein, dass ich da gar nicht groß reagiert habe. Aber ja, was da am Ende bei rauskommt, keine Ahnung.
Vera
00:07:04
Ja, die habe ich mittlerweile mehrere pro Woche von irgendwelchen Buchzirkeln. Interessanterweise sind das dann immer US-amerikanische Adressen, wo ich mir denke, die würden meine Bücher gar nicht verstehen. Was ich in letzter Zeit auch hatte, hoffentlich hatte, ist, dass ich plötzlich so ein Mail bekomme, gestern haben sich zehn Leute für dein Newsletter angemeldet. Wow, was ist denn da los?
Tamara
00:07:34
Ja, und klickst dann. Oder bist du versucht zu klicken?
Vera
00:07:38
Nee, dann sehe ich ja die E-Mail-Adressen. Und das sind alles irgendwelche amerikanischen Firmendomains. Ich habe da mal so einigen anderen, wo ich mich bei irgendwelchen Anwaltskanzler allein in Kansas City oder sonst wo aus. Und dann denke ich, hä, wieso abonnieren die mein Newsletter? Also wahrscheinlich irgendeinen Spammer. Wobei ich ja Double Opt-in habe. Das heißt, die müssen ja schon so slow sein, dass sie auch die Nachfrage noch bestätigen.
Tamara
00:08:05
Na, das wird die KI ja wohl inzwischen auch hinkriegen, wenn sie schon aus ihren Gefängnissen ausbrechen kann da.
Vera
00:08:10
Ja, aber wenn doch das E-Mail von irgendeiner Domain kommt, die fake, dann kommt ja meine Antwort auch an diese Domänen. Wie kommen die da dran? Und dann frage ich mich, was soll das? Dann kriegen die jetzt mein Newsletter, den sie nicht verstehen.
Tamara
00:08:27
Informationen sammeln, um dich dann gezielt anzuschreiben.
Vera
00:08:31
Ja, das ist aber sehr aufwendig. Da wollen wir nur googeln.
Tamara
00:08:35
Keine Ahnung.
Vera
00:08:36
Ja, also manche Sachen verstehe ich nicht. Gut, ich habe jetzt da, man kann ja so bei Mailchimp, dann hatte ich noch ein paar Sachen, hatte ich kein Recapture eingeschaltet. Jetzt scheint es aufgehört zu haben, der Schwung.
Tamara
00:08:50
Ja, aber ich glaube jetzt gerade so, wo die Leute langsam verstehen, was sie mit KI so alles machen können, da wird das jetzt wieder arg zunehmen mit diesen ganzen Fraud-Mails. Also ich bekomme auch, weil meine Website bei Yonos ist, bekomme ich an sämtliche E-Mail-Adressen, die ich da habe, am Tag mindestens zwei bis drei Mails von in Anführungszeichen Yonos. Ich soll mir die neue Rechnung runterladen, ich muss mich sofort einloggen, sonst wird meine Website gelöscht und schlag mich tot. Ich meine, also ich falle nicht wirklich drauf rein, weil wenn ich mir die Rechnung runterlade, dann logge ich mich einfach direkt ein und sonst brauche ich da nichts. Aber es nervt. Es nervt so sehr.
Vera
00:09:27
Ja, ja. Ja, also das ist wirklich nervig. Naja, vielleicht haben wir jetzt mal irgendwann die KI, die dann die KI abwehrt.
Tamara
00:09:39
Ja, irgendwann unterhalten sich im Internet sowieso nur noch KIs miteinander.
Vera
00:09:44
Genau, ja. Wobei, ich habe ja, habe ich schon erwähnt, arbeite ja relativ intensiv damit und habe jetzt das neue Language-Modell von Claude ausprobiert, Opus 5. Und da muss ich sagen, das ist echt genial. Vor allen Dingen ist es nicht mehr so nett. Das sagt einem, klar, das kannst du machen, aber dann wird es scheiße. Also nicht ganz so in diesen Worten, aber so, während die andere sagt, ja, ich gucke mal. Nö, das würde ich aber jetzt lassen, das ist jetzt blöd.
Tamara
00:10:15
Na gut, das kannst du ja von Anfang an in den Einstellungen so drum gehen.
Vera
00:10:19
Ja, habe ich jetzt nicht, aber die ist auch, und die muss ich sagen, Also die verbraucht zwar schneller das Nutzungslimit, aber dafür ist es auch viel, viel effektiver in der Analyse. Ich habe das gerade am Wochenende gebraucht, weil ich war so ein bisschen hingig in meinem aktuellen Schreibprojekt. Ich hatte so das Gefühl, ich habe mich so mit meinen verdächtigen Fäden völlig verwirrt und kam nicht so richtig raus. Und dann habe ich jetzt das ganze Wochenende daran gearbeitet, um das mal zu sortieren und zu sehen, wo habe ich denn da jetzt Fehler und wo müsste ich jetzt dran drehen, damit das richtig läuft. Und da muss ich sagen, da hat die KI mir schon sehr geholfen, diese Dinge auseinanderzuhalten. Und jetzt habe ich es, glaube ich, und heute Morgen habe ich auch schon fleißig wieder geschrieben, jetzt fühlt es sich gerade gut an. Mal sehen, wie lange.
Tamara
00:11:08
Strögt die Däumchen.
Vera
00:11:10
Ja, mittlerweile habe ich das Buch ja auch schon, also den zweiten Band von Weber und Bosnick, ja auch schon zur Vorbestellung eingestellt. Und ja, es läuft alles seinen Gang, ne?
Tamara
00:11:22
Prima.
Vera
00:11:23
Ja.
Tamara
00:11:25
Sonst habe ich auch tatsächlich gerade, glaube ich, nichts. Oder ich hätte es vergessen, was ich noch beitragen sollte.
Vera
00:11:33
Nö, wir können ja dann einfach mal zu unserem heutigen Gast überleiten. Wir kommen ja jetzt so ein bisschen, ich weiß gar nicht, hatten wir schon mal Poetry Slam als Thema? Ich glaube nicht. Oder jemanden, einen richtigen Slammer? Ne, hatten wir noch nicht. Das ist dann heute Premiere, immerhin in Folge 322, dass wir noch was Neues machen können. Unser heutiger Gast bezeigte sich nämlich selbst als Bühnenpoet. Er ist freier Autor, nebenbei auch noch gerade Grundschullehrer, aber das lassen wir heute mal außen vor. Wir haben ihn kennengelernt bei einem Treff des Literaturhauses Niederrhein und haben gehört, dass er auch viele Events organisiert hat und viele Jahre, mit Partnern zusammen Poetry Slam gemacht hat. Und all das hat uns doch sehr interessiert und wir freuen uns sehr, dass er unsere Einladung eingenommen hat. Und heute hier ist die Rede von Marco Jonas Jahn. Hallo Marco.
Marco
00:12:32
Ja, hi zusammen.
Tamara
00:12:33
Hallo.
Vera
00:12:34
Jetzt müssen wir mal so ein bisschen sortieren, weil ich habe mich natürlich so ein bisschen durch dein Schaffen gewühlt. Und wie kommt das, dass man Bühnenpoet wird?
Marco
00:12:47
Also das war, ich bin ja im Prinzip so mit dieser Poetry-Slam-Welle so ein bisschen reingekommen in den Kulturbetrieb. Also natürlich auch vorher schon geschrieben, nur dann wurde Slam halt immer populärer. Und ja, und dann ist Bühnenpoet halt so eine Bezeichnung, die ja sehr schwammig ist. Eigentlich heißt es ja nur, dass man, die Texte halt schreibt, um sie auf einer Bühne auch vorzutragen und natürlich auch ein bisschen Wert auf die Performance legt, also aufs Publikum.
Vera
00:13:24
Wie muss ich mir denn so eine Performance vorstellen? Was sind dann so für Aspekte, die du bei den Texten oder bei der Konzeption überlegst?
Marco
00:13:34
Boah, also wenn ich jetzt für, was ich jetzt schon sehr lange nicht mehr mache, dass ich halt speziell für zum Beispiel einen Poetry Slam schreibe, wo man ja dann vielleicht sechs Minuten Zeit hat, dann, muss man ja in erster Linie schauen, dass man halt auch in diesen sechs Minuten den Text fertig kriegt.
Tamara
00:13:53
Moment, hat man sechs Minuten, um den Text zu schreiben oder um ihn aufzusagen?
Marco
00:13:58
Nein, nein. Also es gibt lustige Formate, da gibt es auch live, also Action Writing auf der Bühne. Aber das ist nicht die Regel. Nein, nein, man darf so viele Tage, Wochen und Monate an einem Text feilen, wie man möchte. Und hat dann, das ist ganz unterschiedlich, hat dann zwischen fünf und zehn Minuten Zeit, je nachdem. Es gibt ja da keinen Dachverband oder so, der da in der Regel eine übergeordnete festlegt. Ja, und dann guckt man halt, dass man das Publikum, da muss man ja immer sehr wenig Zeit, Man muss es sehr schnell fesseln, sehr schnell in den Text mit reinnehmen. Ja, eben möglichst gut vortragen. Das kann ja auch einfach, also man achtet halt viel mehr darauf, dass halt ein Text nicht holpert beim Vorlesen, weil das Vorlesen so richtig ist und nimmt dann eher nochmal einen Nebensatz raus vielleicht. Oder bei Gedichten versucht man natürlich im Idealfall die Sachen frei vorzutragen, weil man dann viel mehr Möglichkeiten hat, mit Mimik und Gestik zu arbeiten.
Tamara
00:15:06
Jetzt vielleicht einmal kurz für die, die den Begriff vielleicht nur mal so am Rande gehört haben. Kannst du mal kurz abreißen, was macht einen Text zum Slam-Text? Also was braucht es tatsächlich?
Marco
00:15:21
Ja, also ein Slam-Text, also erstmal natürlich die Länge oder die Kürze halt und, dass es halt sehr direkt ist, also sehr unmittelbar ist, weil er ist halt für das Publikum geschrieben oder dafür, dass das Publikum unmittelbar zuhört und nicht zu Hause sitzenden Text liest, sondern den hört. Und ja, der muss halt auf jeden Fall unterhaltsam sein oder jemanden komplett abholen, also, wo es Identifikationspotenzial haben, aber es gibt da, also wenn es da eine Blaupause für gäbe, dann hätte ich mehrfach den Titel geholt, aber natürlich nicht. Und jeder hat da so ein bisschen seinen Style. Es gibt natürlich so klassische, Sachen, die immer wieder kehren, Aber ja, also ich glaube, er muss halt gut zum Vortragen gemacht sein.
Vera
00:16:17
Der Text.
Tamara
00:16:18
Also es muss auch nicht immer ein Gedicht sein, weil jetzt das Wort Poetry drin ist.
Marco
00:16:23
Nein, überhaupt nicht.
Tamara
00:16:24
Das kann auch einfach eine Erzählung sein. Ich glaube, auch viele Stand-up-Comedians kommen aus dem Bereich, oder?
Marco
00:16:29
Oh ja, total. Also Poetry Slam war halt voll die, sag ich mal, voll die Kaderschmiede für viel Comedy- und Kabarett-Sachen, die danach so kamen. Und ja, also ja, Es kommt ja ursprünglich aus Amerika und da gab es halt tatsächlich, ist die Regel so meistens drei Minuten und da ist es dann auch wirklich meistens Lyrik. Und in Deutschland ist es halt frei. Also es gibt halt Gedichte, es gibt halt Storytelling einfach und dann gibt es vielleicht sowas, das würde ich mal so ein bisschen als Slam-Prosa nennen. Das kann halt geschrieben sein wie, das hat dann eher so essayistische Züge oder Aufzählungstexte oder so, dass es dann schon... Also das sind dann schon auch Texte, die vielleicht gelesen gar nicht mal so gut funktionieren würden, sondern dann sehr speziell sind.
Vera
00:17:24
Und was macht jetzt den Reiz aus? Also ich kann mir vorstellen, natürlich Bühne, Publikum ist ein Reiz an sich. Ich meine, das kennen sowohl Tamara als auch ich. Aber was macht den Reiz aus, jetzt speziell solches Poetry Slam zu machen?
Marco
00:17:40
Okay, das ist natürlich eine schwierige Frage, weil ich halt ja irgendwann diesen Reiz nicht mehr verspürt habe.
Vera
00:17:49
Aber da müsstest du ja genau definieren können, was es war.
Marco
00:17:52
Auf jeden Fall. Nein, es ist natürlich total, man wird ja bewertet. Das heißt, man wird zum einen bewertet durch das Publikum, durch die Reaktion des Publikums. Also das ist ein wahnsinniger Reiz, ein unmittelbares Feedback zu bekommen. Und das andere ist halt eben, dass man dann auch noch von einer Jury aus dem Publikum oder sei es Applausabstimmung oder es, gibt ja mehrere Modelle, dann halt eine Bewertung bekommt und dann halt auch tatsächlich an so einem Abend dann eine Runde weiterkommt oder gewinnt oder so. Das ist natürlich schon aufregend und man probiert, man kann halt sehr viel ausprobieren. Also es gibt jetzt so keine Regel, die halt die Texte einschränkt. Also man darf jetzt keine Hilfsmittel benutzen und sowas oder sich verkleiden oder was auch immer. Darf nicht singen oder so, sondern es ist wirklich halt nur Text und Mikro und, ja, das ist schon sehr reizvoll und man kann halt sehr viele Sachen ausprobieren und gerade wenn man neue Texte hat und gar nicht genau weiß, so, Man kann theoretisch auch hingehend aus einem längeren Text einen Auszug lesen oder sowas. Es kommt immer darauf an, ob man jetzt es darauf auslegt, halt einen Slam erfolgreich zu bestreiten, ob es einem wichtig ist, dass man gewinnt, oder ob man einfach das halt genießt und ausprobiert.
Vera
00:19:13
Also wo Gewinner sind, sind die aber auch Verlierer und womöglich Leute, wo gar keiner klatscht. Hattest du schon solche Enttäuschungen da? Oder war es gar keine?
Marco
00:19:24
Bestimmt, klar. Also natürlich, ich hab halt, ja klar, ich hab, ich hatte mal ein sehr politisches Gedicht und das kam halt überhaupt nicht an. Und ich fand es selbst halt, das ist immer so schwierig, ich fand es halt selbst mega gut und dann ist es voll abgekackt. Und ja, das ist ganz normal und ich glaube halt auch, dass das halt auch wichtig ist, dass man das halt einordnen kann. Und vielleicht auch, um zu dem Hintergrund auch eures Wirkens hier im Rahmen dieses Podcasts zu kommen, das ist, glaube ich, echt eine super Sache, das auszuprobieren. Und es kostet, weil es halt, selbst wenn man komplett verkackt, es kostet halt auch echt Überbindung.
Vera
00:20:12
Sich da hinzustellen.
Marco
00:20:13
Und ich muss ja auch ein bisschen eingestehen, dass ich irgendwann gedacht habe, boah, jetzt bist du echt zu alt für den Scheiß. Das ist schon ein sehr junges Publikum und die Texte, die halt gut funktionieren, sind halt auch sehr junge Texte. Und irgendwann will er ja nicht der Onkel sein, der da irgendwie Geschichten aus seinem Leben vorliest.
Tamara
00:20:37
So gefühlt würde ich es wahrscheinlich so ein bisschen in der Studierenden-Szene ansiedeln.
Marco
00:20:42
Ja, definitiv ist halt, das liegt da. Also die größten Slams, die sind natürlich immer in den Städten, in denen auch Unis sind. Und natürlich sind da super viele Leute aus der Studierendenschaft da. Ja, genau. Aber es wird halt eben, es darf jeder hingehen. Die Grundidee ist ja, dass es eine offene Bühne ist. Mittlerweile sind halt sehr viele Einladungs-Slams auch und einfach um eine Qualitätssicherung zu haben, laden dann die MCs halt, die Veranstalter halt vorher. Halt immer ein paar Leute ein, von denen sie wissen, dass das gut ist. Und dann nimmt man noch jemanden von der offenen auf die offene Liste. Das ist ganz unterschiedlich. Also ich könnte jetzt alles erzählen und alles wäre richtig und falsch, weil jeder Slam das eben anders macht. Also ich habe halt hier in Gladbach sehr lange, also echt lang, 20 Jahre lang einen Slam gemacht. Und hat aber auch dann mal einen in Mühlheim gemacht und in Oberhausen lange. Und alle Slams waren komplett anders auch vom Abstimmungsprozedere und so. Aber es hat sich schon ein bisschen. Verändert. Es wurde in den Anfangszeiten in Deutschland sehr viel mehr, glaube ich, experimentiert. Auch. Also da haben man echt auch richtig schräge Leute auf der Bühne gehabt, die komplett, schräges Zeug gemacht haben, einfach nur, um es zu machen und denen es halt überhaupt nicht wichtig war, irgendwie hohe Bewertungen zu bekommen. Und das war schon auch sehr spannend. Und wenn man halt sehr lange, also so nach 20 Jahren, also irgendwann hat man dann so den Eindruck, ja, irgendwie hat man dann doch alles schon mal gehört und dann viele Sachen, dann fängt mal an zu vergleichen und denkt, ja, das war irgendwie schon mal besser gehört. Also das ist ja auch nicht gut, aber auch nicht richtig, aber passiert dann von ganz allein. Aber es war cool, also es hat total Spaß gemacht. Also moderieren hat mir auch immer mega viel Spaß gemacht. Und.
Tamara
00:22:54
Ich habe mich vor einiger Zeit ein bisschen mit dem Thema beschäftigt. Zum einen, weil in meinem nächsten Roman eine Poetry-Slammerin auch eine Rolle spielen wird. Und zum anderen, weil ich so den Eindruck habe, also ich habe es jetzt nie probiert, so einen Text zu schreiben, aber ich glaube, dass man da sicher viel lernen kann. Und vielleicht mache ich es irgendwann mal, einfach was so auf den Punkt kommen, nicht lang drumherum labern, drumherum erklären, Bilder finden. Ich glaube, dass man da schon für seine schriftstellerische Arbeit eigentlich sich sehr gut trainieren kann, wenn man gezwungen wird, das, was man ausdrücken möchte, so kompakt und vielleicht auch ein bisschen bildhaft irgendwie darzustellen. Oder stelle ich mir das jetzt zu romantisiert vor?
Marco
00:23:39
Boah, schwierig. Ich glaube, da bringst du jetzt eine Tiefgründigkeit rein. Ich glaube, es gibt wahnsinnig gute Leute auf der Bühne. Es gibt wahnsinnig, gute Leute, die auch richtig, richtig fantastische Texte schreiben. Also ganz, ganz viel. Ich glaube einfach... Wenn du halt, keine Ahnung, aus dem Roman ist immer schwierig, glaube ich, was rauszunehmen. Selbst wenn du irgendwie, keine Ahnung, irgendwann irgendwie ein paar Gedichte oder so sammeln, ein paar Gedichte zusammen verguckst, was vielleicht ein Oberbegriff wäre und einfach mal ausprobieren. Man muss ja nicht direkt zu dem größten Slam gehen. Man sollte halt irgendwie gucken, dass man was so lokal am nächsten ist. Und ja, also dann einfach, um so ein bisschen so ein Gefühl dafür zu kriegen. Also für die Veranstaltungen, das ist ja der Reiz, den es auch für das Publikum, deswegen sind die ja in der Regel sehr gut besucht gewesen. Also gerade vor Corona hatten wir auch hier so einen Peak in Mönchengladbach und danach hat man irgendwie wieder bei Null angefallen. Ja, und dann ist das halt eben gut, weil es so interaktiv ist, weil das Publikum darf auch reagieren direkt. Also sie müssen nicht leise sein, die dürfen auch Unmut äußern, dürfen auch zwischendurch applaudieren, dürfen halt Zwischenrufe machen, das ist alles nicht verboten. Das ist ganz spannend, aber ja, also ich, wie gesagt, es läuft halt immer noch sehr gut, glaube ich, aber ich bin da eigentlich jetzt ein bisschen, tatsächlich auch ein bisschen weit weg von den ganz aktuellen Sachen. Also ich mache halt immer noch einmal im Jahr die lange WDR 5-Slam-Nacht in Oberhausen machen, die immer zusammen mit Kabarett-Kollegen Matthias Reuter. Und da trifft dann Slam so ein bisschen Kabarett und genau, das ist dann auch kein Wettbewerb. Und da merke ich schon immer, dass ich halt manchmal denke, so, boah, dass mir immer die alten in Anführungszeichen Leute anfallen und ich immer so bei den aktuellen Leuten, die gerade gut drauf sind, in dem Bereich echt immer selbst nochmal überlegen muss oder halt, dann die jüngere KollegInnen fragen muss, hör mal, wer ist denn gerade? Kannst du mir jemanden empfehlen und so? Also da ist man weit weg. Aber aus dem Slam sind ja auch dann, also gerade auch aus diesem Dunstkreis sind ja auch viele Lesebühnen halt auch entstanden und das ist eigentlich ein, ganz cooler Schritt, weil das dann halt eben für die Leute nicht so ein bisschen weg vom Wettbewerb ein bisschen mehr ja, ein bisschen kuscheliger dann.
Tamara
00:26:29
Aber Das ist genau das Thema, auf das ich jetzt eigentlich gedanklich nochmal hinaus wollte, weil, wenn man irgendwo eine Lesung bewirbt, dann ist es ja schon oft schwierig, Leute da hinzubekommen, weil die sich vielleicht vorstellen, dass da jetzt jemand irgendwie zwei Stunden lang da vorne sitzt, Tisch und in sein Buch reinmurmelt. Und es ist, finde ich, sehr, sehr schwer, da irgendwie die Massen zu mobilisieren und du sagst zu den Poetry Slams, die sind eigentlich ganz gut besucht, das heißt, wahrscheinlich haben wir hier ein Stück weit ein Imageproblem, weil ich weiß, sowohl bei Vera als auch bei mir ist halt eine Lesung sehr viel lebendiger, als was man sich unter so einer Lesung oft vorstellt und das wäre jetzt eigentlich so ein Thema, auf das ich gerne mal hinaus wollen würde. Was kann man deiner Meinung nach tun, um dieses Format Lesung für die Leute attraktiver zu machen?
Marco
00:27:19
Und ich glaube einfach, dass man halt guckt, was es vielleicht an vorhandenen, Strukturen gibt oder Infrastruktur gibt in dem Bereich. Also zum Beispiel, wenn wir jetzt bei Krefeld bleiben, dann hätte man ja die Möglichkeit, sich auch halt an etwas, was schon da ist, so ein bisschen anzuhängen erstmal. Und das ist vielleicht der erste Schritt, dass man halt so ein bisschen schon mal irgendwo anstellt. Gelesen hat, bevor man dann eine eigene Solo-Lesung hat oder sowas. Also es ist halt eben, ja klar, Lesung hat glaube ich nicht das Image, oder hat immer noch dieses, was du gerade beschrieben hast, dieses eher staubige.
Vera
00:28:00
Wasserglaslesung, ja.
Marco
00:28:01
Ich glaube, das kann man durch zum Beispiel einen etwas ausgefalleneren Ort, vielleicht zum Beispiel, also wäre jetzt, finde ich, eine gute Idee, also vielleicht einen Ort zu wählen, der vielleicht auch ein bisschen untypisch ist. Man sollte auf jeden Fall vielleicht noch jemand anders oder irgendwas mit Musik dabei haben oder so. Und vielleicht das noch so ein bisschen wie so ein Vorprogramm oder so mit irgendwas, also vielleicht sogar inhaltlich aus dem Buch mit irgendwas anreichen. Also ich hatte mal eine Kollegin, die hat ein Buch über Parcours gehabt. Das war ein Roman und da ging es sehr viel um Parcours. Und da hat sie halt zum Beispiel gelesen und im Vorfeld haben ein paar Jugendliche eben haben echt so Parcours-Moves gemacht und das war, glaube ich, ganz cool. Also da gibt es halt Möglichkeiten. Aber dieses, also letztendlich, klar, Social Media ist jetzt wahnsinnig wichtig geworden dafür, wobei ich immer denke, so boah, wenn ich jetzt genau gucke auf die Veranstaltung, die ich so gemacht habe, dann erreiche ich mit Social Media, glaube ich, so 10 Prozent der Leute, wenn es hochkommt. Also gar nicht so viel. Ja, aber da muss man viel machen und. Auch da gibt es ja keine Blaupause für, aber ich glaube halt, früh genug planen, viel werben, also immer so ein Grundstock an Leuten, die man kennt, halt auch da haben, das ist dann auch für die Stimmung gut. Und ja, ich bin ja ein großer Fan davon, sich eigentlich auch zusammenzutun, mit weiteren AutorInnen oder MusikerInnen, weil ich glaube, dass es eine gute Sache ist. Und wovon nämlich zum Beispiel der Slam sehr profitiert ist, dass es natürlich sehr abwechslungsreich ist, wenn man eben nach ein paar Minuten schon wieder einen Wechsel hat am Mikrofon. Das geht natürlich nicht, wenn man sein Buch vorstellt, das verstehe ich ja auch, das soll auch nicht so sein. Aber wenn man an so einem Abend einfach vielleicht zwei Lesende und jemanden hat, der Musik macht oder so, hat das schon, glaube ich, nochmal einen ganz anderen Drive auch in der Ankündigung vielleicht.
Vera
00:30:11
Ja, also ich finde das, klar, das sind ja alles schon mal so Gedanken. Wobei ich habe jetzt gerade, wo du das Alter angesprochen hast, gedacht, vielleicht sollten wir zumindest meine Lesung nicht mehr Lesung nennen. Das ist jetzt Seniorenslam. Oder Samara, du könntest ja meine Vorgruppe sein, oder?
Tamara
00:30:33
So weit sind wir jetzt schon. Jetzt bin ich nur noch dein Support.
Vera
00:30:36
Nein, nicht nur noch. Das ist eine Ehre.
Tamara
00:30:38
Liebe weltberühmte Vera.
Marco
00:30:40
Ja, ich habe auch ein paar Leute, wir hatten auch mal überlegt, ob wir irgendwann mal ein Ü50-Slam nochmal organisieren, einfach um nochmal die ganzen Leute von damals aus den Löchern zu scheuchen. Aber ja, es war eine...
Vera
00:30:55
Ja, es ist ja auch immer so eine Sache, also klar, du hast ja jetzt auch wirklich, wie du sagst ja, schon 20 Jahre dann sowas, so Events organisiert. Ich gehe mal davon aus, dass das Ziel war, durchaus auch damit Geld zu verdienen oder zumindest nicht drauf zu zahlen.
Marco
00:31:09
Also das ist halt unterschiedlich. Es gibt halt, ja, natürlich, also ich war halt, ich habe das auch 15 Jahre selbstständig gemacht, also es war schon sehr wichtig, also hauptsächlich selbstständig, ausschließlich selbstständig, würde ich sagen. Und da war es schon wichtig, wobei man immer unterscheiden muss, das, was in der eigenen Stadt ist, ist halt auch so ein bisschen dann Local Support, also dass man halt eben auch will, dass in der eigenen Stadt was passiert und dann, ja gut, wenn man dann danach halt, noch eine Pizza essen kann und mit einem Taxi nach Hause fahren kann, dann reicht das manchmal einem schon, wenn es ein guter Abend war. Aber ja, klar, eigentlich schon. Aber das ist natürlich schwierig. Also es gibt, also ich würde immer jetzt bei. Wenn wir jetzt auf die Lesebühne gehen, ist es halt natürlich gut, wenn es was Regelmäßiges gibt dadurch und man dadurch halt auch schon als vortragender Mensch eben sich halt im Publikum erschlossen hat, dann kann man halt dann die Sachen immer viel besser darüber auch nochmal direkt bewerben, klar. Aber bei Lesebühnen, wenn man in mehreren ist, also wir haben immer davon profitiert, jetzt zum Beispiel in Gladbach gibt es halt eben einen Fördertopf eben und da haben wir halt, hatten wir es immer so, dass wir die Menschen, die wir eingeladen haben, denen konnten wir halt vorher eine feste Gage eben zusichern und der Rest hat sich halt über den Hut dann, den alten Hut finanziert. Aber ja klar, das ist natürlich, ich sage das jetzt so leicht, einfach mal noch mit Musik und vielleicht noch jemand, klar, bei so einer Sache ist das schwierig. Also entweder man hat einen sehr idealistischen Veranstalter oder ja, man zahlt drauf, genau.
Vera
00:32:54
Aber jetzt mal dieser andere Blick, der mich interessiert. Du hast ja dann 20 Jahre lang auswählen müssen oder dürfen, wen du da auf die Bühne lässt. Was waren das für Faktoren, die dich überzeugt haben? Wie musste man sich bei dir präsentieren, damit du sagst, okay, dich lasse ich gleich wieder auf die Bühne?
Marco
00:33:15
Also die Grundidee, du bist jetzt noch beim Slam eigentlich, oder?
Vera
00:33:21
Ja, ich versuche jetzt so ein bisschen die Brücke zu mir als Autorin und als Lesungssuchende zu machen.
Marco
00:33:27
Okay, also ich würde das nochmal unterteilen. Also die Grundidee beim Poetry-Slam war es eigentlich, Es ist so ein bisschen wie ein, eigentlich ist es auch eine Art von Open Mic und deswegen sollte man immer die Bühne auch offen haben. Deswegen haben wir, außer wenn wir zu viele Menschen hatten, die an dem Abend auf die Bühne wollten, dann haben wir gesagt, jetzt geht nicht mehr, aber eigentlich jeder, jeder, die möchte, kann ans Mikro. Das ist erstmal so ganz klar. Aber auch wir haben in Gladbach irgendwann dann angefangen, Leute natürlich einzuladen, weil halt auch diese Spontanen oder, die Locals, die dann, das sind halt immer weniger geworden. Also es ist halt, kann man sich nicht darauf verlassen und man muss ja auch genug Leute da haben. Und dann lädt man Leute ein, weil man die auf anderen Slams gesehen hat. Also das ist halt wirklich, das gibt es immer den Begriff der Slamily. Da ist auch was dran. Also wenn man halt aktiv ist, dann kennt man super schnell halt einfach alle. Also gerade NRW sieht man sehr schnell alle, aber auch dann viele, die halt über die Bundesländergrenzen hinaus Bühnen bereisen. Und bei Lesebühnen ist es schon ein bisschen so was anderes. Wobei da auch die Lesebühnen natürlich völlig unterschiedlich, veranstaltet werden. Also wir hatten das jetzt so, wenn ich jetzt, also ich bleibe jetzt mal in Gladbach, also bei der Lesebühne in Gladbach hatten wir das so, dass wir zwei Stammautoren waren und wir haben dann immer einen, Musiker eingeladen und eine Poetin oder umgekehrt. Also irgendwie, also wir haben halt immer versucht halt dann zwei Menschen noch da zuzuholen und auf jeden Fall jemand mit Musik dabei und bei. Der Prophetin haben wir halt immer drauf geachtet, dass man vielleicht jemanden nimmt, der halt noch gar nicht so viel Erfahrung hatte, also ein bisschen Nachwuchserfahrung, aber auch einfach Leute, die wollten, also deswegen, wenn ich jetzt, ein Rad klingt immer so onkelhaft wieder, Ja, aber wenn man in der Nähe was hat, so eine Lesebühne hat, dann sollte man auf jeden Fall einfach mal sich ins Publikum setzen, uns das angucken. Wenn einem das gefällt, geht man hinterher zu den Leuten, die das machen und sagt, hier, ich hätte auch mal voll Bock hier zu lesen. Geht das? Und wir haben nie Nein gesagt, außer wenn wir irgendjemanden irgendwoher kannten und man uns gesagt hat, lass die...
Tamara
00:36:07
Lass mal lieber.
Marco
00:36:09
Nein, aber so funktioniert das halt eben.
Tamara
00:36:13
Aber gut, also das funktioniert ja eben, wenn irgendwas in der Nähe ist, wo man sowieso auch mal hingehen kann und so. Ich bin jetzt im Moment am Schauen, eben auch außerhalb meiner Region lesen zu können. Und da kann ich natürlich nicht in sämtliche Städte irgendwie dauernd hinfahren und einfach mal mich auf gut Glück irgendwo reinsetzen, sondern muss dann aus Distanz quasi mich bewerben oder vorstellen. Was würdest du denn da raten? Also du hast jetzt eine Lesebühne und ich komme zu dir und sage, hier, ich mache Konzertlesungen, so und so sieht das aus. Wie sollte ich dich am besten ansprechen? Wie sollte ich mich am besten präsentieren, dass du sagst, ach, das klingt gut?
Marco
00:36:51
Also im Idealfall hättest du meine Telefonnummer oder zumindest eine E-Mail-Adresse und würdest halt kurz genau das sagen, was du jetzt gesagt hast. Und vielleicht gibt es sogar noch irgendeinen Mitschnitt von den anderen Lesungen, dass man so ein bisschen. Das merkt, was ihr vorhin gesagt habt, dass es eben nicht eine klassische Lesung einfach nur ist, sondern dass es halt schon auch mehr passiert, als einfach nur Wort zum Ohr bringen. Und ja, und dann besteht die Möglichkeit natürlich. Aber das ist natürlich wieder schwierig, weil Lesebühne ist ja, wie gesagt, es gibt nicht in jeder Stadt eine Lesebühne. Also es gibt auch ganz viele Leute, die jetzt aus dem Bereich, wenn die selbst Bücher promoten wollen, dann schreiben die halt die Lesebühnen an, in der Republik, die sie kennen und sagen, hier ein neues Buch, wann kann ich mal vorbeikommen? Das ist aber natürlich, weil man sich halt eben kennt in dem, in dieser Bubble eben. Und ich würde immer eigentlich auch über das Kulturbüro gehen, weil im Idealfall, also wenn die ihren Job gut machen, dann wissen die, wer in der Stadt halt, für Literatur-Events eben, also wer da halt selbst das macht und wer halt auch eben immer Lust darauf hat, eben mit Leuten auch von außerhalb mal zu arbeiten. Also das ist immer ein guter...
Vera
00:38:23
Also man sucht sich die Stadt, sagt, ich möchte jetzt mal, was weiß ich, in Hanau und dann gucke ich da, wer macht Kulturbüro und hakt da mal nach.
Marco
00:38:31
Genau, dann würde ich ja, und vielleicht haben die auch nur, sagen, die wissen wir nicht genau, aber wir haben einen Kontakt in die freie Szene und dann, genau, vernetzen die euch vielleicht. Also ganz...
Vera
00:38:43
Ist das irgendwo im Web so eine Liste von Lesebühnen?
Marco
00:38:46
Nee, leider nicht. Ich habe auch tatsächlich, ich eben das, was ich halt im Vorfeld dieses Gesprächs tatsächlich gemacht habe. Also ich habe mal überlegt, welche ich so kenne und jetzt auf NRW bezogen und habe dann gedacht, ich suche mal, was sagt die KI? Die KI hatte gar keine Ahnung. Nichts, das zu sagen, gar nichts. Und da war ich halt auch ein bisschen überrascht. Das liegt natürlich daran, dass Lesebühnen auch häufig nicht ganz so regelmäßige Abstände haben. Das ist dann halt eben manchmal oder manchmal werden die unterbrochen und dann werden die wieder aufgenommen oder sind nur sporadisch. Es gibt Lesebühnen, die... Also in Berlin war ja so eine Hochphase, die haben dann wöchentlich eine Lesebühne gemacht, mit der gleichen Besetzung. Das heißt, die hatten echt immer eine Woche Zeit, um neuen Text zu schreiben, was natürlich total krass ist. Und ja, dann gibt es monatlich, zweimonatlich, einmal im Quartal Lesebühnen, die nur zweimal im Jahr stattfinden. Deswegen, das ist halt ganz ganz unterschiedlich und da kommen sich dann halt nicht so drauf ein. Stellen, so richtig.
Vera
00:39:54
Wo ich mich ja frage, also ich meine, ich habe sowas natürlich schon häufiger mal so mitbekommen und dann gibt es auch irgendwelche Literaturtreffs, die dann so Lesebühnen machen oder sowas, wo man mal diese sechs Minuten dann was lesen kann. Jetzt ist es bei mir ja so, dass ich ja plötzlich Bücher schreibe und wie du schon richtig sagst, aus dem Buch sechs Minuten rausnehmen, dass er trotzdem alleine funktioniert, ist extrem schwierig. Also bei den mörderischen Schwestern gibt es ja so ein Format, die Ladies Crime Nights, die funktionieren auch so, dann liest man sechs Minuten oder sieben und am Ende kommt ein Schuss und dann muss man aufhören und ich habe da zwei, drei Mal mitgemacht. Ich suche dann immer aus meinem Buch irgendwie, dass ich dann bei dem Schuss möglichst an einer, da ist er jetzt tot oder so, was aber dann auch nicht immer unbedingt Punkt klappt. Ich meine, es ist dann schon besser, wenn man einen Text genau dafür geschrieben hat, aber mal abgesehen davon, dass so Kurstexte nicht mein Ding sind. Ich will ja letztlich mein Buch verkaufen. Da finde ich immer, ist es extrem, ist es schwierig, da so eine Schnittmenge bei Lesebühnen zu finden.
Marco
00:41:01
Ja, total. Also, du warst aber noch nicht fertig, ne? Du wolltest jetzt...
Vera
00:41:06
Nö.
Marco
00:41:07
Jetzt wollte ich jetzt noch eine Frage anschließen.
Vera
00:41:08
Das war jetzt einfach eine Meinungsäußerung und da du zugestimmt hattest, war ich jetzt eigentlich auch zufrieden.
Marco
00:41:16
Nee, das ist halt so, ja klar, also das ist halt eben, Und man kann halt da, wo man ansässig ist, funktioniert das, aber wenn man halt...
Vera
00:41:27
Auch da muss ich dich enttäuschen. In Krefeld gab es ja jetzt immer so alle zwei Jahre so ein Krimi-Festival da. Ich kenne die Veranstaltung persönlich, die ist bei den Mörder von Schwestern. Trotzdem hat die mich nie eingeladen, weil ich eben nicht im Verlag veröffentliche, sondern selbst mache. Also da gibt es schon... Und es gibt ja andere Festivals, also ich habe das eine Zeit lang sehr intensiv versucht, Und bin eigentlich nie zum Zuge gekommen, obwohl ich mir denke, ich mache das wirklich gut. Ich habe auch ein Video und alles. Aber da gibt es so viele, die kennen, wie du sagst, man kennt sich und die sind dann in so einem speziellen Bereich, meistens so in so einer literarischeren Szene oder auf jeden Fall nicht unbedingt in der Self-Publishing-Szene. Und da ist man raus. Und ja. Ich hatte ja gehofft, dass du mir jetzt den Schlüssel zum Erfolg merkst.
Marco
00:42:28
Daher müsst ihr euch, müsst ihr nächstes Mal einen sehr erfolgreichen Menschen in eurem Podcast sein. Also, ja, wie gesagt, dieses Lesebühnending, ich würde ja immer sagen, man sollte vielleicht versuchen, selbst was aufzuziehen oder so. Also irgendwie vielleicht halt mal überlegen, ob man in, einer kleinen Location versucht, irgendwie was Regelmäßiges zu machen, wo man vielleicht auch erst zu zweit oder zu dritt, weiß, das wird jetzt finanziell nicht möglich, aber wo vielleicht der Laden drauf Lust hat, der sagt so, okay, an dem Wochentag ist ja eigentlich nichts los, weniger kann die nicht los sein, wenn ihr kommt, nur nach dem Motto. Und dann kann man halt vielleicht da schon mal so ein bisschen starten. Aber klar, natürlich, wenn der nicht vorhandene Verlag, der sonst vielleicht was gemacht hätte, wobei ich kenne etlich viele Leute, die halt trotz Verlag nicht...
Vera
00:43:26
Also nicht, dass der Verlag das tut, aber es gibt halt immer noch Kreise, für die irgendein Verlag und selbst wenn halt ein ehemales Gartenbaucenter ist, immer noch seriöser wirkt als Self-Publishing. Aber das ist ein anderes Thema. Aber ein wichtiger Punkt, den du ansprichst, da wollte ich jetzt mal, du hast ja die Erfahrung gemacht, da wollte ich mal nachhaken. Du sagst ja, selbst was organisieren. Ich meine, da bist du bei mir richtig. Ich organisiere extrem gerne. Ich habe auch schon mal ein Event hier selbst organisiert. Ich hatte immerhin 110 Leute da. Da bin ich sehr stolz drauf. Oder meine Buchstatt-Partys mache ich ja mehr oder weniger auch. Dann ist aber die Frage okay, dann investiere ich sehr viel Zeit habe das finanzielle Risiko gegebenenfalls, Also jetzt eine Lesung zu organisieren, wo ich selbst nur lese, bei mir hier in der Gegend, da kommen dann immer nur die Freunde und Bekannte und die kommen auch nur einmal. Also müsste dann schon so ein Programm mit anderen sein. Die Frage ist außerdem vielleicht dem tollen Event, was bringt mir das? Was hat es dir gebracht, 20 Jahre sowas zu organisieren?
Marco
00:44:37
Also wie gesagt, das ist halt nochmal was unterschiedliches, also was anderes, also Slam war halt eben tatsächlich Moderation und es war halt eben das, was in der Stadt passiert, die Lesebühne war halt so, noch viel mehr immer mein Baby und die ruht auch gerade nur, die wird auch irgendwann wieder reaktiviert.
Vera
00:44:57
Mich jetzt schon mal.
Marco
00:44:58
Seid euch auf jeden Fall ein.
Vera
00:45:00
Das ist doch gut.
Marco
00:45:02
Aber es geht erst nächstes Jahr nach den Sommerferien, vorher glaube ich noch nicht, Tatsächlich ganz banal war eine Motivation, Lesebühnen ins Leben zu rufen, dass ich gezwungen war, immer was Neues zu schreiben. Die Texte waren ja jedes Mal komplett neu. Das heißt, man hat sich selbst ein bisschen unter Druck gesetzt, beziehungsweise nicht im negativen Sinne, sondern wusste, man hat eine Plattform, wo man die direkt liest. Ja, das ist dann total motivierend und total spannend und man hat eben nicht, wie beim Slam, diese Zeitsache und, wird bewertet oder so, sondern man kann halt eben auch einfach mal einen Text lesen, der eben acht, zehn, zwölf Minuten lang ist. Genau. Und eigentlich fand ich das auch immer gut, die Lesebühnen, weil ich wollte genau diesem Image, diesem Literatur-Image, diesem Literatur-Veranstaltungs-Image auch so ein bisschen entgegenwirken. Und das waren halt ja eher die Sachen, die wir gemacht haben jetzt. Ich habe das ja auch nie alleine gemacht. Waren ja immer eher so ein bisschen wie Shows. Also man hatte am Anfang so einen Jingle. Es gab immer vielleicht so einen Einstieg, so etwas Kurzes zum Einstieg. Es gab immer eine lange, ausführliche Beschreibung der Leute, die zu Gast waren. Es gab auf jeden Fall Musik. Es gab Publikumsinteraktionen. Also wir haben uns manchmal Hausaufgaben geben lassen vom Publikum, manchmal haben wir aus einem Bündel schlechter Songtexte eingezogen und den vorgetragen. Also es war halt eben so ein bisschen mehr, aber man hat trotzdem immer die eigenen Sachen eben untergebracht. Aber das ist natürlich auch was, das ist natürlich gewachsen. Also genau wie der Slam, den ersten Slam, den ich in Gladbach moderiert habe, ich glaube, da waren zwölf Leute im Publikum und drei auf der Bühne und wir waren schon zweiter als Moderatoren. Also deswegen ist das halt schon sehr, ne, also sowas muss halt eben dann... Ja, sowas muss halt dann wachsen. Man braucht halt eine gute Location, die halt mitspielt, die Lust darauf hat. Ich hatte das Glück, in Oberhausen gibt es halt so ein kleines Programmkino, Zentrum Altenberg. Da hatten wir halt die Möglichkeit, sowohl mit dem Slam als auch dann mit so einer Art Lesebühne, so einer Art Literaturshow auszuleben. Die haben das halt mitgetragen. Wir haben gesagt, macht ihr habt ihr. Das ist halt, glaube ich, wichtig. ich auch.
Vera
00:47:40
Ja klar, also Location und so, klar. Aber nochmal so die Frage, was ist die Motivation? Was wäre jetzt aus meiner Sicht oder aus deiner Sicht sagen, was ist der Grund, warum man sich diese ganze Arbeit macht? Nur um da mal überhaupt mal eine Chance zu haben, auch mal auf der Bühne zu stehen?
Marco
00:48:02
Ja, also ich bin halt ein Spaßmensch. Es macht halt wahnsinnig Spaß. Also es ist halt total cool, man erspielt sich, erliest sich ein Stammpublikum, es kommen immer mal Leute vorbei, dann kommt auch vielleicht sogar mal jemand von der Presse, also Vorankündigungen klappen immer ganz gut und ein, zweimal kam dann auch jemand vorbei und dann gab es sogar eine Rezension. Das ist halt dann schön und ich glaube, man wird besser, also sowohl was das Schreiben angeht, also man schreibt halt mehr, und je mehr man schreibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch mal was Gutes dabei ist. Ja, und man, also man wird im Vortrag, also klar, also im Umgang mit dem Publikum, weil man muss ja auch jetzt, also ich habe das nie gemacht mit dem Ziel, irgendwann das zu nutzen, um was zu verkaufen, aber es ist natürlich cool. Also ich bin ja auch noch dabei, irgendwann was Größeres zu veröffentlichen und dann ist es halt natürlich geil, wenn man halt so ein paar Veranstaltungen hatte, bei denen man fest immer dabei war, weil man weiß, da, fragen sich die Leute schon seit Jahren, wann kann man denn von dir mal was kaufen und, das ist natürlich auch ein schöner Nebeneffekt. Aber im Idealfall alleine ist immer schwer. Also im Idealfall hat man noch ein, zwei Menschen, die eben genau das, gleiche Dilemma haben einfach. Und dann müsste man sich halt eben so zusammentun.
Vera
00:49:43
Also wir haben schon mal diskutiert, Tamara. Ich habe keine... Okay, ich merke schon. Aber Tamara und ich haben ja schon mal diskutiert, ob wir nicht die 200 Talkstelle auf Tour machen oder so. Aber spätestens als ich anfing, ich wollte einen Tourbus haben, da hat sie dann... Also, ja. Es ist, also ich finde das schon sehr reizvoll und ich muss gestehen, ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich auch ab und zu drüber nachdenke, es zu machen. Insbesondere, wenn ich jetzt andere so im Chor oder bei anderen Sachen beobachte, wie sie versuchen, Veranstaltungen zu organisieren und ich Ich denke, das Ganze alles viel besser. Aber dann, ich habe es ja halt auch schon einige Male gemacht und habe dann auch, es gefällt, ja, ich habe eine Menge Arbeit. Der Abend ist toll. Aber es bleibt halt nicht viel.
Tamara
00:50:34
Es ist vielleicht ein bisschen wie, warum setzt du dich jede Woche hinter dieses Mikro? Das ist auch Arbeit und Aufwand und unklar, ob du deswegen jetzt Bücher verkaufst.
Vera
00:50:45
Naja, so nach den sechseinhalb Jahren glaube ich schon. Das eine oder andere wird da mal rumgekommen sein, oder? Und als wir jetzt hier mit Marco Jonas sitzen, das ist auch schon ein Erfolg, oder?
Tamara
00:50:53
Naja, aber ich denke, die Fragestellung ist vergleichbar. Ja, das stimmt.
Vera
00:50:57
Im Prinzip ist das bei allem so. Also vielleicht muss ich doch mal wieder was organisieren hier. Mal gucken.
Marco
00:51:04
Ja. Also ich, wie gesagt, also wenn es, wenn keine, wenn in der Stadt nichts, Neuss, sagtest du, ne?
Vera
00:51:11
In Willich, ich wohne in Willich.
Marco
00:51:12
Willich, ja.
Vera
00:51:14
Neuss.
Marco
00:51:15
Neuss, ne? Ach, Neuss, ne?
Vera
00:51:17
Ja.
Marco
00:51:17
Ich war nicht gerade jetzt im Neuss.
Vera
00:51:19
Wir haben ja die Festspiele.
Marco
00:51:20
Doch, das gab in Neuss mal ein Slam. Doch, stimmt, ich war in Neuss. Oder war das Cast? Ich weiß es nicht. Ich bringe manchmal die Sachen durcheinander.
Vera
00:51:26
Das ist auch alles um die Ecke.
Marco
00:51:28
Auf alle Orte um Düsseldorf herum. Das kann sich für mich mal gleich an.
Vera
00:51:32
Ist auch nicht so wichtig. Ich bin jetzt dabei, ich schreibe ja jetzt gerade eine neue Krimi-Reihe, die in Krefeld spielt und habe auch meine Buchstattpacht, die dann am 28. August in Krefeld übrigens selbst organisiert, mehr oder weniger. Und dann hoffe ich jetzt, dass ich nach 13 Jahren schreiben, endlich mal Krefeld knacke. Also mal sehen, was da passiert.
Marco
00:51:54
Also ich meine, in Krefeld passiert ja schon recht viel.
Vera
00:51:58
Ja, aber bis jetzt ohne mich, das ist ein Problem.
Marco
00:52:02
Ja, aber wir haben uns wegen dieser Veranstaltung getroffen. Das stimmt, genau.
Vera
00:52:06
Das ist der Beginn.
Marco
00:52:08
Ja, also das ist, glaube ich, auch das, was das Wichtigste, ihr macht das ja auch schon jetzt, habt ihr gerade gesagt, sechs Jahre oder was?
Tamara
00:52:16
Seit Ende 2019.
Marco
00:52:18
Man muss in solchen Bereichen, man braucht halt unfassbar viel, man braucht einen langen Atem einfach.
Vera
00:52:24
Das ist wohl wahr. Das war schon immer mein Problem.
Tamara
00:52:27
Ja.
Vera
00:52:30
Ja, lieber Marco, okay, also ich muss jetzt doch wieder selbst an meiner Karriere arbeiten.
Tamara
00:52:35
Schade eigentlich.
Vera
00:52:38
Du sagst aber, du hast ja vorhin vorhin gesagt, so ist momentan, konzentrierst du dich jetzt mehr darauf, dass du vor den Schülern und Schülerinnen einer Grundschule deine Show abziehst. Aber vielleicht nächstes Jahr wieder Lesebühne und da sind wir natürlich sehr gespannt drauf.
Marco
00:52:58
Genau, aber vielleicht wäre das, weil ihr das gerade ja auch gefragt habt und ich ja auch danach gesucht habe, dass es halt so eine Liste gibt oder irgendwie sowas, eine Seite gibt, wo sich die aktuellen Lesebühnen mal, das wäre vielleicht eine gute Sache. Es gab auch schon mal ein, zwei Lesebühnen-Festivals. Da sind wir auf einmal mit unserer Lesebühne, ich glaube mit der Düsseldorfer Lesebühne gewesen. Das war auch ganz lustig. Das war super. Aber genau, das ist vielleicht ein guter Hinweis. Das habe ich mir mal aufgeschrieben, dass es eigentlich ganz gut wäre, so zu wissen, wo es gerade noch eine regelmäßig gibt und wir Ansprechpartner sind und so. Ich glaube, dass da schon Bedarf auch da ist.
Vera
00:53:37
Wir können ja mal einen Aufruf an unsere tausende Hörer und Hörerinnen daraus machen. Wenn ihr bei euch im Dorf, in der Stadt, eine Lesebühne kennt, schickt uns doch mal die Infos. Wir leiten das weiter und der Marco sammelt alles.
Marco
00:53:53
Genau. Und wichtig dabei ist, eine Lesebühne braucht nicht langsweise eine Bühne. Also es kann auch eben ehrlich stattfinden.
Vera
00:54:01
Lesekeller oder Lesewald oder was auch immer. Wir sind sehr gespannt, wohin uns das führt. Lieber Marco, du musst aber dich jetzt noch den total kritischen Buch-Bubble-Fragen von Tamara stellen.
Marco
00:54:15
Ja, mache ich.
Tamara
00:54:16
Jawohl. Kommen wir zum Lesen außerhalb der Bühne. Welches Buch hat dich denn als Leser zuletzt im besten Sinne überrascht?
Marco
00:54:23
Ich habe, jetzt überlegt, war der Anfang des Jahres oder Ende letzten Jahres, Trophäe gelesen von einer niederländischen Autorin. Und das war lange her, das ist ein Buch, mich so, also nach drei Seiten so, das ist wie so ein Sog gewesen. Das ist eine ganz krasse Story und es war super übersetzt, offenbar auch einfach. Und das ist echt super gewesen.
Vera
00:54:49
Was war das Thema? Genau, was war das Thema?
Marco
00:54:52
Trophäe ist, es geht um einen weißen Großwildjäger, der viel Geld dafür bezahlt, um in Afrika halt die Big Three schießen zu können. Und jetzt, da kann ich nicht zu viel verraten, und dann kriegt er aber ein, ja man könnte sagen, ein moralisch sehr fragwürdiges Angebot für viel Geld, wo er halt eben nicht nur auf Tiere dann schießen will. Und es ist sehr, ja, also es ist halt granatenmäßig geschrieben und auch man kann danach mit jemandem, der es auch gelesen hat, super viel drüber sprechen auch, weil es halt eben total viele Sachen gibt. Man denkt so, warum an der Stelle so und so und wie siehst du das denn und findest du das? Also das war großartig.
Vera
00:55:42
Das klingt auf jeden Fall spannend, ja.
Tamara
00:55:45
Ja, und was hast du denn aus deinem größten Fehler gelernt?
Marco
00:55:49
Oh ja, ich würde jetzt ganz flapsig sagen, bisher ja nix eigentlich. Nein, aber gelernt, ich glaube, das, was ich gerade auch schon mal sagte, man muss halt dranbleiben. Also ich glaube, ich hatte so, also man soll ja nicht so viele Sachen bereuen, aber ich glaube, ich hatte so ein, zwei Projekte, von denen ich eigentlich ziemlich überzeugt war, wo ich dann aber, dann, wenn es dann hakte, beim zweiten Mal hakt, eben das habe sein lassen. Und ich glaube, dass man halt, wenn man davon was überzeugt ist, einfach dranbleiben muss um jeden Preis. Weil man, also auch wenn man scheitert, wenn man es nicht macht, nicht dranbleibt, dann wirft man sich das irgendwann auch vor. Und ich glaube, gerade im kreativen Bereich ist das total wichtig.
Vera
00:56:32
Ja, absolut.
Marco
00:56:33
Auch wenn immer wieder was Neues kommt, es kommt immer was Neues, aber dranbleiben ist trotzdem total wichtig. Und ich glaube halt, dass die Leute, die erfolgreich sind, auch erfolgreich sind, weil sie dran geblieben sind.
Vera
00:56:45
Das ist ja definitiv so.
Tamara
00:56:47
Und zum Schluss, was sollte deiner Meinung nach über dem Schreibtisch aller Schreibenden stehen?
Marco
00:56:54
Fuck AfD, keine Ahnung.
Vera
00:56:59
Yes!
Marco
00:56:59
Was? Sollte über jedem Schreibtisch hängen.
Vera
00:57:01
Können wir auch machen.
Marco
00:57:02
Ja. Ja, ich gucke gerade, ob hier irgendwas hier steht einmal Bildung ist die mächtigste Waffe um die Welt zu verändern also Schreiben, Bildung kann man dann auch durch Schreiben ersetzen und hinten Astrid Lindgren, Zitat über alles große, was in der Welt passierte war vorher irgendwie in der Fantasie eines Menschen oder so sehr.
Vera
00:57:28
Schön wir sehen ja nicht die Wand, auf die du guckst aber da muss ja echt eine Menge hängen jetzt. Lieber Marco, vielen, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit genommen hast und heute bei uns auch ein bisschen Einblicke gegeben hast in eine Welt, die wir ja noch nicht so kennen. Und ja, da wünschen wir dir sehr viel Spaß und Erfolg in deinem Bemühen mit den Kindern und hoffen natürlich auf die nächsten Lesebühnen und Events. Ja, an euch da draußen. Ihr wisst ja, was ihr zu tun habt. Wie immer, uns zu folgen, wo immer es geht. Natürlich unser Buch Bubble-Bulleton zu abonnieren. Und ja, dann immer zu kommen, wenn Tamara oder ich mal wieder auf irgendeiner Bühne sind. Und ansonsten bleibt uns einfach gewogen. Bis nächste Woche.
Marco
00:58:19
Genau, und ich sage auch schon mal Danke an dieser Stelle. Weil wir sind ja jetzt schon connected. Das ist ja schon ein Anfang wieder.
Vera
00:58:25
Jawohl. Da beginnt was Großes. Dankeschön. Ciao.
Tamara
00:58:29
Danke dir.