Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Märchen und andere bekannte Stoffe adaptieren: Christian Handel über Klischees und neue Sichtweisen

Warum sind Stiefmütter in Märchen eigentlich immer so böse? Wieso brach das Herz des eisernen Heinrich? Und wie muss es gewesen sein, die Stonewall Riots mitzuerleben?Diese Fragen stellt sich Autor Christian Handel, wenn er Romane schreibt.

14.08.2025 62 min

Zusammenfassung & Show Notes

Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Warum sind Stiefmütter in Märchen eigentlich immer so böse? Wieso brach das Herz des eisernen Heinrich? Und wie muss es gewesen sein, die Stonewall Riots mitzuerleben?

Diese und viele weitere Fragen stellt sich Autor Christian Handel, wenn er Romane schreibt, denn er arbeitet mit allseits bekannten Stoffen: Seine Märchenadaptionen fordern tief verankerte Klischees heraus, im historischen Roman setzt er zusammen mit Andreas Suchanek fiktive, persönliche Schicksale in die realen Ereignisse in der Christopher Street 1969.

Vera und Tamara wollten wissen: Was fasziniert Christian so am Märchen? Welche Verantwortung bringen diese berühmten Stoffe mit sich? Was muss im Märchen dringend neu erzählt werden und wie viel Bekanntes sollte stehenbleiben?
Dass Christian Handel außerdem als Moderator tätig ist, wollte Vera auch ganz genau wissen.

Hör gleich rein: Christian teilt seine Begeisterung, seine Einblicken und unterhaltsame Anekdoten aus einem märchenhaften Autorenleben.

Links

Unser Gast:
Christian auf Instagram - https://www.instagram.com/christian.handel
Christians Website - https://www.christianhandel.de/
Märchenhafte Recherchen auf Christians  Patreon-Account - https://www.patreon.com/posts/cinderellas-ein-39835765

Christians Buchtipp:
'Mittendrin im Lilabunt' von Mirjam Müntefering:
https://www.amazon.de/Mittendrin-im-Lilabunt-Mirjam-M%C3%BCntefering/dp/3897414953/

Möchtest du, dass wir dein Buch in unserem Podcast vorstellen? Kein Problem! Sende uns ein kurzes E-Mail an alle@zweivondertalkstelle.de und wir senden dir die Details. Vielleicht erzählen wir unseren Hörerinnen und Hörern schon in der nächsten Episode von deinem Buch.

Welche Themen oder Gäste wünschst du dir bei uns? Sag es uns gleich hier: https://forms.gle/PBJRCrZPsuLBv88x9

Vielen Dank, dass du unsere Show hörst. Hast du sie schon abonniert? Bitte gib uns auch eine Bewertung, wo immer du uns hörst. Seit Neuestem geht dies auch bei Spotify.

Abonniere unseren Buchbubble-Bulletin unter http://eepurl.com/hoJYfD

Folge uns:
Facebook https://www.facebook.com/dzvdt
Instagram https://www.instagram.com/dzvdt/

Create your podcast today! #madeonzencastr

Transkript

Vera
00:00:00
In Folge 275 haben wir Christian Handel zu Gast. Er hat nicht nur Märchenhaftes zu erzählen, er beschäftigt sich auch mit Märchen und setzt die neu um unter neuen Blickwinkeln. Er erzählt auch von seinem durchaus märchenhaften Glück, wie er zu Verlagen gegangen ist und was das Netzwerken ihm geholfen hat, wenn er unter anderem auch als Moderator unterwegs ist, was ich persönlich wieder ganz toll finde.
Tamara
00:00:26
Ja, wir haben auch über problematische und gute Klischees in Märchen gesprochen und auch über ein sehr spannendes anderes Projekt. Also hört auf jeden Fall rein. Die zwei, Hier ist Folge 275 von die 200-Talk-Stelle. Und auch wenn man es nicht hört, ich bin Tamara Leonhardt. Mir gegenüber sitzt Vera Nennlich und die sagt jetzt auch noch, was das für ein Podcast ist, damit ich nicht so viel reden muss.
Vera
00:01:09
Genau, wir sind der bekannte Podcast für alles rund ums Schreiben und Veröffentlichung von Büchern in Self-Publishing und Verlag. Was hast du gemacht, Tamara? Zu viel gefeiert oder dir eine Erkältung geholt?
Tamara
00:01:22
Ja.
Vera
00:01:23
Wie, ja? Beides.
Tamara
00:01:26
Erst war ich erkältet, war ich ja letzte Woche schon so ein bisschen. Aber dann ging es mir eigentlich besser und dann bin ich drei Tage aufs Festival gefahren. Die Kombi ist, glaube ich, nur so ein Mittel. Wobei ich aber sagen muss, meine Stimme ist heute schon fantastisch im Vergleich zu Freitag.
Vera
00:01:43
Okay.
Tamara
00:01:45
Ja, super.
Vera
00:01:47
Ja, okay.
Tamara
00:01:49
Aber ich hatte schöne Erlebnisse.
Vera
00:01:53
Ja, möchtest du erzählen oder jetzt besser?
Tamara
00:01:56
Ich versuche es. Nee, ich war drei Tage auf dem Rocco del Schlacco Festival. Das ist oder man muss jetzt sagen, war ein großes Rockfestival hier im Saarland. Wer mein Buch Rock in Peace schon gelesen hat, der ist diesem Festival auch begegnet. Und es hat jetzt aber leider dieses Jahr zum letzten Mal stattgefunden, weswegen das natürlich teilweise sehr, sehr emotional war. Aber ich habe alles mitgenommen. Mosh Pit, Circle Pit, Wall of Death, Crowdsurfen. Und also mein Lieblingsmoment war, man sieht ja manchmal auf Insta-Kanälen von irgendwelchen Bands so den Blick von der Bühne ins Publikum und da habe ich schon ein paar Mal gedacht, bei diesen Festivals, wo du wirklich bis zum Horizont Leute siehst, was muss das für ein Gefühl sein, dieser Ausblick. Und dann waren wir Freitagnachmittag beim Konzert von Matzen und da ergab sich nochmal für mich die Gelegenheit zu Crowdsurfen und ich habe eigentlich nur daran gedacht, dass das halt ein cooles Gefühl ist. Ich habe das ja bisher nur bei so kleineren Konzerten gemacht, aber als ich dann da oben war, habe ich realisiert, dass ich genau diese Aussicht hatte und ich habe dann auf den Händen der Leute, auf diese Massen von Menschen geblickt Und das war so ein kleiner Einblick in diese Aussicht. Das war schon der Hammer. Das hat sich echt eingeprägt.
Vera
00:03:28
Ja, das kann ich mir vorstellen. Ja, wow. Ja, toll. Da kann man dann mit dem Verlust der Stimme dann auch leben.
Tamara
00:03:36
Ja, die kommt wieder.
Vera
00:03:38
Ja, genau.
Tamara
00:03:39
Ich werde heute, wenn unser Gast da ist, einfach winken, wenn ich was sagen möchte.
Vera
00:03:44
Genau. Ich glaube, das ist generell eine gute Idee. Ja, spannend. Ich habe keine derartigen großartigen Erlebnisse zu teilen. Ich bin mehr so relativ ruhig. Ich meine, klar, es ist ja noch Ferienzeit und bin dann mehr so in Gedanken und Ideen unterwegs, was ich dann so weiter mache, wie ich mich weiter ausrichte. Und konkret habe ich jetzt schon so überlegt, dass ich meinen Durchsatz ein wenig erhöhen muss, und überlege halt, was das sein kann. Also jetzt einfach schneller Frau Appel, da eure Biene Hagen zu schreiben, weiß nicht, glaube ich, passt nicht so richtig und eigentlich müsste es was Drittes geben. Aber jetzt nochmal irgendeine Krimi, irgendwie Ermittler, Ermittlerin auf die Straße zu schicken, finde ich jetzt auch irgendwie nicht so prickelnd. Und ich habe schon länger, immer mal wieder mit so einem Gedanken gespielt, letztlich einer Liebesroman-Reihe.
Tamara
00:04:58
Okay.
Vera
00:04:58
So ist das Problem bei Liebesromanen, dass sie sich am Ende immer kriegen müssen.
Tamara
00:05:02
Ja.
Vera
00:05:02
Da ist die Geschichte ja zu Ende. Und das, was du ja dann schreiben würdest, wie sie sich in der Ehe schlagen und so, das macht ja keinen Spaß.
Tamara
00:05:11
Hä, so schreibe ich doch gar nicht.
Vera
00:05:13
Ich meine den Epilog, aber egal. Aber so habe ich dann darüber nachgedacht, was könnte ein Setting sein, wo halt immer so Liebesgeschichten spielen, aber so der Rahmen oder so eine verbindende Figur gibt es. Da gibt es ja Beispiele, so Cafés, wo sich immer Paare treffen und die Wirtin oder der Wirt, erzählt das quasi. Oder so Cafés, Hotels, Krankenhäuser, das sind ja prädestinierte Orte für sowas. Aber genau, weil es sowas ja schon häufig gibt, finde ich das natürlich langweilig. Also von daher überlege ich die ganze Zeit, was so ein Setting sein könnte. Eine andere Variante wäre auch, eine Figur zu schaffen, die jetzt nicht an einem Ort ist, wo die Leute kommen, sondern selbst halt reist und dann immer irgendwie an Orte kommt und da halt Liebesgeschichten der unterschiedlichsten Art erlebt und davon erzählt.
Tamara
00:06:25
Also das mit den Hotels oder Cafés oder so, das ist mir natürlich bekannt. Und ich finde auch die Idee von einer festen Figur, die immer wieder vorkommt und den Leuten begegnet, eigentlich interessant. Nur meiner Ansicht nach darfst du die Geschichte nicht aus der Perspektive dieser beständigen Figur erzählen. Weil der Liebesroman lebt von Emotionen und von innerem Erleben. Das kannst du nicht von außen betrachten. Das ist meine Meinung.
Vera
00:06:59
Ja, das ist ein Aspekt, den ich mir auch gedacht habe. Dann ist natürlich die Frage, wie kriegt man da irgendwie so ein verbindendes Setting hin? Ich meine, man kann es nicht so machen wie andere. Das ist dann immer irgendwie in der Provence oder in den Schottischen Highlands oder sowas.
Tamara
00:07:18
Ja, zum Beispiel, dass du so ein Hotel hast, wo halt Menschen oder vielleicht auch sowas wie Veranstalter von Single reisen oder sowas. Also halt ein Ort, wo dann natürlich auch Mitarbeitende sind, die man immer wieder trifft. Da kannst du halt auch sehr edgy Figuren, irgendjemand, der total witzig ist und vielleicht jemand, der ein bisschen mürrisch ist und jemand ganz liebenswert ist, einfach in die, wie sagt man, in den Mitarbeiter, in den Stab integrieren oder so, dass man da so seinen Wiedererkennungswert hat und dann aber immer mit den Augen eines neu anreisenden Gastes oder so.
Vera
00:08:03
Ja, sowas eine Variante. Und dann gibt es eine dritte Variante, dass ich mich vielleicht dann doch auf meine Anfänge zurück besinne und mich mal wieder ins Fantasy-Bereich reinwege. Ich meine, damals war ja die Grundidee von Schicksalsboten, die hier so auf der Erde sind, um unter anderem auch Paare zusammenzubringen, die es dann aber nicht unbedingt wollen. Sowas. Natürlich müsste ich das ein bisschen anders ausarbeiten und dann so ein bisschen ins Fantasy-Bereich reinzugehen. Würde mir auch Spaß machen. Ja, aber ich weiß noch nicht so richtig, also bis jetzt hat mich noch nicht sowas so angesprungen, dass ich sage, so darf ich jetzt sofort loslegen.
Tamara
00:08:52
Ich persönlich glaube, du solltest auf jeden Fall was Humorvolles machen. Egal in welcher Richtung.
Vera
00:09:01
Ja, fände ich auch. das war heute schon irgendwie. Und da passt natürlich ja so dein Einwand vorhin, dass man vielleicht eine etwas skurrile Figur hat, die dann immer ist und so ein bisschen ein verbindendes Glied ist und ein bisschen auch für den Humor sorgt. Ja, da muss ich nochmal so ein bisschen setzen lassen.
Tamara
00:09:19
Also es gibt zum Beispiel, ich komme jetzt gerade nicht auf ihren Namen, eine Autorin, ich weiß der Vorname Petra, ich komme gerade nicht auf. Die habe ich so vor zwölf, 13 Jahren ganz gerne gelesen. Die schreibt so ein bisschen humorvolle Liebesromane, die an sich nichts miteinander zu tun haben, aber die spielen halt alle in Hamburg. Und irgendwie landet die Protagonistin immer im Taxi von einem bestimmten Taxifahrer, der halt sehr witzig drauf ist. Das ist jetzt nicht so eine tragende Rolle, wie du es dir vorstellst, aber es war immer wieder so ein Ach guck, da ist er ja wieder. Das war ganz schön.
Vera
00:09:58
Ja gut, also muss ich nochmal setzen lassen. Also wenn ihr da draußen noch irgendwelche Ideen oder Anregungen habt, gern her damit. Ich freue mich über jede Inspiration. Ja, also wie gesagt, ansonsten gehen die Dinge so ihren Gang. Da du ja jetzt auch nicht so viel reden kannst, denke ich, schauen wir einfach mal, welche Inspiration unser heutiger Gast mitbringt.
Tamara
00:10:25
Auf jeden Fall.
Vera
00:10:26
Bei unserem heutigen Gast können wir sogar ziemlich sicher sein, dass wir sehr viel Inspiration mitnehmen, denn er hat eine auch durchaus bewegte Geschichte, wenn man das so bei ihm liest. Von Haus aus ist er Bilanzbuchhalter, das finde ich sehr witzig. Aber man kennt ihn als Autor von Fantasy und Herausgeber von Anthologien. Als Moderator ist er unterwegs und wir freuen uns sehr, dass er heute hier da ist. Christian Handel ist da. Hallo Christian.
Christian
00:10:57
Hallo, vielen, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich.
Vera
00:11:00
Ich habe ja direkt bei dir gelesen, Autor und Moderator. Da muss ich ja sagen, da war ich ja sofort neidig, weil moderieren mache ich ja auch gern.
Christian
00:11:07
Ja, du machst das ja auch öfter.
Vera
00:11:09
Ja, aber wahrscheinlich noch nicht so oft betragen, wie du das machst. Wie funktioniert das so? Du steht auf deiner Webseite, steht, dass Verlage dich buchen können. Stehen die Telefone nicht still, weil alle Verlage wollen, dass du moderierst?
Christian
00:11:25
Nein, also so oft ist das auch nicht und das ist natürlich mir auch so ein bisschen, ich habe das ja gar nicht geplant, das ist mir irgendwie auch durch Glück und Netzwerk im Endeffekt in den Schoß gefallen. Ich glaube, ich habe das große Glück gehabt und dazu muss man wissen, das mache ich ja schon länger, als ich Autor bin. Ich komme ja eigentlich aus dem Buchbloggen und ich hatte das große Glück vor einigen Jahren, dass zwei Verlage Moderatoren gesucht haben, die Fantasy-affin sind, weil sie haben gesagt, sie haben total viele Kontakte zu total vielen super Moderatoren, aber die meiden alle so ein bisschen das Fantasy-Thema, weil die da selber nicht drin sind und haben dann nach jemandem gesucht, der einfach Fantasy total liebt und dem sie das halbwegs zugetraut haben, nicht den totalen Unsinn zu quatschen auf der Bühne. Und als die erste Anfrage damals von Pipa für die Pipa-Fantasy-Nacht kam, da bin ich so ein bisschen aus allen Wolken gefallen und, stimmt gar nicht, ich durfte vorher schon was für Knauer moderieren, aber da bin ich damals aus allen Wolken gefallen und hab dann einfach gedacht, probier's aus und hab gemerkt, dass es mir total viel Spaß macht.
Vera
00:12:30
Also können wir beide sehr nachvollziehen, wir sind ja beide durchaus bühnenaffin, darf ich so sagen, Tamara. Ja, genau.
Christian
00:12:38
Und ich muss dazu sagen, ich weiß nicht, wie ihr das dann macht, Ich habe dann natürlich einfach auch, als ich dann so ein bisschen auf den Geschmack gekommen bin, die Kontakte, die ich hatte, auch genervt. Ich habe dann halt einfach dann auch regelmäßig vor den Messen geschrieben, wenn ihr jemand braucht, denkt an mich und so weiter. Und ja, Gott sei Dank bin ich dann nicht irgendwie in den Giftschrank gekommen, sondern sie haben mich ab und an gemacht.
Vera
00:13:01
Ja, das habe ich bisher noch nicht so gemacht. Bisher ist es immer so auf mich zugekommen, so mehr oder weniger unerwartet. Aber das würde mich schon reizen. Also falls da draußen jetzt gerade jemand hört, also ich würde es machen.
Christian
00:13:16
Die Daumen und einfach auch die eine oder andere E-Mail manchmal. Ich meine, so macht ihr es doch mit euren Podcast-Gästinnen und Gästen ja auch. Warum nicht? Ich meine, solange man das sympathisch macht und so. Ich meine, wenn jemand dann schreibt, nein danke, kein Bedarf, dann schreibe ich da ja natürlich auch nicht nochmal zehnmal hin. Dann weiß ich ja auch Bescheid. Aber man weiß ja nie, die Leute müssen ja auch wissen, dass wir es gerne machen wollen.
Vera
00:13:39
Ja, wobei ich muss gestehen, ich bin bei Podcast-Gästen immer sehr, sehr schüchtern. Tamara ist da eher, die ist da Direktor. Die sagt aber, wieso? Ich mache mir immer Gedanken.
Christian
00:13:52
Wirklich? Ich freue mich immer, wenn so eine Anfrage kommt. Und ich meine, mit so einer Anfrage, selbst wenn es mal aus irgendeinem Grund nicht klappen würde, ihr zaubert doch den Leuten ein Lächeln ins Gesicht mit so einer Anfrage. das ist doch ein totales Kompliment, wenn jemand Interesse hat, an, finde ich, oder? Geht euch das anders? Also, wenn ihr diese E-Mail bekommt?
Vera
00:14:11
Ja, ich freue mich auf jeden Fall über sowas immer. Aber ich denke mal so gerade, wir haben ja schon auch den ein oder einen größeren Namen, dann denke ich mal, die werden wahrscheinlich zugeschüttet mit so Mails und die nervt. Jetzt kommen so völlig unbekannte Podcaster aber auch auf die zu oder so.
Christian
00:14:29
Aber manchmal muss man sich trauen. Sorry, ich habe dich unterbrochen.
Tamara
00:14:33
Also, ich erinnere mich, aber da waren wir noch ganz frisch und da hatte ich die Agentur eines Menschen angeschrieben, der ein Buch geschrieben hat und ansonsten mehr so als Comedian unterwegs ist. Und da schrieb die Agentur einfach ganz schlicht zurück, nein, Herr So und So möchte nicht in Ihren Podcast kommen. Das hat schon weh getan.
Christian
00:14:54
Ja, das glaube ich.
Tamara
00:14:55
Einfach noch die Formulierung.
Christian
00:14:57
Ja, eben. Also das muss doch auch nicht sein. Kann man doch auch nett sagen. Aber gut. Man weiß natürlich nicht, wie viele E-Mails die am Tag schreiben, aber trotzdem. Ich bin immer einfach mal rausprobieren. Ich meine, ich habe ja, du hast es glaube ich vorhin schon erwähnt, ich habe ja eigentlich schreibtechnisch auch angefangen unter anderem mit dem Herausgeben dann von Kurzgeschichtensammlungen beim Drachenmond Verlag und ich hatte durchs Bloggen einfach schon natürlich glücklicherweise ein paar Kontakte, aber ich habe einfach auch alle angeschrieben, die ich gerne in meiner Anthologie hatte, egal ob das jetzt nationale oder internationale Autorinnen und Autoren waren. Und habe gedacht, ich frage einfach nach. Und ich habe damals, da wusste man ja noch nicht, dass das eine Person ist, die wir jetzt nicht mehr nennen möchten. Ihr könnt euch vielleicht denken, wenn ich meine. Aber da habe ich auch eine E-Mail hingeschrieben. Und da muss ich sagen, habe ich sogar eine nette Absage gekriegt. Da habe ich gar nicht mit gerechnet, dass ich überhaupt was höre. Von der Assistenz natürlich, nicht von der Person. Aber ja, warum eigentlich nicht? Das ist so mein Motto.
Vera
00:15:56
Ja, also mittlerweile bin ich ein bisschen mutiger geworden. Wobei es manchmal bei manchen gerade so bekannteren Autoren, Autorinnen, da haben wir dann nicht die direkten Adressen. Man kann dann nur den Verlag oder eine Agentur anschreiben und da kriege ich zu 90 Prozent keine Antwort. Das ist nervig. Deswegen, wir fragen immer unsere Gäste. Man kennt sich ja und da kriegen wir dann schon mal so ein bisschen direkteren Kontakt. Das funktioniert dann. Aber ich hatte mal eine richtig nette Absage. Ich habe mal Dieter Nuhr angeschrieben oder dass er sagt, seine Agentur. Die haben mich sogar angerufen. Die haben angerufen und haben sich nett entschuldigt. ja, das wird gerade nicht, passen und so, aber dann ist ja seine Assistenz nett ja oh nein, ich glaube, er ist auch so nett die Scheiße.
Tamara
00:16:44
Die er von sich gibt.
Vera
00:16:45
Sorry okay, jetzt muss ich die Kurve kriegen ja.
Christian
00:16:51
Nicht so leicht.
Tamara
00:16:52
Das stimmt Märchen, mich interessieren Märchen, lass uns über Märchen sprechen, immer gerne.
Vera
00:17:00
Willst du das ausführen, liebe Tamara?
Tamara
00:17:03
Ja, also du machst ja viel in Richtung Märchenadaption, wo du eben das Ganze nochmal aufbereitest. Und was ich auch sehr schön finde, eben das nicht so in diesem alten Standard-Setting machst, sondern auch gerne mal den Frauen, queeren Personen eine Stimme gibst. Und ja, das finde ich sehr spannend. Und jetzt würde ich einfach gerne an dich übergeben, was du davon erzählst.
Christian
00:17:28
Dankeschön. Ach, ich freue mich auch, dass ich das darf und dass ich die Gelegenheit habe. Und der Märchen-Fantasy, die kann ja ganz unterschiedlich sein. Ich finde, die hat ja ihren Reiz gerade dadurch, dass wir diese Geschichten nochmal aus neuen Blickwinkeln betrachten. Und eben sei es jetzt die neuen Blickwinkel, die wir schon länger natürlich aus der Fantasy kennen, dass einfach mal der Bösewicht oder die Antagonistin die Geschichte erzählt, aber eben einfach auch, dass wir halt sagen, mein Gott, die Figuren, die werden jetzt schon nicht so hetero gehen gewesen sein, wie wir es aus den klassischen Märchenschablonen kennen, warum nicht mal die Geschichte aus einer anderen Sicht erzählen. Und mich haben Märchen schon immer fasziniert, ich glaube, wegen dieser Magie, die sie haben und wegen diesem Zauberhaften. Und gleichzeitig fand ich bei den Märchen schön, dass es bei denen in der Regel nicht um das ultimativ Gute gegen das ultimativ Böse geht, wie jetzt, um einfach ein Beispiel zu nennen, zum Beispiel beim Herr der Ringe, wo wir einfach ganz klar, ganz klassische Einteilung, also da geht es ja gleich um, wenn wir das nicht schaffen, dann existiert die Welt, wie wir sie kennen, nicht mehr. Und bei den Märchen stehen aber oft eher die Einzelschicksale von Figuren im Mittelpunkt. Wir haben ganz mutige Frauen, die durch die Welt ziehen, um ihre Ehemänner zu erlösen. Wir haben Schwestern, die versuchen, ihre Brüder von Flüchen zu befreien. Wir haben ein Geschwisterpaar, das in den Wald kommt und wieder heraus und sich eine Hexe gestellt hat. Oder auch, wenn man an Aschenputtel denkt, schlussendlich ist die ja, wenn man das Krimses Märchen nochmal liest, nicht ausgezogen, weil sie gedacht hat, sie angelt sich jetzt einen Typen, sondern sie wollte halt einfach, sie hat ein echt hartes Leben gehabt und hat einfach gedacht, ey, ich möchte auch mal irgendwie auf den Ball, ich möchte ein bisschen tanzen, ich möchte meinen Alltag vergessen und hat da Mittel und Wege gesucht. Und ich finde, das sind eher so Geschichten, die mich beim Schreiben auch generell interessieren. Also nicht unbedingt das Schicksal der Welt steht auf dem Spiel, sondern... Ich sage mal, Schicksalsschläge oder auch Dinge im Leben der Protagonistinnen und der Protagonisten.
Vera
00:19:34
Wenn ich da mal den Moment nutze, um da rein zu grätschen. Also diese Aspekte interessieren mich auch am meisten. Ich habe ja auch immer das Problem, wenn ich Krimis schreibe, dass mich eigentlich viel mehr die Wandlung der ermittelnden Figuren interessiert oder auch der beteiligten Figuren als die Auflösung des Falles. Aber das kritisieren hier und da auch Leser. Aber du hast jetzt am Anfang gesagt, das mit dem Gut und Böse sei in Märchen nicht so. Aber ich finde, genau das ist doch klar eingestuft, Gut und Böse. Also Nuancen gibt es ja da eigentlich nicht.
Christian
00:20:12
Jetzt hast du mich natürlich gleich erwischt, wie ich Blödsinn geredet habe. Ich habe es schon gemerkt beim Sprechen und habe gedacht, wenn ich schnell darüber hinweg gleite, dann merkt niemand, aber ihr wart aufmerksam. Nein, ich meinte tatsächlich, dass im Märchen, dass es das nicht gibt mit diesem oder in der Regel nicht gibt mit diesem Die ganze Welt wird infrage gestellt, aber Gut und Böse gibt es im Märchen. Ja, da hast du recht, das sind schirplonenhafte Figuren, das sind teilweise Klischees, das sind Schwarz-Weiß-Malereien, aber das Schöne ist ja genau deshalb bei uns Autorinnen und Autoren, dass wir ja da reingehen können und wenn wir dann die Geschichten ausarbeiten, eben den Figuren auch Leben einhauchen können. Und einfach komplexe Figuren aus ihnen machen können. Geht natürlich in jedem Genre und ist in jedem Genre wichtig, aber keine Ahnung, warum es mich so reizt und warum ich das so liebe, einfach einen Bekanntenstoff nochmal zu nehmen und mit dem zu spielen und dem hoffentlich auch nochmal Überraschendes abzugewinnen.
Vera
00:21:09
Aber wie entscheidest du, also ich finde das extrem schwierig, wenn so eine Geschichte vor einem ist, die ja auch alle die Welt kennt. Und wie entscheidet mich, wo genau das richtige Maß ist, mich davon zu entfernen? Und wie viel muss ich drin lassen, damit... Dass es immer noch die Geschichte ist.
Christian
00:21:28
Ich meine, das entscheidet schlussendlich ja immer die Leserin und der Leser, ob das jetzt gelungen ist oder nicht.
Vera
00:21:34
Ja, gelungen ist, aber vorher beim Schreiben musst du das ja.
Christian
00:21:36
Ja, also ich gehe dann immer so ran, dass ich denke, ich mag nicht einfach nur eine reine Nacherzählung schreiben, die das Ganze so ein bisschen auf, keine Ahnung, 400 Seiten dann einfach streckt, sondern ich will ja auch neue Aspekte reinbringen und das Gefühl haben, dem Leser, der Leserin was zu geben, womit sie nicht rechnet. Und wie ich mich aber entscheide, ist, dass ich das Originalmärchen dann nochmal, also meistens hat man ja irgendeine Idee, die einen dazu bringt, das Märchen neu zu interpretieren. Bei Brunnengeister, das auf dem Froschkönig basiert war, dass ich mir tatsächlich das Grimm'sche Märchen nochmal genommen habe. Und es beginnt, ich paraphrasiere es jetzt ein bisschen, in Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat. Das ist der erste Satz in dem Märchen. Und dann denke ich mir, krass, eigentlich, was wäre denn, wenn das Wünschen noch helfen würde? Und wäre das immer gut und was würde passieren, wenn das Wünschen helfen würde, aber es ganz anders ausgehen würde, als wir das uns wünschen würden. Und das war so praktisch der Ausgangspunkt der Geschichte. Aber ich lese dann nicht nur die Grimms-Version, weil die meisten Märchen, die gibt es ja in ganz vielen Gegenden und Kulturkreisen und auch über Jahrzehnte.
Vera
00:22:41
Das wäre meine nächste Frage gewesen.
Christian
00:22:44
Ich versuche dann, mich da einzulesen und das gleiche Märchen nochmal in verschiedenen Kulturkreisen zu lesen und zu schauen, wo sind denn so Gemeinsamkeiten und wo unterscheiden die sich auch. Und das, was so irgendwie in den ganzen Märchen immer gleich ist, das versuche ich schon beizubehalten. Und ich versuche natürlich auch darüber hinausgehend zu den ikonischen Momente im Märchen beizubehalten, die wir alle oder die viele von uns, ich bin jetzt ja aus einer Generation, die mit Märchen auch aufgewachsen ist, nochmal ganz anders als jetzt Leute, die nochmal 20 Jahre jünger sind als ich, die vor allem die Disney-Version kennen. Ich kenne tatsächlich noch, die Geschichten aus dem Märchenbuch. Aber wenn man trotzdem beim Froschkönig bleibt, dann haben viele die goldene Kugel einfach noch als Bild im Kopf, den Brunnen Wald. Viele, das finde ich total spannend, da merkt man, wie Disney und Co. Zugeschlagen haben, viele haben irgendwie im Kopf, dass die Prinzessin zum Schluss den Frosch durch einen Kuss erlöst. Das ist ja im Märchen tatsächlich nicht so. Im Originalmärchen, beziehungsweise im Grimm'schen Märchen, was ja auch nicht das Originalmärchen ist, weil die sich ja auch für eine Fassung entschieden haben, wird der Frosch aber an die Wand geklatscht und verwandelt sich deshalb. Und das sind so Momente, die ich versuche mit einzuweben, aber schlussendlich steht die Grundidee im Vordergrund und dann muss ich natürlich, wenn ich, da plotte ich auch wie ein Fantasy-Roman, der nicht auf einem Märchen basiert und dann muss ich natürlich gucken, welche Momente kann ich mit reinnehmen oder kann ich nicht mit reinnehmen.
Vera
00:24:15
Jetzt wollen wir nicht spoilern, aber sind denn so markante Momente wie das Klatschen an die Wand? Die bleiben aber dann drin, oder?
Christian
00:24:25
Also da kann ich, glaube ich, sogar leicht spoilern, weil ich nicht glaube, dass das das ist, was den Roman schlussendlich ausmacht. So ein markanter Moment, hast du recht, bleibt drin. Aber tatsächlich, weil ich wusste, dass in unserem kulturellen Gedächtnis dieser Kurs so eine Relevanz hat, habe ich beides eingebaut auf unterschiedliche Weise und an unterschiedlichen Stellen und dachte mir, warum nicht beides bedienen.
Vera
00:24:51
Sie küsst ihn erst dreimal, passiert nichts und dann klatscht ihn.
Christian
00:24:54
Wer weiß, das ist eine tolle Rechte.
Vera
00:24:56
Das machen wir nicht. Nein, wollen wir jetzt nicht hinterfragen.
Christian
00:24:59
Also was ich beim Froschkönig halt einfach, und da hattest du ja mich eingangs schon angesprochen, so total faszinierend fand, war dieses Ende, das man im Märchen nochmal kennt mit dem eisernen Heinrich. Also der Diener kommt dann und holt seinen König ab und dann scheppert es ja immer, wenn das glückliche Ehepaar im Märchen nach Hause fährt. Und der König fragt ja immer, Heinrich, der Wagen bricht und denkt sich, was sind das für die Geräusche? Und der Heinrich erzählt dann, nee, nee, das ist ein eisernes Band, das ich um mein Herz gelegt habe, als du verschwunden warst. Und ich dachte mir, oh mein Gott, wie viel Leidenschaft muss schlussendlich in jemandem stecken, der so Schmerzen hat, dass er sich praktisch die Brust mit eisernen Bändern verspürt, weil er diesen Verlustschmerz nicht spürt. Also ich lese das total als queeres, als schwules Motiv in diesem Fall. Und das habe ich natürlich auch in meine Adaption mit reingenommen.
Tamara
00:25:50
Stimmt eigentlich.
Vera
00:25:52
Okay, da fällt mir jetzt der Hintergrund, da kann ich jetzt den Bezug, aber vielleicht bin ich dazu, ich komme vom Dorf, ich kenne sowas nicht.
Christian
00:25:59
Du hast das Märchen nicht gelesen wahrscheinlich.
Vera
00:26:01
Nein, der Bezug zu der schulen Geschichte, der ist mir jetzt nicht so klar.
Christian
00:26:05
Achso, ich dachte, was ich damit meine ist, Für mich hat sich das Märchen so gelesen, dass dieser Heinrich total darunter gelitten hat, dass dieser Prinz verschwunden war.
Vera
00:26:14
So, das meinst du einfach als...
Christian
00:26:17
Ich wollte da irgendwie eine Klärung. Ich dachte, na gut, es gibt auch sehr gute Bromances, why not? Könnte auch sein, aber ich wollte da den Schritt einfach weitergehen.
Vera
00:26:26
Ich dachte jetzt wegen dem Metallband, dass der irgendwie...
Christian
00:26:32
Nein, so weit bin ich nicht gegangen, aber vielleicht muss ich nochmal eine Adaption schreiben.
Tamara
00:26:40
Aber es sind ja in Märchen schon auch viele Punkte, wo man heute durchaus sinnvoll nochmal ansetzen sollte, speziell in Richtung toxische Klischees. Also ich sag mal, Stiefmütter oder vielleicht sogar generell alle erwachsenen Frauen sind eigentlich immer bösartig. Junge Frauen haben in erster Linie eine Existenzberechtigung, wenn sie schön sind.
Christian
00:27:07
Und fleißig und brav.
Tamara
00:27:09
Oder das, ja. Oder was ist dir da sonst noch so begegnet, wo du dann auch mal gesagt hast, das mache ich jetzt anders?
Christian
00:27:16
Also genau diese Punkte, die du eigentlich auch sagst. Ich hatte ja vorher vor dem Froschkönig Rumpelstielchen adaptiert. Und da ist es ja so, dass der König die Müllers Tochter zwingt, Stroh zu Gold zu spinnen. Und wenn sie das nicht schafft, dann tut es mir leid mit deinem Leben, dann war es das. Und wenn sie es aber schafft, dann wird sie Königin und dann dachte ich mir, was ist das denn bitte für eine Wahl, die diese junge Frau hat und dann geht es dann im Märchen eigentlich nur noch darum, sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage, nachdem sie das Kind gerettet hatten, das sie zusammen hatten und dann dachte ich, das kann ich nicht, das kann ich nicht machen und habe mir deswegen da auch was anderes überlegt. Also das sind dann schon die Momente, wo ich die Märchenpfade hinterlasse und gerade die Hexen und Stiefmütter, die versuche ich schon, also ich versuche schon auch meinen Antagonistinnen, selbst wenn sie noch als Antagonistinnen oder Antagonisten auftreten, einen Hintergrund zu geben, der auch erklärt, warum sie handeln, wie sie handeln, was über das, ja, dass es halt eine böse Fee oder eine böse Hexe hinausgeht. Also ich habe jetzt gerade abgegeben meinen neuen Roman, der jetzt bald erscheint, Feenflug, da geht es um Dornröschen im weitesten Sinne und um die 13. Fee und da war mir dann auch ganz klar, ah, die wird jetzt nicht ein Kind verflucht haben, nur weil sie keinen goldenen Teller gekriegt hat. Das ist doch Unsinn. Und ich fand es auch schön, dann nochmal nachzuspüren, wie geht es jemandem, der vielleicht auch einen Fluch ausgesprochen hat und der vielleicht gar nicht mehr so begeistert davon ist im Nachhinein, dass er diesen Fluch ausgesprochen hat. Aber was zwingt ihn vielleicht trotzdem dazu, diese Rolle beizubehalten, die sie nach außen spielt? Also es sind so Momente, die machen ja auch Spaß. Es wird euch, auch wenn es keine Adaptionen sind, ja auch so gehen, dass genau das das Spannende ist, warum Menschen Dinge oder Wesen Dinge.
Vera
00:29:08
Ja, absolut. Wenn jetzt, du hast ja mehrere solcher Romane geschrieben, dann wirst du ja auch Feedback bekommen. Wer ist denn da so seine Leserschaft? sind das vornehmlich die Leute, die wirklich auch die alten Märchen kennen oder sind das junge Menschen, die womöglich die Märchen bestenfalls aus dem Sisley-Film kennen und jetzt völlig überreicht sind. Wie stellt sich das dar?
Christian
00:29:36
Ich glaube eher, dass es, Ja, ich glaube, im Großen, vermutest du richtig, es sind schon Leute, die Märchen kennen. Da ist es dann, glaube ich, egal, ob die die Disney-Märchen kennen oder ob sie die Original-Märchen kennen oder ob sie dieses Märchen, was ich adaptiere, überhaupt kennen. Wobei ich zugeben muss, auch in der Zusammenarbeit mit den Verlagen war es jetzt so, dass es bei den ersten Romanen schon sehr wichtig war, dass es ein Märchen ist, wo man das Gefühl hat, das kennen Menschen auch noch inhaltlich. Und wenn es nur anhaltsmäßig ist. Ich hatte nach Schattengold, was Rumpelstilzchen war, eigentlich ein anderes Märchen adaptieren wollen. Und meine Lektorin war da auch begeistert. Wir haben auch ein Exposé gemacht und das ist dann in die Verlagskonferenz getragen worden. Da wird ja oft dann nochmal aus den verschiedenen Abteilungen beleuchtet, wollen wir das Projekt machen oder nicht. Und da kam dann zurück, oh, könntest du dir vorstellen, doch nochmal ein anderes Märchen dir auszusuchen, weil ich habe gemerkt, als ich das mit meinen Verlagskolleginnen gesprochen habe, die haben jetzt gar nicht gewusst, was hast du da geändert und was ist im Originalmärchen so, weil es ein sehr Unbekanntes ist aus heutiger Sicht. Das fand ich schade, aber das war in Ordnung für mich. Also habe das dann einfach in die Schublade gelegt und merke aber jetzt, dass ich an den Punkt komme, wo man mir jetzt für Buch Nummer 4, was ich jetzt für Pieper in dieser Reihe schreiben darf, die aber alle für sich stehen und nicht miteinander zusammenhängen, auch ein sehr unbekanntes Märchen nehmen darf. Und da bin ich selber gespannt, wie das Publikum reagieren wird und die Leserinnen und Leser. Ich hoffe, ich habe sie inzwischen genug angefixt, als dass sie sich einfach mit mir auf die Reise begeben. Weil klar, ich kriege natürlich mit, dass es Leute gibt, die das Buch lesen und das dann toll fanden oder nicht toll fanden, die aber vielleicht gar nicht wissen, was ich geändert habe, weil sie das Originalmärchen nicht mehr so im Kopf haben. Das ist auch fein. Ich finde das Buch, also ich versuche schon, die Bücher so zu schreiben, dass sie auch für sich stehend funktionieren können, ohne dass man jetzt merkt, wie habe ich was abgeändert. Aber du hast nach einem Zielpublikum gefragt. Ich glaube, das Zielpublikum oder die Bücher, die meine Bücher am meisten lesen, ist wirklich auch noch dieser Young Adult Bereich, in dem ich ja sonst auch schreibe. Also ich glaube, die meisten Leser, von denen ich Feedback bekomme, sind tatsächlich so die zwischen 20 und 30. Vielleicht auch so, naja, so Young Adultig ist es auch gar nicht mehr. Ich glaube, viele Jugendbücher werden ja auf Instagram auch von älteren Leserinnen und Lesern gelesen, aber es sind hauptsächlich vor allem Frauen- und weiblich gelesene Personen, die meine Bücher lesen, weniger die Männer.
Vera
00:32:05
Das ist ja bei den meisten so.
Christian
00:32:08
Wahrscheinlich vom Lesen her, gell?
Vera
00:32:10
Ja, genau.
Christian
00:32:11
Ist das bei euch auch so?
Vera
00:32:13
Auch so, definitiv, ja.
Tamara
00:32:15
Also ich merke jetzt definitiv, bei dem Musiktrama wächst der, Männeranteil deutlich im Vergleich zu den Romans-Büchern davor und finde es auch immer sehr schön, wenn speziell die Herren mir dann schreiben, dass sie ganz tolle geweint haben.
Christian
00:32:31
Oh, wie toll. Aber wirklich, ich hätte auch gedacht, dass das trotzdem eher auch ein Thema ist, was ganz viele Leserinnen lesen. Deswegen, es freut mich voll.
Tamara
00:32:42
Prozentual sind es natürlich mehr Frauen, aber im Vergleich zu davor, das finde ich auch sehr schön.
Vera
00:32:47
Ich sage auch damit zusammen, du hast ja einen männlichen Protagonisten. Oder überhaupt männliche Protagonisten, soweit ich das im Kopf habe.
Tamara
00:32:57
Ja.
Vera
00:32:59
Das spielt ja schon auch ein bisschen eine Rolle, von wegen der Identifikation.
Tamara
00:33:03
Kann sein.
Christian
00:33:05
Ja, ich habe halt meistens die weiblichen Protagonisten, das kann schon sein.
Vera
00:33:10
Und mir kam so der Gedanke, dass ich wahrscheinlich so als Leserin schon immer so ein bisschen schauen würde, so wie bei den Easter Eggs in irgendwelchen Star Trek Serien, wo man immer noch mal auf die Referenz von Captain D. Kirk guckt und dann immer super, finde ich. Dass ich danach suchen würde, so ein bisschen. Wo finde ich jetzt das Gewitschen, das ich kenne.
Christian
00:33:34
Ich glaube, das ist schon auch richtig so. Das kriege ich ja, wenn ich mal eine Leserunde oder sowas mache, oder auch Rezensionen, glaube ich, jetzt wenig, aber gerade bei den Leserunden kriegst du es ja mit, dass sich die Leute dann auch über so Kleinigkeiten freuen und das freut mich natürlich auch total.
Vera
00:33:49
Ich muss beim Märchen, als ich mich da so mit dir beschäftigt habe, ist mir eine Erinnerung hochgekommen. Ich habe vor 20, 30 Jahren habe ich ein Buch gelesen, was sich halt auch mit Märchen beschäftigt, heißt Die Wolfsfrau und da hat eine, Völkerkündlerin, Anthropologin ich habe den Namen vergessen die hat sich mit der mit der, mit den Botschaften in überbrachten, ah Gott, ich habe Wortfindungsstörungen, in den von Alters her übermittelten Urmärchen und der Rolle der Frau und der Urmutter damit beschäftigt. Da waren jetzt auch einige irgendwelche sibirischen Märchen drin, die ich so nicht kannte. Es waren aber auch Urformen von mittlerweile bekannten Märchen dabei, König Drosselbart oder sowas. Und inwieweit bist du solchen Forschungen nachgekommen in der Vorbereitung zu deinen Werken?
Christian
00:34:56
Ich liebe das total und ich habe tatsächlich die Wolfstrau auch drüben stehen. Die habe ich mir mal antiquarisch gekauft, aber ich habe sie noch nicht gelesen, ehrlich gesagt. Ich habe noch mehr. Es gibt ja ganz viel From the Beast to the Blonde. Ich habe auch englische Literatur da. Ich finde das total spannend und Klar, gerade auch so Figuren wie unsere Frau Holle, über die man ja auch redet, inwiefern hat die vielleicht auch nochmal mit der germanischen Göttin Hel oder mit einer noch älteren Muttergöttin aus dem Alpenraum zu tun und welche Verbindungen hat die vielleicht zur slawischen Baba Yaga. Also das finde ich total spannend und damit beschäftige ich mich ganz viel grundsätzlich schon immer. Es hat mich interessiert, irgendwie haben es die Märchen mir angetan und bevor ich mit dem Romanadaptieren angefangen habe, habe ich auch Artikel damals noch für eine Zeitschrift, die hieß Nautilus, die hat sich so mit Fantasy-Themen beschäftigt, auch schreiben dürfen, auch über die Hintergründe von Märchen, sei es jetzt Märchen allgemein oder sei es jetzt eben auch ein bestimmtes Märchen oder auch den Archetypus Hexe, den wir schon angesprochen haben. Weil man muss ja auch sagen, wir hatten es auch vielleicht vorhin Das ist jetzt viel neuere Umschreibung, weil Tamara ja vorhin auch, ich glaube Tamara, du warst es, die mich auf die Hexe noch angesprochen hat oder auf die Stiefmutter vor allem. Und wenn man die zum Beispiel auch selbst die Grimmskinder und Hausmärchen in der ersten Auflage liest, da gab es ja noch kaum Stiefmütter. Das waren ja alles eigentlich bei Schneewittchen die Mutter, bei Frau Rolle die Mutter, bei Hänsel und Gretel ist es immer die Mutter, die die Kinder in die Wildnis schickt oder auch tatsächlich.
Tamara
00:36:31
Das ist ja noch heftiger.
Christian
00:36:32
Das ist viel, viel heftiger. Und da haben natürlich dann auch, also die Grimms haben ursprünglich die Kinder- und Hausmärchen gar nicht unbedingt für Kinderohren hauptsächlich geschrieben, sondern die wollten so eine Art wissenschaftliche Gesamtsammlung machen. Aber die waren halt bei den Kindern total beliebt. Und ein Problem, das die aber hatten, was immer wieder kam, war, dass es halt hieß, oh Gott, das können wir den Kindern nicht vorlesen, weil die kriegen ja die totale Krise, wenn die Mutter so schreckliche Dinge tut. Also im Schneewittchen, was die aufgeschrieben haben, ist Schneewittchen sieben Jahre alt und wird von der eigenen Mutter in den Wald gebracht und die Mutter will das auch umbringen. Den Jäger gab es dann auch gar nicht. Und die haben dann fleißig umgeschrieben und haben ihre eigenen Märchen sozusagen adaptiert und haben dann praktisch die Stiefmütter ganz, ganz vehement mit eingebaut und haben in gewisser Weise dann eigentlich auch einen total krassen Rufen an der Stiefmutter ja auch betrieben. Also die wurde dann halt einfach, hat dann diesen furchtbar schlimmen Ruf bekommen.
Vera
00:37:26
Aber hast du mal geforscht, woher denn dieses negative Sicht auf die Mütter kam?
Tamara
00:37:33
Das habe ich... Sorry, sorry, ich wollte jetzt nicht reinbrechen, aber mein spontaner Gedanke gerade ist, dass die unter einer narzisstischen Mutter gelitten haben.
Christian
00:37:46
Oh, das fände ich ja auch spannend, da müsste ich mal forschen. Mein spontaner Gedanke war, dass das Patriarchat leider auch noch ist.
Tamara
00:37:53
Ja, das sowieso.
Christian
00:37:55
Also für mich ist Schneewittchen, wenn ich da aus heutiger Sicht drauf gucke, das ist halt einfach Frauen in einer Konkurrenzsituation. Ich sehe das auch sehr symbolhaft. Du kannst ja Schneewittchen lesen als einen krassen Mutter-Tochter-Konflikt. Du kannst den aber auch einfach als eine Frau in einer Machtposition, wird von einer jüngeren Frau in einer Machtposition vielleicht verdrängt, beziehungsweise noch nicht mal von der jüngeren Frau vielleicht, sondern vom Umfeld, das die gegeneinander ausspielt oder wie auch immer man das lesen will. Ich finde, das ist ja genau das dann, wo ich dann immer denke, wow, das Thema finde ich spannend und damit möchte ich spielen. Also ich gucke schon nach diesen Urformen und so weiter und gucke auch, wie sich das verändert hat und finde es auch total spannend bei Aschenputtel, was man im Ägypten schon als Mythos gekannt hat und auch im asiatischen Raum sich erzählt hat, was ist da gleich und warum ist das gleich und wie hat es sich aber auch verändert. Also sehr nah an den Grimms ist ja der Franzose Charles Perrault, der viele Märchen nochmal neu auch nacherzählt hat. Und wenn man da zum Beispiel einfach Cinderella vergleicht mit unserem Aschenputtel, was wir in Deutschland erzählen, finde ich das schon total krass, welche Neuinterpretation im Grunde genommen immer die Person, die dieses Märchen dann aufgeschrieben hat, vorgenommen hat und wie sich da die Gewichtung verändert. Und deswegen sage ich auch, ist das so voll in Ordnung, wenn wir als Autorinnen und Autoren das heute machen, weil wir machen auch nichts anderes als die Krims. Die Krims haben genau die Themen in die Märchen gegeben, die die wichtig fanden. Gottesfürchtigkeit, das brave, fleißige Mädchen wird belohnt und das faule Mädchen, das ist natürlich das böse Mädchen. Und schon allein durch die Verwendung des Wortes faul, auch da könnte man ja auch drauf schauen. Was steckt da dahinter?
Tamara
00:39:37
Ich meine, also die Stiefmuttervariante ist ja definitiv patriarchal geprägt und Frauen sollen ja auch gar nicht zusammenhalten, sonst werden sie ja Konkurrenz für die Männer und so. Nur wenn es die Mutter ist, ist es halt, glaube ich, schon echt krankhaft. Das ist ja eigentlich unüblich. Aber um mal positive Seiten zu beleuchten, also was ja so ein Märchen auch hat Und was ja auch immer noch total aktuell und interessant ist, ist ja einfach, dass du oft einen Underdog hast, der sich eben durchkämpft. Und ich glaube, das ist ja auch das, was die Leute so anspricht.
Christian
00:40:16
Ja, glaube ich auch. Und auch, ich glaube im Endeffekt, dass das Böse auch tatsächlich besiegt wird im Märchen. Oder dass etwas einen glücklichen Ausgang findet vielleicht.
Tamara
00:40:26
Und da fände ich eigentlich ganz interessant den Bogen zu einem Buch von dir, das du mit Andreas Suchanek zusammen veröffentlicht hast, das keine Märchenadaption ist, aber auch auf einem vorgegebenen Stoff basiert, wo ich jetzt gerade so ganz viel von diesem Märchenhaften eigentlich auch drin sehe. Also Pride Began on Christopher Street erzählt eben von dieser Nacht auf der Christopher Street. Und dieses Jahr war ich in Saarbrücken auf dem CSD, da haben die diesen Abend so ein bisschen humoresk nachgespielt und mich hat das total berührt. Und ich merke jetzt gerade, das hat ja auch wirklich so was Märchenhaftes.
Christian
00:41:07
Das hat wahrscheinlich insofern was Märchenhaftes, weil, also frage ich jetzt dich, daher, weil auf einmal diese Underdogs, wie ich es vielleicht nenne, dann zusammengerückt sind und in der Gemeinschaft dann auch was bewirkt haben und da was Positives daraus entstanden ist vielleicht, ja. Ja, also war natürlich ein totales Geschenk, dieses Buch schreiben zu dürfen. Und da sah ich schreiben zu dürfen, weil das wirklich auch ein großes Glück war, weil das, ich glaube, so die erste mehr oder minder Auftragsarbeit, will ich jetzt nicht sagen, aber wo die Anfrage vom Verlag kam, wir hätten gerne zu dem Thema ein Buch, könntet ihr euch das vorstellen? Fairerweise muss ich sagen, kam eigentlich zum Andreas und der hat mich gleich mit ins Boot geholt, weil er weiß, wie sehr ich für dieses Thema brenne. Und das war super schön, ja.
Tamara
00:41:55
Also ihr habt im Prinzip eine fiktive Geschichte in die realen Ereignisse gesetzt.
Christian
00:41:59
Also das Buch ist innerhalb von einer Reihe erschienen, die praktisch historische Stoffe nimmt oder historische Momente der Geschichte und die nochmal fiktiv erscheint. Und die Idee hinter dem Buch war, schaffen wir es, eine Geschichte zu erzählen, die den Leuten fühlbar macht, wie das damals vielleicht auch war und die überhaupt erst mal vielen erklärt, warum gibt es überhaupt den CSD, wie ist das dazu gekommen, warum heißt der Christopher Street Day und warum wird der heute noch veranstaltet. Und wir haben uns eben dann dazu entschieden, also es war von Anfang an auch klar, wir dürfen historische Figuren vorkommen lassen und wir haben uns entschieden, die am Rand vorkommen zu lassen, aber für mich war es mein erster historischer Roman und ich, soweit ich weiß, finde Andreas auch und wir haben halt gesagt, das stellt uns vor so viele Herausforderungen jetzt neu. Wir möchten zwar die historischen Figuren vorkommen lassen und die sollen auch eine wichtige Rolle spielen, Aber ich wollte nicht so viele Szenen mit denen schreiben, weil mir das schwergefallen wäre, ihnen Worte in den Mund zu legen, von denen ich einfach nicht weiß, ob sie die gesagt hätten. Und wir haben das dann praktisch so geschickt wie möglich gemacht, indem wir viele unserer Figuren, zwar die Figuren haben sehen lassen und auch vielleicht mal was hören haben lassen und wir konnten da auf Podcasts aufzeichnen. Auch Podcasts wieder, ne? Also ich bin sehr dankbar, dass es jetzt so Podcasts gibt, die nochmal diese alten Tonaufnahmen aus Interviews einfach auch nochmal zur Verfügung gestellt haben, das so zu machen. Aber ja, es ist eine fiktive Geschichte und es ist eine Geschichte, die für alle Figuren, die eine große Rolle im Buch spielen, auch sehr glücklich ausgehen. Das hat vielleicht auch wieder das Märchenhafte. Da haben wir nämlich auch nochmal mit der Lektorin drüber geredet, die gesagt hat, naja, wie realistisch ist das, dass dann jede dieser Hauptfiguren ein glückliches Ende am Ende dieses Buches hat. Und wir haben gesagt, du hast total recht. Wahrscheinlich ist das nicht, dass das so war, aber wenn man auf queere Literatur oder queere Medien guckt und einfach auch diese Historie nochmal mit beleuchtet, dass ja ganz viele Bücher und Filme einfach über eine ganz lange Zeit einfach traurige Enden einfach hatten, wenn man jetzt an die HIV-Dramen denkt oder auch an sowas wie Brokeback Mountain, jetzt fahren wir leider nur schwule Stoffe ein, dann war uns das wichtig mit der Tradition zu brechen und dafür haben wir das Nachwort halt auch geschrieben und haben gesagt, das Leben wird für viele trotzdem noch super schwer gewesen sein damals aber wir wollten das Buch an einem Moment aufhören das sie alle in einem glücklichen Moment einfach zeigen um so ein bisschen mit der Message des Christopher Street Days auch gehen zu können. Und wir haben ja auch glaube ich in dem Zusammenhang möchte ich es auch ansprechen weil es einfach auch der Elefant im Raum ist und ja auch so wichtig ist Wir haben ja die Geschichte auch aus der Sicht von zwei schwulen Cis-Männern, zwei weißen schwulen Cis-Männern erzählt. Der Grund war, dass ich an einem Punkt in meinem Leben bin als Autor, wo ich sage, das ist jetzt das Skillset, das ich habe. Und wenn ich mich so einem großen Thema näher, dann muss ich mich dem nähern auf eine Art und Weise, wie ich das Gefühl habe, dem gerecht zu werden. Und ich hoffe, es ist uns gelungen, einfach auch noch Menschen anderer Herkunft und auch natürlich die ganzen wichtigen Transmenschen und die Latina- und Latino-Menschen, die einfach da so eine große Rolle gespielt haben. Auch die obdachlosen Jugendlichen, dass sie immer wieder im Buch vorkommen und wichtige Rollen spielen und das praktisch am Ende in den Kontext gesetzt haben, im Nachwort und im Vorwort. Und wir hoffen halt, dass wir so diesem Thema trotzdem gerecht geworden sind und hoffen einfach, dass das nicht der einzige Roman bleibt, sondern dass es ganz viele Own Voices noch gibt, die da einfach, also der einzige, ich weiß ja nicht, ob es noch mehr Romane gibt, aber dass wir halt diesen Roman geschrieben haben und dass jetzt halt einfach noch viel, viel mehr Romane über diese Zeit erscheinen, die von Own Voices geschrieben waren, die dem Thema sich nochmal authentischer anders nähern können, aber, mir wäre es sehr, sehr schwer gefallen aus Sicht von einer Transperson den Roman zu schreiben, weil ich dann auch das Gefühl gehabt hätte, dann hätte Hätten wir vielleicht noch eine dritte Autorin oder einen dritten Autor gebraucht oder jemand anderes?
Vera
00:46:11
Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Wobei ich jetzt noch, gerade wenn du das ja sagtest, dass Krümm und so die Märchen ja auch eigentlich nur weitererzählt haben, ich jetzt gerade so darüber nachdenke, womöglich gibt es in 100 Jahren die Handelsmärchen, oder?
Christian
00:46:25
Ja, hätte ich nichts dagegen. Aber bei Märchen auch Sinn, die Stonewall Riots. Um da nochmal ganz kurz was drauf einzugehen. Bei der Recherche fanden wir am spannendsten, wie widersprüchlich die Erzählungen über diese Nacht sind von den Augenzeugen, die da waren, also die sich wirklich widersprechen im Sinne von, also diese Person war da und hat das und das gemacht und eine andere Person sagt aber, nein, ich bin mir sicher, die Person war gar nicht in der Stadt, das kann nicht sein. Und da dann auch einen Spin zu bekommen und das so zu erzählen, dass das nicht funktioniert. Ich sag mal, entweder glorifiziert oder was negiert, das war auch sehr, sehr schwierig. Da war es dann gut, dass es einfach eine Nacht war, wo es drüber und drunter geht und wir haben dann einfach auch unsere, Erzählperspektiven sich widersprechen lassen. Da hat halt eine Person was gesehen und die andere hat gesagt, hey, es kann gar nicht sein und haben es versucht mit ins Buch zu nehmen. Und schlussendlich müssen es die Leserinnen und Leser dann für sich, hoffentlich sind die ja dann, wir haben ja noch Quellen angegeben, auch die Sachbücher, die wir verwendet haben, sodass die Leser, die sich dafür interessieren, noch weiter damit beschäftigen können.
Tamara
00:47:30
Ja, ich denke gerade, also sowohl dieser Roman als eben auch die Märchenadaption, da geht ja im Grunde eine große Verantwortung mit einher. Also hast du das auch so empfunden?
Christian
00:47:44
Bei den Märchen tatsächlich ein bisschen weniger, weil ich denke, die sind so bekannt und jeder, der das möchte, kann sich die Vorlagen nehmen, die ich adaptiert habe und schauen. Bei dem Christopher-Street-Day-Roman habe ich mich extrem gefordert gefühlt. Zum einen, weil ich natürlich wollte, dass der Roman... Auf positives Echo stößt bei Leserinnen und Lesern, die im Idealfall vielleicht sogar hetero sind und die sich null mit dem Thema auskennen, aber ich hatte natürlich auch den Anspruch an mich, ich möchte was schreiben, was hoffentlich meine tolle Queere-Community, zu der ich ja auch gehöre, weil ich auch selber schwul bin. Liest und nicht das Gefühl hat, das war jetzt totaler Mist, was der Handel und der Suchanek da abgeliefert haben, sondern die da auch sagen. Können wir auch so weit dahinter stehen. Und das war eine ganz große Angst, die ich hatte, dass das vielleicht in, weil ich weiß nicht, inwiefern ihr auch manchmal das Gefühl habt, dass wir oft so gut darin sind, egal was es für eine Community sind. Und ich spreche jetzt mal in dem Moment in der queeren Community, sich gegenseitig so zu behaken. Mensch, das hast du aber jetzt vielleicht falsch ausgedrückt oder falsch dargestellt oder sowas. Und wir dann darüber ein bisschen vielleicht vergessen, also es gibt ja auch Dinge, die angesprochen werden müssen, aber dass man einfach ein bisschen gnädiger miteinander ist und trotzdem eine Community ist und die praktisch zusammenhält. Und ich glaube, das wird ja jetzt immer wichtiger und wichtiger in der aktuellen politischen Lage und so ein bisschen diese Grabenkämpfe auslässt. Und da hatte ich Angst, dass es das zu diesem Buch vielleicht geben könnte. Aus den Gründen, die ich genannt habe. Bisher, toi, toi, toi, waren die Leute wirklich sehr offen und haben das sehr gnädig auch aufgenommen und sehr begeistert und das freut mich und es soll einfach ein Gesprächsanstoß vielleicht auch sein. Die Lesungen, die wir hatten, die waren auch sehr berührend, weil da halt einfach teilweise auch Leute da waren, die schon älter waren und die halt die Zeit auch noch jetzt dann vielleicht aus Deutschland erkennen, wie das damals war und das ist natürlich was, mir ist schon sehr bewusst, was für ein Privileg ich habe und auf welchen Schultern ich stehe oder wir stehen. Und da bin ich sehr dankbar, dass ich dann niemandem richtig auf die Füße getreten bin bisher, hoffentlich.
Vera
00:49:58
Ja, das finde ich halt besonders schwierig. Du hast ja vorhin auch gesagt, es ist dein erster historischer Roman. Ich finde das eine sehr herausfordernde Arbeit grundsätzlich. Wie ist es denn jetzt? Du hast es jetzt gemeistert, bist du jetzt auf den Geschmack gekommen und sagst, nee, sonst stresst du dich mir nicht nochmal an.
Christian
00:50:14
Ich würde das total gerne nochmal mit einem deutschen Thema machen. Da ist halt die Frage, ich meine, es ist auch immer die Frage der Erwartungshaltung und ich meine, jeder kann nachgucken, dass wir mit dem Roman jetzt nicht auf irgendeiner Bestsellerliste oder so gelandet sind. Das heißt, wie erfolgreich ist sowas für einen Verlag und welcher Verlag will sowas mit einem machen und da muss man mal gucken, ob das klappt, ob man die Möglichkeit hat. Klar, könnte ich natürlich auch, ihr seid da ja auch die besten Beispiele ins Self-Publishing auch nochmal gehen, aber das kostet halt Kraft und Nerven und Zeit und da bewundere ich auch alle, die das machen und wer weiß. Also ich würde es gerne nochmal machen, ich weiß aber momentan noch nicht wann. Jetzt widme ich gerade mich wieder erstmal einem Märchen und das ist deutlich einfacher. Irgendwie da habe ich nicht das Gefühl, dass ich den Leuten vielleicht nicht so gerecht werden kann.
Vera
00:51:04
Aber wie war das denn vom Grundsatz? Ich meine, jetzt mittlerweile ist das eine etablierte Reihe bei Pieper. Wie offen war denn ein Verlag ganz am Anfang, als du zu denen gekommen bist und sagst, ich möchte jetzt hier irgendwie Märchen neu interpretieren?
Christian
00:51:20
Die waren gar nicht offen, weil in dem Fall muss ich sagen, dass da der Verlag, da ist das Schöne passiert, dass auch der Verlag auf mich zugekommen ist. Wahrscheinlich, weil ich Pieper sehr lange schon kenne. Ich habe ja vorhin schon gesagt, ich moderiere für die langen, die wussten, dass ich für die Märchen brenne. Aber schlussendlich ist es so, dass die Märchenfantasy vor Jahren, als ich da schreiben wollte, kein Mensch wollte. Also ich hatte das Glück, dass der Drachenmond Verlag mir da gleich diese Bühne gegeben hat mit den Märchenanthologien, die ich schreibe oder herausgeben darf, als auch mit Rosenknochen und Palast aus Gold und Tränen. Das waren meine ersten Bücher und die adaptieren Märchen. Und ich bin dann im Jugendbuch bei Überreuther noch gelandet und hatte da das Thema Märchen angeschrieben und dann hieß es, das ist nicht verkaufbar und habe dann auch mit ein paar anderen Verlagen geredet und alle größeren Verlagen waren so, oh, nee, Märchen, die funktionieren gar nicht. Und ich hatte dann das Glück, dass die Christina Henry damals mit ihren Alice-Romanen so durch die Decke gegangen ist. Das war eine Übersetzung, die kam ja bei Penn Helligen und ungelogen innerhalb von einer Woche hatte ich auf einmal zwei E-Mails von Verlagsmitarbeiterinnen zwei unterschiedliche Verlage, die mich einfach gekannt haben aus meiner Bloggerzeit noch oder aus meiner Vernetzungszeit. Ich bin ja auch bei Paaren und die dann gefragt haben, ey, du bist doch der, der sich so für Märchen interessiert und du hast doch Rosen und Knochen gemacht, hast du Lust, für uns ein Märchen zu machen? Und ich dachte mir auf einmal, was ist das denn jetzt passiert? Was ist da denn jetzt passiert? Und insofern ... Nein, Gott sei Dank nicht. Und Gott sei Dank war es auch nie ein Thema, das ich gesagt habe, ich möchte da auf jeden Fall Queerness mit drin haben. Auch da waren sie wirklich offen und da bin ich auch dankbar für die Entwicklung, die wir gemacht haben. Ich merke eher jetzt, dass das Thema Märchen so ein bisschen vielleicht schwieriger geworden ist. hatte jetzt eine Welle. Ich glaube nicht, dass es weggeht, aber ich glaube auch diese Hochzeit an, also wenn man von der Hochzeit reden will, aber diese Begeisterung, die die Verlage, die größeren für Märchenstoffe hatten, fühlt sich gerade so an, als ob die ein bisschen zurückgeht. Mal gucken.
Vera
00:53:18
Musst du Drachen einbauen?
Christian
00:53:19
Ja, müsste ich vielleicht. Bin ich leider nicht, weiß ich nicht.
Vera
00:53:23
Ja, geht ja genauso. Wir hatten das im Vorgespräch schon.
Christian
00:53:27
Ihr hattet ja auch die Astrid Berndt und die Liane Maas und die April Winter und so zu Gast, da habe ich natürlich schon reingehört. Und ja, genau.
Vera
00:53:35
Ja, genau. Also uns werden die Drachen immer näher gebracht.
Christian
00:53:39
Aber die sind halt im Cozy Prime auch schwer unterzubringen.
Vera
00:53:42
Ja, genau.
Christian
00:53:43
Höchstens im Metaphorischen vielleicht.
Vera
00:53:45
Ja, genau. Ich kann ja so einen Drachenermittler oder sowas machen.
Tamara
00:53:50
Das wäre cool. Ich mag diese, es gibt eine Krimi-Reihe auch sehr humorvoll mit sprechen den Erdmännchen, die Kriminalfälle lösen. Das ist sehr, sehr niedlich.
Vera
00:54:04
Ja, mal schauen. Also wir gebären hier einige Ideen heute. Und gibt's denn jetzt, ich meine, du bist jetzt am Märchenprojekt, du hast schon gesagt, so historisch würdest du gern noch mal was machen. So, das ist jetzt, Märchen ist ja, kann man ja schon im Fantasy-Fantastik-Bereich einordnen.
Christian
00:54:26
Das Schöne an den Märchen ist ja einfach, dass du die auch so vielseitig machen kannst. Also ich suche mir auch, wie generell in der Fantasy, es gibt ja nicht die Fantasy. Also je nachdem, in welchem Zeitalter oder an welches Zeitalter ich mich anlehne im Märchen, habe ich ja auch wieder irgendwie das Gefühl, da frische Dinge für mich machen zu können.
Vera
00:54:46
Ja, darauf wollte ich da auch mit meiner lange eingeführten Frage hinaus. Gibt es etwas, was so ganz tief in dir schlummert, weit weg von dem, was du bisher gemacht hast, was du eigentlich dann unbedingt nochmal umsetzen würdest.
Christian
00:55:01
Also ich habe schon zwei, drei Themen, an die ich mich gerne ranwagen würde. Das eine ist ein Fantasy-Thema, da habe ich das Gefühl, da besitze ich für mich persönlich noch nicht das Skillset. Ich weiß nicht, wie ihr das macht. Ich nehme mir ja bei jedem Projekt, das ich neu mache, vor, irgendwas anders zu machen, was ich vorher noch nicht gemacht habe, damit ich auch so ein bisschen eine positive Nervosität verspüre, wenn ich mich an das Projekt setze. Ich habe das Gefühl, dass das Buch dann davon profitiert oder ich. Und ich liebe schon unter anderem die Bücher, und da bin ich aber auch bei weitem noch nicht so weit, die Bücher von Jodi Picoult zum Beispiel, die das schafft, so ein gesellschaftlich kontrovers diskutiertes Thema aus ganz vielen Perspektiven zu erzählen. Und ich glaube, sowas würde mich schon auch reizen. Aber ob ich dazu komme, wann ich dazu komme, habe ich noch keine Idee.
Vera
00:55:53
Wir werden es verfolgen, auf jeden Fall.
Christian
00:55:57
Die Frage würde ich aber gerne an euch beide zurückgeben. Also ich hoffe, ihr habt es nicht schon 20 Mal im Podcast beantwortet, aber gibt es bei euch auch Themen, wo ihr sagt, außerhalb von dem, wo ihr euch jetzt etabliert habt, habt ihr mal Lust, was zu machen?
Vera
00:56:08
Wir haben es witzigerweise im Vorgespräch, was du ja nicht mitbekommen hast, diskutiert, dass ich jetzt gerade überlege, mein Portfolio etwas zu erweitern, mal weg von Cozy Crime, und entweder so meine frühen Wurzeln, ich habe ja mal sowas Urban Fantasy-mäßiges gemacht, deswegen bin ich ja auch bei Bad, sowas zu machen, so Richtung Romantisi, also Liebe und dann irgendwelche Schicksalsboten, die ihr Liebende zusammenbringen, was natürlich dann nicht funktioniert.
Christian
00:56:39
Du weißt, das ist jetzt gerade die perfekte Zeit dafür, gell?
Vera
00:56:42
Ja, ja, deswegen, ich bin angefixt, ich bin angefixt so gerade. Also mal sehen in der Richtung. Und Tamara macht ja so jedes Mal was anderes.
Tamara
00:56:52
Tatsächlich ist das jetzt gerade im großen Rahmen passiert. Also nach vier Liebesromanen, habe ich ein Drama über den Tod geschrieben.
Christian
00:57:00
Oh.
Tamara
00:57:00
Aber ... Das war jetzt nicht so und auch wenn ich jetzt ans nächste Projekt denke, es war jetzt nicht so, dass ich immer gedacht habe, das möchte ich mal machen, sondern wenn man mich gefragt hätte oder mir das erzählt hätte, dann hätte ich gesagt, du spinnst, ich schreibe doch nicht über den Tod. Also das ist eher so passiert. Das Thema ist mir begegnet und hat einfach von mir verlangt, dass ich es schreibe. Und jetzt habe ich gerade den nächsten Roman geplottet, wo es auch historische Anteile geben wird, was ich auch niemals erwartet hätte, dass ich das mal machen würde.
Christian
00:57:34
Und hast du angefangen schon mit der Recherche? Wie findest du es jetzt? Macht dir das Spaß oder ist das eher echt schon eine ganz schöne Herausforderung?
Tamara
00:57:41
Ich bin auch ganz, ganz am Anfang. Also ich habe den Plot, das mache ich auch sehr grob anhand der Beat Sheets, mir aufgeschrieben und weiß, in welche Richtung ich recherchieren muss und habe da mir bisher jetzt so zwei, drei YouTube-Videos angeguckt, aber weiter bin ich noch gar nicht.
Christian
00:57:57
Ich wünsche dir ganz viel Spaß. Wenn ich eine kurze Anekdote noch erzählen darf, was mich am meisten beim Recherchieren überrascht hat, war, wie viel ich tatsächlich über die Stonewall Riots, auch wenn es widersprüchlich war, über den Ablauf der Nacht, über wie lief das mit der Polizei, was war da in New York los, das habe ich alles gefunden. Aber ich bin verzweifelt daran herauszufinden, ob es 1969 in New York schon elektrische Kaffeemaschinen gab. Und dann, ihr kennt das, dann schreibt man so eine Szene Und dann ist ein Tag rum, wenn es reicht und du hast am Abend immer noch keine Antwort auf diese blöde Frage. Und dann steht halt dann zum Schluss dann nur noch im Roman, stellte die Kaffeekanne auf den Tisch. Dann war es mir wohl, wie der Kaffee gekauft ist. Aber das sind diese Dinge, die einen zum Verzweifeln bringen manchmal.
Vera
00:58:41
Das kenne ich aber auch, ja.
Christian
00:58:43
Ja, wahrscheinlich überall in allen Bereichen, gell?
Vera
00:58:47
Ja, also wir werden auf jeden Fall befolgen, was da rauskommt. Wir erzählen dann, was wir so machen. Und zum Schluss haben wir ja schon deine Moderationsqualitäten gemerkt. Machst du eigentlich auch einen Podcast?
Christian
00:58:59
Ich würde total gerne, aber ihr habt ja vorhin schon gemerkt, technisch so eine totale Niete. Deswegen wird das vielleicht schwierig.
Vera
00:59:05
Also wir waren da auch kein Mann, wächst da rein. Ansonsten kannst du uns gerne fragen. Das machen wir jetzt aber umgekehrt. Und jetzt wollen wir auch keine Märchen. Jetzt müssen die harten Fakten raus, weil Tamara jetzt ihre total kritischen Buchbubble-Fragen stellt.
Tamara
00:59:21
Ja, vielleicht kommt ja bei der ersten Frage als Antwort ein Märchen. Welches Buch hat dich als Leser denn zuletzt Tränen weinen oder lachen lassen?
Christian
00:59:30
Oh, es kommt kein, obwohl es ein Sommermärchen ist es vielleicht, Nicht im weitesten Sinne, obwohl es nicht märchenhaft und keine Fantasy ist. Tatsächlich war das mittendrin im Lila Bund von der Miriam-Mütte-Fähring, wo es einfach um ein Dorf, auf dem es zwei queere Wohnprojekte gibt, die sich ein bisschen miteinander verhaken und dann miteinander aussöhnen. Und da hatte ich schon ein Tränchen in den Augen und ich habe auch sehr kräftig gelacht.
Tamara
00:59:57
Sehr schön. Dann die zweite Frage. Welche Begegnung in der Buchboppel war für dich ganz besonders inspirierend?
Christian
01:00:06
Und das finde ich so eine Frage, so eine schwere Frage. Ich habe ja schon ein paar Podcasts von euch gehört und habe mich schon öfter auch gefragt, was würde ich da antworten. Und ich kann das nicht auf eine Person runterbrechen. Es sind halt ganz, ganz viele Begegnungen gewesen und ich glaube, das Wichtigste in unserem Beruf sind einfach auch diese zwischenmenschlichen Begegnungen. Und aber wenn ich jetzt natürlich trotzdem eine Person nennen muss oder soll, dann möchte ich auch die Astrid Behrendt, die bei euch zu Gast war, einfach schon nennen, weil die mir einfach eine Chance gegeben hat und Wünsche und Träume erfüllt hat. Das war schon wichtig für mich und bin ich sehr dankbar.
Tamara
01:00:41
Sehr schön.
Vera
01:00:42
Ja, jetzt, wo wir sie kennen, können wir uns aber gut vorstellen.
Christian
01:00:45
Ja, ihr müsst unbedingt auch mal ins Nest kommen, wenn ihr Lust habt.
Tamara
01:00:49
Vielleicht jetzt habt ihr es ja schon schön. Und zum Schluss, wir hatten es ja in Teilen schon, welches Klischee möchtest du nie wieder in einem Buch lesen?
Christian
01:00:59
Oh, darf ich zwei Klischees nennen?
Tamara
01:01:01
Ja, bitte.
Christian
01:01:02
Also als erstes möchte ich nie mehr lesen. Er ist eigentlich hetero, aber für dich ist er schwul geworden in Büchern.
Tamara
01:01:07
Weil ich einfach denke.
Christian
01:01:09
Dann war er nicht hetero. Dann war er einfach nicht hetero und was ich aber auch nicht mehr lesen möchte ist, Sie ist die graue Maus und es ist aber okay, wenn sie sich in ihn verliebt, obwohl er total toxisch ist, nur weil er reich und schön ist. Das ist doch echt ne. Das sind so die Klischees, mit denen ich Probleme habe.
Tamara
01:01:28
Ja, das war ganz bei dir.
Vera
01:01:30
Ja, genau. Ja, lieber Christian, es war uns eine große Freude und Ehre, dass du heute bei uns bist. Und wir haben einiges mitgenommen. Und du wirst, wenn du das Vorgespräch hörst, sehen, dass das Gespräch angedockt hat und mich jetzt sehr zum Nachdenken gebracht hat. An euch da draußen, ihr wisst, was ihr zu tun habt. Und ihr folgt uns bitte auf Instagram und Facebook und wo es sonst noch so geht. Und empfehlt uns weiter und bleibt uns gewogen bis nächste Woche. Dankeschön.
Tamara
01:02:06
Danke Christian.
Christian
01:02:08
Danke euch.