Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Nach 30 Jahren vom Verlagsprofi zum Autor: Timothy Pauls Fachwissen und Perspektivwechsel

Aus der Verlagsbranche zum eigenen Roman: Wenn ein ehemaliger Lektor, Programm- und Verlagsleiter selbst zum Autor wird ... Timothy Sonderhüsken alias Timothy Paul kennt die Verlagsseite in- und auswendig und sitzt nun auf der anderen Seite.

23.07.2026 88 min

Zusammenfassung & Show Notes

Aus der Verlagsbranche zum eigenen Roman: Wenn ein ehemaliger Lektor, Programm- und Verlagsleiter selbst zum Autor wird ... 
Timothy Sonderhüsken alias Timothy Paul kennt die Verlagsseite in- und auswendig und sitzt nun zum ersten Mal auf der anderen Seite des Tisches. 
Im Gespräch erzählt er, wie sehr ihn seine jahrzehntelange Arbeit jetzt bei Entscheidungen und Verhandlungen mit dem Verlag prägt.
Wie hat er beim Schreiben seines Romans 'Eine Liebe ohne Sommer' den inneren Lektor stummgeschaltet, um Figuren und Handlung nicht vorschnell einzuschränken? 
Wie kann, darf oder muss eine gute Zusammenarbeit zwischen Verlag und Autor:in eigentlich aussehen? Was rät Tim Schreibenden für den Verlagsvertrag? 
Und wie viel Autor steckt eigentlich in seiner Romanfigur?
Wir sprechen ausgiebig sowohl übers Schreiben als auch übers Veröffentlichen mit einem, der beide Seiten des Schreibtisches kennt.
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Foto Tim: (c) Peter von Felbert
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Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Aus der Verlagsbranche zum eigenen Roman: Wenn ein ehemaliger Lektor, Programm- und Verlagsleiter selbst zum Autor wird ...
Timothy Sonderhüsken alias Timothy Paul kennt die Verlagsseite in- und auswendig und sitzt nun zum ersten Mal auf der anderen Seite des Tisches.

Im Gespräch erzählt er, wie sehr ihn seine jahrzehntelange Arbeit jetzt bei Entscheidungen und Verhandlungen mit dem Verlag prägt.

Wie hat er beim Schreiben seines Romans 'Eine Liebe ohne Sommer' den inneren Lektor stummgeschaltet, um Figuren und Handlung nicht vorschnell einzuschränken?
Wie kann, darf oder muss eine gute Zusammenarbeit zwischen Verlag und Autor:in eigentlich aussehen? Was rät Tim Schreibenden für den Verlagsvertrag?
Und wie viel Autor steckt eigentlich in seiner Romanfigur?

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Transkript

Vera
00:00:00
30 Jahre Verlagsbranche und jetzt sein Buch und das auch noch ausgerechnet Liebesroman. Wie das kommen kann, das wollten wir wissen von Timothy Sonderhüsken alias Timothy Paul. Er hat uns einige Einblicke gegeben in seine Verlagserfahrung, die für uns doch recht überraschend und neu waren.
Tamara
00:00:19
Wir haben tolle Einblicke bekommen, wie es zwischen Verlag und Autor laufen kann. Wir haben kritisch nachgefragt und ich mochte persönlich auch einfach sehr Tims Einstellung zum Schreiben. Also hört auf jeden Fall rein. Hier ist Folge 321 von die 200-Talk-Stelle, dem Podcast übers Schreiben und Veröffentlichen im Verlag und im Self-Publishing. Mir gegenüber die liebe Vera Nentwig. Ich bin Tamara Leonhard. Hallo Vera.
Vera
00:01:02
Hallo Tamara.
Tamara
00:01:04
Na?
Vera
00:01:05
Ja. Super, wir haben wieder voll eloquenten Podcastbeginn heute. Ja, ich habe heute einen etwas hektischen Tag. Da muss ich jetzt hier aber nicht näher drauf eingehen. Ein paar Geheimnisse brauche ich ja noch vor den Hörerinnen und Hörern. Ja, du willst bestimmt fragen, wie es so mit meinen Projekten läuft.
Tamara
00:01:27
Auf jeden Fall.
Vera
00:01:28
Wolltest du gerade sagen, habe ich doch gesehen. Und dann sage ich dir das. Ja, also ich hatte jetzt auch irgendwie arbeitsreiches Wochenende, weil ich hatte jetzt den, Weber und Bosniak fadenscheinig, aus dem zweiten Lektoratsdurchgang zurück, wusste ich dann als einarbeiten und dann natürlich direkt E-Book produzieren, Buchsatz machen, Seitenzahl an Cover-Designerin melden, damit die jetzt das Print-Cover machen kann und dann den ersten Rezendenten und Bloggenden, die ein E-Book gerne hätten, das entsprechende schicken. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich jetzt, obwohl ich mich eigentlich immer noch als gut organisiert betrachte, mich trotzdem total verheddert hatte.
Tamara
00:02:15
Okay.
Vera
00:02:16
Ich hatte mir in meinem Lieblingstool Evernote natürlich eine super ausgefeilte Struktur überlegt, wie ich das manage, um zu wissen, welchen Blogger muss ich für welches Buch anschreiben, welcher Blogger hat welches Buch zugesagt, welcher hat abgesagt, Welcher hat rezensiert und im besten Fall auch noch wie rezensiert. Um das alles dann mir rauswerfen zu können. Dazu hatte ich eine sehr schöne Struktur, die auch logisch war. Problem, weil nur, weil immer jetzt irgendwann zwischendurch so ein Tagesgeschehen kommt irgendwann mal Antwort von irgendeinem Blogger oder Rezensentin oder was auch immer, dann muss ich das ja direkt eintragen. So, manchmal muss ich mehrere Sachen, dann muss ich in dem Stammblatt für den Blogger die Adresse eintragen, muss sagen, bei letzten Bienen Hagefall hat er rezensiert und ersten Frau Appeldaum will er haben. Aber fadenscheinig nicht oder irgendwie andere Kombinationen. Das heißt, ich muss an mehreren Stellen pflegen. So, Was dann aber manchmal so im Tagesgeschehen dann durchgegangen ist.
Tamara
00:03:25
Ja, das ist mein Grundproblem mit allen Organisationssystemen.
Vera
00:03:33
Ja, genau. Irgendwann werden sie dann zu komplex, wenn man es ordentlich machen will. Aber wir haben noch Claude. Speziell Claude Kowork, der ja bekanntlich Dateien direkt auf dem Rechner bearbeiten kann. Und dann habe ich Claude Körwerk gesagt, so, baue mir jetzt mal eine schöne Struktur auf, da hast du einen Arbeitsorten.
Tamara
00:03:54
Kannst du mal deine Finger stillhalten?
Vera
00:03:56
Ja, Claude Körwerk, baue mal eine schöne Datei auf, da hast du einen Arbeitsorten, Blogger, da kannst du alles reintun. Und dann hat mir Claude Körwerk da einen Excel-Datei. Datei aufgebaut, wo all diese ganzen Daten dann strukturiert drin sind. Dann habe ich dem alles, was ich so in Evernote hatte, gegeben. Hier ist der ganze Klumpatsch, den ich schon habe. Baue den da mal ein. Und dann habe ich die ganzen E-Mails, die ich da mir immerhin schon mal in Ordner geschoben habe, in meinem E-Mail-System, alle da reingeklatscht und habe gesagt, so, sortiert mal, wer dafür was zugesagt hat oder nicht und so weiter. Und das hat er brav gemacht. Und jetzt kann ich immer schön, wenn jetzt ein E-Mail kommt, kann ich dann einfach da reinkopieren oder ein Screenshot oder so oder auch immer. Oder Jutta hat gesagt, sie will fadenscheinig oder so. Und dann vermerkt er sich das und dann sage ich so, wem muss ich denn heute E-Books schicken und dann kriege ich sofort die Adressdatei, mit der ich dann sofort das E-Mail auslösen kann. Ah, das ist herrlich. Da habe ich natürlich auch festgestellt, dass ich den einen oder anderen Blogger, Bloggerin auch beim letzten Buch irgendwie übersehen habe. Ich habe auch bei zweit vergessen, denen ein Buch zu schicken. Tut mir jetzt schon, falls ihr zuhört, ich habe euch schon angemeldet und mich entschuldigt. Es tut mir leid, das ist in meinem Chaos untergegangen. Es war nicht böse gemeint. Und naja, jetzt habe ich da eine, finde ich, super coole Struktur und muss mich da nicht mehr so drum kümmern. Ich kann einfach alles in den Topf schieben und Claude macht das für mich. Ha, herrlich.
Tamara
00:05:31
Jetzt muss ich aber mal kritisch hinterfragen, weil dir das beim Thema Newsletter so wichtig war. Wie ist das denn mit dem Datenschutz, wenn da Adressen von Leuten bei Cloud reingetippt werden?
Vera
00:05:42
Die liegen ja nur auf meinem Rechner. Die schreibt dir auf Dateien in meinen Rechner.
Tamara
00:05:46
Okay.
Vera
00:05:46
Der speichert die ja nicht ab.
Tamara
00:05:48
Okay.
Vera
00:05:50
Abgesehen davon, dass ich auch in meinem, das macht man ja alles im Klo-Desktop unter Windows, dass ich da explizit auch angeklickt habe, dass er die Daten nicht auf dem Server beträgt.
Tamara
00:06:01
Okay. Na dann. So weit bin ich da ja nicht drin in dem ganzen Thema.
Vera
00:06:06
Ja, aber das fand ich jetzt doch sehr hilfreich, da den Überblick zu halten. Also ich musste dann auch gestern, ich bin da schon selbst durchgegangen. Also klar, ich habe jetzt fadenscheinig fertig, gleichzeitig habe ich dann den zweiten Teil aufgetrennt zur Vorbestellung eingestellt. Manchmal musste ich mich selbst fragen, da habe ich mich schon dabei erwischt, dass ich den falschen Klappentext in den Folgen... Gott.
Tamara
00:06:32
Ja, aber ich glaube, das ist ja eigentlich auch die Art und Weise, wie KI-Gebrauch gedacht sein sollte als eine Art Assistent und nicht als ich tue die kreativen Dinge, die eigentlich Menschen machen sollten.
Vera
00:06:45
Nein, also da habe ich auch wirklich gelernt, also irgendeine kreative Frage kannst du vergessen, also die Ideen sind völlig hanebüsche. Weil der hat ja auch keinen, wie sagt man, keinen Werterahmen, keine Empathie oder sowas. Der haut einfach irgendwelche Lösungen raus. Das funktioniert nicht. Also wenn du konkrete Daten hast, Datenanalyse hast oder sowas, Und dann, ja, wobei ich bin da jetzt auch gerade, da war ich jetzt gerade noch dran, vom Problem gestoßen. Bei meinen Amazon-Ads, so seit einer guten Woche, läuft die Bienenhagen-Kampagne, wesentlich schlechter. Okay.
Tamara
00:07:28
Lief die nicht die ganze Zeit schon schlechter? Aber du hast es erst neulich gemerkt?
Vera
00:07:33
Nö, nö, die war ja jetzt gerade zum Monat Ende Juni und zu Beginn durchaus performant.
Tamara
00:07:40
Achso, weil du gesagt hattest, du hast festgestellt, dass eigentlich das, was gut lief, Frau Appeldorn innerhalb der Bienehagen war. Oder war das nicht der letzte Stand?
Vera
00:07:49
Ja, aber das war auch ein Faktor. Aber selbst nach der Trennung war das schon so, dass, da waren schon noch ein paar Targets, die sehr performant waren. Und die auch relativ häufig ausgespielt waren. Es war bis letzte Woche zum Beispiel auch teilweise so, dass einzelne Targets 80% der Impressionen einer ganzen Anzeigengruppe auf sich gezogen haben. Dass man so Monopolisierungseffekte hatte. Und von einem Tag auf den anderen, war es plötzlich gegen Null.
Tamara
00:08:28
Okay, eigenartig.
Vera
00:08:29
Ja, zuerst war mir das richtig aufgefallen, weil wir hatten dann, um diese Monopolisierungstendenzen ein bisschen abzuschwächen, gibt es so den Rat von den Experten, dass man dann solche Keywords in einzelne, Arbeitsgruppen machen, Anzeigengruppen setzt, damit die anderen Keywords wieder so Raum kriegen. Das habe ich auch gemacht und habe dann gedacht, das Problem wäre dadurch gekommen, dass ich die herausgenommen habe. Aber jetzt bei der genauen Analyse hat sich herausgestellt, nee, dieser Rückgang war vorher schon. Und das lässt sich so überhaupt nicht erklären. Wobei die jetzt tiefe Recherche ergeben hat, dass viele so im Netz solche Effekte beschreiben. Ich weiß nicht, ob dann der Algorithmus irgendwann sagt, so ist es gut oder keine Ahnung.
Tamara
00:09:18
Das heißt, du hast noch keine wirkliche Lösung gefunden?
Vera
00:09:20
Nee, also jetzt die Lösung, die so im Netz kolportiert wird, ist dann, die betroffenen Anzeigengruppen ausschalten und die performanten Targets davon in neue Anzeigengruppen setzen und dann mal gucken.
Tamara
00:09:32
Okay.
Vera
00:09:34
Das habe ich jetzt gerade noch gemacht.
Tamara
00:09:36
Das kann schon sein, dass Amazon sagt, das haben wir jetzt so oft ausgespielt, wir müssen ja den Leuten auch mal was anderes zeigen.
Vera
00:09:42
Ja, mag sein. Wobei, wenn es doch Geld bringt und Klicks bringt, dann wäre das eigentlich blöd von Amazon. Aber ja, keine Ahnung, man steckt da ja eh nicht hinter.
Tamara
00:09:53
Oder es haben Leute jetzt Anzeigen eingestellt mit irgendwelchen Neuerscheinungen, die noch vielversprechender sind. Und keine Ahnung, kann das auch sein? Das ist halt wie beim Spiegel-Bestseller. Es kommt ja immer darauf an, wer veröffentlicht denn alles diese Woche.
Vera
00:10:09
Ja, aber das würde man normalerweise am Gebotslevel sehen. Die müssten mich ja überbieten. Das heißt, das Gebotslevel müsste dann höher sein. Aber ich bin bei all diesen genannten Targets beim Gebot deutlich über die Amazon-Empfehlungen. Aber es ist reine Mutmaßung. Man wird das auch wirklich nie rauskriegen. Amazon-Support-Fragen macht da überhaupt keinen Sinn. Naja, also es ist ein langwieriges Geschäft.
Tamara
00:10:40
Ja, es klingt nicht, als würde es mir Spaß machen.
Vera
00:10:44
Naja, das sind so konkrete Sachen und Analysen. Naja, Spaß ist jetzt übertrieben, aber da kann ich mich schon reinbaggern. Das ist schon etwas, ja, klar, wenn ich jetzt irgendwann keine Lösung finde, das ist natürlich frustrierend, aber so das zu analysieren, so konkret an Fakten, doch, das mache ich schon eigentlich ganz gern.
Tamara
00:11:06
Ja, muss ich mich mit beschäftigen, wenn ich dann die nächsten Schritte mit meinen Büchern gehe. Also ich bin ja seit längerem schon dran, an meinem Cover von Rock in Peace zu arbeiten. Also es sind jetzt noch ein paar kleine Feinschliffe, aber ich glaube, jetzt habe ich den neuen Look, mit dem ich, glaube ich, das erreichen kann, was ich erreichen möchte, gefunden und kann dann auch die Reihe anlegen. Das Ding ist, gerade im Moment bin ich unheimlich viel am Arbeiten, einfach für Lektorat und Lounge Edition und so, sodass ganz wenig Zeit überbleibt für die Sachen. Die müssen jetzt ein kleines bisschen hinten anstehen. Aber da ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen und dann werde ich das zu Ende umsetzen. Was ich jetzt aber gerade ganz, also was ich noch erzählen kann, was jetzt nicht direkt mit meinen Buchprojekten zu tun hat, aber Buchmenschen, also mit Büchern an sich. Ich habe, ach das ist jetzt schon länger her, vor zwei, drei Wochen, war ich unterwegs und bin an so einem Bücherschrank vorbeigekommen, der ein sehr schöner Bücherschrank ist, weil es so ein ganz großer Baumstamm ist, in den so Kästchen mit Fenstern eingelassen sind. Und da strahlte mir von Romy Hausmann das Buch Himmel, Erden, Blau entgegen. Und ich wollte ja eigentlich schon immer mal was von ihr lesen, aber habe ja eh schon so viele Sachen auf dem Sub oder Sub oder wie man es nennen möchte, auf dem Stapel der Schande. Und habe deswegen bisher nichts gekauft, aber dieses Buch rief so, komm, nimm mich mit, du willst mich lesen. Und ich sagte, ja, aber ich habe schon so viele andere Bücher angefangen, die müsste ich erst mal zu Ende lesen. Und es sagte, nein, nimm mich mit. Ja, jedenfalls gestern habe ich mir dann mal einen freien Sonntag gegönnt, weil es dringend nötig war und habe dann in dieses Buch reingelesen und war so von den Socken, dass ich stundenlang dran festgeklebt habe. Und ich bin völlig baff, wie genial dieses Buch ist. Es gibt mehrere Perspektiven, die alle sehr cool sind und die sich schön ergänzen. Also was ich halt so spannend finde, ist, dass halt nichts so Holzhammer-mäßig, gesagt oder erklärt wird, sondern du liest unheimlich viel zwischen den Zeilen, was total cool ist. Und eine Perspektive ist quasi ein Podcast, wo du einfach so live die beiden Stimmen immer hörst, ohne Zwischentext, das ist ganz witzig. Es geht um einen True Crime Podcast und was ich halt unfassbar gut finde aus schriftstellerischer Sicht, eine Perspektive ist ein. Älterer, demenzkranker Mann. Das ist alles in der Ich-Perspektive. Und wie Romy das hinkriegt, sich da so rein zu versetzen, der hat halt auch gute und schlechte Tage und an den schlechten Tagen sind es wirklich mehr so wie Wahrnehmungsfragmente, die dir hingeworfen werden und an den anderen ist es dann wieder besser, aber zwischendurch ist dann ein Wort falsch, wo ich dann anfangs erstmal überlegt habe, warte mal, heißt das nicht anders? Bis dann rausgekommen ist, ja, es heißt anders. Oder was ich ganz süß finde, er hat sein Auto in der Parkgiraffe geparkt. Und es ist so glaubwürdig, dieser Stream of Consciousness von diesem demenzkranken Mann, das ist unfassbar. Und ich lerne da gerade so viel und bin einfach nur baff, wie genial sie ist. Und ich fand sie ja vorher einfach von unserem Gespräch damals in der Folge schon so toll und jetzt bin ich es.
Vera
00:14:35
Ja, das klingt auf jeden Fall mal nachlesenswert. Da muss ich mal hier im Bücherschrank gucken, aber die Werke, da sind immer nur so alte Werke. Ich gucke halt meistens nach, ob da ein Buch von mir drinsteht. Aber es ist Gott sei Dank noch keins.
Tamara
00:14:49
Nee, also Himmel, Erden, Blau, das ist der aktuelle Thriller. Ich gebe ja selten irgendwie Leseempfehlungen raus, aber das haut mich gerade so vom Hocker und wird glaube ich auch auf mein Schreiben einen Einfluss haben.
Vera
00:15:04
Okay, ja, cool. Ja, wobei wir da ja schon einen Übergang zu unserem heutigen Gast haben, weil der hat auch eine sehr interessante Perspektive, wie ich finde. Aber da unterhalten wir uns erst gleich mal drüber, nicht?
Tamara
00:15:18
Jawohl.
Vera
00:15:20
Unser heutiger Gast war nämlich viele Jahre in der Verlagsbranche, Verlagsleiter bei Dot Books war er und als Lektor hat er gearbeitet und jetzt hat er die Seiten gewechselt, jetzt ist er Autor und da wollen wir natürlich wissen, ob das vielleicht ein Spagat war und die Fragen stellen wir dann gleich an Timothy Sonderhüsken bzw. als Autor Timothy Paul. Hallo Tim, schön, dass du da bist.
Timothy
00:15:49
Hallo Vera, hallo Tamara. Ich finde es super, jetzt bei euch zu sein, weil ich höre euren Podcast natürlich immer sonst.
Vera
00:15:54
Ach, tatsächlich.
Timothy
00:15:55
Und es ist ein bisschen aufregend, jetzt aber mal live dabei zu sein.
Vera
00:15:58
Ja Mensch, das ist jetzt für uns besonders aufregend, wenn wir wissen, dass du uns schon gehört hast. Wow. Ja, ist es ein Spagat, wenn man, weiß nicht, 20, 25 Jahre auf der Verlagsseite war und jetzt plötzlich selbst schreibt?
Timothy
00:16:12
Also man sieht es mir hoffentlich nicht an, aber es sind ja weit über 30 Jahre tatsächlich.
Vera
00:16:15
Okay, ich habe es ein bisschen abgerundet.
Timothy
00:16:18
Ich habe nicht von mir angefangen. Es war am Anfang wirklich eine Herausforderung für mich in manchen Punkten, weil ich natürlich immer auf der einen Seite jetzt die Autorenrolle habe und die auch sehr gerne ausfülle. Aber auf der anderen Seite laufen bei mir natürlich auch immer die ganzen Reflexe aus den letzten über 30 Jahren im Lektorat mit, weil ich natürlich auch immer antizipiere, was die Gegenseite mit irgendetwas meinen könnte oder was irgendetwas bedeuten könnte. Oder ganz schlimm, wenn ich jetzt Ja oder Nein sage, was bedeutet das dann in drei bis sechs Monaten? Und wenn man so lange wie ich im Verlagssektorat gearbeitet hat, dann weiß man einfach viele Dinge. Dann weiß man auch, was es bedeutet, wenn ein Autor irgendwo mal Ja oder Nein sagt. Und deswegen bin ich immer in der relativ undankbaren Rolle, dass ich so mehrere Stimmen im Kopf habe und meinen wunderbaren Verlag ROWO damit aber tendenziell auch in den Wahnsinn treiben. Und ich ganz oft zwar sehr schnell antworte, aber immer versuche, so vollumfänglich wie möglich zu antworten. Und sie manchmal sagen, Tim, uns hätte ein Ja oder ein Nein jetzt wirklich gereicht. Und es wäre auch nichts Schlimmes passiert, wenn du jetzt das eine oder das andere gesagt hättest.
Tamara
00:17:30
Das heißt, es ist aber eher so im Autorenalltag bei Verhandlungen und solchen Themen weniger beim Schreiben. Oder hast du da auch permanent den Lektor neben oder in dir sitzen, der irgendwie dein Schreiben so ein bisschen lenkt und kontrolliert?
Timothy
00:17:48
Ja, das ist eine super Frage. Lustigerweise das, was du gerade gefragt hast, ob es bei Vertragsverhandlungen ist. Dabei hatte ich das null. Bei der Vertragsverhandlung, es lief natürlich auch über meine großartige Agentin Monika Kempf, aber da war ich relativ straight im, ich möchte das in den Vertrag drin haben, ich möchte den Passus raushaben und so weiter, weil das ist dann wirklich komplett reines Handwerk für mich, weil ich es eben schon so oft auf der anderen Seite gemacht habe, dass ich eben weiß, was ich haben möchte, was ich nicht haben möchte. Bei mir geht es, das was ich gerade geschildert habe, wirklich eher so um das Normale, wie man im Verlag miteinander kommuniziert, wie man Sachen schnell hin und her schickt und so weiter. Also Klammer auf schnell, manchmal ein bisschen langsamer. Und was du fragst, sehr gute Frage, ob mich das beim Schreiben begleitet hat. Da interessanterweise habe ich den Lektor komplett ausgestellt. Und zwar wirklich von dem allerersten Moment an, wo ich wusste, dass ich jetzt anfange zu schreiben. Hat der Lektor Tschüss gesagt. Er kam erst wieder, als wir später in der Redaktionsphase waren. Aber ich habe mir sehr bewusst, bevor ich angefangen habe, das Buch zu schreiben, selber das Versprechen gegeben, dass ich jetzt dieses Buch schreibe, ohne die ganze Zeit drauf zu schielen, was ich alles weiß. Und eine Sache zum Beispiel, die meine großartige Lektorin Dina Fischer in den Wahnsinn getrieben hat, mein Buch Eine Liebe ohne Sommer hat sehr viel Personal. Und es hat auch mehr Personal, dieses Buch, als ich vielleicht als Lektor hätte durchgehen lassen. Da ich aber von Anfang an wusste, du schreibst dieses Buch jetzt genauso, wie es sich für dich anfühlt und wie es sich für die Handlung anfühlt und die Figuren anfühlt und so weiter, habe ich mir die Frage nie gestellt. Und als Dina dann irgendwann in der Überarbeitung sagte, du, können wir das eine ein bisschen kürzer fassen, können wir diese eine Figur, die nur am Anfang einmal erwähnt wird und am Ende nur einmal durchs Bild läuft, dann brauchen wir sie doch ehrlicherweise wirklich nicht. Und dann kam so ein kleines bisschen aber auch meine neu gewonnene Autorenbockigkeit. Ich verstehe genau, warum du das raushaben möchtest, aber die bleibt drin. Und tatsächlich ein schönes Kompliment für mich. Ich spreche im Zusammenhang mit diesem ganzen Schreibprozess tatsächlich von Geschenken, die mir gemacht werden von allen Seiten. Und ein sehr schönes Geschenk von Leserinnen und Lesern auf Lesungen. Das ist ja auch ein toller Satz, oder? Lesungen. Ist tatsächlich, dass sie alle sagen, uns haben deine vielen Figuren so gut gefallen. Und dass da so ein Wimmelbild entsteht. Und Florian Valerius, bei Instagram weltberühmt als literarischer Nerd, hat gesagt, er hatte für kurze Zeit das Gefühl, in einen fremden Freundeskreis eintauchen zu dürfen und da eine Zeit lang mitlaufen zu dürfen und ganz nah an den Figuren dabei sein zu dürfen. Und ich glaube, hätte ich, und das war ja deine Frage, hätte ich den Lektor von Anfang an beim Schreiben mitlaufen lassen, Dann hätte ich das beschränkt. Dann hätte ich eine Nebenfigur rausgenommen, vielleicht zwei Nebenfiguren rausgenommen. Dann hätte ich nicht jeder zweiten Figur, die einfach nur mal erwähnt wird, wie ein Postbote, der mal erwähnt wird. Dieser Figur hätte ich niemals einen Namen normalerweise gegeben. Aber für mich fühlte sich das richtig an, weil auch tatsächlich, dass eine Frau den Namen des Postboten kennt, relativ viel über diese Frau aussagt. Hätte ich aber den Lektorenhut aufgehabt, hätte ich die ganze Zeit gedacht, nee komm, hau raus. Zu viele Namen, zu viele Figuren, zu viel Gewusel. Und jetzt bin ich sehr froh, dass ich es geschafft habe, da eben in die andere Richtung zu gehen.
Vera
00:21:16
Wobei ich mir jetzt überlege, könntest du jetzt wieder zurück zum Lektor sein, weil du hättest doch wahrscheinlich keine Argumente mehr Autoren gegenüber, die genau dasselbe jetzt machen wollen.
Timothy
00:21:27
Ich glaube, dass gute Lektoratsarbeit ist ja nie ein Vorschreiben. Gute Lektoratsarbeit habe ich immer sehr empfunden als Vorleben, Vorschläge machen, in die Diskussion einsteigen. Und ich arbeite ja nebenher auch noch ein bisschen als freier Lektor und ich bin Autorin und Autorencoach. Das heißt, ich helfe Menschen, die mit dem Schreiben gerade anfangen, also die auf der Ideenfindung sind, bis zum fertigen Exposé. Und ich glaube tatsächlich, dass meine Erfahrung als Autor mich zu einem besseren Lektor gemacht hat. Wir wissen das alle, wenn man mal in den anderen Schuhen eine Zeit lang gegangen ist, dann weiß man, wie die sich anfühlen.
Vera
00:22:04
Genau das meinte ich aber gerade.
Timothy
00:22:07
Also ich glaube, ich bin besser geworden und ja, ich kann auch zurückgehen.
Tamara
00:22:11
Ich glaube, man hat ja als Autor oder Lektor ganz verschiedene Funktionen. Also mir ging eben, wie du das erzählt hast, auch nochmal so durch den Kopf, dass ich das eigentlich großartig finde, dass du was machst, was man, sonst eigentlich nicht macht, weil gerade in Zeiten, wo jetzt KI-Romane anfangen in den Buchmarkt zu schwemmen, ist es doch noch wichtiger, auch mal was Neues anzubieten und mal was anderes zu machen. Und gleichzeitig hat der Lektor ja die Funktion, trotzdem zu schauen, was ist denn überhaupt für den Markt, was funktioniert. Und von daher hast du da ja ganz verschiedene Funktionen, die vielleicht teilweise auch andere Ziele verfolgen. Das ist jetzt so mein Eindruck. Und trotzdem die Frage, wie machst du das denn, deine verschiedenen Persönlichkeiten irgendwie so klar voneinander zu trennen? Oder kannst du das einfach natürlicherweise?
Timothy
00:23:06
Ich glaube, das kann ich tatsächlich natürlicherweise. Also was mir sicher geholfen hat, diesem ganzen Prozess, ist, dass ich nicht jetzt drei, vier Jahre in einem Verlag gearbeitet habe und dann auf die andere Seite gegangen bin, sondern dass ich eben. Wie gesagt, über 30 Jahre in der Verlagsbranche bin. Und da lernt man sowieso, dass man permanent immer unterschiedliche Hüte, Brillen, was auch immer, aufsetzt. Man arbeitet ja als Lektor auch immer zum Beispiel in drei Programmen parallel. Also in dem, was man gerade in die Herstellung bringt, in dem, was man gerade für die Programmkonferenz vorbereitet und in dem, was man akquiriert, um dann irgendwann damit in die Programmkonferenz zu gehen. Und auch da war es immer wichtig, dass ich jeden Tag immer mich zurechtgerüttelt habe und gesagt habe, so. Bis jetzt habe ich Werbetexte geschrieben für das Programm. Jetzt habe ich noch den Umbruch fertig gemacht für das Buch, was in drei Wochen gedruckt wird. Jetzt muss ich aber mich wieder mit einer Autorin auseinandersetzen, mit der ich etwas entwickeln will, fürs übernächste Programm. Und ich glaube, dadurch kann ich wirklich auch für mich festlegen, zu sagen, jetzt mache ich das so und jetzt mache ich das so. Und jetzt mal, bleiben wir mal ganz realistisch, wir sind ja hier unter uns und es hört ja niemand außer uns dran oder euch beiden zu. Natürlich ist es auch in meinem Kopf, dass ich das feste Gefühl habe, ich kann das die ganze Zeit trennen. Vielleicht hätte ich eine Liebe ohne Sommer nochmal ganz anders geschrieben, wenn ich eben nicht alles doch irgendwo tief im Unterbewusstsein hätte. Ich habe sehr bewusst mich bemüht, wenig über mich selber in das Buch reinzuschreiben. Also, Ich bin immer der großen Überzeugung, ein Buch ist ein Kunstwerk und keine Therapie. Und ich glaube, dass mir das auch in vielen Bereichen gelungen ist. Und jetzt erst im Nachhinein, also jetzt auch, wenn ich mit dem Buch unterwegs bin und auf Lesungen sitze und über das Buch erzähle und über, Dinge, die mir wichtig sind im Zusammenhang mit dem Buch erzähle, wird mir manchmal erst bewusst, okay, aber da steckt doch natürlich mehr von mir drin, als, mir das beim Schreiben und beim Redigieren wirklich so bewusst war.
Vera
00:25:11
Ja, das kenne ich. Aber das ist mir auch teilweise erst später aufgefallen. Vor allen Dingen, da ich ja reinschreibe, habe ich das Gefühl, wir werden uns immer ähnlicher.
Timothy
00:25:19
Aber sag mal Vera, was mich da, ich muss jetzt mal kurz, weil ich habe ja meinen eigenen Podcast auch, den Buchblog, und deswegen bin ich natürlich eher normalerweise auch in der Rolle, dass ich Fragen stelle. Und was mich jetzt gerade bei dir erzählt, mit deinen vielen Reihen und natürlich noch viel stärker in den Figuren drin leben, als, glaube ich, Tamara, die, wenn ich es richtig gesehen habe, eher Einzelromane schreibt. Wenn du ja ganz stark in diesen Figuren die ganze Zeit drin bist, kannst du es denn dann manchmal noch trennen? Also ist es dann so wie Freunde, die man länger nicht gesehen hat, wenn man sie wieder rauskramt? Oder führst du dir jetzt ganz viele Listen, um dir festzuhalten, so ist diese Nebenfigur, die aber drei Bücher später nochmal in den Fokus kommt, damit du dich erinnerst? Oder wie machst du diese Arbeit?
Vera
00:26:05
Also die Nebenfiguren, gut, die weiß ich noch. Also ich wüsste jetzt nicht mehr unbedingt, welche Nebenfiguren in Bienehagen Band 4 drin standen. Da müsste ich echt nachgucken. Oder jetzt mittlerweile Claude fragen. Bei den Hauptfiguren, die immer gleich sind, die werden einfach Teil von einem. Und ich glaube aber schon, dass jede Hauptfigur auch ein Teil von mir ist.
Timothy
00:26:27
Und dir persönlich ist dann in den einzelnen Figuren drin?
Vera
00:26:30
Da ist schon. Ich glaube schon, dass das so ein bisschen ich weiß nicht, kennst du Star Trek?
Timothy
00:26:38
Ich komme aus dem Star Wars und Star Trek Fandom und ich habe beides bedient, was ja, nicht gern gesehen ist.
Vera
00:26:46
Ich habe aus dem Star Wars angefangen.
Timothy
00:26:48
Dann war ich ganz lange bei Star Trek und danach habe ich festgestellt, es geht auch beides.
Vera
00:26:54
Also ich bin ja mehr so die Star Trek Fraktion und da ist es ja so, dass jede Spezies ja eigentlich eine menschliche Eigenart besonders überzogen hat. Die Klingonen sind besonders gewalttätig, die Ferengi besonders geschäftsmäßig etc. Und so ähnlich ist das bei meinen Reihenfiguren auch.
Tamara
00:27:11
Das ist eigentlich ein schöner Vergleich.
Vera
00:27:13
Jeder Biederhagen ist so ein bisschen die verrückte Flippige in mir. Die Frau Appeldorn ist die strenge Professionelle in mir. Der Lutz Weber, der jetzt kommt, ist so ein bisschen meine männliche und auch ruhigere Seite. Also es sind alles Seiten von mir, die ich da auf einzelne Figuren habe. So habe ich das Gefühl.
Timothy
00:27:32
Aber halt, Danach dürft ihr mir gerne wieder Fragen stellen. Das interessiert mich. Aber da wirklich ganz spannend, ist das für dich eine bewusste Entscheidung, dass du sagst, Biene ist der eine Teil von dir oder ist das was, was dir beim Schreiben bewusst wird, dass diese Dinge von dir einfließen?
Vera
00:27:50
Also bei der Konzeption der Figuren ergibt sich das ja schon. Weil ich glaube, Ich könnte keine Hauptfiguren schreiben, die so völlig entfernt von mir sind, also die Dinge machen, die ich überhaupt nicht nachvollziehen könnte. Das kann ich nicht.
Timothy
00:28:10
Spannend, weil das ist bei mir tatsächlich anders. Ich bin da viel abstrakt daran gegangen und weil ich da eher abstrakt daran gehe, bin ich dann im Nachhinein manchmal überrascht. Okay, das ist aber doch näher an mir dran, als ich dachte. Wie ist denn das bei dir, Tamara?
Tamara
00:28:26
Ja, ich glaube, also bei mir ist das, glaube ich, ein bisschen unbewusst. Also ich würde Vera grundsätzlich zustimmen, dass auch so überall so ein anderer Aspekt drin ist. Also ich bin ja jetzt gerade in das Thema Reihe übergegangen von einem Buch, was eigentlich ein Einzelband sein sollte und jetzt zur Reihe wird. Und da haben wir eine Band mit vier Personen, wo quasi dann in jedem Buch ein Mitglied Perspektivfigur wird. Und das merke ich jetzt schon gerade so, dass die letzte Perspektivfigur und die jetzige beide irgendwo was mit mir zu tun haben, aber halt völlig andere Aspekte, weil die zwei auch sehr, sehr unterschiedlich sind. Aber das ist, glaube ich, eher, vielleicht ist es eher so, dass ich die Figuren in eine Richtung plane und sie dann mit den Teilen von mir auslebe. Ich glaube, so kann ich es vielleicht besser sagen. Also nicht, der hat jetzt den Aspekt von mir, sondern der ist so und so und ich merke dann beim Schreiben, das habe ich auch in mir und deswegen kann ich das dann irgendwie umsetzen.
Vera
00:29:26
Ich habe da mal mit einer Kollegin, die auch schon mal bei uns, die Annette Strohmeier, die ja auch schon bei uns war, mehrfach. Wir haben da mal darüber diskutiert und wir haben so festgestellt, dass wir beide eigentlich, sie hat es Schauspielern-Schreiben genannt. Also, dass wir wirklich beim Schreiben die Szenen durchleben. Wie beim Theater, als ob wir da in der Rolle drin sind und dann halt das so entwickeln und dass sich das so ergibt. Und da bleibt es einfach nicht aus, dass da immer ein paar Sachen von einem selbst einfließen, ohne dass man es merkt eigentlich. Deswegen, mir ist es auch tatsächlich erst später aufgefallen. Aber du sagst jetzt, du machst das abstrakt, aber deine Rosa in dem Buch ist Lektorin. Also so abstrakt ist das doch nicht, oder?
Timothy
00:30:11
Dass Rosa Lektorin ist, hat vor allen Dingen damit zu tun, Das ist in meinem Buch ja darum geht, dass Rosa auf eine Spurensuche gehen muss. Also Rosa ist mit Nikolaus zusammen, ganz, ganz große Liebe, ganz, ganz großes Kabum für sie. Und dann stirbt er nach relativ kurzer Zeit. Sie hat ihn nur auf einer relativ oberflächlichen Ebene kennengelernt, die ja manchmal auch schon reicht, um sich in einen Menschen zu verlieben. Und nach seinem Tod macht sie sich daran, Menschen kennenzulernen, die in seinem Leben wichtig waren, um den wahren Nikolas kennenzulernen und auch herauszufinden, ob sie diesen wahren Nikolas denn genauso hätte lieben können, wie sie den, den sie kennengelernt hat, geliebt hat. Und für so eine Spurensuche braucht man ja Tagesfreizeit. Und ich habe lange nach einem Job gesucht, der Rosa diese Tagesfreizeit gibt. Ich habe überlegt, ob ich sie arbeitslos mache, ich habe überlegt, ob ich sie vermögend in irgendeiner Form mache und so weiter. Und das funktionierte für mich alles nicht. Und dann habe ich irgendwann gedacht, komm, der Lektorenberuf ist für viele Menschen zwar attraktiv, aber komplett abstrakt, weil niemand so genau weiß, was man da den ganzen Tag tut. Viele denken ja auch, Lektoren im Verlag lesen den ganzen Tag. Fun Fact, es ist nicht so. Und darüber kam einfach, dass sie dann Lektorin geworden ist, freie Lektorin. Was sehr lustig ist, weil ich bin natürlich auch mit freien Lektorinnen befreundet und die haben sich alle sehr amüsiert, weil sie gesagt haben, das ist so weit von der Realität weg. Das ist so wie in Romanen ja Buchhändlerinnen und Buchhändler auch den ganzen Tag Zeit haben, Tee zu trinken mit ihrem Kornosgeschmack und gegebenenfalls nochmal ein schönes Buch zu lesen. Aber das ist der Grund, warum die Verlagssache reinkam. Und es gibt in dem Buch ja eine Szene, wo Rosa dann mit ihrem Job auch so ein bisschen ins Struggeln kommt und dann auch mal zu einem Verleger vorgeladen wird. Und da tatsächlich habe ich natürlich zurückgegriffen auf das, was ich an Menschen in meinem Leben kennengelernt habe. Das ganz Lustige ist aber, dass ich mit der Frage gerechnet habe, ob das einer der Verleger, eine der Verlegerinnen ist, mit denen ich gearbeitet habe. Das hat mich niemand gefragt aus der Branche. Was mich aber viele Leute gefragt haben, war, ob die Sekretärin des Verlegers, die genau, ich glaube, zwei Sätze in dem Buch hat, sie hat einen Satz und es gibt einen Satz über sie. Und es haben mich aber diverse Menschen gefragt, ob das eine bestimmte Frau ist, die wir alle mal kannten.
Vera
00:32:35
Okay.
Timothy
00:32:36
Was definitiv nicht so ist, das kann ich weit von beweisen, aber ich fand es ganz, ganz lustig, dass ich an diese Person gar nicht gedacht habe in dem Moment, und dann aber andere Leute, die meinen Hintergrund kennen, eben sagen, das ist doch eine kleine versteckte Liebeserklärung an Person XY.
Tamara
00:32:51
Ja. Ja, vielleicht auch unterbewusst.
Vera
00:32:56
Jetzt wissen wir aber nochmal, wenn du unseren Podcast ja schon mal ein paar Mal gehört hast, dann weißt du ja, dass wir eher so aus dem Self-Publishing kommen. Wir sind zwar immer sehr interessiert daran, auch mal mehr so aus dem Verlagsgeschäft zu erfahren. Hatten ja auch schon diverse Gäste zu dem Thema, aber da könnte es sicher noch mehr werden. Und du hast ja zu Beginn so ein paar Sachen gesagt, wo ich noch nicht so ein wirklich konkretes Bild mit habe. Wir hatten ja das Thema mit den wo du ja und nein sagst ich kenne das von Autoren und Kolleginnen, Man hat einen Vertrag und dann schreibt man und irgendwann schickt man das Manuskript zurück und dann wird das lektoriert und dann kriegt man es dann mit Anmerkungen wieder. Wo ist die Stelle, wo du häufig mit Ja und Nein antworten musst?
Timothy
00:33:46
Also Ja und Nein war jetzt ein Beispiel, um es mal auf die Spitze zu treiben. Ich habe allerdings tatsächlich deutlich mehr Zusammenarbeit mit dem Verlag gehabt, als das, was du jetzt gerade nennst. Was ich ehrlicherweise auch als normal empfinde. Also ich kenne relativ wenig Autorinnen und Autoren, die sagen, sie unterschreiben den Vertrag, schicken das Manuskript in den Verlag und irgendwann erscheint es dann. Also bei uns waren es viele Abstimmungssachen von, was kannst du noch zum Start machen, was möchte ich von selber machen, wo kann ich die Hilfe des Verlags in Anspruch nehmen.
Vera
00:34:18
Also Richtung Marketing, nicht Richtung Inhalt.
Timothy
00:34:21
Und beim Inhalt war es spannend, mein Buch war komplett fertig. Also ich musste es nicht erst fertig schreiben, bevor ich es meiner Lektorin hätte schicken können, sondern die hat das finale Manuskript auf dem Tisch gehabt oder mein finales Manuskript, bevor sie das Angebot gemacht hat. Das heißt, wir hatten dann jetzt nicht die Situation, dass ich zwischendurch mal bei ihr nachgefragt hätte und gesagt hätte, du Dina, ich komme an der Stelle nicht weiter, was würdest du mir raten oder so. Also das habe ich beim neuen Buch, hat das durchaus stattgefunden, weil sie dann zwischendurch natürlich mal gefragt hat, Mensch, wie geht es dir gerade, wo bist du in der Handlung ungefähr? Und hat gesagt, ja, da und da. Und da haben wir uns ein bisschen über eine Figur ausgetauscht und was. Aber die Fragen, die ich mit Ja oder Nein beantwortet habe, waren eher die Fragen, die dann rund um die Vermarktung gingen. Und weil ich eben, ich weiß gar nicht, wie oft ich das in diesem schönen Podcast jetzt schon gesagt habe, aber schon so lange im Verlag gearbeitet habe, weiß ich natürlich auch, dass es, es gibt hundert verschiedene Arten von Autorinnen und Autoren, aber es gibt die eine Art von Autorinnen und Autoren, die man nicht haben möchte. Und das ist, ich gender es jetzt mal nicht, das ist der Autor. Und der, für alle, die uns jetzt nicht sehen, male ich so kleine Anführungszeichen in die Luft. Der Autor ist der, der immer anstrengend ist, der zu fordernd ist oder, Klammer auf, auch möglich, Klammer zu, zu weich ist und zu nachgiebig ist und so weiter. Der dann aber sehr oft eben nicht besonders beliebt im Verlag ist. Und meine große Panik war natürlich, dass ich der Autor werde und damit bin ich meinem Verlag, glaube ich, auch zwischendurch sehr auf die Naht gegangen. Und in dem wunderbaren Rowold-Podcast war ich dann auch zu Gast und da sage ich das auch irgendwann, ich will nicht der Autor sein und Kevin und Lisa und ich glaube es war, Lisa, die das dann gesagt hat, war, ja, das hast du mir schon beim allerersten Kennenlernen erzählt, dass du Sorge hast, dir der Autor zu werden und ich versichere dir ein weiteres Mal, du bist nicht der Autor.
Vera
00:36:20
Ja, aber jetzt musst du mal allen, die jetzt noch nicht so in diesen Prozessen drinstecken, ein bisschen erklären. Was macht denn den Autor zu dem Autor?
Timothy
00:36:28
Das sind Ich glaube, ein guter Autor vertritt seine eigenen Interessen, also vollkommen klar. Aber als Autor, der mit einem Verlag zusammenarbeitet, sollte man meiner Meinung nach auch immer ein bisschen die Interessen des Verlags mitdenken und ein bisschen verstehen, wie die einzelnen Abteilungen funktionieren. Das ist für mich sehr einfach, weil ich eben mit diesen Leuten gearbeitet habe. Aber ich glaube, man kann sich auch immer informieren. Man kann mit den Leuten mal ins Gespräch kommen, sich kurz erklären lassen, was bedeutet das, wenn ihr mein Buch dem Buchhandel anbietet? Was bedeutet das, wenn ihr es den Medienvertretern anbietet? Was bedeutet das, wenn ihr eine Marketingidee entwickelt? Das kriegt man als Autor oft ja relativ schnell sich drauf geschafft. Und ein in meinem Sinn guter Autor weiß um die eigenen Wünsche und weiß aber auch, was das für den Verlag im Zweifelsfall bedeutet. Und der Autor, haben wir die Apostrophe, der Autor, der denkt nicht darüber nach, was der Verlag vielleicht auch an Wands und Needs hat und auch an Gesetzmäßigkeiten, an denen man nichts ändern kann und ist in einer permanenten Forderung begriffen, was auch im normalen menschlichen Miteinander nicht funktioniert. Also wenn ich jetzt die ganze Zeit zu Tamara sagen würde, wenn wir den Podcast zusammen würden, Tamara, du musst jetzt noch das für mich machen, du musst noch das für mich machen, du musst noch das für mich machen, hast du daran gedacht? Meinst du nicht auch so?
Vera
00:37:50
Genau so funktioniert das bei uns.
Timothy
00:37:53
Ich habe gesagt, dass wir sie eigentlich relativ nett und harmonisch miteinander arbeiten. So möchte man halt eben nicht sein. Und ich verstehe, dass manche Autorinnen und Autoren genauso sind, weil ihnen vielleicht auch vom Verlag nie jemand erklärt hat, wenn du das jetzt gerade haben möchtest, dann bedeutet das in Konsequenz dieses und jenes. Also da hat der Verlag natürlich auch eine Bringschuld, weil wenn ein Autor etwas nicht weiß, muss der Verlag im Zweifelsfall auch in der Lage sein zu sagen, pass mal auf, du willst das gerade wissen, können wir dir jetzt nicht sagen, komm mal weil. Oder du willst das gerade von uns realisiert bekommen, wird nicht klappen, komm mal weil. Und so lernt man miteinander. Aber es gibt eben die Autoren und Autoren, denen das furchtbar egal ist.
Vera
00:38:37
Ja, wobei, die hören dann wahrscheinlich unseren Podcast und wir müssen jetzt noch ein bisschen mehr erklären, was das ist. Du hast ja schon mal sowas wie Marketing angesprochen. Jetzt ist es ja so, ich meine, wahrscheinlich, da kommen wir auch gleich noch zu, weil du halt schon so lange im Verlagsbusiness bist, wie wir jetzt ja deutlich erfahren haben.
Timothy
00:38:53
Mensch, gut, dass du das erwähnst. Wir hätten es alles vergessen.
Vera
00:38:57
Genau. Weißt du natürlich, was geht und wahrscheinlich, kriegst du deswegen auch Marketing. Nicht jeder Autor, jede Autorin kriegt ja überhaupt irgendwelche Marketingaktivitäten eines Verlages. Und wie kriege ich denn überhaupt raus, was ich jetzt anfragen kann, was mir womöglich sogar zusteht? Da wüsste ich gar nicht, wo man da anfangen sollte.
Timothy
00:39:27
Man fängt an mit genau dieser Frage, die du gerade stellst. Man sagt, Bevor man sich auf dieses Abenteuer einlässt, also bevor man den Vertrag unterschreibt, lässt man sich einmal grob erklären, was habt ihr vor mit meinem Buch zu machen, anzustellen. Es ist für, wenn ein Buch in einer Auktion verkauft wird und meins war in einer Auktion, also es bedeutet für die, die es nicht kennen. Meine Agentin hat das Buch bei vielen Verlagen angeboten und es hat eine erkleckliche Anzahl, hat abgesagt, muss man auch der Ehrlichkeit halber dazu sagen. Alle, die mich kannten persönlich, haben es abgesagt. Und alle Angebote, und es waren glücklicherweise relativ viele, waren von Leuten, mit denen ich noch nicht gearbeitet habe. Und dann kommt es irgendwann zum sogenannten Best Offer, wenn die Auktion quasi sich dem Ende zuneigt. Und dem Best Offer kann sowohl die Agentur als auch der Autor, die Autorin natürlich sehr deutlich sagen, was stellt ihr euch vor, was werdet ihr machen und so weiter. Wenn man jetzt nicht dieses Glück hat, das ich hatte, sondern wenn man, und jetzt ganz böses Wort, wenn man als Umfeldtitel eingekauft wird, also wenn man einen inhaltlich ganz hervorragenden, mit viel Herzblut geschriebenen, das kleine Café am Ostseestrand Roman geschrieben hat, dann wird der Verlag im Zweifelsfall nicht vorher sagen, pass auf, du bekommst das, das, das und das. Aber dann ist es natürlich an der Autorin und am Autor genau das nachzufragen. Und sollte da eine blöde Rückmeldung vom Verlag kommen, im Sinn von wissen wir jetzt noch nicht oder können wir dir nicht sagen oder geht dich gar nichts an, dann weiß man als Autorin, als Autor im Zweifelsfall auch. Take your money and run oder leave the money and run, dass man da nicht richtig aufgehoben ist. Aber ich glaube, eine freundliche Frage am Anfang ist immer gut und dann eben aber auch nicht eine Frage stellen im Sinn von, ich will das und das haben, sondern könntet ihr das und das tun? Und ich habe selber ja mit sehr vielen Autoren und Autoren logischerweise zusammengearbeitet und nicht alle meine Autoren und Autoren waren Spitzentitel, vollkommen klar. Und mir war es immer wichtig als Lektor auch, Von Anfang an zu sagen, mit dem wirst du rechnen können und mit dem wirst du auch nicht rechnen können. Also so der Klassiker, wird es ein Leseexemplar geben, da weiß man als Lektor relativ früh, nein. Und das kann man auch sagen, damit auf der anderen Seite überhaupt keine Begehrlichkeiten geweckt werden. Weil wenn es dann durch viele glückliche Verkettungen dazu kommt, dass es doch ein Leseexemplar gibt, dann freut sich jeder. Nur man nimmt immer schlecht davon was weg, was man vorher schon gesagt hat. Und so kann man einfach ein vernünftiges Gespräch führen. Und mir war zum Beispiel wichtig, ich kannte sehr viele Leute bei Rowold, ich bin auch mit einigen Leuten, die bei Rowold arbeiten, eng befreundet, aber ich kannte niemanden von denen, die direkt an der Akquise meines Buchs beteiligt waren und ich kannte zum Beispiel niemanden in der Presse da und ich kannte niemanden im Online-Marketing. Das heißt, ich bin dann einfach nach Hamburg gefahren und habe mich mit meiner Lektorin getroffen, weil wir eh noch ein paar Sachen besprechen mussten und habe dann gesagt, du kannst du einfach für mich organisieren, dass ich Kevin und Lisa, also aus dem Online-Marketing, einfach einmal kennenlerne, und nicht aus dem Online-Marketing, aus dem Social-Media-Marketing muss man korrekt sagen und kann ich die Anne-Claire, die die Presse für mich machen wird, schon einmal kennenlernen. Und dann hatten wir jeweils eine halbe, dreiviertel Stunde und das war super, weil wir einfach genau durchgehen konnten, was die sich vorstellen, was die tun können und weil es gute Leute sind, haben sie gefragt, was wünschst du dir denn noch oder was möchtest du denn machen? Und das kann jeder Autor, jede Autorin, die in den Verlag geht.
Vera
00:43:01
Ja, wobei das schon jetzt schon sehr als... Ja, schon sehr luxuriös klingt. Also wir hatten ja jetzt schon viele, viele Verlagsautoren, Autoren und auch schon sehr erfolgreiche. Also die wenigsten haben das Verhältnis vom Verlag jetzt so geschildert, wie du das getan hast.
Timothy
00:43:20
Aber da möchte ich eine Lanze für die Verlage brechen, Vera. Ich glaube, eine Lektorin entscheidet sich ja immer nur für ein Projekt, weil das wissen wir auch alle, es gibt mehr als ein Projekt da draußen. Es gibt parallel 20 Projekte und selbst wenn man ein Buch hat, was in gewisser Weise unique ist wie meins, weil das ein Liebesroman ist, wo man von Anfang an weiß, dass der Love Interest nur die Hälfte des Buches überhaupt überleben wird. Trotzdem gab es natürlich zu meinem Projekt auch zig andere, die gerade im Lektorat geprüft worden sind. Und dass der Verlag sich für mein Buch entschieden hat, das zeigt ja, dass da eine große Bereitschaft war, mit mir zu arbeiten. Und das ist nicht nur bei mir so, sondern das ist bei jedem Autor, bei jeder Autorin, die von einem Verlag gekauft ist. Und dann geht es einfach darum, ob man bereit ist, dann eben Fragen zu stellen. Und das war der Punkt, wo ich oft gehadert habe, weil dieses Ding von, wenn ich jetzt die Frage stelle, bin ich denn schon zu aufdringlich? Dann war aber immer meine eigene Antwort, Nee, weil ehrlicherweise ist es blöd, wenn man als Autorin und als Autor keine Fragen stellt, weil dann nimmt man ja den Menschen auf der Verlagsseite auch die Möglichkeit, es für einen schön zu machen. Und die wollen einen ja. Es ist ja nicht so, dass die einen einkaufen und die ganze Zeit denken, das ist aber eine unangenehme Person, sondern die wollen ja mit einem arbeiten. Und deswegen rate ich immer dazu, einmal am Anfang freundlich zu fragen. Schwierig kann es immer noch werden zwischendurch. Aber wenn man einmal gemeinsam Spaß hatte, Und auch der Verlag gesehen hat, okay, die Fragen, die da kommen, die haben Hand und Fuß. Und da ist jemand, der möchte mit uns auch zusammenarbeiten. Dann, glaube ich, wird das besser und einfacher.
Vera
00:45:00
Aber ich muss jetzt trotzdem mal so Fragen unter uns.
Timothy
00:45:02
Du möchtest jetzt auch mal Journalist gestalten nachfragen.
Vera
00:45:06
Ja, natürlich. Ich gönne es und ich wünsche mir auch, dass es so ist. Wie gesagt, bisher ist so meine Erfahrung, lässt mich da eher skeptisch sein. Und, wie sehr hängt deine sehr positive Schilderung bei deiner Verlagserfahrung damit zusammen, dass du, wie wir jetzt ja schon ein paar Mal gesagt haben, eben selbst aus der Verlagsbranche kommst? Siehst du wirklich eine Chance, dass jemand anders mit seinem Debüt und dazu auch noch ein Liebesroman in einem großen Publikus Verlag genau so, ich nenne es mal, hofiert wird, wie du es wirst?
Timothy
00:45:50
Ja, natürlich. Also, ich verstehe, wo deine Frage herkommt. Ich verstehe, dass es auch bei vielen Autorinnen und Autoren. Oft so das Gefühl gibt, wir Autoren, Autoren stehen auf der einen Seite und der Verlag steht auf der anderen Seite. Diese Erfahrung habe ich nicht gemacht. Ich hoffe auch, ich werde sie niemals machen. Also wo wir jetzt gerade Holz haben, ich klopfe mir dreimal an den Kopf. Aber ich glaube, dass ganz viel davon natürlich auch damit zusammenhängt, dass man manche Sachen aber auch akzeptieren muss. Also Beispiel Cover. Ich weiß, dass Cover und Titel sind beides Themen, wo ich weiß, dass Autoren und Autoren oft mit ihren Verlagen hadern, weil sie eben sich für, sage ich mal, eine durchschnittliche Liebeskomödie, ein wahnsinnig exaltiertes Cover vorstellen, was vielleicht bei Hansa oder sonst wie Spitzentitel wäre, was aber bei Buster Lübbe auf einem Umfeldplatz ehrlicherweise falsch platziert wäre optisch, und was dann auch vom Buchhandel nicht erkannt würde und nicht bestellt würde. Da muss ein Verlag natürlich im Zweifelsfall auch sagen, pass auf, wir verstehen, dass du einen persönlichen Geschmack hast und wir versuchen auch, deinen persönlichen Geschmack zu treffen. Aber der Verlag hat vor allen Dingen natürlich die Aufgabe, den Geschmack der beiden Zielgruppen des Verlages zu treffen. Das eine sind die Buchhändlerinnen und Buchhändler, also das Nadelöhr Buchhandel. Und das andere sind die Leserinnen und Leser. Und es kann sein, dass eine Autorin und ein Autor mit einem Umschlag oder einem Cover komplett unglücklich ist, es aber später trotzdem richtig für das Buch war. Und das gleiche kann mit einem Titel funktionieren. Ich habe das große Glück gehabt, also wirklich das sehr große Glück gehabt, dass mein Arbeitstitel sofort der Titel war, der dann auch genommen wurde. Es wäre mir sehr schwer gefallen, auf den zu verzichten, weil im Buch bezieht es sich auch immer mal wieder auf, dass das ja eine Liebe ohne Sommer ist. Was immer genau das heißen mag, wir werden es jetzt für die Zuhörer nicht verraten. Und beim Cover war es so, dass ich... Ganz ehrlich mir was anderes vorgestellt hatte, aber aus meiner Erfahrung auf der anderen Seite, als mich meine Lektorin gefragt hat, pass auf, möchtest du uns einfach ein bisschen was fürs Coverbriefing mitgeben, habe ich sehr bewusst gesagt, nein, möchte ich nicht, weil wenn ich euch jetzt, genau erkläre, wie ich mir das Cover vorstelle, dann beschränke ich eure Kreativität, dann mische ich mich in eure Prozesse ein. Und dieses Buch ist, in dem Moment, wo ich die redigierte Fassung abgebe, ist es ja nicht mehr mein Buch. Dann ist es das Buch des Verlags in gewisser Weise auch. Es bleibt meins, aber es wird erst das vom Verlag und danach wird es das von den Lesenden. Und deswegen habe ich gesagt, ich will nicht mitreden. Ich möchte nur erst mitreden, wenn der fertige Entwurf da ist. Und es gab drei Entwürfe und einer war für uns alle indiskutabel. Der eine war schon so, dass das Lektorat den sehr mochte. Ich fand ihn ganz, ganz schrecklich. Und dann gab es einen, der uns alle aber irgendwie angesprochen hat. Und der hatte schon letztendlich, wenn man sich das Cover heute anschaut, der hatte schon diese drei Farbflächen, der hatte schon das Geländer. Da waren aber andere Figuren drauf. Und dann haben wir einfach über die Figuren gesprochen. Und haben dann ein Cover gefunden, das mich persönlich total glücklich gemacht hat und wo ich auch immer gesagt habe, ganz egal, ob dieses Buch ein Spiegel-Bestseller Nummer 1-Seller wird, Fun Fact, wurde es nicht. Oder wenn das Buch ein Flop wird, Fun Fact, wurde es auch nicht. Alles ist für mich okay, weil ich werde nie sagen, es ist die Schuld des Covers, weil ich habe mich auf dieses Cover eingelassen. Und jetzt beim zweiten Buch war es so, dass ich einen Titel hatte, den ich gut fand und den ich fand, Da sind wir wieder, Tamara, bei der Frage, ob man den Lektor immer ausstellen kann. Da habe ich einen Titel gemacht, der einer gewesen wäre, den ich als Lektor einer Autorin oder einem Autor vorgeschlagen hätte. Ich war nicht 100% glücklich damit, aber ich habe gedacht, das ist jetzt die kaufmännisch richtige Entscheidung. Und zum Glück hat meine Lektorin dann irgendwann gesagt, du, wir mögen deinen Titel, aber es gab jetzt drei, vier Leute im Verlag, die gesagt haben, da fehlt das gewisse Etwas. Und dann haben wir so ein bisschen die Ideen hin und her gepunkt. Und dann hat Dina irgendwann mir, also auch wie es dann immer so ist, wir waren eigentlich schon bei so einer kleinen Liste von Titeln angekommen. Und dann hat sie mir morgens geschrieben, du wirst es nicht glauben, aber heute Morgen unter der Dusche ist mir der Titel eingefallen. Und tatsächlich liebe ich diesen Titel. Und den finde ich richtig, richtig gut. Und wenn ich ihn jetzt aber ganz furchtbar gefunden hätte, hoffe ich, dass ich in der Lage gewesen wäre, dann zu sagen, okay, aber wenn alle jetzt meinen, dass dieser Titel der richtige ist, wie kann ich meinen persönlichen Zugang dazu finden? Und ich habe in meiner Arbeit als Lektor häufiger Autorinnen und Autoren gehabt, die mit dem Cover oder dem Titel unglücklich waren.
Vera
00:50:47
Ja, das habe ich auch schon öfter gehört.
Timothy
00:50:48
Ja. Und dann war es aber immer die Aufgabe, also meine Aufgabe, die Aufgabe des Lektors A, sehr transparent zu erklären, warum man diese Entscheidung trifft. Und manchmal, und das ist leider auch so, muss man dann als Verlag auch sagen, wir haben alle deine Argumente gehört, wir haben das hier alles besprochen, wir möchten aber trotzdem genau so weitermachen. Aber, und das fand ich immer wichtig, dafür kriegst du jetzt noch das Goodie. Und ich fand das immer wichtig, Verhandlungsmasse zu haben. Also eine Hand wäscht die andere. Und gerade bei Büchern, bei denen kein Werbebudget im Hintergrund steht, kann man immer noch mit einem Lektorrat ins Gespräch kommen. Okay, aber wie sieht es mit Social Media aus? Können wir dann irgendwie noch, eine Sache mehr machen? Oder wenn ich euch einen Text vorgebe für ein Mailing, früher war ja Mailing noch ein Thema. Also ihr erinnert euch, Tamara nicht, weil du glaube ich sehr jung bist, aber wir erinnern uns alle noch an Faxgeräte. Ganz früher schickte man ja noch Faxe raus und so weiter. Dann hatte ich immer als Verhandlungsmasse, Mensch, wir machen nochmal einen Fax an alle Buchhandlungen in Deutschland mit dem Titel und so weiter. Und ich habe mir da was überlegt. Ich glaube, es ist immer ein gutes Geben und Nehmen.
Vera
00:51:58
Wobei ich jetzt gerade, also so wie du die Arbeit mit Verlag schildert, klingt die für mich wirklich sehr schön. Und finde ich auch gut, dass wir auch mal diese Seite hören, jetzt nach sechseinhalb Jahren.
Timothy
00:52:11
Bisschen erschütternd. Ich habe aus euren Gesprächen auch, aber ich habe mehr mit Safe Publishern bei euch gehört, weil ich das natürlich spannender fand, weil das ein Markt ist, von dem ich nichts verstehe. Jetzt muss ich mir nochmal eure Episode mit Verlagsautorinnen hören.
Vera
00:52:25
Ich meine, ich kenne ja viele Verlagsautorinnen bei den Berluschmessern, aber jetzt muss ich schon sagen, dass das Gro arbeitet dann eher doch mit den kleineren Verlagen. Und da ist die Geschichte eine ganz andere.
Tamara
00:52:38
Ich weiß nicht, ob man das so verallgemeinern kann, weil es gibt sicher die, die sehr intensiv mit den AutorInnen zusammenarbeiten. Aber ich sage mal, wenn ich jetzt meine Verlags-Erfahrungen kurz runterbreche, dann geht es in die Richtung, eigentlich hieß es erst nur E-Book. Ich habe gesagt, ich hätte aber schon gerne auch einen Print. Ja, wenn für dich Print on Demand in Ordnung ist. Ja, ist es. Drei Wochen nach dem E-Book-Release habe ich mal gefragt, ja, wann machen wir denn jetzt das Print? Ja, weiß nicht, wir haben ja keinen Umschlag. Letzten Endes habe ich den Umschlag, also es gab ja nur das Frontcover, den Umschlag für den Verlag gemacht, weil sie keine Lust mehr hatten, die Cover-Designerin nochmal anzusprechen. Das Cover war, also es gab auch drei Varianten. Eine habe ich geliebt, die hat super zur Geschichte gepasst. Da hieß es dann aber, das wollten wir dir eigentlich gar nicht zeigen, das finden wir doof. Wir wollen Nummer drei, die fand ich ganz, ganz schlimm. Und dann haben wir uns auf Nummer zwei geeinigt, die zwar hübsch ist, aber in ein ganz anderes Genre gezeigt hat, wo mir dann später auch ans Herz gelegt wurde, wenn du nochmal schreibst, dann schreib doch bitte dieses Genre. Die wollten halt eigentlich dieses Buch dann in ein Genre drücken, wo es gar nicht hingehört.
Timothy
00:53:45
Okay, okay, verstehe.
Tamara
00:53:47
Es gab, glaube ich, insgesamt mal einen Social-Media-Post und am Ende hieß es ja, das Buch hat sich nicht gut verkauft. Also ich habe mich da so ein bisschen nicht richtig aufgehoben gefühlt, muss ich gestehen. Wahrscheinlich mit deiner Verlagserfahrung hätte ich da vielleicht nochmal anders, Fragen stellen können tatsächlich. Aber ich glaube schon, dass so ein super professioneller Verlag einfach auch andere Abläufe hat.
Timothy
00:54:11
Ich glaube, dass, also genau wie du es gesagt hast, man kann es nicht verallgemeinern. Es gibt sehr große Verlage, wo fantastische Leute arbeiten. Da gibt es aber sicher auch zwischendurch mal zwei, drei, die die innere Kündigung schon geschrieben haben. Und es gibt kleine Verlage, wo alles so ein bisschen gewurschtelt wird. Und es gibt kleine Verlage und ich habe ja die letzten zwölf Jahre bei einem kleinen Verlag gearbeitet, Dot Books, den ich mit aufgebaut habe vom ersten Aktenordner an. Und zu Hochzeiten waren wir neun Leute. Und da war es mir aber zum Beispiel als Programmleiter extrem wichtig, dass die Lektorinnen und Lektoren eben super servicebewusst für die Autoren und Autoren gearbeitet haben, was nicht immer geklappt hat. Also wir hatten da auch manche Autoren, die bei uns nicht glücklich waren und mit denen wir nicht glücklich waren. Aber die Grundherangehensweise bei uns war immer, wir haben zwar kein Geld, aber wir haben sehr viel Liebe. Und das, was du mir gerade gesagt hast, das darf eigentlich nicht passieren, weil wenn eine Zusage getroffen worden ist, dann ist die bindend. Und dann darf es eben nicht passieren, dass dann heißt, jetzt haben wir doch gar kein Cover gemacht und so weiter und so fort. Es tut mir leid, dass du diese Erfahrung machen musstest.
Vera
00:55:22
Ja gut, also ähnliche Geschichten hört man schon. Bei mir war es ja so tatsächlich so, dass mein Verlag dann ein Cover gemacht hat, was, naja, also ich bin jetzt auch keine grafische Super-Expertin, aber es war halt grafisch nicht so super toll. Weil ich habe es tatsächlich dann meine freie Cover-Designerin beauftragt, das doch mal ein bisschen ordentlicher zu machen. Ja, also die Erfahrungen, klar. Insofern ist es ja wirklich mal schön, dass du heute da bist und uns auch diese Perspektive mal zeigen und erzählen kannst. Und dann ist ja auch noch der Punkt, jetzt, ich meine, du kommst aus der Branche, du kennst wahrscheinlich sehr genau den Buchmarkt und was gerade Trend ist, was gelesen wird und dann schreibst du einen Liebesroman. Und war dir so klar, dass der so toll wird und so super ist, dass sich dann die Verlage drum reißen oder war das Zufall?
Timothy
00:56:21
Ich glaube, wer von vorne herein denkt, dass er weiß, was er schreiben muss, damit ein Verlag später Hurra ruft, das ist schön, wenn Leute das denken, aber meine Erfahrung ist, das funktioniert gerade nicht. Also man sollte sich vorher überlegen, warum man schreiben möchte. Also man kann zum Beispiel, das passiert mir in der Autorinnenberatung immer mal wieder, dass ich mit Menschen spreche, die einen großen Gegenwartsroman schreiben wollen und dann kommt irgendwann raus, eigentlich möchten sie nur ihre Familiengeschichte aufschreiben. Und wenn ich dann erkläre, aber ihr müsstet da und da und da natürlich auch dramaturgisch eingreifen. Dann war es jetzt auch schon ein paar Mal so, dass die gesagt haben, okay, aber dann wollen wir vielleicht doch nicht an den Verlag gehen, dann machen wir das wirklich für uns und für unsere Familie und so weiter und so fort. Und für mich war klar, in dem Moment, wo ich eine Idee hatte, das war für mich ehrlicherweise der springende Punkt, weil ich habe mich immer dagegen gewehrt, ein Buch zu schreiben. Ich habe einen Schwerpunkt gehabt bei deutschsprachigen Autorinnen und Autoren, und alle haben irgendwann im Laufe der Zusammenarbeit gesagt, warum schreibst du nicht selber? Weil ich schon sehr kreativ bin, sehr viele Vorschläge habe. Mir fällt es auch ehrlicherweise leichter, einer Autorin oder einem Autor, schnell eine kleine Szene zu schreiben, als auf 45 DIN A4 Seiten zu erklären, warum ich glaube, dass diese Szene gerade noch gebraucht wird. Also ich bin eher ein Zeiger als ein Erklärer. Und ich habe immer gesagt, ich habe keine Zeit und ich habe keine originäre Idee. Und in dem Moment, wo ich sowohl Zeit als auch originäre Idee hatte, war das eben diese Figur, Rosa, die es jetzt im Buch auch gibt. Das war genau die Idee, dass sie mit einem Mann zusammen ist, der relativ schnell stirbt. Und es war sofort die Idee, dass es da um Gutscheine geht und sie über diese Gutscheine in Kontakt mit Menschen kommt, die in seinem Leben wichtig waren. Es sind dann im fertigen Buch ein paar weniger Gutscheine geworden, als ich mir ursprünglich mal auf dem Sofa überlegt hatte. Aber da wusste ich schon, dass es eben diese Geschichte wird. Dann war mir vollkommen klar, dass ich ein sehr unterhaltenes Buch schreiben möchte. Es klingt immer so vermessen, wenn ich sage, ich hätte auch einen Literarischen Roman schreiben können. Viele LiteraturkritikerInnen da draußen werden jetzt empört den Podcast abschalten und sagen, was kann die Unterhaltungshansel doch nicht. Aber ich glaube, ich hätte das auch machen können. Aber ich wollte eben sehr bewusst eine unterhaltene Geschichte schreiben. Und was für mich sehr wichtig war, ich habe dieses Buch Anfang 2024 geschrieben, und jetzt drehen wir mal kurz ein bisschen zurück, 2024. Trump war das zweite Mal im Amt. Wir wussten, der Ukraine-Krieg läuft schon lange und wir wussten damals nicht, wie lange er noch läuft, aber wir wussten, so schnell wird er nicht aufhören. Und Anfang 2024 wussten wir auch relativ deutlich, dass die große Koalition möglicherweise nicht nach die nächsten 20 Jahre in Deutschland regieren wird. Und ich war in einer Situation, dass ich Angst hatte. Ich hatte wirklich Angst vor der Zukunft, ich hatte Angst vor dem, was passiert. Ich bin sehr viel auf Instagram unterwegs. Ich habe gesehen, wie auch da natürlich eine immer stärkere Polarisierung in alle Richtungen stattfindet. Ich bin in München in einer Stadt unterwegs, wo man sich nicht beschweren kann. Hier ist alles kuschelig, warm und weich, aber man wird trotzdem beim Aussteigen, aus der S-Bahn zusammengerempelt, weil Leute nicht mehr begreifen, dass man auch mal erst aussteigen lassen kann, bevor man einsteigt. Und das hat mir alles Angst gemacht. Und deswegen war für mich klar, ich möchte ein sehr unterhaltendes Buch schreiben und ich möchte ein Buch schreiben, das wie eine warme Decke die Leserinnen und Leser einhüllt. Und deswegen, ich habe es ja gerade schon mal erwähnt, dieses Kompliment von Florian Valerius, dass er so glücklich war, in diesen Freundescast reinzugehen. Das war genau, was ich schaffen wollte. Und habe ich mir Gedanken gemacht, ob ein Liebesroman Erfolg haben wird? Nee. Hätte ich mir Gedanken gemacht, was Erfolg hat, hätte ich einen Thriller geschrieben. Und war ganz ehrlich, das hat mir neulich eine Leserin auf einer Lesung gesagt, sie hat gesagt, wissen Sie, an Ihrem Buch stimmt alles, außer Sie. Und dann habe ich gesagt, ja, das ist doch jetzt mal eine gute Herangehensweise. Was stimmt denn mit mir nicht? So, und das war nach der Lesung beim Signieren. Also von daher, sie hatte mich auch schon in diesem Gespräch erlebt. Und dann hat sie gesagt, Ja, ich hätte ihr Buch, ich habe ihr Buch nur durch Zufall, weil die Buchhändlerin so auf mich eingeredet hat, gekauft und ich hätte es niemals gekauft, weil sie sind ja ein Mann. Dann habe ich gesagt, ja, da wird sich jetzt wahrscheinlich auch nichts mehr dran ändern. Und dann hat sie gesagt, ja, aber das Buch, was sie geschrieben haben, hätte ich einem Mann überhaupt nicht zugetraut. Und ich habe das als sehr großes Kompliment genommen, weil ich dann ja die weibliche Perspektive in meinem Buch gut umgesetzt habe, aber wenn ich jetzt, und das war ja deine Frage, Vera, vor 45 Minuten von meinem Moment, wenn ich kaufmännisch rangegangen wäre, dann hätte ich einen Thriller geschrieben, dann hätte ich einen Thriller geschrieben, hätte ein paar Bilder von mir machen lassen, wo Leute gesagt haben, ja, wenn man nicht so genau hinguckt, dann sieht er doch ein bisschen aus wie Sebastian Fitzek, so hätte ich nicht Dark.
Vera
01:01:34
Romance oder Fantasy geschrieben.
Timothy
01:01:36
Dark Romance glaube ich kann man nicht also er kann es schreiben, klar ich könnte einen Dark Romance Roman schreiben aber Dark Romance tickt ja ganz stark über die Identifikation nicht nur mit dem Text, sondern mit der Autorin, und man will die Autorin sehen, man will auch sehen dass das kein KI Bild ist, man will am besten mit der Autorin schon auf Instagram oder sonst wo interagiert haben und ich glaube, ein Mann in der Dark Romance geht nicht. Der Romantizy wird auch schon schwierig.
Tamara
01:02:08
Kriegt dann auch nochmal einen anderen Geschmack.
Timothy
01:02:11
Das ist genau das Ding, weil, und das finde ich auch ganz wichtig, was du sagst, Tamara, Manche Sachen sollte ein Mann auch nicht schreiben. Also ein Dark-Romans-Buch, ich persönlich bin kein Fan von Dark-Romans. Ich finde es vollkommen okay, wenn Autorinnen und Autoren das schreiben. Also müssen wir nicht gendern, wenn Autorinnen das schreiben. Ich finde es auch vollkommen okay, wenn Leserinnen das lesen wollen, weil jeder darf seine Fantasien in der Literatur ausleben, hoch, runter zu den Seiten und dann auch nochmal ins Tiefgeschoss. Aber wenn das von einem Mann geschrieben würde, dann fände ich es schwierig.
Vera
01:02:45
Das stimmt, das stimmt, ja.
Timothy
01:02:47
Umgekehrt finde ich es aber auch manchmal schwierig. Darf ich jetzt mal ganz provokant rein? Bin gespannt, was ihr da seid. Ich finde es manchmal aber auch schwierig, dass es heute ja sehr viele Bücher über schwule Protagonisten gibt, die von Frauen für Frauen geschrieben werden.
Tamara
01:03:04
Ich weiß, was du meinst.
Timothy
01:03:05
Und ich habe mal mit einer Autorin mich darüber unterhalten. Beziehungsweise die war Autorin und hat aber auch selber verlegt und ein sehr nettes Gespräch, sehr nette Frau und dann ging es, da war ich eben noch im Verlag und dann haben wir überlegt, ob wir was zusammen machen können. Ich habe auch gesagt, du, wir haben auch drei, vier queere Themen im Programm, vielleicht möchtest du dir die auch für dein Programm angucken. Und dann hat diese Frau zu mir gesagt, ja, das wäre sicher eine hübsche Idee, aber ich habe mir eure Sachen angeschaut und da findet ja auch schwuler Sex drin statt. Und das finden meine Leserinnen ekelerregend. Also wir wollen die schwule Romantik, aber wir wollen bitte keinen schwulen Sex haben. Das war lange vor Heated Rivalry, muss man dazu sagen, was ja eigentlich ausschließlich aus Penetrationsfantasie besteht.
Tamara
01:03:49
Kam mir zu Ohren.
Timothy
01:03:52
Das wiederum finde ich auch schwierig. Also ich finde es vollkommen okay, wenn es geschrieben wird und es gibt da ganz großartige Bücher. Aber manchmal habe ich auch sehr den Eindruck, dass dann die Frauen, also die weiblichen Autorinnen für ihre weibliche Leserschaft schwule Männer sehr fetischisieren. Und da sind wir jetzt dabei, was du gerade ja auch gesagt hast, Tamara, ein Mann sollte keine Dark Romance unbedingt für Frauen schreiben, weil das bekommt irgendwie so einen Geruch. Und auf der anderen Seite denke ich mir manchmal, also alles wunderbar und von der Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit und allem gedeckt, aber, müsstet ihr nicht ein bisschen drüber nachdenken, dass es noch was anderes als Gay-Twinks gibt, die alle Anfang 20 sind, perfekte Waschbrettbäuche haben, und immer ein vor allen Dingen sehr heteronormatives Beziehungsmuster führen. Weil See-Heated-Rivalry auch da, ne? Der Russe ist groß, stark, maskulin. Der andere ist kleiner, zarter, halb Asiate. Und Überraschung, wer ist der dominante Teil beim Sex und der nicht dominante Teil beim Sex? Und da denke ich manchmal, alles gut für die Zielgruppe, aber nicht alle Menschen müssen immer alles schrauben.
Tamara
01:05:09
Mir kam sogar über einen Blogger und Autor von Instagram zu Ohren, der auch jetzt ein Buch in diesem Eishockey-Umfeld geschrieben hat, eine Gay Romance, das ihm von einer Frau vorgeworfen wurde, wie er denn als, Klammer auf, schwuler, Klammer zu, Mann, so ein Buch schreiben kann. Sowas müssen doch Frauen schreiben. Da war ich dann schwer verwirrt.
Vera
01:05:37
Ja gut, das ist schon schräg.
Timothy
01:05:40
Sorry, ich finde das einfach so lustig.
Vera
01:05:44
Was finde ich so lustig?
Timothy
01:05:45
Ja, genau das, was Tamara gerade erzählt hat. Also auch da, die Leserin hat aus ihrer Perspektive natürlich vollkommen richtig gehandelt. Die möchte diese Geschichten von Frauen für Frauen erzählt haben. Die möchte da gewisse Stereotype drin widerschenken und so weiter. Nichts gegen Stereotype. Stereotype sind wunderbar. Aber es hat natürlich sowas, wo man sich denkt, Herr im Himmel.
Tamara
01:06:07
Das ist absurd.
Vera
01:06:08
Das ist schon schräg, ja.
Tamara
01:06:12
Jetzt muss ich aber mal kurz einen kompletten Themensprung machen, weil mir seit ungefähr 30 Minuten eine Rückfrage auf der Zunge liegt, die ich gern noch geklärt haben wollte. Du hast zweimal den Begriff, hoffentlich habe ich den jetzt überhaupt noch parat, Umfeldroman?
Timothy
01:06:28
Umfeldtitel.
Tamara
01:06:29
Titel genannt. Erklär mich da mal bitte kurz noch auf. Das würde mich interessieren, was das ist.
Timothy
01:06:34
Ach so, natürlich hat jeder Verlag sein Programm und in diesem Programm gibt es definierte Spitzentitel und es gibt Schwerpunkttitel, wenn es gut läuft und es gibt Umfeldtitel. Okay. Ich mache gerade nebenbei auch bei Mediacampus in Frankfurt so ein Seminar zum Thema Quereinstieg ins Lektorat, nennt sich Zertifikatskurs Lektorin. Und da arbeite ich viel eben mit den jungen Menschen auch über das Thema Programmplanung. Und Verlage haben relativ große Programme. Die großen Verlage, ich rede jetzt nicht von den kleinen Verlagen, wo es nur drei Bücher gibt. Und bei einem großen Verlag ist es sehr wichtig, dass der Verlag von Anfang an für alle Beteiligten klar macht, Also was sind unsere Schwerpunkt- und Spitzentitel? Fun Fact, sehr oft die, die das meiste Geld gekostet haben, nicht die, die es für 4.000 Euro noch schnell dazu gab. Also was sind die Spitzentitel, wo wir vom Verlag alle Energie draufwerfen? Und was sind die Umfeldtitel, die ins Programm reinkommen, weil es ein gewisses, sagen wir mal, Umfeld immer geben muss? Weil natürlich auch immer das Prinzip Hoffnung herrscht, weil, das ist immer mein Beispiel, Sebastian Fitzek war mit seinem ersten Buch die Therapie keinen Schwerpunkt oder Spitzentitel. Das war ein Umfeldtitel. Der war auf der linken Seite in der Vorschau. Das war damals immer noch das Grab der Umfeldtitel, weil die rechte Seite wurde noch bestellt, die linke Seite oft nicht. Und das war das Prinzip Hoffnung, weil sowohl die Verlagsleiterin Beate Kuckerts als auch die Lektorin Andrea Müller damals gesagt haben, das ist so großartig, wir müssen das ins Programm reinnehmen und wir nehmen das noch in dieses Programm rein und so weiter. Und dann ist dieses Buch durch den großen Einsatz von den Vertreterinnen und Vertretern im Nebenmarkt, gar nicht mal im Sortimentsbuch handelt, sondern im Nebenmarkt, ganz weit nach vorne gekommen und das hat dann das Sortiment mitgezogen und das hat zu der großen Geschichte, die Sebastian Fitzek geworden ist, geführt. Aber er war ursprünglich mal ein Umfeldtitel. Und viele dieser Umfeldtitel, für die also vom Verlag, und das habt ihr beiden ja gerade auch schon gesagt, besonders Vera, die ja ein bisschen kritischer in diesem Gespräch ist, für einen Umfeldtitel wird natürlich auch keinerlei Werbung, kein Marketing, kein gar nichts gemacht. Und ganz böse gesagt hat, Sage ich das jetzt? Sage ich das jetzt nicht? Ich sage es jetzt einfach.
Vera
01:08:50
Ja, bei uns kann ich es sagen.
Timothy
01:08:52
Verlage planen natürlich auch relativ deutlich, was sind die Weglasttitel. Weil der Buchhändler und der Buchhändler, die Buchhändlerin, bekommen jedes Jahr eine solche Masse an Büchern angeboten, von den großen Verlagen, von den kleinen Verlagen und so weiter, dass sie einfach sieben müssen. Und es gibt immer noch die eine Buchhandlung in Deutschland, die sagt, sie nehmen das komplette Programm von Diogenes oder das komplette Programm von Hansa. Lustig, niemand nimmt das komplette Programm von Drummer Knauer oder von Baster Lübbe. Aber es gibt eben die, die sagen, sie nehmen das komplette literarische Programm von irgendjemandem. Und ich schwöre, man geht in die Buchhandlung und man findet auch nur eine Auswahl. Das heißt, jeder Verlag muss sehr genau durch die gesamte Kommunikation auch in der Vorschau klar machen, was sind die Spitzen, an denen niemand vorbeikommt? Was sind bei den Umfeldtiteln die Lieblingstitel, die dann durch welche Aktion auch immer, durch die Vertreterinnen und Vertreter, durch nochmal jemanden im Vertrieb, durch jemanden in der Presse, durch jemanden im Marketing, doch noch ein bisschen gepusht werden. Aber was sind die Titel, wo man auch sehenden Auges sagt, die haben wir im Programm, die haben ihre Chance, da draußen sich zu bewähren. Aber wenn es sich dann nur 3000 Mal verkauft oder weniger, dann wissen wir auch, woran es lag. Und das ist leider, das ist die brutale Wahrheit, die es natürlich bei großen Verlagen gibt. Es gibt es bei kleineren Verlagen, wo jetzt gerade Tamara auch ihre nicht so guten Erfahrungen mit einem wahrscheinlich kleinen Verlag geschildert hat. Bei einem kleinen Verlag gibt es diese Überlegung oft nicht, weil da ist wirklich jedes einzelne Buch wichtig, um die Gehälter zahlen zu können. Da wird natürlich dann nach der alten Regel, man kann jeden Euro nur einmal ausgeben, wird jeder Euro fünfmal umgedreht und was du gesagt hast mit, ja, wir haben dir jetzt ein POD zugesagt, aber wir haben ja den Rücken und die Rückseite nicht gestalten lassen. Ist blöd, dass dir das passiert ist, aber das kommt natürlich auch aus diesem jedes Buch zählt. Mit jedem Buch musst du verdienen. Ich rate oft Autorinnen und Autoren, geh lieber zum kleinen Verlag, wenn du mit denen ein gutes Gefühl hast, weil die Chance, dass du der Umfeld- oder der Weglasstitel wirst, ist geringer als bei einer Buchmaschine wie den Verlagen, die bei Penguin Random House angedockt sind.
Vera
01:11:07
Wobei, die Wahrscheinlichkeit ist doch, dass in so einem kleinen Verlag die, generell nicht so viel für so ein Buch tun kann, wie vielleicht für einen Umfeldtitel bei Rohrwold.
Timothy
01:11:19
Für einen Umfeldtitel wird in der Regel bei einem großen Verlag nichts mehr getan.
Vera
01:11:24
Es gibt Vertreter, es gibt Verlagsvorschauen, die auch gelesen werden. Der kleine Pusselmücke Verlag aus Hintertupfingen, der hat keine Vertreter. Ja, wenn der Vorschauen verschickt, die fallen unter 50 anderen Vorschauen, die buchern du unten durch, während Rowold gelesen, also die Sichtbarkeit ist auch für den Umfeldtitel wahrscheinlich da höher als bei einem kleinen Verlag, wo du einfach einer von den drei Büchern bist.
Timothy
01:11:52
Da hast du recht, aber meine Erfahrung ist, und jetzt brechen wir mal direkt eine Lanze für die kleinen Verlage, ich kenne Menschen, die in kleinen Verlagen arbeiten, die einen sehr intensiven, Austausch mit dem Buchhandel haben und sehr genau wissen, wem sie auch noch welches Buch vorschlagen können. Also ein Beispiel ist der Querverlag in Berlin, Deutschlands ältester und einziger schwul-lesbischer Verlag. Also die waren schon ein schwul-lesbischer Verlag, bevor man gar nicht wusste, dass man es einen queeren Verlag nennen konnte, weil wir das noch nicht mal hatten. Als die vor, lass mich überlegen, sind sie gerade 20 oder 30 geworden. Eins von, und ich müsste es wissen, weil ich habe sogar einen Artikel dazu geschrieben. So, ich weiß, dass Jim Baker, der sowieso ein grandioser Verlagsmann ist, der hat zu den schwulesbischen Buchhandlungen in Deutschland einfach einen sehr, sehr engen Draht. Und wenn er merkt, da hat was nicht funktioniert, dann ist er natürlich ganz schnell auch dabei, mit denen noch zu sprechen. Da weisen schon noch Vertreter hin, klar. Aber der hat da einfach auch gute Connections und kann immer nochmal irgendwo anrufen und sagen, Mensch, kannst du dir das nicht doch vorstellen und Der Autor wird auch zu dir in die Stadt kommen und für wenig Geld eine Lesung machen und, und, und, und.
Vera
01:13:02
Aber das ist ja dann nicht ein Thema.
Timothy
01:13:04
Entschlagen und bei Nischen oft sogar noch ein bisschen besser funktioniert als bei den großen Flaggschiffen.
Vera
01:13:10
Okay, das kann ich verstehen, ja. Ich muss aber jetzt...
Timothy
01:13:14
Nochmal kritisch nachfragen, Vera?
Vera
01:13:16
Nee, nee, gar nicht so. Ich muss noch ein ganz wichtiges Thema ansprechen, bevor uns die Zeit so langsam ausgeht. Wir haben ja was gemeinsam, du und ich, oder du und wir, Du hast ja auch einen Podcast und diese Podcasts haben auch was gemeinsam. Sie haben beides Titel, die keinerlei Eindruck hinterlassen, was eigentlich der Inhalt ist und marketingtechnisch völliger Blödsinn sind. Entschuldigung. Bei uns die Zweifel der Talkstelle, ich fand den genial damals, aber kein Mensch weiß, was es ist und es wird auch immer die Zweifel der Tankstelle gesagt. Und deiner heißt Rababumm. Das sagt noch weniger als bei uns. Also bei uns weiß man wenigstens, dass wir zwei sind. Was soll dieser Titel?
Timothy
01:14:01
Ich glaube tatsächlich an den berühmten Funken, der immer von irgendwas auf irgendwas überspringen muss. Und ich glaube, dass es gut ist, wenn man diesen Funken hütet und weiterträgt. Und als ich in einem Auto sitzend auf dem Weg nach Italien in unseren Sommerurlaub saß und zu meinem Mann gesagt habe, ich glaube, ich fange nächstes Jahr mit einem Podcast an. Wusste ich sofort, dass der Rababum heißen wird. Und Rababum ist, das macht es jetzt nicht besser, aber es ist die Kurzfassung von Rabimmel, Rabammel, Rabum, also dem klassischen St. Martinslied. Eines der wenigen Lieder, das ich wirklich auswendig kann. Also Bruder Jakob kriege ich gerade auch noch hin. Aber ich gehe mit meiner Laterne, ist schon ein Lied, das mir sehr viel bedeutet. Also wirklich auch bedeutet, weil ich es wirklich sehr, sehr gerne mag. So, und dann war dieser Impuls da. Und dann war das immer mein Arbeitstitel. Und ich habe dann eine Zeit lang wirklich überlegt, ob ich meinen Buchblog, den ich parallel dazu gestartet habe, und den Podcast anders nenne. Ob ich ihn zum Beispiel der Buchflaneur nenne. Ich finde, der Buchflaneur ist wunderbar, ist schön, kann man auf T-Shirts drucken, ist marketingtechnisch viel, viel weiter vorne als Rababum.
Vera
01:15:18
Definitiv.
Timothy
01:15:19
Und dann habe ich aber gleichzeitig gedacht, aber mein Herz hängt an Rababum. Und dann hat mir glücklicherweise eine liebe Freundin, die mir möglicherweise damit einen Bärendienst erwiesen hat, die hat gesagt, der Buchflaneur ist total schön, aber das ist so prätenziös und auf die zwölf bist du sicher, passt das zu dir? Und dann habe ich mit fliegenden Fahnen gesagt, dann ist es Rababum. Das Positive ist, und da ist vielleicht noch der Unterschied zu die zwei von der Talk-Stelle, wo man wirklich ja noch einmal drüber muss, dass man sofort, wir sind ja letztendlich, funktionieren wir ja alle wie die großen Sprachmodelle, dass wir immer, über das höchstwahrscheinliche nächste Wort ticken, dass wir immer sofort bei der Tankstelle sind. Bei Rababum ist es so, dass es für viele Leute überhaupt nichts auslöst, Der Punkt, wo ich begriffen habe, ich habe mir trotzdem einen guten Titel ausgelöst, war, dass ich also gesagt habe, mein Buch Podcast Rababumm und so weiter und so fort und, sagte das zwei, dreimal in dem Gespräch und dann sagte irgendwann eine Frau relativ unwirscht zu mir, sie glauben doch nicht wirklich, dass sich irgendjemand mal Rababumm merken wird. Und ich sage, danke. Sie hatte es bewiesen. Und ich heiße ja mit Nachnamen Sonderhüsken. Den Namen Sonderhüsken, wenn man ihn einmal im Kopf hat, vergisst man ihn nie wieder. Es braucht ein bisschen, bis man ihn drin hat. Und so ist es auch mit Rababum.
Tamara
01:16:45
Sehr schön.
Vera
01:16:46
Sehr schön. Ja, und in Rababum gibt es ja deine Rubrik, das Glückskonfetti. Und bei uns gibt es dafür die total kritischen Buchbubble-Fragen von Tamara.
Tamara
01:16:56
Jawohl. Kommen wir zu den Büchern, die du gelesen hast, passend zu deinem Podcast. Und da ist die erste Frage, welches Buch hat dich im positivsten Sinne in letzter Zeit überrascht?
Timothy
01:17:09
Ich habe mir über die Frage heute Morgen, also da ich ja einen Podcast höre, kannte ich diese Frage. Ich bin also gut vorbereitet reingegangen und bin heute Morgen schnell am Regal vorbeigelaufen und habe einfach mal raussortiert, was ich dieses Jahr schon gelesen habe und wirklich besonders finde. Und habe jetzt neben mir, ihr seht es nicht, die Zuhörenden sehen es auch nicht, aber neben mir ist ein relativ hoher Stapel von Büchern, weil ich finde, dass zumindest für mich das erste Leserhalbjahr 2026 ein extrem gutes war. Ich habe aber trotzdem eins ausgewählt, was ganz neu auch ist und was ich aus verschiedenen Gründen toll finde. Und zwar ist es das Buch Die Damentoilette, herausgegeben von Friederike Schilbach bei Park X Ullstein. Was mag ich an diesem Buch? Ich mag an diesem Buch, dass es ja letztendlich ein Buch zum Skandal ist. Viele haben das mitbekommen. Dennis Scheck hat in seiner Sendung Druckfrisch bei der Durchsicht der Top Ten Bestsellerliste Sachbuch sich sehr despektierlich geäußert über das Buch von Ildigo von Kürthi älter werden. Und unter anderem fällt die Behauptung, dass dieses Buch ja nur Merch für die Autorinnenmarke wäre, was ich ehrlicherweise ganz schlau finde, weil Ildigo von Kürthi ist natürlich eine strahlende Lichtgestalt. Da kann es schon ein bisschen Merch zu geben. Und warum muss Merch mal ein T-Shirt sein, kann auch ein Buch sein. Und der zweite Punkt war, und über den haben sich sehr viele Menschen aufgeregt, dass Dennis Scheck über dieses Buch sagt, das ist das Geschnatter von der Damentoilette. Um dieses Buch abzuwerten. Und Friederike Schilbach, die Programmleiterin von Park X Ullstein, hat das mal als Steilvorlage und Herausforderung genommen und hat dazu 22 Autorinnen eingeladen. Und hat gebeten, dass sie einfach einen kurzen Text zum Thema Damentoilette schreiben. Und ich habe dieses Buch vor allen Dingen gekauft, weil ich die Idee gut fand und die Schnelligkeit, mit dem das Ganze passiert ist, gut fand. Und da wollte ich mit meinem Portemonnaie an der Ladenkasse quasi rufen, ich zeige euch, dass ich das gut finde und kaufe deswegen dieses Buch. Und ich habe es dann tatsächlich angefangen, ohne große Erwartungen zu lesen. Und bin so begeistert von dem, was man in diesem Buch findet. Es sind 22 kurze Texte, es sind fiktionale Texte und non-fiktionale Texte. Es gibt Texte, die sich wirklich mit konkreten Darmentoiletten auseinandersetzen. Also es gibt einen Text von Katja Eichinger, die über eine Darmentoilette auf einer Salsa-Party in Los Angeles berichtet. Und Ubin Eyo, die über die öffentlichen Toiletten in, oh Gott, war es jetzt Japan oder Korea? Ja, eins von beiden. Ich entschuldige mich, dass ich das Land nicht sagen kann, aber die darüber schreiben. Es geht ganz stark aber auch um den, in Anführungszeichen, metaphysischen Ort Darmentoilette als Rückzugsort, um sich vor männlicher Gewalt zurückzuziehen, um sich vor männlicher Zuschreibung zurückzuziehen. Dann, und das fand ich ganz großartig, weil ich aber ein Buch erwartet, in dem es nur darum geht, dass die Darmentoilette also im Lichterschein des feministischen Grundgedankens hochgehalten wird. Und es ist nicht so. Es gibt einen ganz großartigen Text da drin von, Lasst mich überlegen, wie sie heißt. Jetzt komme ich gerade natürlich nicht auf den Namen, aber die Autorin schreibt darüber, dass Solidarität etwas ist, was auch nicht jede Frau in der DNA hat. Und dass das Patriarchat letztendlich deswegen ein solches Erfolgsmodell ist, weil es sehr, sehr viele Frauen auf der Welt gibt, die sehr, sehr viele andere Frauen so kritisch im Auge behalten, kontrollieren und gleichzeitig dadurch auch unterdrücken. Also ein Wahnsinns-Text und das mit ganz viel Schwung geschrieben. Deswegen ich das Buch einmal schnell aufschlage. Dana Vorwinkel, genau, ich kam nicht drauf. Dana Vorwinkel schreibt den wunderbaren Text mit dem Titel Lästern, kotzen, pissen, wegschaum, draufhauen. Der ist ganz am Anfang, der Text. Und ab da war mir klar, okay, es ist nicht nur Fanservice. Es ist nicht nur, alle Frauen sind großartig und alle Männer sind furchtbar, sondern es ist wirklich ein ganz, ganz vielstimmiges Buch, in dem, sich solche Texte mischen, zum Beispiel auch mit einem von, oh Gott, jetzt muss ich überlegen, wie man sie ausspricht, Chiao, Wun Phan. Ja, so ungefähr, die auch einen fantastischen, schlauen Text geschrieben hat, der mich auf so vielen Ebenen begeistert und mitgenommen hat. Und dazu gibt es dann auch noch ganz klassische Kurzgeschichten wie von Nora Gantenbrink, Annabella Hirsch, Caroline Rosales, Lynn Hirse. Also die Damen-Toilette 22 Liebeserklärung. Ihr wolltet wahrscheinlich den Tipp nur in zwei Sätzen, jetzt habt ihr 24 bekommen. Und dieses Buch ist es wirklich wert, entdeckt zu werden, weil es ist mehr als das apostrophierte Buch zum Skandal.
Tamara
01:21:59
Sehr schön.
Vera
01:22:00
Man merkt, dass du im Podcast immer Bücher vorstellst.
Timothy
01:22:05
Da bereite ich mich noch ein bisschen besser beim Text vor.
Tamara
01:22:09
Dann gehen wir schnell zur zweiten Frage. Was hast du aus deinem größten Fehler gelernt?
Timothy
01:22:14
Ich sage jetzt was ganz Arrogantes. Ich weiß überhaupt nicht, ob ich mal einen richtig großen Fehler gemacht habe. Ich habe lange vor mir, also wahrscheinlich habe ich es, aber es ist mir nicht bewusst. Ich habe lange vor mir hergetragen, dass der größte Fehler, den ich jemals in einem Verlag gemacht habe, der war, dass ich versehentlich im letzten Moment nicht nochmal kontrolliert habe. Ob die Übersetzung eines Gedichtes die gemeinfreie Fassung war oder ob es aus einer neuen Übersetzung kam. Da habe ich geschlampt, weil Stress mehrere Fenster auf dem Bildschirm offen. Das Ganze hat den Verlag für genau zwei Zeilen Text 400 Euro gekostet, weil der Übersetzer es sonst an den Anwalt geben wollte. Und auch schon sehr viele Urteile, wo dann nämlich der WDR zum Beispiel versucht hat, sich zu wehren und dann wurde mehr Geld als 400 Euro fällig. Da habe ich lange gesagt, diese 400 Euro waren der größte materielle Fehler, den ich für einen Verlag gemacht habe. Was ich damit aber eigentlich sagen will, ist, was für AutorInnen und VerlagsmitarbeiterInnen gleichermaßen gilt, wir arbeiten alle nicht am offenen Herzen. Wir werden alle permanent Fehler machen und wir können uns alle mal ein bisschen locker machen und ein bisschen entspannen und das, was wir zwischendurch an sogenannten Fehlentscheidungen treffen, einfach mal nur als Lehrgeld nehmen und als Punkt nehmen, zu sagen, man wird besser. Und ich glaube, wenn man Entscheidungen nicht aus dem Bauch trifft, sondern sie durchdacht trifft, Dann macht man vielleicht Fehler, aber dann sind auch alle dabei. Also ich sage immer gerne, ich habe Harry Potter abgesagt, die Taschenbuchrechte. Also nicht die Hardcover-Rechte, sondern die Taschenbuchrechte. Und da gab es damals viele gute Gründe für und ich stehe da auch heute zu, obwohl ich Harry Potter wirklich mochte, als ich es gelesen habe und dieses Buch sehr oft verschenkt habe, damals in der Zeit, als man auch noch den Namen der Autorin nennen durfte. Trotzdem war es damals richtig. Und warum sollte ich jetzt rückwirkend sagen, dass das ein Fehler gewesen ist? Und wenn man ehrlich mit seinen Fehlern umgeht, dann macht man nie den schlimmsten Fehler, weil dann macht man immer nur Sachen, wo man denkt, beim nächsten Mal geht es besser.
Vera
01:24:20
Das stimmt.
Tamara
01:24:21
Sehr schön. Und zum Schluss, was sollte deiner Meinung nach über dem Schreibtisch aller AutorInnen stehen?
Timothy
01:24:27
Ja, so, nachdem vielleicht in diesem Podcast schon klar geworden ist, dass das mit dem Kurzfassen nicht so meine Kompetenz ist, habe ich zwei Dinge. Das eine habe ich auch aus einem Buch, das ich fast jetzt gerade vorgestellt hätte, weil es mich auch so begeistert hat. Und zwar ist es von Judith Schalansky, Marmor, Quecksilber, Nebel. Das sind drei tatsächlich relativ literarische und dann doch wieder in gewisser Weise auch barrierefreie Essays, die eben mit diesen drei Elementen anfangen, mit diesen drei Dingen anfangen, aber natürlich, wie es in Essays so ist. Im freien Tanz der Gedanken dann an ganz andere Orte gehen und uns an ganz andere Orte bringen. Judith Schalansky hat einen wunderbaren Satz, von dem ich denke, wenn ich mal ein Wand-Tuttoo haben wollen würde oder wenn ich die breite Brust hätte, auf die sowas draufpasst, würde ich es mir sofort stechen lassen. Und zwar ist das. Manche meinen, der Ursprung der Literatur sei das Bedürfnis, mit den Toten zu sprechen. Andere behaupten, es sei der Zwang, die Zukunft durch Sprache zu bändigen. Und wieder andere glauben, es sei der Wunsch, all das stattfinden zu lassen, was hätte sein können und nicht war. Und das, finde ich, ist sogar ein Satz. Es ist ein Satz, der, finde ich, so viel darüber sagt, warum Menschen lesen und warum Menschen schreiben, dass ich finde, das als Wandtattoo oder, wie gesagt, ich trainiere nochmal ein paar Wochen auf und dann kommt es auf die Brust. Das würde mir gut gefallen. Das war jetzt aber sehr viel Text und was ich mir wirklich auf einen kleinen Zettel geschrieben habe und es liegt hier unter meinem Bildschirm, das sind nur zwei Worte und das ist heiter weiter. Heiter weiter nicht im Sinn von you can do it oder just do it. Das finde ich schreit einen so an und fordert so viel von einem. Heiter weiter soll sowas heißen wie Folge deiner Freude. Mach alles, was du tust, mit Liebe. Finde auch Liebe darin, die Umsatzsteuer Voranmeldung zu machen. Ich wusste, Tamara, weil du letztes Mal gesagt hast, Steuer ist nicht so deine Kernkompetenz.
Tamara
01:26:31
Ja, ich habe es immer noch nicht gemacht.
Timothy
01:26:37
Aber Folge deiner Freude heiter weiter. Ich glaube, das ist das Wichtigste für alles im Leben. Und das ist auch das Wichtigste für den Roman, den ich geschrieben habe. Ich habe ja gesagt, ich wollte mich trösten mit diesem Buch und dann heiter weiter, weil dann fällt einem vieles im Leben hoffentlich auch leichter.
Vera
01:26:54
Absolut. Wir machen definitiv heiter weiter und dass du mit sehr viel Leidenschaft dein Ding machst, das ist hier wirklich sehr deutlich rübergekommen, lieber Tim. Und vielen Dank, dass wir das ein bisschen erleben durften. An euch da draußen, ihr habt seid hoffentlich jetzt genauso mitgerissen von Tims Elan. Habt jetzt auch mal gelernt, dass es auch Verlagsautorenverhältnisse geben kann, die ein bisschen paradiesig klingen. Und ich drücke euch die Daumen, falls ihr die haben wollt, dass ihr die dann auch bekommt. Und berichtet gerne mal. Und ansonsten wisst ihr ja, was ihr zu tun habt, uns zu folgen, wo immer es geht. Natürlich unser Buch Bubble Bulletin abonnieren. Und uns nächste Woche wieder hören. Also danke Tim und danke an euch da draußen. Bis nächste Woche. Bleibt uns gewogen.
Tamara
01:27:47
Danke Tim, das war sehr, sehr schön.
Timothy
01:27:49
Ja, danke euch beiden. Danke Vera, danke Tamara.