Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Selfpublishing-Bücher im Buchhandel: Tommy B. Brandl mit Insights und Tipps

Mit seiner Aktion 'Selfpublisher Speeddating' sorgte unser heutiger Gast auf Instagram für Aufsehen. Seine Mission: Buchhandlungen und Selfpublishing-Bücher zusammenbringen. Dazu sammelte er rund 500 Waschzettel für ausgewählte Buchhandlungen.

19.02.2026 68 min

Zusammenfassung & Show Notes

Mit seiner Aktion 'Selfpublisher Speeddating' sorgte unser heutiger Gast auf Instagram für Aufsehen. Seine Mission: Buchhandlungen und Selfpublishing-Bücher zusammenbringen. Dazu sammelte er rund 500 Waschzettel für ausgewählte Buchhandlungen.
Tommy B. Brandl ist Selfpublisher und arbeitet inzwischen auch in einer Buchhandlung. Grund genug, ihm genau auf den Zahn zu fühlen: Was hat die Speeddating-Aktion gebracht? Was hat die teilnehmenden Buchhandlungen interessiert? Und wie begeistert man Buchhändler:innen am besten für sein Werk?
Tommy gibt Einblicke in der Alltag in der Buchhandlung, spricht über gute Waschzettel und sinnvolle Kontaktmails und gibt allen unabhängigen Autor:innen sowohl Hoffnung als auch einen realistischen Blick auf die Chancen, das eigene Buch im Regal zu platzieren.

Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Mit seiner Aktion 'Selfpublisher Speeddating' sorgte unser heutiger Gast auf Instagram für Aufsehen. Seine Mission: Buchhandlungen und  Selfpublishing-Bücher zusammenbringen. Dazu sammelte er rund 500 Waschzettel für ausgewählte Buchhandlungen.

Tommy B. Brandl ist Selfpublisher und arbeitet inzwischen auch in einer Buchhandlung. Grund genug, ihm genau auf den zahl zu fühlen:
Was hat die Speeddating-Aktion gebracht?
Was hat die teilnehmenden Buchhandlungen interessiert?
Und wie begeistert man Buchhändler:innen am besten für sein Werk?

Tommy gibt Einblicke in der Alltag in der Buchhandlung, spricht über gute Waschzettel und sinnvolle Kontaktmails und gibt allen unabhängigen Autor:innen sowohl Hoffnung als auch einen realistischen Blick auf die Chancen, das eigene Buch im Regal zu platzieren.

Links

Buchwerbung:
https://www.amazon.de/Farbensammler-Historischer-Kriminalroman-Kerstin-Waas/dp/3695100966/
'Der Farbensammler' von Kerstin Waas

Unser Gast:
https://www.instagram.com/tommy_schreibt/
https://tommyschreibt.wordpress.com/

Hier arbeitet Tommy:
https://brockmann-buecher.buchhandlung.de/shop/

Artikel über die Speeddating-Aktion:
https://www.boersenblatt.net/news/selfpublisher-speeddating-soll-welten-zusammenbringen-386467

Tommys Buchtipp:
'Misstrauensgemeinschaften: Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien' von Aladin El-Mafaalani

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Transkript

Tamara
00:00:00
Self-Publishing-Bücher im stationären Handel, wie kommen die dahin, wie kann man sie am besten verkaufen? All das hat unser heutiger Gast herausgefunden und zwar in seiner Aktion Self-Publishing Speed Dating und davon erzählt er uns heute.
Vera
00:00:14
Die Rede ist von Tommy B. Brandl und er hat mir zum Beispiel auch klargemacht, was in einem ordentlichen Waschzettel gehört und wie ich ein E-Mail an Buchhandel schreiben sollte, wenn denn überhaupt. Hört also rein. Ja, ihr da draußen, hier ist die Folge 299 von die zwei von der Talkstelle und ja, wir sind der Podcast, wo es ums Bücherschreiben und Veröffentlichen geht, im Self-Publishing und Verlag und so ein Zeug. Ja, und da ist auch die Tamara Leonard mir gegenüber, die lacht sich jetzt schon kaputt, ich weiß ja nicht warum. Ich bin Vera Nentwig und ja, das Leben.
Tamara
00:01:15
Mensch, Vera, was ist los? Haltung, Motivation, Stimmung. Karneval ist ja schon Aschermittwoch.
Vera
00:01:26
Genau, Karneval ist doch bei mir und nicht bei euch da unten.
Tamara
00:01:29
Ja.
Vera
00:01:30
Ja, ich weiß auch nicht. Es gibt so Tage, da würde man besser im Bett bleiben.
Tamara
00:01:35
Was ist denn los?
Vera
00:01:37
Weiß nicht. Irgendwie lief heute so gar nichts. Der Schreibflow ist mir vollkommen abhanden gekommen. Ich habe mich für jedes Wort gequält.
Tamara
00:01:49
Kenn ich.
Vera
00:01:49
Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ist blamabel ausgeschieden.
Tamara
00:01:54
Okay.
Vera
00:01:55
Laura Dürre ist eingefädelt.
Tamara
00:01:59
Wer ist was?
Vera
00:02:01
Unseres Warnam Hoffnung und Wotan Wilke Möhring ist, Entschuldigung, strunzdumm.
Tamara
00:02:10
Okay.
Vera
00:02:15
So, um mal ein bisschen, nein, ich schaue immer abends gerne so um 18 Uhr, wer weiß denn sowas, da kann man sich schon mitraten und das haben sie ja, Elte ist ja nicht mehr dabei, jetzt ist es Bruternilke Böhring, jetzt ist er bestimmt ein netter Kerl und ein guter Schauspieler, aber als Rater ist, bringt er mich um den Verstand. Mann, ist der Kerl manchmal dämlich. Heute war da so eine Frage. Welches besondere Merkmal hatten einige Gemälde im 18. Jahrhundert?
Tamara
00:02:52
18.
Vera
00:02:53
Jahrhundert für die Analphabeten ist 1700 driebend. Eine Antwort war, die Gemälde machten den Eindruck einer zerbersteten Glasscheibe vorne vor. Die bildeten häufig Männer mit zwei Hüten ab. Und die dritte Variante war, es wurden häufig Zahndurst mit rot-weißer Zahnpasta abgebildet.
Tamara
00:03:20
Okay.
Vera
00:03:21
So, welche Lösung hättest du genommen?
Tamara
00:03:25
Die Zahnbürsten halte ich für unwahrscheinlich.
Vera
00:03:28
Ja, rate mal, welche roter, wilker Möring genommen hat.
Tamara
00:03:32
Die Zahnbürsten?
Vera
00:03:33
Ja, wobei Zahnbürste ja noch nicht mal das Problem war. Zahnpasta im 17. Jahrhundert. Rot-Weiß gestreifte Zahnpasta. Weißt du, dann, oh.
Tamara
00:03:50
Ja, du, wer weiß, ne?
Vera
00:03:54
Oh, nee, also wirklich. Ja, kann mich gar nicht genug drüber aufregen.
Tamara
00:04:00
Das hat dich so geärgert, dass es deinen Schreibflow getiltert hat.
Vera
00:04:03
Ja, das macht er immer, er macht immer so dumme Sachen. Ich meine, vieles weiß man ja nicht, aber man kann sich das schon einigermaßen logisch denken, ne? So, in dem Fall waren es übrigens die Glasscheiben. Und so, aber manchmal dann doch, das ist ja alles so kompliziert. Ach, ich nehme mal die Zahnpasta, weil das das komischste ist. Oh, da würde ich ihn erzeugen. Wofür ist er denn dann da? So.
Tamara
00:04:29
Ja, okay.
Vera
00:04:31
So, jetzt, wahrscheinlich haben jetzt alle Podcast-Hörer schon ausgeschaltet. Und ja, es gibt so Tage, da ist dann einfach Rotan, Wilken, Möhring noch so der Tropfen in den Fass, das dann zum Überlaufen kommt. Also jetzt musst du heftig arbeiten, um bei mir jetzt mal wieder irgendwas...
Tamara
00:04:54
Wenn es dich tröstet mit meinem Schreibflow, kämpfe ich auch immer noch schwer. Ich weiß nicht genau warum, aber ich ringe mir auch jedes Wort ab, wenn ich denn mal schreibe. Dafür bin ich aber gerade sehr im Musikflow. Wenn ich hier einmal ein Stück zur Seite trete, siehst du vielleicht auch mein ganzes neues Equipment.
Vera
00:05:14
Was war mehr neues Equipment?
Tamara
00:05:16
Ja, ich habe mir eine Box mit Mischpult besorgt. Ich habe mir ein Multi-Effekt-Gerät für die Gitarre besorgt. Und die diversen kleinen Kram, weil ich 16. Juni in Saarbrücken eine Musiklesung habe. und eigentlich meine Standardmusiker anfragen wollte, wer mich begleitet. Und dann habe ich gesagt, so weißt du was, ich nehme jetzt seit einem Jahr wieder Unterricht. Ich halte nochmal Rücksprache mit der Lehrerin, aber die war dann auch der Meinung, das kriegen wir hin in vier Monaten. Und jetzt begleite ich mich selber. Das wird also mein Debüt als Gitarristin. Und ich übe jeden Tag fleißig. Und das Ding ist halt, so in der Vergangenheit habe ich mich immer ein bisschen drauf verlassen, dass die Gitarristen halt irgendwie eine Box mitbringen oder ein Mischpult oder so. Und da habe ich gesagt, so jetzt musst du einmal dich komplett selbst ausstatten, dass du im Zweifel halt, wenn vor Ort nichts ist, alles mitbringen kannst. Und das habe ich jetzt mal gemacht und habe das halt mal alles zusammengestöpselt und ausprobiert und funktioniert. Und ich muss noch ein bisschen mich reinfuchsen in die gefühlt Dröll von 90.000 Effekte, die diese Dinge da haben. Aber ja, habe ja noch vier Monate Zeit. Aber auf jeden Fall macht mir das gerade sehr viel Spaß und ich hoffe, dass da doch dann dieses Jahr noch einige weitere Veranstaltungen folgen.
Vera
00:06:36
Ja, ich habe noch einen Power Mixer im Keller. Okay. Ja. Ja, toll, aber das ist ja immer der Grund, warum ich da nichts mit Musik mache, weil man den ganzen Kram dann braucht.
Tamara
00:06:49
Ja, aber wenn man es jetzt einmal hat, dann, das ist ja ganz praktisch. Jetzt bin ich auch tatsächlich sehr motiviert, mich weiter um Konzertlesungen zu bewerben sozusagen und habe auch einen neuen Flyer mit allem drum und dran gestaltet, den ich in der Gegend rumschicken will und bin mal gespannt, was da passiert. Also irgendwie habe ich da gerade sehr viel Bock drauf.
Vera
00:07:11
Ja, schön. Ja, da ist viel Spaß damit. Ja, ich kann da nichts zu beitragen. Ich habe darauf nichts Bock. Doch, Süßkram essen. Ganz viel Süßkram essen.
Tamara
00:07:27
Aber du hast bestimmt Bock, Bücher zu verkaufen.
Vera
00:07:30
Ja, immer.
Tamara
00:07:31
Dann finden wir doch jetzt gemeinsam raus, wie wir Self-Publishing-Bücher in der Buchhandlung verkaufen.
Vera
00:07:36
Das versuchen wir doch schon seit sechs Jahren.
Tamara
00:07:38
Ja, und Horrid erfahren wir, wie es geht.
Vera
00:07:42
Ah, okay. Na dann. Da bin ich mal sehr gespannt.
Tamara
00:07:45
Unser Gast heute ist nämlich die perfekte Schnittstelle zwischen Self-Publishing und Buchhandlung. Er ist selbst Self-Publisher. Er arbeitet in der Buchhandlung. Und aufmerksam geworden auf ihn bin ich letztes Jahr im Herbst, als er das Self-Publishing Speed-Dating über Instagram veranstaltet hat, wo er versucht hat, gute Self-Publishing-Bücher in die Buchhandlungen zu bringen. Und da wird er uns gleich ganz viel von erzählen. Ganz herzlich willkommen, Tommy B. Brandl. Hallo.
Tommy
00:08:13
Freut mich sehr, dass ich hier sein darf.
Vera
00:08:14
Ja, hallo Tommy. Ich kann ja jetzt manchmal ehrlich sein, Tommy. Ich bin ja eigentlich immer ehrlich. Als die Tamara mir davon erzählt hat, da macht jetzt einer Self-Publishing Speed Dating in Buchhandel, ich habe mir gesagt, was soll der Blödsinn? Ganz ehrlich. Also wir machen hier seit sechs Jahren Podcasts, wir hatten ja auch schon Buchhändler. Eigentlich weiß ich ja, warum die da, dass die immer sechs Monate vorher planen, dass die kein Regalbrett frei haben. So, was hat dich dazu gebracht, zu denken, du könntest damit irgendwas reißen?
Tommy
00:08:50
Das ist eine sehr gute Frage und die Antwort ist, ich hatte keine Ahnung.
Vera
00:08:55
Das hilft manchmal, das weiß ich.
Tamara
00:08:58
Der Tommy ist wie diese Hummel, die weiß, dass sie eigentlich technisch gesehen nicht fliegen kann und es einfach gemacht hat.
Vera
00:09:04
Ja, ja.
Tamara
00:09:05
Aber erzähl vielleicht mal für die Leute, die jetzt gar nicht wissen, um was es geht. Was hast du getan, wie hat das funktioniert und wie ist der Stand?
Tommy
00:09:14
Genau, ich fange mal ganz vorne an. Also vielleicht so der übergeordnete Kontext ist, dass ich selber ja noch ganz frisch in dieser Self-Publisher oder in der Buchbranche generell unterwegs bin. Ich habe 2024 im Sommer mein erstes eigenes Buch veröffentlicht und bin darüber so ein bisschen in diese Welt reingeschlittert. Und je länger ich mich damit auseinandergesetzt habe, je enger dann auch der Kontakt zur Buchhandlung Brockmann in Brühl geworden ist über eben mein Buch und über die Gespräche, die wir dann geführt haben, desto mehr hatte ich immer das Gefühl, so irgendwie... Irgendwie passt das für mich nicht zusammen, dass es auf der einen Seite die Self-Publisher gibt, die mit Herzblut und viel Engagement und Liebe für Bücher unterwegs sind. Auf der anderen Seite gibt es die unabhängigen Buchhandlungen, die mit viel Herzblut und Liebe und Engagement für Bücher unterwegs sind. Und irgendwie machen die nichts zusammen. Und irgendwie sind beide Seiten auf ihre Art im Moment am Verzweifeln. Und wie es den Buchhandlungen geht, kann man aus den Branchen-News wie lesen. Das ist keine Überraschung. Die Self-Publisher, wenn man sich von den Buchverkäufen eine Brezel kaufen kann, ist das schon ein wahnsinniger Erfolg. Also es lag für mich so auf der Straße, dass man doch eigentlich, wenn man die gleichen Interessen hat, man doch was zusammen machen müsste. Und dann habe ich eben angefangen, mit den Buchhandlungen oder mit der einen Buchhandlung, mit Brockmann drüber zu sprechen. So wäre das für euch spannend, euch mal mit den Self-Publishern mehr auseinanderzusetzen. Ich hatte dann, ich glaube, das war Weihnachten 2024, habe ich einen Beitrag gemacht auf Instagram. So, was wünscht ihr euch denn als Self-Publisher-Buch-Community? Was wünscht ihr euch vom Buchhandel? Und da war die Antwort, ja, lasst doch mal mehr Self-Publisher ins Regal bringen. Es ging für mich nicht zusammen, dass die Buchhandlungen einerseits sagen, sie brauchen mehr Diversität im Sortiment, abseits von großen Bestsellerlisten und die Self-Publisher sagen, sie brauchen irgendwie mehr Sichtbarkeit im Markt. Das wäre ein Traum, in der Buchhandlung zu sein. Und dass diese beiden Welten so nebeneinander existieren und nicht miteinander sprechen, hat für mich einfach aus meiner Ahnungslosigkeit und Naivität heraus keinen Sinn ergeben. Und deswegen habe ich das...
Tamara
00:11:28
Wie die kommen mit zwei Königskinder.
Tommy
00:11:30
Die nicht zusammenkommen. Ich habe es dann einfach mal vorgeschlagen, habe gesagt, hey, Konstantina bei Bockmann, wenn ich sowas machen würde und ihr hättet gar keine Arbeit damit und ich würde das alles alleine machen, fändet ihr das cool? Und dann war die Antwort ja, mach doch. Und dann habe ich halt gemacht, dann habe ich mich hingesetzt und überlegt, okay, wie kriege ich Self-Publisher-Bücher in eine Form, die für den Handel relevant sein kann? Das war mein erster Gedanke, die Waschzettel, das ist irgendwie die komprimierteste Form. Also muss ich die Autorinnen und Autoren dazu bringen, diese Waschzettel zu erstellen und irgendwo hochzuladen. Das muss dann einfach runterzuladen sein. Da war der einfachste Weg ein Google-Form. Rückblickend war es nicht der einfachste Weg. Ich hätte das ganz anders machen müssen, aber reden wir später drüber.
Tamara
00:12:14
Dazu später.
Tommy
00:12:15
Und dann war eben der Gedanke, Autorinnen und Autoren laden die Informationen zu ihren Büchern hoch und die Buchhandlungen können in ganz kurzer, komprimierter Form da durchklicken, durchswipen, markieren, was sie interessant finden und damit dann eben Kontakt zu den Autorinnen und Autoren aufnehmen.
Vera
00:12:33
Ich muss da jetzt mal reinspringen.
Tommy
00:12:35
Ja.
Vera
00:12:36
Zum einen, du hast ja das Ganze fing ja an, dass die Buchhandlung zu dir gesagt hat, die wünschen sich mehr Diversifizierung im Regal, abseits von Bestsellern. Also wir haben schon mit vielen Buchhändlern und Buchhändlerinnen gesprochen. Uns hat das noch nie einer gesagt. Ganz ehrlich, ich glaube es auch ehrlich gesagt nicht. Also die wollen doch eigentlich, dass die Bücher haben, die sich wirklich schnell verkaufen. Die wollen ja nicht ihre Regale füllen mit irgendwelchen Werken. So, was ist denn bei dieser speziellen, hast du diese Aussage auch von anderen Buchhemdern gehört oder nur von der einen?
Tommy
00:13:20
Naja, am Ende waren sieben Buchhandlungen mit dabei, die es mitgetragen haben. Also es ist jetzt nicht eine Buchhandlung, die da einen Sonderweg geht, sondern es ist schon so, dass die Idee auch bei mehreren angekommen ist. Aber der entscheidende Punkt ist ja der, weswegen es auch die ganze Aktion nur mit den unabhängigen Buchhandlungen gibt, dass die zumindest meines Verständnisses nach der große Unterschied zwischen einer großen Buchhandlungskette und den kleinen unabhängigen Läden ist das Sortiment und die, wie kuratiert dieses Sortiment ist. Große Bestsellerlisten-Titel, latsche ich in eine große Markthalle rein, schnappe mir die vom Tisch, brauche ich keine Beratung, brauche ich keine kleine, unabhängige Buchhandlung für. Noch einfacher, ich bestelle sie mir bei Jeff im Internet und muss nicht mal mehr eine Hose anziehen. Wo ist der Mehrwert, den die kleine Buchhandlung liefert? Dieser Mehrwert ist nur da, wenn du ein kuratiertes Sortiment hast, mit Büchern, die man sonst eben nirgendwo kriegt. Und dann ist die Brücke von, wir brauchen ein spezielles Sortiment mit Büchern, die ausgewählt und auch unbekannter sind, ist der Weg zum Self-Publishing gar nicht mehr so weit. Und diese Logik, diese Verkettung von Argumenten ist dann durchaus auch angekommen.
Tamara
00:14:38
Das war eben auch mein Gedanke. Also wenn jemand sagt, ich möchte ein anderes Sortiment haben oder ich möchte eben Sachen zeigen, die nicht jeder hat, dann wahrscheinlich jemand, der einfach nicht abhängig ist von der Kette, sondern selbst entscheiden kann und selbst sich ausrichten kann irgendwo. Ich meine, das heißt ja nicht zwingend, dass bei euch keine Bestseller liegen.
Tommy
00:14:58
Natürlich, die Mischung macht es am Ende und man wird wahrscheinlich auch wenig Buchhandlungen finden, die sich nur auf Indie oder nur auf unbekannte Titel spezialisieren, weil die Laufkundschaft eben kommt und die großen bekannten Bücher auch sucht. Aber am Ende, das ist ja jetzt auch meine Realität, die ich im Alltag erlebe, ob du ein Buch von einem kleinen Verlag oder von einem unbekannten Autor auch in einem großen Verlag in einem Beratungsgespräch verkaufst oder einen Self-Publisher, macht am Ende inhaltlich überhaupt gar keinen Unterschied. Und die Leserinnen und Leser nehmen das auch nicht als großen Unterschied wahr. Vorausgesetzt, die Bücher sehen entsprechend hochwertig aus.
Vera
00:15:36
Ja, das kann ich unterstreichen. Aber es ist noch so, wo ich mich immer noch so schwer tue, ist, Also erstmal finde ich ja super, dass da sieben Buchhandlungen mittlerweile mitmachen. Und das ist ja auch der Grund, warum du hier bist. Wenn es das nicht gewesen wäre, hätte ich gesagt, brauchen wir nicht. Jetzt ist es ja so, vielleicht hast du das ja gehört. Ich meine, du hast denen jetzt da Waschzettel gegeben. Wenn die Buchhändler oder Buchhändlerinnen, wenn die wollten, dann gäbe es genügend Möglichkeiten, Bücher zu finden. Du hast die ja nicht kuratiert. Du hast ja im Prinzip genommen, was die Leute da hochgeladen haben. Oder hast du da auch gesagt, so den einen oder anderen nehme ich nicht?
Tommy
00:16:19
Nein, ich habe erstmal, also es gab Einschlusskriterien für das Speeddating. Die waren an die Bedürfnisse des Handels angelehnt. Also die Sachen müssen über die Barsortimente beziehbar sein.
Vera
00:16:30
Und diese technischen.
Tommy
00:16:32
Genau, so die Sachen.
Vera
00:16:33
Die müssen... Aber inhaltliche nach Genre oder irgendwelche Sachen gab es nicht?
Tommy
00:16:36
Nein, ich habe die Arbeit, die ich dann gemacht habe im Nachgang, das waren über 500 Bücher, die eingereicht wurden. Auch viel, viel, viel, viel mehr, als ich am Anfang erwartet hätte. Ich hatte immer so die Idee, vielleicht kriege ich 100 oder so, mal gucken. Als ich das angefangen habe, wie gesagt, ich hatte keine Ahnung, keine Sau kannte mich und warum soll da jemand mitmachen? Und am Ende waren es über 500. Ich habe die nach Genres eingeteilt, ich habe sie nach Regionen eingeteilt, wo die Autorinnen und Autoren herkommen. Ich habe sie nach Regionen für Schauplätze eingeteilt, sodass sie Buchhandlungen halt so ein bisschen flexibler gucken können. Hat es einen Lokalbezug? Sind die Leute für uns für Lesungen spannend? In welche Richtung auch immer. Und das ist das Einzige, was ich gemacht habe. Das ist, und so ehrlich muss man auch sein, ist aber vielleicht auch die größte Schwäche, die das Format so im Moment noch hat. Weil es einfach, diese Liste ist ein Monster. Ich weiß, dass sie ein Monster ist. Und es ist wahnsinnig schwer, damit zu arbeiten. Das wäre jetzt, wenn wir überlegen, ob ich das nochmal so machen kann, definitiv ein Punkt, wo man sagen muss, okay, die Aufbereitung muss noch anders funktionieren. Aber nach dem, was ich jetzt auch, also ich habe ja im Vorfeld dieses Gesprächs heute hier auch die Buchhandlung nochmal angeschrieben und gefragt, so wie ist euer Feedback, was würdet ihr das nochmal machen? Und das Feedback ist sehr positiv. Ich habe nur gehört, ja, wir würden es gerne nochmal machen. Es ist ein bisschen viel und wir müssen irgendwie gucken, wie wir damit umgehen und uns fehlt die Zeit, uns das alles anzugucken. Aber ich habe aus allen Buchhandlungen gehört, dass sie interessante Bücher gefunden haben, dass sie vielleicht auch nur eine Handvoll schon mal Sachen reinbestellt haben, Und es war mir von Anfang an klar, dass ich mit dieser Aktion jetzt nicht vom einen auf den nächsten Tag alle Wünsche und irgendwie Probleme lösen kann, die es gibt da draußen. Aber ich glaube, ich habe so eine erste Kerbe in dieses super dicke Brett gebohrt, dass Self-Publishing stationären Handeln nicht funktioniert. Und ich würde sagen, doch geht. Wie du selber sagst, es gibt genug Wege, diese Bücher zu finden, man muss es nur wollen.
Vera
00:18:40
Ja, ja, das ist aber jetzt der Punkt, wo ich nochmal so ein bisschen tiefer eintauchen möchte. Du hast gesagt, du hast 500 Waschzettel. Das heißt, du hast dann letztlich diesen Duchhändlern, die da gesagt haben, ja, ich gucke da mal rein. Hast du gesagt, so hier, da ist der Orter, da sind 500 Waschzettel, guck, wie du klarkommst. Kann ich mir das so vorstellen? Oder wie ist das dann weitergegangen?
Tommy
00:19:02
Ja, mehr oder weniger. Ich habe auf Anfrage die Sachen dann auch schon mal ein bisschen vorsortiert. Wie gesagt, nach Genres, nach Regionen. Das ist ein bisschen leichter für die zu handeln. ist, aber ja, am Ende ist das die Absprache gewesen, ich stelle das zur Verfügung und die Buchhandlungen können und dürfen damit machen, was sie möchten. Ob sie jetzt, so wie Brockmann, ein Schaufenster machen oder ob sie sagen, okay, wir nehmen zwei, drei erstmal rein und gucken, wie es läuft. Die Idee dahinter war ja einfach, diese Verbindung herzustellen, die Vorurteile, die es im Markt gibt gegenüber Self-Publishing, dass das alles qualitativ irgendwie Blödsinn ist und dass das wirklich irgendwie keiner lesen will, so da mal zu zeigen, nein, das stimmt gar nicht. Ihr habt so viel Entwicklung nicht gesehen in den letzten fünf Jahren, Traut doch diesen auch unabhängigen Leuten ein bisschen mehr Qualität zu und guckt es euch einfach mal an. Und da würde ich sagen, das ist durchaus passiert.
Vera
00:20:00
So, jetzt haben die da durchgeguckt. Entschuldige Tamara, ich muss da noch ein bisschen nachhaken. So, die haben jetzt dann durchgeguckt. Ich habe ja die Instagram-Posts gesehen, das Buch von Tamara liegt ja dann da in dem Schaufenster. Ist das Zufall, dass die aus den 500 Tamaras Buch rausgepickt haben? Hast du, ich habe jetzt nicht gesehen, welche anderen Bücher da noch da so waren, du hast gesagt, so, ich weiß nicht wie viele da jetzt in dem Schaufenster, aber du hast gesagt, andere haben zwei bis drei gewählt, was ist denn so dein Eindruck, welche Bücher haben die gewählt, wie viel Mühe haben die sich gemacht, haben die vorher, die haben ja nur den Waschzettel, haben die vorher sich Bücher bestellt, um da mal reinzulesen oder wie ist das im Detail abgelaufen?
Tommy
00:20:45
Also das waren ja jetzt ein paar Fragen.
Vera
00:20:47
Ja, genau, Entschuldige, ich bin gerade so im Flow.
Tommy
00:20:54
Die erste Frage, die auch wichtiger zu klären ist, ist das Zufall, dass Tamaras Buch da im Schaufenster liegt? Nee, ist es nicht. Das ist ein herausragend gutes Buch, deswegen liegt es da. Aber was natürlich auch passiert ist in der Zeit, ich meine, die Aktion habe ich gestartet im September. Und dann habe ich im November angefangen, in der Buchhandlung zu arbeiten. Das ist unabhängig eigentlich von dieser Aktion. Also die Aktion hat mit Sicherheit auch eine Rolle gespielt, wieso ich überhaupt in Betracht gezogen worden bin, auf einmal in der Buchhandlung zu arbeiten, obwohl ich vorher zehn Jahre lang Marketing gemacht habe. Aber natürlich bringe ich jetzt, und ich habe ja auch in den letzten Wochen 50 Bücher aus diesem Speed-Dating vorgestellt auf meinem Kanal, die aufmerksamen Zuschauer meiner Videos werden die Bücher wiedererkannt haben. Natürlich bringe ich da jetzt eine andere Range auch an Wissen und gelesenen Büchern mit und einfach ja auch Know-how, wie ich diese Bücher verkaufen muss mit. Das ist halt so. Klar, das ist die erste Frage. Der zweite Punkt ist aber, wie haben die anderen Buchhandlungen damit gearbeitet? Ich bin natürlich nicht genau eingebunden, was die den ganzen Tag machen, aber nach dem, was ich gehört und wie ich es verstanden habe, ist es schon so, dass sie sich die Waschzettel sehr aufmerksam anschauen und dass sie dann bei den Wortwerken Raststadt zum Beispiel, eine der Buchhandlungen, die mitgemacht hat, weiß ich, dass sie, ich meine, fünf oder sieben Exemplare dann auch relativ breit gestreut aus unterschiedlichen Genres reinbestellt hat. Ein paar davon überschneiden sich mit denen, die ich besonders spannend fand, ein paar aber auch nicht. Und es gibt, glaube ich, zwei, drei Bücher, die an mehreren Stellen reingestellt wurden. Aber der Prozess ist genau der, die gucken sich das an und entscheiden dann für sich, für ihre Läden, für ihre Zielgruppen, die Kundinnen und Kunden, was davon ist relevant und was ist es nicht. Woran die das am Ende des Tages festmachen, muss man jetzt die Buchhandlungen selber fragen.
Vera
00:22:51
Hast du denn da eine gewisse Häufung, was das Genre angeht oder sowas?
Tommy
00:22:55
Ich glaube, Romane, also so klassisch Belletristik, von dem, was ich mich jetzt erinnern kann, ist fast das häufigste. Überrascht mich auch nicht unbedingt. Ich weiß noch, die Genreverteilung bei den eingereichten Büchern war das Fantasy mit fast 40 Prozent das definitiv größte Genre war. Der Rest hat sich relativ stark rausgemittelt. Also normale Romane waren noch relativ stark, Krimis und Thriller waren relativ stark, aber das ist dann ähnlich zum allgemeinen Buchmarkt. Ich glaube, Romance läuft oder ist nicht so viel reinbestellt worden, wenn ich mich da richtig erinnere. Auch das passt ja aber zu den Marktzahlen, wo ich jetzt gerade letzte Woche gelesen habe, dass die Young Adult und Romance Absätze da ja auch eher rückläufig sind im Moment. Also lange Rede, kurzer Sinn, ich glaube, sie haben nach klassischem Buchhandelssortiment reinbestellt, relativ stark auf Billettristik, standen noch Spannung und so ein bisschen Fantasy und der Rest verteilt sich so außenrum.
Tamara
00:23:56
Ich habe zwei Gedanken. Also einmal, weil jetzt vorhin öfter mal die Aussage gefallen ist, die wissen gar nicht, wie sie an Self-Publisher rankommen. Ich glaube, das Ding ist, natürlich gibt es auch den Katalog vom Self-Publisher-Verband oder Tolino ist ja sehr im Kontakt mit dem Buchhandel. Also da gibt es ja schon verschiedene Anlaufstellen, aber ich denke, der Punkt ist einfach, dass es ja auch sehr viele Buchhandlungen gibt und dass man einfach wahrscheinlich verschiedene Anlaufstellen bieten muss, damit jeder irgendwo mal in Kontakt kommt oder diesen Punkt mal findet. Und da würde ich ganz gern mal noch einen Schritt zurückgehen, weil du hast angefangen eben mit dieser Buchhandlung bei dir um die Ecke, wo du den persönlichen Kontakt hattest, aber später waren es dann sieben. Wie bist du an diese Buchhandlungen gekommen?
Tommy
00:24:45
Ja, also ist ein guter Punkt, weil ich mich tatsächlich, also für mich war ja von Anfang an klar, der Hauptkanal, über den ich das machen werde, ist Social Media. Ich habe nichts anderes. Ich brauche jetzt auch keine anderen großartigen Sachen dafür aufzubauen. Deswegen habe ich ganz frech über Social-Media-Buchhandlungen angefragt. Ich habe weit mehr als sieben angefragt. Mein Ziel für die Aktion war immer, ich hätte gerne vier. Und dann war das Feedback halt auch durchwachsen. Also es gab welche, die gesagt haben, finde ich spannend, möchte ich gerne mitmachen. Es gab welche, die haben gesagt, so was soll das? Brauche ich gar nicht, ist außerhalb des Help-Publisher-Bubble überhaupt gar kein Thema. So war ich mir relativ sicher, dass das nicht so ist, aber okay. Am Ende habe ich über, auch da wieder, naives, freundliches Fragen, Kontakte hergestellt, die dann Interesse hatten. Und dann, als es erstmal lief und die ersten Beiträge ja auch wirklich relativ viel Aufmerksamkeit bekommen haben, dann war es doch auf einmal halt auch ein Thema, wo Interesse da war.
Tamara
00:25:49
Da kam dann auch während der Aktion noch welche dazu, ne?
Tommy
00:25:52
Genau, drei kamen dann innerhalb der ersten zwei Wochen noch auf mich zu und meinten, wir würden gerne noch mitmachen, geht das noch?
Vera
00:26:00
Also ein anderer Weg, um dein Buch sichtbar zu machen, ist ein Buch bei uns. Wir haben nämlich heute einen, Ja, ihr Lieben, wir haben nämlich wieder einen Buchtipp für euch. Ihr wisst, dass wir gerne auch dein Buch bei uns vorstellen. Schicke einfach ein E-Mail an alle.2vonertalkstelle.de und wir schicken dir alle Infos. Und ja, diese Woche hat das wieder jemand gemacht und ich bin sehr gespannt. Liebe Tamara, was hast du denn da heute für uns?
Tamara
00:26:34
Ja, ich habe mal wieder ein Buch, das ist ein Cover, den ich dir zuerst beschreiben werde, so wie immer. Und zwar haben wir hier ein Cover in gedeckten Farben. Wir sehen ein Fenster, hinter dem sich ein Nachthimmel eröffnet. Und vor dem Fenster ist eine steinerne Fensterbank. So von der ganzen Aufmachung her sieht man schon, das ist auch kein heutiges Bauwerk, sondern das ist ein historisches Gebäude, aus dem wir da hinausschauen in die Nacht. Und auf dieser Fensterbank ist ein Tintenfesslein umgefallen. Es läuft so petrolfarbene Tinte hinaus und daneben lehnt auch eine petrolfarbene Feder.
Vera
00:27:24
Also ist das so Fantasy? Also vom Cover her habe ich auch so eine Fantasy-Vorstellung.
Tamara
00:27:29
Ne, wir sind, wie gesagt, im historischen Bereich und es ist ein historischer Kriminalroman.
Vera
00:27:34
Oh, spannend.
Tamara
00:27:35
Und wie wir eben auch schon erahnen können an diesem Farbfass, es geht um Farben und das Buch heißt Der Farbensammler und geschrieben hat ihn Kerstin Waas. Genau, das Buch spielt übrigens in Castell, das ist ein Weinort in Unterfranken. Es gibt übrigens auch noch einen zweiten Band, der spielt dann in Würzburg und heißt Das Blutwunder. Aber wir bleiben jetzt natürlich beim Farbensammler und ich lese dir mal den Klappentext vor.
Vera
00:28:06
Ja, da bin ich jetzt sehr gespannt.
Tamara
00:28:08
Castell in Jahre 1453, Das Unglück klebt wie nachtschwarzes Pech an den Herrschern der fränkischen Grafschaft. Leonhard, Sohn des Grafen Wilhelm II. zu Castell, stürzt vom Pferd und verletzt sich dabei tödlich. Wenige Wochen später scheidet seine Mutter an einer rätselhaften Krankheit dahin. Schließlich verschwindet auch noch ein Ritter des Grafen spurlos. Während die einen flüstern, das Böse habe Einzug gehalten in Castell, sprechen die anderen von bloßen Unglücksfällen. Niemand will der Wahrheit ins Auge sehen, bis der älteste Grafensohn zur Beisetzung zurück nach Hause kommt. An seiner Seite befindet sich der junge Benediktinermönch und Buchmaler Auberlin. Schon bald beginnen die beiden, die merkwürdigen Todesfälle zu untersuchen. Wird es ihnen mit Hilfe von Auberlins besonderer Gabe, die er selbst das Farbbewahren nennt, gelingen, Licht ins Dunkel zu bringen?
Vera
00:29:11
Aber es hat doch schon so ein bisschen so eine fantastische Nuance, oder?
Tamara
00:29:16
Ja, ein bisschen fantastisch ist es definitiv, würde ich sagen, mit besonderen Gaben.
Vera
00:29:22
Finde ich ja interessant, also ich meine, ich schreibe ja auch Krimis. Und mir vorzustellen, ich müsste jetzt so einen Krimi schreiben, der im 14. oder 15. Jahrhundert spielt, mit all diesen besonderen Gegebenheiten, das ist schon eine ziemliche Herausforderung. Hat die Autorin sich aber einiges zugetraut.
Tamara
00:29:38
Ich habe mal als Hörbuch einen historischen Krimi gehört. Der spielte in Köln, ich glaube auch so um den Dreh von der Zeit her. Und ich erinnere mich noch, eine der Sprecherinnen war Anke Engelke. Und es war sehr spannend. Es hat mir sehr, sehr gut gefallen, die ganze Atmosphäre, diese Verbindung Krimi und historisch. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen. Und ich habe natürlich auch ein bisschen reingelesen in das Buch und muss sagen, ich fand die Sprache auch sehr, sehr schön. Also, das könnte durchaus was für mich sein und vielleicht ja auch was für dich da draußen.
Vera
00:30:11
Ja, bestimmt. Also schaut es euch an, sagt uns nochmal Titel und Autoren.
Tamara
00:30:16
Jawohl. Der Farbensammler, ein historischer Kriminalroman von Kerstin Baas.
Vera
00:30:23
Da sind wir wieder. Und ja, ich wusste jetzt direkt, also das ist ein Thema, was mich wirklich sehr packt. Und ja, womöglich schmeißt du gerade alles um, was ich dachte, über den Buchhandel zu wissen. Oder vielleicht habe ich dann einfach hier nur die spezielleren Kontakte, die da nicht so sind. Und jetzt haben die dann 500 Waschzettel durchgeguckt. Wie hast du noch so? Ich meine, rein theoretisch können die sich auch am Nachmittag an VLB-Ticks setzen und da durchgucken. Da sind auch viele selbstpublishing-Titel. Heißt das, wir müssen doch wieder intensiver die Buchhandel auch wirklich darauf aufmerksam machen, die auch so ein bisschen aus dem eigenen Trott bringen?
Tommy
00:31:08
Ja, also ich glaube, ich möchte mal, oder andersrum, andersrum, ich möchte mal ein bisschen Werbung auch machen oder ein bisschen Verständnis schaffen dafür, wie der Alltag im Buchhandel so aussieht und für was man Zeit hat, für was man keine Zeit hat. Im Grunde ist es relativ einfach. Man hat für nichts Zeit und muss ganz, ganz viele Sachen gleichzeitig machen. Das fängt morgens um 7.30 Uhr an und je nachdem, wie groß die Teams sind, hört es um 19 Uhr auf und dann muss noch Ladenschluss gemacht werden und dazwischen passieren 5 Millionen Sachen gleichzeitig. Man ist froh, wenn man mal eine E-Mail zu Ende schreiben kann, ohne dass das Telefon klingelt oder man eben an der Kasse helfen muss oder was auch immer. Also diese Realität des Buchhandels ist einfach so, dass die Menschen so ausgelastet sind, den ganzen Tag, dass total wenig Zeit dafür da ist, zwischendurch mal eben was anzugucken. Das heißt, das, was das Speed-Dating ja gemacht hat, ist dadurch, dass es über einen begrenzten Zeitraum lief. Es waren vier Wochen und dann wussten die Buchhandlungen, okay, die kriegen das jetzt. Und dann ist auch eine Erwartungshaltung da, dass sich das angeguckt wird. Das heißt, da war eine ganz andere Aufmerksamkeitsspanne auf diesem, wir haben jetzt diese Liste und wir müssen jetzt da auch mal reingucken, als wenn die so kleckerweise das ganze Jahr an Fragen kriegen. Also ich glaube, diese Konzentration auf diesen Zeitraum hat da schon mal viel gemacht. Und dann eben auch der Hinweis, okay, es ist für euch so einfach, wie ich es irgendwie machen kann. Und wenn ich es noch einfacher machen kann, dann sagt mir bitte, wie, dann mache ich das. Und wenn ich euch die Sachen ausdrucken und vor die Haustür legen soll, ich mache das. Ich möchte, dass ihr euch das angucken könnt, weil ich glaube, dass es ein Mehrwert für beide Seiten ist. Also ich glaube, diese Logik zu verstehen, diese Menschen, die brennen ja für gute Bücher, die möchten ja nichts mehr als gute Bücher empfehlen und verkaufen können und denen das an die Hand zu geben und zu sagen, ich nehme euch so viel ab, wie ich kann und es ist total okay, wenn ihr am Ende nur eins nehmt. Ihr könnt auch sagen, nee, überzeugt mich gar nicht. Wäre auch relevantes Feedback gewesen. Aber zu verstehen, in welcher Situation die Leute sind, wie man die dann auch da entlasten kann und trotzdem das Gefühl schaffen kann, das ist eine sinnvolle Zusammenarbeit. Das war der wichtigste Punkt. Vielleicht auch da nochmal, das Speed-Dating war für mich nie eine Plattform vorrangig für die Autorinnen und Autoren, sondern mir geht es bei der Aktion auch immer noch darum, diese kleinen Buchläden zu unterstützen, weil die sind echt unter Druck im Moment, also so richtig, richtig, richtig doll. Und wenn wir als Autorinnen und Autoren irgendwas tun können, dann ist das denen, das zu geben, woran wir glauben und zu sagen, hey, vielleicht hilft euch das. Wenn nicht, fein, aber hier ist mein Angebot.
Vera
00:33:48
Ja, jetzt hast du, also die Argumentation kann ich sehr gut nachvollziehen und die deckt sich halt auch mit meinen Erfahrungen, dass die wirklich sehr, sehr viel zu tun haben und also der Ansatz zu sagen, ich bereite euch das vor, ich mache euch das einfach, also dass der ankommt, das kann ich, das ist ja auch immer die Forderung, wenn wir mit Duchhandeln sprechen, dann hört man immer ja, Selfpublishing ist so viel und da haben wir keinen Überblick, es müsste wen geben, der das kuratiert, der das für mich vorbereitet, so. Jetzt hast du ja aber gar nicht kuratiert. Du hast denen einfach 500 Bücher oder 500 Waschzettel in Ordner getan. So, ne? So richtig einfach klingt das jetzt erstmal nicht für mich.
Tommy
00:34:28
Nee, also genau. Habe ich es kuratiert, habe ich es nicht kuratiert? Nein, ich habe es nicht kuratiert und das ist, Ja, rückblickend hätte man das anders machen müssen, wenn man vorher erwartet hätte, dass es 500 Bücher werden. Und das habe ich halt nicht. Wie gesagt, ich habe immer gedacht, wenn ich es schaffe, 100 Leute zu finden, die Lust haben, da mitzumachen, dann ist es nicht mehr peinlich, dass ich diese Buchhandlungen gefragt habe. Das war so ein bisschen die Befürchtung. Es hätte ja auch komplett krepieren können. und dann hätte ich mich da hingestellt und gesagt, ich habe da eine Idee und keiner will es haben. Das war ja aber nicht der Fall. Und dass es dann so viel größer geworden ist, als ich damit gerechnet hätte, ja, wenn ich das geplant hätte, hätte ich es von Anfang an anders aufgezogen. Ich wollte aber auch nicht derjenige sein, der das kuratiert, weil auf welcher Grundlage bin ich denn jemand, der sich hinstellt und sagt, ich will jetzt aus, was ein gutes Buch ist und was nicht so. Also ich lese ganz viel.
Vera
00:35:25
Das ist das große Problem, wenn ich da mal so reingrätschen kann. Ich meine, Tamara weiß das ja genau wie ich. Das ist ein Thema seit Gründung des Self-Publisher-Verbandes, dass wenn man mit Buchhandlung spricht, die immer sagt, ja, wir brauchen da irgendwas. Aber niemand im Verband kann das entscheiden. Wer will das tun? Dafür gibt es ja auch den Self-Publishing-Buchpreis, um da zum Beispiel einen Ausweis zu haben.
Tommy
00:35:48
Man muss ja auch fairerweise dazu sagen, dass auch bei den Verlagen nicht alles die gleiche Qualität hat. Das ist ja kein reines Self-Publisher-Problem.
Vera
00:36:01
Nein, wobei man muss jetzt mal ganz klar sagen, nach einer Studie unserer letzten Kulturstaatsministerin sind 80% der Titel im stationären Buchhandel von gerade mal 40 Verlagen. Das heißt, die meisten verlassen sich einfach auf den großen Namen. Und ich meine, die unabhängigen Verlage haben es ja genauso schwer. Die sind ja auch nicht unbedingt sichtbar.
Tamara
00:36:27
Aber ich meine, das Interessante ist ja, oder anders, also dass sich sehr viele Leute gemeldet haben, das überrascht mich jetzt gar nicht.
Vera
00:36:37
Ich auch nicht.
Tamara
00:36:37
Das ist klar, wenn du AutorInnen fragst, möchtet ihr irgendwo Sichtbarkeit haben.
Vera
00:36:42
Dann schreit die natürlich ja. Wenn du schreibst, ich bringe euer Buch an Buchhandel. Also von daher kannst du froh sein, dass du bei 500 aufgehört hast.
Tamara
00:36:49
Das liegt nur an den Einflusskriterien.
Tommy
00:36:51
Das liegt nur daran, dass die Amazon-Veröffentlichungen alle rausmachen.
Tamara
00:36:56
Und ich meine, das ist ja auch schon ein Stück weit auch einfach durch diese Teilen-Funktion, die es jetzt auf Instagram gibt, sehr explodiert. Aber ich persönlich finde es halt auch sehr spannend, nicht unbedingt nur zu sagen, hey, das ist jetzt die Erfolgsgeschichte, es liegen jetzt Milliarden von Self-Publishing-Büchern in deutschen Buchhandlungen, sondern auch einfach, dass man da viele Learnings rausziehen kann, dass man sehen kann, okay, was interessiert denn die Buchhandlung? Welche Probleme gibt es denn? Dass man das ein Stück weit als Lernkurve nehmen kann. Und da interessiert mich natürlich sehr, was du denn da festgestellt hast. Angefangen bei den Waschzetteln. Was gibt es für Fehler, die man vermeiden kann? Was ist gut gelaufen? Was hast du vielleicht festgestellt, ist total super oder kommt total super an?
Tommy
00:37:45
Ja, also ein, Ich muss an der Stelle sagen, dass ich mich nicht zu den einzelnen Waschzetteln mit den Buchhändlerinnen und Buchhändlern ausgetauscht habe. Also ich würde jetzt nicht sagen, ich kann beurteilen, was bei denen gut angekommen ist oder nicht. Ich kann beurteilen, was bei mir gut angekommen ist und was nicht. Das sind eigentlich tatsächlich sehr einfache, sehr grundlegende Sachen. Also wenn ich da drauf gucke und ich gucke mir die Stammdaten an, also Titel, Genre, Zielgruppe und meinetwegen den Pitch in der ersten Zeile, habe ich das Gefühl, ich habe verstanden, was das Buch ist. Und in relativ vielen Fällen muss man danach sagen, nee, eigentlich nicht. Mir ist die Zielgruppe nicht wirklich klar geworden. Also ich bin dann immer drangegangen, kann ich mir die Person, die in den Laden kommt, kann ich mir die vorstellen? Habe ich ein Gefühl dafür, okay, so oder so sieht die aus, das hat die schon mal gelesen, das sind vielleicht Vorlieben, Hobbys, was auch immer. Wenn ich das nicht habe, fällt es mir schon schwer, weil woran erkenne ich denn dann die Person, der ich dieses Buch verkaufen kann? Also wo soll der Buchhändler entscheiden, das Buch passt jetzt zu der Person? Und da war ich nur auf den ersten sechs Stichpunkten. Danach kommt meistens der Klappentext, vielleicht kommt noch ein etwas längerer Pitch davor. Da ist aber das Wichtigste fast schon entschieden. Also der Klappentext für mich war dann immer die Frage, kann ich anhand des Klappentextes den Hauptkonflikt des Buches erkennen? Also muss nicht super umfangreich oder super ausdetailliert sein, aber gibt es da eine größere Fragestellung, die ich interessant finde? Ein Konflikt, kann auch was Abstraktes sein, wie auch immer. Aber es wird mir das tragende Element des Buches klar. Also nach zwei Drittel des Waschzettels weiß ich, wem ich es verkaufe und was der eine Satz ist, worum es in dem Buch geht. Und dann der Rest ist eigentlich schon nur noch technische Daten, ist es remittierbar, Autorenvita und ein paar Links. Dann ist es ein solider, wirklich guter Waschzettel. Was ich ganz furchtbar finde, ist, wenn die zum Ausdrucken formatiert sind. Das liegt vielleicht auch jetzt an der Art und Weise, wie ich das Format gewählt habe, dass die alle online einzusehen waren. Aber wenn die Sachen dann in InDesign auf Querformat gesetzt waren, dann war das schrecklich. Also konnte man kaum lesen.
Tamara
00:40:14
Moment, jetzt muss ich kurz nachhaken. Meine Vorstellung wäre, zum Ausdrucken ist Hochkant A4 und zum Nicht-Ausdrucken wäre ja Querformat, weil so ist mein Bildschirm. Oder stehe ich gerade auf dem Schlauch?
Tommy
00:40:29
Wie erklär ich es? Es gibt einige Waschzettel, die sind dann in InDesign gesetzt zum Beispiel so, dass wenn man sie ausdruckt, dass sie im Querformat sind, weil man dann neben das Buchcover noch zwei, drei Blöcke, Informationsblöcke packen kann. Dann funktioniert die Seitenaufteilung anders, als wenn du es hochkant hast. Wenn du es hochkant hast, ist das Cover kleiner und du bist sehr limitiert, wie geradlinig das runtergeht. Dass ich so schwimme, damit es zu beschreiben, zeigt schon, dann sind die zu kompliziert. Dann funktioniert es nicht, weil man den Lesefluss nicht versteht. Man weiß nicht, wo gucke ich zuerst hin, dann steht der Klappentext unten rechts, dann ist das Foto vom Autor in der Mitte, das Cover ist irgendwo ganz so anders.
Tamara
00:41:13
Ach so, wenn so ein super fancy Aufbau im Prinzip mit zig Spalten oder sowas ist.
Tommy
00:41:20
Genau, irgendwie so. Man muss auf den ersten Blick erfassen können, wo muss ich denn hingucken? Was ist denn, wo stehen denn die zwei relevanten Informationen, die ich eben gesagt habe? Die Zielgruppe und worum geht's? Das muss man sehen können. Die sehen aber auch.
Vera
00:41:34
Waschzettel soll ja schnell überschaubar sein und gerade wenn ich 500 durchgucke und muss da erstmal eine halbe Stunde sortieren, wo der Platz steht, dann.
Tamara
00:41:43
Genau.
Tommy
00:41:44
Vor allem, wenn das Prinzip ist, die Buchhandlungen gucken da einmal drauf und dann muss es funken. Das war ja der Gedanke.
Tamara
00:41:52
Aber ich glaube, das sind halt echt wichtige Hinweise. Also ich gestehe offen und ich weiß, dass es eigentlich sehr, sehr dumm ist. Und das habe ich schon im persönlichen Gespräch vorab mit dem Tommi gelernt. Ich habe letztes Jahr Mails an Buchhandlungen geschrieben, die waren so lang, weil ich ja all meine Informationen loswerden wollte. Und natürlich habe ich ein paar Sachen irgendwie fett geschrieben, aber ich habe jetzt schon realisiert, dass es überhaupt gar keine Chance gab, dass die überhaupt gelesen wurden. Und dementsprechend habe ich auf keine E-Mail eine Antwort bekommen. Und ja, also dass man mal das Herangehen nicht aus, das passiert uns, glaube ich, oft uns AutorInnen, auch wenn es um den Klappentext geht oder so, dass man nicht aus der eigenen Perspektive guckt, was will ich denn alles loswerden, sondern sich in die Perspektive der anderen Person versetzt und sagt, okay, was muss die sofort haben und was muss die wissen. Und ja, das ist für mich auf jeden Fall aus unserem Kontakt ein Learning.
Vera
00:42:53
Entschuldigung, wenn ich da reinhacke, ist das Learning, keine E-Mails mehr zu schicken oder die E-Mails kürzer zu fassen?
Tamara
00:43:01
Also wenn E-Mails dann zumindest nicht mit, ja, hallo erstmal, ich weiß nicht, ob sie es wussten, aber drei halbe Romane bis irgendwann eine Info kommt, sondern neues Buch, zack, zack, zack, Grundinfos und dann kann man drunter vielleicht noch ein bisschen persönlich labern oder so. Das wäre jetzt mein Gefühl. Tommy, was würdest du sagen, was hättest du gerne, wenn du in der Buchhandlung bist und da deinen Alltag abarbeitest, was hättest du gerne von uns?
Tommy
00:43:29
Ich bin da wieder bei der Lebensrealität im Buchhandel. Es muss halt prägnant und kurzüberschaubar sein. Wenn ich zwischen zwei Kundenbestellungen mal kurz in die E-Mails gucke, muss ich verstehen, was das da ist. Ah, das ist ein cooles Buch, das sieht irgendwie spannend aus, ja okay, klingt interessant, gucke ich mir später mal an. Aber wenn dieser Moment nicht da ist, dass ich es einmal so zur Kenntnis nehme, dann funktioniert es auch nicht. Kann in anderen Buchhandlungen ganz anders sein und ich bin erst seit drei Monaten da.
Vera
00:43:56
Aber Nee, nee, das deckt sich mit den Aussagen, die wir so haben, wobei ich es grösslich finde, dass die E-Mails überhaupt angeguckt werden.
Tommy
00:44:06
Also da würde ich mal von ausgehen, dass die tatsächlich alle angeguckt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da jemand einfach wirklich frech die Sachen direkt löscht, aber es muss halt einfach der Moment da sein, dass man sagt, hey, okay, ich gucke mir das, nee, ich habe jetzt gerade zwei Minuten Luft, ich gucke es mir jetzt nochmal an.
Tamara
00:44:22
Also wird Würdest du schon sagen E-Mail ja oder gibt es einen anderen Kanal, den du für sinnvoller hältst?
Tommy
00:44:28
Ich glaube, wenn man persönlich vorbeigehen kann, wäre das immer die bevorzugte Wahl. Auch da, denkt an die Lebensrealität des Buchhandels, nicht zu Stoßzeiten gehen, wirklich. Also auch der freundlichste Buchhändler der Welt hat dann vielleicht gerade keine Zeit. Aber im persönlichen Gespräch, das ist einfach was anderes. Man muss dann vorbereitet sein. Also man muss wissen, wie man sein Buch verkauft. Ich hatte schon mal auch ein Video gemacht auf Instagram, so diese Sache wie, komm bitte mit einem Pitch, in dem du zeigst, dass du weißt, wie der Buchhändler dein Buch auch verkaufen müsste, weil... Die Self-Publishing-Bücher haben den großen Nachteil, dass man sich nicht auf Besprechungen des Buches beziehen kann, um sie zu verkaufen. Du kannst nicht sagen, stand im Kölner Stadtanzeiger so und so besprochen oder hat wahnsinnig gute Kritiken bekommen, sondern der Buchhändler muss das Buch im besten Fall gelesen haben oder zumindest so konkret benennen können, was es ausmacht, dass er es verkaufen kann. Und das muss man halt mitbringen. Sonst, wenn das der Autor nicht kann, kann es der Buchhändler auch nicht.
Tamara
00:45:33
Und wenn ich jetzt hier im Saarland eine Buchhandlung in Kiel recherchiere, die sich auf Musikthemen spezialisiert hat und ich möchte, dass mein Buch da liegt und ich kann jetzt nicht mal eben da hinfahren, dann doch Mail oder anrufen?
Tommy
00:45:47
Ich würde erst mal anrufen, freundlich fragen und eine E-Mail schicken kann man immer noch.
Tamara
00:45:52
Okay.
Vera
00:45:52
Okay. Also das deckt sich nicht ganz so mit dem Feedback, was ich so bekommen habe. Dass manche Buchhändler nicht immer sehr glücklich sind, wenn da ein Autor plötzlich im Laden steht mit dem Buch.
Tamara
00:46:09
Kommt vielleicht auch ein bisschen darauf an.
Vera
00:46:10
Wie man da hingeht und wie selbstgemalt das Cover ist. Das sowieso. Die Aussagen, die teile ich, dass man vorbereitet ist. Wobei ich zu meiner Schande bestehen muss, das mit der Zielgruppe und so, das klar direkt anzugeben. das habe ich bisher noch nicht. Das muss ich heute mal machen. Da tue ich mich immer schwer mit. Sind meine Zielgruppe jetzt Frauen ab 35 bis 65 plus oder sind es ab 40, ich weiß es nicht.
Tamara
00:46:40
Da müssen wir vielleicht auch mal jemanden zu einladen, der uns hilft, Zielgruppe zu bestimmen.
Tommy
00:46:46
Ich glaube auch, das Entscheidende ist gar nicht so sehr die Altersspanne, sondern eher, was lesen die Leute. Also auch da das Nähkästchen, wenn jemand in den Laden kommt und sagt, ich brauche eine Empfehlung, ist immer die erste Frage, ja, was haben sie denn schon gelesen? Vollkommen egal, ob der Mensch 30 oder 70 ist. Das ist der Vergleichsmaßstab. Liest der Fizek oder liest der, Evald Ares, keine Ahnung.
Vera
00:47:11
Windwig oder Leona zum Beispiel. Ja, jetzt wollte ich gerade eine schlaue Frage stellen, jetzt habe ich es vergessen.
Tamara
00:47:18
Das heißt, idealerweise finde ich eigentlich das Buch, das meinem ähnlich genug ist und gleichzeitig so bekannt, dass ich sagen kann, hey, wenn sie KundInnen haben, die dieses Buch lieben, dann werden die auch dieses hier gerne lesen.
Tommy
00:47:35
Genau, und wenn du dann noch weißt, was dein Buch anders oder besser macht als das, dann hast du schon.
Vera
00:47:41
Das liest man ja oft auch bei Bewerbungen, bei Agenturen, dass die immer beim Exposé wissen wollen, ja, welches andere bekannte Buch ähnlich ist oder sowas. Was natürlich manchmal gegen die Ehre der Self-Publisher ist, weil die ja immer manchmal etwas völlig anders machen wollen. Das ist schwierig. Das ist ein Konflikt. Aber eine Frage habe ich noch, die mir gerade bei auf der Seele brannt. Also wenn denn die Chance besteht, dass so ein Buch Buchhändler oder eine Buchhändlerin mein Mail liest. Was ist denn der beste Betreff, damit das passiert?
Tamara
00:48:17
Bestellung.
Tommy
00:48:23
Ja, da kommen wir jetzt ins Hardcore, in die Hardcore-Marketing-Optimierung rein. Ich glaube, also die ehrliche Antwort ist keine Ahnung. Ich würde mich jetzt auch nicht aus dem Fenster lehnen und sagen, ich habe das voll durchblickt, sondern ich probiere halt auch einfach Sachen aus. Ich glaube, das muss auch jeder Autor und jede Autorin für sich ausprobieren, was funktioniert. Mal den betreffend, mal den anderen. Ich würde was Freundliches machen, ganz ehrlich. Irgendwas, was Attention grabt und halt nett ist. Weil wenn ich eine E-Mail kriege, ich habe keinen Bock auf irgendeine, ihr braucht dieses Buch unbedingt E-Mail, weil das stimmt halt einfach nicht. Sondern, authentischem, gesunden Selbstbewusstsein, aber freundlich und mit Verständnis dafür, in welcher Lebensrealität die Leute umgehen.
Vera
00:49:05
Wenn man da reinschreibt, neues Buch, Regionalkrimi da rein oder was, dann machen die das weg schon weg oder denken die, okay, gucke ich da jetzt mal rein?
Tommy
00:49:17
Also wenn man den Regionalbezug in den Betreff packt und das die entsprechende Region ist, ja, warum nicht? Man kann mit Sicherheit nicht jede Buchhandlung mit der gleichen E-Mail ansprechen und ich würde auch davon absehen, jetzt irgendwie einen Verteiler mit 500 E-Mail-Adressen zu machen und erstmal allen...
Vera
00:49:32
Hatte ich keine vor eigentlich. Würde ich nicht machen. Warum nicht?
Tommy
00:49:38
Weil man das merkt. Als Leser von diesen E-Mails, also ich hasse Newsletter-E-Mails. Man sieht das sofort, ob das eine von diesen Newsletter-Plattformen ist, die dann den Namen da einpackt, aber den Rest ist irgendwie Standard-Boilerplate, sondern es ist halt wie auch da eine Bewerbung bei einem Unternehmen oder einer Agentur, sich mal schlau machen, warum ist die Buchhandlung für mich interessant? Was machen die vielleicht, dass ich gut finde? Haben die ein Veranstaltungsprogramm, wo ich gut reinpasse? Beschäftigen die sich, wie in meinem Fall jetzt in meinem neuen Buch, beschäftigen die sich mit Umweltthemen? Haben die da vielleicht schon mal was gemacht? Und dann zu sagen, hey, ich habe das Gefühl, das passt zu euch. Schaut es euch doch mal an. Ich glaube, das nimmt schon viel weg, weil die werden echt auch zugemüllt mit Verlags-E-Mails. Also die kommen ja auch noch jeden Tag, die Verlags-Vorschauern, die dann nicht in gedruckter Form kommen, sondern dann per E-Mail und dann kommt hier noch was und da ist noch ein Newsletter und ich würde es halt nett machen. Nett und zielorientiert und nein ist immer okay.
Vera
00:50:37
Ja, aber verstanden. Also es muss schon nach individueller Ansprache aussehen.
Tommy
00:50:45
Ja, ich meine, am Ende, wenn es das nicht wert ist, dass man sich fünf Minuten Zeit nimmt pro Buchhandlung, dann weiß ich auch nicht. Also, wie doll will man das?
Vera
00:50:58
Ja, jetzt muss ich sagen, ich bin jetzt schon sehr lange dabei und bin auch schon in sehr vielen Buchhandlungen gewesen und ich hatte nicht immer das Gefühl, dass die das wollen. Gibt es? Also man hat das zum Teil auch Mürbel gemacht, das muss man sagen. Und ich meine, ich war auch schon mit Tabara in einem Gespräch mit Buchhändlern, erinnerst du dich, wie die uns angeguckt haben?
Tamara
00:51:25
Ja, ich glaube, Leute, die halt per se fest der Überzeugung sind, Self-Publishing ist scheiße, ja, da wirst du wahrscheinlich dieses nächstes und übernächstes Jahr erstmal nichts erreichen, aber ich denke, es werden immer mehr, die eigentlich neugierig sind, aber halt, nicht wissen, wo docke ich an und dann fehlt einfach die Zeit, um sich damit zu befassen.
Vera
00:51:51
Ja, das stimmt schon.
Tommy
00:51:53
Ja, aber also klar, man muss, wenn man mit seinem Buch in eine Buchhandlung geht, man muss auch ein dickes Fell haben und man darf sich auch, also ich hatte auch Situationen, wo ich danach dachte, Kacke, verbrennen das doch, will eh keiner haben. Aber es gibt halt auch die anderen Buchhandlungen, die da offener sind, die Lust haben, die man halt auch einfach finden muss. Und es ist vielleicht ja auch ein Aufruf für die Buchhandlungen, wenn die Bock darauf haben, sich so ein bisschen offener zu zeigen und zu sagen, ja, wir nehmen das gerne, dann werden sie wahrscheinlich wieder zugeschmissen, weil dann kommen wieder 1500 Worte.
Vera
00:52:29
Insofern war das schon, glaube ich, ein geschickter Teil. Bei dir hatten sie zumindest das Gefühl, das wird ein bisschen gefiltert. Es kommt nicht alles bei uns an, sondern es kommt erst mal bei dem Tommi an. Dass die da dann zwar alles eins zu eins durchspielt kriegen, das wussten die da auch nicht.
Tommy
00:52:45
Ja, aber es ist ja auch für die ohne negative Kosten quasi, weil es war von Anfang an klar, dass es keine Verpflichtung gibt und dadurch ... Können die jetzt auch sich totstellen und nie wieder was machen und keiner wäre böse.
Tamara
00:53:00
Aber was war denn jetzt so von den sieben Buchhandlungen das Feedback, was du insgesamt bekommen hast zu der ganzen Geschichte?
Tommy
00:53:07
Also das, was ich anfangs schon mal gesagt habe, dass grundsätzlich der Tenor war, coole Sache, unterstützen wir gerne, wir freuen uns über gute Bücher, nehmen das gerne auf, aber war ein bisschen viel. Und ich überlege ja jetzt schon auch eine ganze Weile, wie ich das weitermachen kann und möchte und ich muss auch sagen, es war auch für mich ganz schön viel, also, wenn ich in der Zeit jetzt nicht gerade zwischen den Jobs gewesen wäre, wäre das schon an mir gescheitert, weil ich wirklich, also ich habe mir die alle angeguckt, alle 500, weil ich musste ja filtern, passt das zu den Kriterien oder nicht und das ging halt nur, indem ich mir wirklich alle angucke und dann auch jedes Buch tatsächlich angucke, also nicht nur die Waschzettel, sondern auch überprüfe, stimmt das, was da drin steht? Weil das wäre der nächste Super-GAU für mich gewesen, wenn ich sage, hier ist eine kuratierte Liste, also mehr oder weniger kuratiert, aber das sind die ausgewählten Bücher, die garantiert die Kriterien erfüllen. Und dann gucken die sich eins an und sagen, ja, aber kann ich gar nicht bestellen. Wäre ja furchtbar gewesen. Deswegen habe ich mir das alles angeguckt. Das hat mich fünf Wochen gekostet. Wirklich Vollzeit fünf Wochen. Also ich habe nichts anderes mehr gemacht. Und das kann ich so dieses Jahr definitiv nicht nochmal machen. Es ist halt auch nicht zielführend so. Also das ist ja alles ein ins Gespräch kommen, ein Lernprozess, ein lass uns das doch versuchen, dieses dicke Brett mal irgendwie ein bisschen anzubohren. Und mein Traum, was ich richtig cool fände, wäre, wenn das so ein bisschen wie Tinder wäre. Keine Ahnung. Ich habe das Buchcover, ich habe die wichtigsten 5, 6, 7 Informationen und dann kann ich links und rechts swipen. Und wenn ich rechts swipe, geht es irgendwo in eine Gespeichertliste für, kann ich mir die ISBN-Nummer ziehen und dann nochmal im System nachgucken. Ich kann aber nicht programmieren.
Vera
00:54:54
Das gibt es im Prinzip schon. Es gibt faulbeticks, es gibt NetGalley.
Tommy
00:54:58
Und Ned Galley nutze ich selber total gerne als Buchhandlungsmensch. Ich finde das aber, also sorry an Ned Galley, dass ich das so sage, aber ich finde es viel zu teuer als unabhängiger Autor. Wenn ich mir mein Budget angucke, was nicht existent ist, geht nicht. Und das ist ja, was ich nicht möchte, ist, dass Bücherschreiben irgendwie so ein Elitenmarkt ist, wo man das nur machen kann, wenn man Geld hat. Sondern ich finde, es sollte auch möglich sein, dass man ohne Geld, ohne Budget, ohne großartig da wirklich was mobilisieren zu können, ein gutes Buch auch vermarkten kann. Also muss es irgendwie kostenfrei sein. Und dann wird es schon wieder dünn, weil ich nicht programmieren kann, sonst hätte ich die Seite schon selber gebaut. Also wenn das einer kann und Bock hat.
Vera
00:55:45
Wenn du wüsstest, wie viel Aufwand das ist, dann wüsstest du, dass du das wahrscheinlich auch nicht umsonst machen kannst. Aber ja, na klar, da ist natürlich irgendwo der Geist. Ich finde, ganz ehrlich, ich mache jetzt gerade zum zweiten Mal NetGalley, klar, das geht schon ganz schön ins Geld. Ich werde dann sehen, ob es sich am Ende rechnet. Aber ich wollte damit nur sagen, letztlich gibt es für die Buchhandlung die Möglichkeiten, sich zurechtzufinden. Ich meine, die können auf der Seite des Setpapes, also wenn sie einfach 500 Bücher durchgucken wollen, denn da gibt es genug Möglichkeiten. Als eine Frage noch, bevor wir gleich noch ein bisschen zu der Zukunft kommen, du hast das ja schon ein bisschen angerissen. Du hast jetzt, wir haben das Feedback, dass jetzt da Bücher zum Teil im Schaufenster liegen oder dass die Bücher bestellt haben. Hast du auch mittlerweile Feedback bekommen über Verkäufe? Haben die irgendwie mal zurückgemeldet, dass das auch bei den Kunden ankommt?
Tommy
00:56:37
Also auch da, der Kontakt zu den Buchhandlungen ist jetzt nicht so mega eng, dass die mir das sagen. Ich kann aber aus der Alltagsrealität jetzt aus meiner Buchhandlung sprechen. Das ist das, was ich vorhin auch schon mal gesagt habe. Ich glaube, für die Leserinnen und Leser spielt es fast keine Rolle.
Vera
00:56:56
Ob da ein Verlagst.
Tommy
00:56:57
Auf dem du drauf bist oder nicht.
Vera
00:56:59
Aber ist jetzt Rock and Thiefstuhl auf dem Weg in die Bestsellerliste?
Tommy
00:57:03
Nee. Die Nachfrage in der Buchhandlung, man darf ja die Dynamiken nicht außer Acht lassen. Es gibt zwei Arten von Buchkäufen eigentlich. Es gibt die, die reinkommen, die wissen ganz genau, was sie haben wollen. Das sind die Buchkäufe, die sich vorher informiert haben, die haben es irgendwo gesehen, gelesen, gehört. Die kommen mit einer Kaufabsicht. Und dann gibt es die Buchkäufe, die kommen mit einer Kaufintention, die wissen aber noch nicht genau, was sie wollen. Das sind die, wo man unbekannte Autoren, Self-Publisher, kleine Verlage, aber das sind keine Milliarden verkauft. Und es dauert dann wahrscheinlich auch, bis die Self-Publisher den richtigen Kunden gefunden haben, aber ich glaube, die Annahme, dass Wireless Self-Publishing ist, dass es diese richtigen Kunden nicht gibt, die ist falsch.
Vera
00:57:50
Ja, da haben wir die toll bei dir, ja, ja, das stimmt, absolut, ja.
Tommy
00:57:53
Wenn ich, ich kann, also ich kann auch da wieder aus dem Nähkästchen plaudern, das Schicksal der Fluchträger, ich droppe jetzt mal ein Buch, High Fantasy, habe ich selber gelesen, ist großartig, Wenn ich das verkaufe, als ist High Fantasy richtig gut ohne Romance gekauft. Nehmen die Leute. Vollkommen egal, ob das ein Verlag hat oder nicht. Und genauso geht es mit anderen Büchern auch. Es gibt eine Reihe, auch die Erbin der Wut von Heidi Metzmeier. Das läuft auch, einfach weil ich das Buch kenne, weil ich weiß, wie ich es verkaufen muss und ich das in einem Satz hinkriege. Und dann, wie gesagt, der Verlag spielt da keine Rolle.
Vera
00:58:32
Da bin ich voll bei dir.
Tamara
00:58:33
Also am Ende läuft auch viel darauf hinaus, dass es natürlich am besten ist, wenn die Person, die im Buchhandel steht, das Buch einfach auch ein bisschen besser kennt.
Tommy
00:58:45
Ich würde sagen, dass es bei dieser Art Buch, genau wie bei den kleinen Verlagen, bei den unbekannten Autoren, ist das die Grundvoraussetzung. Und das ist der, wo ich sagen würde, die höchste Eintrittsbarriere in diese Buchhandlung, weil die Buchhändler das ganz genau wissen. Natürlich wissen die, dieses Buch wird denen nicht aus den Händen gerissen, sondern es ist eins, das man bewerben muss, das man verkaufen muss, wo es den richtigen Kunden im richtigen Moment braucht. Und das ist natürlich ein Regalplatz, der vielleicht auch mal drei, vier, fünf Wochen da liegt. So ein Fitzeck liegt da vielleicht drei Tage es ist eine andere Welt aber ich komme da wieder zu meinem Eingangsargument zurück für ein Fitzeck gehe ich nicht in die kleine Buchhandlung, sondern ich gehe in die kleine Buchhandlung für den Buchtipp den ich jetzt gerade brauche, obwohl ich ihn noch nicht kenne, und der kann auch gerne ohne Verlag sein.
Vera
00:59:34
Also da gucken die meisten auch den meisten Callen von ist das gar nicht so bewusst Und da bin ich halt immer.
Tamara
00:59:42
Jetzt, was du schon ein paar Mal angerissen hast, du hast ja aus diesen 500 Büchern so deine ganz persönliche Shortlist erstellt sozusagen. Und da kam nämlich eines Tages eine schöne E-Mail, in meinem Fall jetzt von Tradition, dass ein Blogger ein Buch bestellt hat und ob ich ihn das gerne senden möchte. Das heißt, du hast 50 Bücher ausgewählt und hast diese 50 Bücher in gefühlt drei Tagen gelesen und vorgestellt und so natürlich dann eben auch so deine Liste gefunden, wo du sagst, die kann ich besonders gut in der Buchhandlung, in der ich arbeite, eben empfehlen, ins Schaufenster legen. Was hast du denn da draus gelernt? Für dich als Autor auch oder generell einfach, was hast du für dich rausgefunden?
Tommy
01:00:34
Ja, also ich muss kurz einhaken. Die 50 Bücher, ja, ich habe sie vorgestellt, ich habe sie aber noch nicht alle gelesen. Zumindest nicht in Gänze. Das ist der zweite Schritt, der jetzt passiert. Also die Shortlist, das sind die 50 Bücher, die bei der Durchsicht dieser 500 eingereichten Bücher irgendwas mit mir gemacht haben. Ich habe auch gar nicht versucht es großartig genauer zu benennen als irgendwie finde ich das cool. Super subjektiv es ist überhaupt gar kein Qualitäts, Nachweis, dass ich jetzt diese Bücher ausgewählt habe oder nicht ich habe auch ganz viele Nachrichten bekommen, so hey, wieso ist denn mein Buch nicht dabei, keine Ahnung war so ein Gefühl, diese 50 ich fand es einfach irgendwie notwendig, dass wenn ich 500 Bücher, jetzt hier liegen habe ich zehn Prozent davon halt irgendwie, dass ich was zurückgebe, weil da hängen ja auch viele Leute und Hoffnungen und irgendwie auch Wünsche und Träume dran, ich fand das nur fair. Und ja, dann habe ich mir die Waschzettel angeguckt, habe das nach diesem Bauchgefühl ausgesucht, habe dann auch mal in die Leseproben reingelesen, wo ich welche gefunden habe, wo ich keine gefunden habe, habe ich auch mal welche angefragt. Und dann habe ich mich durch diesen sehr diversen Urwald von wie kriege ich ein Rezi-Exemplar eigentlich durchgeforstet. Das funktioniert bei allen Print-on-Demand-Dienstleistern irgendwie ein bisschen anders. Manche sind sehr offen, einem zwölf Exemplare von irgendwelchen Büchern gleichzeitig zu schicken. Andere sagen, du kriegst aber nur zwei im Monat. Hat dann auch geklappt mit ein bisschen gutem Zureden. Aber jetzt der zweite Schritt, also der erste Schritt war, die vorzustellen. Erstmal dann ja auch immer drei, vier, fünf auf einmal zu zeigen, das sind die Bücher. Das ist irgendwie das, was ich mir gedacht habe bei dem Aussuchen, deswegen fand ich die interessant und jetzt lese ich die alle, ich versuche ungefähr eins pro Woche, das schaffe ich nicht immer, weil ich, lese ja auch noch Leseexemplare, ich lese auch noch eigentlich Sachen, die ich aus Spaß lese, ich muss im Moment immer ein bisschen aufpassen, letzte Woche habe ich vier Bücher gleichzeitig gelesen, das war so, grenzwertig, aber es macht mir total viel Spaß und was ich festgestellt habe, bis jetzt alle Bücher, die ich gelesen habe, ich meine, ich habe jetzt 16 Stück gelesen von diesen 50. Qualitativ, sowohl sprachlich als auch inhaltlich, alle richtig gut. Also ich hatte so ein bisschen auch da die Sorge, na gut, jetzt schaffst du dir das an und dann liest du die und dann ist das alles Mist und das stellst du fest, nachdem du dich so weit aus dem Fenster gelehnt hast und damit irgendwie groß in der Zeitung warst und dann ist doch alles kacke. Nee, stimmt nicht. Die sind wirklich richtig, richtig ich gut. Und ich habe dann auch immer, wenn ich diese Rezensionen aufnehme, so ein bisschen die Sorge, okay, jetzt wirkt das so, als würde ich einfach jedes Buch grundlos abfeiern und weil Self-Publisher sind, muss ich die ja sowieso hochhypen. Nee. Also wenn es Sachen gibt, die mir nicht gefallen, spreche ich das ja auch an. Oder wenn ich Sachen, ich versuche immer zu sagen, Sachen, die ich anders machen würde, so aus meiner sehr bescheidenen Perspektive heraus, Aber die sind wirklich einfach gut. Es sind gute Bücher. Fertig.
Vera
01:03:44
Lieber Tommy, du hast es jetzt auf jeden Fall in dem Gespräch geschafft, dass ich es jetzt doch sehr bereue, dass ich da nicht mitgemacht habe.
Tommy
01:03:52
Vielleicht machen wir es nächstes, dieses Jahr nochmal.
Vera
01:03:54
Wenn jetzt hier die Tausende unserer Hörer, dann muss man mit mehr als 500 Büchern rechnen.
Tommy
01:04:01
Dann brauche ich den Programmierer. Falls jemand eine Website bauen kann, die aussieht wie Tinder für Bücher und du machst das umsonst.
Vera
01:04:09
Das war der Punkt. Ich wollte wunderbar.
Tommy
01:04:14
Man wird nicht reich dabei und es ist sehr anstrengend, sich das alles anzugucken, aber es macht wahnsinnig viel Freude.
Tamara
01:04:21
Schreibt uns, wir leiten die Zuschriften weiter.
Vera
01:04:24
Ja, lieber Tommy, sehr erhellend und ja, wie gesagt, mich hast du auf jeden Fall jetzt angepiekst und nochmal, tut mir leid, dass ich da so skeptisch war. Sonst würde ich jetzt neben Tamara im Forschfenster vielleicht liegen. Allein das wäre es ja wert. Vielleicht. Aber vielleicht hat es mich auch aussortiert, wer weiß. Ja, also auf jeden Fall wollen wir jetzt aber noch dich nicht entlassen, bevor du dich nicht den total kritischen Buch-Bubble-Fragen von Tamara gestellt hast.
Tamara
01:04:53
Jawohl. Wir haben ja jetzt schon gehört, dass du sehr viel liest. Welches Buch hat dich denn zuletzt Tränen, Weinen oder Lachen lassen?
Tommy
01:05:00
Schwere Frage. Ich bin ein sehr regungsloser Leser, glaube ich, weil ich das viel im Halbschlaf mache mittlerweile. Das letzte Buch, was mir extrem gut gefallen hat, ist Misstrauensgemeinschaften von Aladin Mafalani. Ein soziologisches Sachbuch, müsste man so sagen, in dem er aufschlüsselt, was eigentlich gerade in unserer Gesellschaft so abläuft und für mich zumindest auf, extrem plausible Art und Weise beschreibt, wieso Misstrauen eigentlich gerade so viel kaputt macht. Das würde ich jedem, der sich gerade so ein bisschen politisch halt- und orientierungslos fühlt, einfach mal ans Herz legen. Es ist ein bisschen kompliziert zu lesen, weil es halt eigentlich eine soziologische, wissenschaftliche Auseinandersetzung ist, aber unfassbar gut. Oder man guckt sich einen Podcast mit dem an, weil der kann auch super erzählen, ist ein wirklich ziemlich guter Typ.
Tamara
01:05:52
Sehr schöner Typ. Und welche Begegnung in dieser wunderbaren Buchbubble hat dich denn ganz besonders inspiriert?
Tommy
01:05:59
Das sind so viele mittlerweile. Ich habe durch das Speed-Dating so viele neue Leute kennengelernt, die so viel mehr Ahnung haben als ich, in allen möglichen Belangen. Wie gesagt, ich mache das jetzt seit fast zwei Jahren und habe das Gefühl, ich improvisiere mich jeden Tag dadurch. Ich habe ganz viele Leute auf Messen jetzt schon kennengelernt. Es waren Leute bei uns in der Buchhandlung. Vielleicht ist es eine Autorin, die jetzt auch im Schaufenster liegt, die fahren jetzt gleich letztes Februar, Wochenende, fahren die von Berlin nach Brühl, um das Buch zu besuchen.
Tamara
01:06:29
Das fand ich cool.
Tommy
01:06:30
Das ist für mich nochmal so ein Zeichen, hey, das ist schon cool, was das Speed-Dating macht. Das gibt was Positives in die Welt zurück und damit hat es sich gelohnt.
Tamara
01:06:42
Sehr schön. Und zum Schluss, welches Klischee willst du nie wieder in einem Buch lesen?
Tommy
01:06:46
Ich will nie wieder irgendeine rumgeschwängelte Szene, nur damit sie drin ist. Wirklich. Ich kann das nicht mehr. Ich will das nicht mehr.
Tamara
01:06:57
Sehr schön.
Vera
01:06:58
Ja, lieber Tommy, vielen, vielen Dank, dass du uns hier heute doch dann die tiefen Einblicke in deine Aktion gegeben hast. Wie schon gesagt, mich hast du sehr angefixt und ich horche dann mal, weil es vielleicht wieder eine Gelegenheit gibt, diesmal ganz auf jeden Fall mit dem Schwung von mir rechnen. Ich weiß ja jetzt auch dank dir, wie ich den Waschzettel richtig mache und, An euch daraus, ich bin sicher, ihr habt das eine oder andere mitgenommen. Tut mir gefallen, stürmt jetzt nicht alle Buchhandlungen. Die werden uns hassen. Überlegt es euch genau, das hat der Domi ja auch erzählt. Macht es ordentlich, aber dann möchten wir bitte auch Feedback haben. Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Hat das funktioniert oder nicht? Und da sind wir immer ganz neugierig nach. Naja, und ansonsten wisst ihr ja, was ihr zu tun habt. Uns zu abonnieren und zu folgen, wo immer es geht. und uns nächste Woche wieder zu hören. Dann haben wir ein Jubiläum. Also bleibt uns gewogen.
Tamara
01:07:55
Danke, Tommy.
Tommy
01:07:56
Dankeschön.
Tamara
01:07:57
Ciao.
Tommy
01:07:58
Tschüss.