Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Spannung erzeugen im Roman: Lernen von Horror-Autor G. S. Foster

Horror und Spannung: Wie du beim Schreiben Gänsehaut erzeugst und warum eine Rohfassung ruhig roh sein darf. Horrorautor G.S. Foster erzählt, wie man auch ohne Blutbad Spannung aufbaut, sich in Bösewichte hineinversetzt und täglich 5.000 Wörter schreibt.

29.10.2026 73 min

Zusammenfassung & Show Notes

Horror und Spannung: Wie du beim Schreiben Gänsehaut erzeugst und warum eine Rohfassung ruhig roh sein darf. Horrorautor G.S. Foster erzählt, wie man auch ohne Blutbad Spannung aufbaut, sich in Bösewichte hineinversetzt und täglich 5.000 Wörter schreibt.
G.S. Foster alias Basti schreibt seit fünf Jahren Horror-Thriller, hat bisher 18 Bücher veröffentlicht und lebt vom Schreiben. Er erklärt uns mit größter Begeisterung, warum Horror mehr ist als nur Geistergeschichten, warum Gewalt immer der Geschichte dienen muss und nicht umgekehrt, und wie Atmosphäre und Spannung im Roman entstehen. Auch die Frage nach 'Show don't tell' kommt dabei auf: Basti, Vera und Tamara diskutieren angeregt darüber, was es fürs Schreiben heißt, wenn ein Lichtstreifen unter der Tür genügt.
Bastis Bösewichte sind nicht einfach nur böse, sondern die Helden ihrer eigenen Geschichte. Und diese Geschichten schreibt er mit beeindruckendem Tempo – natürlich ohne KI!
Sein Schreibprozess: 5.000 Wörter am Tag in der Rohfassung, vorab geplottet, ohne Zurückblättern bis zum Wort 'Ende'. In etwa drei Monaten entsteht so ein fertiges Buch. Zusammen mit Vera und Tamara wirft Basti dabei einen ehrlichen Blick auf das Thema Perfektionismus.
Eine Folge voller anschaulicher Beispiele – Triggerwarnung: für Vera als zartbesaitete Seele manchmal etwas zu anschaulich – und praktischer Schreibtipps, auch für Autorinnen und Autoren anderer Genres!
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Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Horror und Spannung: Wie du beim Schreiben Gänsehaut erzeugst und warum eine Rohfassung ruhig roh sein darf. Horrorautor G. S. Foster erzählt, wie man auch ohne Blutbad Spannung aufbaut, sich in Bösewichte hineinversetzt und täglich 5.000 Wörter schreibt.

G. S. Foster alias Basti schreibt seit fünf Jahren Horror-Thriller, hat bisher 18 Bücher veröffentlicht und lebt vom Schreiben. Er erklärt uns mit größter Begeisterung, warum Horror mehr ist als nur Geistergeschichten, warum Gewalt immer der Geschichte dienen muss und nicht umgekehrt, und wie Atmosphäre und Spannung im Roman entstehen. Auch die Frage nach 'Show don't tell' kommt dabei auf: Basti, Vera und Tamara diskutieren angeregt darüber, was es fürs Schreiben heißt, wenn ein Lichtstreifen unter der Tür genügt.

Bastis Bösewichte sind nicht einfach nur böse, sondern die Helden ihrer eigenen Geschichte. Und diese Geschichten schreibt er mit beeindruckendem Tempo – natürlich ohne KI!

Sein Schreibprozess: 5.000 Wörter am Tag in der Rohfassung, vorab geplottet, ohne Zurückblättern bis zum Wort 'Ende'. In etwa drei Monaten entsteht so ein fertiges Buch. Zusammen mit Vera und Tamara wirft Basti dabei einen ehrlichen Blick auf das Thema Perfektionismus.

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Transkript

Heute wird es gruselig in der Talkstelle, denn es ist nicht nur Halloween, wir haben auch einen waschechten Horrorautor bei uns. G.S. Foster ist bei uns und er spricht über abgenagte Knochen und quietschende Türen und all diese Dinge, die einem eine Gänsehaut bescheren.
Vera
00:00:24
Ja, und die habe ich auch immer noch. Musste ein paar Mal tief Luft holen. Aber dann haben wir uns natürlich auch über seinen Schreibprozess unterhalten, über seinen immensen täglichen Word Count und wie er das alles macht. Hört auf jeden Fall rein. Die, Nentwig Musik, Hallo ihr da draußen, hier sind die zwei von der Talkstelle mit ihrer Folge 334 und wir sind immer noch der Podcast rund ums Schreiben und Veröffentlichen, ganz egal ob im Self-Publishing oder im Verlag. Und mir gegenüber sitzt die faszinierende, wunderbare, tolle Tamara Leonard. Wie immer die, ja, was will ich denn? Vera nennt sich, bin ich. Und ja, ich hatte ein inspirierendes Wochenende und habe viele nette Leute getroffen, und bin heute guter Dinge, dass das Leben schön ist und, Und am Ende der Woche, bis jetzt, wo die Folge rauskommt, kommt ja auch die Buch Berlin.
Tamara
00:01:44
Jawohl.
Vera
00:01:45
Nicht? Und ja, also ich bin durchaus positiv euphorisch, um es mal vorsichtig zu sagen.
Tamara
00:01:51
Wie sieht es bei dir aus? Wo warst du denn am Wochenende, dass das so schön war?
Vera
00:01:56
Ich war auf einer Geburtstagsparty einer uns sehr nahestehenden Autorenkollegin. Und das war total toll und tolle Location. Wir hatten viel Spaß, tolle Leute, sehr interessante Leute. Und ich mag es ja, ich treffe ja gerne Leute und ich rede ja gerne mit Menschen, wie du ja weißt. Und habe natürlich auch diverseste ausgefragt. Also es war wirklich rundum gelungen. Und dann habe ich nebenbei, weil ich dann gestern, war ja in Frankfurt, als ich gestern Morgen nach Hause fuhr, bin ich quasi auch noch den Marathonläufern, entlang gefahren. Da war eine Fahrspur noch für Autos. Da kamen sie gerade alle gerannt. Also, ja, war toll und jetzt bin ich heute wieder im schnöden Alltag angekommen, aber auch der war gut und ich habe wie immer das Gefühl, dass ich jetzt endlich die Amazon Ads verstanden habe. Kann auch sein, dass sich das morgen wieder ändert, aber ja.
Tamara
00:02:58
Da wartet immer nochmal ein Plottwist. Ja, genau. Ja, nee, das freut mich aber sehr. Und genau, hast du ja auch schon angesprochen. Die Buch Berlin steht an und ich bin quasi schon auf dem Sprung, weil ich ein bisschen früher losfahre, ein bisschen länger bleibe. Und genau, freue mich sehr auf Berlin. Das ist ja, ich weiß immer noch nicht so genau, warum, aber irgendwie hat mir diese Stadt es angetan.
Vera
00:03:21
Ja, du wirst ja alle deine Geschichten da spielen, oder? So mehr oder weniger, ne?
Tamara
00:03:26
Ja, nicht ausschließlich, aber mal dort ist man auf jeden Fall immer. Und genau, viele meiner Figuren haben dort ihre Homebase genannt. Ja, ansonsten bin ich gerade so ein bisschen in der Planung. Das Gespräch von letzter Woche ist mir auch noch mal länger durch den Kopf gegangen mit dem Thema Rockstar-Geschichten voranbringen und überlege da gerade so ein bisschen, wie ich das ein oder andere noch mal anders, aufstellen kann. Das ist aber alles noch nicht so ganz spruchreif. Aber ja, also ich bin quasi so zwischen Zukunftsplänen und Taschenpacken sehr beschäftigt.
Vera
00:04:03
Ja, das ist so gut, Tasche packen, ist bei mir immer so ein halbes Stunden-Dingen, da bin ich ja sehr spontan. Ja, also was tatsächlich jetzt die letzten zehn Tage etwas zu kurz gekommen ist, ist tatsächlich mein Schreiben. Also wenn auch jetzt immer viel drumherum war, bin ich da so ein, kann ich das immer nur so etappenweise, und bin noch nicht so richtig in Flow, gekommen, also die Geschichte und so. Es war dieses Mal ja sowieso ein bisschen schwieriger, weil das ja jetzt keine Geschichte ist, die so aus mir herausgekommen ist, sondern die ja quasi, die ich aus dem Grund des Titels, der gewählt wurde, ja, jetzt erstmal bauen musste und so, das braucht noch ein bisschen, bis es sich setzt. Ja, aber ich baue da auch, ich bin ja Ende November dann so zwei Wochen bei der Meerschreibzeit. Da baue ich dann schon da drauf, dass ich da kräftig noch WordCount abarbeiten kann und viel Inspiration von den dort anwesenden Kolleginnen bekomme. Und ja, also so habe ich halt auch meinen Plan in Papyrus eingestellt. Ja, aber gut, ich werde das schaffen. Der Termin steht ja und bis jetzt ist es noch immer gut die Jange. Und ja, jetzt am Freitag, wenn die Folge rauskommt, erscheint ja jetzt Band 2 von Weber & Bosniak, namens aufgetrennt. Jetzt wirklich offiziell überall im Handel erhältlich. Okay. Bin ich natürlich auch gespannt. Die ersten Bloggenden und Rezensierenden haben mir vorab schon so ihre Meinung geschickt. Die waren bisher alle sehr, sehr, sehr positiv. Also die meisten schreiben, dass ihnen noch besser gefällt als Band 1. Und ja, dann habe ich ja zwei Bände in der Reihe und hoffe natürlich, dass da noch so ein bisschen was daraus wird. Dann habe ich ja auch den Sammelband zu Bienehagen jetzt raus. Tote kommen doppelt gut. Und das ist ja mein bisher dickstes Buch mit 536 Seiten. Und, Da hoffe ich noch so ein bisschen, dass das vielleicht so für das Weihnachtsgeschäft, vielleicht so als Geschenk oder so. Ich werde auch mal sehen, wie das jetzt bei der Buch Berlin.
Tamara
00:06:21
Nimmst du da von allen Büchern was mit oder wie bestückst du den Stand da?
Vera
00:06:27
Also ich werde schon alle zumindest einmal mitnehmen, schon allein, um es auf den Stand stellen zu können.
Tamara
00:06:35
Ja, das ist klar.
Vera
00:06:37
Aber ich weiß jetzt auch aus Leipzig und aus den anderen Messen, dass so die mittleren Teile einer Reihe, also wenn überhaupt, sehr, sehr, sehr sporadisch gekauft wird, weil ich gehe ja mal davon aus, dass da in Berlin jetzt nicht so die Stammlesenden sind, die da gesagt haben, ich habe schon die ersten beiden, ich will jetzt Band 3 haben oder so. Also sind es doch im größten Teil Leute, die, irgendwie neu lesen sind und die fangen tendenziell eher beim ersten Teil an. Manche halt auch sagen, dass sie den neuesten lesen wollen. Ganz vereinzelt, also in Leipzig war es ganz vereinzelt so, dass Leute einfach das Buch genommen haben, wo die Titel und Cover am besten gefallen hat.
Tamara
00:07:22
Ja gut, wenn es gerade ein Thema abdeckt, wo man sagt, das interessiert mich jetzt, keine Ahnung, jemand singt im Chor und kann die Person neben sich nicht leiden. Ja, genau.
Vera
00:07:32
Also witzigerweise war Tote singen selten schief tatsächlich auch neben den beiden ersten Teilen, der am meisten verkaufte, Sonderteile. Ich hatte mehr so auf den neuesten getippt, aber der war tatsächlich gar nicht so. Also Tote sind selten, ich bin da tatsächlich am besten angekommen. Also von daher, ich habe das jetzt so ein bisschen halt notiert und daraus kann ich ja jetzt so eine gewisse statistische Verteilung ermitteln. So jetzt weiß ich ja, ich meine in Berlin, wenn ich da auf Level von Leipzig verkaufe, was ja schon genial wäre, dann wären das 40 Bücher pro Tag. Das heißt 80 Bücher, wobei Weber und Bosnia gab es in Leipzig ja noch nicht. Und den vierten Frau Appeldor noch nicht. Ich weiß nicht, wie die Reihe jetzt da reinkommt. Aber dass ich da jetzt mehr als das verkaufe, das halte ich dann doch eher für utopisch.
Tamara
00:08:31
Ne, es sind ja auch weniger Tage.
Vera
00:08:32
Ja, genau. Also wie gesagt, wenn du 40 Bücher pro Tag, das wäre das Leipzig-Level. Also das wäre natürlich genial, wenn das klappen würde, aber ich glaube nicht. Und wenn dann mal ein Buch aus irgendeinem mittleren Teil von der Reihe nicht da ist, dann ist er halt nicht da. Also da mache ich mir jetzt keinen Kopf drum. Ich werde halt mal ein bisschen testen, wie das mit dem Sammelband ist. Ich habe Leute, die sonst halt den ersten Teil kaufen würden, jetzt vielleicht eher direkt den Sammelband kaufe, Also zuletzt, als ich auf dem Spätmarkt war, da war das tatsächlich so. Da haben ja zwar nicht viele, die meisten haben ja Weber und Lossner gekauft, aber die, die dann für Biene, die haben tatsächlich ein Sammelband gekauft. Weil ich denen dann auch so gesagt habe.
Tamara
00:09:20
Ja, klar, das ist ja auch sinnvoll.
Vera
00:09:22
Und so, das werde ich halt sehen. Und wenn der weg ist, ist er weg.
Tamara
00:09:27
Ja, ich bin mal sehr gespannt, dass ich auch nochmal mein Standkonzept so ein bisschen überarbeitet habe. Also jetzt sowieso aus Anlass, dass ich ja zusammen mit Wiebke eben, wir sind ja als die Rock-Roman-Ladies da, das heißt der ganze Stand ist eben stark unter diesem Musikthema und ich habe mir jetzt auch nochmal ein neues Roll-Up gemacht, was jetzt weniger auf ein Buch ausgelegt ist, sondern mehr so dieses, ja so CI-Musik-Rock-Themen und so weiter. Und wir haben ja auch diverse Aktionen uns ausgedacht, also man kann zum Coverstar eines Rockmagazins werden bei uns am Stand, man kann sich als, Bodypercussionist ausprobieren und wenn man mal bei uns, also bei Wiebke und mir auf den Social Media Kanal schaut, da gibt es auch ein Posting, über das man ein geheimes Codewort bekommen kann, um dann eine ganz besondere Besonderheit zu kriegen. Sollte man dringlichst noch tun auf Instagram. Von daher, ich bin mal sehr gespannt, wie sich das dann so ergibt, so als Gesamtkonzept mit so starkem Musikfokus und freue mich auf jeden Fall drauf. Also es wird auf jeden Fall eine coole Zeit.
Vera
00:10:37
Auf jeden Fall Aufmerksamkeit. Also das, denke ich, wird schon kommen. Habt ihr jetzt einen gemeinsamen Tisch oder habt ihr zwei Tische?
Tamara
00:10:43
Wir haben einen gemeinsam, genau.
Vera
00:10:45
Ah gut, wir haben, also ich bin ja da mit der Kerstin Rachfall als Krimi-Kombo, da haben wir natürlich dann auch unser Krimi-Kombo Motiv, was wir ja schon in Leipzig hatten, haben wir jetzt auch so als Urlaub. Aber wir haben zwei Tische. Wir haben ja auch, du hast ja nur nicht so viele Bücher.
Tamara
00:11:02
So viel Platz brauche ich ja dann auch nicht. Und die sind ja auch nicht so klein, die Tische tatsächlich.
Vera
00:11:10
Von daher sind wir sehr gespannt, was da kommt. Jetzt ist es ja auch noch zeitgleich mit Halloween, nicht wahr?
Tamara
00:11:18
Genau.
Vera
00:11:19
Und da Ah, kann das ein oder andere Unerwartete ja passieren.
Tamara
00:11:26
Ja, ich glaube, wir müssen tatsächlich an der Stelle vielleicht auch eine kleine Triggerwarnung vorausschießen. Also wenn ihr vergleichbar empfindlich seid wie Vera über Erzählungen, sowas abgetrennte Körperteile oder so angeht, dann vielleicht, das Bedienfeld eures Podcast-Geräts in der Nähe halten, dass ihr im Zweifel kurz ein bisschen skippen könnt. Es lohnt sich aber trotzdem dran zu bleiben, auch wenn ihr vielleicht nicht so die Gruselfans seid, weil unser heutiger Gast hat ganz, ganz tolle Schreibtipps auch dabei. Wir haben einen Autor da, der weiß genau, wie man Gänsehaut erschafft. Allein, wenn ich mir schon seine Buchcover angucke, da läuft es mir kalt den Rücken runter. Und deswegen sind wir natürlich super gespannt, heute zu erfahren, wie man denn diese Art von Spannung erzeugt und was es da alles gibt und ich freue mich sehr, dass er es ausgerechnet heute geschafft hat, herzukommen. Ganz herzlich willkommen, G.S. Foster, auch bekannt als Basti. Hallo.
Basti
00:12:30
Hallihallo, danke für die Einladung.
Tamara
00:12:32
Ja, toll, dass du da bist. Also lass uns doch erstmal vielleicht so in Richtung Genre-Horror einsteigen. Ich habe auf deiner Website gesehen, da hast du das 1x1 des Horror-Genres und da war eine schier nicht enden wollende Liste an verschiedenen Horror-Szenarien, die es gibt und unter Genres. Hol uns mal ab, alle, die vielleicht mit dem Genre bisher noch keine Berührung hatten.
Basti
00:12:59
Naja, also Horror ist wirklich sehr, sehr vielseitig. und dieses 1x1, was du erwähnst auf meiner Homepage, das ist ein langer Blogartikel, den habe ich auch sehr lang und ausführlich geschrieben und es ist trotzdem nur ein Bruchteil von dem, was es gibt. Also ich vergleiche das immer gern mit Horrorfilmen, wenn man das dann so sieht. Das geht ja von der klassischen Geistergeschichte über den Slasher, also Maskenmörder XYZ mit einem riesengroßen Messer bis hin zu Exorzismus, Dämonen, dann gibt es Blätter, dann gibt es Kannibalismus, es gibt Apokalypse, es gibt Zombie. Also Horror ist so vielseitig und ich schreibe es jetzt seit fünf Jahren, habe jetzt 18 Bücher rausgebracht und versuche schon immer gewisse Abwechslung reinzubringen in meine Geschichten, aber ich habe auch nur einen Bruchteil bisher von dem geschrieben, was ich gern schreiben würde. Also natürlich steht bei mir eine Zombie-Geschichte irgendwann mal auf dem Trapez. Ich habe jetzt letztens eine Splatter-Geschichte geschrieben. Ich bin gar nicht so der Splatter- Freund. Also zur Erklärung, es ist blutig, da gehen Körperteile durch die Gegend und es wird an Knochen genagt und Gliedmaßen hier und dort. Also das ist sehr blutig. Das muss man mögen. Ich habe es bisher eigentlich vermieden zu schreiben, habe jetzt aber mal ein Buch dazu geschrieben und das ist so gut angekommen, und mir hat es insgesamt auch wirklich sehr Spaß gemacht. Also ich werde das auf jeden Fall nochmal schreiben, aber es ist halt so, Horror ist viel, viel mehr als diese klassische Geistergeschichte, was halt immer so der Aufhänger eigentlich ist, muss man sagen. Und ich bin in dieses Genre reingerutscht, weil ich lese es gern, logischerweise. Also man sollte ja schon sich ein bisschen darin auskennen. Lese es auch schon seit Kindheit, muss man sagen. Natürlich mag ich auch sehr Horrorfilme. Aber Horror ist halt im deutschen Buchmarkt immer sehr stiefmütterlich behandelt worden, muss man sagen. Wird es heutzutage immer noch. Man kriegt es jetzt mittlerweile mit, so gewisse Verlage versuchen schon in die Horrorrichtung zu gehen. Es gibt also diese kleinen Verlage wie Festa und Buchheim Verlag, wenn euch das was sagt. Und jetzt aber so mittlerweile die Großen, wie jetzt Markus Haidt, jetzt mit Die Villa, so als bei Knauer, als ganz großes Horror-Ding. Jetzt mittlerweile, Sebastian Fitzek hat ja auch im März mit Erika Strauss zusammen einen Horror-Thriller rausgebracht, also nicht nur Psycho-Thriller und so. Man kauft jetzt auch amerikanische Autoren ein. Das freut mich natürlich, weil eigentlich gefühlt die letzten 20, 30, 40 Jahre Horror, Stephen King, fuck, das war's. So ist es nicht. erstens ist King nicht nur der Horrorautor und zweitens, selbst er hat es schwierig, wenn du in den Buchladen gehst, Talia, Hugendubel oder die Kleinbuchhandlung, da stehen halt immer diese schönen Banden oben drüber im Regal, Cozy Crime und Krimi und Romance und selbst King, der ja schon einen großen Namen hat, der wurde teilweise unter Fantasy eingeordnet, weil man eigentlich Horror nicht ausweisen wollte in der Buchhandlung. Das fand ich schade und deswegen kam das dann sozusagen und da habe ich gesagt, okay, jetzt schreibst du Horror und versuchst diesem Genre, was natürlich eine Nische ist, müssen wir uns gar nicht drüber unterhalten, es ist eine Nische, aber versuchst du schon ein bisschen mehr Bekanntheit zu verschaffen und ich kriege es ja mit. Also wie gesagt, ich lebe vom Schreiben, also ein paar Bücher verkaufe ich schon und auch auf dem Buchmessen und die Rezension, es gibt sehr viele Horrorleserinnen und Leser und ich muss sagen, ich habe da lange nicht alle erreicht und deswegen lohnt sich das schon sozusagen, dieses Genre ein bisschen mehr nach vorne zu bringen. Eine Self-Publishing sowieso, aber auch jetzt, wenn die Verlage so in die Richtung kommt, das kann dem ganzen Genre noch gut tun. Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich sehe es nicht als Konkurrenz, aber es ist halt einfach so, ich muss sagen, je mehr Leute jetzt wirklich ein Direkthorror, sich auf die Fahne schreiben. Es kann dem Genre nur helfen. Das freut mich sehr.
Tamara
00:16:12
Ich finde es gerade sehr amüsant. Also ich meine, ich habe ja nicht nur den Ton, sondern ich sehe auch die Videos und wie du, Basti, einerseits gerade vor Leidenschaft erglühst und wer das Gesicht immer entsetzter wird. Es bildet aber auch so ein bisschen die zwei Herzen meiner Brust ab. Also ich habe jetzt keine sehr große Erfahrung mit Horror. Ich habe das ein oder andere Mal gelesen oder gesehen. An meinem Geburtstag waren wir in einem Escape Room mit dem Motto Silent Hill. Das war sehr cool. Aber es ist so dieses so, eigentlich habe ich zu dolle Angst und kann es dann auch zu sehr nicht vergessen. Aber andererseits fasziniert es mich auch unglaublich. Und wenn ich hinter dir allein deine Cover sehe oder auch die Trailer mir dazu angeschaut habe, dann denke ich so, ja, ich will wissen, was dahinter steckt. Und ist das eigentlich das Ding, um was es geht?
Basti
00:17:05
Ja, das ist auf jeden Fall, auf jeden Fall. Also ich muss sagen, ich kriege das sehr oft mit, gerade wenn man sich so wirklich auf dem Buchmessen mit den Leuten am Stand unterhält. Die sagen auch, ja, die Cover sehen cool aus, aber Horror ist nicht meins. Dann kommt man halt so ins Gespräch und ist genau das Gleiche, was du halt so sagst. Ja, eigentlich habe ich Angst davor, ich würde aber doch schon gerne mal was lesen. Und da kann ich natürlich auch sagen, ja, okay, nimm dann dieses Buch oder das Buch, weil da ist es nicht ganz so extrem oder geht nicht ganz so blutig zur Sache. Und bei einem Buch ist es immer noch was anderes. Ich muss sagen, ein Film, also viele Horrorfilme, die arbeiten ja nur über das Grafische. Im Buch kann ich auch gewisse Sachen beschreiben, aber ich habe jetzt keine Lust, keine Ahnung, sechs Seiten lang eine Schlachtorgie zu bezeichnen, wie dann halt ein Leichnam auseinandergenommen wird. Erstens ist das langweilig und zweitens die wichtigsten Sachen sind sowieso, die im Kopf stattfinden, sind viel, viel besser als das zu beschreiben. Und Horror ist wirklich so, man kann ja seine Komfortzone verlassen, man begibt sich in Gefahr, ohne sich nicht in Gefahr zu begeben. Das klingt jetzt paradox, aber es ist ja wirklich so, man hat diesen Adrenalinkick, wie bei einer Afterbahnfahrt zum Beispiel, man ist da halt nie wirklich in Gefahr, aber man hat also das Gefühl des Fallens, des Entgleisens in Anführungsstrichen. Beim Lesen ist das halt von Horror auch so. Man erlebt mit dem Protagonisten halt zusammen die jeweiligen Abenteuer oder betritt halt das Geisterhaus, so stellt sich, dem Dämonen jetzt oder der Bestie oder was weiß ich. Und kann aber zum Schluss sagen, am Ende des Tages, ich klappe das Buch zusammen und bin trotzdem in meinen vier Wänden und alles ist gut und alles ist schön. Das ist dieser Reiz, der es dann ausmacht.
Tamara
00:18:32
Ich weiß nicht.
Basti
00:18:34
Schlaflose Nächte. Ohne Gaktis.
Tamara
00:18:37
Wenn ich sowas gesehen oder gelesen oder gehört habe und ich muss nachts nochmal in den Keller, da flitze ich aber ganz schön schnell die Treppe wieder hoch.
Basti
00:18:44
Ja, okay. Habe ich meinen Job richtig gemacht? Aber du hast dich ja nicht dieser Gefahr direkt gestellt, muss man jetzt so sagen. Das ist halt wirklich so dieser Adrenalinkick, den man dann auf andere Genres, also es ist ja nicht nur im Horror-Genre um Gottes Willen, aber den auch andere Genres bieten. Aber wo man halt wirklich sagen muss, so ging es mir zumindest damals, als ich angefangen mit Lesen, ja, das ist spannend, das ist cool, aber ich bin halt nie wirklich in Gefahr. Und dieser gewisse Reiz und ich muss sagen, also wenn ich die Resonanz, gerade von meinen Leserinnen, muss man sagen, also ich habe wirklich viele Leute, ich bin da wieder bei den Buchmessen dabei, weil man kann mir das so schön erklären, dann das jeweilige Buch, was passiert. Und dann manche, die sind schon vorbeigegangen, sind nach einer halben Stunde wiedergekommen. Ich nehme es jetzt doch mal mit, ich probiere es mal. Mittlerweile sind das Stammleserinnen von mir und die sind sonst echt in dieser Romance- oder Fantasy-Schiene oder im Krimi-Bereich unterwegs, die echt sagen, ich habe mit Horror nichts am Hut. Ich konnte sie bekehren. Das ist natürlich schön. Also wie gesagt, ich lese ja auch nicht nur Horror, um Gottes Willen. Und nur weil ich es jetzt schreibe und Stephen King sehr verehre, ich lese ja auch ganz andere Sachen. Aber es ist halt so, wo ich mich am meisten zu Hause fühle. Und dafür brennt dann natürlich auch mein Herz. Deswegen ist so ein Podcast dann immer schön, wenn ich da ein bisschen dafür schwärmen darf.
Vera
00:19:54
Ja, das machst du sehr gut. Wobei, ich muss echt aufpassen auf meinen Blutdruck. Ich möchte da jetzt eine Geschichte erzählen. Vor zwei, drei Jahren waren wir mit den mörderischen Schwestern in der Rechtsmedizin in Köln. Und der Rechtsmediziner hat erstmal nur anhand von Fotos gezeigt, wie so eine Autopsie läuft. Und das erste Bild war noch die äußerliche Leichenbeschau. War noch gut. Das nächste Bild war, wie die oberste Hautschicht abgenommen wird. Und dann hat man nur noch ein Plumpsen gehört und dann lag Leere auf dem Boden. Ich bin da sehr sensibel. Ich musste gerade schon, als du anfingst aufzuzählen, musste ich schon, tief Luft holen. Also ich glaube, ich bin da überhaupt keine Zielgruppe, aber ich frage mich die ganze Zeit, ich sage es jetzt mal ein bisschen, ich merke es mir ein bisschen provokant, was ist in deiner Kindheit schiefgelaufen, dass dir das Spaß macht?
Basti
00:20:59
Also ich muss immer sagen, solange ich mich in den Horrorbüchern beim Schreiben austoben kann, dann geht von mir ja keine Gefahr aus. Das ist ja schlimm, wenn ich alles in mich hineinfressen würde.
Vera
00:21:08
Okay, das macht es irgendwie nicht besser, ehrlich gesagt.
Basti
00:21:14
Das ist halt einfach so. Also ich bin ganz ehrlich, das habe ich auch in einem anderen Podcast schon erwähnt. Ich habe sehr früh als Kind Bücher gelesen und Filme gesehen, die ich sicherlich in dem Moment nicht hätte sehen oder lesen dürfen. Jetzt nicht mehr unbedingt, weil meine Eltern mir das erlaubt haben, sondern einfach, weil ich es gemacht habe, obwohl es mir verboten war. Es ist nun mal so. Also ich bin jetzt nicht der Typ, der mit Computerspielen aufgewachsen ist. Ich habe halt wirklich schon mit, keine Ahnung, zwölf, dreizehn Jahren, aber meinen ersten Halloween-Film gesehen mit Michael Myers und so. Das hat mich geprägt. Ich würde jetzt sagen, nicht negativ. Also wie gesagt, da müsste jetzt die Leute mein privater Umfeld fragen. Aber ich bin ausgeglichen, weil ich mich in meinen Büchern abreagieren kann.
Vera
00:21:52
Okay.
Basti
00:21:54
Nein, es ist einfach so, also die Leidenschaft muss, wie gesagt, angefangen hat das bei mir schon als Kind, ich kann es gar nicht jetzt mit TKKG und drei Fragezeichen, kennt man Hörspiele, ganz harmlos, aber die Folgen, die am gruseligsten waren, nenne ich es jetzt mal so, die haben mich halt am meisten abgeholt. Dann kam halt irgendwann John Sinclair mit dazu, der Geisterjäger. Dann kamen halt diese Geschichten aus der Gruft. Erst die Zeichentricks-Serie, falls ihr das kennen solltet. Dann gab es diese Original-Serial-Serie. Und dann irgendwann später X-Faktor. Ja, und dann auch Akte X. Und dann ging das so los. Also es ist wahrscheinlich mehr durch das Filmische oder durch Seriener geprägt, als durchs Lesen. Weil mein erster Steven Kingu habe ich 2006 gelesen. Also gut, das ist auch schon 20 Jahre her. Da war ich 14. Also ich kenne Leute, die haben schon viel, viel früher mit King angefangen. Da bin ich ein bisschen ein Spätzünder gewesen. Aber das Gruselige, das Geheimnisvolle, das Düstere, das hat mich halt schon immer mehr gepackt. Und das war dann wahrscheinlich vorbestimmt.
Vera
00:22:48
Aber was ich mir so gar nicht vorstellen kann, ist, was du ja gerade sagst, du schreibst jetzt eine Szene, also wenn ich Szenen schreibe, dann... Dann spiele ich die ja vor meinem inneren Auge. Ich lebe die ja so ein bisschen mit. Jetzt schreibst du so eine Szene, wo eine Leiche zerfleddert und die Knochen abgeknackt werden.
Basti
00:23:08
Ja.
Vera
00:23:10
Ich meine, da würde ich ja beim Schreiben ohnmächtig werden. Also wie machst du das?
Basti
00:23:17
Ja gut, da bin ich dann abgehärtet, weil ich das halt im Film schon hundertmal gesehen habe. Also erstens weiß ich dann, bei mir läuft dieser Film im Kopf auch ab, natürlich. Ich erzähle mir die Geschichte ja erstmal selbst und beschreibe ja das, was ich auf einer Großhirnrinde sehe. Aber wenn du halt dann, wie gesagt, zig Filme gesehen hast und auch Bücher dazu gelesen hast, wenn du natürlich gar nicht die Veranlagung dafür hast, dann würde ich das an deiner Stelle auch nicht machen. Auch nicht dazu überreden lassen. Oder sowas, um Gottes Willen. Aber das ist dann halt einfach, wenn du dieses Genre halt kennst, dann ist das wirklich so, ich würde sagen, geht es dir leicht von der Hand, um Gottes Willen. Aber wie gesagt, du hast halt so eine Mordszene und das ist nicht nur einfach mit Pistole und Peng und Tod, sondern wirklich eine brutale Mordszene, etwas drastischer Mordszene, hast du halt im Film schon 30, 40 Mal gesehen und dann weißt du schon in etwa erstens, was die Erwartungen der Leser und Leserinnen sind, weil die auch in diese Richtung gehen, dann weißt du, wie du es beschreiben musst und so blöd wie es klingt, dann stört es dich auch nicht mehr wirklich. Also das ist halt...
Vera
00:24:13
Jetzt schreibe ich halt genau das Gegenteil, ich schreibe ja so diese cozy crimes und da muss ich ja schon aufpassen, da darf ich ja schon gar nicht schreiben, dass so eine Leiche mal was müffelt, dann ist schon an der Grenze und Tier ist schon vorbei.
Basti
00:24:25
Wer das Leichen, werden totgekuschelt.
Vera
00:24:26
Genau, und Tieren darf auch nichts passieren. Gibt es in deinem Genre auch ein Zuviel? Gibt es eine Grenze?
Basti
00:24:40
Ja, würde ich schon sagen. Also es gibt Bücher von Autoren, Autorinnen, auch in kleineren Verlagen, die werden natürlich medienwirksam FSK 18 beworben, obwohl es ja keine freiwillige Selbstkontrolle für Bücher gibt, aber das ist dann schon so diese extreme Richtung, ich hatte es ja vorhin zu erwähnen, so Splatter, Kannibalismus, ja okay, aber, Das geht dann teilweise noch ein Stück weiter, so mit Folterbeschreibungen und ja, wie soll ich denn sagen, das wird dann so pseudodokumentarisch versucht irgendwie zu erklären. Es gibt ja dieses Buch, ich weiß nicht, wer das kennt, Ibel von Ash Ketchum, das basiert ja auf einem echten Fall, wo ein Mädchen von einer Nachbarsfamilie in Amerika 70er, 80er Jahre eingesperrt und gefoltert wurde und da waren Zigrettenstummel auf der Haut noch das Humanste, muss man jetzt so sagen. Und sowas wird dann jetzt fiktiv versucht zu erzählen und das hat auch seine Daseinsberechtigung, weil die Bücher werden auch gekauft und gelesen. Aber wenn es dann jetzt einfach nur die Folter und die Gewalt, um der Gewalt will, da hört es bei mir auf. Also bei mir steht trotzdem die Geschichte im Vordergrund und wenn ich anfange zu plotten, ein neues Buch, ich denke mir, oder ich überlege, okay, jetzt könntest du mal eine Geschichte schreiben, weil ich will nicht nur Geistergeschichten schreiben, jetzt schreibst du halt eine Vampirgeschichte als Beispiel, jetzt einfach nochmal so. Dann weiß ich, okay, Vampir, so, und dann überlege ich jetzt trotzdem nicht, okay, wie viele Morde und so weiter, dann denke ich trotzdem, okay, was ist die Geschichte, was ist das Setting und dann, wenn ich das dann habe, versuche ich den Vampir in die Geschichte zu bauen. Also deswegen sage ich auch Horror-Thriller, ich schreibe nicht jetzt Horror-Bücher, bei mir steht auch nicht vorne Horror drauf, weil... Es schwankt natürlich so, mal ist es mehr Horror, mal ist es weniger Horror, aber jetzt einfach nur brutal Gewalt und Blut und das von Seite 1 bis Seite 350 und wenn es dann wirklich schon an die Nieren geht, weil das macht dann beim Schreiben wahrscheinlich, ich weiß es nicht, auch nicht mehr so sehr viel den Spaß, dann würde ich dann auch eine Grenze ziehen. Also jetzt nicht unbedingt halt, wie gesagt, ich habe nichts gegen Gewalt im Bücher, um Gottes Willen so, aber ich habe halt so gewisse Sachen schon gelesen, die haben halt keinen Spaß gemacht, weil es da wirklich gefühlt nur ums Drastische ging und ums Provokante und so. Und da hast du eine Geschichte gesucht, die hat vielleicht auf den Bierdeckel gepasst und die Figuren waren, also das klingt jetzt vielleicht ein bisschen, meine Figuren haben vielleicht auch kritisiert im Gotteswillen, aber die Figuren habe ich in dem Moment einfach nur als Kanonenfutter empfunden. Wie gesagt, es fing dann mit Folter an und über Vergewaltigung und was weiß ich nicht alles und so weiter. Das kann man alles in Bücher einbauen, mache ich auch so, aber mir hat dann halt eine Geschichte gefehlt und dann fände ich, dann ist es nur so zum Provozieren da.
Tamara
00:27:04
Sensation.
Basti
00:27:04
Ja, genau. Und das würde ich dann eigentlich, also das würde ich nicht machen, muss ich sagen. Mir geht es schon ja immer um die Geschichte und dann versuche ich den Horror einzubauen und nicht einfach nur sagen, ich habe jetzt 300 Seiten, keine Ahnung, 50 Tote und, ja, da kann ich mein Buch auch in die Kamera halten und sagen, hier nicht unter FSK 18 lesen und so. Da habe ich dann so ein inneres...
Vera
00:27:25
Aber hast du nicht trotzdem bei all diesen Themen auch nicht mal Angst, dass da vielleicht sich auch mal irgendjemand davon inspiriert fühlt, das mal nachzuspielen?
Basti
00:27:36
Also das würde ich sagen, da fängt es nicht bei meinen Büchern an, da fängt es bei irgendwelchen Ego-Shootern an und da müsste jeder Film, sage ich jetzt mal so, also ich bin, weiß Gott, nicht derjenige, der sagt, Ego-Shooter sind für irgendwelche Sachen verantwortlich und so weiter, auf Gottes Willen. Und ich denke erst recht nicht, dass das Filme sind, also weil in einem Film, den schaue ich nur noch an, ein Buch lese ich nur.
Vera
00:27:54
Aber bei Filmen, wenn ich mal reinhacke, bei Filmen gibt es ja nun mal FSK 16, 18, im Gegensatz zu den Büchern. Deine Bücher, die ja dann auch so drastische Themen haben, sind ja rein theoretisch auch für jüngere Menschen erhältlich.
Basti
00:28:09
Das kann ich tatsächlich kontrollieren. Also ich kann es bei Buchmessen kontrollieren und den Fall habe ich auch schon mehrmals gehabt, dass halt, ich nenne es mal, Kinder, Jugendliche auch schon ganze Schulklassen haben in Leipzig auf der Buchmesse bei mir gestanden und haben gesagt, oh, die Buchkörper sind ja richtig cool, können wir das für unsere Schulbibliothek nehmen? In dem Zug hätte ich für die Schulbibliothek einen ganzen Stapel verkaufen können. Dann kamen die Lehrerinnen an. Die hat mich angeguckt, ich habe gesagt, nein, machen Sie es nicht. Also was ist das für ein, das ist eine Schulbibliothek, eine Grundschule. Ja. Klar, das wäre die schnelle Marke gewesen in dem Moment, aber da hast du ja schon irgendwo Gewissensbisse. Das kann ich kontrollieren. Natürlich, wenn jemand bei Amazon sagt, ich kaufe mir jetzt das Buch und ein Zwölfjähriger wird kein Amazon-Konto haben, wenn er das dann mit dem Konto von Mami oder Daddy macht oder so, das kann ich nicht kontrollieren. Das ist nur mal so. Und alles andere, so blöd wie es klingt, das ist so ein abgedroschener Satz, Aber das ist ja immer so, Waffen sind auch nicht gefährlich. Menschen, die sie benutzen, sind gefährlich. Also das ist jetzt so dieser Waffenhersteller. Ja klar, müssen wir jetzt gerade in dieser Situation gar nicht darüber reden. Alles ganz schlimm und so weiter. Aber ich denke immer noch so, ich schreibe, um zu unterhalten und nicht um zu inspirieren. Also zumindest nicht in Hinsicht von Mord und Horror. Natürlich habe ich gewisse Botschaften in meinen Büchern und gewisse Standpunkte haben meine Figuren auch. Wer das sich vielleicht ein bisschen annimmt oder einen gewissen Dialog oder eine Verhaltensweise liest und darüber nachdenkt, Schön, fein, kann ich aber genauso wenig kontrollieren, wenn jetzt jemand sagt, oh, absolut genial, der Typ hat jetzt gerade sich eine Maske aufgesetzt in dem Buch und rennt durch die Gegend und bringt Leute um, kann ich in Gottes Willen für Erfolgsklopfen. Aber das ist außerhalb meines Einflussbereichs.
Vera
00:29:42
Sind denn diese Typen, die dann sich Masken aufsetzen und irgendwelche Leichen zerfleddern oder was auch immer tun, sind die immer die Bösen?
Basti
00:29:50
In meinen Büchern?
Vera
00:29:51
Ja.
Basti
00:29:52
Nein. Also ich muss sagen, bei jedem meiner Bücher gehe ich so ran, ich habe einen Held oder eine Heldin und mein Bösewicht gehe ich so, er ist natürlich, in dem Kontext ist er böse, aber wenn ich die Kapitel aus Sicht meines Bösewichtes oder, meines Monsters, nenne ich es jetzt mal, oder meines Geistes, was weiß ich, schreibe, gehe ich immer so an die Sache ran, er ist in dem Moment der Held seiner Geschichte. Er denkt, er tut das Richtige. Wenn dieser jeweilige psychisch krank ist oder, keine Ahnung, er hat halt das Bedürfnis, Leute zu töten oder, zu essen, jetzt mal bei dem Beispiel zu bleiben und so weiter, muss ich in dem Moment beim Schreiben trotzdem davon ausgehen, er sieht das nicht, dass er was Falsches tut, jetzt nicht nur wegen der psychischen Krankheit, sondern einfach aus dramaturgischer Sicht. Der Bösewicht ist der Held seiner eigenen Geschichte. Und so musst du dran gehen. Weil sonst, finde ich, ist es auch so, dass die Bösewichter halt einfach nur so, ja, die laufen mal durchs Bild, sollen gruselig sein. Die haben da nicht die Substanz. Und ich möchte ja eigentlich, dass der Bösewicht genau, also bis zum Finale, weil dann muss ja Held oder Heldin gewinnen im günstigsten Fall. Aber sagen wir mal, 90 Prozent der Geschichte soll der Bösewicht ja auf der gleichen Ebene sein. Und das kann ich nicht machen, wenn ich sage, ja, er ist der Böse und am Ende wird er sterben. Und das Gute, es gibt ein Happy End und so weiter. Da ist auch die Spannung raus.
Vera
00:31:02
Was ich eher meinte, du hast schon einen, ich sag's jetzt mal, positiven Held oder eine Heldin.
Basti
00:31:09
Das ja.
Vera
00:31:10
Und du hast einen Bösewicht und dieser Horror kommt vom Bösewicht und nicht von der positiven Heldin.
Basti
00:31:15
Ja, das ja.
Vera
00:31:16
Okay.
Basti
00:31:17
Obwohl nicht jeder Horror in meinen Büchern ist böse, das muss man auch dazu sagen. Also das versuche ich dann auch so ein bisschen.
Vera
00:31:22
Es gibt guten Horror.
Basti
00:31:24
Ja, so einen Twist geben. Also ich sag mal, nicht jeder Geist oder jeder Dämon ist böse.
Vera
00:31:30
Okay, damit kann ich leben, ja.
Basti
00:31:32
Selbst gewisse, sagen wir mal, ein Werwolf, der sich verwandelt, wenn der ein Mensch ist, hat er auch vielleicht einen Grund, sich zu verwandeln und das zu tun, was er tut. Und jetzt zu spoilern bei meinen Büchern, aber das versuche ich schon so. Also jetzt nicht das Plakative und das ist alles schlecht und so weiter. Ich versuche da halt schon, wie gesagt, eine gewisse Dreidimensionalität ranzubringen.
Vera
00:31:50
Wir brauchen jetzt eine kleine Verschnaufpause. Und dafür haben wir jetzt einen hoffentlich nicht so gruseligen Buchtipp. Wir haben auch heute wieder einen Buchtipp für euch. Ihr wisst ja sicher, dass wir gerne auch dein Buch bei uns vorstellen. Sende einfach ein E-Mail an alle-at-zwei-von-der-talk-stelle.de und wir schicken dir alle Infos. Ich hoffe jetzt mal, Tamara, dass es jetzt nichts Gruseliges ist, oder?
Tamara
00:32:20
Ich denke nicht. Und, Vera, heute machen wir mal alles anders. Ich erzähle dir nicht sofort was vom Cover, sondern ich nenne dir erstmal den Titel und bin gespannt, ob du errätst, was für ein Genre es sein könnte.
Vera
00:32:35
Ja, dann bin ich gespannt.
Tamara
00:32:36
Das Buch heißt nämlich Der steinerne Wächter.
Vera
00:32:39
Okay, also da würde ich jetzt so auf Fantasy wetten.
Tamara
00:32:45
Ja, es könnte tatsächlich so sein, aber dieser Wächter ist auf dem Buch abgebildet und dann wird es dir sicher direkt erschließen. Es ist nämlich ein Berg, man sieht ein Gebirge vorne steinig, hinten auch noch mit etwas Schnee, wenn ich das richtig sehe und darüber ein dunkler Himmel. Und der Untertitel des Buches lautet Mein Weg auf den höchsten Berg Amerikas. Geschrieben von Raphael Mielke und ich glaube jetzt hast du schon eher eine Ahnung, in welche Richtung die Reise geht.
Vera
00:33:19
Okay, also nicht Fantasy, sondern mehr so Erlebnisbericht.
Tamara
00:33:24
Genau, genau. Es ist eine authentische Geschichte und ich lese dir mal vor, was dazu auf der Klappe steht. 6.961 Meter. 40% Sauerstoff. Achtung, jetzt wird es kalt. Minus 25 Grad. Und ein Berg, der seit 16 Tagen niemanden mehr auf den Gipfel gelassen hat. Im Januar 2024 bricht Raphael Mielke nach Argentinien auf, um sich einen Traum zu erfüllen, der ihn seit einer zufälligen Busfahrt sechs Jahre nicht losgelassen hat. Den Akon Kagua, den höchsten Berg Amerikas. Vor ihm liegen drei Wochen zwischen Staub, Sturm und dünner Luft. Mit einer Gruppe Fremder, die bald alles teilen, was man am Berg teilen kann. Einem japanischen Bergsteiger, der seine letzte Expedition antritt. Und einer Nacht auf 5.500 Metern, in der alles auf der Kippe steht. Der steinerne Wächter erzählt ehrlich und selbstkritisch, warum Menschen auf Berge steigen, was sie dort oben finden und was die mittragen, die unten warten. Eine wahre Geschichte über Geduld, Demut und die Kunst des langsamen Gehens. Und über drei Worte, die nach 15 Stunden alles bedeuten. We made it! Mit über 30 Fotografien, einer eigens gestalteten Routenkarte und einem ausführlichen Praxisanhang. Was kostet eine Akongagua-Expedition? Wie trainiert man richtig? Was gehört auf die Packliste für den Gipfeltag? Wie gefährlich ist es wirklich? Für alle, die selbst vom höchsten Berg Amerikas träumen und für alle, die verstehen wollen, warum.
Vera
00:35:09
Also das würde ich auch gerne verstehen, warum. Also ich habe schon wieder eine Gänsehaut, ich komme ja gar nicht raus hier. Also ist zwar jetzt nicht gruselig im engeren Sinne, aber schon auch irgendwie, wenn ich mir so vorstelle, ich bin da bei minus 25 Grad irgendwo auf 5.500 Meter Höhe und ja, oh Gott.
Tamara
00:35:27
Ja, also ich muss gestehen, dafür, dass es ja wirklich ein Erfahrungsbericht ist, klingt es unglaublich spannend und ja, nach absolutem Abenteuer und das hat mich jetzt gerade sehr gepackt und macht mich unheimlich neugierig.
Vera
00:35:42
Ja, kann ich nur.
Tamara
00:35:43
Ich weiß nicht ganz sicher. Ich hoffe, ich habe den Berg richtig ausgesprochen. Wenn nicht, möge man es mir verzeihen. Aber ich kann nur sagen, schaut da auf jeden Fall mal rein. Also ich glaube, das ist ein sehr, sehr spannendes Buch.
Vera
00:35:55
Ja, und dann, falls jemand dann vorhat, den Acon Gargua demnächst zu erklimmen, bitte melden. Wir sind sehr gespannt darauf.
Tamara
00:36:04
Genau, also das Buch heißt Der steinerne Wächter. Mein Weg auf den höchsten Berg Amerikas, geschrieben von Raphael Mielke.
Vera
00:36:14
So, haben wir mal durchgeatmet, da sind wir wieder.
Tamara
00:36:18
Jetzt hätte ich mal eine Frage. Wir wollen ja immer lernen. Und ich denke, auch Menschen da draußen, die jetzt nicht vorhaben, Horror zu schreiben, können sicher von dir vielleicht lernen, wie man so diese Spannung erzeugt. Also oft ist es ja wirklich, das Spannende ist ja oft das Ungesagte. Das, was man nicht sehen kann, ist zumindest mein Eindruck. Und ich denke, selbst in der Liebesgeschichte kannst du irgendwie so eine Anspannung irgendwie mal gebrauchen. Hast du da einen guten Tipp, wie man rangehen kann, um das eben nicht tot zu erklären, um das nicht so platt hinzubekommen, sondern dass wirklich einem beim Lesen so diese Gänsehaut über den Nacken kriecht?
Basti
00:37:01
Ja, da gibt es eigentlich zwei Mittel, die ich versuche immer abwechselnd in meinen Büchern reinzubringen. Und zwar ist das einmal, die Figuren wissen mehr als die Leserin oder die Leser. Oder die Leser und Leserinnen wissen mehr als die Figuren. So kannst du am besten Suspense erzeugen. Also, es geht jetzt nicht mal unbedingt darum, dass meine Leserschaft jetzt weiß, wer der Maskenmörder ist, um jetzt mal bei diesem Beispiel zu bleiben, sondern einfach nur, dass ich ein Kapitel zeige aus Sicht des Maskenmörders, der halt meine Heldin beobachtet. Meine Heldin weiß das nicht, die Leser wissen das. So, da kann schon Spannung erzeugen, weil okay, die Heldin wird gestalkt, warum wird sie gestalkt? Was will dieser Typ von ihr? Ist sie in Gefahr? Wird sie jetzt gleich am Ende des Kapitels angegriffen und so weiter? Das ist die eine Art. Oder, wie gesagt, man lässt die Leserschaft komplett im Dunkeln, dass sie halt dann miträtselt. Das ist jetzt nicht von mir, um Gottes Willen, das hat Hitchcock schon vor 60 Jahren erzählt. Also das ist diese berühmte Bombe unterm Tisch und die Leute wissen nichts davon und solche Sachen. Aber das ist das Simpelste, was es gibt. Wie du sagst, das funktioniert in jedem Genre. Das kannst du in eine romantische Geschichte einbauen, das ist ein Cozy Crime drin, das ist ein Fantasy drin, weil ohne Spannung, ja selbst ein 700 Seiten Schwert, Zwergenroman funktioniert ohne Spannung halt auch nicht. Ansonsten beim Horror ist es, wie du fandest, das ist immer das beste Beispiel für mich, wirklich gewisse Sachen der Leserin vorzuenthalten. Einfach zu sagen, okay, ich lasse jetzt deinen Kopf für mich arbeiten. Ich bin als Autor mal faul, um es so zu sagen. Weil natürlich, du musst mal eine blutige Szene beschreiben, du musst mal eine Verfolgungsjagd schreiben. Das gehört dazu, da hat jedes Genre seine eigenen Regeln. Aber halt einfach so beschreiben, okay, es gibt Licht hinter einer Tür und du siehst halt unter dem Spalt von der Tür, das ist halt im Horrorfilm so ein schönes Element, siehst du halt kurz einen Schatten, es steht jemand davor und dann ist dieser Schatten wieder weg. Was ist hinter dieser Tür? Ist das ein Mann gewesen? Warum ist das Licht an? Kann ich die Tür aufmachen? Lasse ich sie lieber zu? Und wenn ich das alles erklären würde, das wäre erstens, wären die Bücher dann viel, viel zu lang. Es wäre sterbenslangweilig und ich übernehme eigentlich die gesamte Arbeit, die ich eigentlich von meinen Lesern und Leserinnen erwarte. Und deswegen, wenn ich einfach nur sage, okay, Lichtschreiben, Schatten, Tür, dann ist das Licht vielleicht wieder aus. Was ist jetzt passiert? Ich kann das 300 Seiten später dann erläutern. Vielleicht lasse ich es auch komplett für immer im Dunkeln und so weiter. Also das ist dann die Arbeit, sage ich mal wirklich. Demjenigen zu machen, der das Buch liest, ist so ein, Twist, oder ja, ein Twist, ein Kniff, wo man dann sagt, ich versuche da mal so wirklich so, dem mündigen Bürger jetzt mal die Fantasie zu überlassen, weil Eta hat schon mal irgendwo einen Horrorfilm gesehen oder kann sich dann darunter vorstellen, was vielleicht jenseits dieser Tür passiert und das ist oft viel, viel effektiver, als wenn ich das fünf Seiten lang beschreibe. Das ist für mich immer noch mit das simpelste und effektivste Mittel.
Vera
00:39:37
Aber wie passt das denn dann zu der Regel Show, Don't Tell? Also du kannst ja dann nur erzählen, dass da das Licht scheint und der Fuß.
Basti
00:39:46
Also Show, Don't Tell ist so eine Regel. Ja, die gibt es, sich da dran zu halten. Also ich sage mal, bei Dialogszenen, ja, okay, dann passt das alles, dass man das nicht alles erklären muss. Aber bei gewissen Sachen muss man sie einfach zeigen. Also selbst jemand wie Stephen King, der wirklich mein Lieblingsautor ist und Vorbild für mich, auch er sagt, Show, Don't Tell, es hat seine Grenzen. Und eigentlich kommt Show Don't Tell ja mehr aus dem Drehbuchbereich, muss man dazu sagen. Und im Film ist das natürlich auch mal komplett was anderes. Da kann ich im Drehbuch schreiben, okay, wir zeigen jetzt das, das und das durch die Kameraperspektive anstelle, dass sich Figuren jetzt zehn Minuten lang das erklären. Im Buch hat das meiner Meinung nach seine Grenzen.
Tamara
00:40:25
Also ich muss da mal gerade einhaken, weil ich eigentlich der Meinung bin, ihr habt gerade beide für Show, Don't Tell gesprochen. Weil es ist doch eigentlich genau das. Ich erkläre, also ich telle ja nicht, ewig lang, so jetzt musst du Angst haben, da könnte was hinter der Tür sein, da ist jetzt Gefahr. Sondern ich zeige, I show, da ist einfach ein Licht. Bums, Ende. Das ist doch eigentlich Show, Don't Tell.
Basti
00:40:51
Ja, okay. Ja, genau, weil, wie gesagt, du kannst das später erzählen, du kannst das von mir aus auch in dem Moment erzählen oder erklären und so weiter, aber es ist halt wirklich so gewisse Sachen... Wie gesagt, in Dialogen ist das alles okay mit Showdown-Tel, aber effektiv gewisse Sachen einfach zu zeigen und sie nicht zu erklären, in manchen Genres mehr, in manchen Genres weniger passt das dazu. Aber ich habe es im Horror sehr gerne, muss ich sagen, weil ich kenne es halt sehr viel aus Filmen, muss man sagen. Also ich bin von Horrorfilmen, habe ich ja vorhin schon erklärt, mehr inspiriert als von Horrorbüchern, weil Horrorbücher erschrecken mich auch nicht mehr. Bei Horrorfilmen finde ich ab und an ein- oder zweimal im Jahr immer noch eine Perle, wo ich denke, oh ja, okay, das war echt gruselig. Es kommt selten vor, aber es kommt noch vor. Und da ist natürlich auch Klar, da ist nicht das Gruselige, dass sich da zwei Figuren unterhalten oder jemand erklärt mir die Psyche von Michael Myers. Nein, da geht es halt wirklich darum, wenn man halt in dem Geisterhaus, keine Ahnung, der Schallplattenspieler einfach anfängt oder der Nacht um zwei alle Uhren stehen bleiben, da bin ich dann eher gehuckt. Das kommt mir halt nur gezeigt, klar.
Vera
00:41:49
Ich überlege jetzt gerade, wenn ich jetzt so in einem Buch schreibe, unter der Tür scheint Licht hindurch, ein kurzer Schatten bewegt sich. Ist das dann Tell oder Show?
Tamara
00:42:01
Nee, das ist Show. Du zeigst das Licht. Also du kannst mehr zeigen als das, was da ist, mit Worten zu benennen, kannst du im Buch ja nicht. Da musst du ein Bilderbuch machen, wenn du noch mehr Show haben möchtest.
Vera
00:42:16
Aber es ist doch auch eine Beschreibung. Da sagst du mir nachher immer wieder...
Tamara
00:42:19
Nee, die Beschreibung wäre zum Beispiel irgendwie, hinter der Tür lauert eine undefinierte Gefahr, vor der ich jetzt Angst habe. Das wäre Tell, das wäre, ich erkläre dir die Welt. Aber Show ist einfach nur, ich gebe dir die Sinneseindrücke, die die Figur gerade hat. Da ist Licht, es ist dunkel, die Uhr steht, was auch immer.
Basti
00:42:38
Okay, ja, verstanden. Das ist das Rudimentärste wahrscheinlich, was man showen kann.
Vera
00:42:41
Ja, ja, klar.
Basti
00:42:45
Ja, deswegen sage ich also, ohne geht nicht. Und wie gesagt, ich kenne diese Regel auch, die langt man ja relativ früh, da hört man immer wieder. Aber ich finde sie halt im Buch halt sehr, teilweise wirklich sehr begrenzt. Ich versuche mich da dran zu halten, wirklich in Dialogszenen oder wenn ich in meiner Figur so drin bin, dass ich alles mit irren Sinn wahrnehme. Aber wenn ich als normaler distanzierter Erzähler sage, hier, bap, bap, Licht, Schatten, Tür, ja, wie gesagt, weniger kann man ja gar nicht machen. Dann muss ich es ganz weglassen und dann ist es ja...
Vera
00:43:12
Aber wir haben ja gerade von der Expertin gehört, dass das ja Show ist und gar nicht Tell, also passt ja alles.
Basti
00:43:17
Dann ist es doch. Haken zu sagen.
Tamara
00:43:18
Sind wir uns doch alle einig.
Vera
00:43:19
Aber wo wir jetzt gerade bei Regeln sind, gibt es Regeln, Dinge, die du einfach in jedem Buch oder in den meisten Büchern beachten musst, damit die Lesenden damit glücklich sind?
Basti
00:43:34
Ja, also wie gesagt, das ist halt jedes Genre, hat da ja seine eigene Anspruchshaltung. Es ist natürlich eine Kragwanderung zwischen, man hakt die Regeln ab, man liefert den Leuten das, was sie erwarten und gewissen Klischees. Oder auch Tropes, ist ja auch mittlerweile so ein bisschen als Synonym. Aber das wird halt erwartet und natürlich geht es im Horror nicht ohne Tod, ohne Gewalt. Vom Grad her mal mehr, mal weniger. Kommt halt dann auch auf dieses Subgenre drauf an. Es geht nicht ohne Nebel, es geht nicht ohne knurrende Türen, es geht nicht ohne Szenen nachts bei Vollmond. Irgendwas mit Taschenlampe, was dann im Lichtschein auftaucht. Also du hast schon diese Checkliste, klingt jetzt sehr formelhaft, aber in gewisser Weise ist es halt so, wie gesagt, mal in manchen Büchern mal mehr, mal weniger. Was ich aber so in mir habe, wo ich denke, okay, das möchtest du jetzt schreiben. Natürlich will ich mich nicht wiederholen. Also wenn es nach meinen Leserinnen und Lesern gibt, könnte jedes zweite Buch von mir eine Geistergeschichte sein, weil ich das wahrscheinlich sehr gut kann. Es macht mir auch sehr viel Spaß, aber das ist halt irgendwann, dann hast du halt zum zehnten Mal eine knarzende Tür und eine stehengebliebene Uhr und Vollmond bei Nacht beschrieben, ist dann halt irgendwann ja, so. Es fehlt dann halt irgendwo so ein bisschen der Kick und ich sag mal, in erster Linie schreibe ich die Geschichte für mich und dann muss ich mir auch in der sechs, acht Wochen, wo ich sie schreibe, muss ich mir auch Spaß machen, am meisten Spaß machen und so. Aber wie gesagt, im Horrorbereich musst du da halt wirklich dieses Subgenres kennen, das kommt dann halt, wenn du dich mit dem Genre befasst, und dann halt zu sagen, okay, das wird jetzt halt, wie soll ich denn sagen, ja, es wird halt erwartet, aber es ist halt wirklich teilweise die Klischees, so blöd wie es klingt, die musst du teilweise mitbedienen, weil sonst ist der geneigte Leser und die geneigte Leserin dann schon enttäuscht. Also wenn es halt eine Werwolf-Geschichte ohne Vollmond gibt, Da wird es schon schwierig.
Vera
00:45:16
Ja, da wird der Werwolf ja kein Werwolf.
Basti
00:45:18
Ja, so, das ist, obwohl, da muss ich auch wieder sagen, in meiner Werwolf-Geschichte, es gibt natürlich einen Vollmond, aber mein Werwolf verwandelt sich auch in den Nächten vorm Vollmond und nach dem Vollmond, weil die Vollmond-Sache hat Hollywood erfunden. Der ursprüngliche Werwolf aus der Folklore kann sich verwandeln, wie er lustig ist. Das wissen halt die wenigsten.
Vera
00:45:35
Aber kriegst du dann keine Anfragen von Leser, wieso verwandelt er sich, wenn kein Vollmond ist?
Basti
00:45:41
Das erkläre ich dann im Buch. Da gehe ich dann zu Term. Nein, weil das ist eben das, das musst du dann machen, weil sonst musst du aufpassen, dann kriegst du schnell, so sehen wir dann, kriegst du halt schnell bei Amazon eine negative Rezi, ist fachlich irgendwas falsch.
Tamara
00:45:54
Der weiß ja nicht mal, wie ein Wehrwolf geht.
Basti
00:45:57
Ja, eben. Oder natürlich bei einer Vampirgeschichte, die Leichen, die dann gebissen werden, also entweder lässt du sie 48 Stunden später in der Leichenhalle aufstehen und sie sind auch Vampire oder es passiert nicht, dann musst du aber erklären, warum das passiert. Ob das dir dann der jeweilige Leser oder die Leserin abkauft, sei mal dahingestellt. Aber wenn du es weglässt, ist es am schlimmsten.
Vera
00:46:16
Das ist dann halt so.
Basti
00:46:18
Aber gewisse Sachen musst du bedienen. Wie gesagt, ich habe da so eine Checkliste, das ist halt, weil ich diese Subgenres ja kenne. Und gewisse Sachen lasse ich dann halt auch weg. Also zum Beispiel so dieses Postapokalyptische, was nicht Zombies, nicht unbedingt, aber so dieses Postapokalyptische, so mit Seuche und was dann schon fast so die Dystopie geht. Gesellschaft ist zusammengebrochen. Es gibt irgendwie ein paar Leute, die wollen von A nach B, weil dort legt es halt besser und so weiter. Habe ich bisher nicht geschrieben, weil das finde ich langweilig. Also ich habe diese melancholischen Zukunftsmissionen, ich habe alles, ich habe Panem und was weiß ich hier, Divergent, habe ich alles gelesen, alles gut, alles schön, hat seine Daseinsberechtigung, möchte ich aber selber nicht schreiben, nicht mal, weil es melancholisch ist, sondern einfach, da holt mich jetzt noch nichts ab, um halt einfach so eine kaputte Welt zu beschreiben und dann, irgendwie haben irgendwelche Mutanten, die verstrahlt sind und so weiter. Da kenne ich auch die Tropes, aber weil ich sie halt kenne, lasse ich das dann halt weg, weil das will ich nicht schreiben.
Tamara
00:47:12
Ja, wenn es da so viel Auswahl gibt. Also ich finde ja persönlich eigentlich immer am faszinierendsten, wenn Dinge oder Wesen, die eigentlich in der normalen Welt harmlos sind, dann plötzlich diesen Gruselfaktor habe. Also keine Ahnung, warum Kinder und Clowns zum Beispiel so furchtbar gruselig sind oder Puppen. Oder was ich halt unheimlich interessant finde. Ich habe es eine Zeit lange sehr, sehr ausgiebig Dr. Hu geguckt und da gibt es die weinenden Engel, also diese Steinstatuen, die man so vom Friedhof kennt. Aber das sind dort eben Wesen, die sich nur bewegen können, wenn man nicht hinschaut. Und dann sind die unfassbar böse. Und nachdem ich diese Folge gesehen hatte, waren auf einmal überall diese Engelsstatuen. Also das ist dann schon...
Basti
00:48:00
Ja, das ist ja auch wirklich dann, wo du sagst, das ist am greifbarsten. Also jetzt nicht unbedingt eine riesige Fantasy-Elte entwickeln und dann auch das Monster mit der Mythologie. Wenn du sagst, du hast halt einen geerdeten Bezug in deiner Geschichte, das kann halt, sind wir wieder bei Stephen King, also niemand kann das so mit diesem alltäglichen Horror wie er. Also entweder ist es halt, wie du sagst, ein Clown, das ist natürlich so dieses Klischee mittlerweile für King by Est, aber auch, die Geschichte alleine so ein alter Indianerfriedhof, was mittlerweile 50 Millionen Mal kopiert wurde, das hat er damals in den 70er Jahren erfunden, oder das Hotel in Shining, einfach ein Gebäude zu sagen, du zeigst gar nichts, das ist ein Hotel, es ist im Winter abgeschiedene Berge, was schon von der Atmosphäre her super ist, und dann einfach sagen, dieses Hotel hat etwas Böses, es wird nie gezeigt, aber es ist halt einfach da. Und dann denkst du ja, okay, ja klar, jeder kennt einen langen Flur in einem Hotel, der vielleicht noch schlecht beleuchtet ist und so weiter, Das ist halt, wenn du diesen Alltag hast und hast dieses Geerdete, dann, kann man sich viel mehr damit identifizieren und dann macht es das halt natürlich auch einfacher in den Kopf reinzukommen als Autor und zu sagen, okay, jetzt habe ich dich, jetzt erzähle ich dir nicht irgendwas von, keine Ahnung, neuen Welten oder, keine Ahnung, irgendwas Science-Fiction-mäßiges und so weiter, sondern das ist der Alltag, das ist das Hotel und im Hotel gibt es halt irgendeine übernatürliche Note und damit kriege ich dich. Und das finde ich auch am besten.
Tamara
00:49:13
Und da habe ich nochmal die Brücke zum Beispiel zu anderen Genres weil ich habe vor langer, langer Zeit mal einen Liebesroman gelesen Und mir fällt jetzt der Titel nicht mehr ein, aber es wird die ganz normale Kennenlern-Geschichte, erzählt, aber zu Beginn des Kapitels kommt immer ein kleiner Abschnitt der Hauptfigur, die in einem Flugzeug sitzt und dringlichst zurück in die Heimatstadt muss, um die Beziehung noch in letzter Sekunde retten zu können. Das sind immer nur so Fragmente, die einem hingeworfen werden. Aber während man quasi liest und erlebt, wie die beiden sich kennenlernen und verlieben, ist dann immer diese Gefahr mit dabei, die aber nicht näher benannt wird. Und da musste ich gerade dran denken, als du über den langen Hotelfluhr gesprochen hast.
Vera
00:50:04
Das ist ja ein bisschen wie so ein Prolog in Häppchen, oder?
Tamara
00:50:09
Ja, so eine permanente Gefahr irgendwie.
Basti
00:50:12
Ja, das ist ja auch so. Wie gesagt, du weißt als Leserin etwas, was gut in dem Moment vielleicht die Figur auch weiß. Aber du bist halt sofort on the hook und denkst, okay, was passiert jetzt? Ich will das jetzt wissen. Und wenn es an der letzten Seite dann hoffentlich vernünftig, nicht mal als Happy End, aber vernünftig aufgelöst wird, dann ist das natürlich, wie gesagt, dann wird dir das Buch auf jeden Fall gefallen haben, sage ich jetzt mal so.
Vera
00:50:33
Also im Liebesroman müssen sie sich ja kriegen. Aber ich muss jetzt mal so ein bisschen runterkommen, sonst kann ich die ganze Nacht nicht schlafen. Du hast vorhin so im Nebensatz gesagt, wenn du so sechs bis acht Wochen an so ein Buch schreibst. Jetzt weiß ich aus der Recherche, dass du ja einen immensen Tagesworkcount teilweise hast. Wie läuft bei dir so ein Schreibtag ab?
Basti
00:50:58
Eigentlich ganz unspektakulär. Also ich stehe früh um sechs, halb sieben jeweils, also meistens so um sechs tatsächlich. Da klingelt mein Wecker, stehe ich auf, ziehe mich an, frühstücke etwas und bin erst mal am Handy und mache Social Media. Ja, ich gebe es zu. Es ist mir mal so. Es geht nicht ohne Social Media. Du checkst halt ein paar Nachrichten und was in der Nacht passiert ist. Ganz viel, wie wichtig man gewesen ist. Gar nicht so wichtig, aber man ist halt trotzdem am Handy. Und dann versuche ich so halb, 8, 7, 30 bis 8 dann wirklich am PC spätestens zu sitzen. Und dann ist mein Ziel, wenn ich das Buch schreibe, also die Rohfassungsphase 5000 Wörter am Tag. Und das ist, die kriege ich manchmal, keine Ahnung, 13 Uhr hin. Die habe ich manchmal auch erst 17 Uhr. Kommt halt drauf an. Meistens mittlerweile ist es tatsächlich so, weil ich halt vieles, also meine Geschichte vorab komplett plotte, weiß ich, was passiert. Ich muss dann eigentlich nur noch das runterschreiben. Dann geht das recht schnell. Also ich pendle mich irgendwo so zwischen 14 und 15 Uhr ein. Und da merke ich aber auch, dann ist es bei mir vorbei. Also ich bin echt früh und vormittag am produktivsten. Zwischendurch natürlich trotzdem in der Mittagspause, wenn ich, keine Ahnung, mit dem Hund rausgehe oder mal so spazieren gehe, trotzdem wieder am Handy, dann wird wieder, okay, Kommentare beantwortet, dann kommt vielleicht mal eine Buchbestellung rein und dann Nachmittag, wenn ich das Buch oder mein Pensum an diesem Tag geschrieben habe, ja, dann geht es weiter. Dann wird das Stativ aufgebaut und dann werden TikTok-Videos gedreht und Beiträge für die nächsten Tage vorbereitet und ja, am Abend bin ich dann fertig und vielleicht noch als Kniff, ich schreibe das Buch komplett durch und gucke mir das, was ich geschrieben habe, nicht an, bis ich das Wort Ende geschrieben habe. Also ich weiß, es gibt ja Autorinnen und Autoren, die sind halt so am nächsten Tag das überarbeiten, was ich am Vortag geschrieben habe oder ich überarbeite nachmittags das, was ich vormittag geschrieben habe. Ist mir egal. Also ich habe so diesen Begriff mentales Auskotzen. Ich will, dass die Geschichte aus dem Kopf raus ist. Also ich will wirklich, ich habe dann zwischendurch, wenn ich irgendwas habe, schreibe ich mir Kommentare in mein Dokument rein oder arbeite mit verschiedenen Schriftfarben. Hier musst du noch, keine Ahnung, was einfügen oder hier fehlt noch irgendwie sowas. Beim nächsten Mal. Ich gehe nicht zurück. Ich will das erstmal die Geschichte beim ersten Mal komplett aus dem Kopf heraus haben. Deswegen habe ich mir auch diesen hohen Wordcount gesetzt, dass die wirklich so schnell wie möglich raus ist. Dann lasse ich sie ein bisschen liegen. Mal eine Woche, mal zwei Wochen länger schaffe ich es meistens mittlerweile nicht mehr. Und dann geht es zurück an den Anfang und dann wird es überarbeitet. Aber durch diesen hohen Wordcount ist halt so im Schnitt irgendwo zwischen sechs und acht Wochen ist halt so ein Buch dann fertig.
Vera
00:53:19
In beiden Phasen, also du hast, wie lange brauchst du für diese reine Schreibphase dann?
Basti
00:53:25
Das reine Schreiben sind wirklich die sechs bis acht Wochen. Okay, und dann überarbeite ich.
Vera
00:53:29
Dann lässt du die ein, zwei Wochen liegen und dann überarbeitest die.
Basti
00:53:33
Dann überarbeitest du. Dann ist Kapitel mein tägliches Ziel.
Vera
00:53:37
Das heißt, was ist so der Beginn? Wie lange dauert es von dem Anfang bis zu dem Moment, wo du sagst, das Buch ist fertig?
Basti
00:53:47
Drei Monate.
Vera
00:53:48
Drei Monate, okay.
Basti
00:53:50
Ja, also mittlerweile, also meine ersten sechs Bücher, das war ja diese Reihe, die ihr hinter mir seht, also das waren sechs Bücher innerhalb von zwölf Monaten, also wirklich alle zwei Monate habe ich da ein Buch rausgehauen, weil ich erst mal sagen wollte, hallo, hier bin ich, ich habe ein Buch und ihr müsst nicht fünf Jahre auf die Fortsetzung warten, sondern ich nehme das ernst und will das jetzt raushauen. Natürlich war das auch ein gewisser finanzieller Aufwand, weil die haben sich nicht direkt alle refinanziert von Anfang an. Aber mittlerweile ist es jetzt so, also ich lasse es jetzt ein bisschen ruhiger angehen. Also ich könnte auch trotzdem noch wahrscheinlich alle zwei, drei Monate so ein Buch raushauen und alles ohne KI, man muss es heutzutage sagen, aber ich schreibe jedes Wort nur selbst. Es ist wirklich so, ich bin Autor geworden, weil mir das Schreiben Spaß macht und nicht das vermarkten. Und es ist leider so. Und man muss dann einfach sagen, ich habe jetzt wie gesagt in fünf Jahren 18 Bücher, also wenn man es runterbricht, Weiß man etwa irgendwo so, wie viele Bücher ich pro Jahr rausbringe. Und es macht halt auch keinen Sinn, wenn man extrem viel schneller schreibt, als seine Leserschaft lesen kann. Weil klar, es gibt den berühmberüchtigten Zug. Aber man hat es dann irgendwann gemerkt, ja, ich komme nicht mehr hinterher und ich lese jetzt erst mal das und ich kaufe mir das Buch noch nicht. Das macht dann auch nicht viel Sinn. Also ich wäre, dass das Buch gelesen wird. Und da habe ich jetzt für mich so ein bisschen auf die Bremse gedrückt, um Gottes Willen, so und sage, okay, ich nehme jetzt fürs Plotten halt eine Woche mehr Zeit. Und klar, die 5.000 Wörter sind immer noch da, aber beim Überarbeiten anstelle von 5 Kapiteln am Tag, beim Überarbeiten, ich mache lieber 3, mache es dann ordentlich und am Anfang, also ordentlich, ich habe auch am Anfang das ordentlich gemacht, aber ich bin mittlerweile so zumindest, dass ich sage, ich hatte am Anfang 5 Fassungen bei jedem Buch, bevor es ins Vektorat ging. Ich schreibe jetzt das Buch und gehe es zweimal durch und dann bin ich schon so dieser, ich bin dann betriebsblind, das weiß ich mittlerweile, ich sehe es dann gar nicht mehr und dann lasse ich es dann schon liegen und dann gehe ich halt ans nächste Buch, Plotte, recherchiere, plane Buchmessen und so weiter Aber so im Schnitt, kann man sagen, wirklich so drei Monate brauche ich für ein Buch, wo ich es dann rausgeben kann.
Tamara
00:55:43
Also das ist auch tatsächlich gerade so ein Thema, was mich sehr beschäftigt. Dieses, wie gut sollte die Rohfassung schon sein? Weil ich habe, glaube ich, noch selten so lange mit einer Rohfassung rumgekämpft wie jetzt gerade. Und es ist halt wirklich so, dass ich immer nochmal zurückschaue und dann fällt mir da noch was ein. Dann korrigiere ich nochmal was in Kapitel 1. Plötzlich denke ich, nee, ich muss den ganzen Anfang nochmal neu machen und ich rotiere ständig um das herum, was ich schon habe und musste schon ein paar Mal auch an den Spruch von Ernest Hemingway denken, schrei betrunken, überarbeite nüchtern und ich glaube, dass mit diesem Betrunken auch, vielleicht so diese Anfangsverliebtheit in die Geschichte auch ein Stück weit vielleicht meint, die einem einfach verloren geht, wenn man zu lange dran sitzt. Ja. Das heißt, bist du für dich auch völlig okay damit, wenn du quasi einfach nur die Geschichte runterschreibst, wenn das vielleicht sprachlich noch oder auch atmosphärisch noch gar nicht geil ist?
Basti
00:56:41
Absolut, absolut. Also das hat mich von Anfang an nie gestört. Mich würde das wirklich erst stören, wenn ich, keine Ahnung, halt drei, vier Tage an einem Kapitel sitze und die Szene halt schon perfektionieren will. Da gibt es ja dieses Analyzes, Parasizes, wenn du sagst, ich bin dann so versucht, das zu perfektionieren, dass dir vielleicht sogar der Spaß daran verloren geht. Und das wollte ich nie, da hatte ich wirklich große Angst davor, weil ich hatte ja auch kein Erfolgsrezept oder so. Und da habe ich mir das halt wirklich einfach so angewöhnt. Und ich bin durch das, wenn ich nicht plotten würde, wenn ich als Panzer jetzt einfach die Sachen runterschreiben würde, dann wäre das vielleicht schon wieder ein bisschen was anderes. Dann müsste ich mehr im Manuskript hin und her springen, um gewisse Sachen zu ändern, anzupassen, zu korrigieren. Aber ich habe meine Karteikarten, ich weiß, was in jedem Kapitel, in jeder Szene passiert. Und dann muss ich es erst mal nur runterschreiben. Natürlich gehe ich mal anstelle von rechts mal nach links im Schreiben. Ich habe mir das beim Plotten anders gedacht, dann fällt ja ein Logikfehler ein, eine Figur taucht auf, die sollte eigentlich sterben, dann wird sie so eine Hauptfigur 2.0 und so weiter. Das passiert mir alles. Aber ich will das wirklich erstmal so, dann schreibe ich mir dann hin und die gesagt hat, okay, dann Kapitel 17 habe ich jetzt gerade geschrieben und dann denke ich mir, okay, du brauchst da Kapitel 17 noch eine Verbindung zu Kapitel 13, dann schreibe ich mir das am Ende von Kapitel 17 hin. So, und mache mir an der Seite eine Notiz, wenn ich in Kapitel 13 bin, denk dran, in Kapitel 17 musst du das noch machen. Und dann geht es trotzdem mit Kapitel 18 weiter. Dann ist das für mich erst mal raus. Ich bin dann jetzt nicht, dass ich zwischen 13 und 17 hin und her springe, bis das perfekt passt. Das mache ich dann beim Überarbeiten. Vielleicht dauert das Überarbeiten deswegen dann ein bisschen länger bei mir, aber wie gesagt, drei Monate im Buch ist trotzdem schnell, muss ich jetzt mal so sagen. Und mir geht es halt wirklich darum, ich habe halt schon so viele Geschichten. Die im Hinterkopf schon wieder nach vorn drücken und dann geplottet und geschrieben werden wollen, deswegen will ich diese Perfektion gar nicht erreichen. Ich würde das wirklich erst mal auf dem Papier oder im Computer stehen haben, dass das raus und dann, wenn ich es einmal geschrieben habe, dann bin ich halt in der Zwischenzeit viel mehr über Sachen gestolpert oder mir sind noch Sachen eingefallen, als wenn ich, ich sage mal, in der Theorie mir das nur im Kopf versuche, den Plot nochmal auf links zu drehen oder okay, was wäre jetzt, wenn das ist so. Nee, erst mal eine Version runterschreiben. Ob das die Version dann ist, die die Leute dann später lesen, das steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Meine Rohfassung würde ich auch nie jemandem zeigen, weil es ist wirklich roh. Es ist vom Ausdruck her, die Dialoge, die lesen sich manchmal, als ob sich, keine Ahnung, zwei Roboter unterhalten, die oder die Joda, keine Ahnung. Also das ist wirklich so, erst mal nur so, dass der Kern der Geschichte, die Motivation, die Konflikte, A unterhält sich mit B, C stirbt währenddessen, jetzt mal so übertrieben gesagt, dass das alles auf dem Papier steht. Ich habe selbst manchmal in der Rufassung, schreibe ich halt hin, keine Ahnung, Police Officer 1 und 2, weil der gerade auftaucht. Und dann kriegt er halt erst beim Überarbeiten, kriegen die beiden dann einen Namen. Also bei den Hauptfiguren natürlich, haben meine Hauptfiguren vorher, das habe ich schon mal in Plotten. Aber es sind halt so gewisse Details, wenn man jetzt einen Namen von einer Nebenfigur als Detail bezeichnen möchte, die kommen erst beim Überarbeiten, weil mir geht es wirklich darum, das Ding aus dem Kopf raus zu haben. Und dann habe ich so einen gewissen Abstand und dann sehe ich das. Und das ist auch, King ist ja so ähnlich wie Hemingway. King sagt ja auch, schreiben bei geschlossener Tür, überarbeiten bei geöffneter Tür. Also dann kann man so ein bisschen erstmal für sich das Ding runter und dann kann man vielleicht auch mal, ich meine, ich würde es jetzt nicht dann meiner Frau geben, die zweite Fassung, also das dauert dann schon noch ein Stück, aber einfach mal zu sagen, okay, jetzt hast du Abstand, jetzt lass das Ding mal kurz liegen und dann fängst du von Anfang an an, denkst dir, okay, was habe ich hier geschrieben, dann kill your darlings, auf jeden Fall, fällt mir auch schwer, aber kommt auch mit raus und ich bin beim Überarbeiten echt so. Ich lösche im Schnitt beim Überarbeiten 40 bis 50 Normseiten. Wow. Also das ist halt wirklich, ich schreibe halt viel zu viel in der Rohfassung runter, weil ich halt erstmal alles aus dem Kopf haben will. Und dann kürzt sich das, dann komprimiert sich das Buch. Da sind Kapitel, die sind im Schnitt irgendwo 12, 13, 14 Seiten lang. Beim Überarbeiten am Ende ist das irgendwo acht Seiten. Also das bei 40 Kapiteln. Es ist halt einfach so, dass man sagen muss, das Überarbeiten ist dann bei mir, es ist mit Arbeit verbunden, ja, aber dafür macht mir das Schreiben in dem Moment mehr Spaß, weil ich da auf nichts achten muss. Nichts, in Anführungsstrichen.
Tamara
01:00:33
Das ermutigt mich gerade sehr, weil ich meine, du bist ja wirklich erfolgreich. Also zum einen lebst du davon, zum anderen wurdest du ja auch mehrfach für den Seraph nominiert und so. Also so schlecht können die Bücher ja gar nicht sein.
Basti
01:00:46
Man munkelt.
Tamara
01:00:49
Und ich sage mal, gerade in deinem Genre, unterstelle ich jetzt mal, ist Atmosphäre alles. Und wenn du schon sagst, es ist mir in der Rohversion egal, ermutigt mich das so ein bisschen, mich da nochmal auszuprobieren, weil ich inzwischen wirklich an dem Punkt bin, wo ich mir selber gar nicht erlaube, die nächste Szene zu schreiben, wenn ich mit der aktuellen Atmosphäre nicht zufrieden bin und ich komme nicht von der Stelle.
Basti
01:01:11
Ja, das ist schwierig. Verstehe ich, verstehe. Also es ist dann wirklich so, dieser Perfektionismus. Aber das ist halt irgendwo, ich habe da mal, es ist leicht gesagt, das abzustellen und einfach weiterzuschreiben, um Gottes Willen. Aber es ist halt auch so, später, wenn man dann das Buch dann fertig hat und man denkt dann so, keine Ahnung, kriegst den Probedruck, schlägst es auf und denkst dir, jetzt nicht mal, weil du einen Tippfehler findest, sondern einfach so, den Satz hätte ich jetzt eigentlich schon wieder anders schreiben können. Aber du musst dann irgendwann halt den Haken dran machen. Ich weiß noch nicht, war es ein Autor oder was? Von Roland Emmerich habe ich es mal gehört, da schreibt er die Drehbücher zu seinen Filmen selbst und er sagt halt auch irgendwann, du musst die Geschichte halt gehen lassen und dann das Risiko eingehen. Es gibt Leute, denen wird es gefallen, es gibt Leute, die sagen, war okay, und es gibt Leute, die werden es hassen. Du kriegst nie alle dahin, dass es gefällt. Wir kriegen nie unsere Bücher so, dass wir von jedem fünf Sterne bekommen. Das brauchen wir gar nicht zu versuchen. Und ja, es ist wie gesagt teilweise wirklich schwierig, das zu machen. Aber, wie gesagt, wenn ich das so bei dir raushöre, wenn das dann so ein bisschen der Spaß schon verloren geht, das ist ja schade drum.
Tamara
01:02:06
Ja, total.
Vera
01:02:08
Ich finde das sehr, sehr spannend, diesen Ansatz. Also ich muss gestehen, ich gehe ja wirklich eher zu denen, die dann morgens erst mal das lesen, was wir am Vortag geschrieben haben. Und so. Wobei da ich nicht plotte. Also das ist ja dann wirklich so ein Decken, Schreiben, wobei ich das auch wirklich jetzt, wie du das vorhin erzählt hast, wenn dir jetzt in Kapitel 17 einfällt, oh, die Figur, die macht jetzt dies und das, was überhaupt nicht im Plot stand, oder die stirbt gar nicht. Und dann schreibst du aber Kapitel 18 nach dem Plot weiter. Das passt ja vorne und hinten nicht zusammen dann.
Basti
01:02:42
Nicht unbedingt, weil ich, ja, es ist jetzt schwer zu erklären, ist es nicht, aber ich bin bei meinen Perspektiven, beim Schreiben immer so, meine Hauptfigur, oder die Kapitel aus Sicht meiner Hauptfigur, schreibe ich immer in der Ich-Perspektive und alle anderen in der dritten Person. Ich möchte ein bisschen. Ist vielleicht ein bisschen bequem, aber mir macht es viel Spaß und ist auch mittlerweile so ein, ich will nicht sagen, Alleinstellungsmerkmal. Aber ich kenne das vom amerikanischen Autor James Patterson, der macht das eigentlich fast alle Bücher. Also sein Held, seine Heldin ist immer erste Person, alle anderen dritte Person. Und da kannst du schon sowas ändern, weil dann, also ich wechsle dann sehr oft und in Kapitel 18 kommt meistens erst mal eine andere Perspektive, eine andere Figur. Irgendwann werde ich natürlich drüber stolpern. Das hast du vollkommen recht. Das ist dann halt mal so, wenn man, aber zu flexibel muss ich dann trotz des umfangreichen Plottens sein und dann zu sagen, okay, jetzt ist das ganze Buch scheiße, ich werfe es jetzt weg und fange nochmal neu an, sondern dann zu sagen, okay, wie gesagt, dann gehe ich jetzt nicht nach rechts, sondern ich gehe nach links, dann wird das vielleicht eine Nebenfigur, die vielleicht in einer Fortsetzung wieder auftaucht und ich muss den Plott anpassen, klar, aber es ist jetzt nicht so, dass ich dann sage, jetzt haut gar nichts mehr hin.
Vera
01:03:52
Das habe ich ja auch gemerkt, dass mir fällt es ja oft, ich mache ja Krimis und ich habe am Anfang immer so die Idee, wer, also ich war jetzt stirbt, weiß ich natürlich, aber auch, habe immer die Idee, wer ist die Tatperson, aber meistens so drei, vier Kapitel vor dem Ende, kommt mir eine andere entgegen und ich sage, die ist die viel bessere Tatperson. Ich denke mal, wenn ich selbst überrascht bin, dann sind es die Lesenden auch.
Tamara
01:04:17
Vera legt sich selbst die falschen Fährten.
Vera
01:04:19
Genau. Und dann muss ich oft nur einen Satz vorne ändern und alles passt wieder.
Basti
01:04:25
Klar, klar. Also es ist ja auch das, was so gewisse Kritiker des Plottens sagen, wenn ich die Geschichte von vornherein kenne, können sie meine Leserschaft auch schon quasi an der Nase lang riechen oder ahnen.
Vera
01:04:37
Bei mir wäre das die Gefahr, definitiv.
Basti
01:04:39
Ja, also ich habe es jetzt noch nicht. Also mir hat es zumindest noch nie jemand gesagt. Und wie gesagt, ich bin trotz des Plottens beim Schreiben immer noch so flexibel, dass es halt gewisse Änderungen gibt, dass ich das jetzt, also ich empfinde es nicht als langweilig, weil, klar, ich habe meine Karteikarten, ich weiß, was Anfang passiert, ich weiß, was am Ende passiert, aber mir macht das Erzählen des Weges dazwischen, macht mir trotzdem noch viel Spaß und ab und an mache ich halt mal einen Schwenker vom Weg abseits und dann denke ich mir, okay, jetzt gehst du ein bisschen in eine andere Richtung, klar, dann plotte ich beim Schreiben dann neu, aber das ist jetzt nicht so, dass ich sage, 100% des Plottes vom Plotten ist am Endeffekt auch im Manuskript drin, dann wäre es vielleicht wirklich langweilig Und ich habe jetzt auch nicht so, diese Mörderjagd oder diese Mördersuche bei mir drin. Klar, es geht manchmal darum, was steckt hinter dem Monster oder was passiert mit dem und dem. Aber dass ich jetzt sage, weil ich jetzt geplottet habe, können die Leute dann wirklich in Kapitel 2 erahnen, was in Kapitel 40 passiert, hat mir bisher noch niemand gesagt. Also ich verstehe diesen Kritikpunkt des Plottens grundsätzlich. Wenn ich es als Panzer schreiben würde, würde ich vielleicht auch ganz anders arbeiten.
Vera
01:05:39
Ja, ja gut, das ist halt, glaube ich, ein bisschen auch eine persönliche Sache. Für den einen passt das und für den anderen und, Passt du es halt. Ich habe mir gerade so, während du erzählt hast, vorgestellt, was auf diesen Karten steht. Da steht dann drauf, Kopf fliegt blutig gegen die Wand.
Basti
01:05:56
Nee, so detailliert nicht.
Vera
01:06:01
Ich passierte schon mal, wenn ich jetzt irgendwie mich nachmittags und abends mit einer Freundin treffe und wenn man den Tag wartet, dann sage ich ja schon mal, ja, ich habe heute eine Nonne umgebracht oder so. Und da erzähle ich mal ich habe mir dann vorgestellt, was du denn deiner Frau sagst, wenn du aus deinem Schreibzimmer kommst ähm.
Basti
01:06:22
Sie merkt das. Also so blöd, wie es klingt, wenn es gut läuft. Da muss man einfach so sagen, ich schreibe gerne Dialoge, aber noch lieber bringe ich Leute um. Jetzt kannst du wieder sagen, ja, was ist meiner Kindheit schief gelaufen? Aber es ist halt einfach so, es schreibt sich schneller. Es ist einfach so, wenn ich bei 5.000 Wörtern, keine Ahnung, zwei Leute umgebracht habe und dann bin ich halt wirklich vielleicht schon 12.30, 13.00 Uhr fertig. Wenn ich 5.000 Wörter Dialoge habe oder ich muss halt ein neues Setting einführen oder irgendwas, teilweise doch mal den Erklärbär spielen, Showdown-Tel, aber es geht ja halt nicht ohne, wie ich gesagt habe, dann brauche ich halt ein bisschen länger. Und wenn es mir leicht von der Hand ging und ich mache halt eher Feierabend und komme früher aus meinem Schreibzimmer raus, dann kann sie schon erahnen mittlerweile, heute hast du wieder jemanden umgebracht. Das ist halt einfach so. Das geht schneller von der Hand, weil klar, du musst nicht auf irgendwelche inneren Konflikte achten. Klar, du bist in irgendeiner Figur drin, aber du musst jetzt nicht, bis er vielleicht mal ein paar Schreie um Hilfe oder so, du musst jetzt nicht noch lange Dialogszenen einbauen. In dem Moment, das ist halt wie so eine kleine Szene, einfach wie sich die hat einen Anfang, die hat ein Ende. Da musst du nicht immer drauf achten, ist das mit dem Plot noch konform und ist die Motivation und die Konflikte noch da? Es ist halt, klar, im Hintergrund schon, aber so gewisse Mordszenen schreiben sich halt einfach schneller. Ja, logisch. Schneller oder früher aus dem Büro.
Vera
01:07:40
Ist ja auch nicht die erste.
Tamara
01:07:41
Wir halten fest, G.S. Foster mordet aus Gründen der Effizienz.
Basti
01:07:46
Ja, genau. sehr ökonomisch.
Vera
01:07:48
Aber wir wollen jetzt doch noch ein bisschen tiefer in dich hineinblicken und dafür gibt es die drei total gefährlichen, gruseligen Buch-Bubble Fragen von Tamara.
Tamara
01:07:59
Jawohl. Die gibt es sofort. Vorher will ich noch eine ganz schnelle Runde, weil wir sind ja alle drei quasi, wenn die Folge erscheint, jetzt schon am Aufbau und morgen und übermorgen auf der Buch Berlin. Deswegen einmal kurz der Reihe nach die Standnummern. Basti?
Basti
01:08:16
L4.
Tamara
01:08:17
Vera?
Vera
01:08:18
D8.
Tamara
01:08:19
Tamara? A7.
Vera
01:08:21
So.
Tamara
01:08:22
Vorbeikommen, Bücher kaufen und so weiter. Und jetzt die Buch-Bubble-Fragen. Genau. Welches Buch hat dich als Leser denn zuletzt im positivsten Sinne überrascht?
Basti
01:08:33
Das neue Buch von Stephen King. Andere als diese Welten. Gerade beendet. Hängt damit zusammen. Wie gesagt, ich mag Stephen King sehr. Ich mag aber nicht, wenn er Fantasy schreibt. Es gibt ja die Dunkle Turm-Reihe und dann die Talisman-Reihe und jetzt in dem neuen Buch hat er beide Reihen zusammengeführt, Mitwelt, Revolvermänner, Monster, Zeitspringe und Flippen zwischen Amerika und dieser Fantasiewelt, war nie so meins, aber ich finde, es ist ein ordentliches Finale geworden, es sind knapp 900 Seiten, ich habe, anderthalb Wochen dafür gebraucht, ich war überrascht, ich war sehr skeptisch, weil, wie gesagt, ich komme an diese Fantasy-Bücher von King nicht dran, aber ich fand es ein schönes, rundes Finale und das hat mich sehr, sehr positiv überrascht, weil ich aber auch, ehrlicherweise relativ wenig Erwartung dran hatte. Also ich wusste, das ist kein Horrorbuch und es ist halt etwas, was mir vielleicht nicht gefallen kann. Trotzdem, als Lieblingsautor gehört es ins Regal, aber hat mich wirklich sehr positiv insgesamt überrascht.
Vera
01:09:28
Ja, schön.
Tamara
01:09:29
Ich habe übrigens ein Stephen King-Zitat auf meinem Arm stehen. Ah, welches denn? Das hatte ich am Anfang, als ich angefangen habe zu schreiben, hatte ich das auf meinem Bildschirm, nämlich If you can, you should, and if you're brave enough to start, you will.
Basti
01:09:47
Sehr schön.
Tamara
01:09:49
Aber zu einem ganz anderen Thema. Was hast denn du aus deinem größten Fehler gelernt?
Basti
01:09:54
Habe ich echt? Ja, muss ich überlegen. Also jetzt nicht mal unbedingt handwerkliche Fehler, aber mein bisher größter Fehler ist, zu spät auf TikTok gegangen zu sein und dort meine Horrorbücher zu bewerben. Weil TikTok war für mich immer diese Plattform, ja, tanzende Kinder oder politisch fragwürdige Sachen. Gibt es doch beides immer noch, müssen wir nicht drüber reden. Aber diese TikTok oder BookTok-Bubble ist ja viel schnelllebiger als Instagram, als Bookstagram. Aber wenn ich sehe, wie viele neue Leser, Leserinnen ich darüber gewinne und wie viele Menschen auch aufgrund meiner TikTok-Videos Bücher bei mir bestellen, da kann Instagram nicht mithalten. Und ich bin jetzt seit fast zwei Jahren bei TikTok. Wenn ich da 2021 gestartet wäre, so wie ich halt bei Instagram angefangen habe, zusammen halt mit meiner Autorenkarriere, möchte ich behaupten, wäre schon ein ganzes Stück weiter, was Bekanntheit, was Markenbildung angeht. Aber ich habe mich damals davon so leiten lassen, ja, nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen, eine Plattform nur bespielen. Das finde ich rückblickend als Fehler, dass ich das nicht mehr auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig getanzt habe. Da habe ich auf andere Leute gehört und ist jetzt auch kein Tipp in dem Sinne von mir, weil ich weiß mittlerweile viele, die haben es versucht, mir nachzumachen. Denen habe ich auch Tipps gegeben, wie ich es mache und für die hat es trotzdem nicht funktioniert. Also das ist halt kein 1 zu 1 Rezept, was man übernehmen sollte. jetzt auch keinen Schreibtipp, um Gottes Willen, aber mein Fehler war wirklich zu spät, auf TikTok mit meinen Büchern gegangen zu sein.
Tamara
01:11:18
Also mehr ausprobieren.
Basti
01:11:20
Ja.
Tamara
01:11:20
Und zum Schluss, was sollte deiner Meinung nach über dem Schreibtisch aller AutorInnen stehen?
Basti
01:11:26
Motivationssprüche gibt es viele, aber ich habe einen, also es ist auch so gewisserweise ein Lebensmotto von mir und zwar ist das von, nicht von Stephen King, Überraschung, sondern von James Cameron, kennen wir vielleicht, Regisseur, Treboautor, Avatar, Titanic, Terminator und der hat mal bei einem Vortrag gesagt, am Ende, Failure is an Option, but Fear is not. Und da muss ich sagen, das ist so dieses, also ja, weil Failure is no Option und Quatsch, man kann das sowieso nicht, man wird immer mal scheitern, es gibt immer Rückschläge und so weiter, aber das Schlimmste ist halt, wenn man es gar nicht erst versucht oder wenn man die Angst davor hat und Das habe ich tatsächlich auch ausgedruckt. Ich führe ein Journal, jeden Tag schreibe ich mir so auf, was ich gerne machen würde, was ich erreicht habe. Und jedes Jahr, wenn ich dieses Journal anlege, vorne in dem Journal ist dieser Spruch drin, steht drin. Das finde ich sogar so eine Art Lebensmotto von mir. Und ja, das finde ich einen schönen Spruch.
Vera
01:12:14
Ja, also ich muss sagen, ich finde es faszinierend. Und du bist ja auch ein gutes Beispiel. Ich meine fünf Jahre. Ich bin fast dreimal so lange dabei und kann immer noch nicht davon leben. Also du machst sicherlich ein paar Dinge wesentlich besser als ich. Und das finde ich absolut bewundernswert und vielleicht habe ich hier und da doch noch zu viel Angst gehabt, da weiß ich gar nicht. Egal. Auf jeden Fall bin ich sicher, dass da draußen jetzt der ein oder andere, den Grusel überwunden hat und sich von dir mitgerissen fühlt und das ist ja auch unser Ziel und, ihr wisst ja da draußen, wir freuen uns immer auch über Feedback, sagt mal, wo die Gänsehaut war und wo die Begeisterung, das würde uns freuen. Natürlich werden wir uns ja alle in Berlin sehen, hoffe ich doch. Und ja, ansonsten wisst ihr ja, was ihr zu tun habt, uns zu folgen, wo immer es geht. Unser Buch-Bubble-Bulleton abonnieren und uns nächste Woche wieder einschalten. Also, danke an Basti und bis nächste Woche. Bleibt uns gewogen.
Tamara
01:13:16
Danke, ciao.