Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Stefanie Gregg über psychologisches Schreiben: Von Nebelkindern bis intergenerationalen Traumata

Schriftstellerin Stefanie Gregg spricht darüber wie es ist, über ernste und teilweise traumatische Themen zu schreiben: „Nebel- und Glaskinder“, intergenerationale Traumata und die emotionale Last der Kriegsenkel-Nachkommen.

07.05.2026 70 min

Zusammenfassung & Show Notes

Schriftstellerin Stefanie Gregg spricht darüber wie es ist, über ernste und teilweise traumatische Themen zu schreiben: „Nebel- und Glaskinder“, intergenerationale Traumata und die emotionale Last der Kriegsenkel-Nachkommen. 
Vera und Tamara erkunden mit Stefanie die Hintergründe ihres kreativen Prozesses, die Verantwortung intensiver Recherche und wie sie daraus bewegende Geschichten entwickelt. Sie verrät außerdem, was diese Themen beim Umgang mit dem Publikum bei Lesungen machen, und wie ihr anschließend der Genrewechsel hin zur Inspirational Novel gelang. 
Ein offenes Gespräch über Identität, persönliche Geschichte und die Resonanz von Literatur in herausfordernden Zeiten.

Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Schriftstellerin Stefanie Gregg spricht darüber wie es ist, über ernste und teilweise traumatische Themen zu schreiben: „Nebel- und Glaskinder“, intergenerationale Traumata und die emotionale Last der Kriegsenkel-Nachkommen.

Vera und Tamara erkunden mit Stefanie die Hintergründe ihres kreativen Prozesses, die Verantwortung intensiver Recherche und wie sie daraus bewegende Geschichten entwickelt. Sie verrät außerdem, was diese Themen beim Umgang mit dem Publikum bei Lesungen machen, und wie ihr anschließend der Genrewechsel hin zur Inspirational Novel gelang.

Ein offenes Gespräch über Identität, persönliche Geschichte und die Resonanz von Literatur in herausfordernden Zeiten.

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Stefanies Buchtipp:
'Don’t miss the Clitoris' von Prof. Dr. Mandy Mangler
https://www.amazon.de/Dont-miss-Clitoris-Bedienungsanleitung-eingerissen/dp/3458645705/

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Transkript

Tamara
00:00:10
Ja, ich habe mich super abgeholt gefühlt von ihr, von ihren Themen, von der Art, wie sie arbeitet. Ich habe mich sehr verbunden gefühlt und deswegen natürlich auch genau nachgefragt. Hört auf jeden Fall rein, super spannende Folge. Das ist Folge 310 von die zwei von der Talkstelle, dem Podcast übers Schreiben und Veröffentlichen von Büchern im Self-Publishing und im Verlag. Mir gegenüber sitzt die liebe Vera Nentwig. Ich bin Tamara Leonhardt und ich bin jetzt sehr, sehr gespannt, wie entspannt die Vera ist nach ihrem wunderbaren Autorinnen-Wochenende im Fini-Ressort.
Vera
00:01:10
Ich sage mal so, wenn du mich gestern gefragt hättest, hätte ich gesagt, total entspannt. Und jetzt ist Montagmittag und ich hatte einen sehr hektischen Morgen. Insofern ist die Entspannung schon wieder ein bisschen weg. Aber nein, das war sehr schön da. Ich meine, du warst ja auch schon mal da im Fini-Ressort. Also man muss vielleicht dazu sagen an die lieben Hörer und Hörer da draußen. Das Fini-Ressort-Hotel in Baden-Weiler hat so ein Kulturprogramm, das live, also jeden Donnerstag gibt es da irgendwas Kulturelles für deren Hotelgäste. Und ich hatte die Freude und Ehre da vor sechs Jahren, als das Programm so gerade anfing, bereits mal eingeladen worden zu sein. Also man wird dann da als Künstler, Künstlerin eingeladen, macht dann da an dem Donnerstagabend sein Programm und darf dann als Belohnung quasi drei Tage da übernachten und wird sehr gut versorgt und kann ein bisschen entspannen. Und wie gesagt, ich war vor sechs Jahren zum ersten Mal da, vor drei Jahren zum zweiten Mal. Das war so diesmal mein drittes Mal. Und es war wieder sehr schön. Ich hatte mir bei den Terminen, die mir vorgeschlagen wurden, dann bewusst den Donnerstag vor dem 1. Mai ausgesucht, weil ich dann schon ein bisschen kalkuliert habe, da sind vielleicht ein paar mehr Menschen unterwegs.
Tamara
00:02:33
Klapp.
Vera
00:02:35
Und mein Plan ist doch durchaus gut aufgegangen. Also ich hatte, bei meiner Lesung doch noch nie so viel Publikum wie jetzt. Das war jetzt immer noch überschaubarermaßen, war ich so 25 Leute, aber ich kann mich erinnern, dass ich beim ersten Mal, glaube ich, nur 6 da hatte oder so. Und habe auch ein paar Bücher verkauft und ja, und man fühlt sich immer ganz gut da. Also es ist ja, wenn man da so ein Motel quasi dann der Kultureck ist, dann hängen ja da überall Bilder und von mir hängt ja jetzt auch seit meinem ersten Auftritt da immer schon eins. Und ja, dann wird man schon auch so beim Frühstück besonders gegrüßt von den Gästen. Man hat so ein bisschen Star-Gefühl.
Tamara
00:03:20
Ja, ich erinnere mich an den Tag, also da gibt es ja immer so eine kleine A5-Tageszeitung, eine selbstgemachte, mit was sie jetzt für Anwendungen haben und das Essen und alles. Und ich erinnere mich, als ich mich damals an den Frühstückstisch setzte und da diese Zeitung mit mir auf dem Cover lag, war das schon ziemlich cool.
Vera
00:03:41
Ja, auf jeden Fall. Erinnert mich immer so ein bisschen an unser Gespräch mit der Eske Inan, die dieses Stipendium da vier Wochen lang in einem Hotel hatte. Da ist das ja dann nochmal ein bisschen potenziert. Aber es war sehr schön. Wir haben dann noch an dem Freitag am 1. Mai nach Kolmar gefahren, ins Elsass. War auch sehr schön. Also ich gönne mir das gerne und man hat mir auch angekündigt, jetzt nicht wieder drei Jahre zu wachten, bis man mich einlädt. Von daher komme ich wahrscheinlich noch öfter mal nach Baden-Walt.
Tamara
00:04:16
Sehr schön.
Vera
00:04:17
Es gibt Flimmern, ne?
Tamara
00:04:19
Ja.
Vera
00:04:22
Und wie ist es dir eigentlich? Was macht das Schreiben?
Tamara
00:04:24
Es ist gerade alles sehr, sehr spannend tatsächlich. Ich habe zum einen eine sehr coole Lesung für 2027 schon lose vereinbart, mit einer tollen Location, auch ordentlich bezahlt. Terminvereinbarung ganz genau steht noch aus, aber die grundsätzliche Zusage habe ich schon bekommen. Das ist sehr cool. Und war ansonsten weiter fleißig, was so meine Positionierung und meine Planung angeht, wie ich das jetzt alles künftig machen will. Und ich habe auch eine Entscheidung für mich getroffen, die mich jetzt auch sehr in Aktionismus gestürzt hat die letzten Tage.
Vera
00:05:07
Okay, willst du sie uns verraten?
Tamara
00:05:09
In Teilen. Okay. Also ich war gestern Sonntag ganz, ganz fleißig und habe relevante Bereiche meiner Website komplett überarbeitet, habe dem einen neuen Look gegeben. Es sind noch nicht alle Unterseiten gemacht, aber die Startseite ist frisch. Ja, mit einem Look, der einfach jetzt auch zu meinen neuen Büchern passt und der mich als singende Rockautorin positioniert, weil meine Entscheidung eben auch ist, dass ich die Konzertlesungen stark ausbauen möchte. Also ich bin einfach nicht der Mensch, der nur eine Sache, sprich nur Schreiben machen kann. Da weiß ich, da würde es mir sehr schnell keinen Spaß mehr machen. Mir wird langweilig, wenn ich nur eine Sache machen kann. Das heißt, ich werde niemals in der Lage sein, rein zeitlich mit Vielschreiberinnen zu konkurrieren und von den KI-Büchern mal ganz abgesehen. Und deswegen muss ich einfach das, was ich an Output und ja auch an Nischenthemen im Prinzip schreibe, anderweitig skalieren. Und da ist mir, also eigentlich so ein Stück weit war es mir ja schon immer klar, aber es ist mir jetzt nochmal wie Schuppen von den Augen gefallen, dass ja eben das auf der Bühne stehen auch das ist, was mich wirklich total begeistert und wo ich eigentlich auch immer die Leute begeistern kann. Also mir ist wieder so ein Satz eingefallen von der Lesung letzten Monat, wo eine Zuhörerin zu mir sagte, ja, ich war im Vorfeld nicht so sicher, ob das Buch was für mich ist, aber mit deiner Präsentation hast du mich total überzeugt. Und ja, warum sollte ich das, was mir liegt und was mir so viel Freude macht, nicht viel, viel stärker machen und stattdessen krampfhaft irgendwelchen Idealen beim Schreiben hinterherrennen? Und insofern habe ich da jetzt ein ganz klares Ziel, dass ich das verstärken will, auch überregional. Und ja, habe jetzt schon auch weitere Locations angeschrieben. Wie gesagt, eine Geschichte fürs nächste Jahr ist schon vereinbart. Für dieses Jahr sind noch zwei vereinbart. Eine hatte ich jetzt. Und mein Ziel für dieses Jahr ist auf jeden Fall, dass es abzüglich der, die schon rum ist, also mit denen, die noch bevorstehen, mindestens noch sieben werden sollen. Und genau, da bin ich gerade mit viel Begeisterung dabei, habe auch meinen Flyer nochmal aktualisiert und schaue mich da gerade in alle Richtungen um und wenn irgendjemand irgendwo in Deutschland oder auch Schweiz sagt, hier ist eine Location, da solltest du unbedingt hinkommen und ja, da wirst du auch nicht auf den Reisekosten sitzen bleiben, dann meldet euch sehr, sehr gerne, und ja, das macht mir gerade viel Spaß, weil ich habe auch so beim Reisekosten, Bei meinen Quartalssteuern realisiert, das erste Quartal war ich irgendwie fast nirgends unterwegs und ich merke schon, wie das irgendwie mir jedes Mal Energie gibt, wenn irgendwelche Veranstaltungen sind, wo ich hinfahre und genau, das ist jetzt meine Entscheidung für meinen künftigen Weg.
Vera
00:08:18
Ja, sehr schön, sehr schön. Ja, doch, finde ich gut. Also Konzertlesung ist sicherlich ein gutes Thema, wo du auch bestimmt viele Möglichkeiten finden kannst. Doch, finde ich gut. Passt zu mir.
Tamara
00:08:32
Das Gute ist halt eben auch, dass ich es jetzt alleine machen kann. Also ich glaube, ich werde ewig meinem Gitarristen dankbar sein, der an dem 16.06. Nicht kann, weil ich es sonst vielleicht nicht gewagt hätte. Aber ich erinnere mich, dass ich auch früher schon mal gesagt habe, ich will mehr lesen, ich würde gerne wenigstens einmal im Monat lesen oder so. Aber es war ja auch immer, Dadurch, dass ich halt immer an andere gebunden war, hat man sich dann nur so im näheren Umkreis umgeschaut und so. Und jetzt merke ich eben auch, wie ich wirklich allein in dieser Vorbereitungsphase jetzt an der Gitarre eine extreme Lernkurve hatte und wie ich mir jetzt wirklich zutraue, das in Zukunft auch wirklich überall alleine zu rocken. Und da kann ich mich auch mal in den Zug setzen und weiß der Kuckuck, wohin fahren. Also ich bin da jetzt viel flexibler und deswegen glaube ich, dass es dieses Mal auch realistischer ist als damals, als ich einfach nur gesagt habe, ich würde gerne.
Vera
00:09:26
Finde ich gut. Ja, prima. Dann hast du wahrscheinlich eher als ich den Tourbus, aber okay. Wenn ich ab und zu mal mitfahren darf oder so. Vorbei, das Thema Auftritt der Lesung, ja, das steht bei mir auch noch so im Hintergrund. Ich habe es jetzt gerade die Akquise-Maßnahmen noch nicht so richtig reaktiviert, muss ich mal wieder tun. Also mir macht es ja auch Spaß, aber man kann halt auch nicht alles.
Tamara
00:09:56
Ja, ich habe da tatsächlich die Tage öfter an dich gedacht, wie du neulich halt gesagt hast, man muss eine Entscheidung treffen. Und das habe ich jetzt heute auch gemerkt, weil ich da eben vor dem Punkt stand, was mache ich jetzt heute alles? Und für mich ist jetzt klar, wenn ich in einem bestimmten Zeitrahmen noch Lücken habe im Auftrittsplan, dann hat das erstmal höchste Priorität, das zu füllen. Und das ist natürlich, das geht dann schwer einher mit, es hat höchste Priorität, möglichst schnell das Buch fertig zu kriegen.
Vera
00:10:26
Ja, klar. Man kann nicht so viel auf einmal, das geht nicht. Ja, wie gesagt, dann bin ich sehr gespannt, wann ich hier bei mir die ersten Plakate sehe oder so.
Tamara
00:10:34
Ja, Locations immer nennen.
Vera
00:10:37
Ich werde mal überlegen. Ich habe aber jetzt auch keine Entscheidung getroffen. Wenn die Folge rauskommt, dann wird der erste Fall für Weber und Bosniak bereits zur Vorbestellung eingegeben sein. Ich folge dem Rat von Roberts und MacLady, die ihre Bücher ja auch sehr früh schon zur Vorbestellung machen. Ich habe jetzt die Cover-Entscheidung getroffen. Und das werde ich jetzt, wie gesagt, bevor die Aufnahme öffentlich gescheit ist, eingestellt sein. Ja, und da bin ich mal gespannt.
Tamara
00:11:16
Ja, ich drücke die Daumen. So eine neue Reihe ist ja wieder aufregend.
Vera
00:11:22
Ja, wobei ich ja jetzt auch schon gelernt habe, dass ich nicht so viel Erwartung in den ersten Teil setzen sollte. Also klar, schon positives Feedback wäre schon wichtig, also positive Rezensionen. Aber ich habe ja jetzt, das ist ja nur dritte Mal, dass ich den Anwalt mache, ich habe halt gelernt, dass so eine Reihe fängt wirklich erst ab Teil 3, 4 an zu rollen. Verständlich.
Tamara
00:11:49
Wahrscheinlich im Krimibereich noch mehr, weil man da wirklich die Reihen auch so stark gewohnt ist.
Vera
00:11:54
Ja, weiß ich nicht. Das habe ich jetzt noch nicht so, aber das deckt sich aber auch als andere, so sagen wir, auch in irgendwelche Liebeskomanen oder so zu ein. Ja, ich habe ja dann, wie gesagt, geplant, den zweiten Teil relativ kurzfristig danach, also auch, wie es geht, noch dieses Jahr rauszubringen. Aber es ist natürlich schon wichtig, am Anfang zu sehen, wie kommt das Setting an, wie kommen die Figuren an. Das ist ganz wichtig. Wenn die jetzt natürlich beim ersten Teil total verrissen werden, muss ich meine Strategie noch mehr überdenken. Ich glaube es nicht, aber ich würde bis dahin auch noch genug Testlesende haben, von dem ich dann gehe jedenfalls mal an. Also von daher bin ich da guter Dinge. Also es fühlt sich gerade sehr gut an, sehr stimmig. Das Körper ist super.
Tamara
00:12:41
Ja, wenn die Lesenden die Figuren nicht mögen, dann machst du es wie so diese Soap-Serien. Dann haben die irgendeinen Unfall, Gedächtnisverlust und danach einen komplett anderen Charakter.
Vera
00:12:53
So ist es. Genau, so machen wir das. Und da ist mir noch ein kleiner Joke, bevor wir langsam zu meinem Gast übergehen müssen. Ich habe ja jetzt aktuell wieder Amazon Ads geschaltet. Das war immer nur für den ersten Teil der Reihe, also nur für tote Models, nur. Und es läuft gerade erst an. Ich gucke da mal gelegentlich. Dann kann man ja so sehen, über welche Suchbegriffe die Leute gekommen sind. Und ich gucke so die Suchbegriffe durch, weil ich gucke dann schon mal, ob da Suchbegriffe sind, die völlig abstrus sind, die ich dann auf negative Suchbegriffe setze. Also wenn jemand bayerische Regionalkribles sucht, dann wird er nicht bei mir hängen bleiben. Das ist zumindest meine Erwartung. So, und ich gucke die Liste durch und da war der Suchbegriff Sebastian Fitzek. Ich dachte, naja, also Also ich glaube, es gibt keine Credits, die weiter weg sein könnten von Sebastian Wechsel als meine. Und ich wollte gerade schon als negativen Suchbegriff eingeben. Da scrolle ich weiter, dass mein bisher einziger Verkauf genau auf diesen Suchbegriff gekommen ist.
Tamara
00:13:52
Das ist ja witzig.
Vera
00:13:53
Ja, da frage ich mich auch. Was geht den Leuten vor? Die suchen Sebastian Fitzig. Sie haben dann Tute Models Nerven nur. Klicken drauf und kaufen das.
Tamara
00:14:03
Ich glaube, mein Gedanke, der ist, glaube ich, zu weit hergeholt. So irgendwer wusste gerade nicht, nach was er suchen will. Er wollte was mit Spannung und der einzige Krimi-Autor, wobei es ist ja eigentlich Thriller, der ihm einfiel, war Sebastian Fitzek. Aber das ist, glaube ich, sehr weit hergeholt.
Vera
00:14:22
Also habe ich jetzt Sebastian Fitzek nicht auf negative Superhüfte gestellt.
Tamara
00:14:26
Er weiß.
Vera
00:14:27
Es sind ja Fitzek-Fans meine unbekannte Zielgruppe.
Tamara
00:14:30
So als Erholung zwischendurch, wenn die rausgeschnittenen Augen und abgeschnittenen Lippen zu viel werden.
Vera
00:14:40
Ja, wie kriegen wir jetzt von Fizek den Übergang zu unserem Gast?
Tamara
00:14:45
Naja, da muss man auch, also bei Fizek, der recherchiert auch viel zu den psychischen Zuständen seiner Figuren oder so, wenn ich dir das mal so hinwerfen darf.
Vera
00:14:55
Ja, aber es könnte, glaube ich, ein bisschen anders positionieren. Also wahrscheinlich ist es rein gefühlsmäßig schon auch ein bisschen das Gegenteil. Aber das lassen wir uns gleich mal von unserem Gast.
Tamara
00:15:05
Jawohl.
Vera
00:15:06
Heute habe ich nämlich eine Kollegin zu Gast, die viele... Kennen, die Kontakt mit den mörberischen Schwestern haben. Dann ist sie für viele nämlich die erste, mit der sie dann einen Austausch beginnen. Und da habe ich sie auch kennengelernt. Aber heute wollen wir uns gar nicht so sehr über Krimis unterhalten, weil zuletzt ist sie besonders erfolgreich gewesen mit Romanen, die durchaus sensible Themen behandelt haben und auch tiefer in die menschliche Psyche eingedrungen sind. Und genau das wollten wir ein bisschen mehr ergründen, wie sie das da vorgegangen ist, wie sie da recherchiert hat. Und die Rede ist von Stefanie Gregg. Ich freue mich sehr, dass sie heute da ist. Hallo Stefanie.
Stefanie
00:15:51
Hallo, ich freue mich, dass ich bei euch sein darf.
Tamara
00:15:54
Hallo.
Vera
00:15:56
Stefanie, wir kennen uns ja jetzt schon ein bisschen was von den neuerischen Schwestern, aber ich muss ja ehrlich sagen, ich habe mich ja zuvor nicht so wirklich mit deinem Schreiben auseinandergesetzt. Und das habe ich jetzt in Vorbereitung für unser Gespräch über mich getan und habe erst mal fast wenig überraschend festgestellt, dass wir extrem viele Gemeinsamkeiten haben.
Stefanie
00:16:17
Oh, erzähl!
Vera
00:16:21
Also zum einen haben wir beide die Lieblingsfarbe Blau und das ist jetzt noch nicht so. Ich könnte als Traumberuf Traumtänzer, würde bei mir auch passen. Aber dann das viel entscheidendere, ich glaube, wir sind beide Nebelkinder, wie du das nennst, und wir haben sogar beide elterliche Wurzeln.
Stefanie
00:16:43
Das ist spannend. Dann werden wir zwei gleich verstehen, in welches Thema wir einsteigen. Aber auch viele andere.
Vera
00:16:51
So ist es, so ist es. Wobei ich mich ein bisschen gewundert habe, du bist ja nun doch noch um einiges jünger als ich, dass das bei deiner Generation auch noch Thema war. Aber vielleicht erzähl mal erstmal den Hörerinnen und Hörern, was sind Nebelkinder?
Stefanie
00:17:05
Ja, also Nebelkinder ist ein Begriff, der sich mehr und mehr auch in der Psychologie durchsetzt für die Kriegsenkel. Und ja, Vera, du, also du und ich, weiß nicht, ob Tamara auch, sie ist vielleicht noch jünger.
Tamara
00:17:22
Ich bin sogar Kriegstochter.
Stefanie
00:17:25
Wow, okay, dann bist du noch näher an dem Thema.
Tamara
00:17:29
Also wenn das zählt, dass mein Papa noch ein Kind war.
Stefanie
00:17:32
Definitiv, meine Eltern waren auch Kinder.
Vera
00:17:36
Ich bin auch Kriegstochter, also mein Vater kam selbst aus dem Krieg, aus Breslau.
Stefanie
00:17:41
Ah, seid ihr? Ja doch, nein, entschuldigt. Ich bin natürlich auch Kriegstochter. Jetzt fange ich nochmal an. Die Nebelkinder sind also die Kriegsenkel, sagt man. Und es geht darum, wie ihr richtig festgestellt habt, Erwachsene, die im Krieg waren, die nächste Generation Kinder, die gerade noch im Krieg waren und dann wir Kriegsenkel. Und so die geläufige Idee noch bis vor gar nicht allzu langer Zeit war, wir sind die Generation der Seligen. Bei uns ging das Leben immer nur bergauf. Wir haben keine große Krise miterlebt. Es ging uns wirtschaftlich immer besser. Wir haben glückliche Kindheiten gehabt. Und dann hat man sich gefragt, warum sind wir die Generation der Depressiven? Was ist da eigentlich los? Und dann haben die Psychologen hingeschaut und haben festgestellt, dass Traumata über Generationen vererbt werden. Und das ist ein wahnsinnig spannendes Thema, dass das psychologisch ist, leuchtet, glaube ich, allen sofort ein. Aber mittlerweile kann man nachweisen, dass das biologisch ist, dass sich das in der RDNA vererbt. Und das sind also die Nebelkinder, denen es eigentlich so gut gehen müsste und die dennoch einige Probleme mit in sich tragen und die stochern eben im Nebel. Was ist denn eigentlich mit mir los? Warum zuckt meine Mutter, wenn sie in den Keller muss? Warum habe ich auch mit Dingen Probleme, von denen ich gar nicht weiß, warum? Das sind die Nebelkinder.
Vera
00:19:19
Wie kam es jetzt, dass du dich damit beschäftigt hast? Hast du solche Symptome dann bei dir festgestellt? Du hast mir jetzt mal einen Grund oder wie kam das?
Stefanie
00:19:27
Also ich erzähle gern bei meinen Büchern, wie ich draufkomme. Und manchmal ist es irgendwas, was ich sehe oder was ich erlebe oder was ich höre. Und in dem Fall habe ich eine Fotografie bekommen von meiner Cousine, die ich nicht kannte. Und das ist eine wahnsinnig schöne Fotografie. Da steht unten drunter Hausball bei Bell. Und es ist 1936 und eine Gruppe von Jugendlichen, die lacht und schick angezogen ist. Und dort ist auch meine Großmutter drauf, mit strahlendem Gesicht, im weißen schalsten Kleid. Und man sieht so richtig, jetzt gleich wird getanzt und sie freut sich und sie wirkt so unfassbar lebenslustig. Und die Wahrheit, die ich kenne von meiner Großmutter, war eine Frau, die am Tisch sitzt und quasi verstummt ist. Sie hat nie mit uns Kindern gespielt. Ich weiß eigentlich auch nichts über sie. Ich weiß nicht, ob sie je mit uns geredet hat. Und das war eigentlich mein Punkt, wo ich gedacht habe, wo ist diese lebenslustige junge Frau im weißen Charleston-Kleid hin? Was ist da eigentlich passiert? Und dann habe ich angefangen, mich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Vera
00:20:40
Hattest du denn da direkt die Intention, da schreibe ich ein Buch drüber?
Stefanie
00:20:44
Nee, das ist wie immer. Ich stoche in so einem Thema, weil es mich interessiert. Ich lese ein bisschen und dann macht es Zösch und in meinem Kopf entstehen Geschichten aus dem bisschen, was ich wirklich weiß, aus dem, was in meinem Kopf daraus entsteht. Und dann irgendwann war ja für mich eine klare Entscheidung, das ist ein irres Thema und darüber will ich schreiben. Und es war super, weil darauf ist der Aufbau Verlag dann auch sofort eingestiegen, obwohl ich vorher eigentlich bei Aufbau so ein bisschen was anderes geschrieben hatte. Eine Road Novel und etwas, was, na sagen wir, in eine schwere Liebesgeschichte. Ich kann immer nicht nur schlimm und nicht nur positiv. Also ich hatte eigentlich was ganz anderes geschrieben und dann habe ich denen die Nebelkinder vorgestellt und die haben sofort Ja gesagt. Also denen war auch sofort klar, das könnte ein interessantes Thema sein.
Vera
00:21:43
Was ich mich ja frage bei solchen Geschichten, ich bewundere Menschen, die aus solchen Themen packende Geschichten machen können, Ich muss gestehen, ich traue mir das nicht richtig zu. Ich meine, ich schreibe Krimis, da ist immer relativ klar, was passieren muss. Es ist im Regelfall jemand getötet und wir müssen halt aufklären, wer es war. Das ist ein sehr konkreter Faden, an dem ich mich orientieren kann. Wenn ich jetzt so ein Thema habe, du stellst fest, ja, meine Großmutter muss da, da muss was passiert sein, dass die so verschirmt ist, dann ist ja der nächste Schritt dann muss man den nächsten Schritt machen und sagen, okay, was hat das für mich bedeutet muss da dieses Thema einführen und da habe ich immer noch keine Handlungsidee und wie funktioniert, wie hat das bei dir funktioniert aus diesem ersten Impuls zu einer Handlungsidee zu kommen.
Stefanie
00:22:40
Also wenn du mit den Krimis anfängst, dann kann ich das eigentlich gut erklären, also ich habe auch mit Krimis angefangen, Ich habe da aber eigentlich schon gemerkt, dass mich die Menschen interessieren, das Psychologische. Also ich habe zum Beispiel über den historischen berühmten Regenschirm-Mord geschrieben, aber da ging es mir auch sofort, was ist da passiert? Warum spricht ein Journalist unter Lebensgefahr? Also es war eigentlich schon immer so auf der Kippe, ob es noch Krimi ist. Und für mich war eigentlich der Weg dann ein einfacher, weil mich die Menschen interessieren und weil ich auch gern so ein bisschen meander. Also beim Krimi haben wir meistens doch den klareren Weg und wie gesagt, wenn man so ein Kustanit hat, dann müssen wir auch rauskriegen, wer den Mord gemacht hat und dann müssen wir Pferden streuen und so. Und ich bin immer jemand, der schon in meinen Krimis so außenrum gedreht ist und über die Menschen geredet hat. Und dann war für mich eigentlich der Schritt in Roman ein folgerichtiger, Denn da habe ich einfach ein bisschen mehr Platz zum Meandern und das ist mehr mein Ding. Und wenn du fragst, wie ich zur Story komme, also ich bin seit zwölf Jahren in dem Geschäft und mittlerweile hauptberuflich. Das muss ich euch zwei nicht erzählen, das ist auch Handwerk. Das ist schlicht und einfach Handwerk. Also die Menschen, die sagen, ich schreibe jetzt mal so los, von denen kenne ich zumindest keinen, der dann auch ein wirklich erfolgreiches Buch rausgebracht hat. Also dann geht es eben ins Plotten. Und in dem Fall war es für mich klar, ich habe also die drei Generationen, die Kriegsfrau, das Kriegskind und den Kriegsenkel, der nichts mehr mit dem Krieg zu tun hat. Und ich schreibe sowieso gern in verschiedenen Zeiten. Das habe ich vorher auch schon gemacht. Und da war es eigentlich sofort klar, dass ich diese unterschiedlichen Zeiten und Figuren nebeneinander setzen will, weil meine Intention von Anfang an auch war, diese Kriegsenkelin bildet sogar im ersten Band die Rahmenhandlung. Und dann mache ich Rückblenden. Und diese Kapitel sollen sich schon aufeinander beziehen, dass man merkt, was diese Kriegsenkel, Frau, Mädchen tut, erklärt sich eben durch das, was in der Vergangenheit geschehen ist. Und dann habe ich einfach handwerklich erstmal brav durchgeplottet. Also es gibt ja die Superplotter, die plotten auf 40 Seiten und dann schreiben sie nur noch runter. Und es gibt die ganz wenigen Plotter, denen eine Seite reicht. Also ich bin da irgendwo zwischen, sagen wir, sieben und fünfzehn. Das heißt, ich habe schon eine klare Linie, kann aber dazwischen mich bewegen. Ja, ausmalen. So, ausmalen, genau.
Tamara
00:25:36
Jetzt habe ich ganz aufmerksam und mit wachsendem Interesse oder noch mehr wachsendem Interesse zugehört, weil ich mich in so vielen Punkten gerade wiedersehe. Jetzt muss ich mal kurz meine Gedanken sortieren, weil es mir eben so gegangen ist. Also ich habe früher Liebesromane geschrieben und dann ist vor, wann war es denn? 2024, glaube ich? Nee, Ende 2023 hat mich eine Geschichte gefunden von einem jungen Mann, der seinen besten Kindheitsfreund verliert. Und ich musste diese Geschichte schreiben. Und da ging es mir eben auch so mit dem Plot, dass ich zwar wusste, was passiert da so im Laufe der Folgemonate, aber wo will ich eigentlich am Ende hin? Also das habe ich so oft durchdacht, weil ich dachte, okay, im Liebesroman ist klar, die müssen sich halt kriegen. Im Krimi ist klar, ich muss halt wissen, wer es war. Aber wo ist der Punkt, wo ich sagen kann, ich kann so eine Verarbeitungsgeschichte beenden? Das hat mich sehr, sehr beschäftigt. Und am Ende, also den Rezensionen nach, ist es wohl richtig rausgekommen. Aber es war ganz viel so Gefühlssache. Und jetzt eben auch, ich schreibe jetzt den nächsten Teil und da geht es tatsächlich noch näher anders ran, weil es um ein Trauma geht, was auch mit der Familie zu tun hat. Und da bin ich jetzt gerade gedanklich wieder am selben Punkt. Ich weiß genau, was passiert. Ich weiß jetzt auch, wie es ausgeht. Aber es ist eben, ich finde das Wort, was du benutzt, meandern da sehr hilfreich. Also ich finde es ganz, ganz schwer zwischen klaren Plotpoints und diesem, ich muss aber erstmal in die Psyche dieser Figuren eintauchen, für mich klarzumachen, wie viel darf ich denn außenrum tun? Wie gehst du das an? Also ist es wirklich alles Bauchgefühl oder ist es reines Handwerk oder wie handhabst du das?
Stefanie
00:27:21
Also ich finde das erstmal sehr spannend, was du da gerade gesagt hast. Manchmal findet einen eine Geschichte. Und wenn sie einen dann irgendwo noch selber betrifft, finde ich sie noch schwieriger zu beschreiben oder zu schreiben, weil man dann irgendwann auch definitiv wieder eine Distanz zu sich braucht. Also ich habe zum Beispiel der Großmutter in dem Buch Dinge, Erlebnisse zugeschrieben, von denen ich nicht weiß, ob meine Großmutter sie hatte. Das heißt, ich gehe dann schon irgendwann ins Fiktive. Also ich habe teilweise Familienszenen von mir beschrieben, die man mir erzählt hat, wie ist die Kindheit im Krieg und bin dann aber auch ganz weggegangen. Und ich glaube, das braucht man noch. Und jetzt war deine Frage, wie viel... Also ich schreibe immer mehr, als im Buch ist und ich bin ein großer Streicher zum Schluss. Wenn ich merke, hier ist es mit mir durchgegangen oder manchmal vielleicht das, was du auch gesagt hast, das ist zu persönlich geworden, das ist vielleicht gar nicht der Strang des Buches, dann wird bei mir also hart und viel gestrichen und dann bin ich auch ein Bastler. Also deswegen, ich brauche für meine Bücher eigentlich ein Jahr. Gerade wenn ich so verschiedene Zeitstränge habe. Ich stelle die Kapitel unendlich um, damit die wirklich exakt sich aufeinander beziehen. Also bei Nebelkindern habe ich es teilweise ausgedruckt und dann waren die ganzen Kapitel in meinem Zimmer gelegen und dann habe ich nochmal umsortiert. Also es ist sowohl das, was du da beschreibst, das Gefühl, jetzt schreibe ich, weil ich erzählen will. Ich glaube, ich habe was zu erzählen, was jemanden interessiert. Und dann wieder das handwerkliche Überarbeiten. Also ich bin da auch zum Beispiel jemand, ich lege mir dann die Heldenreise vor vom Snyder und schaue, ob ich im Großen und Ganzen in diesen Stadien erzählt habe. Weil ich glaube, seit der Odyssee ist jedes gute Buch so aufgebaut und dann kann man sich selber noch mal kontrollieren. Bin ich da irgendwann in meinen eigenen Ideen und Gedanken versunken und dann ist es halt eine Biografie oder irgendwas für mich und kein Buch. Also so kommt das immer alles zusammen, denke ich.
Vera
00:29:50
Also was du gerade gesagt hast zu den persönlichen Sachen, dass man sich da auch ein bisschen davon lösen muss, dass es deine Erfahrung und ich auch hatte, ich habe ja einen Roman geschrieben, Wunschleben, der ein bisschen persönlich inspiriert ist und ich kann mich noch erinnern, jetzt war das ziemlich so am Anfang, da war ich auch noch nicht ganz so fit. Aber dass ich gerade bei den Sachen, die dann sehr persönlich wurden, auch immer Probleme hatte und ich mich dann noch bewusst sagen musste, das ist ja so ein Roman und du musst jetzt nicht dokumentieren, du musst eine Geschichte erzählen. Und da hat mich manchmal auch befreit zu sagen, okay, da kann ich weg von dem, was ich erlebt habe. Oder was ich manchmal auch musste, dass ich im Hinterkopf eigentlich, Ja, ich sage es jetzt mal ein bisschen negativ, ich wollte eigentlich eine Botschaft darüber bringen, ich wollte den Menschen eine Überzeugung nahe bringen, das geht nicht, sondern ich muss die Geschichte erzählen und davon muss sie mich dann auch lösen.
Stefanie
00:30:50
Also das kann ich total gut verstehen. Du hast da auch gerade einen Punkt gesagt, den ich für mich sehr wichtig finde, dass man übers Dokumentieren hinausgeht. Also wenn ich so ein Thema habe, ich recherchiere ein Vierteljahr, ein halbes Jahr und lese und lese und lese. Und dann habe ich 20 Bücher zu dem Thema auf meinem Schreibtisch und es gibt oft einen Punkt, wo ich spüre, ich muss jetzt aufhören. Obwohl da noch fünf sind, die vielleicht auch wichtig sind. Jetzt ist Schluss. Weil sonst fange ich auch im Text an, nur noch das zu reproduzieren und das genau richtig. Dann möchte man die Botschaft und man möchte das Symptom erklären und das auch noch reinbringen. Und dann muss man irgendwann sagen, stopp, stopp, jetzt muss die Erzählung da irgendwie im Vordergrund stehen.
Vera
00:31:37
Aber wie schaffst du das? Wird ihr zweimal erzählen.
Stefanie
00:31:39
Was bei euch die Themen waren? Weil das finde ich ja sehr spannend, wenn sich das gegenseitig spiegelt.
Vera
00:31:45
Was meinst du?
Stefanie
00:31:46
Die persönlichen Themen, die hinter einem Buch standen.
Vera
00:31:50
Ja gut, bei Wunschleben ist klar, das ist mein männlicher Migrationshintergrund. Und da habe ich halt die Identitätsfindung als Frau, als Quereinsteigerin ein bisschen geschildert.
Stefanie
00:32:04
Und da musstest du auch schauen, was du dann wieder weglässt, was zu persönlichen.
Vera
00:32:08
Ja, genau. Und wo ich es auch... Wo ich auch ein bisschen mit Klischees spielen muss, damit die Leute das verstehen. Man muss einfach ein bisschen was sie kennen nehmen.
Stefanie
00:32:21
Ist das nicht schwierig, wenn man selber weiß, wie komplex das Thema ist und dann geht man nur auf die groben Sachen, damit es verständlich wird?
Vera
00:32:30
Ja.
Stefanie
00:32:30
Glaube ich.
Vera
00:32:31
Aber wie ist das denn? Wenn du sagst, du hast 20 Bücher auf deinem Schreibtisch. Also das wäre für mich extrem schwer, dann zu sagen, okay, ich habe jetzt 20 Bücher gelesen, ich kenne das Thema in- und auswendig und jetzt muss ich alles vergessen, damit ich eine gute Geschichte erschreiben kann.
Stefanie
00:32:48
Ja, es ist das. Ich höre irgendwann auf. Obwohl ich weiß, ich habe es noch nicht zu Ende recherchiert. Ich merke genau, also genau, manchmal zu früh, manchmal zu spät, wann der Kopf zu voll ist, wann kein Platz mehr für meine Fantasie, meine Geschichten sind. Und dann höre ich erst mal auf und dann schreibe ich. Irgendwann lese ich das wieder nach und überlege mir, ob da noch was ist, was ich doch noch reinbringen möchte. Aber dann bin ich mehr in der Geschichte und fange nicht an, show, don't tell, hier irgendwie mein Wissen da noch reinzufropfen.
Tamara
00:33:24
Ich meine, klar ist ja auch gerade in so einem Themenbereich Wissen wahnsinnig wichtig, weil es eben um... Um Dinge geht, wo es wirklich Menschen sehr schmerzt und da kann man ja nicht einfach sich überlegen, ach, ich stelle mir mal vor, der fühlt sich jetzt so und so. Insofern ist das natürlich klar, dass man da möglichst verstehen sollte, was einen Menschen bewegt, der gerade in so einer Situation ist. Würdest du denn sagen, du hast so drei Modi, also Recherche, Rohfassung, überarbeiten und wenn ja, wie schaffst du es, die sinnvoll zu trennen?
Stefanie
00:34:03
Also du triffst es, das wären die drei Modi, wobei die sich dann wiederholen. Also tatsächlich, erstmal ist es so, recherchieren, schreiben, überarbeiten. Und schreiben ist ein kleiner Teil. Das Überarbeiten ist bei mir riesig. Ich bin echt ein Fummler dann an jedem Satz. Aber dann kommt es nochmal. Dann lese ich also wieder was nach. Oder merke, da gibt es noch ein Seitenthema, das ich auch noch recherchieren möchte. Und dann geht das Ganze wieder los. Also ich drehe und drehe und optimiere. Und ich muss sagen, du hast gerade gesagt, dass ich mich reinfühle, wie man sich da fühlt. Gerade bei dem Thema habe ich das Gefühl gehabt, beides ist wichtig. Also die harten Fakten, wir haben fünf Millionen Vergewaltigungen, sagen die Forscher, die Historiker heute. Und das Interessante ist, in der eigenen Familie gibt es immer keine Vergewaltigungsopfer.
Tamara
00:35:04
Und erst recht keine Täter.
Stefanie
00:35:07
Täter schon gar nicht, genau. Deswegen, also erstmal muss ich es recherchieren, damit ich überhaupt weiß, wo die Themen liegen. Und dann habe ich aber bei dem Thema gemerkt, ich habe gesehen, dass es Foren im Netz gibt, wo sich diese Kriegsenkel treffen und teilweise einfach seitenlang wie tagebuchartig erzählen. Und das war für mich, für das Fühlen, das du angesprochen hast, nochmal ganz wichtig. Also da wird zum Beispiel beschrieben, wie sich Hunger anfühlt. Und das kannte ich nicht. Und das habe ich mir auch nicht vorstellen können. Ich hätte es vielleicht gar nicht so beschrieben. Aber wenn jemand, der gehungert hat, erzählt, wie das Gefühl ist, als ob es einem die Gedärme rausreißt, als dass man bereit ist, jedes Lederstück zu kauen. Und das habe ich durch diese Berichte rausgekriegt und natürlich habe ich dann auch viele befragt. Wobei das Befragen bei diesem Thema sehr schwer ist, weil da kommt genau dasselbe zuerst. Auch bei mir war es nicht so schlimm. Also eine Kindheit im Krieg war eigentlich auch sehr lustig, weil da durften wir ständig auf der Straße spielen. Ihr lacht, aber es kommt wieder und wieder.
Vera
00:36:24
Ich höre meine Eltern sagen.
Stefanie
00:36:28
Definitiv. Und man muss ganz lange nachhaken und nachfragen oder man muss selber erzählen, nach meinen Lesungen. Wenn ich Szenen erzählt habe, dann stehen da immer Leute, und ich kenne die schon, das sind die, die warten, bis alle anderen weg sind, wenn sie signiert haben. Und dann kommen die zu mir und erzählen plötzlich etwas. Da habe ich schon Sachen gehört, wo sie gesagt haben, Ich habe es noch nie jemandem erzählt. Dann kommen diese Sachen raus. Ich weiß mittlerweile auch, sie kommen raus, wenn es an Sterben geht. Ich habe mehrere Geschichten gehört, wo am Sternebett plötzlich Kriegsmenschen Dinge erzählt haben, die sie ihr ganzes Leben mit sich getragen haben, die dann auch die Familie völlig aus der Bahn geworfen hat, weil sie das zum ersten Mal gehört haben. Da ist anscheinend, eigentlich ist das Bedürfnis unfassbar groß. Ich will endlich erzählen. Ich will erzählen, dass ich jemanden umgebracht habe. Ich will erzählen, dass jemand neben mir gestorben ist. Ich will verdammt nochmal erzählen, dass ich vergewaltigt worden bin. Es ist mein Herz wie ein schwarzer Schatten mein Leben lang. Ich will es jetzt endlich loskriegen.
Tamara
00:37:35
Was eine Ehre und eine Verantwortung, dass dein Buch sowas dann einfach rausbringen kann auch.
Stefanie
00:37:44
Ja.
Vera
00:37:44
Hast du denn mit deiner eigenen Familie dann auch doch darüber gesprochen?
Stefanie
00:37:48
Ja. Wartet mal, weil das sind zwei unterschiedliche Sachen, die beider extrem wichtig sind.
Vera
00:37:53
Okay.
Stefanie
00:37:54
Die Verantwortung ist mir tatsächlich erst, Eigentlich erst hinterher klar geworden. Bei sowas wie den Lesungserlebnissen und noch viel mehr. Ich habe Leserbriefe bekommen. Ich habe noch nie so viele Leserbriefe und die stehen noch nicht mal mehr im Verhältnis zu dem, was ich verkauft habe. Das heißt, ich muss einen ungeheuer hohen Prozentteil haben von Menschen, die mir geschrieben haben und die mir dann eben ihre Geschichten geschrieben haben. Und ich habe mir wirklich für jede Mail, für jeden Brief Zeit genommen und manchmal war es eine Stunde, um zu antworten, um das irgendwie aufzufangen, um das wirklich persönlich wahrzunehmen. Ja, also und da habe ich auch gemerkt, kann ich das überhaupt? Denn ich kann es natürlich nicht, ich bin kein Psychologe. Ich kann es erst mal nur aufnehmen. Also diese Verantwortung ist mir eigentlich später klar geworden. Okay, und jetzt komme ich zur zweiten Frage, ob ich mit meinen Eltern drüber gesprochen habe. Ja, und das war für mich wie ein Neuanfang im Leben. Also viele von diesen Sachen, die ich im Buch geschrieben habe, habe ich selber auch erlebt. Und ich war auch ein Nebelkind. Ich wusste überhaupt nicht, nach was ich fragen sollte. Da gab es viele komische Sachen. Man ist sich mit den Eltern nicht immer grün und kann ja gar nicht näher drauf eingehen. Aber da gibt es Themen und Probleme. Und ich wusste nicht, was ich fragen sollte. Und dann plötzlich wusste ich, was ich fragen sollte. Und ich wusste auch, was ich sagen wollte, was für mich in meiner Kindheit schwierig und ein Problem war. Und ich habe das schon im Laufe des Buchschreibens gemacht, mit meiner Mutter drüber zu reden. Da hatte ich eigentlich nur die Theorie. Ich wusste, um was es geht. Und wir sind nicht zueinander gekommen. Ich bin nicht zu ihr durchgedrungen. Ich habe keine Antwort bekommen und eigentlich auch kein Verständnis. Und als meine Mutter das Buch gelesen hat, das war, ja, es war ein Riesenbruch. Wir saßen dann beieinander, haben stundenlang miteinander geredet, war auch sehr emotional, weil sie eigentlich durch die Szenen im Buch verstanden hat, was sie erlebt hat, wie sie war, wie sie tickt, wie diese Kriegsgeneration tickt, also zum Beispiel dieses Leisten und auf die Knie fallen und wieder aufstehen und dir geht es doch gut und all diese Sachen, die auch im Buch beschrieben sind. Und sie hat aber plötzlich auch gemerkt, wie es mir geht. Dieses, vielleicht will ich gar nicht nur leisten. Vielleicht ist ein Haus nicht mein Lebensziel. Und plötzlich kam dieser Clash, ging in Verständnis über. Deswegen war das Buch für mich persönlich mein persönlich wichtigstes Buch.
Vera
00:40:43
Das kann ich gut nachvollziehen, ja. Ja, hier muss ich gerade ein bisschen tief Luft holen.
Tamara
00:40:51
Ich dachte, du überlegst, was du sagen willst. Dann bitte.
Vera
00:40:56
Aber das wäre jetzt ein Themenbruch.
Tamara
00:40:59
Ich habe auch einen Themenbruch.
Vera
00:41:00
Gut, dann brechen wir jetzt das Thema.
Stefanie
00:41:02
Brechen wir.
Vera
00:41:03
Ich muss jetzt ein bisschen wieder zu den Pragmatischen kommen, sonst breche ich nachher noch Tränen aus. Du hast ja jetzt sehr ausführlich geschildert, wie dein Prozess ist mit langer Recherche und da kam mir direkt so eine Frage, was ist denn mit deinem Deadline? Hast du keine Deadline oder Ungleichheit?
Stefanie
00:41:23
Ich habe Deadline. Ich kann euch erzählen, ich hatte gerade 1. Mai-Deadline. Ich habe die Nacht noch durchgearbeitet. Wobei ich das normalerweise nicht tue, weil ich eigentlich so, ja, ich bin ja ein Kriegsenkelkind, also ich arbeite und das wird auch. Ich habe noch nie nach der Deadline abgegeben. Aber also bei meinem letzten Buch haben sie mir doch glatte sieben Monate Zeit gegeben für ein Buch. Und das hat mich schier an Wahnsinn getrieben. Aber nein, logisch, ich habe eine Deadline. Ich schreibe an sich erst richtig, wenn ich einen Vertrag habe. Das kann ich mir sonst als hauptberufliche Autor nicht leisten. Also ich schreibe ein Exposé, ich schreibe an. Also früher habe ich meine 30, 40 Seiten abgegeben. Mittlerweile bin ich bei Aufbau Stammautorin, die wissen dann, wie ich schreibe. Also da reicht dann auch ein Exposé. Und erst wenn ich einen Vertrag habe, geht das richtig los. Aber meistens habe ich dann ja noch ein Jahr Zeit, bis die das in ihr Programm einbauen, ist das eigentlich meist ein Jahr. Und so plane ich dann auch, aber ich schaue da schon auch auf die Timeline. Also ich gönne mir ein erstes Vierteljahr zum Recherchieren und zum Plotten, aber dann will ich auch schreiben. Und eigentlich, also wenn ich so grob peile, so genau mache ich es nicht, aber nach einem Dreivierteljahr will ich eigentlich das Manuskript stehen haben. Und ich will dann ein Vierteljahr überarbeiten. Also auf sowas habe ich schon alles einen Blick.
Vera
00:42:50
Ein Vierteljahr überarbeiten?
Stefanie
00:42:52
Ja, ich bin da, aber das muss nicht für andere gelten. Ich bin ein furchtbarer Überarbeiter. Also wie gesagt, jeden Satz, ich kann Satz für Satz wieder umstellen und streichen, ich kann Kapitel umstellen. Ja, so bin ich.
Vera
00:43:08
Also ich muss ja gestehen, jetzt habe ich einen wesentlich höheren Durchsatz. Ich muss auch gestehen, dass ich nicht gern überarbeite. Und wenn ich mich da noch länger mit so einem Buch beschäftigen muss, dann nervt mich immer dasselbe, zum hundertsten Mal dieselbe Geschichte zu lesen. Ich kann sowieso nicht mehr beurteilen, was gut ist.
Stefanie
00:43:30
Ich verstehe dich total, weil man kennt sein Buch dann fast auswendig. Aber das Erste ist, Haruki Murakami sagt, man soll ein Manuskript ein Jahr liegen lassen. Und dann kann man es nämlich neu lesen, das merke ich auch. Also ein Jahr habe ich natürlich nie Zeit, aber ich versuche das manchmal, dass ich wirklich mal zwei Wochen, wenn es ideal wäre, wäre es vier Wochen, aber schaffe ich es selten, wirklich ganz beiseite. Und dann kann man nochmal neu lesen. Und ich mache noch was. Ich lese ja normalerweise am Computer Korrektur. Dann gibt es bei mir eine Fassung, wo ich auf dem Papier Korrektur lese. Und da sieht man andere Sachen und stellt andere Sachen fest. Und dann beim letzten Durchgang lese ich mir das durch. Und ihr wisst, wie lange ein Hörbuch dauert. Es dauert brutal lang. Wiederum findet man ganz andere Sachen. Beim Lesen ist es oft der Sprachfluss. Da merkt man, oh, hier stimmt was nicht, der Satz ist zu lang oder es klingt ganz blöd. Man merkt auch viel mehr Wiederholungen nochmal. Oder man merkt dann tatsächlich auch nochmal, hier habe ich eigentlich vorher was nicht erklärt, was ich jetzt aufgreife. Also man versteht den Sinn nochmal neu. Also das sind so meine Wege, dass ich immer wieder versuche, einen neuen Blick aufs Manuskript zu kriegen.
Vera
00:44:45
Also ich mache es so, dass ich halt, wenn ich meinen Tages-Word-Count erreicht habe, dann wird das sofort als E-Pub abgespeichert. Und dann morgens beim Frühstück wird das als E-Pub gelesen und direkt markiert, wo ich Fehler habe, wo mir was aufhält. und ich versuche dann, die ersten Kapitel zumindest alle noch mal laut zu lesen.
Stefanie
00:45:07
Also Vera, da muss ich jetzt sagen, ich bewundere dich. Ich weiß, dass es einige von uns AutorInnen gibt, die das so machen. Und ich bewundere die, weil das wäre gut und richtig. Und ich bin dazu nicht in der Lage. Also in der Woche, einmal gibt es einen Tag, wo es fließt, dann kann ich sieben Seiten schreiben. Das ist aber schon ziemlich das Maximum bei mir. Dann gibt es einen Tag, da geht Schreiben gar nicht oder es gehen mal nur zwei Seiten. Also die, die nach Seiten oder nach WordCount schreiben, ich finde das so toll, ich würde das auch gerne können.
Vera
00:45:45
Also ich muss machen. Also meine Erfahrung ist auch, an Tagen, wo ich da vorsitze und dann sehe, Papyrus zeigt mir an, du musst jetzt 1100 Wörter schreiben. Und ich denke, ich habe keine Ahnung, was jetzt passiert. Dann gucke ich manchmal einfach nur, wo ist die Frau, wo ist die Person jetzt? Was macht sie mal? Sie geht sich ja zum Bitteressen holen oder irgendwie sowas Profanes. Und da entstehen meistens die besten Szenen.
Stefanie
00:46:08
Das habe ich mir sagen lassen, dass wenn man einfach anfängt, dann schreibt man auch.
Vera
00:46:13
Ja. Und dann freue ich mich immer, wenn dann Papier aus der Balken die Farbe ändert. Und dann kommt immer so ein Bild, du kannst einen Kaffee trinken. Ah, super, zack.
Stefanie
00:46:23
Ich beleide dich.
Tamara
00:46:26
Also ich bin immer froh, Stefanie, wenn ich jemanden treffe, der so tickt wie ich, weil die Vera immer mit mir schimpft, dass ich es so lange brauche. Aber ich könnte, glaube ich, auch ein Jahr lang überarbeiten, weil es mir so viel Freude macht, die Sätze immer wieder zu drehen. Und tatsächlich auch, also das letzte Buch habe ich, glaube ich, ein halbes Jahr liegen lassen, aber aus anderen Gründen und es dann nochmal komplett durchzulesen und zwischendurch zu denken, wer hat denn den tollen Satz geschrieben? Das ist schon schön.
Vera
00:46:56
Ja, nein, aber so hat jeder seinen Weg, wobei Haruki Murakami ist ja auch für mich ein Vorbild, aber auch in anderer Hinsicht, weil der ja auch nicht so übermäßig viel recherchiert. Der hat ja mal Er hat ja ein Buch geschrieben, was in Finnland spielt, obwohl er nie in Finnland war. Und als er dann später nach Finnland kam, hat er gesagt, er hätte sich gefreut, dass Finnland so aussehen wie in seinem Buch. Das nehme ich mir. Also ich muss gar nicht, ich bin extrem Recherche faul, das muss ich jetzt hier mal gestehen in der Öffentlichkeit. Wenn ich denn so ein Buch schreibe, dann komme ich von meinen Stellen, wo ich denke, oh, die musst du jetzt mal näher gucken. Dann notiere ich mir die oder markiere mir die im Manuskript hier nochmal, recherchiere. Und dann schreibe ich weiter und am Ende stelle ich bei mindestens der Hälfte der Stellen fest, ach, geh doch so.
Stefanie
00:47:44
Ich glaube auch, es ist total unterschiedlich. Ich meine, Murakami, da geht es ja darum, was mit den Menschen passiert. Letztlich ist es auch wurscht, ob Finnland so aussieht oder nicht. Also bei sowas wie Nebelkindern muss die Recherche, glaube ich, schon sein, weil man dann überprüfen muss, ist das richtig, was ich geschrieben habe. Ich habe aber jetzt was komplett anderes geschrieben. Das Genre nennt sich Inspirational Novel und man wollte das von mir. Das ist sowas wie das Café am Rande der Welt oder früher Hesse Siddhartha, also eine Geschichte mit Wandlungscharakter. Also ich war zuerst, habe ich halbe Schnappatmung bekommen, als man mich gefragt hat, ob ich das schreiben will und hauptberuflicher Autor sagt, ja.
Tamara
00:48:31
Eine Abatmung vor Schrecken oder vor Begeisterung?
Stefanie
00:48:34
Nein, weil ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich sowas überhaupt schreiben kann. Ich fand das auch ein bisschen seltsam. Und das ist auch nicht das Genre, das ich lese. Also es war für mich komplett verrückt, aber war ein super Angebot. Ja, sag ich ja. Und als es hieß, hast du sieben Monate Zeit da. Genauso. Ja. Und dass es zum Beispiel auch ein Buch gewesen wäre, wo ich nicht viel recherchiert habe. Also spielt in Tunesien, aber da bin ich jedes Jahr für die mehr Schreibzeit mit den super Kollegen und Kolleginnen. Da hatte ich auch Erlebnisse, die ich einbringen konnte. Also wirklich recherchiert habe ich für dieses Buch kaum. Ich habe einfach erzählt. Also deswegen, das ist eine Sache ganz unterschiedlich nach Genre, nach Buch.
Vera
00:49:21
Also sag mal, wie heißt das Genre? Inspirational?
Stefanie
00:49:25
Inspirational Novel.
Tamara
00:49:27
Ja, ich glaube, das geht gerade sehr, sehr gut. So eine Mischung aus psychologischer Ratgeber und Geschichte.
Vera
00:49:34
Ich habe jetzt gelesen, der neue Hype heißt Healing Fiction.
Stefanie
00:49:40
Du, so kann man es auch nennen.
Tamara
00:49:41
Das ist im Kern dasselbe.
Stefanie
00:49:42
Das ist nämlich dasselbe. Den Begriff finde ich noch ein bisschen, der gefällt mir nicht. Aber das geht alles in die Richtung. Also Healing ist dann schon richtig Heilung und heilend. Also das würde ich nicht für mich in Anspruch nehmen. Aber wie gesagt, das Café am Rande der Welt oder die 25 Sommer, da gibt es früher was, der kleine Prinz. Also solche Dinge, wo man Lebensweisheiten rauszieht und es ist ein wahnsinnig Trend. Und es ist auch ganz klar, die Nebelkinder heutzutage würde keinen Verlag mehr nehmen. Wenn Krieg ist, will man nichts über Krieg lesen und man will es auch nicht zu problematisch bei diesen Geschichten. Also ich denke, ich habe schon einen problematischen Anfang. Wie gesagt, ich kann nie ganz schön und nie ganz grauenhaft. Ich bin da irgendwie immer so zwischen den Polen hin und her gehend. Also in dieser neuen Geschichte nehme ich auch wieder eine Frau, die mit echtem heftigen Rucksack an Problemen kommt, die dann aber Erlebnisse hat, wo sie merkt, und das sind Sachen, die ich vertreten kann. Komm, nimm die Dinge erstmal an, wie sie sind. Du kannst sie nicht ändern. Dann fang mal an, loszulassen. Krasule dich nicht in deinem früheren Leid. Nimm den Moment wahr. Also solche Sachen, da stehe ich schon auch absolut dahinter. Habe es versucht, auch nicht zu sentimental zu schreiben. Aber eben, es ist ein Genre, das die Leute heute mögen, denn sie möchten in der wirklich heftigen Zeit, in der wir uns gerade befinden, Corona. Ukraine-Krieg, jetzt haben wir einen Amerika-Irak-Krieg, der nicht zu enden scheint. Da wollen sie irgendwas, an dem sie sich nochmal festhalten können.
Vera
00:51:27
Das kann ich auch mal verziehen, das will ich auch.
Stefanie
00:51:29
Und das ist so und ich habe diesen Auftrag dann sehr gerne angenommen und ich habe es dann auch sehr, sehr gerne geschrieben.
Vera
00:51:35
Aber ich muss noch mal ein bisschen jetzt technisch fragen, was sind denn so die Kernelemente, die so eine Inspirational-Novel oder Healing-Fiction-Buch haben muss, damit es in das Genre passt?
Stefanie
00:51:48
Also es geht um einen Mensch, der irgendwann eine Erkenntnis hat, die ihn, also in seinem Inneren ist wieder ein bisschen zu viel, die ihn irgendwie in seinem tiefsten Sein wandelt. Zum Beispiel bei mir dieses, ich habe dieses, ich suhle mich in der Vergangenheit, das tun wir alle irgendwie. Ich habe halt eine schwere Kindheit und ich hatte eine Mistpartnerschaft und mir geht es auch so dreckig. Zu dem Punkt zu kommen, wo man sagt, okay, so war es. Ich nehme das an, aber jetzt ist es weg. Und jetzt schaue ich mir diese verdammte Blume im Wald an. Und die ist da und die ist verdammt schön. Und dann schaue ich mal weiter, wie ich mein Leben vielleicht so hinkriege, dass es auch zu mir passt, dass ich mich nicht immer von den äußeren Zwängen zwingen lasse. Also sowas ist eine Inspirational Novel. Also Kaffee am Rande der Welt kriegt er auf einer Speisekarte, ich glaube es sind fünf existenzielle Fragen gestellt. Wer bin ich, wohin gehe ich? Und die diskutiert er dann mit der echt süßen Kellnerin durch. Und ja, manchmal sind diese Sachen ein bisschen schlicht, aber ich finde es schon auch okay, nachdem ich es geschrieben habe. Also ich habe mich selber auch ein bisschen am Riemen gerissen, als ich es geschrieben habe.
Vera
00:53:17
Aber ich stelle mir das jetzt durchaus als Druck vor, zu sagen, ich muss jetzt ein Buch schreiben und da müssen andere Lebensweisheiten rausholen.
Stefanie
00:53:25
Ja, ist es immer ein Trockenbuch zu schreiben?
Vera
00:53:28
Nö, also das soll ich jetzt nicht immer sagen. Aber ich habe auch nicht den Anspruch, Lebensweisheiten zu verteilen.
Stefanie
00:53:34
Ja, also das fand ich auch schwierig. Mhm. Ich habe damit angefangen, also ich habe gesagt, das Buch spielt in Tunesien und das Irre war, dass ich während dieser Mehrschreibzeit, wo eine Gruppe von Autoren und Autorinnen schreibt und aber auch abends Seminare hat und sowas, habe ich diesen Auftrag bekommen. Und ich war gerade in Tunesien und dieses Land berührt mich immer. Also wir sitzen da hauptsächlich im Hotel, lassen uns eigentlich genau nicht aufs Land ein, weil wir wirklich schreiben, schreiben, schreiben wollen, was legitim ist. Trotzdem weiß man natürlich, in was für einem Land man ist. Und man sieht Frauen in der Vollburka ins Meer gehen. Und natürlich clashen da die Kulturen aufeinander. Und das war für mich ganz klar, das ist ein Thema, was ich aufgreifen will. Wie ist das Frauenbild bei uns? Wie ist das Frauenbild dort? Für mich war in dem Moment ein Riesenproblem, dass ich wirklich nicht diese kulturelle Aneignung mal haben wollte. Ich habe keine Ahnung, wie eine arabische Frau sich unter der Burka fühlt. Ich werde auch nicht behaupten, dass ich das weiß. Aber in der Spiegelung, dass ich sehe, da gibt es ein anderes Frauenbild, kann ich mich selbst reflektieren. Denn mein eigenes Frauenbild muss mit Sicherheit auch nicht das einzig Wahre sein. Und das war dann so ein Thema für mich, womit ich sofort etwas hatte, wo ich sagen kann, ja, das interessiert mich, darauf will ich eingehen. Also so, ja.
Vera
00:55:10
Ja, das kann ich nachvollziehen, ja. Ja, spannend. Ich wollte aber nochmal, bevor wir nachher zu Tamaras total, kritischen Buchbubble-Fragen kommen, einen noch mal Einschlenker machen, weil da zwischen Nebelkinder und dem, was du jetzt schreibst, dann ist da noch ein anderes Thema dazwischen. Du hast dich ja auch damit beschäftigt, wie es Menschen geht, die, wie sagt man heute?
Stefanie
00:55:37
Menschen mit Behinderung ist das häufigste Wort dafür.
Vera
00:55:40
Heißt auch mal Menschen mit Behinderung heute, ja. Heißt auch nicht Menschen mit gesungen Fähigkeiten.
Stefanie
00:55:46
Nein, da hake ich gleich mal ein, weil ich das super spannend finde. Also wir haben es jetzt schon im weitesten Sinn, aber darauf werden wir kommen. Es ist ein Thema rund um Menschen mit Behinderung und ich habe ganz lange recherchiert, wie man sagt. Früher hatten wir gesagt behindert. Dann haben die Menschen sich dagegen verwehrt und haben gesagt, wir sind nicht behindert. Dann kamen Menschen mit Besonderheiten. Menschen mit Behinderung ist heutzutage anscheinend das Üblichste. Es gibt jetzt aber schon wieder einen Gegentrend. Und zwar Betroffene selbst, die sagen, ich will Behinderter genannt werden.
Tamara
00:56:27
Ja, das habe ich auch schon öfter gehört.
Stefanie
00:56:29
Ich werde nämlich von euch, von der Gesellschaft behindert. Ich komme nicht mal in die Straßenbahn rein. Und deswegen nennt mich so, also das ist ja für uns Autoren und Autorinnen so wichtig, dass wir uns überlegen, mit welchem Wort bezeichnen wir was. Ich habe das im Nachwort auch wirklich thematisiert. Ja, und Buch selber habe ich, glaube ich, dieses Wort Behinderung sowieso nicht oder kaum benutzt.
Vera
00:56:52
Es geht jetzt in diesem Fall ja auch um Autist und die Schwester dieses Autisten, die ich das richtig gelesen habe. Das ist ja auch wieder so ein Thema, was wir gerade schon erwähnt haben, da hast du lange recherchiert. War das auch ein Auftrag oder war das wieder so ein Moment, wo du selbst was erlebt hast und sagst, da muss ich jetzt ein halbes Jahr eintauchen?
Stefanie
00:57:12
Ja, das ist wieder so eine total spannende Geschichte.
Vera
00:57:15
Deswegen bist du hier.
Stefanie
00:57:17
Ich habe einen TED-Talk gesehen. Also TED-Talk, manche kennen es, manche kennen es nicht. Da kann man sich auf eine Bühne stellen und zehn Minuten über ein beliebiges Thema sprechen. Manchmal werden auch Themen vorgegeben, aber manchmal kann man über irgendwas sprechen. Und da war eine Kanadierin, Alicia Maples, und sie erzählt über sich als Schwester von einem schwer autistischen Bruder. Und sie hat mal, und sie war ziemlich die Erste, die über sich erzählt hat, wie sie gelitten hat, was das für sie bedeutet hat. Und diese zehn Minuten hatten am nächsten Tag tausend Klicks und am übernächsten Tag hunderttausend Klicks und dann verstreute sich das millionenfach über die ganze Welt. Und daran hat man gesehen, das ist ein brennend heißes Thema, was bisher einfach kaum thematisiert worden ist. Und es hat mich wahnsinnig berührt. Was ist da mit den Kindern, die um ein Kind, das bedürftig ist, gibt das auch noch einen Ausdruck, bedürftige Kinder, wobei das auch sehr problematisch ist. Aber es ist ein Kind de facto bedürftig in der Familie. Es braucht mehr Zeit, es braucht Ärztebesuche, es braucht psychologische Besuche, es braucht sehr oft Tag und Nacht Betreuungsaufwand. Und dann ist da irgendein Kind daneben. Und wie das wird. und früher nannte man diese Kinder Schattenkinder. Und ich glaube, aus gutem Grund hat sich dieser Begriff nicht durchgesetzt, weil sie stehen nicht im Schatten von etwas Übermächtigen, sondern sie stehen wie eben ein Glas, ein Wasserglas, direkt im Zentrum außenrum um das andere Kind und man schaut durch sie hindurch. Weil die ganze Familie konzentriert sich auf das Kind. Wo muss es hingefahren wird? Wer passt auf die Nacht auf, wenn es schreit, wenn es krank wird und so weiter? Das Geschwisterkind ist ein Kind, das agiert. Das sind keine zerbrechlichen Kinder, darum geht es nicht bei Glaskindern, sondern die tun, die ackern. Die unterstützen die Eltern teilweise über die Nachtschichten, die gehen mit dem Kind raus, auch wenn das zum Beispiel eines der Themen ist, die für die Geschwisterkinder einfach nicht einfach sind. Und das muss man mal aussprechen dürfen. Die kochen, die sind Kinder, die machen keine Probleme in der Schule, die sind vielleicht noch gut im Sport, weil ihnen ganz klar ist, in dieser Familie dürfen sie kein weiteres Problem mehr machen.
Tamara
00:59:50
Das sind Klasse.
Vera
00:59:53
Es erinnert mich gerade an die Geschichte von Familien, wo ein Kind besonders gut im Sport ist und von der Familie gefördert wird und dann das andere, was nicht gut im Sport ist, dann irgendwie daneben steht.
Stefanie
01:00:07
Du triffst es auf den Punkt. Also ich sage immer, Glaskind fing an mit diesem Begriff, Geschwisterkind von einem Kind mit Behinderung, aber das kann und muss mal ausweiten. Das gilt auch, wenn ein Geschwisterkind kriminell wird oder drogenkrank oder in irgendeiner anderen Art die Aufmerksamkeit der Familie total auf sich bindet. Und Vera, das ist es, wenn einer der Superstar ist. Und es ist sehr oft diese Sport-Superstars, die die Eltern dann zum Auswahl-Tennis-Spiel nach sonst wo hinfahren und wo man auch sogar die Ernährung drauf ausrichtet und so.
Vera
01:00:44
Und alle Geschwister müssen denselben Sport machen, weil sich Familie nicht zu zwei Sport veranstaltet.
Stefanie
01:00:50
Genau, genau. Und das sind auch Glaskinder. Ja, ich höre es raus. Und auch diese Menschen dürfen sich Glaskind nennen und das mal aussprechen.
Vera
01:01:04
Ja, meine Liebe, man merkt schon in deinem Gespräch, wie tief das ist.
Stefanie
01:01:09
Nein, Vera, jetzt gehe ich rein. Weißt du, was du gerade gesagt hast? Alles gut. Und deswegen bist du ein Glaskind.
Vera
01:01:16
Wahrscheinlich.
Stefanie
01:01:16
Wenn man nämlich zu dem Geschwisterkind sagt, boah, du hattest es schwer, sagt das Geschwisterkind immer, alles gut, bei mir war es nicht so schlimm. Ist ja alles in Ordnung. Typische Verhaltensweise.
Vera
01:01:28
Okay. Wobei ich jetzt schon, zu meiner Rechtfertigung wäre ja blöd. Aber ich habe mich da schon sehr mit beschäftigt. Und das Thema, was du vorhin angesprochen hattest, so dieser Punkt, so in der Vergangenheit sich zu suhlen, das habe ich irgendwann versucht abzulegen. Gut, ganz hundertprozentig geht es nicht.
Stefanie
01:01:50
Aber du weißt, Vera, zuerst annehmen.
Vera
01:01:52
So ist es.
Stefanie
01:01:53
Zuerst annehmen, so war es. Und dann erst loslassen. So verbinden wir die Themen.
Vera
01:02:00
Ja, sehr gut. Also sehr tief schürfend heute. Also wie du merkst, bei mir bist du schwer eingedrungen. Und ich gehe mal davon aus, bei dem einen oder anderen Hörer oder der anderen Hörerin da draußen, dem wird es genauso gehen. Aber jetzt bist du erstmal dran, weil jetzt gibt es Tamaras total kritische Bookbubble-Fragen.
Tamara
01:02:22
Das können wir gleich machen. Jetzt erlaube ich mir aber auch noch eine Frage zu stellen, die mich interessiert.
Vera
01:02:26
Entschuldige.
Tamara
01:02:28
Und zwar, was mich persönlich sehr interessiert, wo du ja jetzt auch einfach sehr schwere Themen mitunter hast und sagst, du machst auch Lesungen. Ich finde das manchmal eine ziemliche Herausforderung, irgendwo hinzugehen und zu lesen und zu wissen, ich bringe jetzt ein schweres Thema mit. Also ich erinnere mich bei der Premierenlesung meines Romans, wo es um den Tod dieses jungen Mannes geht. Da habe ich mit einem Text angefangen, der zu der Zeit der Beerdigung spielt und habe das gelesen und habe schon gemerkt, oh, da ist jetzt gleich so ein Wich drin und habe dann einfach gesagt, naja, ich dachte, ich fange mal mit was Lebensbejahendem an. Dann wurde natürlich wieder gelacht, also das so ein bisschen auf die Schippe genommen. Aber es fängt ja schon im ersten Schritt an, wenn man überlegt, bei der Akquise, wo möchte ich denn gerne lesen? Ach nee, das ist ja eigentlich, die wollen bestimmt was Lustiges haben. Also wie gehst du damit um mit dem Thema?
Stefanie
01:03:26
Ja, also auch da hast du bestimmt recht. Ganz harte Szenen zum Beispiel bringe ich nicht in Lesung. Also Vergewaltigungsszenen, obwohl ich die ja nie explizit beschreibe, aber wenn das Astloch sich dreht, weiß der Leser, was passiert. Sowas lese ich nicht das vertragen die Leute auch nicht also ich habe eh teilweise dann doch den Tränen nahe also da muss man dann aufpassen was man an Lesestellen bringt, aber anders ich bin anders gestrickt ich bin irgendwie eine Rampensau also ich lese wahnsinnig gerne oder.
Tamara
01:04:00
Sind wir nicht anders gestrickt.
Stefanie
01:04:01
Ja okay, Ich liebe diese Themen und will sie ja auch rüberbringen. Und ich bin jemand, also ich lese maximal sieben Minuten. Und dazwischen rede ich, so wie mit euch, wie ich zu dem Thema gekommen bin, was das Thema bedeutet. Und ich gehe auch immer in ganz lange Gespräche. Und ich mag das total gern. Ich gehe sehr gern auf Lesungen.
Vera
01:04:28
Da haben wir noch eine Gemeinsamkeit, weil wir sind alle drei Rappensäue. Wobei ich fange beim Lesen immer gerne mit der Leiche an. Aber das ist ein bisschen anders. Okay, darf ich jetzt?
Tamara
01:04:44
Jetzt darfst du.
Vera
01:04:45
Jetzt kriege ich aber nicht mehr so gut die Kurve zu den total kritischen Buchbubble-Fragen von Tamara. Die kommen jetzt einfach.
Tamara
01:04:54
Genau. Lieber Stefanie, welches Buch hat dich als Leserin denn zuletzt im positivsten Sinne überrascht?
Stefanie
01:05:02
Ich sage euch die Wahrheit, an was ich gerade lese.
Vera
01:05:06
Ja, natürlich.
Stefanie
01:05:06
Und das Buch heißt Don't Miss the Clitoris. Ich weiß nicht, ob ihr schon gesehen habt, es steigt auf die Spiegel-Bestsellerliste. Ich habe in der Frauenzeitschrift beim Arzt drüber gelesen, nicht beim Gynäkologen. Und ich finde es so wahnsinnig interessant. Und zwar ist es eine Gynäkologin, die festgestellt hat, In jedem Lehrbuch für Ärzte werden zehn Seiten über den Penis geschrieben, exakt wie der aufgebaut ist, mit allen Funktionen und allem und drei Sätze über die Klitoris. Man nennt sie gern einen kleinen Knubbel. Und dann hat sie geforscht und festgestellt, also erstens der Aufbau ist sehr ähnlich, die Größe ist sehr ähnlich, nur dass sie dann eben ins Innere führt. Aber das kann man ja nach heutiger Forschung mal nachsehen. Es ist ein Schwellkörper. Und also nicht nur, dass es das Biologische ist, was ich einfach schon mal interessant finde. Es ist natürlich wieder eine Geschichte der Frauen. Es gibt nämlich zum Beispiel einen anatomischen Bericht, schreibt sie da drin, aus dem 16. Jahrhundert. Das wusste man alles. Aber es wird verschwiegen. Und damit wird natürlich auch die Sexualität der Frau verschwiegen. und dafür durchaus prinzipiell genauso Lust haben kann wie der Mann. Man muss natürlich auch so ein bisschen wissen, wie es funktioniert. Und deswegen finde ich das ein super Buch und ich finde es ein super wichtiges Buch. Ich habe vorher Beklaute Frauen gelesen. Finde ich auch ganz wichtig, dass vermutlich nicht Einstein die Relativitätstheorie entwickelt hat, sondern zumindest mit seiner Frau. Und dieses Don't miss the clitoris ist der nächste Schritt, dass wir nicht vergessen, obwohl es in unserer Gesellschaft schon wieder langsam so ist, dass es ein Gender Gap gibt und dass bei den Frauen vieles einfach unter den Tisch gefallen ist. Don't miss the clitoris.
Tamara
01:06:58
Sehr cool.
Vera
01:06:59
Wobei ich jetzt wirklich, ich weiß, wir gehen jetzt völlig vom Thema ab, aber ich muss da jetzt gerade so als Quereinsteigerin hat man ja besondere Erkenntnisse, wie diverseste Körperteile umgebaut werden können. Also von daher das mit den Schwellkörpern und der Ähnlichkeit war mir sehr bewusst.
Stefanie
01:07:18
Aber das ist doch faszinierend, dass du es weißt. Und frag mal bitte einfach die normale Frau.
Vera
01:07:25
Geh jetzt mal hin.
Stefanie
01:07:27
Die haben keine Ahnung, dass es mehr als ein Millimeter großer Knubbel ist. Fragt mal, es ist verrückt.
Tamara
01:07:35
Ja, ist Wahnsinn.
Vera
01:07:36
Ich glaube, das vertiefen wir jetzt nicht.
Stefanie
01:07:38
Aber man muss darüber reden.
Tamara
01:07:42
Reden wollen wir auch über die zweite Frage und das ist, was hast du denn aus deinem größten Fehler gelernt?
Stefanie
01:07:49
Aufstehen, weitermachen.
Vera
01:07:52
Das ist aber jetzt Nebelkind, oder? Vielen Dank.
Stefanie
01:07:56
Oh, ich habe mehrere große Fehler. Es war immer dasselbe. Und der allergrößte Fehler war auf jeden Fall auch aufstehen, weitermachen.
Vera
01:08:07
Ja, ich kenne das.
Tamara
01:08:11
Und zum Schluss, was sollte denn deiner Meinung nach über dem Schreibtisch aller AutorInnen stehen?
Stefanie
01:08:17
Also über die Frage habe ich lange, lange nachgedacht. Da könnten einem jetzt viele kluge Sätze aus Schreibratgebern oder sonst wie einfallen. Und ich war ja mal Unternehmensberaterin bei einer großen Unternehmensberatung und die hatte einen Wahlspruch und ich habe mir dann irgendwie überlegt, ich finde der gilt immer noch, work hard, play hard. Also arbeite verdammt viel und habe dazwischen Spaß.
Tamara
01:08:48
Sehr schön.
Vera
01:08:49
Ja, das machen wir so, ne, Tamara?
Tamara
01:08:52
Auf jeden Fall.
Vera
01:08:53
Das mit dem viel Arbeiten, das ist noch einmal okay. Liebe Stefanie, es war richtig toll, dass du heute Zeit für uns hattest. Ich bin sicher, dass unsere Hörenden da draußen sehr viel mitnehmen können. Ich habe einiges mitgenommen. Ansonsten, liebe Hörerinnen und Hörer, wisst ihr ja, was ihr zu tun habt. Ihr folgt uns, wo immer es geht. Abonniert unser Buch Bubble Bulletin und hört uns regelmäßig. Also bleibt uns gewogen. Bis nächste Woche.
Tamara
01:09:28
Danke Stefanie. Tschüss.
Stefanie
01:09:29
Tschüss. Es hat großen Spaß gemacht. Danke euch.