Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Stefanie Stahl und ihr Mega-Bestseller – Psychologie für Autor:innen und Figuren

Über 5 Millionen Buchverkäufe! Stefanie Stahl, Autorin von 'Das Kind in dir muss Heimat finden' spricht über Karriere, Glaubenssätze und den Umgang mit Neidern.

03.09.2026 73 min

Zusammenfassung & Show Notes

Über 5 Millionen Buchverkäufe! Stefanie Stahl, Autorin von 'Das Kind in dir muss Heimat finden' spricht über Karriere, Glaubenssätze und den Umgang mit Neidern. Welche Rolle spielt das innere Kind beim Schreben und Veröffentlichen? 
Die erfolgreiche Psychologin erklärt ihr Modell von Schattenkind und Sonnenkind, beleuchtet frühe Prägungen und den Zusammenhang zu Glaubenssätzen wie 'ich genüge nicht'.
Wir diskutieren über Perfektionismus, Selbstzweifel und die Angst vor Kritik: Welchen Einfluss hat das auf die Autor:innenkarriere? Und wie geht Steffi selbst mit diesen Themen um?
Außerdem sprechen wir darüber, wie psychologisches Wissen hilft, Figuren mit Tiefe zu entwickeln, und ob man nach 8 Jahren auf der Spiegel-Jahresbestsellerliste eigentlich Erfolgsdruck verspürt.
Copyright Foto Stefanie Stahl: www.SusanneWysocki.de
LINKS:
Buchwerbung: 
'Weil wir Hand in Hand durchs Leben stolpern' von Michaela Koßmann 
https://www.amazon.de/stores/Michaela-Ko%C3%9Fmann/author/B0HCWYWS2B
Unser Gast: 
https://www.stefaniestahl.de/ 
https://www.instagram.com/stefaniestahl/ 
https://www.youtube.com/c/StefanieStahlDE
Steffis Persönlichkeitstests: 
https://www.stefaniestahl.de/persoenlichkeitstests/
Podcast 'Stahl aber herzlich': 
https://open.spotify.com/show/77mVrTqDN8roc6ceFQJ96M
Steffis Buchtipp: 
'Shantaram' von Gregory David Roberts 
https://www.amazon.de/Shantaram-Hardcover-Fiction-Gregory-Roberts/dp/3442311535/
Tamaras Lesung in Oppenheim am 11.9.2026: 
https://literaturkulturlounge.de/kurse-workshops/
Möchtest du, dass wir dein Buch in unserem Podcast vorstellen? Kein Problem! Sende uns ein kurzes E-Mail an alle@zweivondertalkstelle.de und wir senden dir die Details. Vielleicht erzählen wir unseren Hörerinnen und Hörern schon in der nächsten Episode von deinem Buch.
Teile uns deine Wünsche und Anregungen mit unter https://forms.gle/thQ7NcCRqDy8gDDZ7
Vielen Dank, dass du unsere Show hörst. Hast du sie schon abonniert? Bitte gib uns auch eine Bewertung, wo immer du uns hörst.
Abonniere unseren Buchbubble-Bulletin unter http://eepurl.com/hoJYfD
Folge uns: 
Facebook https://www.facebook.com/dzvdt 
Instagram https://www.instagram.com/dzvdt/

Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Über 5 Millionen Buchverkäufe! Stefanie Stahl, Autorin von 'Das Kind in dir muss Heimat finden' spricht über Karriere, Glaubenssätze und den Umgang mit Neidern. Welche Rolle spielt das innere Kind beim Schreben und Veröffentlichen?
Die erfolgreiche Psychologin erklärt ihr Modell von Schattenkind und Sonnenkind, beleuchtet frühe Prägungen und den Zusammenhang zu Glaubenssätzen wie 'ich genüge nicht'.

Wir diskutieren über Perfektionismus, Selbstzweifel und die Angst vor Kritik: Welchen Einfluss hat das auf die Autor:innenkarriere? Und wie geht Steffi selbst mit diesen Themen um?

Außerdem sprechen wir darüber, wie psychologisches Wissen hilft, Figuren mit  Tiefe zu entwickeln, und ob man nach 8 Jahren auf der Spiegel-Jahresbestsellerliste eigentlich Erfolgsdruck verspürt.

Copyright Foto Stefanie Stahl: www.SusanneWysocki.de

Links

Buchwerbung:
'Weil wir Hand in Hand durchs Leben stolpern' von Michaela Koßmann
https://www.amazon.de/stores/Michaela-Ko%C3%9Fmann/author/B0HCWYWS2B

Unser Gast:
https://www.stefaniestahl.de/
https://www.instagram.com/stefaniestahl/
https://www.youtube.com/c/StefanieStahlDE

Steffis Persönlichkeitstests:
https://www.stefaniestahl.de/persoenlichkeitstests/

Podcast 'Stahl aber herzlich':
https://open.spotify.com/show/77mVrTqDN8roc6ceFQJ96M

Steffis Buchtipp:
'Shantaram' von Gregory David Roberts
https://www.amazon.de/Shantaram-Hardcover-Fiction-Gregory-Roberts/dp/3442311535/

Tamaras Lesung in Oppenheim am 11.9.2026:
https://literaturkulturlounge.de/kurse-workshops/

Möchtest du, dass wir dein Buch in unserem Podcast vorstellen? Kein Problem! Sende uns ein kurzes E-Mail an alle@zweivondertalkstelle.de und wir senden dir die Details. Vielleicht erzählen wir unseren Hörerinnen und Hörern schon in der nächsten Episode von deinem Buch.

Welche Themen oder Gäste wünschst du dir bei uns? Sag es uns gleich hier: https://forms.gle/PBJRCrZPsuLBv88x9

Vielen Dank, dass du unsere Show hörst. Hast du sie schon abonniert? Bitte gib uns auch eine Bewertung, wo immer du uns hörst. Seit Neuestem geht dies auch bei Spotify.

Abonniere unseren Buchbubble-Bulletin unter http://eepurl.com/hoJYfD

Folge uns:
Facebook https://www.facebook.com/dzvdt
Instagram https://www.instagram.com/dzvdt/

Create your podcast today! #madeonzencastr

Transkript

Ihr Buch »Das Kind in dir muss Heimat finden« hat sich über fünf Millionen Mal verkauft, war acht Jahre lang in Folge auf Platz eins der Spiegel-Jahres-Bestsellerliste. Wir sprechen heute mit Psychologin und Autorin Stefanie Stahl über ihre Karriere, über Glaubenssätze von Schreibenden und über Psychologie in der Figurenentwicklung.
Vera
00:00:21
Wir haben natürlich über das innere Kind gesprochen und über Psychologie, aber auch was dieser Erfolg mit ihr als Mensch gemacht hat und was sie daraus gelernt hat und welche Erlebnisse sie gemacht hat, hört auf jeden Fall rein. Hallo ihr draußen, hier ist die Folge 327 von die zwei von der Talkstelle, dem Podcast rund ums Schreiben und Veröffentlichen, ganz egal ob im Self-Publishing oder im Verlag. Und mir gegenüber sitzt die wunderbare Tamara Leonard bereit, mit mir in ein Gespräch einzusteigen. Ich bin wie immer Vera Nendwig und ebenso offen für neue Eindrücke. Liebe Tamara, gib mir ein paar.
Tamara
00:01:22
Ja, sie sitzt nicht, sie steht wieder, sie hat wieder ein bisschen Energie zusammengekratzt. Ja, ich bin wie immer an tausend Enden fleißig. Ich habe, der Satz klingt ein bisschen nach 2019, Tamara, aber ich habe heute früh um 5.30 Uhr schon an meinem Manuskript gesessen.
Vera
00:01:43
Ja, super. Das geht voran.
Tamara
00:01:47
Ja. Und ja, ansonsten bin ich gerade dabei, meine Lesung ein bisschen zu konzeptionieren für eine Variante mit weniger Musik, die ich demnächst halte. Ich bin ja nächste Woche in Oppenheim in Sissis Literatur- und Kulturlounge am 11.09. unbedingt vorbeikommen, wer da in der Nähe ist. Und da wird es auch Musik geben, aber anders. Ein bisschen weniger als in dem klassischen Programm. Aber dafür gibt es Lyrik mit der großartigen Jennifer Hilgert, die kommt dazu. Und eine kleine musikalische Überraschung bringe ich mit. Das verrate ich dann später.
Vera
00:02:29
Ja, sonst wäre es ja keine Überraschung.
Tamara
00:02:31
Genau.
Vera
00:02:32
Ja, cool. Ja, also Leute, fahrt hin nach Oppenheim.
Tamara
00:02:37
Und ich habe gehört, du warst auch super erfolgreich letzte Woche.
Vera
00:02:41
Ja, ich weiß noch, ich tue mich immer schwer mit dem Erfolgreichsein, aber nein, also ich hatte ja Buchstattparty zum ersten Band meiner neuen Krimi-Reihe Weber & Wozniak mit dem Titel Fadenscheinig und die war wirklich mega. Also wir hätten auch nicht noch eine Person mehr in das Café reinquetschen können. Das war wirklich toll. Die Atmosphäre war super. Ich meine, die Location ist ja auch total schnuckelig. Ich bin im Kenzie ja. Wir waren da ja schon mal Frühstück. Und wie gesagt, war propp und voll. War ein bisschen warm. Aber die Leute waren alle begeistert. Meine liebste Freundin Waltraud, die mir ja mal hilft, mit Buch verkauft, kam nachher schweißgebadet zu mir. Und sie hat echt noch nie so viele Bücher verkauft auf so einer Buchstattparty.
Tamara
00:03:25
Mega.
Vera
00:03:27
Und die Resonanz und die Leute waren also im Nachgang noch. Also es war einfach wirklich ein absolutes Highlight. Es war richtig toll. Und ja, dann im Anschluss, die Tage danach, dann auch noch überraschend dicke Bestellungen von Libri kamen.
Tamara
00:03:42
Sehr cool.
Vera
00:03:43
Gehe ich. So ist meine Erstauflage fahrt anscheinend quasi weg. Also ich habe zwei, drei Einzelne. Wie gesagt, gestern kam noch eine Buchhandelsbestellung, die kann ich noch ausliefern. Ich habe heute Morgen jetzt schon direkt eilig die Dukerei angeschrieben. Ich brauche neue Bücher.
Tamara
00:03:57
Was heißt Erstauflage, wie viel hattest du?
Vera
00:03:59
Ach, solche Fragen stellt man doch nicht. Das ist ja so gemein.
Tamara
00:04:06
Jetzt mache ich hier einmal die Vera. Das ist auch nicht gut.
Vera
00:04:10
200 Stück hatte ich.
Tamara
00:04:12
Das ist doch beachtlich.
Vera
00:04:13
Ja, nein. Aber ich hatte es noch nie, dass die 200 Stück so schnell weg waren. Das ist doch super. Und ja. Von daher jetzt direkt nachbestellt und das fühlt sich gerade sehr gut an. Die ersten Rezensionen sind ja auch da, sind alle super. Also selbst so Rezensenten oder Rezensentinnen, die bei den anderen Reihen immer etwas zurückhaltender waren, sind jetzt total begeistert. Ja, also fühlt sich alles richtig gut an. Und bei meinen Amazon-Ads hatte ich ja schon erzählt, dass das so im letzten Monat sich so ein bisschen eingependelt hat. Und dieser Trend setzt sich eigentlich fort. Ich bin also von daher ganz zuversichtlich, dass ich doch jetzt im September in die deutliche Gewinnzone komme.
Tamara
00:05:03
Sehr schön.
Vera
00:05:04
Ist natürlich jetzt auch wichtig, weil diesen Nachdruck habe ich zum Beispiel bisher nicht eingeplant gehabt. Und ich muss ja dann beim Cashflow aufpassen. Die Libre-Bestellungen kriege ich jetzt in zwei Monaten bezahlt. Die haben immer 60 Tage Monatskonto, die schon lutschen raus, was sie kriegen können. Das heißt, ich muss vorfinanzieren. Ich habe jetzt, Band 2 kommt ja auch noch Ende Oktober, das heißt, die muss ich ja auch vorher drucken, muss ich dann noch bezahlen und und und. Da kommt einiges aus. Ich muss schon ganz genau jonglieren. Ich hatte immer so ein Konto, wo ich immer so alles eingezahlt habe, alle Gewinne, sodass ich da immer so meine Rollieren, meine Sachen finanzieren, konnte. Ja.
Tamara
00:06:04
Ja.
Vera
00:06:10
Meinung dadurch am Ende dann da wieder, Geld auf dem Konto habe. Also ich werde den Anfangsverlust von diesem Jahr in den letzten Monaten jetzt nicht mehr aufholen. Damit rechne ich auch gar nicht. Das muss ich dann mit dem Finanzamt ausdiskutieren, dass die mich nicht auf Liebhaberei zurückstufen.
Tamara
00:06:27
Ach Quatsch, das ist so schnell.
Vera
00:06:30
Das haben sie ja schon öfter angedroht und bis jetzt ist immer jeder meiner Steuerbescheid auf Widerruf. Also die wachten nur. Ich muss das dann mal mit der Steuerberatung klären.
Tamara
00:06:41
Sonst sagst du einfach, die KI hat gesagt, sie soll machen. Das finden die bestimmt total seriös als Businessmodell.
Vera
00:06:49
Super, ja, bestimmt.
Tamara
00:06:52
Nee, aber die sehen ja, dass was passiert.
Vera
00:06:55
Ja, aber das habe ich ja vormalen. Die wollten mich schon mal. Da habe ich denen dann auch meine Verträge zum Basis, die Mando und Eis geschickt, um meine Geschäftsabsichten deutlich zu machen. Da haben sie es dann erst mal so laufen lassen. Aber wie gesagt, je nach Steuerbescheid seitdem ist immer auf Widerruf. Also ich bin da in Beobachtung. Ich habe dann immer darauf geachtet, dass ich die letzten Jahre immer so nicht ins Minus rutsche, sondern habe ich halt mal ein paar Kosten rausgelassen. Aber das kann ich natürlich bei der großen Vorinvestition jetzt nicht mehr machen. Und bis jetzt laufe ich ja auch noch unter Kleinunternehmerregelungen. Das will ich dann zum Jahreswechsel auch ändern, wenn sich das doch dann jetzt bei den großen Umsätzen, die ich da mache, rechnet mit der Mehrwertsteuer.
Tamara
00:07:45
Na guck mal, das hättest du vor einem Jahr nicht gedacht.
Vera
00:07:48
Nö, nee. Also vielleicht auch ein Tipp an die, die auch unter Kleinunternehmerregelung fallen. Ich habe mir, man kann sich trotzdem eine Umsatzsteuer-ID geben lassen, was bei mir, wenn ich ja meine Bücher in Polen bestelle, den Vorteil hat, dass ich da keine pauschale Mehrwertsteuer bezahlen muss. Da spare ich jetzt in dem Fall 5%, aber das ist auch Geld.
Tamara
00:08:11
Aber die muss man hier nicht irgendwie wieder gegenrechnen?
Vera
00:08:15
Nö. Es geht ja über diesen internationalen Austausch. Wie die das machen, weiß ich noch nicht so genau. Interessant. Da hatte ich mich im letzten Wiener Hagen Krimi mit sehr beschäftigt, weil es so ein Betrugsmodell gibt, ein solcher Mehrwertsteuer-Karussell.
Tamara
00:08:31
Wie man Recherche doch alles bringt.
Vera
00:08:35
Und man muss dann beim Finanzamt anrufen, dann wird man als Kleinunternehmer explizit freigeschaltet und dann kann man sich über dieses Portal so eine ID geben lassen und die halt bei Bestellungen im Ausland angeben. Das macht halt, wie gesagt, da ich meine Bücher in Polen drucken lasse, bringt das dann doch einiges an Geld. Kleiner Exkurs zum Steuerrecht. Ja, also das ist so die Situation und, ich habe mir jetzt ein bisschen, habe mir jetzt mal ein, zwei Wochen Schreibpause vergönnt, bevor ich dann für die erste Wiener Hagen Entscheidung mit der Community gemeinsam treffen möchte, um dann wieder loszulegen.
Tamara
00:09:17
Du warst ja aufgerufen zur Titelwahl.
Vera
00:09:20
Ja, habe ich noch nicht aufgerufen, Das wähle ich noch. Ach so. Das werde ich noch machen. Und wenn ich dann den Titel weiß, dann schreibe ich das Buch zum Titel.
Tamara
00:09:31
Die Vera macht artig, was ihr sagt.
Vera
00:09:35
Sowieso.
Tamara
00:09:35
Ihr müsst nur, wie auch generell, im Leben wählen gehen.
Vera
00:09:39
Genau. Am besten meine App installieren. Da wird man das besonders einfach können. Ja. Ja, soweit von mir.
Tamara
00:09:51
Ja, prima. Und dann kannst du ja vielleicht deine nächsten Schurken im nächsten Dienerhagen-Teil mit dem inneren Kind charakterisieren.
Vera
00:10:02
Oh, nein, das war jetzt aber so eine tolle Überleitung. Wir schauen mal.
Tamara
00:10:07
Ja, wir haben heute nämlich die Expertin zu diesem Thema bei uns und überhaupt auch, wenn es um Erfolg geht, wirklich eine Autorin der Superlative. Eins ihrer Bücher hat sich über fünf Millionen Mal verkauft, wurde in 35 Sprachen übersetzt und war acht Jahre in Folge auf Platz 1 der Spiegel-Jahres-Bestsellerliste. Ganz herzlich willkommen bei uns Psychologin, Psychotherapeutin und Autorin und Podcasterin Stefanie Stahl. Hallo Steffi.
Steffi
00:10:36
Hallo Tamara.
Vera
00:10:37
Hallo.
Tamara
00:10:37
Ja, Mensch, toll, dass du bei uns bist. Also das sind ja wirklich Zahlen, vor denen man nur mit großem, offenstehendem Mund stehen kann. Du hast natürlich noch mehr Bücher geschrieben und dieses eine erfolgreiche Buch, den Titel hat wahrscheinlich jeder schon mal gehört, Das Kind in dir muss Heimat finden, wo es um das innere Kind geht. Wahrscheinlich ist den meisten das Konzept auch bekannt. Kannst du es einmal für absolute Laien in ein paar Sätzen zusammenfassen?
Steffi
00:11:05
Ja, also ich habe da eigentlich aufgrund meines Berufes als Psychotherapeutin, ein Modell entwickelt, das auch gleichzeitig eine psychotherapeutische Übung ist und das eigentlich, ja, ich würde sagen, so die Architektur unserer Psyche gut abbildet und zwar das Schattenkind und das Sonnenkind. Und das Schattenkind ist eine Petapher, die repräsentiert unsere frühen Kindheitsprägungen. Und zwar beim Schattenkind sind eher die problematischen Prägungen gemeint. Denn wir alle kommen recht unbeschrieben zur Welt. Gut, wir haben eine genetische Ausstattung, die ist auch nicht zu unterschätzen. Aber ganz viel prägt sich ein in unserem Gehirn durch die Art und Weise, wie unsere Eltern und andere Bezugspersonen mit uns umgehen. Und dadurch entwickeln wir auch tiefe innere Glaubenssätze, wie zum Beispiel, ich genüge nicht oder ich bin nicht okay, jetzt im negativen Sinne, die einfach entstehen können, was weiß ich, wenn die Eltern ein bisschen überfordert, gestresst sind, wenn andere Schüler uns mobben oder was auch immer. Und diese Glaubenssätze ziehen gewisse Selbstschutzstrategien hinter sich her, weil wenn man so das Gefühl hat, dass man irgendwie nicht so ganz okay ist, möchte man sich nicht immer so fühlen und vor allen Dingen möchte man nicht, dass andere das vielleicht merken, dass man eigentlich nicht okay ist. Und dann greift man unbewusst zu Schutzstrategien, wie zum Beispiel alles perfekt zu machen, Erwartungen zu erfüllen, sich besonders anzupassen oder auch Schutzstrategien, die eher in die andere Richtung gehen. Nach dem Motto, ich pfeife auf euch alle, ich mache stur mein eigenes Ding. Ich sehe, dass keiner mir die Butter mehr vom Brot nimmt, also dass man zu viel in der Kontrolle ist, dass man zu viel Macht im Grunde genommen braucht aus alten Erfahrungen von O-Macht. Also sprich, dieses alte Schattenkind in jedem von uns bestimmt unglaublich über unsere Gegenwart, weil diese tiefen Prägungen eben in die Gegenwart hineinreichen, weil unser Gehirn. Ganz schlecht Vergangenheit und Gegenwart unterscheiden kann. Also unser Gehirn berechnet Erwartungen immer aufgrund vergangener Erfahrungen. Sprich, wenn ich viele Ablehnungserlehnisse hatte in der Vergangenheit und ich gehe auf eine Party, dann berechnet mein Gehirn aufgrund dieser alten Erfahrungen, oh, wahrscheinlich werde ich wieder abgelehnt. Entweder gehe ich erst gar nicht zur Party, das wäre die Selbstschutzstrategie Rückzug. Oder ich sehe zu, dass ich da einen mega guten Eindruck mache, Bombe aussehe, mich toll benehme und, und, und. Das wäre vielleicht dann die Schutzstrategie Perfektionsstreben. Und so haben wir auch eben diverse Schutzstrategien. Das ist das Schattenkind, das ich mit meinen Leserinnen und Lesern erarbeite. Und dann gibt es aber auch das Sonnenkind. Das Sonnenkind steht für unsere gesunden Prägungen, für alles, was richtig gut in uns ist und toll funktioniert, aber auch dafür, was wir uns als Erwachsene ja jetzt auch kritisieren. Realistischeren und gesünderen inneren Einstellungen und Verhaltensweisen neu einüben können. Also da kommen wir dann sozusagen von den Schutzstrategien zu den Schatzstrategien. Und die Schatzstrategien sind eben konstruktive Verhaltensweisen, mit denen wir uns weniger belasten, aber auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen nicht so belasten, wie wir das häufig mit den Schutzstrategien tun.
Vera
00:14:25
Da fällt mir jetzt ja direkt mehr aus. Wir sind ja ein Podcast, der sich jetzt hauptsächlich an Schreibende richtet und wenn du von vielfältigen Ablehnungen sprichst, die einen prägen. Ich meine, jeder, der schreibt und Bücher veröffentlichen will, kennt unzählige Ablehnungen.
Tamara
00:14:45
Oder drückt sich vor ihnen.
Vera
00:14:47
Oder drückt sich vor ihnen.
Steffi
00:14:48
Ich weiß, was ihr meint.
Vera
00:14:51
Und kann ich aus deinem Buch lernen, wie ich dann trotzdem erfolgreich als Autorin werde?
Steffi
00:14:59
Absolut, absolut, weil es geht ja im Grunde genommen darum, und das ist ja eigentlich der Kern, wenn ich so eine Prägung habe, mit Glaubenssätzen, wie ich genüge nicht, ich bin nicht okay, ich bin nicht wichtig etc. Dann ist das ja völlig willkürlich. Das sagt ja überhaupt nichts über meinen Wert aus. Also ich mache es mal ganz, ganz konkret. Da kommt ein Kind auf die Welt und kommt in einem Elternhaus an, das vielleicht ein bisschen überfordert ist. Vielleicht hatten die eigenen Eltern schon, die haben ja auch ihre Prägung, die haben ja auch ihre Schattenkinder. Und die schaffen das jetzt irgendwie nicht, dem Kind zu vermitteln, sodass es wirklich beim Kind ankommt. Wir lieben dich genauso, wie du bist. Darum geht es eigentlich. Um diese Botschaft geht es eigentlich. Dass das Kind das Gefühl hat, ich werde geliebt für das, was ich bin und nicht dafür, dass ich versuche, Mama und Papa immer zu gefallen, mich zu verbiegen, mich anzustrengen. Diesen Eltern gelingt das nicht. Jetzt stellen wir uns aber vor. Diese Eltern wären nicht so überfordert gewesen. Sie hätten Psychotherapie gemacht oder sie hätten einfach sehr gesunde Prägungen und wären einfach gute Eltern gewesen, die das Kind anders behandelt hätten, also dem Kind hätten vermitteln können, dass sie es lieben. Dann hätte dieses Kind da jetzt überwiegend positive Glaubenssätze, wie ich genüge, ich darf Fehler machen, vieles, was ich mir vornehme, kann ich auch schaffen und so weiter und so fort. Aber es wäre ja immer noch dasselbe Kind gewesen. Es wäre immer noch genau dasselbe Kind gewesen. Das heißt, diese Glaubenssätze sagen ja nichts und zwar nullkommanichts über mich und meinen Wert aus, sondern sind eigentlich streng genommen ein Zeugnis für meine Eltern und mein Umfeld. Ja, so. Und da setze ich eben an, dass ich mit den Leserinnen und Lesern daran arbeite, dass sie mehr zu sich kommen, ihrem authentischen Selbst. Also es geht überhaupt nicht um Selbstoptimierung, im Gegenteil. Es geht um Selbstfindung, um Selbstreflexion und wirklich mehr bei sich anzukommen und zu verstehen, ich bin okay, wie ich bin. Und dann eben auch raus aus dem Selbstschutz nach dem Motto, ich traue mich nicht, mein Manuskript abzugeben, weil ich so viel Angst vor Ablehnung habe, hin zum Konstruktiven. Ich bin überzeugt soweit von meinem Manuskript oder von den und den Punkten. Ich habe es mal ein paar Freundinnen und Freunden zum Lesen gegeben und dann, kann ich auch, und das ist einer meiner Lieblingssprüche, ich kann auch mit Angst ein Manuskript abgeben. Oder ich kann mit Angst Auto fahren. Es gibt ja Leute, die haben Angst vom Auto fahren. Oder ich kann mit Angst einen schwer kranken Freund besuchen. Also die Angst. Gibt natürlich Ratschläge wie alle Gefühle. Alle Gefühle machen ja Handlungsvorschläge und sagen uns so ungefähr, was wir tun sollten. Aber ich muss mich ja nicht mit jedem Gefühl identifizieren. Ich kann ja einfach auch sagen, ja klar, ist das aufregend. Natürlich habe ich Angst vor Ablehnung, das ist völlig normal. Ich habe da Herzblut reingesteckt. Ich habe vielleicht auch natürlich ein paar Selbstzweifel als Autorin. Klar habe ich Angst jetzt, dass ich da 100 Absagen von 100 Verlagen bekomme und so weiter, aber man kann das auch mit Angst machen, denn was ist eigentlich die Alternative?
Vera
00:18:21
Wie viel Angst hattest du denn bei deinem Manuskript? Gar keine.
Tamara
00:18:26
Gar keine.
Steffi
00:18:29
Weil bei Sachbüchern ist das anders. Ihr macht ja vor allem einen Literaturpodcast, wo ich mich eigentlich auch sehr wohl fühle, weil ich bin, seitdem ich denken kann, eine leidenschaftliche Literaturleserin. Leider habe ich das Gefühl, dass ich überhaupt keine Begabung habe für Literatur. Ich kann auch gleich mal erzählen, was da also meine Gedanken zu sind. Aber bei Sachbüchern ist es so, dass du erstmal ein Exposé machst und eine Leseprobe. Also zum Beispiel das Eingangskapitel.
Vera
00:18:59
Ist ja bei Bellet Tristin im Prinzip genauso.
Steffi
00:19:01
Ach, ich dachte, ich hatte immer gehört, bei Bellet Tristin müsste man den ganzen Romanen fertig haben.
Vera
00:19:05
Also bei Neuautoren haben sie das schon gerne, wenn sie ganz fertig sind.
Steffi
00:19:12
Auf jeden Fall hatte ich von daher schon die Rückmeldung. Und das andere ist, ich war 100% überzeugt von dem Konzept. Mein erstes Buch heißt ja, so bin ich eben. Es verkauft sich auch bis heute gut. Das ist ein Longseller, wie eigentlich alle meine Bücher, muss ich sagen. Ja, ist so. Und da geht es ja um Persönlichkeitstypen. Und da habe ich ja im Unterschied zu den späteren oder den Büchern, die ich danach alle geschrieben habe, mal ein bestehendes Konzept aufgegriffen. Die anderen Bücher, das Kindchen, die ja auch meine Bücher zu Bindungsangst, haben ganz starke originäre Anteile. Also wo ich wirklich psychologische Modelle entwickelt habe, wo ich Sachen verbunden habe in der Psychologie, die bisher unverbunden nebeneinander standen, wo ich sagte, nein, das gehört zusammen, das gehört in ein Modell gegossen und so weiter und so fort. Aber das erste Buch, da ging es um Persönlichkeitstypen, dass es eben 16 verschiedene Persönlichkeitstypen sind, die sich aus vier psychologischen Dimensionen zusammensetzen. Und dieses Konzept, das gab es und das hat mich so fasziniert und ich fand das so geil und konnte gar nicht fassen, warum es das noch nicht in Deutschland gibt, dass ich aber so was von überzeugt war, dass ich überhaupt keine Angst hatte. Ich hatte eigentlich eher damit gerechnet, dass das ein mega Bestseller wird und dass die Leute dann alle auf den Straßen rumlaufen mit Plaketten ich bin eine Beziehungsministerin ich bin Ideenminister, ich habe denen ja allen Ministertitel gegeben diesen ganzen verschiedenen Persönlichkeitstypen. Ich fand das so genial. Deswegen hatte ich in dem Fall gar keine Angst.
Vera
00:20:48
Also ich schließe daraus, du musst ein ganz tolles Elternhaus gehabt haben.
Steffi
00:20:53
Nee, ich bin ein Freund von Argumenten. Ich bin schon immer gewesen. Das ist einfach ein gutes Konzept. Ich stehe bis heute 100% dahinter. Ich finde das bei Sachbüchern zum Teil einfacher zu beurteilen. Ich kann sehr gut beurteilen, ob das, was ich da schreibe, gut ist, ob das auch gut geschrieben ist. Außerdem hast du ja immer noch mal einen Lektor oder Lektorinnen. Ich habe meistens eigentlich immer Frauen, die ja auch noch mal ganz gut drüber gehen. Ja, ich glaube, beim Roman könnte das völlig anders sein.
Vera
00:21:22
Da ist der Interpretationsspielraum.
Steffi
00:21:24
Ich stehe in meinem Thema. Ich weiß ja, was ich sage.
Vera
00:21:27
Was war denn dir die Motivation, überhaupt Bücher zu schreiben?
Steffi
00:21:32
Also die erste Motivation kam eigentlich auf aus einer Weinlaune. Tatsächlich kam aus einer Lebenssituation. Da war ich ja schon 39. Mein damaliger Freund, der war irgendwie im Ausland gerade geschäftlich. Und meine Freundin und damals auch noch Mitarbeiter, bis heute befreundet, damals Mitarbeiterin Melanie, Melanie Alt. Wir saßen gerade abends bei so einem Glas Wein zusammen, da rief er an. Und ich fand das Telefonat echt schrecklich. Also ich war so verliebt und er war gefühlt so weit weg emotional. Und das war für mich ganz verunsichert und ganz blöd. Und dann habe ich aufgelegt und dann sagte ich zu Manny, du, ich glaube, das liegt daran, dass der so introvertiert ist. Und ich bin ja eher extrovertiert. Und dann hatte ich plötzlich so die Idee, weil die ist ja auch Psychologin, Mensch Manny, darüber müssen wir mal ein Buch schreiben. Intro und Extroversion, das ist so krass. Wie viele Eigenschaften da dran hängen. Und da hängen ganz, ganz viele Persönlichkeitseigenschaften dran. Und das ist ja hochgradig genetisch bedingt. Also das hat jetzt gar nicht so viel mit Mama und Papa zu tun. Da sollten wir mal was drüber schreiben. Und dann sind wir halt ins Internet gegangen, haben zu diesem Thema recherchiert und sind dann sehr schnell auf dieses Konzept mit diesen 16 Persönlichkeitstypen gekommen. Da geht es eben nicht nur um Intro- und Expoversion, sondern ob du eher so ein Fühl- oder Denkentscheider bist, ob du eher so ein konkreter oder abstrakter Typ bist und ob du eher der sehr organisierte oder eher der spontan kreative, lockerer Typ bist.
Tamara
00:23:03
Das ist dieses Myers-Briggs-Konzept, oder?
Steffi
00:23:07
Genau, genau. Und das fanden wir so genial. Und dann haben wir da auch richtig Recherche gemacht, richtige eigene Testverfahren gemacht. Und dann haben wir dieses Buch geschrieben. Wir haben das gemeinsam geschrieben, also das erste Buch an der Co-Autorenschaft. Und ja, das war erfolgreich, obwohl es einen kleinen Verlag hatte, hat sich das sehr gut verkauft. Damals habe ich ja überhaupt nicht davon geträumt, dass ich jemals auf einer Bestsellerliste stehe. Also das war jetzt für mich völlig, war überhaupt nicht so. Obwohl, bei dem Buch habe ich ja eben gerade gesagt, ich dachte, es müsste eigentlich der Mega-Hit werden. Aber das ist so der Fehler, den ganz viele Erstautoren machen. Sie überschätzen sich. Oder nicht sich. Also ich glaube, das Buch ist einfach gut. Also ich sage mal, mit großem Verlag hätte das auch ein Bestseller werden können. Man darf nicht unterschätzen, was ein Verlag ausmacht. Aber. Man unterschätzt auch den Büchermarkt, wenn man erst Doktor ist. Also man kann sich gar nicht vorstellen, wie gigantisch der ist. Und es ist ja auch so. Es ist so. Ich glaube, sie heißt Henkel Katja oder Katrin. Die hat ein Buch geschrieben, Lafons Lied. Und das ist rausgekommen, ich habe ein wahnsinnig schlechtes Gedächtnis für alles, aber beim wirklich anständigen Verlag, sowas in der Liga wie Hoffmann und Kampe, also wirklich ein richtig guter, sehr etablierter Verlag, DTV, irgendwas in der Liga ist es rausgekommen. Ist nicht über die erste Auflage hinaus gegangen, eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Also es gibt einfach unglaublich gute Bücher und von Büchern muss ich sagen, Literatur kann ich beurteilen, weil ich einfach mein Leben lang lese und da nicht sehr viel Leseerfahrung habe, das ist ein richtig, richtig gutes Buch. Während andere, also ich habe ja immer so, ich weiß jetzt nicht, wie es euch geht, aber ich komme jetzt nicht schwattronieren, komme vielleicht später noch drauf. Ich finde ja eigentlich, also die preisgekröten Bücher sind für mich immer sowas wie eine Anti-Lese-Empfehlung. Wenn ich schon höre, deutscher Buchpreis, dann weiß ich schon direkt, was ich nicht lese. Weil das ist für mich direkt der Garant für Kompliziertheit und Langeweile. Das stimmt oft. Ich habe noch nicht ein Buch gelesen vom Deutschen Buchpreis, wo ich sagte, Hammer, ich habe mal eins gelesen, wo ich sagte, lesbar ist okay. Das konnte ich wirklich lesen. ich konnte sogar zu Ende lesen, aber Buchpreis, naja, weiß ich jetzt nicht. Die meisten lese ich überhaupt nicht. Wenn ich mal viele lese, dann an und denke, okay, da haben wir es wieder. Es ist einfach wie, ich gucke auch immer auf Amazon die Bewertung. Ich muss euch ehrlich sagen, wenn ich schon wieder lese, irgendein Buch hat wieder irgendeinen Preis gewonnen, ich gucke auf Amazon, dann sehe ich dann da wieder die ganzen Drei-Sterne-Bewertung. Und ich finde ja, dass die breite Masse, gar nicht dumm bewertet. Also, oder ich bin selber so Mainstream, wahrscheinlich bin ich einfach selber so wahnsinnig Mainstream. Wenn da ein Buch drei Sterne hat, dann ist es auch nach meinem Geschmack drei Sterne, wenn ich es lese, weißt du? Wenn ein Buch 4,5, 4,6 Sterne hat, gut, wir reden jetzt immer von der Rezessionsmenge, die über die drei besten Freunde hinausgeht, ja? Also man braucht schon eine gewisse Anzahl von Rezessionen. Dann finde ich auch immer, dass es ein Megabuch ist.
Vera
00:26:44
Da bin ich voll bei dir. Wir haben das mit dem Buchpreis auch schon öfters besprochen. Wobei wir hatten ja die Martina Hefter da, die vorletztes Jahr gewonnen hatte. Ich muss sagen, ihr Buch ist durchaus eine Ausnahme. Das war mal wirklich ein Preisträgerbuch, was ich wirklich auch schön lesen konnte.
Steffi
00:27:00
Das habe ich nicht gelesen, da halte ich mich ganz raus.
Vera
00:27:04
Ich wusste vorhin schon, als du gerade sagtest, bei dem Sonnenkind, dass die so ein Selbstvertrauen haben sollen. Es wird schon gut sein, was ich mache und das in Bezug zu Büchern. Ich meine, Tamara und ich, wir sind ja viel im Self-Publishing unterwegs und wir kennen das ja auf Messen, dass da irgendwelche Menschen vor einem stehen mit dem selbst gemalten Cover und dem Buch, das auf ihrer Lebensgeschichte basiert und von dem sie so überzeugt sind. Da wäre ein bisschen Schattenkind vielleicht ganz gut gewesen. Ja, das stimmt, das stimmt.
Steffi
00:27:35
Ich weiß genau, was du meinst.
Vera
00:27:37
Ja, ja. aber jetzt hast du ja gesagt okay, du hast dann so aus der Weinlaune angefangen zu schreiben mit Co-Autorin und das Buch verkauft sich gut, es war noch kein Bestseller, es ist ja ein Longseller wie sehr, Hat das dann, ja, ich will es nicht so theatralisch sagen, dein Leben verändert, aber welchen Einfluss hat das dann auf deinen weiteren Werdegang genommen?
Steffi
00:28:02
Also das Buch hat sich gut verkauft. Das war auch sehr beliebt. Also ich habe, und das meine ich jetzt im weiten Freundes- und Bekanntenkreis, alle ihren Test gemacht. Das hat ja auch einen Persönlichkeitstest. Den findet ihr übrigens auch auf meiner Homepage. Den könnt ihr dort kostenlos machen.
Tamara
00:28:18
Kommt in die Shownotes.
Steffi
00:28:20
Genau, was für ein Persönlichkeitstyp ihr seid. Und wenn man dann sagt, das finde ich aber total spannend, dann kann man mal nachlesen in dem Buch, wie das so funktioniert. Und ich lege ja in all meinen Büchern von Anfang an, habe ich immer darauf Wert gelegt, unterhaltsam zu schreiben. Das war für mich immer so wichtig. Und dass das Buch einen guten Zug hat, dass man es gut lesen kann. Das ist, glaube ich, auch ein wesentlicher Grund, warum meine Bücher so erfolgreich sind, weil die alle gut lesbar sind und einen Unterhaltungswert haben auch. Und nicht nur so trockene Psychologie.
Vera
00:28:55
Das müssen die heute, das verlangen die Verlage ja auch, dass das so erzählende Sachbücher sind.
Tamara
00:29:00
Ja, das beste Buch nutzt ja nichts, wenn man sich durchquellen muss.
Vera
00:29:03
Genau, genau.
Steffi
00:29:05
Auf jeden Fall war das erfolgreich. Und dann hatte ich ja dann unterwegs festgestellt, dass das nicht die Introversion ist, die meine Beziehung so schwierig macht, sondern dass der Typ ausgesprochene Bindungsangst hat. Und so, daran ist die Beziehung dann ja auch gescheiter mit Pauken und Trompeten. Und dann bin ich eigentlich nur auf dieses Bindungsangstthema gekommen. Weil eine Freundin, die hatte ein ähnliches Problem mit ihrem Freund und die ist auf ein Buch gestoßen mit dem Titel Nah und doch so fern. Und da ging es um Bindungsangst. Das kam aus dem US-sprachigen Raum. Das habe ich dann gelesen und dachte, genau das ist es ja. Also sprich, das Thema Bindungsangst war 0,0 bekannt in Deutschland. Gar nicht. Und eigentlich auch nicht in den US, weil ich habe dann ja recherchiert, was gibt es denn an US-sprachiger Literatur. Und außer diesem einen Buch, das ich eben erwähnt habe, gab es gar nichts zu dem Thema. Es gab Millionen von Bindungstheorien fürs Kindesalter, aber fürs Erwachsenenalter gab es nichts. Und dann habe ich mein Buch geschrieben, Jein, Bindungstheorien. Angst erkennen und bewältigen. Jein, das war auch ein cooler Titel, weil genau dieses Jein ist der Modus von bindungsänglichen Menschen. Es ist weder ein Ja, noch ist es ein Jein. Es ist immer irgendwie dazwischen. Und da musste ich dann wirklich originär werden, weil es so wenig Literatur dazu gab, auch in der Fachliteratur. Und dann habe ich eben diese Bindungstheorien im Kindesalter mit sicherem und unsicherem Bindungsstil aufs Erwachsenenalter übertragen. Das ist heute völlig normal, aber ich war damals die Erste. Das ist heute Gang und Gebe. Aber ich war vor 20 Jahren die Erste und ich habe dann auch dieses ganze Phänomen beschrieben und erklärt, weil das Buch im Amerikanischen, das waren Journalisten, die haben nur deskriptiv, die haben beschrieben, diese Art von Beziehung. Sie haben weder eine Ursache erklärt, noch Auswege. Und ich habe das dann anders aufgezogen. Ich habe halt auch Ursachen und Auswege und so weiter. Das war auch richtig erfolgreich. Ich meine jetzt immer mit richtig erfolgreich im Rahmen, wie du erfolgreich bist, wenn du nicht mega erfolgreich bist. Richtig erfolgreich heißt ja, also ab 10.000 verkauften Büchern gilt es im Buchhandel ja schon als Bestseller.
Vera
00:31:30
Ja, definitiv.
Steffi
00:31:32
Genau, und die waren aber, so bin ich eben, und auch Jein waren so bei 50.000. Und das ist halt erfolgreich im Rahmen, in diesem Rahmen ist das halt erfolgreich so. Das heißt, das hat mir dann ja auch Mut gemacht.
Vera
00:31:46
Ja, klar.
Steffi
00:31:47
Und dann habe ich eben das dritte Buch geschrieben, weil ich immer gedacht habe, das Selbstwertgefühl ist ja eigentlich das Epizentrum der Psyche, von dem geht alles aus. Und dann habe ich geschrieben, so stärken Sie ja Selbstwertgefühl. Das war dann das dritte Buch. Zwischendurch sind dann schon große Verlage auf mich zugekommen. Und da habe ich aber immer so zum Teil aus Naivität, zum Teil aus alter Loyalität gesagt, nö, ihr wolltet mich ja damals auch nicht haben. Ich war ja damals bei Ellertenrichter, bei einem kleinen Verlag. Wir hatten das Manuskript auch zu großen Verlagen geschickt. Die haben das ja gar nicht erst gelesen. Es gab nur einen Verlag, der sehr schnell geantwortet hat. Das war Fischer, das war eine Frau Schwarz, das werde ich nie vergessen. Die schrieb, Ratgeber ist nicht mehr im Fischer-Programm. Wir haben uns von Ratgebern verabschiedet. Aber es ist ein ganz tolles Konzept. Ich wünsche Ihnen ganz viel Erfolg mit dem Buch. Die habe ich dann tatsächlich auch angerufen. Ich habe mein Herz genommen, habe gesagt, Frau Fischer, das war hier, Frau Schwarzer, das war hier so eine Standardabsage. Da sagt sie, ja, stimmt. Es war eine Standardabsage, weil das Buch ist wirklich toll. Und Fischer hat sich wirklich als Ratgeber. Und das war bei So bin ich eben. Und dann habe ich das geschrieben. Aber bei So bin ich eben auch. Ich hatte große Verlage angeschrieben. Eine Antwort kam drei Jahre später. Und da habe ich mir gegönnt zu sagen, entschuldigen Sie, das Buch ist bereits in der siebten Auflage. Es kam auch eine Absage von meinem eigenen Verlag, Random House, wo ich dann später gelandet bin. Und die Lektorin ist auch immer noch da. Und inzwischen hat Random House die ganzen Bücher von Ellert und Richter aufgekauft. Und da haben sie zu der Lektorin gesagt, aber mit dem Augenzwinkern, du bist schuld, dass wir jetzt da den halben Verlag aufkaufen müssen, hätte ich mal damals ja gesagt.
Vera
00:33:37
Ja, also mir wird gerade ein bisschen Angst und Bange. Na gut, dass du das Vorgespräch nicht gehört hast, weil ich habe meine Auflagenzahl genannt. Das sagen wir besser nicht. Und wir haben aber jetzt auch noch ein Buchtipp für euch. Ich weiß nicht, welche Auflage da geplant ist. Wir hoffen natürlich das Beste. Und durch unseren Buchtipp wird das bestimmt nach oben schießen. Ja, ihr Lieben, wir haben heute wieder ein Buch-Tipp für euch. Ihr wisst ja, dass wir gerne auch dein Buch bei uns vorstellen. Schick einfach eine E-Mail an alle-at-zweifondertalkstelle.de und wir schicken dir alle Infos. Ja, heute haben wir ein Buch. Das ist definitiv kein Sachbuch, soweit ich weiß. Ist es psychologisch? Wie ist es, Tamara?
Tamara
00:34:26
Du weißt ja, wir beginnen mit dem...
Vera
00:34:29
Kawa.
Tamara
00:34:30
Kawa. Und das ist auf jeden Fall sehr idyllisch. Ich sehe hier eine Blumenwiese mit wunderhübschen lila Blumen. Meine Blumenkenntnis reicht leider nicht dafür aus, dir zu sagen, was es ist. Aber die Wiese wird nach hinten raus ein bisschen unscharf. Das heißt, die Landschaft verliert sich in einem sehr idyllischen, lila-ins-blau-chargierenden Himmel. Und über diesem wunderschönen Landschaftsbild steht der Titel und der Roman heißt Weil wir Hand in Hand durchs Leben stolpern. Und der ist erschienen von der Autorin Michaela Kossmann und ist der erste Teil der Ein-Stückchen-Einklang-Reihe.
Vera
00:35:19
Ach, das klingt aber alles schon total herzerwärmend.
Tamara
00:35:22
Noch ein bisschen mehr, Idylle.
Vera
00:35:24
Ja.
Tamara
00:35:25
Genau. Und es geht idyllisch weiter mit dem glatten Text, der da lautet wie folgt. Heuwind im Haar und Flausen im Herzen. Pferdewirtin Rebecca hat den absoluten Traumberuf. Mit viel Herzblut und der Unterstützung ihrer besten Freunde führt sie in ländlicher Idylle das Vitalzentrum Einklang. Doch zwischen Reitstunden, Pferdetherapie, Waldbaden und Yogakursen ziehen dunkle Wolken auf. Ein Spitzenhöschen in der Jacketttasche ihres Mannes zieht Rebecca den Boden unter den Füßen weg. Er betrügt sie. Noch dazu rutscht das Einklang in finanzielle Schwierigkeiten und das durch ihr eigenes Verschulden. Ein attraktiver Pferdezüchter, eine urlaubende Finanzwirtin, ein überforderter Psychotherapeut und Rebeccas drei Kinder sorgen für zusätzlichen Trubel. Eins ist sicher. Nur wenn es gelingt, Liebe und Freundschaft zu stärken, kann das familiär-chaotische Einklangleben gerettet werden. Ein moderner Landroman, eine Liebesgeschichte und ein Pferdebuch für Erwachsene. Bist du bereit für Herz und Schmerz und Pferdeäpfel?
Vera
00:36:39
Ein überforderter Psychotherapeut, also wenn das mal nicht zum Thema passt.
Tamara
00:36:42
Ja, also wir sind aber sowas von Thema.
Vera
00:36:46
Und ich musste bei dem spitzen Hüßchen Jackett sagen, ja gut, es gibt doch noch die Variante, dass er das selbst trägt.
Tamara
00:36:53
Wir werden es erfahren in diesem Buch. Also das klingt auf jeden Fall nach einer sehr schönen Mischung aus Spannung, Herz, ein bisschen Humor, glaube ich auch und der bereits vielfach zitierten Idylle.
Vera
00:37:09
Ja, auf jeden Fall. Das klingt nach so einer richtig harmonischen und schönen Lesestunden, so abends im Sessel. Wir haben ja schon den meteorologischen Herbst. Vielleicht irgendwo, wenn die Blätter von den Bäumen wehen, dann sitzt man bei einem warmen Tee oder auch einem anders wärmenden Getränk und liest dieses schöne Buch.
Tamara
00:37:31
Genau, und holt sich nochmal den Sommer auf dem Land ins Haus.
Vera
00:37:35
So ist es. Ich sage nochmal Titel und wo man gucken muss.
Tamara
00:37:39
Weil wir Hand in Hand durchs Leben stolpern. Erster Teil der Ein-Stückchen-Einklang-Reihe von Michaela Kossmann.
Vera
00:37:51
So, da sind wir wieder. Du hast ja, wir haben ja schon bei der Vorstellung gesagt, das hast du ja, Verkaufszahlen, die sind ja in Größenordnungen. Ich glaube, da hatten wir wirklich noch niemanden hier zu Gast, der diese Größenordnungen hatte. Und wenn man jetzt so erfolgreich ist wie du, dann gibt es ja auch immer irgendwelche Anfeindungen.
Steffi
00:38:13
Stimmt.
Vera
00:38:16
Das ist so ein bisschen, ich möchte zwar auch gerne reich und berühmt werden, aber ich habe vor dem Moment Angst, wo ich meinen Kopf so sehr aus der Wasser rausstecke, dass die Leute meinen, sie müssen draufdrehen. Wie ist es dir da allgegangen?
Steffi
00:38:28
Eigentlich harmlos. Also ich habe so eine kleine Clique von Hatern. Wir sind ja hier wirklich im kleinen Literatur-Podcast. Da kann ich ja ruhig mal ein bisschen plaudern. Also Klein und Literatur, weil das ist jetzt nicht, es sind jetzt nicht die Leute, die euren Podcast hören. Also wir sind sozusagen ein bisschen unter uns.
Vera
00:38:48
Ach ja, so ein kleiner Shitstorm würde uns rein marketingtechnisch auch mal gut tun.
Steffi
00:38:54
Ähm, Und die kommen natürlich vor allen Dingen aus der psychoanalytischen Ecke, weil die Psychoanalytiker, das ist ja bekannt, die behandeln ihre Patienten jahrelang und mit. Ja es gibt schon auch erfolgreiche Analytiker, aber es ist manchmal auch so, dass die Leute, es gibt auch gute Analytiker, es gibt aus jeder Therapie Richtung gute Leute, aber es ist eben zum Teil auch so, dass sie sehr lange Therapiezeiten haben, und keine so großen Fortschritte. Und die werfen mir immer vor, dass ich Komplexität total vereinfachen würde. Aber das ist ja erstmal nur eine Behauptung, das ist ja keine fachliche Kritik. Also so richtig konkretisiert wurde diese Kritik noch nie, weil ich mache ja Modelle, das Kind in dir mit dem Sonnen und Schatten käme, mit den Schutzstrategien, mit den Glaubenssätzen, das ist ein psychologisches Modell. Und jedes Modell vereinfacht, sonst wäre es einfach untauglich. Modelle müssen ja vereinfachen und ein Modell ist dann erst untauglich, wenn es die Wirklichkeit verzerrt. Das tut mein Modell aber nicht, es verzerrt die Wirklichkeit nicht, sondern es bildet die wesentlichen psychologischen Strukturen ab. Deswegen ist diese Kritik über diesen Vorwurf, ich würde Komplexität vereinfachen, irgendwie auch noch nie konkret hinausgegangen. Aber die gibt es natürlich auch, weil ja einfach auch dieses Phänomen besteht, dass die Klienten, die meine Bücher lesen, meine Podcasts hören. Ich habe ja auch zum Beispiel einen Psychotherapie-Podcast, da mache ich psychotherapeutische Gespräche mit den Leuten. Und ich komme halt echt schnell auf den Punkt, weil ich immer in psychologischen Grundstrukturen denke und das ja irgendwie auch mein Lebenswerk in Anführungsstrichen ist, diese Strukturen aufzufinden und zu beschreiben. Mein Leben lang habe ich schon als Jugendlicher darüber nachgedacht, so komplex kann die Psyche nicht sein. schon bevor ich Psychologie studiert habe, es muss gewisse gemeinsame Wirkmechanismen geben. Und ich habe sie inzwischen gefunden und aufgezeigt, natürlich auch... In Verbindung mit Fachliteratur. Also ich, Stephanie Stahl, bin jetzt nicht die alleinige Auffinderin der psychologischen Grundstruktur, aber ich habe da in Verbindung mit Fach die wesentlichen Prinzipien verstanden und deswegen komme ich ganz schnell auf den Punkt. So, und jetzt kommen die Leute zu denen in die Praxis und sagen, hier, das Buch, das Kind, ihr muss Heimat finden, behandeln sie auch so und, die Podcast, da kotzen die schon am Strahl.
Tamara
00:41:21
Verständlich.
Steffi
00:41:22
Da kotzen die schon am Strahl. Wir haben viele andere Kollegen, die zum Beispiel aus der verhaltenstherapeutischen Ecke kommen oder die aus der Schematherapie kommen oder aus der Familientherapie kommen, die feiern das Buch. Also das Buch ist auch unter Kollegen beliebt, die empfehlen das auch oft. Aber es gibt natürlich so eine kleine Clique von Hatern und die kommen vor allen Dingen aus der psychoanalytischen Ecke, aber die haben im Grunde auch keine Reichweite. Ich kriege das immer mal so mit. Und dann auch schwierig ist immer... Das darf ich jetzt hier auch mal plaudern, wir sind unter uns, schwierig sind die Leitmedien. Die müssen ja immer ganz kritisch sein.
Vera
00:42:02
Naja, klar.
Steffi
00:42:04
Und die sind manchmal kritisch um der Kritik willen und meine Erfahrung ist auch, dass die sich am meisten gönnen. Die gönnen sich am meisten an, nicht wirklich tatsächlich recherchieren, einfach mal aus dem Bauchgefühl was schreiben, weil wenn du im Feuilleton bist, dann kannst du dir alles erlauben. Ein Feuilleton ist, du darfst deine eigenen Eindrücke hinschreiben, dein Bauchgefühl hinschreiben, du darfst dir im Feuilleton ganz viel gönnen. Und wenn du Pech hast, und das ist mir auch schon passiert, und die Leute dich nicht mögen, weil sie zum Beispiel, das ist mir auch mehr als einmal passiert, eigene psychologische Bücher mit äußerst mäßigem Erfolg publiziert haben. Und dann über mich schreiben und dann kann er auch schon mal so ein Hinrichtungsporträt bei rauskommen, habe ich auch schon erlebt also richtig fies, richtig unsachlich, richtig sogar mit Zitaten vollkommen mir im Mund verdreht, nicht autorisieren lassen die Zitate, was gar nicht geht, also richtig, richtig gemein, das ist mir auch schon passiert da muss man dann nach Luft schnappen das ist peinlich, weil du denkst, das lesen jetzt viele und die glauben das alle, was da steht das ist sehr, sehr unangenehm Das ist richtig unangenehm. Aber es ist jetzt auch schon lange nicht mehr vorgekommen. Neu war der Spiegel da für ein Interview. Das fand ich auch krass, weil ich war acht Jahre bei denen auf Platz 1 der Jahresbestsellerliste. Meinst du, die hätten es einmal für nötig befunden, irgendwas mit mir zu machen? Jetzt kommen sie mal rum, weil ich in Trier eine Kneipe eröffne. Heute ist das Opening. Heute ist meine Heimat, so heißt das ja, das ehemalige Mephisto in Trier. Heute ist das mitgeladenen Gästen-Opening, war letzten Samstag. Sondern heute öffnen wir für alle die Türen. Und das fanden die total spannend. Und da hatte ich mich auch gut vorbereitet. Ich dachte, die werden mich bestimmt grillen. War aber von vornherein klar, es wird ein autorisiertes Interview und kein Porträt sein. Porträt hätte ich auch nein gesagt. Mit Porträt habe ich so schlechte Erfahrungen gemacht. Hätte ich gesagt, mache ich nicht. Ein autorisiertes Interview, hast ja noch gewisse Kontrolle. Ich habe mich trotzdem gut vorbereitet. Und dann waren die so nett. Teil nette Fragen. Und da habe ich danach gesagt, Also, was war das denn?
Tamara
00:44:22
Damit war nicht zu rechnen.
Steffi
00:44:23
Ich dachte, ihr würdet jetzt mega kritische Fragen stellen und so. Ich bin ja total positiv überrascht. Sind mit zwei Leuten auch gekommen und sagten die, ja, der Wind beim Spiegel hätte sich jetzt auch geändert. Sie machen nicht mehr diese Hinrichtungsporträts und nicht mehr dieses Ober-Ober-Nur-Kritische auseinanderfetzen, weil die jungen Leute, die würden das total peinlich und unmöglich finden, wenn man so schreibt. Und da hätte sich jetzt in der Chefredaktion auch der Wind gedreht und das war wirklich ein nettes Interview, auch ein lustiges Interview, also schon, die haben mir schon ein paar Fragen gestellt, das war jetzt nicht nur weichgespült, ja, aber die hätten mir ganz anders kommen können.
Tamara
00:44:59
Ja, also ja, spannende Einblicke.
Vera
00:45:03
Genau, du hast ja bestimmt schon sehr viel Erfahrung jetzt so mit den Medien und so gemacht und du wirkst auf mich jetzt ja sehr, sehr selbstbewusst und, wenn ich das so sagen darf, auch sehr von dir selbst überzeugt. Greift dich das sowas gar nicht an? Kannst du das wirklich so alles wegtun?
Steffi
00:45:21
Nö, das greift mich total an.
Vera
00:45:24
Oder bist du jetzt auch in dem, wo du ja so erfolgreich bist?
Steffi
00:45:28
So Porträts, und wenn sie dann so ultraunfair sind, greift mich total an. Ich empfinde es auch als ein ganz großes Beschämungserlebnis, weil ja viele das dann lesen. Und die glauben dann ja auch alles, was da steht. Mir wurden ja auch schon mal Plagiate nachgesagt, dass wir auch totaler Schwachsinn. Habe ich nicht gemacht. Kam auch aus der psychoanalytischen Ecke. Ein bezahltes Gutachten wurde in Auftrag gegeben. Das war dieser Stefan Weber, dieser Plagiatsgutachter. Der hat da allen möglichen Müll reingeschrieben, der überhaupt nicht stimmte. Hat die Süddeutsche aber einen Scheißdreck interessiert. Die wollten einfach nur belasten und geifern. So, da schämst du dich zu Tode und kannst dich nicht wehren. Weil in dem Moment, wenn du anfängst zu wehren, dann wird die Welle noch größer. Also musst du irgendwie Augen zu und durch. Und es war alles, da stimmte alles nicht. Das Buch ist ja auch nie vom Markt gekommen. Es ist ja alles Blödsinn, aber das sind furchtbare Sachen. Das geht mir nicht am Arsch vorbei, um Gottes Willen.
Tamara
00:46:24
Ja, und es ist einmal in der Welt. Es ist, glaube ich, ganz schwer, so etwas aus Wikipedia rauszukriegen.
Steffi
00:46:29
Du kannst bis heute googeln, steht immer noch im Internet. Stimmt so nicht, aber krieg mal etwas aus dem Internet raus. Du kannst dich nicht wehren. Gott sei Dank hat der Hauptteil der Presse es gar nicht weiter aufgegriffen, weil die haben es ein bisschen besser recherchiert. Und deswegen hat das überhaupt keine Welle geschlagen. Es ist nicht weit, es ist im Grunde nicht über die Süddeutsche hinausgegangen. Der Stern hat noch was geschrieben, aber die haben wesentlich differenzierter geschrieben. Die haben dann auch geschrieben, da war wohl eine Kollegin Neidisch und so weiter. Also die haben es dann differenziert gemacht und damit war das Ding auch schon wieder gestorben. Aber trotzdem, es ist erstmal da, es ist erstmal im Raum. Du wirst dann immer wieder von Journalisten darauf angesprochen. Dadurch wird es immer wieder, du kommst nach vorne, es wird wieder ins Gedächtnis geholt. Und...
Tamara
00:47:14
Also, aber spannend finde ich ja in dem Moment, also was Vera auch vorhin gesagt hat, ich möchte reich und berühmt werden, aber ich will ja keinen Shitstorm haben und, dich hat das ja offensichtlich nicht abgehalten, immer weiter zu gehen und ich glaube, es gibt so, also wir hatten schon öfter mal.
Steffi
00:47:31
Das Positive weit zu überwiegend. Also wenn du, ich sag mal, 90% positiv hast und 10% so warst, dann geht es ja noch. Bei 50-50 weiß ich schon nicht.
Tamara
00:47:42
Aber das weiß er im Vorfeld ja nicht. Und ich glaube, es gibt ja viele, die, Wahrscheinlich eher unbewusst, so ein bisschen zögern zu veröffentlichen, die, ich weiß jetzt nicht von wem ich spreche, aber sehr lange überarbeiten, bevor sie denken, ihr Manuskript wäre perfekt genug oder sonst irgendwelche Gründe haben. Wir hatten schon öfter mal immer Gästinnen, die auch so mit Glaubenssätzen gearbeitet haben, was so Autorinnenerfolg angeht. Und da kam auch oft so die Frage, wovor hast du Angst? Kannst du mal so aus wirklich fachlicher Sicht eine Einschätzung geben, was so die typischen Ängste sind von Menschen, die sich selbst wo begrenzen, wenn es um Erfolg geht?
Steffi
00:48:25
Es gibt eigentlich nur zwei große Ängste. Das ist die Versagensangst und die Ablehnungsangst. Und die hängen natürlich ganz eng miteinander zusammen. Also dann gibt es natürlich noch die Angst vom Tod, aber um die geht es jetzt gerade nicht. Obwohl, ehrlich gesagt, nach ganz hinten raus, jetzt ganz mal tiefenpsychologisch gesehen, ist das ja wie Sterben, in Anführungsstrichen, so ein tiefes Beschämungserlebnis. Und es geht immer um die Angst vor Ablehnung, um die Angst zu versagen und damit evolutionär gesprochen, den Anschluss an die Gemeinschaft zu verlieren. Es geht im Grunde genommen um Beschämung und wir tun ja unglaublich viel im Leben unbewusst dafür, damit wir gewisse Gefühle nicht fühlen müssen. Und wenn ich jetzt ein Manuskript nicht abgebe dann tue ich das weil ich nicht fühlen will, dass im Falle der Ablehnung ich mich schäme oder dass ich innerlich in dem bestätigt werde, was ich sowieso über mich denke, dass ich nicht gut genug bin ich will diesen Gefühlen aus dem Weg gehen und, Da sprechen wir in der Psychologie von Vermeidungsmotiven. Also es gibt viele Menschen, die leben unbewusst im Vermeidungsmotiv. Das heißt, unbewusst und nicht nur bei Manuskripten, sondern überhaupt im Leben, tun sie ganz viel dafür, um nicht abgelehnt zu werden. Um nicht kritisiert zu werden. Um nicht in irgendeiner Form zu versagen. Das Problem bei Vermeidungsmotiven ist, du kommst nie zum Ziel. Dann hast du eine potenzielle Ablehnung vermieden, lauert schon die nächste Gefahr. Bei Anhäherungszielen hingegen, ich bin eher so jemand, der mit Anhäherungszielen unterwegs ist, dann weißt du, wann du dein Ziel erreicht hast. Das Manuskript wurde angenommen, das Buch ist fertig geschrieben. Du hast die Traumfrau oder den Traummann in einer festen Beziehung oder von Altar gekriegt. Bei Annäherungszielen ist klar, wann du dein Ziel erreicht hast. Vermeidungsziele kannst du nicht erreichen, weil sie permanent da sind. Von morgens bis abends, unter sieben Tage die Woche, gibt es überall potenzielle Gefahren, auf Ablehnung und Kritik zu stoßen.
Tamara
00:50:40
Aber wie finde ich denn für mich selbst raus, ob ich jetzt aufgrund eines berechtigten Qualitätsanspruchs überarbeite und überarbeite oder ob ich eigentlich vermeide und mir das nicht bewusst bin?
Steffi
00:50:55
Das finde ich jetzt schwierig zu sagen. Also ich finde ja, und deswegen, Vera, du hast eben gesagt, ich wäre so selbstbewusst und das stimmt auch. Erstmal habe ich das Glück gehabt, dass meine Eltern mir ein gutes Selbstwertgefühl mitgegeben haben. Und ich bin es vor allen Dingen in meinem Bereich. Also es gibt Millionen Bereiche, da sage ich schon, wenn wir darüber gehen, könntest du einen Roman schreiben. Nein, der wäre total hölzern und bescheuert. Also Millionen Themen, wo ich sofort sagen würde, kann ich nicht, kann ich nicht, kann ich nicht, kann ich nicht, total unbegabt, kann ich nicht. Ich rede jetzt ja nur von meinem Bereich hier. Und da, um deine Frage zu beantworten, ich finde, da gibt es ja Argumente und Kriterien. Und das gibt es eigentlich auch bei Romanen. Also ich würde eigentlich sagen, geh mal weg vom Bauchgefühl und geh mal auf die argumentative Ebene. Wie gut ist das Deutsch? Wie gut ist er geschrieben? Für mich ist immer auch ein Anspruch an Romanen, aber da kann man auch anderer Meinung sein, das bin jetzt wirklich ich, wenn er in einen Sog reinzieht, dass man weiterlesen will.
Vera
00:51:56
Absolut, ja.
Steffi
00:51:57
Also ich bin jetzt auch keine Freundin der russischen Literatur. Die ist mir oft zu langatmig. Der Einzige, wo ich auch so im Sog gekommen bin, ist Dostoyevsky, der Spieler. Aber vieles ist mir zu langatmig bei den Russen. Aber die Russen sind Weltliteratur, deswegen ist nur meine Meinung. Ich werde gerne so ein bisschen auch in Bann reingezogen. Wie ist die Geschichte, die ich erzähle? Ist die gut aufgebaut vom Plot oder ist es stellenweise zu konstruieren? Ja, ist es auch ein bisschen was anderes? Na gut, es gibt nur so und so viele Plots überhaupt, habe ich mal gehört.
Tamara
00:52:32
Auch bei Filmen.
Steffi
00:52:33
Aber es gibt auch sowas wie Argumente.
Vera
00:52:37
Naja, wobei diese Bewertungen, das ist halt das Problem beim Schreiben, die sind letztlich, subjektiv.
Steffi
00:52:45
Nein, also es gibt schon auch.
Vera
00:52:47
Also Ja, es gibt ein paar, die man wirklich.
Steffi
00:52:51
Also man kann schon Schund von guter Literatur normalerweise unterscheiden.
Vera
00:52:55
Wobei Schund ja durchaus nicht unerfolgreich ist.
Steffi
00:52:58
Ja genau, da muss man auch wissen, was man will.
Vera
00:53:01
Ja genau. Und das hängt schon viel, mit dem eigenen Selbstwertgefühl oder auch mit so Charakterzügen. Ich bin ja eher jemand, die sagt, hineinschmeißen und ich gucke, was kommt, dann werde ich dann schon mit fertig. Manchmal kriege ich eine blutige Nase, weil es halt falsch war. Aber meistens funktioniert es.
Steffi
00:53:23
Du bist eher wie ich der Annäherungstyp.
Vera
00:53:25
Ja, wahrscheinlich. Und es gibt andere, die überlegen drei Jahre und machen dann irgendwas und das ist dann falsch. Ich habe da eine Freundin, ich hoffe, die hört nie meinen Podcast, die hat, das war immer mein Beißbein, die hat ein halbes Jahr gebraucht, um zu entscheiden, welches Auto sie kaufen will. Sie hat Excel-Diagramme gemacht und Faktoren entschieden, ist diversen Autohintern gegangen und hat dann letztlich ein Auto gekauft. Ich sage nicht die Marke, aber es war ein sehr langweiliges Auto und dann auch noch in Beech. Und dann stand sie mit ihrem neuen Auto bei mir vor der Tür. Ich sage, oh Mensch, herzlichen Glückwunsch zum neuen Auto. Dann guckt die ganz traurig. Ich sage, ja, aber der gefällt mir gar nicht. Ich kaufe ein Auto in einer halben Stunde.
Tamara
00:54:15
Ich auch. Genau so.
Steffi
00:54:19
Ich habe noch nie lange nachgedacht. Ich gehe da rein. Das letzte Auto habe ich gekauft. Ich brauche ein Auto, wo der Hund reingeht. Haben sie was da? Ja, der da. So, jo. So. Ich hatte auch gar keine Fragen, weil ich keine Ahnung vom Auto sei, weil ich gar nicht was fragen soll. Und dann habe ich meinen Mann angerufen und ich sage, Schatz, ich glaube, wir haben ein neues Auto, willst du mal kurz vorbeikommen? Kann man kurz vorbei, hat er auch nicht viel Fragen, weil er sich auch nicht für Autos interessiert und damit haben wir das Outfit gekauft. Und sind super zufrieden damit.
Tamara
00:54:49
Fährt? Ja, okay. Aber um nochmal zu diesem Thema Sachbuch-Beletristik zu kommen, ich finde, da gibt es ja ganz spannende Überschneidungen. Also ich glaube zum einen, das hast du dir eben selbst schon gesagt, dadurch, dass du diese ganzen psychologischen Themen und Modelle so zugänglich machst, ist es natürlich auch für so viele Leute spannend.
Steffi
00:55:09
Nicht nur zugänglich mache, sie auch entwickele. Und ich glaube, das ist das Entscheidende, dass es originär ist.
Tamara
00:55:16
Ja, und ich muss gestehen, das Prinzip mit dem inneren Kind ist mir zuerst in der Belletristik begegnet. Und der Titel des Buches ist ja sicher auch geläufig. Das Kind in mir will achtsam morden. Das heißt, da ist das wirklich dann auch in die Belletristik rübergeschwappt. Und so der zweite Punkt, du hattest eben von den 16 Persönlichkeiten gesprochen, die habe ich auch so vor 15 Jahren oder so für mich entdeckt und war auch super begeistert davon und habe die dann bei der Figurenentwicklung auch angewandt.
Steffi
00:55:44
Ja, das ist gut.
Tamara
00:55:45
Und da wollte ich jetzt so ein bisschen drauf hinaus. Diese Geschichte mit dem Schattenkind und dem Sonnenkind, ich glaube, das ist ja auch ein sehr spannendes Konzept, eben um Figuren mehrdimensionaler zu machen, um eben Antagonisten nicht nur Böse des Böse sein Willens zu gestalten, um Protagonisten auch nicht nur perfekt und positiv zu machen.
Steffi
00:56:07
Ja, der Punkt ist ja der, Alle großen, und ich meine jetzt wirklich großen Schriftsteller und Schriftstellerinnen sind gute Psychologen. Ich sage mal, leider gilt der Umkehrschluss nicht. Für mich ist ja immer Roman die Königsklasse. Also ich finde, Sachbuch ist für mich immer so zweite Reihe. Also für mich ist Roman die absolute Königsklasse. Und wenn ich mir was aussuchen dürfte, dann hätte ich das Talent zu ganz großen Romanen. Das fände ich viel, viel toller. Und ich frage mich tatsächlich immer, Mensch Steffi, mit diesen ganzen Beziehungsthemen und so, du bist doch so gut psychologisch aufgestellt, könntest du nicht vielleicht doch mal dich an einem Roman versuchen? Das fände ich irgendwie so geil. Aber du hast recht, um deine Frage zu beantworten. Und natürlich, wenn man sich mit Psychologie beschäftigt, weil es geht ja letztlich um Psychologie und was viele große, auch vergangene, also die jetzt schon heute gar nicht mehr leben, gemacht haben, die hatten diese hohe Intuition, diese psychologisch hohe Intuition, diese wahnsinnig gute Beobachtungsgabe. Aber natürlich kannst du das befördern, indem du dich mit diesen Themen auseinandersetzt, indem du dich wirklich mit Psychologie auseinandersetzt und dann hast du natürlich einen, besseren Hintergrund, um Figuren zu entwickeln.
Tamara
00:57:32
Wenn ich mich jetzt speziell mit diesem Thema für meine Figur beschäftigen möchte, was würdest du mir empfehlen, wie gehe ich daran, außer natürlich erstmal dein Buch zu lesen oder ergänzend dazu, besser gesagt?
Steffi
00:57:45
Finde ich jetzt schwierig, weil ich ja überhaupt keine Roman-Schriftstellerin bin und deswegen auch keine Ahnung von Figurenentwicklung habe. Aber ich denke, Figuren sind ja immer dann interessant, wenn sie eben nicht so ganz eindeutig sind. Und gerade Menschen, die sich schwierig verhalten, haben ja eine Geschichte und es gibt ja einen Grund, warum sie so geworden sind. Also wenn man da diese Tiefe auch so ein bisschen zum Teil mit aufzeigen kann, je nachdem, wie der Roman angelegt ist oder das mit so im Kopf hat, warum jemand vielleicht gewisse Zwänge hat oder warum jemand immer so aggressiv sein muss und so weiter und so fort, dann finde ich, gibt das schon der Figur einfach einen anderen Tiefgang.
Vera
00:58:33
Also ich finde es auf jeden Fall überlegenswert. Ich habe ja immer so ein Anfangsformular, wo ich so Ideen und Figuren so am Anfang skizziere, da durchaus auch mal so Dinge abzufragen, so wie würde ich den jetzt psychologisch einstufen in Richtung inneres Kind oder auch in Richtung dieser Persönlichkeitstypen.
Steffi
00:58:55
Du kannst dich natürlich sehr stringent entwickeln. Also ich kann da jetzt ein bisschen mitreden, weil mein Buch wird ja verfilmt, das Kind in dir. Aber nicht als Sachbuch, sondern als Drama-Comedy. Das heißt, was ich da schreibe, wurde in eine Spielfilmhandlung übersetzt. Da haben wir ja Figuren entwickelt. Da haben wir genau dieses Thema. Und da habe ich da auch mal so eine erste Skizze gemacht für die Drehbuchautoren. Und da hatte ich es zum Beispiel im Kopf, dass die eine Protagonistin so eine Perfektionistin ist, ja, die im Grunde aus diesem Glaubenssatz, ich genüge, nicht angetrieben wird, perfekt zu sein und dann eben auch gewisse, in der Perfektion gewisse Zwanghaftigkeiten hat, so. Und da ich diese Psychologie einfach total im Kopf habe, ist mir auch ganz schnell klar, wie die sich benimmt oder was dabei so rauskommt.
Vera
00:59:48
Ja, na genau. Dann hast du ja schon so ein Gefühl dafür, wie das funktionieren kann. Finde ich total spannend. Muss ich mich mal echt mal mit beschäftigen. Jetzt, ja, jetzt, dass du mega erfolgreich bist, haben wir jetzt auch schon mehrfach gesagt. Jetzt wird es sogar verfilmt. Und so, wenn ich das richtig gelesen habe, kommt im September dein neues Buch aus mit den Grundsätzen geht es darum.
Steffi
01:00:12
Grundsätzen?
Vera
01:00:13
Ist das nicht Glaubenssätzen, nicht Grundsätzen?
Steffi
01:00:15
Nein, das Neubuch ist was ganz Neues. Glaubenssätze haben wir ja nun. Ich schreibe ja nichts doppelt. Ich bin auch keine Freundin von Spin-Offs. Man hätte jetzt das Kind in dir, war ja so ein mega Erfolg. Das Kind in dir muss Arbeit finden, das Kind in dir muss Liebe finden, bla bla bla.
Tamara
01:00:31
Das Kind in meinem Partner.
Vera
01:00:32
Ja, genau.
Steffi
01:00:33
Da halte ich gar nichts von. Also einer meiner ganz großen Grundsätze ist, wenn du nichts Neues zu sagen hast, dann lass es bleiben. Ich schreibe ja auch gar nicht so gerne, weil ich finde Bücher schreiben wahnsinnig anstrengend.
Vera
01:00:45
Bin ich auch bei dir.
Steffi
01:00:47
Diese ganzen monothematischen Bücher, die ich geschrieben habe, das war so, so, so anstrengend. Ich meine, am Ende lesen sie sich gut, aber das Kind in dir war so eine schwere Geburt. Das war so anstrengend, dieses Buch zu schreiben. Wie oft habe ich schon gedacht, was könntest du für ein schönes Leben haben, wenn du dieses scheiß Buch jetzt nicht schreiben willst? Und das neue Buch, das ist jetzt mal anders und das hat mir deswegen auch ausnahmsweise mal Spaß gemacht. Das ist nämlich ein Essay-Band. Und das hat den Titel, ich erkläre das jetzt mal psychologisch. Und da habe ich 45 Essays geschrieben, einmal zu so alltagspsychologischen Themen, die uns alle beschäftigen, also wo jeder sich so drin wiedererkennt. Aber auch ein Drittel der Essays geht um gesellschaftspolitische Themen. Also da ist zum Beispiel die Psychologie von Verschwörungserzählern, also was da so Hintergründe sind, über die Diskussionskultur in Deutschland, wie es zu diesen Spaltungen kommen kann, über Body Positivity, über, Sorry ist nur meine Meinung, warum dieser Satz total daneben ist. Und solche Sachen habe ich dann auch mal ein paar eingepflegt. Und das hat mir wirklich Spaß gebracht, einfach weil es Kurztexte waren und ich nicht diesen riesen monothematischen Strukturbogen aufspannen musste, die mich so wahnsinnig anstrengen.
Vera
01:02:07
Ja, genau, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Und das beantwortet ja fast schon die Frage, die ich falsch eingeleitet habe, wenn ich mich fragen wollte, wenn man so erfolgreich ist. Und dann wird doch der Druck bei jedem Projekt immer höher, oder?
Steffi
01:02:20
Nee, gar nicht, habe ich überhaupt nicht.
Vera
01:02:23
Bist du in dem Maß, du bist jetzt völlig egal, was du machst?
Steffi
01:02:26
Nee, nie. Ich habe auch nie Druck verspürt. Ich habe immer das aufgeschrieben, von dem ich überzeugt war, dass es gesagt werden muss. Also wenn man es mal ganz nüchtern ausdrückt, habe ich ja eigentlich immer nur meine Arbeit gemacht. Und habe gar nicht auf den Erfolg geschielt. Ich hätte nie gedacht, dass überhaupt mal eins meiner Bücher auf einer Bestsellerliste lang ist. Also jetzt das Kind in die hatte ich auch nicht mitgerechnet. Und das hat sich ja ganz von alleine ganz langsam da hochgearbeitet. Heute ist es viel leichter, weil heute kriege ich eben die riesen mediale Aufmerksamkeit. Also theoretisch könnte ich heute ein schlechtes Buch auf den Markt schmeißen, und hätte erstmal gute Verkaufszahlen. Würde ich niemals machen.
Vera
01:03:09
Ich kenne erfolgreiche Autoren, die das so machen.
Steffi
01:03:13
Ich würde es nicht machen, niemals. Aber theoretisch wäre es so, weil jetzt habe ich mir diese mediale Aufmerksamkeit erarbeitet, über die ich mich aber mit fünf Büchern herangeschrieben habe. Das Kind in die Jahr dann so richtig den Durchbruch gemacht. Aber hatte am Anfang gar keine Presse. Die Presse ist viel später gekommen. Die Presse ist erst gekommen, nachdem das Buch so erfolgreich war und sich die Presse gefragt hat, wer ist denn das da? Wer hat denn dieses Buch da geschrieben, was alle lesen? Aber ich hatte nie Druck. Ich habe immer das gemacht, was ich für richtig hielt. Und deswegen fühle ich eigentlich gar keinen Druck.
Vera
01:03:47
Aber wie ist das denn jetzt, wenn du jetzt ein Buch machst, wie jetzt das neue, was da kommt, mit den Essays? So, das kommt jetzt nicht in die Bestsellerliste. Bist du dann enttäuscht?
Steffi
01:03:56
Ist jetzt erstmal unwahrscheinlich, weil es sehr viel ideale Aufmerksamkeit bekommt. Die Frage ist, in meinem Fall ist in meinem Fall nicht kommt es in die Bestsellerliste, weil ich da zu viel Presse habe. Wie gesagt, das Buch könnte auch schlecht sein. Das würde erstmal irgendwo auf Platz 3 einsteigen oder so. Wäre einfach so. Die Frage ist, wie lange hält es sich? Weil Presse ist am Anfang und wenn das Buch dann nicht gut ist, dann trägt es sich nicht.
Tamara
01:04:25
So wandeln sich die Fragen, Vera.
Steffi
01:04:27
Aber es trägt sich dann einfach nicht. Also ein Buch muss sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda tragen.
Vera
01:04:34
Ja, das stimmt.
Steffi
01:04:35
Und dann ist es natürlich so, dass alle Bücher irgendwann mal, auch das Kind in dir ist jetzt nicht mehr so weit oben in der, es ist noch auf der Bestsellerliste, aber es ist immer so bei Platz sechs oder mal so auf jeden Fall oder mal jetzt acht oder so. Also irgendwann ist es vorbei, auch das beste Buch der tollsten Buch waren. Irgendwann ist eine Sättigung am Magen und dann strudelt jedes Buch ab.
Vera
01:05:00
Das ist klar. Ja, Mensch, das ist eine sehr spannende Perspektive, die wir so, glaube ich, noch nie hatten. Und ich muss dann nochmal überlegen, mit dem Reich und Berühmtwerden, wie ich das anstelle. Aber ein bisschen Druck haben wir jetzt für dich, weil jetzt gibt es noch die total kritischen Buch-Bubble-Fragen von Tamara.
Tamara
01:05:20
Jawohl. Ich könnte natürlich noch tausend andere Fragen stellen, aber ich beschränke mich jetzt auf diese drei. Und das Erste ist, welches Buch hat dich als Leserin zuletzt im positivsten Sinne überrascht?
Steffi
01:05:31
Also pass auf, mich überraschen keine Bücher im positiven Sinne, weil ich gucke ja vorher, was ich lesen will und ich bin im besten Fall enttäuscht. So, also wenn, bin ich enttäuscht weil wenn ich ein Buch anfange habe ich ja erstmal eine positive Erwartungshaltung so richtig, anlesen weil ich lese ja aus Vergnügen und nicht weil ich es muss aber das allergeilste Buch, was ich im Moment höre, ich liebe es ja einfach auch Hörbücher zu hören, ist Shantaram von Gregory David Roberts das ist 2001 schon geschrieben worden aber ich bin spät drauf gekommen, ich höre es auf der englischen Fassung das ist so so genial eingesprochen, weil es spielt in großen Strecken, auch in Bombay, es spielt in Indien. Da imitiert der Sprecher so genial dieses indische Englisch.
Tamara
01:06:18
Also es ist wunderbar.
Steffi
01:06:19
Eines der geilsten Romane, die ich je gehört beziehungsweise gelesen habe und, der einzige Roman, wo ich aufgehört habe und direkt wieder von vorne angefangen habe.
Tamara
01:06:29
Wow. Und was war es, was dich so gecatcht hat?
Steffi
01:06:32
Das ist eine Lebensgeschichte, natürlich auch romanhaft verdichtet. Ja. Von einem Typen, das ist auch ein krasser Typ, wenn ihr den mal googelt, wie der aussieht, der ist aus dem australischen Gefängnis geflohen, ist dann in Bombay gelandet, in den Bombay der 80er Jahre. Und das ist ein Roman, der einen so in den Sog zieht, also auch von der Atmosphäre. Ich liebe Romane, die so einen gewissen Vibe, so eine gewisse Lebensatmosphäre. Aber dieses Bombay der 80er, wie sie sich da treffen und diese Gestalten. Er geht dann auch zur indischen Mafia. Es sind aber wahnsinnige Gestalten in diesem Roman. Es ist auch immer wieder so philosophisch. Dieser Typ ist hoch reflektiert. Das ist kein Arschloch, das ist kein Verbrecher. In dem Sinne natürlich ist er ein Verbrecher. Aber es zieht einen in den Sog. Das ist so eine wahnsinnige, temporeiche Geschichte. da auch mit so einer atmosphärischen Dichte und auch einfach einer intellektuellen Schärfe. Mega.
Vera
01:07:36
Ist übrigens als Serie bei Apple TV Plus verfilmt worden. Habe ich verschlungen. Du hast es verschlungen. Ja.
Steffi
01:07:45
Und ich komme in Apple TV nicht rein. Immer das Abo funktioniert. Ich will das abonnieren, weil ich das unbedingt auch als Serie bingen will, aber ich komme da einfach nicht rein. Obwohl es heißt, die Serie würde die Atmosphäre vom Roman nicht so gut einfangen.
Vera
01:07:57
Das sagen die ja meistens. Ich habe jetzt ja nur die Serie gesehen, das Buch kannte ich nicht. Ich fand sie toll. Und Apple TV Plus lohnt sich ja schon wegen Ted Lasso. Also Ted Lasso muss man gesehen haben.
Steffi
01:08:07
Okay, ich muss es noch mal wieder versuchen. Ich habe jetzt schon ein paar Anläufe genommen. Ich habe übrigens, ich muss euch mal was sagen. Also, wenn ich schreiben könnte. Ich war, gestern war ich noch in Berlin und wir hatten noch ein bisschen Zeit, weil unser Rückflug erst abends ging. Da waren wir im Museum und haben eine Ausstellung gesehen, in, Von der Zeit der Berliner Sezession, das war jetzt auch eine Bildungslücke, die mir geschlossen wurde. Die Berliner Sezession war ein Kunstverein, der sich gegen die bürgerliche Malerei gestellt hat. Bei Kaiser Wilhelm II. Wollte immer nur dieses Bürgerliche und dieses Monumentale. Und die haben jetzt die Impressionisten, die Französischen und die Deutschen total nach vorne gebracht. Und der Mann, der im Grunde genommen der große Kunstkenner und Kunsthändler nicht selber Maler war, der heißt Paul Kassierer und. Die großen deutschen Impressionisten waren dabei, die großen französischen und, und, und. Also eine ganz, ganz spannende Zeit. Und wenn ich ein Schreibtalent hätte, würde ich genau diese Zeit aufgreifen, recherchieren und Romanen in dieser Zeit spielen lassen. Ja, um diese ganze, ich liebe nichts mehr als historische Romane und ganz oft, wenn mich irgendein historisches, Zeitalter packt, dann google ich, habe ich gestern auch gemacht, habe ich als erstes Chatschi Biti gefragt, ich habe gegoogelt, gibt es Romane, die genau in dieser Clique spielen, ja, mit diesen ganzen Maler und Malerinnen und so weiter, gibt es keine, ja. Das ist so ein geiler Stoff. Also wenn ich gut schreiben könnte, würde ich, glaube ich, immer so historische Dinge aufgreifen, da reingehen, die recherchieren und daraus einen Roman machen und diese ganze Zeit lebendig machen lassen. Also ich liebe es wirklich.
Vera
01:10:00
Also habt ihr gehört, liebe Hörerinnen, das mal aufgreifen und dann Steffi, kurze Info, sie liest es.
Tamara
01:10:07
Wobei ich an der Stelle sagen muss, und ich hoffe, das ist nicht anmaßend, Und ich glaube, Belletristik schreiben ist Leidenschaft und Handwerk. Und wenn das Erste da ist und das sieht total danach aus, dann lässt sich das Zweite lernen. Von daher, wer weiß, vielleicht lesen wir doch demnächst einen Roman von dir.
Steffi
01:10:26
Das Zweite lässt sich lernen, ja.
Tamara
01:10:27
Auf jeden Fall, auf jeden Fall.
Vera
01:10:29
Sonst weiß ich ja, wen du fragen kannst.
Tamara
01:10:31
Aber kommen wir zur zweiten Frage und die lautet, was hast du denn aus deinem größten Fehler gelernt?
Steffi
01:10:37
Ich habe nicht den größten Fehler. Ich habe viele Fehler gemacht. Ich habe nicht so den einen total tödlichen Fehler, der mich jetzt erinnern würde. Aber ich glaube, die größten Fehler sind eigentlich immer da, wo du sehenden Auge in deinen Unglück läufst. Und das machen viele Menschen. Eigentlich sieht man es, aber man will es nicht wahrhaben. Man deutet die Sachen um. Man redet sich die Sachen schön. Man denkt, sie oder er meint es nicht so. Also irgendwie macht man so einen kleinen Bogen um dieses Gefühl, das sich einstellen würde, wenn man die Augen aufmachen würde. Um die Enttäuschung, um den Schmerz und die Angst, auch Angst. Und ich habe gelernt, darauf genauer zu achten. Und wenn ich so ein Gefühl habe, hier stimmt irgendwas nicht oder irgendwas läuft hier schief und ich könnte es mir aber noch ein bisschen umdeuten oder ein bisschen die Augen zumachen, ein bisschen verdrängen und es ist aber ein wichtiges Thema, dann mache ich die Augen auf und gehe da rein und frage nach und hake nach und gucke nach den Fakten. Also die größten Fehler habe ich immer da gemacht, wo ich Dinge nicht wahrhaben wollte.
Vera
01:11:43
Ja, kann ich sehr gut nachvollziehen.
Tamara
01:11:46
Und zum Schluss, was sollte deiner Meinung nach über dem Schreibtisch aller AutorInnen stehen?
Steffi
01:11:53
Ich kann jetzt ehrlicherweise für die Romanenautorinnen nicht sprechen. Ich kann jetzt tatsächlich nur für Sachbuchautoren sprechen.
Tamara
01:12:01
Alles gut.
Steffi
01:12:02
Und das heißt, wäre für mich, lass es bleiben, wenn du nichts Neues zu sagen hast.
Vera
01:12:08
Das ist ein guter Punkt. Liebe Steffi, es ist wirklich eine große Freude, dich heute hier bei uns zu haben. Und ich habe das Gespräch sehr genossen und hoffe zudem sehr, dass wir dann auch irgendwann eine persönliche Begegnung haben und vielleicht bei deinem ersten Roman Bitte kommst du auf jeden Fall wieder zu uns. Das interessiert uns sehr. Ich bin auch davon überzeugt, dass ihr, liebe Hörerinnen und Hörer da draußen, sehr, sehr viel mitnehmt aus diesem Gespräch und gebt uns gerne mal Feedback, was euch geholfen hat, was euch vielleicht auch nachdenklich macht. Wir freuen uns ja immer über Feedback. Ansonsten wisst ihr ja, was ihr zu tun habt, uns zu folgen auf Instagram, Facebook und neuerdings ja auch TikTok. Und natürlich das Buchbubble-Bulleton abonnieren. dann demnächst gibt es mal wieder eins. Naja, und uns nächste Woche wieder hören. Also, bleibt uns gewogen. Bis nächste Woche. Danke, ciao.
Tamara
01:13:08
Tschüss, danke Steffi.
Steffi
01:13:09
Danke euch für die tollen Fragen, das hat mir richtig Spaß gemacht, weil das auch so ein Thema ist, wo ich, wie man ja gemerkt hat, auch echt Leidenschaft drauf habe auf Literatur.
Tamara
01:13:18
Sehr schön.