Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Über 20.000 Wörter am Tag! Autor Matthias Ernst diktiert, statt zu schreiben

Er liebt das Überarbeiten, aber hasst es, die Rohversion zu schreiben. Was also tut Autor Matthias Ernst? Er spricht die erste Version seiner Romane einfach ein!

29.01.2026 57 min

Zusammenfassung & Show Notes

Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Er liebt das Überarbeiten, aber hasst es, die Rohversion zu schreiben. Was also tut Autor Matthias Ernst? Er spricht die erste Version seiner Romane einfach ein!

Mit einem professionellen Setting diktiert Matthias die gesamte Geschichte inklusive aller Satzzeichen und schafft es so, bis zu 24.000 Wörter am Tag festzuhalten.

Wie fehleranfällig ist die Methode?
Welche Freiheiten bietet sie?
Und worauf sollte man unbedingt achten?

Während Tamara völlig hyped ist, bleibt Vera bei den kritischen Fragen - und Matthias berichtet genau, wie er das alles angeht. Hört rein!

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'Joe Country' von Mick Herron
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DramaQueen:
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Vorbestellen! 'Tote Vettern erben nicht' von Vera Nentwich
https://www.amazon.de/Tote-Vettern-erben-nicht-humorvoller-ebook/dp/B0GFXG11ZS/

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Transkript

Vera
00:00:00
24.000 Wörter an einem Tag schreiben, nein nicht schreiben, diktieren. Wie das geht, erzählt Matthias Ernst heute in unserer Folge 296. Er hat uns genau berichtet, wie er diese Projekte angeht.
Tamara
00:00:16
Leute, ich bin total gehypt ich sehe eine neue Ära auf mich zukommen und bin wirklich begeistert von unserem heutigen Gespräch und natürlich gehört dazu auch dass man sehr gut geplottet hat darüber haben Vera und Matthias sich auch noch ausgiebig unterhalten hört rein, eine super Folge, Hier ist Folge 296 von die 2 von der Talkstelle, dem Podcast übers Schreiben und Veröffentlichen im Verlag und im Self-Publishing. Und mir gegenüber ist die zauberhafte Vera Nenntmich, nennt mich? Nennt mich Nenntwich, das finde ich gut. Die zauberhafte Vera Nenntwich, die mich gerade vor der Aufnahme herzhaft ausgelacht hat, weil ich bis eben noch schlechte Laune hatte.
Vera
00:01:18
Ja, aber eine Flache hilft.
Tamara
00:01:19
Und die Frau, mit der nicht mehr ganz so schlechten Laune ist, Tamara Leonard.
Vera
00:01:23
Ja, guck, da haben wir das doch schon mal geschafft. Hat der Podcast doch schon mal die erste Aufgabe erfüllt.
Tamara
00:01:29
Ja, sehr gut. Fantastisch.
Vera
00:01:32
Gibt es einen Grund für die schlechte Laune? Oder ist einfach nur allgemeine Weltschmacht?
Tamara
00:01:37
Schlecht geschlafen? Sonst eigentlich tatsächlich nicht.
Vera
00:01:42
Ja, nö, ich kann da mit der schlechten Laune nicht mithalten.
Tamara
00:01:46
Das freut mich. Gibt es Gründe für gute Laune?
Vera
00:01:50
Muss man da Gründe für haben? Vielleicht? Ja, nö. Also einfach so. Das ist so allgemein so ein Entschluss einfach. Ja.
Tamara
00:02:03
Ja, hast du ja auch völlig recht. Ich habe mich vorhin ein wenig hier auch von der Technik ärgern lassen und das ist kein Grund, sich den Tag vermiesen zu lassen.
Vera
00:02:12
Nee, technisch können wir gar nicht. Und das geht alles rein. Ich bin nach wie vor ja gut im Flow und ich habe letztens noch in der Zeit einen Artikel gelesen, wo halt drin stand, dass man, das ging halt so über Depressionen und was hilft und dass jetzt Studien ergeben haben, dass das sich aufraffen und etwas zu tun genauso glücklich und zufrieden macht wie irgendwelche Antidepressiva.
Tamara
00:02:47
Ja, was da vielleicht nicht ganz berücksichtigt wird, dass ja genau das Aufraffen das Problem ist.
Vera
00:02:54
Das haben Sie natürlich auch beschrieben, klar, genau, das ist das Problem. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Aber ich sage mal so, wenn man dann da vielleicht müde auf der Couch liegt und sich eben nicht aufraffen kann, ist das vielleicht nochmal so ein verstandenes Argument, zu sagen, jetzt gebe ich einfach alles und tue es trotzdem. Und das ist so ein bisschen der Modus, in dem ich bin. Nicht, dass ich jetzt gerade denke, depressiv zu sein, aber immer wieder zu sagen, komm, du packst das wieder an, meinen World Count schaffen und die nächsten Aufgaben angehen. Und ich merke wirklich, immer wenn ich das dann geschafft habe, wenn Papieros da die Anzeige aufleuchtet, sie haben ihr Ziel erreicht und so, dass das wirklich auch irgendwie Energie gibt.
Tamara
00:03:44
Ja, also ich würde mal gerne hinzufügen wollen, das ist wahrscheinlich der beste Tipp, wenn man irgendwie nicht gut drauf ist. Wenn man eine wirklich echte, harte Depression hat, dann würde ich doch bitten, holt euch Hilfe.
Vera
00:04:00
Ja, natürlich. Das habe ich natürlich. Nein, das ist natürlich so, klar.
Tamara
00:04:05
Nur, dass das mal gesagt wurde, nicht, dass wir da missverstanden werden. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Vera
00:04:11
Nein, natürlich. Also so zu sagen, dass man sich einfach aufraffen kann. Nein, das kam jetzt irgendwie blöd drüber. So meinte ich das nicht.
Tamara
00:04:18
Aber ja, so grundsätzlich habe ich natürlich auch die Erfahrung gemacht, dass viele Dinge, die einen im Vorfeld stressen oder wo man keinen Bock drauf hat oder so, wenn man sie dann macht, dann ist es irgendwie halb so schlimm. Nicht, dass ich jetzt keinen Bock auf Schreiben hätte, aber ja, manchmal ist so der Gedanke an eine Sache viel größer als die Sache selbst.
Vera
00:04:40
Absolut. Und je länger man diese Gedanken vor sich her schiebt, desto größer wird es auch noch. Das habe ich ja oft, wenn ich irgendwie ein Mail von einem Kunden bekomme oder einen Anruf, die haben irgendein technisches Problem. Dann rattern bei mir ja alle die schlimmsten Möglichkeiten, die das sein könnten. Und dann wird das ein Riesenproblem und was es dann manchmal für mich auch schwierig macht zu sagen, jetzt gehe ich das aber an und ich habe einen Riesenschiss davor und dann stellt sich raus, ja, irgend so was Simples, die haben nicht Kabel eingesteckt oder irgendwas, also wirklich so simple Sachen oft und denkst, oh, was hast du dir tagelang Kopf gemacht. Und hetzt mal gleich und die meisten Probleme werden kleiner, wenn man darauf zugeht ja, Nein, aber von daher bin ich wirklich gut im Flow. Ich habe eher so das gegenteilige Problem oder ich stelle gerade so ein bisschen fest, wie es vielleicht den anderen Autoren, Autorinnen, Kollegen und Kolleginnen geht, die halt womöglich auch die Vollzeit schreiben und dann, wie ich jetzt gerade, so quasi parallel an mehreren Projekten in verschiedenen Stadien dran sind. Bei mir ist es ja so, dass jetzt der neue Biene Hagenfall, Tote Väter und Erbennicht, der ist ja jetzt so in der Endlektoratsphase, der soll Ende nächster Woche in Druck gehen. Das heißt, da denke ich natürlich jetzt schon an alles Mögliche, was ich so drunter wie Veröffentlichung tun muss. Ich habe jetzt gerade die Buchstattparty organisiert und Plakat gestern drucken lassen und solche Sachen. Parallel schreibe ich an den nächsten Frau Appeldorn und, Und so das Konzept für das, was danach kommt, kreist auch schon im Kopf. Und manchmal verwirren diese ganzen Geschichten und ich weiß gerade gar nicht mehr, wo ich bin. Glaube ich. Also das war am Sonntag so, dass ich dann auch gesagt habe, ich brauche jetzt mal einen Tag, wo ich dann nichts mache. Wo ich dann auch bewusst gesagt habe, heute schreibe ich nicht, auch wenn ich dann den ganzen Tag das schlechte Gewissen hatte.
Tamara
00:06:53
Das solltest du nicht haben. Du musst auch an dich und deine Erholung denken.
Vera
00:06:57
Ja, es kommt ja einfach so.
Tamara
00:07:01
Am Wochenende habe ich kein schlechtes Gewissen.
Vera
00:07:04
Naja gut, ich schreibe immer das Wochenende durch. Da mache ich eigentlich keinen Unterschied. Im Gegenteil. Wahrscheinlich, dass ich am Wochenende noch mehr schaffe, weil halt weniger andere Sachen da sind. Ja, und dann hast du, oder sie hatte ja eine Aussage von dir letzte Woche erhebliche Folgen auf mich.
Tamara
00:07:28
Okay.
Vera
00:07:29
Du hast ja letzte Woche erzählt, dass du auf der Buch Berlin sein wirst.
Tamara
00:07:35
Ach so, ja.
Vera
00:07:36
Ich hoffe.
Tamara
00:07:37
Ich habe noch keine Bestätigungs-Mail bekommen.
Vera
00:07:40
Ach so. Okay. Ja, man kriegt dann Bestätigungs-Mails.
Tamara
00:07:46
Ich nehme an, dass zumindest mal eine Rechnung kommt.
Vera
00:07:49
Ja gut, das dauert ja immer ein bisschen. Von Leipzig habe ich auch noch keine. Na jedenfalls, ich habe dann im Nachgang habe ich der Kerstin Brachwein, mit der ich ja zusammen in Leipzig bin, WhatsApp geschickt. Die Tamara hat erzählt, die ist auf der Buch Berlin. Und dann kamen Minuten später zurück Ja super, das machen wir. Scheiße, jetzt hängst du dran.
Tamara
00:08:14
Das ist lustig, weil es war genau derselbe Effekt bei mir. Ich habe im Dezember eine Nachricht an die liebe Wiebke Wimmer geschickt, liebe Grüße von hier aus. Und habe gesagt, wie wäre es da vielleicht mal so einen Doppelstand mit Musikromanen und sollen wir uns da mal drüber austauschen? Und da kam einfach nur, alles klar, machen wir. Okay.
Vera
00:08:43
Ja, so ähnlich war. Wir haben dann kurz telefoniert. Ja, Stand ist gebucht, Hotelzimmer ist gebucht.
Tamara
00:08:51
Ja, das habe ich, Hotel oder sowas habe ich noch nicht, weil ich noch nicht weiß, ob ich vielleicht ein, zwei Tage länger bleibe oder so. Da muss ich noch schauen.
Vera
00:08:57
Ja, verlängern geht ja wahrscheinlich immer.
Tamara
00:08:59
Aber ich freue mich auf jeden Fall. Ich war tatsächlich noch nie auf der Bucht Berlin.
Vera
00:09:03
Ja, ich auch noch nie.
Tamara
00:09:04
Aber es hat mich immer gereizt eigentlich. und Berlin lieb ich sowieso.
Vera
00:09:09
Ich dachte immer, wie komme ich denn darauf, dass du da schon warst?
Tamara
00:09:14
Vielleicht, weil ich Berlin so gerne mag und in den letzten Jahren tatsächlich öfter mal da war.
Vera
00:09:20
Ja, aber nicht auf der Buch Berlin?
Tamara
00:09:22
Nö, noch nie.
Vera
00:09:23
Okay.
Tamara
00:09:25
Ich habe, glaube ich, mal erwähnt, dass ich drüber nachdenke, so vor ein, zwei Jahren und habe es dann aber nicht weiterverfolgt.
Vera
00:09:30
Ich habe immer so, Tamara war mal da, aber das ist nicht gut gelaufen. Wie komme ich denn da drauf?
Tamara
00:09:38
Ja, es lief insofern nicht gut, als dass ich gar nicht hin bin.
Vera
00:09:44
Ja, und ansonsten, ja, also eine tote Väter an Erben nicht kann ja auch schon vorbestellt werden. Nur mal so als kleinen Wink mit dem Zaunfall.
Tamara
00:09:53
Sehr schön.
Vera
00:09:54
Ohne, dass ich jetzt schon irgendwelche Werbung gemacht habe, habe ich jetzt schon mehr Vorbestellungen als der letzte Frau Apfeldaun. Ja, also, wie gesagt, ich bin im Flow. Ich hoffe mal bei den ganzen Riesenprojekten jetzt mit Leipzig und Buch Berlin und, und, und, dass ich am Ende dann des Jahres sagen kann, das hat sich alles gelohnt.
Tamara
00:10:15
Ja, das wäre doch schön.
Vera
00:10:17
Ja, das wäre nicht nur schön, das wäre ziemlich nötig.
Tamara
00:10:20
Ich muss mich an deinen Schreibflow noch ein bisschen ranhängen. Tatsächlich ruckelt es bei mir gerade und ich glaube, ich setze mich nochmal als erste Kapitel. Das hat mir gar nicht gefallen und irgendwie habe ich das Gefühl, ich kann nicht am zweiten weiterschreiben, bevor ich mit dem ersten zumindest einigermaßen zufrieden bin. Ich habe wirklich einfach vom Schreiben her ein bisschen Mühe, in die Geschichte reinzukommen. Es mag daran liegen, dass der Plot schon so lange steht und dass so diese Anfangsbegeisterung schon... Einem, ja, das ist solide, das passt, gewichen ist. Und ich habe in der jetzigen Version des ersten Kapitels auch, glaube ich, unheimlich viel Infodump, den ich natürlich loswerden will und überlege jetzt, ob ich einfach eine Szene später einsteigen soll oder ich muss mir das nochmal anschauen, aber ich glaube, ich wäre gerne ein bisschen zufriedener mit Kapitel 1, um dann mit einem besseren Gefühl weiterzuschreiben.
Vera
00:11:16
Ja, das kann ich verstehen. Das ist so. Naja. Wir können ja mal schauen, unser heutiger Gast ist ja unter anderem auch Psychologe. Vielleicht können wir ihn zwischendurch mal nach ein paar psychologischen Tricks fragen, auch wenn das nicht das Thema ist. Unser heutiger Gast ist nämlich, wie gesagt, von Hauptberuf Psychologe, aber eben auch begeisterter Bücherfan. Er liest viel und schreibt natürlich seit zehn Jahren, wenn ich jetzt richtig rechne, schreibt ja durchaus erfolgreich Krimis. Und er hat eine besondere Methode zum Schreiben. Das war so der Aufhänger, warum wir ihn eingeladen haben. Und ich freue mich, dass er heute hier ist. Die Rede ist von Matthias Ernst. Hallo Matthias.
Matthias
00:11:56
Hallo, grüße euch.
Tamara
00:11:58
Hallo.
Vera
00:11:59
Ja, toll, dass du da bist. Ich habe, als ich deine Vita so gelesen habe und deine Vorstellung und dachte, Psychologe liest Krimis, schreibt Krimis. Wenn du so ein Buch liest von jemand anderem, Wie oft kommt es vor, dass du dann irgendeine Handlung von Figuren liest und denkst, nee, das würde ein Mensch nie tun.
Matthias
00:12:23
Gar nicht so oft. Wobei ich tatsächlich relativ wählerisch bin, auch in den Büchern, die ich so für mich aussuche, weil ich jetzt nicht so viel Zeit zum Lesen habe. Und dann greife ich halt oft auf die Autoren zurück, die ich schon kenne. Und deshalb ist es dann oft so, dass ich da schon weiß. Aber es ist tatsächlich relativ selten, dass ich mir denke, oh, das ist jetzt total unrealistisch. Es ist dann eher, wenn es zum Beispiel darum geht, wie Menschen mit psychischen Erkrankungen dargestellt werden, da bin ich manchmal schon kurz vorm Abbrechen. Also wenn ich merke, das ist schlecht recherchiert oder das ist vielleicht sogar despektierlich oft.
Vera
00:13:03
Vielleicht gar nicht bewusst.
Tamara
00:13:05
Das ist ja auch viel Klischeehaft.
Matthias
00:13:07
Genau, sehr Klischeehaft, ja.
Vera
00:13:09
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Und es ist nicht vergleichbar. Ich habe das immer, wenn so IT-Themen in Büchern sind. Das geht mir ja auch bei Fernsehserien so, wenn die dann in zehn Sekunden ein Passwort hacken und all solche Sachen machen, da kreuseln sich mir auch immer die Nackenhaare. Das kann ich sehr gut vorstellen. Das ist, glaube ich, bei den meisten Sachen so, wo man so fachmännisch ist, bei Ärzten oder so und bei Polizisten ja auch. Wenn du jetzt so ein Krimi schreibst, hast du da besondere psychologische Themen im Hintergrund bei der Ausgestaltung der Figuren oder machst du das auch so wie ich mehr aus dem Bauch aus?
Matthias
00:13:51
Also ich muss gestehen, dass ich ziemlich recherchefaul bin und dass ich deshalb, als ich so begonnen habe, meine Thriller-Reihe zu konzipieren, als Figur tatsächlich immer oder als Hauptfiguren immer bemüht bin, eigentlich Psychologinnen zu wählen, die in unterschiedlichen psychologischen Fachgebieten arbeiten. Also im ersten Buch, Der Therapeut, ging es um einen Psychotherapeuten. Das ist so mein täglich Brot, da kenne ich mich aus, da muss ich nicht viel recherchieren. Im zweiten Roman, Die Professorin, ging es um eine Neuropsychologie-Professorin. Neuropsychologie war immer so mein Steckenpferd, da kenne ich mich auch aus. Also ich habe tatsächlich versucht, mit diesen Thrillern so ein bisschen auch die Vielfalt der Psychologie darzustellen, weil es halt so mein täglich Brot ist. Und dadurch, dass ich eben nebenberuflich Schriftsteller bin und mein Hauptberuf sehr liebe als Psychologe, war das für mich so das Beste aus beiden Welten. Und es ist tatsächlich, glaube ich, weniger die Ausgestaltung der Figuren selbst, als vielmehr so die Grundthematik, um die es geht. Ich versuche immer ein bisschen auch so Wissenswertes aus der Psychologie und gerade auch aus der Forschung, dann zu vermitteln.
Tamara
00:15:09
Wobei ich ja das Gefühl habe, und es kann jetzt auch daran liegen, einfach, dass ich gerne diese Art Thriller lese, aber ich habe das Gefühl, gerade beim Thriller geht es ja schon auch oft um die Psychologie des Täters. Also mehr als bei einem Krimi.
Matthias
00:15:24
Ja, sollte es ja idealerweise auch gehen. Also ich baue tatsächlich auch meine Plots vom Täter her, weil letztendlich finde ich es immer ganz spannend, so die Motive ja auch des Gegenspielers zu kennen und gut zu kennen und auch nachvollziehbar zu gestalten, damit ich nicht irgendwie so einen eindimensionalen Superschurken habe, der halt die Welt zerstören will, sondern auch zu wissen, was treibt den denn an. Und insofern ist das tatsächlich was, was für mich sehr wichtig ist, auch die ganze Handlung eigentlich eher auch aus der Antagonistenperspektive zu sehen.
Vera
00:16:00
Aber hilft denn da dein Fachwissen aus der Psychologie oder ist das eher Belastung, dass du dann nachher das alles doch zu verkopft machst?
Matthias
00:16:10
Also ich glaube, es geht gar nicht so sehr ums Fachwissen. Ich habe halt so die, ich würde mal sagen, das große Geschenk, dass ich einfach so im Rahmen meines Berufslebens, ich bin jetzt auch schon seit über 20 Jahren immer als Psychologe tätig, mit, ja, wenn man es hochrechnet, wahrscheinlich schon Tausenden von Menschen Deep Talk treiben konnte. Und unglaublich viele Begegnungen hatte dadurch und auch sehr intime Gespräche natürlich geführt habe und ich glaube, dadurch einfach ein gutes Gefühl auch dafür habe, ja, was Menschen antreibt, was Ziele von Menschen sind, wie realistisch manche Verhaltensweisen sind und vielleicht auch manchmal, was manchmal dann ja oft in Büchern als unrealistisch beschrieben wird, ja, so würde sich doch niemand verhalten, aber Menschen verhalten sich so. Menschen sind nicht von vorne bis hinten rationale Wesen, sondern gerade wenn die Emotion dann so überhand nimmt, dann sind die natürlich oft auch total irrational und auch das darf sich auch mal in Handlungen widerspiegeln. Ist für mich auch so ein Zeichen eines guten Buches. Wenn ich mir denke, ich habe da eine Figur, wenn ich ein Buch lese und ich denke mir, tu das nicht, bitte tu das nicht. Das ist total dämlich, das jetzt zu tun. Und sie tut es doch. Dann ist das, das ist menschlich. Das ist ein absolut menschliches Verhalten. Und das ist für mich tatsächlich ein Qualitätsmerkmal oft bei Büchern, die das dann auch wagen.
Tamara
00:17:38
Sollte nur vielleicht nachvollziehbar sein, warum die Person das jetzt tut.
Matthias
00:17:42
Ja, genau. Aber so dieses sehenden Auge ins Unglück zu gehen, aber das ein Motiv dahinter zu haben, klar natürlich.
Vera
00:17:51
Wobei, das wäre auch direkt meine Frage gewesen, ich habe immer so die Erfahrung gemacht, wenn ich in meinen Büchern Dinge einbaue, die ich real so erlebt habe, dass da immer die größte Gefahr steht, dass die Rezendenten sagen, das ist aber jetzt unglaubwürdig.
Matthias
00:18:05
Genau, das kenne ich auch.
Vera
00:18:07
Und dass ich halt auch schon mal, ich habe in einer Krimi-Reihe meine Biene Hagen, das ist so eine sehr spontane und manchmal auch sehr emotional agierende Frau, da kriege ich dann schon auch mal so das Feedback, das wäre ja dann aber völlig unvernünftig gewesen, warum macht die das denn? Oder so. Und dann denke ich immer, ja, als Leser, Leserin musst du dich schon auf die Figuren einlassen, die sind halt nicht immer gerade, wie du das ja auch sagst. Jetzt hast du ja, schreibst du auch, dass du sehr viel, sehr genau plottest. Wie muss ich mir das vorstellen? Wie lange plottest du und wie sieht dann nachher so ein Plan aus?
Matthias
00:18:52
Also ich habe tatsächlich so eine Dreiaktstruktur, die ich dann befülle. Also ich habe die verschiedenen Punkte, die Plotpoints, die eben bei mir vorkommen müssen, damit ich einfach auch so ein bisschen die Länge der jeweiligen Abschnitte gut für mich einschätzen kann. Dass ich eben so grob weiß, bei etwa 20, 25 Prozent sollte ich dann mit Akt 1 und der Exposition fertig sein. Dann, ja, der Midpoint sollte auch tatsächlich in der Mitte des Buches dann etwa sein. Und so die krisenhaften Elemente dann so etwa bei drei Vierteln, die ich dann einsetze. Und das ist für mich so das Grundgerüst, an dem ich dann so die Handlung dann aufbaue. im Krimi und im Füller natürlich immer auch mit dem Versuch, dann möglichst viel Wendungen dann noch einzubauen. Und was für mich tatsächlich jetzt wichtig war, ich hatte jetzt zuletzt eine zehnbändige Familiensaga geplottet. Da war für mich auch von vornherein schon klar, wie umfangreich das Buch denn werden soll. Und da war dann, da es sich dann bewährt hatte, eben etwa so 2000 Wörter pro Kapitel zu schreiben, klar, da hat jedes Buch erst mal, Plotting dann 36 Kapitel. So war für mich dann eigentlich schon mathematisch schön klar, so bei Kapitel 18 ist dann etwa der Midpoint. Ich habe neun Kapitel für die Exposition. Und dann habe ich einfach sowas, wo ich so die Handlung aufspannen kann. Und das war sehr hilfreich für mich. Also ich brauche da tatsächlich so eine Struktur, die ich mir vorgeben kann und wo ich einsetzen kann tatsächlich dann Kapitel und Szenen.
Vera
00:20:34
Da bin ich genauso. Ich habe immer so als Gerüst den Stufenplan von James Fry. Der hat ja so sechs Stufen. Und meine Bücher sind jetzt nicht so riesig lang. Ich plane immer so mit 55.000 Wörtern. Und dann habe ich mir halt irgendwann mal ausgerechnet, ab wie vielen Wörtern muss Stufe 1 fertig sein und so weiter. Und das habe ich immer so, wenn ich schreibe, so nebenan, dass ich so weiß, okay, jetzt bin ich da. Jetzt muss es mehr in diese Richtung gehen oder jetzt muss da was passieren. Das mit dem detaillierten Vorabplotten, das ist mir nicht gelungen. Deswegen bin ich immer ganz neugierig zu hören, wie andere das so genau machen. Jetzt hast du da deinen Plan. Ich kann ja jetzt hier bei der Aufnahme dein Zimmer sehen, da sind keine wilden gelben Pepperleys an der Wand, zumindest nicht wie ich sie sehe. Wie sieht so ein fertiger Plot aus? Also ich meine, zehnbändiges Familiensaga mit jeweils 36, das sind 360 Kapitel. Da muss ich ja anbauen, wenn ich dann an die Wand peppen will. Wie sieht das aus?
Matthias
00:21:43
Ja, ich plotte mit Drama Queen und habe da einfach eine schöne Übersicht. Also da ist tatsächlich ein Dokument, in dem zehn Bände geplottet sind, wo ich tatsächlich dann einfach auf der linken Seite, kann ich dann auf jedes Kapitel zugreifen und habe dann einfach so die verschiedenen Ebenen, also die obersten Ebenen, dann die einzelnen Kapitelebenen tatsächlich auch. Ich schreibe da nicht in Drama Queen, aber habe den gesamten Plot dieser zehn Bände da auch mit abgebildet. Und dadurch kann ich da ganz gut zugreifen. Ich hatte früher tatsächlich auch so ein Board, aber das war dann zu klein. Also gerade bei zehn Bänden wurde es dann irgendwann zu klein und dann habe ich beschlossen, das alles elektronisch zu machen. Und das passt auch tatsächlich ganz gut für mich.
Tamara
00:22:31
Das würde mich tatsächlich dich interessieren? Ich habe zwar schon oft gehört, dass mir sagt der Name was, Drama Queen, aber ich habe keine visuelle Vorstellung, wie das Plotten da drin funktioniert. Kannst du das mal grob anreißen?
Matthias
00:22:45
Also ich nutze tatsächlich glaube ich von den Möglichkeiten, die Drama Queen bietet, sehr wenige. Für mich ist tatsächlich die Theaterdarstellung ganz gut. Ich habe eben links sozusagen so einen Baum, wo dann meine wo praktisch Buch 1 und dann kann ich darunter, habe ich Akt 1, Akt 2, Akt 3 und da unter dem jeweiligen Akt die jeweiligen Kapitel dann. Und kann dann sozusagen im nächsten Fenster dann sowohl eine Übersicht für die Akte erstellen und dann in dem Fenster daneben dann noch für jedes einzelne Kapitel. Also ich nutze das praktisch schon eigentlich nur als eine Art von übersichtlicher Textverarbeitung. Und das für mich darzustellen, es gibt da ganz viele Möglichkeiten. Da kann man da irgendwie so ein Diagramm auch für die Spannungskurve und so alles.
Tamara
00:23:32
Ja, das ist gut.
Matthias
00:23:33
Das ist sicher total toll, aber für mich ist es eigentlich auch nur eine Art von Notizblatt.
Tamara
00:23:39
Okay, okay.
Matthias
00:23:45
Also letztendlich schreibe ich für jedes Kapitel zwei bis drei Sätze. Das ist dann sozusagen das, was im Kapitel vorkommen soll. Und dadurch, dass ich den Kapitelumfang für mich vorher bestimmt habe, also ich weiß, da muss ich jetzt 2000 Wörter schreiben, gehe ich dann ran und schreibe. Schreibe das dann erstmal und habe aber tatsächlich immer diesen Rahmen der 2000 Wörter vor mir. Und da passiert dann tatsächlich so das Kreative eigentlich, weil da tatsächlich ja meine Vorgabe ist, ich habe 2000 Wörter zu schreiben, aber ich schreibe nicht mehr und nicht weniger, als in diesem Kapitel vorkommen soll. Das heißt, ich assoziiere da ganz viel. Ich habe dann oft Dialoge, die sich ganz spontan ergeben, die vielleicht auch in eine andere Richtung abbiegen. Aber das lasse ich dann für die Erstfassung auch erstmal drin. Das kann in der Überarbeitung ja vielleicht dann noch was Spannendes ergeben. Also ich bin da tatsächlich auf Kapitelebene, bin ich dann nur an den Plot als Rahmen gebunden und eigentlich viel mehr tatsächlich an dieses Wortziel, das ich dann immer habe und das ich dann tatsächlich auch oft ganz gut erreichen kann. Und das Ergebnis finde ich dann oft total spannend. Das ist manchmal was anderes als das, was so im Plot drin stand, was vielleicht auch in die große Linie dann wieder reinpasst. Manchmal auch nicht, dann muss ich in der Überarbeitung was verändern. Aber das ist dann sozusagen die Freiheitsgrade, die ich dann habe. Also ich habe erstmal ein relativ starrersteinendes Plot-Gerüst, kann aber auf Kapitelebene sehr viel dann auch tatsächlich nochmal verändern und auch spontan entstehen lassen. Und das macht für mich dann auch so den Reiz aus, das Ganze.
Vera
00:25:26
Das kann ich nachvollziehen. Also ich habe auch, meine Kapitel sind über 2500 doch, so als grobe Maßstab. So, das kann ich nachvollziehen. Aber, Habe ich ja schon das Problem, wenn jetzt in Kapitel 6, was weiß ich, soll meine Protagonistin einen Zeugen entdecken. Jetzt schreibe ich Kapitel 5 und gehe voll in Flow und dann ist die plötzlich völlig anders, wo sie den Zeugen nicht erkennen kann. Um mal so ein simples Beispiel zu konstruieren. Was machst du denn, wenn das Ende von Kapitel 5 nicht zu dem Ziel von Kapitel 6 passt?
Matthias
00:26:06
Also ich, vielleicht ist das sowas, was ich unbewusst aber ganz gern einbaue, aber ich habe meistens immer mehrere Protagonisten in den Büchern. Also in der Regel sind es tatsächlich immer mindestens zwei Ermittlerfiguren. Also wenn der Fall jetzt eintreten würde, dass Ermittlerfigur 1 jetzt plötzlich wo ganz anders landet, dann müsste im nächsten Kapitel Ermittlerfigur 2 einspringen. Also das wäre in so einem Beispiel wahrscheinlich der Weg, den ich dann gehen würde. Wobei, also dazu ist es bei mir jetzt noch nicht gekommen, aber es wäre tatsächlich mal spannend, wenn es so endet, wie ich das lösen würde. Das weiß ich jetzt noch nicht. Also manchmal lasse ich tatsächlich auch dann so einen Widerspruch stehen in der Erstfassung. Es ist ja nur eine Erstfassung, die erzähle ich mir. Und wenn ich dann merke, da ist so ein Bruch drin in der Überarbeitung, dann kann es auch sein, dass ich nochmal Teile wirklich dann ganz neu schreibe. Aber so in der Erstfassung versuche ich mich tatsächlich so am Plot lang zu hangeln und manchmal ist es halt so, wenn dann so was drin ist, was nicht reinpasst, dann lasse ich das erstmal so stehen. Dann habe ich zwar keine durchgehend strukturierte und nachvollziehbare Handlung vielleicht, aber das macht dann den Reiz der Überarbeitung für mich aus.
Vera
00:27:23
Reiz der Überarbeitung ist ein Widerspruch in sich, finde ich.
Tamara
00:27:28
Nein, ich bin bei Matthias, ich liebe Überarbeiten.
Matthias
00:27:31
Ja, ich auch.
Vera
00:27:32
Ich hasse es.
Tamara
00:27:34
Jetzt muss ich aber doch mal euch sanft in eine andere Richtung zu dirigieren versuchen.
Vera
00:27:41
Ich weiß ja nicht, was du für eine Richtung hast, aber ich wollte...
Tamara
00:27:45
Vera, du hast mir angepriesen, denn Matthias hat da ein ganz tolles Tool, wo er gar nicht schreiben muss, sondern quatschen kann.
Vera
00:27:51
Genau das wollte ich, weil er immer von Schreiben spricht. Jetzt aber, du füllst ja die Kapitel gar nicht schreibend auf, du redest ja.
Matthias
00:27:58
Genau, ich rede die Kapitel voll sozusagen.
Vera
00:28:01
Ja.
Tamara
00:28:03
Erzähl.
Matthias
00:28:04
Ja, also ich bin ja dadurch, dass ich eben im Hauptberuf Psychologe bin und im klinischen Bereich viel arbeite und auch gearbeitet habe, gehört da so das Diktieren von Briefen immer mit dazu. Also ich komme noch aus der Zeit, als ich begonnen habe, vor über 20 Jahren, als man noch dem Schreibbüro Kassetten gebracht hat, wo man Arztbriefe und Entlassbriefe und sowas diktiert hat. Und dadurch habe ich mir tatsächlich so die Technik des Diktierens auch angewöhnt, also mit Satzzeichen und auch blind zu diktieren. Das heißt tatsächlich jetzt nicht zu warten, dass da dann auch ein Text direkt erscheint, sondern alles auch wirklich erstmal nur in der Vorstellung zu diktieren, ohne auch auf den Bildschirm zu schauen und habe auch eine relativ hohe Diktiergeschwindigkeit hinbekommen. Und ich war dann schon relativ früh so auf der Suche nach guten Diktierprogrammen, einfach deswegen, weil ich furchtbar ungern schreibe. Also der Akt des Schreibens selber ist immer so eine Überwindung für mich, weil mir das nie schnell genug geht. um. Ich bin ein langsamer Tipper und wenn dann der Kopf voll ist und das dauert dann ewig und dann vertippe ich mich noch und das ist dann, also das ist unglaublich frustrant für mich, auf einer Tastatur was zu schreiben. Und deshalb habe ich dann schon recht früh, also schon vor zehn Jahren auch begonnen, mal so Diktierprogramme auszuprobieren. Ich bin auf einer Mac-Umgebung und da gab es noch Dragon for Mac damals. Da konnte ich dann direkt auch in mein damaliges Schreibprogramm rein diktieren. Das war Scrivener damals. Und das hat relativ gut funktioniert. Da gab es noch so eine Light-Version für Privatanwender, die nicht ganz so gut trainiert werden konnte, also wo noch relativ viele Fehler mit drin waren. Und damit habe ich so meine ersten Bücher dann diktiert und war ganz zufrieden. Und dann hat leider Dragon, oder halt die Nuance heißt, glaube ich, irgendwie die Mutterfirma entschlossen, sich entschlossen, die Mac-Version einzustellen, weil sie von Microsoft aufgekauft worden sind, wie ich gelesen habe. Was blöd für mich war, weil ich dann plötzlich kein Diktierprogramm mehr hatte. Ich habe dann erstmal so versucht, die anderen Möglichkeiten zu nutzen. Man kann ja dann direkt mit Siri zum Beispiel diktieren. Auch in Word gibt es ja inzwischen auch so eine Diktierfunktion, Und dann, das war aber alles nichts, weil die Erkennungsgenauigkeit für mich nicht hoch genug war und nachdem ich dann tatsächlich auch immer mehr Bücher raus hatte, habe ich mich dann entschieden, einfach mal ein bisschen zu investieren und habe jetzt so ein Setup, das ich praktisch auf meinem Mac Parallels laufen habe, darüber Windows 11 benutze und jetzt Dragon 15 Professional für mich installiert habe. Das hat den großen Vorteil, dass ich da tatsächlich das Programm lokal mit meinen Texten trainieren kann. Das heißt, das Programm gewöhnt sich an meine Sprache und auch an den Sprachduktus. Zum Beispiel, wenn ich jetzt so eine Familiensaga schreibe, an diesen historischen Sprachduktus und auch an das Vokabular, was ganz praktisch ist, weil ich dann so seltene Wörter wie Feldzeugmeister oder sowas dann nicht unbedingt ersetzen muss, sondern das Programm erkennt es tatsächlich. Und dadurch, dass ich dann auch Zeit investiere, um das Programm auf mich zu trainieren und meine Stimme zu diktieren, komme ich tatsächlich inzwischen auf eine Erkennungsgenauigkeit von fast 99 Prozent. Was sehr gut ist, was aber immer noch manchmal dazu führt, dass einfach Fehler drin sind. Aber ich habe dadurch eben im Schnitt eine Diktiergeschwindigkeit von 4000 Wörtern pro Stunde. Dadurch ist es mir dann tatsächlich auch gelungen, meine letzten vier Bücher jeweils in vier Tagen zu diktieren, also diese Erstfassung, was natürlich für jemand, der im Nebenerwerb das Ganze macht, eine enorme Zeitersparnis darstellt und mir sehr entgegenkommt, weil ich dann eben diese ungeliebte Aufgabe des Diktierens oder Schreibens, Diktieren ist gar nicht so schlimm, weil ich ja reden kann, Aber das Schreiben ist die Erstfassung hinter mir habe und dann ins Bearbeiten kommen kann, was ich ja, wie ich vorhin gesagt habe, viel lieber mache als eigentlich zu schreiben.
Tamara
00:32:25
So, ich bin ganz ohr. Du hast gesagt, du hast ein bisschen was investiert. Wo liegt man da preislich ungefähr bei so einem Programm?
Matthias
00:32:33
Also das kommt jetzt darauf an, wenn man eine Windows-Umgebung hat, ist das Ganze natürlich schon mal günstiger, weil ich auf Mac erstmal ein Programm brauchte, um auf meinem M1 Mac Windows laufen zu lassen. Da sind wir bei Parallels, kostet glaube ich im Abo 99 Euro pro Jahr.
Tamara
00:32:50
Okay.
Matthias
00:32:51
Dann Windows 11, da kriegt man relativ günstige Lizenzen, das ist nicht so das Problem. Bei Dragon Dictate Professional habe ich mich für die Vorversion entschieden. Die 15er-Version, da habe ich, glaube ich, 250 Euro dann gezahlt. Die aktuelle Version war damals, glaube ich, bei 900 Euro oder so. Also die haben inzwischen schon ganz gesalzene Preise. Aber für mich tut es die 15er ganz gut. Das funktioniert sehr gut.
Vera
00:33:19
Ja gut, jetzt schreibst du dann da oder diktierst dann da ein halbes Buch an einem Tag? Gut, du liebst das Überarbeiten, aber ich kann mir vorstellen, dass dann da auch wirklich jeder Menge zu überarbeiten ist, oder nicht?
Matthias
00:33:31
Also im ersten Schritt ist tatsächlich für mich so die, ich nenne das dann das Einpflegen. Ich kopiere praktisch den Text dann in Papyrus und dann geht es erstmal darum, die Fehler auszumerzen, die beim Diktieren entstehen. Wenn das Programm mich falsch versteht. Das ist oft sehr amüsant. Und was mich unglaublich nervt und was ich trotz Training nicht gut hinbekomme, sind Anführungszeichen unten.
Tamara
00:33:57
Das wollte ich tatsächlich fragen. Musst du die aussprechen als Satzzeichen? Die muss ich aussprechen.
Matthias
00:34:03
Genau. Aber das bin ich, wie gesagt, ja gewohnt, so aus meinem beruflichen Alltag, wo ich das auch mache, dass ich die Satzzeichen eben mitdiktiere. Aber ich weiß nicht, ob ich das zu verwaschen ausspreche. Es ist dann halt oft so, dass dann statt einem Anführungszeichen unten irgendwie entweder Anfang unten oder Zeichen oder unten steht und dann beginnt die wörtliche Rede sozusagen. Das heißt, ich muss dann jedes Mal dieses Unten durch manuell dann nochmal ersetzen. Und so brauche ich dann etwa nochmal so, würde man schätzen, etwa eine Viertelstunde pro Kapitel, um das Ganze dann ordentlich einzupflegen. Aber das ist dann für mich auch der erste Durchgang des Lesens dann. Und erstaunlicherweise bleibt relativ viel der Originalfassung dann auch im Endprodukt. Also ich würde sagen, tatsächlich etwa... 70, 75 Prozent dessen, was ich diktiert habe, bleibt auch tatsächlich bestehen. Sprachlich oft so ein bisschen umformuliert dann, was ich aber ja auch machen würde, wenn ich jetzt händisch geschrieben hätte. Aber so vom ursprünglichen Textblock bleibt relativ viel tatsächlich bestehen, was mich jedes Mal wieder verblüfft. Ich denke mir dann immer, wenn es aus dem Lektorat zurückkommt, ah ja, jetzt ist irgendwie die Hälfte durchgesprichen. Aber das ist es gar nicht.
Tamara
00:35:20
Und wie ist das? Erzählst du dann die ganze Geschichte am Stück runter oder pflegst du zwischendurch ein, sodass du nochmal gucken kannst, was hatte ich da wo wie gemacht? Oder zwingt dich das System im Prinzip dazu, erstmal alles aufzudiktieren, bevor du einzelne Sachen nochmal nachlesen kannst?
Matthias
00:35:42
Ja, also ich zwinge mich dazu, weil meine Ungeduld und mein Widerwillen gegen diese Erstfassung das Ganze in möglichst kurzer Zeit erledigt haben möchte. Und deshalb, also ich korrigiere da nichts, wenn mir zwischendrin ein Name nicht mehr einfällt. Ich habe es da auch nicht irgendwie groß, dass ich in der Serienbibel oder so nachschlagen würde. Ich mache dann halt ein X rein, also X sagte oder und das kann ich alles später in der Überarbeitung ersetzen. Wichtig ist Text, Text, Text in dem Fall. Und damit geht es mir dann aber auch gut. Also ich bin nach so einem Tag, also wenn ich 20 bis, also Maximum waren bisher knapp über 24.000 Wörter. Wenn ich das diktiert habe, dann bin ich einfach körperlich fertig. Also einfach schon das Sprechen, also das ist unglaublich anstrengend und das erfordert sehr viel Konzentrationsleistung auch und also mehr Beziehung. Würde technisch wahrscheinlich schon gehen, aber körperlich dann nicht mehr. Also es ist physisch sehr fordernd dann auch.
Tamara
00:36:42
Aber heißt das, die Tatsache, dass du dann auch so viel am Stück machst, verhindert das auch? Weil das ist so ein Szenario, was mir jetzt wieder einfällt, was, glaube ich, bei mir passieren könnte. Dass du nachts im Bett liegst und denkst, ach nee, das könnte ich in der Szene eigentlich noch ein bisschen anders machen. Oder passiert das und du notierst es dir halt dann für später? Weil das ist, was bei meiner Rohversion ganz oft passiert, dass ich nochmal zurückgehe, nochmal was umschreibe. Ich habe es gerade im Vorfeld der Vera erzählt, ich muss jetzt unbedingt mein Kapitel 1 ändern, bevor ich an Kapitel 2 weiterschreiben kann.
Matthias
00:37:15
Ja, das verhindert es. Also dadurch, dass ich sehr wenig Zeit eigentlich mit der Erstfassung verbringe und abends dann auch wirklich versuche, runterzukommen, was komplett anderes zu machen, was nichts damit zu tun hat, das kommt dann tatsächlich, da geht es ums Einpflegen dann. Also in diesem Durchgang, wo ich dann mir die Verständnisfehler des Programms anschaue und die Ausmerze, da geht es auch schon darum, Ideen zu notieren. Mit der Kommentarfunktion schreibe ich das dann daneben. Ah ja, da könnte ich noch oder da sollte ich noch inhaltlich was verändern oder da wäre vielleicht eine andere Figur auch nochmal einzubringen in das Kapitel. Also wenn eine Idee da noch in der Überarbeitung kommt, das habe ich praktisch auf den Schritt ausgelagert.
Vera
00:38:00
Ja, aber wenn du jetzt da 24.000 Wörter, das ist ja fast die Hälfte eines meiner Bücher, an einem Tag diktierst, das heißt, du hast in zwei oder drei Tagen dann den Rotext fertig, du hast gesagt, so eine Viertelstunde pro Kapitel brauchst du noch, um dann Fehler rauszumerzen. Wie lange brauchst du denn dann noch, bis so ein Buch fertig ist? Schreibst du zwei im Monat oder wie?
Matthias
00:38:24
Nee, also ich lasse mir dann tatsächlich die Zeit fürs Überarbeiten. Also das ist für mich, dadurch, dass mir das ja auch viel mehr Spaß macht als das Schreiben an sich. Ich habe dann erstmal eine inhaltliche Überarbeitung, wo ich nochmal jedes Kapitel auf Herz und Nieren prüfe. Ob das sowohl im Hinblick auf die Figuren als auch im Hinblick auf den Plot passt. Auch im Hinblick, gerade wenn es um einen historischen Roman geht, eben auf die historischen Details. Und dann kommt nochmal eine Überarbeitungsrunde, wo es um die sprachliche Überarbeitung geht. Also wo ich versuche, das stilistisch durchzuziehen und das so in eine Form zu bringen, die dann lektoratsreif ist. Und da bin ich dann schon so im Schnitt etwa zwei Monate dann auch nochmal beschäftigt.
Vera
00:39:10
Aber wenn du diese ganze Geschichte dann mindestens drei bis vier Mal durchgearbeitet hast, ganz ehrlich, ich habe die dann so über die Geschichte.
Tamara
00:39:21
Also ich habe mein erstes Buch sieben Mal überarbeitet. Das in der ersten Version, nicht in der neu veröffentlichten Zweitversion.
Vera
00:39:29
Ja, du bist eben von nichts fies. Wie geht es denn dir damit, Matthias? Ist das dann immer noch frisch und begeistert? Oder denkst du, jetzt ist es aber auch gut?
Matthias
00:39:39
Ja, es ist dann irgendwann mal gut. Also ich habe keine Probleme, mich von einem Text zu trennen oder auch einen Text ins Lektorat zu geben. Also da kommt oft auch nochmal ganz toller Input. Aber nach der Lektoratsüberarbeitung, dann ist es wirklich gut.
Vera
00:39:51
Ja, dann ist es wirklich vorbei.
Matthias
00:39:52
Dann reicht es auch. Dann muss ich auch. Aber ich habe ja dann schon das nächste Projekt, dem ich mich dann widmen kann. Also das kommt mir jetzt so entgegen ich bin eher jemand, der nicht so ich kann mich jetzt nicht jahrelang glaube ich in einem Text vergraben oder immer wieder dran arbeiten, das bin einfach nicht ich, ich bewundere jeden der das kann und der dann so nach 20 Jahren irgendwie wirklich, einen tiefgreifenden tollen Text rausbringt, aber das bin ich nicht, ich bin jemand, der halt, ganz schnell die Ideen auf dem Blatt hat und auch aber schnell unter die Leute bringen möchte.
Vera
00:40:25
Das kann ich sehr gut nachvollziehen.
Tamara
00:40:28
In meinen Gedanken tun sich gerade völlig neue Möglichkeiten auf. Ich sehe mich im Garten sitzen, auf der Hängematte liegend, Cocktail in der Hand und ein Diktiergerät. Wie sieht es denn praktisch bei dir aus? Also läufst du im Raum hin und her, wie man das von den Ärzten aus dem Fernsehen sieht oder sitzt du dann am Schreibtisch oder wie machst du so eine Redesession?
Matthias
00:40:53
Ja, also ich hatte anfangs, also ich habe anfangs noch nicht so umfangreiche Schreibsessions gemacht, sondern habe abends immer mal ein Stündchen diktiert. Und dann hatte ich so ein Headset auf und gehe da auch im Raum rum. Ich habe dann aber festgestellt, wenn ich jetzt tatsächlich fünf oder sechs Stunden am Tag diktiere, dann kriege ich Kopfschmerzen davon, von dem Headset. Und habe mir jetzt ein etwas eigenwilliges Setup aufgebaut. Ich habe ein Interface, an dem ein Gesangsmikrofon hängt, ein Shure SM58, der Klassiker, mit einem langen Kabel. Das heißt, ich gehe dann im Zimmer auf und ab und habe dieses Gesangsmikro da vor dem Mund und spreche da rein. und die Sprachqualität ist erstaunlich gut, einfach dadurch, weil es ein relativ hochwertiges Mikro ist und mein Rücken dankt es mir. Also ich habe viel Bewegung dabei.
Tamara
00:41:47
Du kannst sogar auf dem Laufband gehen.
Matthias
00:41:49
Ich könnte aufs Laufband gehen, ja, wobei da die Hintergrundgeräusche sollten schon relativ leise sein, damit einfach die Erkennungsgenauigkeit gut ist.
Tamara
00:41:57
Das wäre jetzt meine nächste Frage. Also ich stelle mir vor, wenn ich mich dann in so einem, zum Beispiel in einem Streitdialog befinde, dass ich dann anfange, mich von meinen Emotionen überwältigen zu lassen und dann versteht das Ding nur noch die Hälfte. Ist das so? Musst du sehr konzentriert und deutlich artikulieren?
Matthias
00:42:13
Also es kommt dem Text entgegen, wenn ich das tue. Allerdings, wenn die Pferde mit mir durchgehen und ich richtig gut drin bin, dann mache ich das so und dann sind halt mehr Fehler drin. Das ist dann was für die Überarbeitung. Aber dann... Wird der Text, glaube ich, auch authentischer.
Tamara
00:42:32
Ja, das kann schon sein.
Matthias
00:42:32
Also deshalb finde ich das ganz schön. Manchmal ist es tatsächlich so, dass ich dann auch ein bisschen emotionaler werde beim Diktieren. Aber das macht dann auch Spaß. Und das könnte ich jetzt beim Tippen nicht. Also das ist für mich eben auch so ein großer Vorteil, dann das Diktieren.
Tamara
00:42:47
Wie oft hast du dann beim Überarbeiten schon da gesessen und dich gefragt, was will mir der Autor damit sagen?
Matthias
00:42:54
Ab und zu schon, ja. Ja, manchmal ist es auch so, dass dann, gerade wenn dann irgendwelche Hintergrundgeräusche sind, das Programm es wirklich schlecht versteht und ich dann nicht mehr genau weiß, was ich jetzt da tatsächlich sagen wollte. Aber das ergibt sich dann in der Regel schon aus dem Kontext irgendwie.
Vera
00:43:09
Und jetzt stelle ich immer wieder fest, dass ich anders schreibe, als ich rede. Und jetzt hast du geschrieben, du hast eine Familiensaga mit einer alten Sprache. Wie hoch ist denn die Gefahr, dass du dann doch in deine normale Sprache rutschst, wenn du da so emotional redest, auch wenn es halt kein Dialog ist. Bei Dialogen geht es ja noch, da kann man immer sagen, die Figur redet so, aber wenn du irgendwelche beschreibenden Sachen hast, das stelle ich mir sehr schwierig vor.
Matthias
00:43:38
Ja, also bei der Familiensage ist es so, ich glaube, dass ich so nach Band 2 oder 3 wirklich auch sprachlich drin war in dem Ganzen. Und für mich ist es ja schon einfach dadurch, dass ich relativ viele Entlassberichte und sowas diktiert habe. Ist es eigentlich für mich eine Gewohnheit schon, in einen Sprachstil zu kommen, der nicht mein eigener ist. Also so einen ärztlichen Entlassbericht zu diktieren, da ist relativ wenig von dem, wie ich so im Alltag spreche. Das ist ja auch eigentlich eine literarische Form letztendlich. Und insofern war ich es dann schon gewohnt, mich fast in eine Art Rolle zu versetzen. Also es ist fast so, und deshalb finde ich das Setup mit diesem Gesangsmikro auch ganz schön, wie wenn ich jetzt eine Demo für ein Lied aufnehme und mich dann sozusagen reinversetze, dass ich jetzt singe. Das ist ja auch was anderes als vom Alltäglichen her. Das heißt, das ist schon irgendwie auch eine Rollenübernahme, die ich dann habe, wenn ich das Mikro in der Hand habe und dadurch bin ich dann auch in der Sprache des Buchs in der Regel schon drin. Schwierig ist es, ich habe ja auch Oberschwaben-Krimis in meinem Portfolio. Da kann ich die Dialektstellen nicht diktieren, weil das Programm das nicht versteht. Ich habe jetzt tatsächlich schon lange keinen mehr diktiert. Da weiß ich nicht, wie ich das lösen würde. Wahrscheinlich würde ich es auf Hochdeutsch diktieren und dann müsste ich das in der Überarbeitung übersetzen.
Vera
00:45:03
Aber du kannst dem Programm kein Schwäbisch beibringen.
Matthias
00:45:06
Nee, ich habe es versucht, aber das ist zum Scheitern verurteilt.
Vera
00:45:10
Gibt es dann Ja, Entschuldigung.
Tamara
00:45:12
Gibt es da manchmal auch so eine Regieanweisung für dich, für die Überarbeitung dazu? Also wie jetzt in dem Fall vielleicht noch ändern ins Schwäbische oder Wort so und so kursiv oder sowas?
Matthias
00:45:23
Ja, genau. Das diktiere ich auch mit rein. Zum Beispiel, wenn ich dann feststelle, jetzt habe ich die falsche Person genannt bei sagte XY, dass ich dann sage, nein, sagte nicht XY, sondern Punkt, Punkt, Punkt. Und dann diktiere ich eben weiter. Also wenn mir so on the fly was auffällt, dann füge ich es gleich ins Dokument mit ein. Genau, das mache ich, ja.
Vera
00:45:44
Okay, also dann finde ich es aber schon ambitioniert, das alles in 15 Minuten aus so einem Kapitel zu überarbeiten. Da machen wir doch wahrscheinlich länger.
Matthias
00:45:53
Also es geht relativ schnell, weil die Genauigkeit so hoch ist. Also da geht es tatsächlich für mich ja nur darum, die Fehler auszumerzen.
Vera
00:46:02
Ja gut, aber du musst es ja zum Beispiel erkennen. denn das ist jetzt ein Kommentar, den ich gemacht habe. Ich muss da oben die Person ändern. Oder machst du das in den Schritt noch gar nicht?
Matthias
00:46:10
Genau, es geht ums Durchlesen und es geht darum, die Verständnisfehler erstmal zu kletten. Und so die Person ändern, das würde ich jetzt in der Überarbeitung zum Beispiel den Kommentar bearbeiten.
Vera
00:46:20
Das Gleiche wahrscheinlich auch dann für, also ich kann mir vorstellen, dass man gerade, wenn man so im Redeschwung ist, nicht mehr dran denkt, alle Satzzeichen mitzuerzählen.
Matthias
00:46:28
Ja, genau. Das kann auch passieren. Oder wie gesagt, eben die Anführungszeichen, das ist so die große Achillesferse dieses Programms.
Vera
00:46:36
Ja, ist ein interessanter Ansatz. Ich meine, wir haben schon alles Mögliche erlebt. Wir hatten mal jemanden hier, die ihre Bücher nachts ins Handy tippt. Oder wie war das? Das kann ich mir noch weniger vorstellen.
Tamara
00:46:47
Ich sage es, wie es ist. Ich bin total hyped. Theoretisch könnte ich auch morgen anfangen. Ich habe ein Fünf-Meter-Kabel, ich habe dasselbe Gesangsmikro wie du. Ich brauche nur noch ein Programm. Und das wäre jetzt so die nächste Frage. Also ich meine, die Funktionen, dass Programme was vorlesen oder man eben was einspricht, die verbessern sich ja auch immer mehr. Hast du irgendwas mitbekommen, was es sonst noch für technische Optionen gibt für so eine Vorgehensweise?
Matthias
00:47:15
Inzwischen, ich habe es neulich mal ausprobiert, inzwischen sind die Spracherkennungen der Handys, sei es jetzt Android oder iOS, auf einem Niveau, die wahrscheinlich vergleichbar sind. Also man kann es ins Handy diktieren in der Notizen-App zum Beispiel. Und das finde ich auch gut zum Ausprobieren, also bevor man jetzt irgendwie sich ein spezielles Setup baut. Also ich habe dieses Setup nach zehn Jahren Ausprobieren jetzt für mich so gefunden, dass es passt und dass es jetzt passt gut für meinen Workflow. Aber zum Ausprobieren gibt es inzwischen ganz viel kostenlose Möglichkeiten. Und ja, ich finde das erstmal tatsächlich wichtig zu schauen, liegt es mir überhaupt.
Tamara
00:47:56
Da reinzusprechen.
Matthias
00:47:58
Und was ich tatsächlich empfehlen würde, wenn man es ausprobiert, ist blind diktieren. Also nicht nach jedem Satz auf den Bildschirm schauen, ob das auch jetzt alles übernommen worden ist, sondern wirklich mal vielleicht die Augen zuzumachen und eine Viertelstunde einen Text zu diktieren, der einem irgendwie frei gerade in den Kopf kommt. Weil das eine ganz andere Art der Konzentration nochmal ergibt. Sonst komme ich, also wenn ich nicht blind diktieren würde, würde ich gleich in den Überarbeitungsmodus kommen. Und das behindert mein Word-Count letztendlich.
Tamara
00:48:30
Und da würde ich mir selber einstellen. Word-Count ist alles.
Matthias
00:48:33
Für mich in der speziellen Art, wie ich arbeite, tatsächlich.
Tamara
00:48:38
Ja, total in Ordnung. Aber das stelle ich mir tatsächlich auch ein bisschen schwierig vor. einfach wahrscheinlich von der Gewohnheit her. Also wenn ich den Bildschirm vor mir habe und ich tippe, dann habe ich halt so dieses Blatt, also dieses virtuelle Blatt, an dem ich mich festhalten kann und könnte mir vorstellen, dass ich so einfach nur mit dem Raum um mich herum so ein bisschen das Gefühl habe, im freien Raum zu hängen, wenn du weißt, was ich meine.
Matthias
00:49:04
Ich glaube, das ist tatsächlich die Gewohnheit aus den Zeiten, wo ich in den Kassettenrekorder diktiert habe, wo ich ja auch keinen Bildschirm vor mir hatte. Ich schaue ab und zu auf den Bildschirm, um zu sehen, ob das Programm auch tatsächlich noch läuft. Weil manchmal, bei Dragon ist es so, man kann dem Programm auch irgendwelche unwillkürlich irgendwelche Befehle geben. Und dann habe ich ein Wort gesagt, das ich nicht hätte sagen sollen und plötzlich hat das Diktieren gestoppt.
Vera
00:49:30
Oder die letzten 1000 Wörter gelöscht oder so.
Tamara
00:49:33
Das ist doch schon mal passiert.
Matthias
00:49:36
Deshalb schaue ich regelmäßig drauf, aber nur einen kurzen Seitenblick und mache dann gleich weiter.
Tamara
00:49:40
Wie viel hast du schon mal verloren?
Matthias
00:49:44
Also ich diktiere immer in tausend Wörter Abschnitten. Und ja, also vielleicht, ich würde mal sagen, vielleicht die Hälfte davon. Die nicht unbedingt verloren, sondern die halt nicht erfasst wurden.
Tamara
00:49:57
Weil das Programm gestoppt hat.
Vera
00:50:00
Und ein anderes Thema, ich meine, ich finde ja im Schreiben so schön, dass man es ja überall machen kann und ich setze mich ja durchaus auch gerne ins Café. Das geht ja bei dir nicht. Du musst wirklich in deinem geschlossenen Raum bleiben. Wenn jemand von draußen reinruft, komm zum Café, hast du dann den Text.
Matthias
00:50:17
Überarbeiten kann ich im Café. Das ist für mich ja auch Schreiben.
Tamara
00:50:22
Die drei Tage, die er an der Rohversion schreibt.
Vera
00:50:25
Ich muss mich da umstellen.
Tamara
00:50:31
Mensch, ich sehe ganz neue Zeiten auf mich zukommen. Vera, zehn Bücher dieses Jahr.
Vera
00:50:37
Ja, ich wäre ja schon froh, wenn du mal eins schaffst.
Tamara
00:50:44
Pass auf, nächste Woche sage ich dir, ich bin zur Hälfte durch.
Vera
00:50:47
Ja, genau. Ich bin sehr gespannt darauf. Hast du noch einen Tipp für, du hast ja gerade schon gesagt, für die begeisterte Tamara, wie sie loslegen kann? Gibt es was, wo du sagst, da habe ich einen großen Fehler gemacht, das hätte ich so nicht machen sollen oder wo du uns vorwarnen würdest, wenn wir jetzt voll ins Diktierfieber einsteigen wollten?
Matthias
00:51:08
Ich würde inzwischen nicht mehr direkt ins Schreibprogramm diktieren. Also ich nutze, gut, das ist jetzt auch wieder meinem Setup geschuldet, weil ich ja dann von Windows in mein Mac rüber kopieren muss. Aber bei Dragon gibt es zum Beispiel einen ganz einfachen Texteditor, in den ich dann rein diktiere und dann kopiere ich es erst in mein Textprogramm einfach, weil alles, was so zwischengeschaltet wird, sich negativ auf die Erkennungsgenauigkeit auswirkt. Also deshalb würde ich das nicht mehr machen. Da habe ich nachher mehr Überarbeitung.
Tamara
00:51:39
Also mit zwischengeschaltet meinst du, es ist besser, direkt ins Diktierprogramm zu sprechen, als das Schreibprogramm an die Diktierfunktion anzuhängen.
Matthias
00:51:50
Genau.
Vera
00:51:51
Ja, also in irgendeinem simplen Editor, der keine Rechtschreibprüfung und sonstige Sachen noch im Hintergrund macht. Ja, kann ich verstehen. So, aber wenn ich es richtig gehört habe, hast du ja dann schon auch imposantes IT-Equipment. Drama Queen, Scrivener hast du erwähnt, Papyrus hast du gerade auch mal erwähnt.
Matthias
00:52:09
Ja.
Vera
00:52:10
Gibt es irgendein Programm, das du nicht hast?
Matthias
00:52:16
Also Scrivener nutze ich inzwischen nicht mehr, weil ich ja nicht mehr Hände schreibe. Also das war anfangs mein Programm zum Schreiben. Ich habe Drama Queen zum Plotten genommen und Papyrus zum Überarbeiten. Genau. Ich habe jetzt kein Programm irgendwie für einen Buchsatz oder so, weil ich nicht als Selbstpublisher unterwegs bin. Aber sonst bin ich tatsächlich gut ausgestattet. Aber ich schreibe ja auch schon seit... Nur mehr 15 Jahren. Da hat sich was angesiedelt.
Vera
00:52:41
Bei mir rennt es so offene Türen auf. Ich bin ja durchaus IT-affin und probiere immer alles aus und finde das immer sehr interessant. Ich habe Ende der 80er noch, als ich abhängig beschäftigt war, hatte ich damals ein kleines Programmchen von einer Firma aus Saarbrücken im Übrigen. Die hatten damals ein kleines Tool, mit dem man dem Rechner Befehle geben konnte, kopiere meine Datei von gestern in den Ordner Downloads. Hat sich damals nicht durchgesetzt, aber das fand ich damals schon toll.
Tamara
00:53:15
Ja, klingt super.
Vera
00:53:18
Von daher, ich habe auch vor Jahren schon mal auch mit so einer Dragon-Version mal probiert, aber das war noch eine frühe Version und naja, so richtig hat es mich nicht überzeugt. Und ich merke auch immer noch, wenn ich jetzt so mal mit dem Handy irgendwelche Suchbefehle oder jetzt unter einer KI was sage, Ich meine, mir fällt es irgendwie schwer, das da reinzureden. Ich muss da immer irgendwie tippen. Ja, aber vielleicht muss man sich da auch mal weiterentwickeln. Ich finde das einen wirklich sehr interessanten Einblick. Und vielleicht haben wir jetzt wie eine oder andere Hörer und Hörerin durchaus auch angepiekst, mal zu diktieren. Vielleicht gibt es ja auch schon ein paar, die das tun. Da würden wir uns natürlich immer gerne darüber freuen, wenn wir immer so Feedback bekommen. Lieber Matthias, du bist aber noch nicht entlassen. Du musst dich noch den total kritischen Buchbubble-Fragen von Tamara stellen.
Tamara
00:54:10
Jawohl, Matthias. Als Leser, welches Buch hat dich zuletzt Tränen weinen oder lachen lassen?
Matthias
00:54:17
Ja, also es war, glaube ich, eher Tränen lachen. Das war Joe Country von Mick Herron. Das ist der sechste Band aus der Jackson-Lam-Reihe, die zurzeit auf Apple TV als Slow Horses auch als Serie läuft.
Vera
00:54:31
Ja, die ist cool.
Matthias
00:54:33
Und das ist für mich tatsächlich, also das ist schwarzer Humor vom Feinsten. Das ist so skurril, also da lache ich wirklich, ich habe es als Hörbuch und wenn ich dann immer im Zug unterwegs bin, muss ich mich manchmal ein bisschen bremsen, dass irgendwie die anderen Fahrgäste mich da nicht anschauen, weil es wirklich super ist. Also ich kann die ganze Reihe empfehlen, das ist brillant.
Tamara
00:54:57
Okay. Und du bist ja jetzt schon lange in der Buchbubble unterwegs. Welche Begegnung war da besonders inspirierend für dich?
Matthias
00:55:05
Also ja, ich bin tatsächlich, ich habe viele Begegnungen, aber ich glaube, die inspirierendste Begegnung war für mich Christiane Geldmacher, die meine beiden Krimis bei Emons lektoriert hat und da habe ich alles übers Schreiben gelernt in den beiden Lektoraten. Also das war für mich so der Knackpunkt, wo ich dann gemerkt habe, ja, Ich bin ein Autor und ich habe jetzt auch massiv an Qualität dazugewonnen. Also das war eine Begegnung, die für mich tatsächlich sehr viel bedeutet hat. Wo ich auch sehr dankbar bin, dass ich so eine tolle Lektorin auch bekommen habe.
Tamara
00:55:38
Sehr schön. Und welches Klischee möchtest du nie wieder in einem Buch lesen?
Matthias
00:55:43
Ja, das hatte ich vorher schon kurz. Den psychisch kranken Mörder, der am besten noch eine Psychose mitspielt, die schlecht recherchiert ist, also das brauche ich nicht mehr.
Tamara
00:55:57
Einzige Begründung, er hatte eine schwere Kindheit.
Matthias
00:56:00
Genau, oder dann, also ich habe zu meinem großen Schrecken, ich bin ein großer Stephen-King-Fan, aber das letzte Buch von Stephen King, da war eine ganz schlecht dargestellte dissoziative Identitätsstörung.
Tamara
00:56:12
Okay.
Matthias
00:56:12
Bei einer sehr unsympathischen Figur, wo ich mir dachte, hallo, wir sind im 21. Jahrhundert, da geht es ja um Repräsentation, um Abbau von Vorurteilen, von Stigmatisierung, von Klischees und jemand wie Stephen King sollte es eigentlich besser wissen. Also das fand ich furchtbar.
Vera
00:56:31
Ja, vielen Dank, Leo Matthias, dass du heute Zeit für uns hattest. Das waren sehr interessante Einblicke. Wie gesagt, an euch da draußen, ihr wisst, was ihr zu tun habt, uns zu folgen, wo immer es geht, unser Buchbubble-Bulleton zu abonnieren. Ich verspreche auch, es kommt bald wieder eins und gerne natürlich so euer Feedback geben zu euren Schreibmethoden, ob ihr vielleicht auch schon diktiert. Vielleicht machen das ja mehr, als wir ahnen. Dann würden wir uns mal freuen. Danke nochmal an dich, Matthias. Vielen lieben Dank euch. Und an euch da draußen. Bleibt uns gewogen. Bis dann. Ciao.
Tamara
00:57:04
Danke, Matthias. Ciao.
Matthias
00:57:05
Tschüss.