Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Vom Kinodrehbuch zum Roman: Die „Ostwind“-Autorin über zwei Schreibwelten

Kristina Magdalena Henn bewegt sich in zwei sehr unterschiedliche Schreibformaten: dem Drehbuch und dem Roman. Die Autorin der 'Ostwind'-Reihe erzählt von Teamarbeit, Dienstleistungsgefühl und von mehr Freiheit beim Buch.

13.08.2026 67 min

Zusammenfassung & Show Notes

Kristina Magdalena Henn bewegt sich in zwei sehr unterschiedliche Schreibformaten: dem Drehbuch und dem Roman. Die Autorin der 'Ostwind'-Reihe erzählt von Teamarbeit, Dienstleistungsgefühl und festen Strukturen beim Drehbuch und von mehr Freiheit beim Buch.
Sie kam durch ihre erfolgreiche Filmidee auch zum Schreiben des dazugehörigen Romans, hat seither weitere Jugendbücher veröffentlicht, etwa Ilvie und der weiße Wolf, und erzählt heute, wie unterschiedlich sich die beiden Schreibformen anfühlen: Feste Strukturen wie Aktaufbau und Seitenzahl im Vergleich mehr Ruhe und Raum für innere Prozesse.
Kristina Magdalena spricht offen über lange Entwicklungswege, Verträge, und Bezahlmodelle, und warum es ihr wichtiger ist, die eigene Stimme, Freiheit und Freude am Schreiben zu bewahren und wenn nötig auch ein Projekt abzusagen oder loszulassen, anstatt sich in eine Schublade stecken zu lassen.
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Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Kristina Magdalena Henn bewegt sich in zwei sehr unterschiedliche Schreibformaten: dem Drehbuch und dem Roman. Die Autorin der 'Ostwind'-Reihe erzählt von Teamarbeit, Dienstleistungsgefühl und festen Strukturen beim Drehbuch und von mehr Freiheit beim Buch.

Sie kam durch ihre erfolgreiche Filmidee auch zum Schreiben des dazugehörigen Romans, hat seither weitere Jugendbücher veröffentlicht, etwa Ilvie und der weiße Wolf, und erzählt heute, wie unterschiedlich sich die beiden Schreibformen anfühlen: Feste Strukturen wie Aktaufbau und Seitenzahl im Vergleich mehr Ruhe und Raum für innere Prozesse.

Kristina Magdalena spricht offen über lange Entwicklungswege, Verträge, und Bezahlmodelle, und warum es ihr wichtiger ist, die eigene Stimme, Freiheit und Freude am Schreiben zu bewahren und wenn nötig auch ein Projekt abzusagen oder loszulassen, anstatt sich in eine Schublade stecken zu lassen.

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Transkript

Tamara
00:00:00
Vom Kino-Hit zum eigenen Roman. Wir haben heute Autorin Christina Magdalena Henn zu Besuch. Sie hat die Drehbücher und später auch Romane für die Ostwind-Reihe geschrieben, ist jetzt aber auch Romanautorin für Jugendliteratur. Und wir wollten natürlich genau wissen, wie sie mit dieser besonderen Position aufs Schreiben blickt.
Vera
00:00:21
Sie hat uns Einblicke gegeben, wie das funktioniert, vom Exposé über Pitches und was es da alles gibt, wie der Druck da aussieht. Total spannende Einsicht in ein Metier, was wir so noch nicht kannten. Die, Hallo, hier sind die zwei von der Talkstelle mit Folge 324. Wir sind der Podcast rund ums Schreiben und Veröffentlichen, ganz egal ob im Verlag oder im Self-Publishing. Und in sonniger Stimmung heute nehmen wir auf und mir gegenüber sitzt die wunderbare Tamara Leonard. Ich bin wie immer Vera Nentwig. Und sage, hallo Tamara, hast du heute auch sonnige Gefühle?
Tamara
00:01:27
Es ist mir zu viel Sonne, wie du siehst. Hier habe ich mein Büro wieder in einen fensterlosen Raum mittels Holzläden und blickdichtem Vorhang verwandelt. Nachdem ich gestern Nachmittag, ohne es zu merken, wohl hier zu viel Hitze abbekommen habe und dann von einem Moment auf den anderen völlig platt war und gar nichts mehr ging, habe ich dann... Bin ich heute früh aufgewacht gegen vier und dachte, boah, jetzt wäre es schön kühl zum Arbeiten. Bin dann hoch, habe alles offen gehabt hier und habe dann gearbeitet so bis um sieben. Und dann habe ich wieder zugemacht, weil dann schon wieder die Sonne kam und habe dann vorhin ein Mittagsschläfchen gemacht, um die fehlenden vier Stunden aufzuholen. Also man passt sich halt an.
Vera
00:02:17
Ja, aber wie ging es? bei uns werden ja jetzt die nächsten Tage eher so. Freitag wird 38 Grad. Naja, gut.
Tamara
00:02:25
Ist jetzt, glaube ich, auch noch diese Woche und ich vermute, das war dann die letzte Runde für dieses Jahr.
Vera
00:02:30
Ja, schauen wir mal, was da noch so auf uns zukommt.
Tamara
00:02:35
Nee, ansonsten bin ich fleißig wieder für meine nächste Konzertlesung. Die ist nächste Woche Donnerstag, also am 20. August in Marl im Ruhrgebiet. Und ich glaube, es gibt noch Karten. Also würde ich mich doch freuen, den einen oder anderen von den Hörenden mal zu treffen. Und auch intensiv am Vorbereiten für die Frankfurter Buchmesse. Da haben wir jetzt eine neue Standnummer bekommen. Wir sind jetzt nicht mehr am Kopfende der Halle, sondern im Gang direkt gegenüber der Imagination Stage. Da haben wir auf jeden Fall immer Unterhaltung am Stand J94. J94 und da sind wir gerade das Layout, das Konzept für den Stand am Erarbeiten und haben sehr viele wilde Ideen und es wird total cool.
Vera
00:03:24
Ich bin gespannt. Imagination Dinges?
Tamara
00:03:29
Stage. So wurde es mir zumindest gesagt.
Vera
00:03:31
So würde ich die heißen. Ja, was immer das ist, aber gut. Wir schauen mal.
Tamara
00:03:35
Ich bin gespannt.
Vera
00:03:37
Ich hatte am Wochenende Imagination, der eine oder andere wird es mitbekommen haben. Ich hatte hier einen etwas innigeren Kontakt mit einem LKW auf der Autobahn. Ja, und da hat man ein schönes neues Auto zerblötscht.
Tamara
00:03:52
Ja, du hast mich ganz schön erschreckt, als du mir geschrieben hast.
Vera
00:03:56
Ja, sorry, das wollte ich jetzt nicht. Aber ich fand es ja ganz cool, dass da vor mir einer mit der Dashcam war und das alles gefilmt hat. Das hat mir natürlich auch sehr geholfen.
Tamara
00:04:08
Ja, klar.
Vera
00:04:08
Ja, wobei ich jetzt sagen muss, es ist schon alles gut gegangen. Der Lkw-Fahrer war auch letztlich nett. Klar, der ist mal reingefahren, aber ist stehen geblieben.
Tamara
00:04:17
War ja keine Absicht, nehme ich mal an.
Vera
00:04:19
Nee, natürlich nicht. Ich meine, hell oder andersherum hätte jetzt irgendein, was weiß ich, Lkw-Fahrer, der da nicht gemerkt hätte und weitergefahren wäre oder so. Also von daher ist alles gut gegangen. Ich habe ja dann mir erlaubt, so einen kleinen Ausschnitt davon auf Instagram zu posten.
Tamara
00:04:35
Ja, und ich habe schon gesehen, du hast dann die hässliche Seite des Internets kennengelernt.
Vera
00:04:38
Ja, also das ist wirklich, also da kann man ja Studien treiben. Was ist los mit den Menschen? Also erstmal habe ich mir gedacht...
Tamara
00:04:47
Aber mein Schwerer, die Beschleunigungsspur ist doch auch nicht zum Parken da.
Vera
00:04:51
Ja, genau. Ja, also erstmal ist das nochmal, also auf die Idee, welche ich ja nun ja nicht gekommen habe, gesehen habe, dass das wirklich die Ersten sind, die mir vorwerfen, zu langsam zu fahren. Aber auch diese zum Teil völlige Unflätigkeit, dass da die Kackpratze in dem roten Auto soll doch mal den Führerschein abgeben oder sowas. Also was bringt Menschen dazu, sowas in so einen Post zu schreiben, wo die niemanden kennen, gar nichts. Was müssen die für ein armseliges Leben haben?
Tamara
00:05:31
Ja, also wenn du mich fragst, das sind Leute, die können sich nur dadurch gut fühlen, dass sie andere runtermachen, weil sie selbst einfach nichts erreicht oder geleistet oder auf dem Kessel haben.
Vera
00:05:43
Ja, also ich meine, das geht bei mir wirklich, ich gucke das nur verwundert an. Ich meine, ich nehme das nicht ernst, den Scheid. Ich meine, was mich freut, ich habe jetzt irgendwie schon 220.000 Views bei den Post.
Tamara
00:05:56
Wow, da hast du ja mein Frauentags-Ding mit knapp 100.000 geknackt.
Vera
00:06:03
Ja, ne? Also, ich hoffe mal, der Algorithmus merkt sich das und spült jetzt alles von mir so weit raus.
Tamara
00:06:10
Auf jeden Fall. Also, ich muss sagen, damals hat es ein bisschen angehalten. Ich hatte ja am Frauentag dieses Ding, was dann so viral gegangen ist, wo ich übrigens erstaunlich wenige Hass-Posts hatte, muss ich sagen. Und die Woche drauf habe ich dann einen Post gemacht, dass ich nicht nach Leipzig fahre und der hatte, glaube ich, auch noch so 20.000. Also der hat schon noch so ein bisschen mitgenommen.
Vera
00:06:34
Mhm.
Tamara
00:06:35
Von daher solltest du jetzt einen richtig guten Post konzipieren.
Vera
00:06:38
Ja gut, da muss ich mal überlegen, was mir dann so einfällt. Ja, also ich habe das nur mit verwundert angeguckt und denke, was geht in den Köppen vor? Was sind das für Leute? Also echt, das wirft schon ein sehr erschreckendes Bild auf unsere Gesellschaft. Das muss man eigentlich schon sagen.
Tamara
00:07:00
Vielleicht verstehst du jetzt, warum manche Leute das Social Media so toxisch empfinden, gerade wenn man vielleicht manchmal ein bisschen mehr Meinung äußert und sowas öfter um die Ohren gehauen bekommt.
Vera
00:07:11
Ja, wobei das ja, Social Media ist ja nur der Kanal, wo es rauskommt. Ich meine, da steckt ja in den Leuten drin.
Tamara
00:07:18
Ja, natürlich, natürlich. Aber nirgendwo hast du halt so viel direkten und vor allem anonymen Kontakt.
Vera
00:07:24
Ja, ja, klar. Also ich bin ja auch in Social Media, aber ich würde sogar trotzdem nie schreiben.
Tamara
00:07:29
Nö, nö, nö.
Vera
00:07:30
Auf die Idee käme ich ja gar nicht. Aber gut. Na, man kann da schon Studien treiben.
Tamara
00:07:37
Ich meine, vieles sind auch oft Bots. Ich glaube, bei dir weiß ich jetzt nicht. Ich habe nur so ein paar Beispielnachrichten gelesen. Aber ich weiß, als ich im Juni einen Post gemacht habe mit ein paar Eindrücken vom Christopher Street Day in Saarbrücken, da kamen so viele Kommentare, einfach nur Kotz-Smileys und sowas. Wenn man sich die Profile angeguckt hat, Ich glaube, das waren irgendwelche, Leute, die in irgendwelchen Ländern sitzen und gar nicht wissen, was sie da machen oder vielleicht auch wirklich KIs oder so.
Vera
00:08:06
Naja, genau.
Tamara
00:08:08
Aber das kommt halt dann noch obendrauf.
Vera
00:08:11
Naja gut, also ich gucke da ja gar nicht so rein. Also manchmal poppt was auf und dann denke ich, was ist das denn? Und dann ist es wieder real. Das interessiert mich nicht. aber, Aber wie gesagt, das war jetzt interessant, wobei das natürlich jetzt auch ein bisschen Arbeit auslöst.
Tamara
00:08:31
Ja, was ist denn jetzt mit deinem Autochin?
Vera
00:08:34
Ja gut, da ist halt eine Beule in der Seite und da muss ich jetzt zur Reparatur und muss jetzt noch einen Anwalt einschalten, damit er das alles für mich regelt. Naja, das geht jetzt einen Gang, das ist jetzt alles nicht so tragisch. Das ist doch nicht der erste Blässchaden, den ich in meinem Leben habe. Also von daher kann ich das nicht sehr aus der Ruhe bringen. Ich konnte ja noch weiterfahren. Das hätte ja schlimmer kommen können. Insofern konnte ich ja mein Wochenende in Hamburg trotzdem machen. War auch schön. Und habe jetzt ein cooles Video. Ich habe wieder Aufmerksamkeit.
Tamara
00:09:13
Danke, lieber LKW-Fahrer.
Vera
00:09:20
Ich kann mich auch so über die Aufmerksamkeit nicht beklagen. Also die Presseresonanz auf meinen neuen kommenden Krimi ist prima. Ihr hiesige Sonntagsblättchen hat natürlich auf der Titelseite geschrieben, also als ich am Sonntag dann aus Hamburg zurückkam, lag ich quasi bei uns auf dem Dölper, wie man bei uns sagt, also auf der Treppenstufe vor dem Hauseingang, auf dem Titelbild und ich finde auch den Titel, den sie geschrieben haben, Faden scheinig mit Vera steht da nur. Also ich bin jetzt schon Vera. Man braucht meinen Nachnamen gar nicht mehr schreiben.
Tamara
00:09:57
Uns Vera.
Vera
00:09:58
Uns Vera. Ja, und die Westdeutsche Zeitung hat er dann am Montag geschrieben und so. Nö, also ich bin da guter Dinge. Libri hat auch noch fleißig bestellt und die bestellen sowieso jetzt fast jede Woche kriege ich irgendeine Bestellung. Wow. Auch jetzt vor Appeldorn und irgendwelche Teile und, Also von daher bin ich nach wie vor optimistisch und bin auch in den letzten Zügen, was Schreiben angeht. Also ich denke jetzt so zum Ende der Woche werde ich auch den Band 2 der neuen Reihe, so im ersten Durchgang fertig geschrieben haben. Ich bin jetzt so beim Showdown. Und ja, ich würde mal sagen, es geht voran. Es läuft, würde ich sagen.
Tamara
00:10:49
Tippi-toppi.
Vera
00:10:51
Ja, und dann schauen wir mal weiter.
Tamara
00:10:55
Ja. Ah, eine Sache muss ich noch teilen. Ich weiß nicht, ob du es gesehen hast, weil du unterwegs warst. Aber ein Aufruf, ein Angebot an die Menschen da draußen. Ich habe letzte Woche ein Newsletter verschickt und dann auch einen Instagram-Post gemacht, um darauf aufmerksam zu machen. Ich werde am 1. September einen Newsletter verschicken, den dann nur die AbonnentInnen sehen können. Und über diesen Newsletter kann man eine Wohnzimmermusiklesung oder Gartenmusiklesung mit mir gewinnen. Das heißt, es wäre, also wenn man schon lange drüber nachgedacht hat, wäre es jetzt der Moment, sich für meine Newsletter anzumelden. Weil wer das bis zum 1.9. nicht getan hat, Der ist leider nicht mit dabei bei der Gewinnchance.
Vera
00:11:38
Ja, wobei er setzt voraus, dass man dich im Garten oder im Wohnzimmer haben will.
Tamara
00:11:43
Ja, da geht er mal von aus. Langsam wirst du ein bisschen frech.
Vera
00:11:48
Nein, ich würde dich gerne bei mir im Wohnzimmer haben.
Tamara
00:11:52
Ja, kannst du ja mitmachen.
Vera
00:11:55
Ich habe doch schon abonniert.
Tamara
00:11:56
Ach so, ja, also nicht, dass das jetzt missverstanden wird. Und es gewinnt nicht automatisch, da der den Newsletter hat, sondern man bekommt dann die Möglichkeit, am Gewinnspiel sich zu beteiligen. Wer einfach nur so meinen Newsletter, der sehr viel Mehrwert und Geschichten enthält, abonnieren möchte, darf das natürlich trotzdem tun.
Vera
00:12:13
Ach so, du machst dann keine Tournee, da wird nur einer gewinnen?
Tamara
00:12:17
Ja, wer soll ja?
Vera
00:12:19
Ich dachte, du besuchst alle Abonnenten dann oder so.
Tamara
00:12:22
Nein. Nein, nein.
Vera
00:12:26
Okay. Ja, super, dann abonniert und Dann schauen wir mal, wo die Tamara hin muss. Oder darf.
Tamara
00:12:34
Wenn denn jemand mitmacht. Menschen sind ja von Natur aus eher träge.
Vera
00:12:37
Ja, aber wenn die die Chance haben, dass du im Wohnzimmer kommst, dann...
Tamara
00:12:42
Ach, jetzt plötzlich.
Vera
00:12:47
Ja. Und ich überlege die ganze Zeit, wie ich jetzt die Kurve zu unserem Gast kriege.
Tamara
00:12:52
Oh, pass auf, ich habe die Überleitung.
Vera
00:12:53
Ja.
Tamara
00:12:55
Also, sie hat man zwar nicht im Wohnzimmer, aber das, was sie geschrieben hat, das kann direkt in dein Wohnzimmer auf den Bildschirm flackern.
Vera
00:13:04
Ja, ist total originell.
Tamara
00:13:09
Ja, unser heutiger Gast hat nämlich einen ganz spannenden Werdegang hinter sich. Sie hat eigentlich Film studiert und dann auch als Drehbuchautorin ihren großen Durchbruch gehabt mit einem Film, den wahrscheinlich die ganzen Pferdemädchen da draußen kennen und lieben, nämlich Ostwind. Worüber es dann erstmal ein Buch gab, das eine andere Autorin geschrieben hat. Und dann hat sie aber doch noch die Kurve gekriegt, darf man das ganz ketzerisch sagen. Und gesagt, jetzt werde ich auch Buchautorin und hat dann auch Ostwind-Romane. Und jetzt auch ganz andere geschrieben. Und wir sind natürlich sehr neugierig, was sie da für spannende Einblicke hat. Wir sind aufeinander gestoßen durch das Saarburger Literaturfestival und jetzt freue ich mich wahnsinnig, dass sie hier im Podcast ist. Hallo, Christina Magdalena-Henn.
Kristina Magdalena
00:13:53
Hallo, ich freue mich auch sehr. War ganz spontan heute und ich bin richtig froh, ein Teil davon sein zu dürfen, von eurem tollen Podcast.
Vera
00:14:01
Ja, schön, das freut uns besonders. Ich muss jetzt gestehen, ich bin kein Pferdemädchen. Aber ich finde natürlich den Werdegang von Drehbuch zu Romanautor schon sehr interessant. Wir hatten jetzt schon mehrfach reine Drehbuchautoren oder auch schon Autorinnen da, die dann von ihren Romanen zur Verfilmung gekommen sind. Den Weg hat man noch nicht. Was ist denn für dich so der markante Unterschied, wenn du jetzt an einem Roman arbeitest? Musst du das ganz anders angehen oder ist das eigentlich genau dasselbe?
Kristina Magdalena
00:14:38
Also, man muss kein Pferdemädchen sein, um Ostwind zu mögen, vorweg. Weil es wirklich so, wie soll ich sagen, so Family Entertainment ist. Also es ist gar nicht so nur für Pferdemädchen, sondern es war immer der Gedanke, es ist ein Film für alle. Weil man auch dieses archaische Thema hat, dass man eigentlich so die Kinder nicht so groß zieht, sondern sie freilässt, dass sie das werden können, wer sie sind. Und das lag einfach so darunter. Und deshalb holt, glaube ich, diese Ostwindmarke so viele auch ab, weil es eigentlich so um dieses Erkennen von dem, wer man ist, geht. Und gerade als Eltern, wo man immer sich selber so reinprojiziert in die Kinder, geht es da eigentlich auch nochmal so generationsübergreifend um so ein ganz größeres Thema, als nur um die Gabe mit Pferden zu sprechen.
Tamara
00:15:26
Ja, und ja auch eine schöne Heldengeschichte mit zwei, ich sag mal, zwei Outsidern im Grunde.
Kristina Magdalena
00:15:32
Ja, und auch so, genau, zwei Outsidern und auch mit so einer ungewöhnlichen Gabe, ja, also so eine unsichtbare Qualität, weil ich eben glaube, jeder von uns hat eine ganz besondere Gabe oder Qualität. Manche können die eben entwickeln mit vier, weil sie schon wissen, sie wollen Kamerafrau werden oder Kameramann und andere finden sie plötzlich mit 50 oder mit 60 und manche kommen, weil sie kommen nicht dazu, weil sie nicht die Möglichkeiten haben, das zu entwickeln, was so in ihnen steckt so. Und gerade so unsichtbare Qualitäten, Leute, die gut zuhören können oder so Leute, die die richtigen Fragen stellen wie ihr. Also das sind ja auch so Qualitäten, die muss man erstmal so an sich selber entdecken. Und diese Hellfühligkeit von dieser Mika oder diese Gabe mit Pferden zu sprechen oder sie zu fühlen, oder die Pferdesprache so, ist ja auch so was Unsichtbares. Und dann ist es so generell, glaube ich, so übergreifend auch in diesem ganzen Ostwindgeschehen, dass da eben so eine Qualität in jedem von uns steckt. Und dass gerade besonders Mädchen auch nicht nur sich über Schönheit definieren, sondern auch über eine andere Qualität. Und dadurch das ganze Social Media wird immer noch größer und das Äußere wird noch größer und so. Und das Ego wird eher kultiviert, als dass man sich zurücknehmen lernt. Und da ist eigentlich Mika so ein bisschen so eine Vorreiterin, dass sie da irgendeine Qualität hat.
Tamara
00:16:54
Im wahrsten Sinne.
Kristina Magdalena
00:16:55
Im wahrsten Sinne des Wortes. Genau. Und jetzt so der Unterschied zwischen Drehbuch und, also bei Ostwind war der Anfang wirklich interessant, weil die Lea Schmidbauer und ich haben das ja zusammen entwickelt. Und die Produktionsfirma hatte damals gesagt, schreibt einfach mal einen Pferdefilm. Das war die einzige Vorgabe.
Tamara
00:17:14
Okay.
Kristina Magdalena
00:17:15
Und dann sind wir auch echt spazieren gegangen mit ihrem Hund immer und haben uns immer beim Spazierengehen die Sachen ausgedacht, weil ich sage immer, das Gehen hat so Gedenkgeschwindigkeit. Also ich kann unheimlich gut denken beim Gehen. Ja, und dann war dieser Ostwind wirklich, dann war es kalt und ich habe noch gedacht, es ist ja zu kalt und dann ist ja dieser Ostwind und dann kam so eins zum anderen, und dann haben wir eigentlich dieser Firma, diese Idee gepitcht, also dann waren wir mit dem Mittagessen, haben diese Pferdegeschichte erzählt, die wir uns da ausgedacht hatten, die würde ich sagen zu 99% so geblieben ist, wie sie beim ersten Mal schon war, also beim, Mittagessenpitch sozusagen. Sagen und dann haben wir erst das Drehbuch geschrieben und dann haben wir eigentlich so ein Erstanbietungsrecht in diesen Verträgen, in diesen Drehbuchverträgen gehabt. Das heißt, die haben uns dann auch gefragt, wollt ihr den Roman dazu schreiben? Und dann haben die Lehre und ich gesagt, nee, kauft doch eh keiner und wer jetzt nochmal sich hinsetzt und eigentlich das so umzuformulieren. Und das war apropos auch, das war ein Fehler, aber das war natürlich dann, haben wir uns echt den Arsch gebissen, weil das dann sich, glaube ich, über 600.000 oder 700.000 Mal verkauft hat, das Buch.
Tamara
00:18:22
Wow.
Kristina Magdalena
00:18:23
Und dann hat aber auch dann Random House als nächstes gesagt, weil wir auch wieder ein Erstanbietungsrecht hatten, schreib doch noch einen zweiten Teil vom Roman sozusagen, weil die mussten uns ja erst fragen, weil wir ja die Schöpfer waren. Und dann kamen wir so ein bisschen eigentlich so zu diesem Romanschreiben auch, weil wir gesagt haben, den Fehler machen wir nicht nochmal, ja, also die Buchung vom Brot nehmen lassen, und dann haben wir eigentlich einen zweiten Roman geschrieben und dann hat die Produktionsschirma gesagt, ach, der ist so gut, wir machen jetzt noch ein zweites, Drehbuch dazu schreiben und dann hat er so seinen Weg genommen. Also das war ganz interessant und ich mache ja mittlerweile wirklich beides so gerne. Also ich schreibe wirklich Drehbücher, auch nur als Drehbuch, Eher ein bisschen für Erwachsene oft tatsächlich. Oder jetzt schreibe ich gerade so einen Musikfilm, so einen größeren, eben mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle. So ein Crumpy-Typ mit so einem Kinderchor. Auch so eine originäre Idee. Und dann parallel mache ich so meine Romane. Also ich habe jetzt noch so eine neue Detektivinnen-Reihe jetzt gerade abgegeben. Poppy sieht mehr, ist der Arbeitstitel. Da geht es um so ein, ist so ab acht Jahre. Den habe ich jetzt gerade erst im Manuskript abgegeben. Und ich mache beides sehr gerne. also beim Drehbuchschreiben ist wirklich so, reden viel mehr Leute viel früher mit und reden auch permanent mit. Also es ist wirklich noch viel mehr Zusammenarbeit. Und man ist ein bisschen mehr Dienstleister, würde ich sagen, als Schöpfer. Beim Romanschreiben hat man mehr dieses Gefühl von, man ist ja da wirklich sehr isoliert, oder ich zumindest, weil ich dann wirklich so einen Rhythmus habe, wie so ein Langstreckenläufer. Und dann redet erstmal keiner mit. Da gibt es den Verlag, mit dem spricht man sich ab. Ich schicke denen dann irgendwie ein Treatment oder Leseprobe und dann schreibe ich dann jetzt fertig und dann habe ich das jetzt meiner Lektorin abgegeben und warte so ein bisschen. Aber ich hatte erstmal jetzt so zwei, drei Monate totale Ruhe und ich hatte immer so ein Bild, was das so ein bisschen beschreibt, weil Drehbuchschreiben würde ich sagen, ist mehr wie so Rafting. Also man muss irgendwo runter, man sitzt da an diesem Boot, man muss aber genaue Werkzeuge bedienen. Man muss genau gucken, wann kommt eine Stromschnelle. Also ich bin noch nie in meinem Leben, habe ich diese Sporen gemacht. Aber ich denke mir halt so. Weil man so ein genaues Ziel hat. Und man muss genau gucken, wie man so da, man gibt genau den ersten Akt, den zweiten Akt, dann gibt es die Dark Knight of the Soul, diese ganzen Begrifflichkeiten, die man auch berücksichtigt beim Drehbuchschreiben. Also es ist technischer, würde ich sagen. Vielen Dank. Und beim Romanschreiben ist es wie segeln. Habe ich auch noch nie gemacht, aber stelle ich mir auch so vor. Da kommt eine Windbirne, dann lässt man sich mal treiben, dann kann man alles, über ganz viele Gefühle schreiben. Bei Drehbuchschreiben ist die Regel show, don't tell. Also dann soll man die Sachen sehen. Man darf nicht schreiben, sie ist traurig, sondern man muss sich überlegen, wie sieht es aus? Was macht sie, wenn sie traurig ist? so. Und beim Romanschreiben kann man ja da sich drin schwelgen, ja. Und ich mache beides unheimlich gerne, weil ich finde diese Mischung irgendwie so, also mir tut die gut, weil bei den Romanen weiß ich auch immer, die werden gemacht, die kommen raus, da gibt es jetzt einen Start, also da gibt es jetzt früher, kommen die Sachen raus. Beim Film kommt dann die Finanzierung, dann kostet der Film acht Millionen und dann dauert das ewig, bis die Sachen gemacht werden, so. Und dann kommt auch nochmal, kommt vielleicht noch eine neue Autorin drauf oder dann wird man ausgetauscht. Also man ist da mehr in dieser Dienstleistung und in diesem Gefühl zumindest. Und bei dem Romanschreiben ist man so mehr näher an der Schöpfung.
Vera
00:22:01
Wobei, du hast dann schon eine sehr spezielle Sicht auf das Romanschreiben. Also, dass du den Luxus hast und weißt, ich schreibe das und das kommt dann raus. Das haben auch nicht viele Autoren.
Kristina Magdalena
00:22:13
Absolut.
Vera
00:22:14
Was ich jetzt aber auch spannend finde, also eigentlich ist doch Show, Don't Tell und verschiedene Aktstrukturen sind doch beim Romanschreiben genauso ein Thema.
Kristina Magdalena
00:22:24
Ja, ich orientiere mich auch sehr beim Romanschreiben an Drehbuchschreiben. Also ich mache auch dieselben Arbeitsschritte. Aber ich habe trotzdem, würde ich sagen, so, ich fühle mich wesentlich freier, weil auch niemand so schnell etwas dazu sagt, ja. Und ich mache aber auch genau die Arbeitsschritte. Also ich schreibe auch erst ein Exposé, also beim Drehbuch auch, und dann schreibe ich ein Treatment, wo ich so die Szenen habe, und dann fange ich mit dem Romanschreiben an. Aber ich habe trotzdem das Gefühl, ich kann das mehr fließen lassen. Und ich kann auch mal in eine andere Richtung kurz mal noch abbiegen, weil mir das jetzt gerade gefällt. Und beim Primo schreiben muss ich genau gucken, Seite 60, dann ist da der Midpoint und da kann ich nicht noch mal eine extra Runde drehen. Und auch mit meinem Gefühl hinterhergehen.
Vera
00:23:13
Es gibt ja eine zeitliche Grenze, jede 10 hat eine Dauer.
Tamara
00:23:16
Ich denke, es ist strenger einfach.
Vera
00:23:18
Ja, genau.
Kristina Magdalena
00:23:19
Ja, und auch technischer so. Also man sagt, so eine Drehbuchseite ist eine Filmminute und dann ist man immer so im Bereich zwischen 90 und 120 Seiten. Also man hat ja auch im Roman, habe ich auch eine genaue Vorgabe jetzt von dem Verlag, da ich mich genauso bewegen muss, aber fühlt sich so, ja fühlt sich freier an vielleicht auch.
Vera
00:23:38
Ein paar mehr Seiten als 100, ja.
Kristina Magdalena
00:23:41
Ja, und dann habe ich auch jetzt beim Roman, habe ich dann ein Gespräch mit einer Lektorin so und beim ersten Exposé vom Drehbuch kommen zehn Leute dazu. Dann gibt es den Sender, dann gibt es den Verleih.
Tamara
00:23:53
Jeder hat eine Meinung.
Kristina Magdalena
00:23:54
Und jeder hat eine Meinung und man muss so die Geschichte, also die Hüterin der Geschichte sein. Und das ist dann gar nicht so einfach. Ja, weil man muss trotzdem die anderen ja auch, die Meinungen und auch die ganzen Ideen mit einbeziehen. Und dann ist so die Kunst, dann so diese Linie zu behalten. Also da, Und den Druck auszuhalten, ja, da ist viel Druck drauf beim Film.
Vera
00:24:21
Ja, ja. Wie muss ich mir das denn vorstellen? Du hast jetzt vorhin gesagt, du schreibst an so einem Musikfilm, du weißt schon, wer der Hauptdarsteller ist. Ist das denn auch so gewesen? Das heißt, du hast eine Idee für einen Musikfilm und dann hat irgendwer gesagt, das produzieren wir und wir nehmen Christoph Maria Herbst als Hauptrolle oder war das umgekehrt? Wir haben den, wollen mal einen Musikfilm mitmachen, schreibt mal ein Buch.
Kristina Magdalena
00:24:42
Ja, also es ist im Filmbereich wirklich sehr schwer geworden für originäre Stoffe. Also man braucht auch die Marke auf diesem, wenn du eben kein Momo bist oder kein Bibi und Tina oder egal, also wenn du keine Marke hast oder jetzt Harpe Kerkeling mit Extrawurst oder so, was ja auch ein Theaterstück war, dann brauchst du eben diese Marke und das war tatsächlich erst ein Exposé. Die Idee von dem Musikfilm gab es schon zwei, drei Jahre. Also da geht auch viel Land oder Zeit ins Land, sagt man. Genau, und das hört sich jetzt alles so einfach an, aber das sind sehr lange Prozesse oft, bis dann plötzlich der Funke überspringt. Und bei Ostwind war es auch so, das wollte am Anfang bis zur vierten, fünften Fassung, hat keinen interessiert. Und plötzlich gab es dann diese Dynamik und dann wollte Konstantin Filme plötzlich machen und dann die Firma von Til Schweiger und dann haben die sich gebettelt. Und dann ist diese Dynamik, die hat man nicht im Griff, ja, auch, als Autorin, da kann man, man kann sein Ding machen und das nenne ich auch immer so dieses Glück oder dieses unsichtbare Tritte, was jeder braucht, damit man irgendwie mal so, durchstartet, ja, und das kannst du nicht wissen, egal wie gut die Geschichte, egal wie brillant du geschrieben hast, das ist egal, du brauchst diese komische, diese Dynamik da von außen, also, und das war so ein bisschen unser Glück auch in dem Fall.
Vera
00:26:04
Also heißt es, bei diesem Musikfilm ist das auch eine Idee von dir? Du hast mal irgendwann ein Exposé geschrieben...
Kristina Magdalena
00:26:10
Genau, das war eine Idee von mir auch schon lange. Und dann habe ich mit einem Produzenten auch daran gearbeitet. Und dann hat ein anderer Produzent, der mit dem zusammenarbeitet, das gesehen. Und dann haben die das, das war nur ein Dreiseiter zum Beispiel, Christoph Maria Herbst präsentiert. Und der hat sofort gesagt, mach ich. Und damit ist die Marke drauf gewesen. Und dann kam der Verleih dazu, Studiokanal. Und dann kommen die anderen dazu. Und das sind aber ewige, lange Prozesse. Da ist gerade mittendrin dieses Buch. Und dann kommt dann der ARD-Sender dazu. Also es sind dann so Dynamiken, wo man auch als Autorin außen vor ist. Aber es ist wie du sagst, also erst gab es die Idee und dann waren Dreiseiter und plötzlich hatte jemand die Idee, vielleicht wäre das eine gute Rolle für Christoph Maria Herbst, weil den braucht es dann auch, um dieses ganze Projekt zu pushen.
Tamara
00:27:01
Ja, da schaut man ja automatisch rein.
Kristina Magdalena
00:27:04
Genau, und ich hatte nicht die Idee von diesem Schauspieler im Kopf. Das kam dann von dem Produzenten und dann haben die das vorgelegt und dann war der so begeistert und alle waren dann so, und dann hat das plötzlich so einen Pfad aufgenommen.
Tamara
00:27:19
Aber dann wissen wir jetzt schon, dass es eine richtig coole Story ist, weil vor ein paar Jahren hatten wir Tommy Grapp bei CM Podcast und der sagte wiederum, dass Christoph Maria Herbst ja superkritisch ist und wirklich sehr, sehr genau aussucht. Also muss es ein ganz toller Film werden. Ich freue mich jetzt schon drauf.
Kristina Magdalena
00:27:35
Ja, danke. Schauen wir mal. Aber das wusste ich jetzt gerade, seit er so kritisch ist.
Vera
00:27:42
Aber jetzt, wie geht man denn dann in diesem Job da dran? Du hast irgendeine Idee, du machst ein Exposé und du weißt, naja, das kann jetzt Jahre dauern, wenn überhaupt. Jetzt ist es bei mir ja so, wenn ich jetzt eine Idee für eine Geschichte habe, dann kann ich mich relativ zeitnah hinsetzen und schreiben. Und da ich ja auch Self-Publishing mache, dann auch relativ zeitnah rausgeben. Und habe das alles durchgeführt. Du hast eine Idee und dann passiert zwei, drei Jahre nicht. Da wüsste ich ja gar nicht mehr, wie die Idee war, sondern rückwirkend. Dann wüsste ich ja erstmal wieder nachlesen. Wie hältst du das nach? Wie hältst du das auf allen Dingen durch? Das heißt, du produzierst die ganzen Jahre neue Ideen und irgendwann passiert was?
Kristina Magdalena
00:28:26
Ja, also ich komme von der Mittel- und Langstrecke, Postsport Verein Trier. Und das ist meine... Ja, nee, das ist wirklich, da denke ich jetzt manchmal so, auch gerade, wo ich bei meinen Eltern nicht bin, dann denke ich so oft dran, ich habe so eine Grunddisziplin. Also ich bin wirklich so eine Arbeiterin einfach, ja. Und ich weiß auch immer, es gibt Höhen und Tiefen. Natürlich habe ich dann auch immer noch so VG-Worteinnahmen, die mir sehr helfen, über diese ganze Ostwindnummer, dass ich dann auch irgendwie so mit in die Bredouille komme. Aber ich habe so, ich kann dann irgendwie, ich habe so eine bestimmte Ausdauer mitbekommen. Ich weiß dann auch, das braucht jetzt ein bisschen so und dann mache ich aber eben meine Romane, wo ich weiß, jetzt kommt jetzt auch ein zweiter Teil von dieser Reihe, dann sitze ich mir ab September dann hin und schreibe den zweiten Teil. Und wer weiß, was dann in der Zwischenzeit mit den Drehbüchern passiert. Aber ich bin auch so ein bisschen, ja, also erfahren klingt schon wieder so uralt, aber ich habe so ein bisschen mehr Geduld, glaube ich, entwickelt. Und diese Ausdauer habe ich von dieser Langstrecke, weil ich bin wirklich so mittel- und Langstrecke gerannt, so deutsche Meisterschaften. Und ich setze mich dann hin und dann setze ich mich jeden Tag hin. und so.
Vera
00:29:36
Das müssen wir alle, die Bücher schreiben, aber das hat ja, wie du jetzt schon richtig angedeutet hast, ja auch einen existenziellen Faktor.
Kristina Magdalena
00:29:42
Absolut.
Vera
00:29:43
Es muss ja irgendwie Geld reinkommen. Wie kriegt man denn in dem Beruf diese Sicherheit, dass Geld reinkommt?
Kristina Magdalena
00:29:50
Also Drehbuchschreiben ist besser bezahlt als Romanschreiben, ja, und dadurch werde ich ja auch eigentlich permanent, ja, schon wesentlich besser bezahlt, würde ich sagen. Wenn die Romane jetzt ein Bestseller werden und dann richtig jetzt nicht eine Million mal verkaufen oder 500.000 Mal, dann ist man gut dabei. Aber beim Drehbuch ist es auf jeden Fall besser bezahlt, würde ich sagen. Bei den Romanen bekommst du erstmal nur ein Garantiehonorat, was man ja dann auch wieder oft zurückzahlen muss. Ja, also das ist ja erstmal mau, würde ich sagen. Außer du landest halt wieder eben über die 100.000, was man vorher nicht weiß. Also für das Ausmaß an Arbeit ist es viel schlechter bezahlt. Und beim Drehbuchschreiben, ich glaube, dadurch, dass ich daher komme, bin ich auch schneller, weil es mir dann doch mehr liegt. so, weil ich mehr so damit aufgewachsen bin. Aber du kriegst diese ganzen Arbeitsschritte wirklich konkret bezahlt. Du kriegst den Aufwand bezahlt.
Vera
00:30:46
Du kriegst den Aufwand bezahlt oder wirst du auch nach Seiten bezahlt?
Kristina Magdalena
00:30:50
Ja, du kriegst immer die Arbeitsschritte. Also du kriegst einen Exposé-Vertrag, dann gibst du einen Treatment-Vertrag, dann gibst du einen Trebo-Vertrag. Und es heißt nicht immer, dass es dann dazu kommt. Manchmal bleiben die Sachen auch im Exposé stehen. Dann hast du diese Summe bekommen und dann geht es nicht weiter, weil sich kein Sender findet, weil sich kein Verleih findet. Und dann muss man auch wieder mehrere Exposivverträge eigentlich auch am Laufen haben. Gucken, ob man das ein Pferd da trennen macht. Was man auch nicht weiß. Wenn man dann einen Drehbuchvertrag hat und der Film wird wirklich gemacht, dann verdienst du wirklich auch.
Tamara
00:31:23
Das nennt sich Buyout.
Kristina Magdalena
00:31:25
Das heißt, du bekommst die Hälfte deiner Gage am ersten Drehtag. Wenn der Film nicht gemacht wird, was auch sehr oft vorkommt, man sagt eigentlich von zehn Drehbüchern landen neun in der Schublade, weil sie nicht gemacht werden, weil die Dynamik nicht aufgeht, da im Außen, Und deshalb kann man immer nur die Hoffnung haben, dass es sich dann durchsetzt. Und selbst super erfahrene, renommierte Drehbuchautorinnen haben auch viele Sachen in der Schublade, weil das halt dann irgendwo nicht gefunkt hat oder liegen geblieben ist. Und das ist dann auch wieder härter, weil dann bekommt man eben nicht die Hälfte der Gage, wo man sagt, jetzt kann ich mich mal kurz entspannen.
Tamara
00:32:06
Und wie ist das denn, wenn du jetzt eine richtig coole Story entwickelst und irgendwo bleibt das stehen Und es ist dann klar, das wird auch nicht mehr verfilmt werden. Kriegst du diese Geschichte nochmal zurück? Könntest du dann ein Buch draus machen oder bleibt die Idee dann für immer in der Schublade?
Kristina Magdalena
00:32:23
Ja, ich gebe ja die Rechte oft ab. Also in dem Moment, wo ich diesen Exposiervertrag unterschreibe, sind die Rechte bei den Produzenten, bei den Filmproduzenten. Aber dann habe ich oft immer so nochmal Sachen drin, nach vier, fünf Jahren ist da dann die Frist abgelaufen, dann kann ich halt wieder zurückkaufen, und dann gibt es auch so Buch zum Filmrechte, die ich mir oft sichern lasse, damit ich da ein bisschen Freiheit habe. Das sind dann so ganz vereinzelte, individuelle Klauseln, die dann meine Agentin auch aushandelt. Und dann ist bei mir halt wirklich, also apropos, wovon lebt man als Autorin oder Autor? Das ist ja wirklich auch so eine wesentliche Frage. Und ich habe halt dieses Glück eben, dass diese Ostwind-Sachen noch viel laufen. Und VG Ward ist halt wirklich, hat eine Freundin damals zu mir gesagt, so eine Komponistin, die auch die Musik bei Ostwind gemacht hatte, die Annette Fox, melde dich bei VG Ward an.
Vera
00:33:16
Und das ist so.
Kristina Magdalena
00:33:16
Oh, nochmal so dieses Bürokratische. Dabei ist das im Null bürokratisch.
Vera
00:33:21
Ja, das ist ja schnell gemacht.
Kristina Magdalena
00:33:23
Ja, und das machen die alles für einen. Also Wahnsinn, dass es so was gibt, um die Autoren da irgendwie auch abzusichern. Weil das Ostwind läuft noch in der Schweiz, in Österreich. Und plötzlich denke ich mir, oh, krass, wo läuft das denn überall? Ich kriege das ja gar nicht mit. Und das ist halt, das ist mein Segen. Das ist so ganz individuelles Glück, würde ich sagen, dass ich dadurch immer mir noch die Sachen aussuche, die ich gerne machen will, wo ich 100% dahinter stehe und nicht in diese Not gerate, wo viele ja drinstecken, egal, wie viele Sachen sie schon geschrieben haben.
Vera
00:33:56
Also dann hier nochmal den Appell an euch da draußen, wenn ihr es noch nicht habt, meldet euch bei der VG Wort, kostet nichts, geht relativ schnell da online. Und mir ist ja auch schon passiert, dass ich plötzlich Tantiemen kriegte, weil irgendein Text von meinem Blog in einem Schulbuch aufgetaucht ist oder sowas. Ich meine, das sind jetzt keine Summen in deiner Größenordnung, aber Kleinvieh macht auch Mist.
Kristina Magdalena
00:34:18
Absolut. Und die Ausschüttungen, die variieren auch so. Aber zum Beispiel Bibliothekstantiemen gibt es auch. Das heißt, sobald sich jemand dieses Buch ausleiht, hast du dann deine fünf Cent oder so. Also das ist schon genial, finde ich so.
Vera
00:34:30
Na ja, leider ist es nicht ganz so einfach, weil das wird ja nur nach 18 Stichpunktbibliotheken gezählt. Und wenn man so kleine Regionalautorin ist wie ich, ist in keiner dieser Stichpunkt dann. Aber dann ist man da nicht drin. Aber es gibt ja alle drei Jahre die Sonderausschüttung. Wobei das jetzt die Frage aufwirft, über welche Tantiemen kriegst du denn dann von der VG-Woche? Die Bibliothekstantiemen sind es nicht?
Kristina Magdalena
00:34:57
Also manchmal Bibliotheksthemen, aber in erster Linie, weil ich ja noch mehr Bücher jetzt auch geschrieben habe, ja, also jetzt nach Ostwind kam noch Ilvi und der Weiße Wolf, dann gibt es aber die Starke, das sind so Kinderbilderbücher, dann Ende Juli, Anfang August, also das summiert sich dann so ein bisschen, aber in erster Linie sind es Fernsehausschüttungen.
Vera
00:35:15
Ah ja, diese.
Kristina Magdalena
00:35:16
Also diese Ausstrahlungen, wenn Ostwind dann ARD, Weihnachten, alle drei Teile läuft, so.
Vera
00:35:23
Das haben wir ja leider noch nicht, da arbeiten wir noch dran.
Kristina Magdalena
00:35:28
Ja, ich bin die Inspiration jetzt hier.
Tamara
00:35:31
Ich kriege ab und zu mal was, wenn ich einen Artikel schreibe für einen Self-Publisher oder so.
Vera
00:35:36
Ja, genau.
Kristina Magdalena
00:35:37
Und finden die das auch oder musst du das dann angeben?
Tamara
00:35:39
Nee, das muss ich selbst. Also am Jahresende muss ich die Sachen eintragen.
Vera
00:35:43
Ja, genau. Es sei denn, es gibt ja auch Medien, die direkt von sich aus melden. Das hatte ich auch schon. Aber wir hatten jetzt bei uns ja auch schon Filmrechte-Agentin zu Gast. auch schon andere Drehbuchautorinnen und Autoren. Und jetzt ist ja... Wie du ja vorhin auch gesagt hast, was die Aufgabe, wenn man zum Beispiel eine Vorabend-Krimiserie das Drehbuch schreibt, dann wird man nicht so viel Geld kriegen, habe ich gelernt. Wir hatten auch schon Autorinnen hier, Mara Wulff zum Beispiel, und es hieß, dass dann bei Netflix das verfilmt werden soll, was dann auch irgendwann gescheitert ist, solche Sachen. Also es ist ein sehr schwieriges Geschäft, insofern finde ich es jetzt mal sehr erfrischend zu sehen, bei dir auch von der anderen Seite zu hören, dass das ja auch durchaus erfolgreich sein kann.
Kristina Magdalena
00:36:36
Ja, also ich habe wirklich, und ich bin auch so eben, ich kämpfe mich auch ein bisschen durch manchmal so, aber ich mache dann immer eins beim anderen. Und ich jetzt eben, und dann habe ich diese Buchreihe, und dann habe ich jetzt aber ein Drehbuch, und dann ich mache auch, ich gucke auch dadurch, ich kann auch nicht so viele Sachen parallel machen, aber ich habe wirklich so einen guten Verlauf.
Vera
00:36:55
Würde ich sagen.
Kristina Magdalena
00:36:56
Ja, weil dann auch wirklich so, also bis jetzt, ja deshalb, und ich habe immer so, Mein Ziel war immer davon leben, was ich gerne mache. Hat sich auch erst mal herauskristallisieren müssen, aber das empfinde ich auch immer echt absolut noch als Privileg.
Tamara
00:37:13
Musst du denn, wenn du jetzt vom Romanschreiben zum Drehbuchschreiben oder zurückswitchst, musst du da irgendwie, weiß ich nicht, innerlich einen Hebel umlegen oder kannst du da von deinen Arbeitsmechanismen her springen? Gehst du ganz unterschiedlich ran?
Kristina Magdalena
00:37:31
Nee, ich würde immer, die Geschichte kommt immer so als erstes, ist auch wirklich, aber ich mache das nie parallel, also ich könnte nie an einem Tag oder an einer Woche einmal kurz bisschen Drehbuch, einmal kurz Roman, ich habe da immer ganz feste Monate, wo ich sage, jetzt ist zwei, drei Monate, muss ich jetzt erstmal diesen Roman durchschreiben, so, setzt mir eine ganz klare, so, planen das richtig so durch, also ich bin so, dadurch, dass ich, glaube ich, eher so chaotisch und eher so ein bisschen zu viel Fantasie habe, brauche ich eine starke Struktur, die ich mir selber dann gebe. Und wenn ich dann im Drehbuch bin und dann schreibe ich eine zweite oder dritte Fassung, mache ich auch nur Drehbuch. Aber jetzt habe ich zum Beispiel ein Drehbuch, an der zweiten Fassung wurde mir dann gesagt, ich benutze manche Begrifflichkeiten, die eher ein bisschen kindig oder kindlich sind. Dann habe ich so gemerkt, ah ja, ich komme dann, ich kam halt von so einem Kinderjugendroman. Und dann merke ich halt schon, dass ich so Begriffe verwende, wo ich dann nochmal selber drüber geguckt habe und gedacht habe, oh, ja. Also so dieses Verspielte, Ja, was die Kinder lieben und wo aber beim Drehbuch schreiben, wo ich das dann so benutzt habe und gedacht habe, okay, ich muss jetzt nochmal drüber gehen, wirklich als diese seriöse Drehbuchautorin, und nicht so Kasperle-Theater da reinschreiben.
Tamara
00:38:42
Ist für dich klar, dass so Kinder, Jugendliche deine Zielgruppe sind oder bist du da reingerutscht? Würdest du gerne auch mal für eine andere Zielgruppe schreiben?
Kristina Magdalena
00:38:52
Ja, bisher macht es mir sehr viel Spaß so und das ist so, also ich hatte damals bei, als ich Ostwinkel geschrieben hatte, irgendwann wurde mir Benjamin Blümchen angeboten danach und dann habe ich erst gesagt, puh, also erst so ein Tier, ein Pferd, was nicht sprechen kann, jetzt ein Elefant, der sprechen kann, also habe ich auch abgesagt, weil mich so nie, also wenn man dann so in eine Schublade gepresst wird, da kriege ich dann auch schnell die Krise, ja, weil ich immer denke, ich will mich ja neu erfinden und man entwickelt sich ja auch, ja, also. Also deshalb auch bei der Ostwind-Reihe bin ich dann nach dem dritten Teil ja auch ausgestiegen, mehr oder weniger. Also das ging bis Teil drei und dann habe ich so gemerkt, das war für mich zu Ende erzählt. Sie lässt dieses Pferd frei, weil das in die Freiheit gehört und was kommt denn danach? Die ganz große Liebe ist ja, wenn man sagt, wenn du glücklicher wirst mit jemand anderem, dann musst du gehen. Und danach kam für mich vom Gefühl eigentlich nichts mehr so. Und ich bin dann eher so jemand, ich springe dann nochmal in das neue kalte Wasser, um zu gucken, was da geht. Auch für mich selber, weil ich mich so unheimlich schnell langweile. Und dann mache ich gern noch mal so was ganz Neues und gucke dann, wie es da läuft.
Vera
00:40:00
Das klingt jetzt für mich aber auch sehr mutig, weil wenn man sowas so gut läuft und wo man auch gut Geld mitverdient und sagt, nee, ich springe ins kalte Wasser, wie du es gerade gesagt hast, besteht ja auch immer das Risiko, dass das voll in die Hose geht.
Kristina Magdalena
00:40:18
Ja, ich denke, so wenig. Damals, als ich an der Filmhochschule war, habe ich auch mal so ein Schuhgeschäft aufgemacht, ein Jahr lang, weil ich gedacht habe, ich brauche Standbein und Spielbein. Und die ganzen Filmhochschulen haben gesagt, ich hatte dann so einen Kumpel, da haben wir so ein Schuhgeschäft. Und dann habe ich aber so gemerkt, nach drei Monaten, ich muss da jeden Tag drin sitzen. Jeden Tag. Und dann kam schon wieder Kundschaft und habe mich gestört beim Lesen. Und das war wichtig für mich, die Erfahrung. Weil ich habe auch schon viel Zeug gemacht. Und deshalb weiß ich das sehr zu schätzen. Und ich habe gemerkt, Freiheit ist mir wichtiger als Sicherheit. Dann reduziere ich einfach mal wieder mein Leben ein bisschen. Also so gut es halt geht. Aber bevor ich aber in dieser Maschinerie lande und dann aber mich langweile und merke, da ist kein Herz mehr dahinter. Und dann denke ich mir, ich bin eher so zu voll als zu leer und das muss raus. Und dann mache ich dann wieder was Neues. Ich glaube, ich habe so viel Gefühl und das kanalisiert meine Gefühle oft, dieses Schreiben. Und wenn ich mich dann aber wiederhole, langweil ich mich selber und komme mir kalkuliert vor und dann bin ich nicht vom Typ. Dann denke ich mir, Geld verdienen ist wichtig, aber wenn ich mich dann so zu Tode langweile, liest man das eben auch. Und dann denke ich mir, nee, jetzt probierst du nochmal. Also so.
Vera
00:41:46
Finde ich toll, finde ich super.
Tamara
00:41:48
Fühle ich auch total. Also als jemand, der auch nicht lange dasselbe machen kann und dann für die Freiheit lieber mit über 40 eine feste Anstellung aufgegeben hat, wäre meine Rückfrage tatsächlich auch an Vera gewesen, ist es nicht noch mutiger, an was dran zu bleiben, wenn man schon ahnt, dass man danach keinen Bock mehr drauf hat.
Vera
00:42:10
Nee, das ist nicht mutig. Das ist überhaupt nicht mutig. Nee, also da würde man sich ja, Da fällt mir das richtige Adjektiv jetzt nicht ein, aber irgendwas nicht zu verändern, ist nicht mutig. Das ist ja einfach dranblendet.
Tamara
00:42:25
Naja, du riskierst halt, dass das, was dir Freude gemacht hat, dann dir keine Freude mehr macht. Also das finde ich fast den mutigeren Schritt, als zu sagen, ich folge jetzt meinem Herzen.
Vera
00:42:35
Ja, aber das ist genauso mutig.
Tamara
00:42:36
Also nicht im positiven Sinn mutig, sondern...
Vera
00:42:38
Das wollte ich gerade sagen. Das ist etwa genauso wie mutig, sich von der Klippe zu stürzen. Das ist zwar auch mutig, aber...
Tamara
00:42:45
Das braucht auch Mut.
Vera
00:42:46
Ja, aber das ist ziemlich blöd.
Tamara
00:42:49
Ich wollte ja nur deine Frage in Frage stellen aber so eine Beobachtung, die ich noch an unsere Hörenden weitergeben muss, um Christina auch noch so ein bisschen mehr zu beschreiben, also was sie so sagt, dieses ich sprudel über und so, also ihr könnt das jetzt nicht sehen, aber, wenn sie erzählt, dann hält sie ja keine Sekunde die Hände still, und das ist gerade sehr lebendig hier drin ja.
Vera
00:43:14
Aber was ich nicht darf, Tamara schimpfte immer mit mir Du darfst das nicht.
Tamara
00:43:18
Weil du dauernd gegen deinen Mikro bollerst. Wer das im Griff hat, darf auch gestikulieren.
Vera
00:43:23
Okay. Ich muss aber jetzt doch nochmal fragen, du hast ja vorhin auch gesagt, du hast jetzt ein Schulgeschäft. Wie war denn dann der Beginn? Gehabt. Gehabt. Drei Monate. Gehabt, ja. Wie war denn dann so der Einstieg? Wie lange hat es gedauert, bis du gesagt hast, so, ich bin jetzt da und jetzt kann ich davon leben?
Kristina Magdalena
00:43:45
Ja, also das war an der Filmhochschule. Ich habe auch ewig studiert und auch Fernsehpublizistik und Dokumentarfilm tatsächlich. Also ich komme eher gar nicht vom Drehbuch direkt, sondern mehr so von der Menschennähe, wo ich auch sage, das ist immer noch, was mich am meisten interessiert, ist dann so der Mensch mit seinen Höhen und Tiefen. Und so, das ist immer mein Ausgangspunkt, bei jeder Geschichte ist immer so die Figur. Und dann habe ich mich an der Drehbuchwerkstatt beworben, dann nach dem Studium. Und dann habe ich ein Stipendium bekommen und man musste eigentlich drei Sachen da einreichen, also drei verschiedene Geschichten, eine lange, eine mittellange, eine kurze. Und ich hatte mit der Lea damals, weil ich eigentlich einen Debütfilm machen wollte als Regisseurin, und das war so der typische Filmhochschulstoff. Das hieß Der rechte Winkel, es ging um einen Selbstmörder, der aber nicht gelingt, der Selbstmord. Und dann kriegt man so vier Episoden, die sie leben von diesem einen Menschen erzählt. Also völlig verkopft, düster und das Gegenteil von Ostwind so ungefähr. Und dann haben die Lea und ich gesagt, ey komm, wir müssen uns das Gegenteil ausdenken, weil sonst landen wir in so einer deprimierten Stimmung jeden Tag. Und dann sind wir spazieren gegangen und haben uns eben ein Mädchen ausgedacht, die sich in Typen verliebt, in so einen Superstar. Also auch eigentlich so eine ascharische Geschichte und der Superstar, sie weiß aber nicht, dass es ein Superstar ist, weil sie weg war. Und diese Geschichte habe ich dann, habe ich die Lea gefragt, ob ich die auf einem Papier zusammenschreiben kann. Und damit habe ich mich dann an der Drehbuchwerkstatt beworben. Die Drehbuchwerkstatt hat dann eine andere Geschichte genommen zum Entwickeln. Aber eine Freundin von mir hat diese Sachen gelesen, hat zu mir gesagt, darf ich diese eine Seite mal einer Produktionsfirma zeigen? Und dann habe ich gesagt, ja klar, mach halt. Und dann hat eben die Sam-Filme, die auch Ostwind produziert haben und mit denen wir echt sehr lange zusammengearbeitet haben, gesagt, aufgrund von einer Seite haben die gesagt, sofort Drehbuchvertrag. Das war halt genial, weil dann habe ich zu Lea gesagt, ey Lea, komm, du musst mit. Und dann sind wir so dieses Team geworden und dann kam eins zum anderen. Und dann war dieser Film, Krupis bleiben nicht zum Frühstück. Also das ist ja auch ein Film, der ist 2011 oder 2012, der läuft aber auch immer noch, weil er auch so ein zeitloser Klassiker geworden ist. Das ist genau diese, Anna Fischer verliebt sich in Kostja Uhlmann und war in Amerika, kommt zurück und er ist der super Teenie-Star und sie checkt es aber nicht. Und der hatte auch eine Million Zuschauer. Und das war dann mein erster, das war sozusagen der Durchbruch. Und danach kamen dann, also da kamen die Ostwind-Sachen und so. Aber ich muss auch sagen, wir hatten auch zwischendurch mal eine Romanadaption gemacht, die wurde nicht verfilmt. Das ist nicht so, dass man eins nach dem anderen geschrieben hatte und dann ging das immer nur so weiter, sondern dann kam irgendwann Ostwind und dann eben waren das vier Fassungen und dann kam plötzlich Katja von Garnier dazu. Und dann hat das alles so eine Dynamik angenommen. Und ich glaube aber auch, weil in dieser, also die Produzentin war sehr gut befreundet mit der Regisseurin, die Lea und ich, dann die Komponistin war eine gute Freundin von mir, ich glaube halt auch an so Symbiosen. Ja, ich glaube, das ist eben, das manchmal braucht, gerade bei so einer Freundschaftsgeschichte, weil Ostwind ist auch ganz viel Freundschaft, war die Substanzfreundschaft. Und das spürt dann auch der Endverbraucher vom Fernseher.
Vera
00:47:08
Glaube ich.
Kristina Magdalena
00:47:09
Es kommt halt alles an. Weil ich finde die Anfänge immer interessant, egal wie eine Beziehung anfängt. Das spiegelt sich oft in der ganzen Beziehung wieder. Und das war bei Ostwind eben dieses Phänomen, dass da ganz viel Freundschaft im Spiel war, würde ich sagen.
Tamara
00:47:26
Ja, ich finde auch so schön, du hast auf deiner Website eine Unterseite, wo es darum geht, dass eben gerade Frauen einander eigentlich unterstützen sollten, anstatt sich zurückzuhalten. Ist das auch so ein Ding, was dich in deinem Werdegang deiner Karriere begleitet hat? Oder hast du das erst für dich rausfinden müssen? Weil wir sind ja alle sehr geprägt vom Patriarchat.
Kristina Magdalena
00:47:49
Ja, interessanterweise habe ich so im Nachhinein denke ich mir, ja krass, ich war schon immer so ein bisschen so drauf, auch wenn es mir gar nicht so bewusst war. Aber ich habe auch zwei Schwestern. Ja, also ich bin auch so das Mitte Kind und ich bin auch mit zwei Schwestern groß geworden, mit einer starken Mutter, auch mit einem starken Vater. Aber ich komme schon aus so einer Frauenwelt, glaube ich eher. Und dass man auch so aus einem ganz kleinen Dorf und so, dass man sich anders definiert als jetzt da über Schönheit und so. Das war gar kein Thema so bei uns deshalb. Aber ich habe dann auch, also ich weiß, damals an der Filmhochschule war ich zum Bewerbungsgespräch und ich war in Australien ein Jahr und hatte da so ein Work and Travel Jahr. Und dann hatte ich da so eine grüne, knallgrüne Hose an und hatte noch so Rast was in den Haaren. Und da war er mit 19 und dann habe ich da gestanden und da haben sieben Männer gesessen und eine Frau. Und die war die Sekretärin. Und das hat mich damals schon gestört, mit 19. Dann habe ich nur gedacht, wie kann das sein, dass ich jetzt so vor sieben, acht älteren Herren vortanzen muss. Und die einzige Frau, die hier sitzt, ist die, die mitschreibt. Und dann haben die mich auch gefragt, ja, was machen sie denn, wenn sie nicht hier genommen werden an der Filmhochschule? Und dann habe ich gesagt, gehe ich auf die Clown-Schule nach Paris. Und dann habe ich auch so, also ich hatte immer schon so einen rebellischen Geist, aber so einen besunden Trotz, würde ich sagen. Und das ist auch so ein Markenzeichen von oft diesen Mädchenfiguren.
Vera
00:49:16
Ja, genau.
Kristina Magdalena
00:49:17
Ich weiß, auch damals haben sie gesagt, ja, ich do ich. Dann denke ich mir so, naja, wenn man ein Mann wäre, würde man sagen, eigensinnig, ja. Also da achte ich schon sehr drauf, dass Frauen oder sind dann zickig und Männer sind aber irgendwie so, die willens stark, ja.
Tamara
00:49:33
Zielgerichtet.
Kristina Magdalena
00:49:34
Ja, und das so aufzuheben, empfinde ich schon als so meine Mission so ein bisschen, dass man da so ein bisschen so ein, Gleichgewicht schafft oder zumindest so eine Sensibilität auch wieder, ja, weil man merkt das selber gar nicht so oft.
Tamara
00:49:51
Hier stellt ihr kurz Szenen Applaus vor.
Kristina Magdalena
00:49:55
Witzig.
Vera
00:49:57
Wenn du jetzt so deinen Werdegang schilderst, du hast ja gerade geschildert, wie das so angefangen ist, das klingt so. Hast du in dieser Zeit auch mal schwere Krisen gehabt?
Kristina Magdalena
00:50:05
Ja, na klar. Also ich würde immer sagen, ich hatte ein Jahr, wo dann echt ein hartes Jahr war, wirklich, würde ich sagen, auch mit Anwälten und so, ja, wo man plötzlich in so Mühlen reingerät, wo du dir denkst, alter Schwede, kommst du da halt wieder raus, ja. Im Nachhinein weiß ja jeder, jede Krise ist wichtig für die Entwicklung, weil ohne Krise entwickelt man sich ja oft auch nicht. Und auch Zweifel. Jedes Mal, wenn ich anfange, sitze ich vor der weißen Seite mit einem Projekt und denke mir so, kann ich das überhaupt? Also das stelle ich auch, also apropos gesundes Selbstwertgefühl, ja, das ist auch etwas, das hat lange gebraucht und ich bin immer wieder auch in so einer unsicheren Phase, wo ich mir denke, ah ja, und so, also deshalb und ja, und ich hatte auf jeden Fall einen Jahr, würde ich sagen, wo ich wirklich so eine Krise hatte, wo auch alles so sehr ernst war und wo das auch so über mich hinausgewachsen ist, ja. Und dann muss man das erstmal alles wieder so sortieren und auch wieder so Prioritäten, was ist wesentlich im Leben und so. Also ich bin ja sehr spät noch Mutter geworden, also ich habe mit drei und vier ein Kind bekommen und jetzt ist sie fünf. Und das erdet mich schon sehr, jetzt auch Mutter zu sein und auch noch mich mit anderen Sachen zu identifizieren, als jetzt nur mit dieser einen Welt.
Vera
00:51:31
Ja, aber wenn wir jetzt mal so ein bisschen weiterschauen, jetzt gerade so Drehbuchschreiben und so, da ist er jetzt gerade sehr unter Druck mit KI und mit der Entwicklung. Wie siehst du denn da jetzt so deine Zukunft?
Kristina Magdalena
00:51:49
Ich weiß gar nicht, ob das Hoffnung ist. Ich habe so einen ganz tiefen Glauben an gute Geschichten. Und ich glaube da immer noch dran. Und wenn das nochmal Pipi Langstrumpf in einer anderen Form wird. Also ich bin total optimistisch. Aber ich muss auch sagen, ich bin etwas eskapistisch unterwegs. Also etwas kann man weglassen. Ich bin eigentlich völlig eskapistisch unterwegs. Ich setze mich dem ganz wenig aus. Also ich google vielleicht Synonyme. Ich mache keinmal, frage ich die KI irgendwas, weil ich das völlig ausblende aus meiner Arbeit. Aber generell. Und ich weiß, das ist da und man muss es ernst nehmen und viele sagen, ist eine gute Assistentin oder gute Assistent und so. Aber bisher habe ich dieses Thema völlig ferngehalten von mir. Und habe jetzt aber auch beim Drehbuchschreiben auch so Erfahrungen gemacht, wo dann plötzlich so also Pitch heißt das dann immer, wenn man diese Geschichte so zusammenfassen muss, ja, gell? Und dann haben die mir so das rausgeschrieben, ich habe gedacht, krass, wie haben die jetzt so zehn Sachen, so schnell? Und dann denke ich mir auch erst, oh Mann, ey, das müssen die auch sagen, das ist mit KI, damit ich das weiß, weil das kann ich das gar nicht mehr einschätzen, weil man zweifelt ja da an seiner Kompetenz hoch und so. Also deshalb, ich finde so, den guten Assistenten, die gute Assistentin finde ich schöne Begrifflichkeiten so, aber ich selber halte es komplett fern. und mir so, ja, wie soll ich das sagen, so eine Natürlichkeit, glaube ich, zu bewahren noch so. Und ich weiß, man muss das ernst nehmen. Aber ich habe es bisher noch ausgeblendet. Und auch wenn dann meine Agentur so ein KI-Dings mit allen und dann bin ich da nicht dabei.
Vera
00:53:23
Aber muss man da nicht, ich meine, so die Synchronsprecher haben ja zum Beispiel jetzt aktuell das Problem, dass in Verträgen mit Netflix dann schon drinsteht, dass die Stimme für KI verwendet werden darf. Und so, wirst du nicht auch da von den Produktionsfirmen in diese Richtung jetzt schon konfrontiert oder ist das noch alles ganz es ist noch ein bisschen weiter weg.
Kristina Magdalena
00:53:44
Also ich habe jetzt zumindest in meinen Romanverträgen habe ich drin, dass ich das nicht benutzen darf.
Vera
00:53:49
Dieses Tool das ist klar.
Kristina Magdalena
00:53:51
Ja das ist klar ich wusste es jetzt gar nicht, weil es gab auch ein Buch, was dann mit KI so ein bisschen nachgeneriert wurde und dann, wurde es auch von der Lektur und es war plötzlich auch richtig gut. Also so. Und beim Drehbuch habe ich, muss ich mal gucken, das ist aber noch nicht so präsent. Also da habe ich keine Klauseln drin stehen gehabt jetzt auch und der Vertrag war von diesem Jahr.
Tamara
00:54:17
Dann würde ich ganz gerne mal noch zum Schreibhandwerk schwenken. Als du dann quasi aus dem Drehbuch kommend diesen Roman geschrieben hast, hast du dich irgendwie nochmal damit beschäftigt? Wie funktioniert jetzt Schreiben für Romane, hast du da für dich irgendwie Unterschiede rausgefunden oder was für einen Blick hast du da drauf?
Kristina Magdalena
00:54:38
Also ich bin super intuitiver Typ. Also ich bin jemand, der holt sich keine Bücher und liest irgendwas, sondern ich, nein, also ich habe da, würde ich sagen, kein Tool oder so. Ich setze mich dann eher dahin. Ich habe dann meine Figur und dann fühle ich da eher so hin, wie die so ist, wo die so herkommt. Und dann entwickle ich es so ein bisschen. Aber beim Drehbuch genauso, ja. Also da ist kein Unterschied eigentlich für mich. Beim Jugend und Kinder, da bin ich halt in einer anderen Sprache so drin. Weil das eben nicht so Dialoge und dann Action-Text, sondern da bin ich halt so im Flow. Oder jetzt habe ich zum ersten Mal aus der Ich-Perspektive geschrieben. Ich recherchiere wahnsinnig wenig. Das ist halt auch Typsache. Also die Lea ist jemand, die hat immer viel recherchiert oder so. Und der eine kommt mehr von dem Wissen und der andere kommt vom Gefühl. Und dadurch, dass ich so viel fühle, fühle ich das dann manchmal so. Und danach denke ich mir so, hä, wie hast du das denn jetzt geschrieben? Aber ich bin dann so da in dem Moment. Aber jetzt, das klingt so abgespaced, weil das nicht ist. Das ist eher so harte Arbeit, weil ich mich dafür oft isolieren muss. Ich schräg dann ganz wenig an dem Tag. Ich bin wie so eine Maschine. Das findet alles in so einem großen Innenleben statt. Und in einem wahnsinnig langweiligen Außenheben. Ja, also da von außen denkt man so wie so ein Roboter. Aber drinnen bin ich dann so da und dann ist das Buch auch fertig und dann dann denke ich mir danach so, hä, weiß ich gar nicht mehr, wie ich jetzt da drauf gekommen bin. Das passiert dann eher so aus dem Gefühl bei mir.
Tamara
00:56:07
Wie man manchmal auch nicht weiß, wie man so eine Strecke gefahren ist, die man auch fährt. Genau, total.
Kristina Magdalena
00:56:13
Ja, und das ist so ein Zugang zu einer Intuition zu haben. Oder auch so, das ist, glaube ich, das, was man sich so, was man den Luxus hat, sich so bewahren zu können. Und dass man da immer wieder hinkommt, ja. Weil da kommt so viel Kraft raus. Ja, für alles, für jede Entscheidung, die man trifft. Und manchmal ist die auch verschüttet. Ja, das klingt jetzt wieder so, die ist so abgehoben. Aber das ist auch eben harte Arbeit. Also ich bin ganz wenig unterwegs. Ich rede sehr wenig darüber, was ich mache eigentlich zum Beispiel. Oder was ich gerade schreibe. Oder generell. Oder auch abends nochmal so rausgehen. Ich bin ein ganz hohes Leben, würde ich sagen.
Vera
00:56:55
Okay.
Tamara
00:56:56
Wir sind mir ja froh, dass du heute bei uns bist.
Kristina Magdalena
00:56:58
Ja, ich habe das so oft gemacht. Muss ich ganz ehrlich sagen. Also ich bin dann immer so, habe meine Geschichten und meinen Alltag. Aber ich bin wenig im Außen unterwegs. Also ich glaube, es ist jetzt auch das erste Mal, dass ich so was mache wie jetzt mit euch.
Vera
00:57:11
Ja, aber das machst du super. Und jetzt sehr still und ruhig hast du jetzt auch auf mich nicht gewirkt.
Tamara
00:57:18
Die ganzen letzten Jahre muss ich jetzt raus. Aber da würde ich gerne jetzt mal noch eine Frage stellen, die, glaube ich, immer wieder aufkommt. Und wo du vielleicht durch diesen zweiseitigen Blick mal was zu sagen kannst. Man sagt ja so oft, das Buch war besser. Oder viele Leute ärgern sich dann, wenn ein Buch verfilmt wird, dass der Film ganz anders war, dass Figuren plötzlich anders heißen oder zusammengelegt werden oder so. Kannst du da mal ein paar Sätze zu sagen? Weil das hat ja sicher alles einen Grund.
Kristina Magdalena
00:57:52
Ja, also, wenn man so, also ich habe mal, als Drehbuchautorin ist man dann auch am Set gewesen zum Beispiel, ja, und ich habe so diesen Satz aus Adaption aus diesem Film im Kopf gehabt, es gibt nichts Überflüssigeres als ein Drehbuchautor am Filmset, weil, ähm, weil es ist schrecklich, ja, man weiß alles besser und keiner kennt dich, ja, und dann kommt der Kameraassistent noch und sagt, ey, kannst du ein bisschen aus dem Weg gehen? und du denkst dir so, was? Hier, ich?
Tamara
00:58:21
Das habe ich erschaffen.
Kristina Magdalena
00:58:23
Ja, und das ist aber, also ich sage immer, es ist doch gut, so dein Ego ein bisschen loszulassen. Es ist voll die gute Schule, dass man auch nicht immer so in diesem Ego ist, sondern sich auch zurücknimmt. Und dann denkst du, ja, ey, jetzt machen du, also man lernt loszulassen, wenn man so auf der anderen Seite ist. Und wenn man immer, wenn man so verhärtet und sagt, ja, das muss dann aber so und so, dann ist man im falschen Job. Ja, dann muss man echt rüberlassen und sagen, vertrauen, sie machen das jetzt, sie kennen sich aus, ob sie es genauso machen. Also selbst ein Glas Wasser stellt sich jeder anders vor.
Tamara
00:58:56
Und dann denke ich mir so.
Kristina Magdalena
00:58:57
Wie ist das dann erst bei einer Figur, bei einer Geschichte, bei einem Setting? Und man lernt loszulassen. Man lernt dann auch zu sagen, nee, ich bin jetzt raus und was Interessantes ist aber schon die Kraft der Bilder, weil wenn es dann plötzlich ein Film ist und dann sitzen die Lea und ich da im ersten Ostwind, und dann sehen wir den und haben einen Schock, weiß ich noch bis heute, haben wir gesagt, Scheiße, also wirklich. Und dann kommst du aber nicht mehr zurück zu deiner eigenen Vorstellung. Dann guckst du den nochmal und dann ist die Mika die Mika, wie sie jetzt in dem Film besetzt ist. Und du kommst gar nicht mehr zurück zu der Figur, die du im Kopf hattest, weil die Bilder so stark sind und so gewaltig. Und dann ist das aber immer und dann macht man so das Nächste. Und ich finde immer gut, dann was Neues zu machen, dass man nicht so verhärtet oder so festhält, weil das, Ein Film ist so, es sind so viele Menschen, die da alle dran teilnehmen und ich finde, das ist ein ganz anderes Produkt als ein Buch. Und ich finde, beim guten Buch, da spürt man ja auch immer so den Geist des Autors oder der Autorin. Und da kann man so in diesen Geist so einsteigen manchmal. Und wenn das dann so ein schöner Geist ist, dann denkt man sich so, ja krass, irgendwie interessant, wo man sich dann so selber mithin bewegen kann. Und beim Film ist es dann doch mehr so auch die Unterhaltung, finde ich, dass man so auch lacht und unterhalten ist unter anderem und trotzdem auch fühlt. Aber es sind wirklich so, und jetzt Buch und Film. Müssen auch zwei andere Werke sein. Das gibt es ja gar nicht. Und ob das dann eigentlich schmeckt oder nicht, ist nochmal so was ganz Eigenes, glaube ich.
Tamara
01:00:35
Also würdest du sagen, wenn man ein Buch geliebt hat und dann sich den Film anschaut, man muss auch als Leserin da quasi einfach mehr loslassen, offener sein.
Kristina Magdalena
01:00:45
Total. Und auch so würde ich sagen, so gesunde Flexibilität mitbringen. Und auch nicht immer alles vergleichen. Und man muss sich aber auch damit, glaube ich, auseinandersetzen, bis das Buch, was man gelesen hat und die eigenen Vorstellungen dann weg sind. Und dann kann man sich fragen, geht man überhaupt in den Film? Oder bleibe ich lieber in dieser Welt, die ich für mich gelesen habe? Weil die Bilder so stark sind, dass die eigene Vorstellungskraft danach oft weg ist. So habe ich das oft erlebt. Und dann denke ich mir auch ganz gut, jetzt auch mit Momo zum Beispiel, wo der wieder verfilmt. Und dann hat man ja dieses Buch und den Film und dann denke ich mir so, will ich mir den jetzt angucken? Der läuft gerade auf Netflix. Ist dann meine Momo weg? So, und das muss man sich so ein bisschen überlegen, weil das überschreibt das dann so.
Vera
01:01:30
Ja, kann ich mir gut vorstellen. Das heißt aber dann, als du dann Ostwind 2 geschrieben hast, hattest du quasi ein anderes Bild von den Figuren als noch vor dem ersten.
Kristina Magdalena
01:01:40
Absolut. Und die hieß auch anders bei uns damals, also die hieß Rieke, hieß die, und dann ganz am Ende hat eigentlich der Verleih gesagt, wir nennen sie Mika, und dann haben wir gesagt, ja, dann nennen wir sie Mika, also aber so, man hatte auch einen anderen Namen sogar noch bis zuletzt, ja, Und dann hat man aber dieses Personal und das war schon auch immer das Personal, aber die Bilder sind dann ganz klar, das ist Hanna Binke, das ist diese rothaarige Schauspielerin und dann schreibt man den zweiten Teil auch wirklich, mit diesen Leuten auf sie drauf. Und auch mit dem Ort, ja, den haben wir ja gut beschrieben, aber dann hast du die Bilder noch konkreter drauf, so irgendwie.
Tamara
01:02:15
Ja, ja, ja.
Vera
01:02:16
Ja, das ist super. Und wir kommen jetzt zu sehr konkreten Bildern, weil du musst dich jetzt noch den total konkreten und superkritischen Buch-Bubble-Fragen von Tamara stellen.
Tamara
01:02:27
Jawohl. Die erste Frage, liebe Christina. Welches Buch hat dich als Leserin denn zuletzt im allerbesten Sinne überrascht?
Kristina Magdalena
01:02:35
Interessante Frage. Ich würde sagen, ich habe jetzt ein Buch gelesen gehabt. Also ich lese generell oft, gerade wenn ich in so Schreibprozessen bin, weniger, weil ich immer auch Angst habe, dann Sachen zu kopieren. Deshalb habe ich da so eine Ehrfurcht. Und jetzt habe ich dieses Buch von dem Eduard Louis gelesen. Der Absturz heißt das. Und da geht es darum, dass der eigentlich so darüber schreibt, dass er keine Gefühle hat zu dem plötzlichen Tod seines Bruders. Und ich habe damit angefangen und habe gedacht, boah, das ist mir zu hart, weil der so völlig gefühlslos ist. Und dann habe ich mit jemandem darüber gesprochen und er hat gemeint, nee, lese weiter. Und dann habe ich weitergelesen und dann habe ich so gemerkt, Das ist eigentlich so eine totale Annäherung an diesen Bruder. Also es ist wie eine Liebeserklärung fast gewesen. Und das war gar nicht mehr hart. Das ist einfach super realistisch, weil das ja auch alles authentisch ist in diesem Buch. Und das habe ich mich selber überrascht. Weil ich habe dann auch von außen gesagt, lesen Sie mal weiter. Und dann habe ich gesagt, ja, okay. Und dann habe ich weitergelesen und dann habe ich wirklich gemerkt, wie viel Gefühl da drin steckt und wie viel Liebe, auch wenn es jemand war, den man nicht verstanden hat. und das fand ich toll, dass das Buch so eine Wendung nimmt.
Vera
01:03:43
Toll, ja.
Tamara
01:03:45
Cool, sehr schön. Ja, und was, wenn nicht die Absage an den ersten Ostwind-Roman war denn dein größter Fehler? Und was hast du daraus gelernt?
Kristina Magdalena
01:03:57
Witzig, ja, habe ich eben auch bei dem Fehler drüber nachgedacht. Also ich würde sagen, das ist jetzt ein bisschen pauschal und ich weiß nicht, das hat jetzt nicht so viel mit Autorin sein zu tun, aber dass immer erst die Selbstliebe kommt und dann die Liebe zu anderen. Also dass es immer erst so im Innen anfangen muss, so mit allem, auch mit der Eigenverantwortung. und dann kann man sie für andere übernehmen. Also so dieses, wie diese Weste, die da runterfällt, dass man sie sich erst selber anlegen muss im Flugzeug und dann kannst du die anderen retten. Und das ist so was ganz Generelles, weil ich wirklich, wo ich sage, das habe ich gelernt aus Fehlern, dass man jetzt gar nicht das Ego, sondern erstmal kommt so diese Selbstliebe und dann kann die Liebe auch mit anderen stattfinden, aber wenn man sie im Außen sucht, heißt das noch lange, dass man sie innen findet.
Tamara
01:04:43
Sehr schön. Und die letzte Frage. Welcher Spruch sollte deiner Meinung nach über dem Schreibtisch aller AutorInnen stehen?
Kristina Magdalena
01:04:51
Ich habe tatsächlich was über meinem Schreibtisch stehen. Es ist kein Spruch, sondern ein Wort. Also ich würde es sogar noch kürzer fassen. Und zwar dieses schöne Wort Geduld. Oh ja.
Vera
01:05:03
Ich wollte euch auch noch ein Foto schicken.
Tamara
01:05:05
Das ist mal für Vera aus.
Kristina Magdalena
01:05:08
Und ich habe ganz groß in so Buchstaben. Also ich habe in meinem Büro wirklich nur eine Wand. Da steht dieses Wort. Und ich denke mir immer nur so.
Vera
01:05:15
Ja, das ist so schrecklich. Ich hasse es.
Kristina Magdalena
01:05:22
Ich schicke euch noch ein Foto später rein, weil ich habe so ein Foto gemacht, wo ich es da hochgucke. Das entspricht vielleicht auch deinem Lebensgefühl.
Vera
01:05:29
Ja, absolut. Bin ich voll bei dir dabei. Und du hast vorhin gesagt, du hast so viel Fantasie. Ich hatte eine 5 in Deutsch wegen zu viel Fantasie.
Kristina Magdalena
01:05:40
Ja, verrückt.
Vera
01:05:41
Ja, ne? Ja, und nein.
Kristina Magdalena
01:05:44
Da fehlen einem die Worte, ja, das denke ich mir. Und dann eben so dieser Qualität zu finden für sich, ja, weil dieses System ist so stark, in das wir dann irgendwann so reingepresst werden. Also wie schön, dass du deinen Weg gefunden hast auch.
Vera
01:05:57
Ja, und schön, dass du den Weg zu uns gefunden hast und dir deine Fantasie und deine Lebenslust dir voll uns ausgesprudelt hast. Gibt es das Wort? Nee, aber egal. Es klingt jetzt, ja. Nein, das, ist immer noch ein tolles Erlebnis, dich hier zu haben. Vielen Dank dafür. Ich bin sicher, dass ihr da draußen genauso begeistert seid, wie wir es sind von Christina Magdalena. Und wer es da jetzt noch nicht hat, der wird sich jetzt wahrscheinlich doch Ostwind angucken. Ich mache es definitiv. Ansonsten wisst ihr ja, was ihr zu tun habt, uns zu folgen, wo immer es geht. Und natürlich unser Buchbubble-Bulleton abonnieren, falls ihr es immer noch nicht habt, was ich echt nicht mehr verstehen könnte. Und dann natürlich nächste Woche wieder zuzuhören. Also bleibt uns gewogen. Bis nächste Woche.
Tamara
01:06:53
Danke, ciao.
Kristina Magdalena
01:06:54
Dankeschön euch.