Die Zwei von der Talkstelle

Gespräche aus der Selfpublisher- und Buchbubble

Werden Frauen im Literaturbetrieb benachteiligt? Janet Clark über Sichtbarkeit, Auszeichnungen & Rollen

Literaturpreise und Feuilleton-Besprechungen werden überdurchschnittlich oft männlichen Autoren zuteil, und das, obwohl doch so viele Frauen schreiben. Autorin Janet Clark erklärt, warum das so ist, was die Aktion 'Frauenzählen' bewirkt hat.

18.06.2026 72 min

Zusammenfassung & Show Notes

Literaturpreise und Feuilleton-Besprechungen werden überdurchschnittlich oft männlichen Autoren zuteil, und das, obwohl doch so viele Frauen schreiben. Autorin Janet Clark erklärt, warum das so ist, was die Aktion 'Frauenzählen' bewirkt hat und welche Verantwortung wir als Schreibende tragen.
Janet Clark ist Gründungsmitglied des Netzwerks Autorenrechte und Initiatorin von 'Frauenzählen'. In dieser Folge teilt sie konkrete Studienzahlen zur Sichtbarkeit von Autorinnen bei Literaturpreisen, Rezensionen und Förderungen und zeigt, was sich in den letzten Jahren verändert hat. 
Wir sprechen über internalisierte Vorurteile, das sogenannte 'Gender Auge', mit dem wir alle aufgewachsen sind, und wie beispielsweise der Bechdel-Test Klischees im Roman aufdecken kann.
Die Situation im Selfpublishing und das Thema Diversität dürfen wir dabei ebenfalls nicht außer Acht lassen. Und so wird es schlussendlich grundsätzlich: Warum ist Schreiben immer auch Verantwortung, und was bedeutet das für uns als Autorinnen und Autoren?
Hör rein!

Gespräche über das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern, egal ob Selfpublishing oder Verlag. 


Literaturpreise und Feuilleton-Besprechungen werden überdurchschnittlich oft männlichen Autoren zuteil, und das, obwohl doch so viele Frauen schreiben. Autorin Janet Clark erklärt, warum das so ist, was die Aktion 'Frauenzählen' bewirkt hat und welche Verantwortung wir als Schreibende tragen.

Janet Clark ist Gründungsmitglied des Netzwerks Autorenrechte und Initiatorin von 'Frauenzählen'. In dieser Folge teilt sie konkrete Studienzahlen zur Sichtbarkeit von Autorinnen bei Literaturpreisen, Rezensionen und Förderungen und zeigt, was sich in den letzten Jahren verändert hat.

Wir sprechen über internalisierte Vorurteile, das sogenannte 'Gender Auge', mit dem wir alle aufgewachsen sind, und wie beispielsweise der Bechdel-Test Klischees im Roman aufdecken kann.

Die Situation im Selfpublishing und das Thema Diversität dürfen wir dabei ebenfalls nicht außer Acht lassen. Und so wird es schlussendlich grundsätzlich: Warum ist Schreiben immer auch Verantwortung, und was bedeutet das für uns als Autorinnen und Autoren?

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Photo Janet Clark: Tina Leisch

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Transkript

Vera
00:00:00
Nur 14 Prozent der Preisträger sind Frauen. Wie kann das sein, wenn doch so viele Frauen Bücher schreiben? Darüber und noch viel mehr haben wir gesprochen mit Janet Clark, die unter anderem die Aktion Frauenszenen initiiert hat.
Tamara
00:00:16
Wir haben über internalisierte Vorurteile gesprochen. Wir haben auch über andere Gruppen gesprochen, die im Literaturbetrieb oftmals übersehen werden. Self-PublisherInnen, queere Menschen, People of Color und außerdem über deine Verantwortung als Autor oder Autorin. Also hör auf jeden Fall rein. Hier ist Folge 316 von die zwei von der Talkstelle, dem Podcast übers Schreiben und Veröffentlichen im Verlag und im Self-Publishing. Mir gegenüber, wie immer, die liebe Vera Nentwig. Ich bin Tamara Leonhardt. Ja, und ich hoffe, Vera, dir geht's genauso gut wie mir gerade?
Vera
00:01:11
Mir geht's super.
Tamara
00:01:12
Hurra! Super, super.
Vera
00:01:14
Ja, dir geht's gut, das ist ja schön.
Tamara
00:01:17
Ja.
Vera
00:01:18
Was ist der Grund?
Tamara
00:01:20
Ich habe gerade eine sehr aufregende Woche. Also so könnte es eigentlich immer sein. So innerhalb von sieben Tagen. Also am Sonntag ist ja mein Interview erschienen in dem Podcast. Gestern Abend hatte ich meine zweistündige Konzertlesung. Am Freitag habe ich ein Videoshooting mit einem Künstler, der interessante Menschen der Region in kurzen Videoclips festhält und vorstellt. Und am Samstag wurde ich ganz kurzfristig noch angefragt für eine Mixed-Show, in einer Kneipe. Es kommen zwei Punkbands und eine Band musste absagen. Und ich soll jetzt stattdessen eine Band vertreten mit einem circa 40-minütigen. Konzertlesungshäppchen. Ich habe auch zweimal nachgefragt, also den Veranstalter. Ich hatte den vor einiger Zeit mal angeschrieben. Der macht öfter mal solche Konzerte und ich habe ihn angefragt, wie sieht es denn aus, machst du auch andere Kultursachen, vielleicht mal Poetry Slam oder so. Und er fand das sehr interessant, was ich mache und hat mich dann jetzt angeschrieben, ob ich da gerne einspringen möchte. Und ich habe gesagt, du weißt aber, das ist halt ruhiger und so. Aber er hat gesagt, ja, er weiß ja, was er da einkauft und würde gerne mal einen anderen Aspekt mit reinbringen und ich soll das gerne machen, wenn ich möchte. Und von daher habe ich dem zugesagt und freue mich sehr. Und das wird auch sehr professionell mit Technik alles vor Ort, in ihr Monitoring schlag mich tot. Also das ist ganz cool. Und im August habe ich eine inzwischen zugesagt Veranstaltung 20. August bei dir tatsächlich, glaube ich, einigermaßen in der Nähe und zwar in Marl.
Vera
00:03:11
Ja, das ist definitiv bei mir näher als bei dir.
Tamara
00:03:15
Liegt, glaube ich, so zwischen Münsterland und Rheinland. Genau, da gebe ich eine Konzertlesung in einer Buchhandlung.
Vera
00:03:23
Na cool.
Tamara
00:03:24
Also gerade denke ich mir, ja, so darf es weitergehen.
Vera
00:03:27
Ja, da muss man sagen. Maul ist erreichbar. Da würde ich ja dann fast bei Kuppeln gucken, wenn das passt.
Tamara
00:03:33
Ja, und gestern Abend war halt richtig cool. Es war jetzt nicht brechend voll, aber die Reihen waren besetzt. Und es war sehr emotional. Ich durfte nicht so viel hochgucken, weil sie immer zu geheult haben.
Vera
00:03:50
Oh Gott, du machst das so traurig.
Tamara
00:03:53
Es ist so schrecklich, was ich mache. Da bleibt einem nur noch das Heulen. Nein, es wurde aber auch zwischendurch geschmunzelt und gelacht. Und es waren auch Besucherinnen da, die mein Buch schon gelesen hatten und es dann nochmal live hören wollten. Das fand ich auch sehr schön und neue Gesichter, die dann auch gleich das Buch gekauft haben und im Anschluss mir online gefolgt sind. Eine kam ganz, ganz lieb zu mir und war ganz aufgelöst. Sie möchten mir von Herzen danken für den schönen Abend. Das hat mich wahnsinnig berührt. Und eine hat mich dann abends nochmal auf Insta gefunden, mir da nochmal geschrieben, sich bedankt. Also es war sehr emotional. Und ja, ich meine, klar, gerade an der Gitarre habe ich natürlich das ein oder andere in der Aufregung dann ein bisschen verkackt. Aber dann haben wir alle drüber gelacht und dann war es gut. Aber vom Lesen her hat alles geklappt. Vom Gesang her hat alles geklappt. Von der Technik her hat alles soweit geklappt. Und ja, sie waren alle sehr zufrieden und das hat mich sehr, sehr gefreut.
Vera
00:04:55
Das ist ja super, das klingt ja wirklich super. Vielleicht als kleiner Tipp oder so. Ich habe ja immer ein Gästebuch dabei, das ich auflege, wo die Leute mir nach der Veranstaltung da was reinschreiben können.
Tamara
00:05:10
Ich habe sowas tatsächlich mal angefangen. Und habe es dann aber wieder vergessen. Ja, das wäre schön gewesen tatsächlich.
Vera
00:05:18
Jetzt wo du es sagst. Ja, also ich finde sowas schön, wenn ich da, ich habe jetzt mittlerweile auch eines ja schon voll, wenn ich da so durchblätter, weil das ist immer eine sehr schöne Erinnerung.
Tamara
00:05:26
Ja, das hätte ich machen können.
Vera
00:05:29
Ja, super, das klingt ja super. Ich meine, wir haben heute aber echt, da sind wir ja sowas von im Schmuck dann.
Tamara
00:05:33
Ja, du hattest Release.
Vera
00:05:36
Ich hatte Release, genau. Frau Appeldorn und die tote Diva ist jetzt erhältlich seit letzten Freitag. Läuft auch gut an. Die ersten Rätsel sind auch schon da, die sind sehr schön. Ja, generell, du merkst es ja, wenn ich schon zweimal die Podcast-Aufzeichnungstermine zu früh hier saß und immer gemerkt habe, wieso kommt Tamara nicht.
Tamara
00:06:00
Schmeiß dich da aus dem Bett mit, wo bleibst du? Ja, genau.
Vera
00:06:05
Man hat die dann wieder verdattelt und dann stellt sich raus, ich war viel zu früh. Daran merkst du, ich bin sowas von gerade im Flow und unter Strom, wobei ich das wirklich positiv finde, weil ich momentan sprudel die Ideen nur so aus mir raus. Also klar, der Buchstab, meine Amazon-Ad-Kampagnen fangen richtig gut zu laufen. Sehr cool. In Bienehagen bin ich jetzt sogar schon profitabel. Bei Frau Appeldorn noch nicht. Da gibt es ein paar Ausreißer. Also manchmal ist es echt vermerkwürdig, über welche Wege die Leute auf die Bücher kommen. Ich habe zum Beispiel den Suchbegriff Fizek achtsam morden. Dann ist es an sich schon, und dann klickt da einer noch.
Tamara
00:07:03
Gut, achtsam Morden und dein Buch, das kriege ich noch zusammen. Aber ja, wahrscheinlich haben die Leute so im Kopf, oh, Spannung, das muss Fizek sein.
Vera
00:07:11
Ja, aber ich habe dann tatsächlich gesagt, weil das wirklich ein sehr profitabler Suchbegriff war.
Tamara
00:07:17
Ich habe gesagt, okay.
Vera
00:07:19
Aus der Lehre, dann wenn man profitable Suchbegriffe nimmt, dann macht man eine kleine Anzeigengruppe mit den dazugehörigen. Und dann habe ich halt auch den Suchbegriff Sebastian Fizek drin. Und du wirst nicht glauben, der Suchbegriff ist profitabel. Die Leute suchen Sebastian Vizek und kaufen dann Frappeldorf.
Tamara
00:07:38
Vielleicht ist das so wie Tempo für Papiertaschentuch. Vizek! Spannungsliteratur.
Vera
00:07:46
Das ist auch noch nicht so. Also so entwickelt sich super. Ich werde dieses Jahr, diesen Monat, die 100.000 gelesenen Seiten sowas von locker knacken.
Tamara
00:07:58
Mega.
Vera
00:07:59
Das ist zum ersten Mal, seit ich überhaupt schreibe, dass mir das passiert. Das finde ich jetzt wirklich ein Meilenstein. Nach der aktuellen Prognose werde ich wahrscheinlich zum Ende des Monats noch mit einem leichten Minus abschließen, was im Wesentlichen damit zusammenhängt, dass ich ja als Kleinunternehmerin auch die Kampagnenkosten, wenn man noch die Mehrwertsteuer oben draufhauen muss. Wenn die weg wäre, wäre ich sogar schon im leichten Plus. Also sieht alles danach aus, dass der Juli mein erster vollständig profitabler Monat wird. Ich meine den Umsatz vom letzten Jahr, den habe ich jetzt schon locker. Und die Prognosen, die deuten darauf hin, dass ich bei einem relativ konservativen Szenario also zumindest den Gewinn des letzten Jahres wiederhole bei einem aber viel, viel höheren Umsatz. Und die positiven Szenarien gehen davon aus, dass ich das vielleicht sogar verdoppelte oder verdreifache. Also das ist alles super, das macht mir Spaß, ich liebe es ja. Ich habe das so eingestellt, dass Amazon mir morgens um fünf die Berichte generiert. Wenn ich dann so irgendwann aufstehe, ist so das Erste, wenn ich mir den Latte Macchiato habe, dann wird das alles analysiert und dann gucke ich, wie ich liebe es. Das macht so echt Spaß. Und dann habe ich ja jetzt mein absolutes Lieblingsteil, du hast es ja schon mal kurz mitbekommen, aber nicht richtig gewürdigt, wie ich finde.
Tamara
00:09:33
Ich war noch ein bisschen verloren.
Vera
00:09:37
Ich habe jetzt meine eigene App. Es gibt jetzt eine Vera Nentwig App. Das ist so mega. und also ich will noch ein bisschen beim Rumspielen, also ich ist noch ein bisschen in Testphase, aber ich würde mal sagen, wenn die Folge Freitag erscheint, also hier die Hörerinnen und Hörer, die dürfen gerne schon mal testen, die müssen einfach vera-nentwig.de-app aufrufen, und dann erscheint das schon im Browser, also auf dem Handy am besten aufrufen, und dann bei Android erscheint oben einfach so einen Button installieren und dann hat man die App. Bei Apple muss man oft teilen und zum Homescreen hinzufügen sagen. Und dann strahle ich euch von eurem Handy Bildschirm entgegen. Und ich habe jetzt gerade gestern eingebaut, dass es jetzt auch Push-Benachrichtigungen gibt. Also da kommt dann so ein Dialog, wo man sagen kann, möchtest du das? Du kannst auch dir auch sagen, nee. Und in der App gibt es dann die Infos zu meinen Krimi-Reihen, zu jedem Buch der Krimi-Reihe. Da gibt es direkt die Kauf-Links. Du kannst dir die Buchseite angucken, du kannst die teilen. Du kannst sagen, hey, Kumpel, hier ein gutes Buch, guck dir das mal an. Und es gibt da natürlich ein paar Infos zu mir, es gibt meine aktuellen Blogartikel, es gibt die aktuelle Podcast-Folge natürlich, die kann man auch direkt in der App hören. Dann gibt es aktuelles und sowas. Und wenn man die Benachrichtigung eingeschaltet hat, kriegt man auch eine Info, wenn eine neue Podcast-Folge da ist oder wenn es einen neuen Blogartikel gibt. Ich bin jetzt noch dabei, noch weitere exklusive Inhalte reinzubauen. Es wird auch so etwas wie Charakterkarten geben, dass man halt bei den Büchern oder Reihen dann von den Hauptpersonen direkt auch ein bisschen die Figuren, sieht und die Charakter beschrieben sieht. Und dann wird es weiter noch so exklusive Inhalte geben. Das baue ich jetzt so sukzessive aus, Und wenn jetzt ein neues Buch erscheint von mir oder in Vorbestellung ist, dann kriegt man eine Nachricht. Und wenn das Buch erhältlich ist, kriegt man automatisch eine Nachricht. Das heißt, man ist dann wirklich nicht nur Zuschauer, sondern mittendrin und hat das alles direkt auf dem Handy.
Tamara
00:12:07
Okay, also weil als ich es mir angeschaut habe, fand ich es natürlich cool, dass man halt so das runterladen kann. Konnte aber noch nicht so ganz verstehen, was es eigentlich tut. Ich dachte erst mal, kann da drin die E-Books lesen. Und dann dachte ich so, ah nee, okay, ich kriege nur Infos. Kann ich doch auf der Website auch. Aber wenn du sagst, du machst da exklusive Inhalte rein, dann verstehe ich das schon besser. Das heißt, es ist im Prinzip so eine Art appförmiger Newsletter auch, wenn man so will. So eine Art VIP-Bereich.
Vera
00:12:42
Nein, weil es ist ja für alle offen, aber natürlich, ich habe mir auch ein bisschen Gedanken gemacht oder auch größer und über was ist so meine Informationsstrategie. Neben aller Begeisterung, die ich einfach auch, weil ich ja nun mal auch aus der Idee komme, dafür habe, einfach sowas mal zu machen. Es ist natürlich noch eine andere Bindung als ein monatliches E-Mail, wenn du da eigentlich immer auf dem Handy der Leute bist. Und die alle die Infos zu dir auf den Fingertipp haben. Das ist auch schneller und smoother, als jetzt irgendeine Webseite.
Tamara
00:13:17
Und du kriegst damit Leute wie mich, die E-Mails hassen.
Vera
00:13:21
Zum Beispiel. Ich habe genau da auch dran gedacht. So deine Generation, die alles übers Handy machen und dann mal eben draufklicken und dann so direkt die Übersicht haben, was sie ja so im Web ist. Da muss man halt klicken und dann muss man... Tippst du halt mal so drauf und deswegen war mir halt auch so wichtig, sowas wie die Push-Benachrichtung zu machen, wenn ich damit dann halt auch so einen interaktiven Weg habe.
Tamara
00:13:46
Ja, klar.
Vera
00:13:47
Es kommt auch noch so ein bisschen Gamification rein, also dass man auch so ein bisschen noch was entdecken kann und so und so, ne? Und wenn man drauf guckt und so. Ja, also ich gebe zu, es ist natürlich, es macht mir einfach riesigen Spaß, das zu machen. Ich finde das einfach mega cool, dass ich was ich mir so hingekriegt habe. Und dann, ich probiere es einfach aus.
Tamara
00:14:11
Also, kann ich total nachvollziehen, weil gerade die Gedanken bei mir sprudeln, was man alles machen möchte. Und ich will jetzt auch was haben.
Vera
00:14:19
Ich hatte natürlich, ich habe natürlich den Vorteil neben meiner Profession, dass ich natürlich auch eine Serverplattform habe, wo die Daten alle schon da, ich hatte alle Buchdaten schon in Datenbanken, strukturiert, abgelegt. Die musste ich nur noch abrufen. So, ne? Das ist natürlich, wenn du irgendwelche WordPress-Website hast, wo du da Texte rügelst, ist das so nicht möglich. Dann musst du erst mal was aufbauen und so. Also von daher hatte ich da schon eine bessere Startposition. Und natürlich auch ein bisschen das technische Know-how, wie ich das jetzt machen kann. Das wird jetzt nicht jeder so einfach hinkriegen. Und wenn man das für andere machen müsste, dann wäre das schon auch ein aufwendiges Projekt.
Tamara
00:15:01
Naja, klar.
Vera
00:15:03
Aber dann habe ich ja dadurch vielleicht auch einen kleinen Alleinstellungsmerkmal. Auf jeden Fall.
Tamara
00:15:08
Also den Link packe ich auf jeden Fall in die Shownotes.
Vera
00:15:11
Ja, ich bitte darum und einen auch mal den Aufruf an euch, nutzt es gerne. Wundert euch nicht, wenn jetzt die nächsten Tage da häufiger oben so ein pinker Button auftaucht, neue Versionen da aktualisieren, weil die Wattenspiele gerade noch sehr rum. Aber ich freue mich sehr über Feedback oder auch über Ideen, was ihr da gerne noch drin hättet und was ihr total praktisch fändet. Also ich hoffe, dass so ein bisschen von meiner Begeisterung dann auch auf euch rüber schnappt und dann wieder zu mir zurück. Und ansonsten reiht sich das aber ein, dass ich gerade in so einem kreativen Flow bin. Ich besprudel ständig die Ideen, was ich machen könnte. Also ich habe gerade schon ein bisschen Angst, dass ich völlig überdrehe und dann irgendwann zusammenbreche. Aber noch fühlt es sich nicht so an. Ja, in diesem Sinne kommen wir jetzt mal zu einem ruhigeres Thema, ist es ja eigentlich nicht, es ist durchaus auch ein aufregiger Thema, würde ich mal sagen. Und wir haben da aber eine sehr kompetente Gästin. Heute haben wir eine Frau da, ich weiß gar nicht, wie ich das sagen kann. Für mich ist sie die Grande Dame der mörderischen Schwestern. Weil wann immer ich da zu den mörderischen Schwestern gekommen bin, wurde mit größtem Respekt und Hochachtung irgendwann ihr Name gehaucht. Ich kenne sie vom Netzwerk Autorenrechte, bei dem sie auch Gründungsmitglied ist und, mittlerweile wirklich auch als Expertin in vielen Themen rund um Autoren- und Autorinnenrechten dort präsent ist. Sie ist natürlich eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin unter drei Psymonymen, wenn ich das richtig gesehen habe. Und bei ihr ist auch der Begriff Schriftstellerin wirklich angebracht, während ich mich ja immer nur Autorin nenne, weil ich noch sehr zurückhaltend bin. Und heute ist sie tatsächlich mal bei uns und dass das 316 Folgen gebraucht hat, Das kann ich bis heute nicht verstehen. Aber jetzt ist es soweit und ich freue mich riesig. Die Rede ist von Janet Clark. Hallo, Janet.
Janet
00:17:13
Hallo, das ist ja eine sehr, sehr freundliche Vorstellung gewesen. Vielen Dank.
Tamara
00:17:18
Hallo, schön, dass du da bist.
Vera
00:17:22
Nein, alles gut. Im Regelfall bleiben wir auch freundlich. Also wir haben dich ja heute eingeladen zu einem Thema, das vielleicht den einen oder anderen Mann im höheren Kreis erschrecken wird.
Tamara
00:17:33
Nein, echte Männer sind Feministen.
Vera
00:17:36
Ja, okay, oder so. Aber du hast ja eine Initiative ins Leben gerufen, Frauen zählen. Da geht es um die Präsenz von Frauen im Schriftstellerberuf, in dem ganzen Bereich, im Literaturbereich. Habe ich das richtig so zusammengefasst?
Janet
00:17:51
Ja, korrekt.
Vera
00:17:53
Und ich muss ja gestehen, wenn ich jetzt so schaue, wie sich die schreibenden Bubble für mich so darstellt, dann sind da eigentlich zu 80% Frauen. Wir haben auch schon Zuschriften bekommen von männlichen Hörern, die gesagt haben, könnt ihr nicht ab und zu auch mal einen Mann als Gast haben? Also ich habe jetzt keine Statistik gehabt, aber ich würde mal sagen, 80% unserer Gäste sind auch Frauen. Und dann machst du eine Aktion, damit Frauen im Literatur beliebt sichtbarer sind. Und wo ist meine?
Janet
00:18:24
Ja, die Fehlername liegt einfach darin, dass das eine ist, die Leute, die sozusagen in dem Arbeitsbereich sind, das hast du völlig richtig erkannt, das sind Frauen, und die anderen, die in der Sichtbarkeit sind im Marketing, die in der Sichtbarkeit sind bei den Preisen und in der Sichtbarkeit bei den Förderungen. Und da ist eine unfassbar große Diskrepanz, die Die verbessert sich. Also ich muss wirklich sagen, diese Aktion Frauenzellen hat eine sichtbare Verbesserung gebracht. Es ist bei Weichen noch nicht gleich und natürlich habe ich keine Evidenz dazu wissenschaftlich, dass es genau Frauenzellen war, das dazu geführt hat, aber... Wir haben anekdotische Evidenz danach bekommen von Menschen, die in der Redaktion gearbeitet haben und die gesagt haben, ups, das hat so ein Wirbel gemacht. Eure Studie, die ja auf der Buchmesse in Leipzig sehr groß auch gesprochen worden ist und die Presse gegangen ist. Also das war schon wirklich so ein kleiner Schlag in der Community und wo auch wirklich danach aktiv in Redaktionen nachgefragt wurde, Mensch, habt ihr denn auch schon eine Frau besprochen diesen Monat? Denn was unsere Studie herausgefunden hat, da ging es um Rezensionen, da ging es einfach, dass auf die Rezensionen, also auf zwei von Männern geschriebenen, rezensierten Büchern kam ein von Frauen geschriebenes, rezensiertes Buch. Und jetzt hast du mir aber schon gesagt, aber du kennst ja viel mehr Autorinnen. Und dann muss man natürlich sagen, ich finde den Fehler.
Tamara
00:20:08
Problem erkannt.
Janet
00:20:09
Problem erkannt. Und das hat sich durch alles durchgezogen. Das heißt, du hast Radio, Fernsehen und Zeitschriften. Und was wir bei Zeitungen hatten an Zahlen, hatten wir beim Radio dann an Minuten. Und da hat sich auch ausgestellt, dass von Männern geschriebene Bücher einfach auch mehr Raum bekommen haben.
Tamara
00:20:40
Ja, das ist ja dieses, wenn eine Frau ein Buch schreibt, dann ist es Frauenliteratur. Wenn ein Mann ein Buch schreibt, dann ist es Literatur. So die allgemeine Wahrnehmung.
Janet
00:20:51
Das ist sehr korrekt und sehr schade. Dieser Begriff Frauenliteratur ist von Reich-Ranitzky damals geprägt worden und hat einfach so diese Verachtung mit hineingebracht. Ja, weil warum, stellt sich ja die Frage, wenn ich mal ganz neutral als ein Alien auf die Welt schaue und da steht dann Frauenliteratur, warum sollte das ein abwertender Begriff sein? Aber tatsächlich wird es als abwertender Begriff genutzt.
Tamara
00:21:23
Nicht ernst zu nehmen.
Janet
00:21:25
Nicht ernst zu nehmen. Warum ist es nicht ernst zu nehmen, wenn eine Frau einen Roman schreibt, in dem es um Beziehungen geht? Warum ist ein Roman, der von einem Mann geschrieben ist, in dem es um Beziehungen geht, dann plötzlich wahnsinnig mit Ehrfurcht zu betrachten, weil dieser Mann diese Gefühle so wunderbar eingefangen hat. Und da haben wir eine totale Schieflage in den Markt. Und so wie du, Vera, vorhin gesagt hast, hast du das Problem so gar nicht gesehen, weil, wie fühlt man nicht, es ist auch, wie ist denn unsere Wahrnehmung? Und wir sind in einer Welt groß geworden, in der die allermeisten veröffentlichten und sichtbaren Bücher von Männern geschrieben waren. Literatur war von Männern geschrieben. Es gab ganz, ganz wenige weibliche Namen, die es in diesen Literaturhimmel hineingeschafft haben. Und deswegen ist es für uns dann völlig normal, dass wenn da auch ein Ungleichgewicht zugunsten der Männern besteht, dass wir das gar nicht so wahrnehmen, weil es unsere gefühlte Normalität ist.
Vera
00:22:37
Aber jetzt, ich habe da noch ein paar Fragen zu, aber bevor ich da noch ein bisschen eintauche, würde mich jetzt ein bisschen interessieren, könntest du das ein bisschen mal konkretisieren, wie die Zahlen sind und wie sich das wirklich manifestiert?
Janet
00:22:50
Ja. Ich rede jetzt von Zahlen, die ein paar Jahre alt sind und die Zahlen haben sich nicht alle, aber manche ein bisschen zugunsten der Frauen geändert.
Tamara
00:23:00
Ganz kurz, was heißt ein Paar ungefähr?
Janet
00:23:02
Ja, das war 2018.
Vera
00:23:05
Okay.
Janet
00:23:07
Gehen wir einfach mal rein, zum Beispiel, wir sind alle, also du und ich, wir sind beide bei den mörderischen Schwestern, das heißt, wir schreiben Spannungsliteratur. Also Spannungsliteratur war so, da hatten wir ein Gefälle von 80% männlich rezensierte Bücher, wenn ein Mann rezensiert hat. Das heißt, wenn ein Mann Rezensionen geschrieben hat, und das ist natürlich auch in vielen Feuilletons der Fall, dann wurde in 80, sogar über 80% der Fälle, von einem Mann geschriebenen Buch gegriffen. Wenn, man hat auch gesehen, wenn eine Frau ein Buch rezensiert hat, dann war es einigermaßen ausgeglichen. Und das lässt sich zurückführen auf ein Phänomen, das die Melanie Griffiths, als Gender-Auge verfolgt. Das ist eine Britin, als Genderauge benannt hat. Und das beschreibt, dass wenn ein Mann ein Buch rezensiert, also die hat es, mit Preisen, nicht mit Rezensionen, sondern mit einer Studie zu Preisen damals gefestigt, dann kann er sich mit dem männlichen Protagonisten identifizieren, hat aber große Schwierigkeiten, sich mit einer weiblichen Protagonistin zu identifizieren. Frauen dagegen können sowohl in die männliche als auch in die weibliche Rolle hineinschlüpfen. Und das ist auch sehr klar nachvollziehbar. Überleg dir einfach mal, wir Mädchen als Mädchen, wie wir gesozialisiert werden. In der Schule fängt es schon an. Fast alle, also neun von zehn Büchern, die in der Schule gelesen sind, sind von einem männlichen Autor. Alles, was Klassiker sind, schon mal sowieso, weil niemand sich die Mühe macht, mal zu sehen, Mensch, gab es denn damals auch schon Frauen, die Bücher geschrieben haben? Große Überraschung, ja, gab es. Aber sie sind nicht auf dieser gesetzten Liste von Empfehlungen. Da müsste man mal ein Schrittchen rausgehen. Es gibt es und es gibt ganz viel Forschung dazu und es gibt wahnsinnig tolle Bücher, die von Frauen geschrieben sind, die es aber nicht in diesen Kanon hineingeschafft haben, was auch wieder mit Macht und Geld zu tun haben hat, denn bevor es eine Nationalbibliothek gab, in der alles archiviert wurde, war die Archivierung von Texten mit Geld verbunden. Und die hatten Frauen halt einfach auch damals nicht. Also unsere Sozialisierung ist, dass wir von Anfang an damit aufwachsen, dass wir in der Schule Bücher lesen, die von Männern geschrieben werden, mit männlichen, Protagonisten meistens. Nehmen wir Krabat zum Beispiel. Also in Bayern jedenfalls kommt, glaube ich, kein Schulkind Krabat aus. Und ich sage jetzt nicht, ich mache überhaupt keine Wertung von Krabat. Ist in seiner Zeit geschrieben worden. aber wir haben ein Mädchen in dem Buch. Eins. Und welche Rolle hat das Mädchen? Und dann muss man sich überlegen, so super, vielen Dank auch.
Vera
00:26:16
Ja, klar.
Janet
00:26:17
Ja, wir schauen uns mal die Märchen an, mit denen wir aufwachsen und schauen uns mal an, was für Rollen wir da haben. Und wir schauen uns einfach mal an, dass von Mädchen von klein auf immer verlangt wird, sich auch in den anderen hinein zu versetzen. Empathie zu zeigen, Mitleid zu haben, dafür musst du doch Verständnis haben, kommt, ist doch nicht schlimm, wenn du jetzt zurücksteigst, ach komm, du bist doch eine Nette. Und von den Jungs nicht. Und jetzt sind sie erwachsen, haben ihre gesamte Schulzeit gelernt, dass Literatur ja nur von Männern ist, dass Wissenschaftler ja nur Männer sind und so weiter und so fort. Das ist in unserem Curriculum einfach so festgelegt. Und dann sollen sie plötzlich sagen, und jetzt finde ich alles, was von Frauen geschrieben ist, bewerte ich genau mit dem gleichen Sensus. Den habe ich nicht. Der ist nicht da. Das heißt, ich muss in der Schule anfangen. Deswegen habe ich ja auch ein Projekt, das ich seit Jahren machen möchte, aber es fehlt mir die Zeit, und die Förderung ist ja dazu, wo ich wirklich in diesen Schulbuch kann und hineinschauen möchte.
Vera
00:27:22
Ja, das macht auf jeden Fall Sinn, nach früh anzufangen. Wobei, mir fällt es gerade so, die geschehenensten ein, um die Buchpreisverleihung vor zwei Jahren, wo die Martina Hefner ja den Preis bekommen hat und der unterlegen Autor ja so eine Show gemacht hat. Martina war ja auch bei uns im Podcast und ist da sehr bewundernswert gelassen und umgegangen. Und da ist mir aufgefallen, dass ja, also so ein bisschen mein Empfinden, dass Männer schon eher so ein Geltungsbedürfnis haben. Und Frauen gerne dann sagen, ja, dann lass ihn halt. Und gerade, du sprichst ja so Themen ein, wie Bewertungen im Folleton und Preise. Das sind ja immer Dinge, wo man auch ein bisschen nach vorne gestellt wird. Also müssten Frauen da mehr verlangen oder vielleicht auch mehr Ehrgeiz in diese Richtung zeigen?
Janet
00:28:20
Ja, auf jeden Fall. Nur ich kann so viel Ehrgeiz haben, wie ich will, wenn ich eine Jury vor mir habe, die vorwiegend mit Männern bestückt ist, habe ich eh sehr wenig Chancen. Weil diese Gender-Auge-Studie hat eben gezeigt, also Männer, die bewerten von Mann geschrieben mit männlichen Protagonisten, kommt am besten weg, also statistisch. Von Frau geschrieben mit männlichen Protagonisten, zweiter Platz. Von Mann geschrieben weiblicher Protagonist im dritter Platz. Und von Frau mit weiblicher Protagonistin, die kann mal sich einen anderen Beiß suchen gehen.
Tamara
00:28:57
Okay, krass.
Janet
00:28:59
Das heißt, selbst wenn wir hingehen und sagen, wir besetzen die Juries paritätisch, habe ich immer noch einen Teil der Jury, die ohne Beiß auf Männer und Frauen sich in beides einfügen kann. Ich sage nicht, dass jemand hingeht und sagt, ich mag nur Männerbücher. Das würde ich niemals machen. Unbewusst haben wir einfach etwas, damit kann ich was anfangen, da komme ich rein, das packt mich, das verstehe ich. Oder das ist mir fremd, das bleibt mir fremd. Das ist unbewusst. Das heißt aber in der logischen Folgerung, dass ich selbst bei einer paritätischen Jury immer noch ein Ungleichgewicht habe. Und das heißt, entweder ich gehe davor auf die Juries zu und mache sie einfach mal darauf aufmerksam, dass hier so eine unbewusste Steuerung da ist und dass man versuchen sollte, was auszublenden. Ich weiß nicht, ob das geht, ehrlich gesagt. Aber wenn man in dem Moment, wo man ein Bewusstsein für etwas hat, verändert das sein eigenes Bewusstsein und fängt an, das Problem zu lösen. Wenn du das Bewusstsein nicht hast, dann wirst du ein Problem auch nicht lösen können. Und dieses Bewusstsein wird natürlich gerade auch nicht geschaffen. Wer geht denn zu einer Jury und sagt übrigens, Jungs, Männer, pass mal auf. Macht mal beide Augen auf. Please. Macht ja niemand.
Vera
00:30:22
Also nach deiner Statistik und nach den Ergebnissen wäre es ja eigentlich sinnvoll, die Juries nur noch bei den weiblichen zu besetzen.
Janet
00:30:28
Wäre interessant und sinnvoll. Und wahrscheinlich würde man, zu einem ziemlich paritätischen Ergebnis kommen. Ich gebe dir mal ein paar Sachen. Also ich habe hier so Preise. Gehen wir mal zu Preisen. Georg Büchner Preis bis inklusive 2018. 14 Prozent von Frauen haben den Georg Büchner Preis bekommen.
Tamara
00:30:50
Wow.
Janet
00:30:52
1999 bis 2018 waren es 25% der Frauen. Das heißt, ich habe das mal so ausgeregt so gesagt, dass ich auch schon zeige, da hat sich da auch schon ein bisschen was verändert. Und ab 2019 bis 25 42% der Frauen. Das ist das, wo ich gesagt habe, dass diese Spute im Bewusstsein der Menschen was verändert hat. Ob das sich beibehält, das ist die Frage, ob man da immer dranbleiben muss oder ob es wieder einschlägt. Geh mal zur Literatur Nobelpreis, 1901 bis 2018, 9% der Frauen. Ich meine, das kann mir keiner erzählen, dass 91% der Männer besser schreiben. Ne, bei immer. 87 bis 18, 29% der Frauen, 19 bis 25, 42% der Frauen.
Tamara
00:31:41
Cool, mega.
Janet
00:31:42
Deutscher Buchpreis, das ist jetzt sehr schön, 2005 bis 2018, 50% der Frauen und hier großes Trommelwirbel 19 bis 25, 77 Prozent Frauen. Deutscher Krimi-Preis Jetzt ziehen wir uns alle eine Schamdecke über den Kopf.
Tamara
00:32:03
Jetzt wird es spannend.
Janet
00:32:05
Da haben wir dann nämlich bis einschließlich 2018 haben wir 20 Prozent Frauen, und 19 bis 25 national 28 Prozent Frauen, international 42 Prozent, aber national 28 Prozent. Also wir sehen, der Krimi-Bereich ist wirklich schwer für Frauen.
Tamara
00:32:29
Naja klar, weil man intuitiv Frauen diese, ich will jetzt nicht sagen Brutalität, aber diesen Hang zu Verbrechen und so einfach nicht zutraut. Und ich glaube, das Problem ist ja, das ist ja nicht nur in den Köpfen der Männern, sondern auch in den Köpfen der Frauen ganz arg drin, dass halt irgendwie sowas, von Männern kommt oder denen zugeschrieben ist. Also auch wir Frauen müssen ja ganz viele internalisierte Vorurteile verlernen.
Janet
00:33:00
Das stimmt, aber offenbar nur die Deutschen. Ich bitte dich, Agatha Christie, Patricia Heismann, das sind Minette Walters, Bruce Rangdahl, die ganzen Skandinavierinnen, ihr seid sie guter, das ist, du hast, ich kann dir jetzt, also wenn ich in meine eigene Krimi-Bibliothek reingehe, was ich da an Frauen habe, ich lese auch ganz bewusst seit vielen Jahren, lese ich ganz bewusst, greife ich eher auch im Laden, auch zum neuen Namen eher zu Frauen, ich drehe das mal um, Ich habe in der Jugend so viel von Männern geschriebene Bücher gelesen, ich musste jetzt so ein bisschen Ausgleich machen. Ich lese natürlich auch von Männern geschriebene Bücher, aber sehr selektiv. Und das heißt, und das ist auch tatsächlich so. Kommt der Krimi aus den skandinavischen Ländern, natürlich, da haben wir den Übersetzungsbonus, weil die skandinavischen Länder die Übersetzungen subventionieren und damit sind die interessanter auch für den deutschen Buchhandel als Lizenz. Oder aus dem angloamerikanischen Raum, dann sind Frauen sehr wohl, haben die Programmpresse, bekommen sie die Preise und so weiter und so fort. Die werden auch von den deutschen männlichen Jojo-Rohren, ja, natürlich, ja, das ist ja Kandinavierin, die muss es ja können. Und wir Frauen Deutschen, also wenn wir eine relevante Rolle im Krimi haben wollen, dann muss man Opfer in der Geschichte sein. Da sind wir komplett über überdimensioniert und wo wir noch extrem überproportional gemacht sind, ist bei den Mörderinnen. Es ist wirklich sehr interessant, auch wenn du dir einen Tatort anschaust. Mach dir mal einfach mal den Spaß raus, Tatort zu gucken. Oder ähnliche deutsche Krimis oder auch nicht-deutsche Krimis, die oft Frauen die Mörderinnen sind. Und dann guckst du mal in die Gefängnisse oder in die Gewaltstatistiken bzw. Strafstatistiken. Und dann siehst du, dass dort die Frauen einen einstelligen Bereich, einen kleinen einstelligen Bereich ausmachen von denjenigen, die die Taten begehen. Und im Krimi sind wir ungefähr, sagen wir mal, bei 45 bis 50 Prozent.
Tamara
00:35:19
Okay, krass.
Vera
00:35:21
Ich habe festgestellt, dass in meinen Büchern überdurchschnittlich häufig die Männer umgebracht werden, aber nochmal kurze Zwischenfrage. Deutscher Krimi-Preis ist mir gar nicht so präsent. Wer vergibt den eigentlich?
Janet
00:35:34
Den vergibt das Bochumer Krimi-Archiv.
Vera
00:35:36
Da habe ich auch noch nie von gehört.
Tamara
00:35:40
Naja, interessant. Als Frau kriegst du da sowieso keinen Preis.
Vera
00:35:46
Nur das Geschlecht, sondern das ist bei uns ja noch eine andere Hürde. Wir sind ja Self-Publisher. Also wenn du von Feuilleton und Buchpreisen redest, das ist ja eine Welt, die würde ja kaum weiter von uns weg sein. Wie ist denn deine Erfahrung? Also, mein Gefühl ist, dass es im Self-Publishing eher umgekehrt ist. Vielen Dank.
Tamara
00:36:14
Ja gut, da gibt es aber auch nicht so viele Preise oder Rezensionen. Also dann eher so im Bloggerinnenbereich.
Vera
00:36:20
Ja, aber wenn wir jetzt mal Self-Publishing-Preis nehmen oder auch Storyteller. Ja, das war es dann auch schon. Achso, ja, okay, den gibt es. Aber ich kenne eigentlich nur weibliche Preisträger. Hast du da mal drauf geguckt oder ist das auch von dir weit weg?
Janet
00:36:35
Nein, also bei den Rezensionen jetzt weniger, also wenn das Self-Publisher eher im E-Book-Bereich sind, weil die ja dann nicht in die Feuilletons reingehen. Aber wir haben da keinen Unterschied gemacht. Wir haben nichts unterschieden, zwischen, ist das ein Self-Publisher oder ist das ein...
Vera
00:37:02
Also 2018 war sie so weit. Also die Wahrscheinlichkeit, dass da ein Self-Publishing nur im Follotau sehr gegen Null gehend.
Tamara
00:37:10
Ja, aber ich stelle mal eine gewagte These auf. Also wenn man jetzt so im Literaturbereich historisch die Frauen als Underdogs sieht, dann sind halt die Self-Publisher als Ganzes, glaube ich, auch so ein bisschen in derselben Kategorie und dann teilt man sich sozusagen ein Schicksal. Und dann ist, glaube ich, auch nachvollziehbar, dass quasi so die Underdogs unter sich da nochmal ganz anderen Blick haben. Also das ist jetzt mal so eine Spontantheorie von mir.
Vera
00:37:41
Also ich weiß aus Erzählungen, dass es durchaus auch schon erfolgreiche Autorinnen sagen, dass sie, bewusst zum Self-Publishing gewechselt haben, weil es da für sie leichter ist.
Tamara
00:37:55
Okay.
Vera
00:37:56
Also ich weiß, wir wissen ja zum Beispiel, die Annette Stromeyer hat das doch erzählt, dass sie ihre Skandinavien-Krimis zum Anfang von ihr verlangt hat, unter männlichem Zoononym zu sprechen.
Tamara
00:38:09
Hast du da auch Zahlen zu, Janet, wie es ist, überhaupt mal in einem Verlag einen ordentlichen Deal zu bekommen als Frau? Verglichen mit den männlichen Autoren?
Janet
00:38:20
Habe ich nicht. Das habe ich nicht. Wissen wir beide. Es ist sehr schwer. Vor ein paar Jahren gab es noch so diese 7-7-Regel. So sieben Jahre, um Agenten zu bekommen oder sieben Jahre, um einen Verlag zu bekommen. Also einen relevanten Vertrag mit einem Verlag zu bekommen. Das hat sich in den letzten Jahren alles extrem verändert. Muss man einfach sagen, dieser Markt ist in solchen Turbulenzen. Und jetzt mit der KI nochmal, dass sich alle Spielsteine ein bisschen verändern. Und deswegen momentan stehe ich auch als eine, die eigentlich einen ganz guten Blick auf die Buchbranche hat, oft da und schüttle nur noch verwundert den Kopf und denke mir so, was passiert hier gerade? Die Regeln stimmen nicht mehr. Und was ich momentan sehe auch gerade auch in dem zum Beispiel in dem Bereich Amazon, Kindle und so weiter und so fort, da sehe ich, dass wo früher Self-Publisher wirklich sehr erfolgreich geworden sind und dann, ich nehme mal als Beispiel zum Beispiel Mara Wolf sowohl, die ist inzwischen auch hybrid, die hat dann auch im Verlag gekommen, und wahnsinnig erfolgreich, aber die macht es fantastisch und die hat sich da irrsinnig was aufgebaut, schreibt tolle Bücher, eine riesengroße Fanbase, und heute, wenn ich es mir anschaue, Wenn du dir ein Kindle aufmachst, ich muss sagen, ich habe tatsächlich keinen, aber wenn ich mit jemandem unterwegs bin, der ein Kindle hat und dann schlägst du auf und dann machst du zu und dann hast du immer eine Werbung für ein Buch. Und in den meisten Fällen ist diese Buchwerbung ein Buch, das von einem Amazon-Verlag rauskommt. Das heißt, dass damals Amazon sich eine, ich sag das jetzt mal, eine Armee aufgebaut hat, nämlich mit den Self-Publishern, mit denen sie die Verlage in Bedrängnis bekommen, weil wir ja damals den Buchpreis wirklich zerstört hatten. Also vor allem von E-Books, weil plötzlich diese ganzen Bücher für Null waren oder für 99 Cent. Und das war, ich habe davor, das ist auch schon einige Jahre her, aber ich habe damals Paper rausgebracht, beziehungsweise Vorträge darüber gehalten, weil ich immer so mit Blick auf Amerika gesagt habe, guckt euch bitte an, was in Amerika passiert. Wenn ihr eure Bücher jetzt für praktisch kein Geld rausgebt, dann werdet ihr in zwei, drei Jahren selbst wegrationalisiert. Und das ist meines Erachtens auch passiert, wobei ich bin wirklich keine Expertin für den Self-Publisher-Bereich, aber ich schaue halt immer hin, und mich ärgert es halt unglaublich, dass jetzt eben die Leute, die in Self-Publisher gegangen sind und dort ja auch wahnsinnig viel Zeit und auch Geld und alles investiert haben und plötzlich, werden sie einfach mit weggewischt. Ihr habt sicherlich auch gemerkt, dass die Preisstruktur sich geändert hat, dass plötzlich man nicht mehr dafür belohnt worden ist dass man die Bücher für lau weggegeben hat oder lesen hat lassen oder für ganz wenig, weil dann die eben ein Flood-Trade-Modell hatten, das sie bestücken wollen. Das heißt, Amazon hat mit seiner eigenen Preisstruktur. Sozusagen immer wieder die Weichen gestellt, um seine eigene Expansionspolitik zu bedienen.
Vera
00:41:42
Das stimmt natürlich. Wobei die Entwicklung, dass kostenlose Bücher nicht mehr so effektiv sind, ist ja nur eher positiv.
Janet
00:41:49
Ja, ja, klar. Aber zum Ausnutzungspreis der Selbstpublisher.
Vera
00:41:58
Die Möglichkeiten, die Amazon bietet... Als Self-Publisher da an den Wählerkreis zu kommen und letztlich auch Geld zu verdienen, die sind schon nicht schlecht. Klar, Amazon verdient immer und verdient auch viel, aber ich muss jetzt mal aus der Self-Publisher hinweg auch sagen, das ist aber ein bisschen auch der deutsche Buchmarkt und auch die großen Player selbst schuld. Die haben sich jahrelang arrogant hingestellt und haben das alles ignoriert.
Janet
00:42:26
Da bin ich bei dir.
Vera
00:42:27
Statt einfach mal die Tür zu öffnen, Ich meine, so ein Random House, das hätte doch nichts gekostet, die hätten doch so ein gleiches Self-Publisher-Programm auflegen können oder sowas. Also, sie haben halt Amazon auch da völlig unterschätzt und haben sie machen lassen und jetzt beklagen sie sich und es ist ja immer noch so. Also ich meine die meisten, ich weiß aus meiner Zeit im Vorstand, dass 75 Prozent der Self-Publisher, die im Verband organisiert waren, sich wünschen würden, groß im Buchhandel zu kommen. Aber der Buchhandel macht es ihnen einfach extrem schwer. Und dann müssen sie sich nicht wundern, wenn die sich alle auf Amazon stürzen und wenn Amazon denen halt große Geschäfts wegnimmt. Mittlerweile bewegt sich da auch ein bisschen was. Also Unternehmen wie Talia und so öffnen sich schon auch mehr jetzt Richtung Self-Publisher. Aber es ist von den ganzen Strukturen natürlich immer noch extrem schwierig. Und Marketing ist schwieriger. Auch da ist Amazon. Amazon lässt halt zu, dass ich bis zum Kunden mein Buch bewerben kann. Versuch das doch mal über Talia.
Janet
00:43:36
Das ist ja auch super. Ich bin da bei allem, was du gerade gesagt hast, komplett bei dir. Komplett. Vor allem, ich wollte auch nicht Self-Publishern zu nahe treten, sondern eher sagen, wie schade ich das finde, dass jetzt praktisch die Amazon-eigene Verlage nur noch über eine Plattform, die ja eigentlich eine Plattform, also Kindle, eigentlich eine Plattform-Verteiler sein sollte und kein eigenes Marketing-Werkzeug, die Self-Publisher einfach ins Hintertreffen geraten. Das ist unfair.
Vera
00:44:08
Weiß ich nicht, ob das so... Ja, natürlich, Mandy und ihre eigene Verlage, wobei der Autorenstamm, den sie sich ja aufbauen, der kommt ja, das sind ja zum Teil, die aus dem Self-Publisher hinkommen.
Janet
00:44:18
Kommt zum lauten Self-Publisher.
Vera
00:44:21
Ich weiß auch von sehr erfolgreichen Autoren, die bei Amazon-Verlagen sind, die natürlich auch versucht haben, auch mit Agenturen in klassische Verlage zu kommen und einfach pflichtig ignoriert wurden. Und ja, dann ist doch auch kein Wunder, dass die nachher wieder zu Amazon geht. Also klar, ich will Amazon um Gottes Willen ja jetzt nicht heilig sprechen, ganz im Gegenteil. Ganz im Gegenteil. Ich würde mir sehr wünschen, wenn es da mehr gäbe und nicht so quasi Monopol. Aber das ist ja nun mal nicht so. Und muss ich sagen, dass es mir so nach wie vor noch die besten Möglichkeiten gibt. Ich habe ja auch zum Beispiel jahrelang immer darauf gesetzt, meine E-Books parallel auch bei Torino zu veröffentlichen, weil es mir wichtig war. Aber mittlerweile, speziell jetzt nach dem Konkurs von Weltbild, ist es so extrem schwierig, darüber auch nur einen ansatzweise angemessenen Umsatz zu generieren, wenn du dich gerade Glück hast und von denen von Thalia entdeckt wirst, dass sich das einfach nicht rechnet. Dass ich mit dem exklusiven Angebot über Kindle Unlimited bei Amazon aus dem Stand das 3- bis 4-Pache mache. Und das sind einfach wirtschaftliche Entscheidungen. Und ich merke halt auch immer wieder so in der Buchbranche, dass auch so in dem Kreis, von dem du redest, auch der Informationsstand über Self-Publishing immer noch erschreckend schlecht ist. Die haben immer noch Bilder von vor zehn Jahren oder sowas. Und das Beste kann ich ja, muss ich wieder zitieren, Tamara, unser Buchmesse in Frankfurt. Surkamp Verlag mit der lieben Petra Hart, die da lange Zeit Urgestein ist und die uns dann einem ihrer früheren Chefs vorgestellt hat, ein älterer Herr. Als er hörte, dass wir Selbstpublisher sind. Man hat ihm im Gesicht angesehen, wie schrecklich er das fand und Und dann sagte er, Self-Publisher wären die Antagonisten des Buchmarkts.
Tamara
00:46:27
An der Stelle muss ich dazu sagen, es gibt inzwischen Autorinnen, die haben sich diesen Spruch auf ein T-Shirt drucken lassen. Antagonistin des Buchmarkts.
Vera
00:46:39
Und da denke ich mir, hey, wir haben 2026, wenn wir mal von den Umsätzen gehen, ist Self-Publisher ein Riesengeschäft, ein Riesen-Milliarden-Umsatz. Und kräare Leute, dieses Abschotten und immer noch da drauf gucken, ist völlig so aus der Zeit gefallen.
Janet
00:46:58
Ich nehme das inzwischen ganz anders wahr, weil ich wirklich viele Autorinnen inzwischen kenne, die hybrid sind. Die beides machen und ich halte es auch für wirklich eigentlich einen sinnvollen Weg, weil der Buchmarkt momentan so volatil ist und so zögerlich. Und wenn man eigentlich mal eine schicke Idee, die vielleicht nicht gleich im Mainstream ist oder die nicht in den richtigen Algorithmus reingeht, also der Buchmark ist immer mehr Algorithmus gesteuert, dann bleibt da manchmal nur der Weg, okay, zu sagen, gut, dann mache ich es jetzt einfach selber. Ich sehe die Self-Publisher sehr wohl. Das ist einfach ein Teil, der Buchbubble, ein Teil des Buchmarks. Und ich meine, ihr wisst es beide, wir sind alle drei politisch aktiv im Buchmarkt, im Netzwerk Autorenrechte. Wir arbeiten zusammen.
Vera
00:47:54
Ja, natürlich. Das ist auch viel wert. Also da muss ich sagen, das war mir ja damals auch sehr wichtig, dass wir diesen Schritt gemacht haben. Wobei, auch da muss man ja gucken, das war schon auch eine zögerliche Aufnahme, das muss man schon auch sagen. Aber es ist schön, dass es so weit gekommen ist und das ist auch absolut wichtig für alle. Und es Also, dass sich das auf Autorenenseite immer mehr mischt, das erfahre ich auch so. Es gibt schon auch noch ein paar Kreise, wo das noch hier und da ein bisschen schwieriger ist. Und es gibt ja auch immer noch den ein oder anderen Verband, der Selbstpartner ja immer noch nicht aufnimmt, aber das beuckelt.
Janet
00:48:36
Alles andere macht auch keinen Sinn.
Vera
00:48:38
Nö.
Janet
00:48:39
Das wäre wirklich, wie du sagst, aus der Zeit gefallen. Ich meine, man muss sich einfach auch überlegen, wie sich die Welt verändert, wie sich unsere Gewohnheiten verändern, wie sich Produktionsweisen verändern und dann kann man nicht mehr sagen, nee, Self-Publisher ist kein, das ist kein Autor. Das ist einfach Unsinn. Und es gibt auch, wenn du dir anschaust, von vor zehn Jahren Self-Publishing und heute den Weg in die Professionalität, die dort stattgefunden hat, ist schon auch einfach sehr, sehr substanziell.
Vera
00:49:17
Absolut, absolut. Und man muss ja jetzt auch gerade so im Internationalvergleich sagen, dass wir da ja vielleicht noch, mit den USA wirklich ja auch einzigartig sind. Alle anderen Länder um und rum ist das ja bei weitem nicht so ein Thema, das Self-Publishing. Da wird es halt wirklich nur als so ein Amazon-Ding gesehen, was bei uns glaube ich in Deutschland auch im Wesentlichen auch wirklich mit dem Self-Publisher-Verband zusammenhängt. Dass das am Anfang so entstanden ist und auch in Zusammenarbeit damals mit MVB, das hat schon sehr geholfen. Und ja, da wurde halt von vornherein auch die Professionalität forciert und unterstützt. Also ich sage mal so, bei den Lesenden habe ich eigentlich noch nie gefragt. Die meisten kriegen es ja gar nicht mehr mit. Bei mir hat noch nie einer, außer mal ein Buchhändler, der mich halt wieder rausgeschmissen hat. Aber Lesende haben noch nie gefragt, ob ich das im Self-Publishing mache. Ich finde das gut und dann ist es das.
Janet
00:50:20
Ich glaube, die Gefahr, die gerade droht, auch dem gesamten, vor allem wahrscheinlich auch dem gesamten self-publischen Markt, sind diese KI-Slob-Bücher, die hineinkommen.
Tamara
00:50:32
Ja, die noch vorhandene Vorurteile dann auch sehr schnell bestätigen, vermeintlich.
Janet
00:50:38
Genau, das ist natürlich ein Riesenproblem einfach bei... Wir beide, oder wir alle drei, Entschuldigung, wir alle drei wissen, dass diese KI-Bücher, die ja teilweise so drei an einem Tag einfach rausgeschlonzt werden, natürlich einfach keine Qualität haben, keine Novität sind und einfach nur Geld abzocke.
Vera
00:51:00
Natürlich, absolut. Also, dass es nur drei sind, liegt daran, dass Amazon das ja irgendwann mal eingestellt wird.
Janet
00:51:05
Genau, da muss man schon sagen.
Vera
00:51:07
Ja, allein das ist schon ein Zeichen. Nein, das stimmt absolut. Und ich meine, ich verfolge ja immer so Pressemeldungen aus diesen Branchen. Und zuletzt war auch mal wieder ein Artikel in der FAZ, Zugang der KG, und in dem Zusammenhang wird immer von Self-Publishing gesprochen. Und ich ärgere mich jedes Mal, weil das halt immer so, ja, dieser Zusammenhang da ist und Self-Publishing eigentlich da mitgerissen wird. Und das tut mir für alle, die vielen, vielen Autoren und Autorinnen, wenn die da wirklich mit so viel Herzbruch arbeiten, tut mir das in der Seele weh. Aber das ist auch, wie man dem Herr werden kann, weil wir ja noch nicht so richtig.
Janet
00:51:47
Ich glaube, genau so, wie wir das gerade machen, dass wir, im Netzagatorenrechte zusammen gegen diese KI-Geschichten reden, dass wir zusammen auftreten und damit auch irgendwann neues Verständnis hineintragen, in die Buchwelt.
Vera
00:52:06
Wie ist denn so, um nochmal auf das Thema Frauen zurückzukommen, ich habe auch so ein bisschen, oder muss ich anders anfangen, ich kenne ja jetzt über die Jahre doch viele Autorinnen jetzt mal speziell, die da im Self-Publishing in der Schlacht sind und die dann über die Jahre, denen es gelungen ist, da schon auch noch ein erklägliches Zusatzeinkommen aufzubauen. Und ich habe so ein bisschen den Eindruck, dass das Self-Publishing für die da wirklich auch die Lösung ist. Die hätten das über das Klassische vielleicht gar nicht schaffen können. Also das Self-Publishing da so ein bisschen auch bei diesem Thema, Frauen als Schreibende sichtbarer zu machen, ein hilfreiches Instrument sein könnte.
Janet
00:52:51
Ja, tatsächlich, ich muss jetzt nachdenken, ich kenne nur einen Self-Publisher, und ganz viele Self-Publisherinnen. Das liegt aber natürlich auch daran, dass ich auch ganz viele Autorinnen über die mörderischen Schwestern kenne und da ist per Definition halt Autorinnen drin.
Vera
00:53:13
Und im Syndikat dürfen sie ja nicht eintreten.
Janet
00:53:15
So ist es. Was ich von den, also teilweise auch Hybrid-Autorinnen, weil was ja passiert ist über die letzten zehn Jahre, ist, dass die Mitlist eigentlich ausgedünnt wurde, massiv ausgedünnt wurde. Also das ist uns wirklich, wir hatten uns echt gegen den Karren befahren. Und dass viele von denen eben dann auch in das Self-Publishing ausgewichen sind als Hybrid und es gibt einige, die ich kenne, die dann gesagt haben, ich bin hier viel erfolgreicher weil hier mache ich mein eigenes Ding, man redet mir nicht rein, ich mache, ich kann schnell, ich kann zwei Bücher im Jahr rausbringen für eine Serie ich mache mein eigenes. Ich bezahle mein eigenes Lektorat, aber ich habe das im Griff. Natürlich müssen die dann überall präsent sein, wissen wir alle. Wenn du Social Media machst, das braucht total viel Zeit, aber die wippen das. Und Vorurteil, ich glaube, dass Frauen da wahrscheinlich besser ausgerüstet sind, um so multiple Aufgaben auf einen Schlag zu machen und sich auch nicht zu fein zu sein für viele Aufgaben. Also ich rede jetzt von, ich bin Autor und Schriftsteller und das mache ich nicht, sondern dass die da heimzärmeliger unterwegs sind. Und sagen, nee, mache ich jetzt, ich will das, ich packe da an, okay, dann muss ich das eben machen. Und da kenne ich wirklich viele Frauen, die das mit einer unglaublichen Energie vorantreiben und da wirklich sehr erfolgreich sind. Und da ziehe ich meinen Hut. Das finde ich fantastisch. Finde ich super.
Tamara
00:54:57
Was mir die ganze Zeit noch durch den Kopf geht, was du eben ein paar Mal so angeschnitten hast, ist die Rolle der Frau in Geschichten. Also klar, da haben wir so bei den alten Sachen, so die Prinzessin, die gerettet werden muss oder eben dann so die böse Hexe oder sowas. Also ganz selten eben einfach die Heldin, die was anpackt. Und ich bin, ich glaube, vor zwei, drei Jahren auf den Bechtel-Test gestoßen, Bechtel mit D geschrieben. Also wenn ich ein Buch lese und wenn ich einen Film gucke, habe ich das immer so ein bisschen auch im Hinterkopf und. Der stellt ja drei Fragen. Also die erste ist, gibt es in der Geschichte mindestens zwei Frauen? Was inzwischen schon eigentlich meistens der Fall ist, erstaunlicherweise nicht immer. Die zweite Frage ist, sprechen sie miteinander? Da dünnt es sich dann schon ganz gerne mal aus. Und die dritte Frage ist, sprechen sie über etwas anderes als über einen Mann? Sprich, dreht sich ihre Welt nur um den Helden oder den Love Interest oder haben sie auch eigene Themen? Sind sie beruflich unterwegs oder so? Und da fallen heute noch wahnsinnig viele Geschichten durch. Und ich glaube, das ist ja auch einfach was, wie du eben auch schon selbst gesagt hast, Geschichten formen unsere Wahrnehmung. Und wenn man immer nur sieht, die Frau muss gerettet werden, die ganze Welt der Frau dreht sich nur um einen Mann oder wenn zwei Frauen da sind, dann bekriegen sie sich, weil sie Konkurrentinnen sind und so. Das ist ja ein Denken, was durch die Geschichten eben auch in unseren Köpfen so fest drin ist. Und wie du so schön gesagt hast, wenn man es dann mal sich bewusst macht, dann sieht man die Dinge. Und jetzt habe ich vor lauter Erzählen ganz vergessen, wo ich hin wollte, aber ich schmeiße dir das jetzt einfach mal vor die Füße.
Janet
00:56:48
Efteltest ist genau, ist einer von den Tests, die man machen kann. Wenn ich eine Fortbildung mache zum Thema Jugendbuch, kommt es mit vor, einfach um Bewusstsein zu schärfen, weil wir eine Verantwortung als Schreibende haben, welche Welten wir kreieren. Mache ich in meinen 21 Romanen, die ich jetzt geschrieben habe, wirst du einen roten Faden durch alle sehen. Immer starke Frauenfiguren. Das heißt nicht, dass es dort nicht auch spannende oder starke männliche Figuren gibt, aber du hast immer starke Frauenfiguren, die auch wie eine Frau agieren. Was ich damit meine ist, dass wir inzwischen auch gerade im filmischen Bereich ganz oft Filme sehen, wo du dann eine starke Frauenfigur hast, die aber eigentlich eher wie ein Söldner agiert. Wie ein sehr männlich getriebener Rache, Wut, keine Ahnung. Bespreche ich Frauen überhaupt nicht ab. Natürlich eine Frau oder Frache, nehmendlich. Aber ich habe andere Reflexe, gerade als eine Frau, die auch Mutter ist, als vielleicht jetzt ein Mann. Einfach mal in der Stereotyp gesprochen.
Vera
00:57:57
Na klar.
Janet
00:57:58
Das heißt, eine männliche Figur einfach in ein weibliches Setting zu setzen, ist keine gute weibliche Heldin. Wie gesagt, nochmal, ich sage nicht, dass man nicht auch Kämpferinnen, im Gottes willen, natürlich, weibliche Kämpferinnen, wunderbar, aber ein bisschen mehr gehört dazu. Also da gibt es auch andere Tests, finde ich ganz lustig. Der eine heißt, das ist so ein Lampenschirm-Test. Und der Lampenschirm-Test heißt, das wird gerade ganz besonders angeführt für People of Color. Nämlich, ist diese Person hier quasi, weil sie wirklich eine Rolle hat? Oder ist es die Funktion, hey, ich habe auch eine Person of Color in meinem Buch. Praktisch Lampenschirm. könnte man diese Person auch mit einem Lampenschirm ersetzen und würde das in keiner Weise irgendwie verändern. Das heißt, es gibt vier Tests, die so im Standard sind. Das ist der Prostotest, der andere hast, mal, Maori. Entschuldigung, so ungefähr. Und da geht es eben auch darum, was ist mit queerem Figurenpersonal. Also das sind so verschiedene Tests, die man anwenden kann. Ich sage immer Vorsicht, denn, wenn ich hingehe, wie inzwischen manchmal, dass so ein bisschen wenn ein Verlag sehr vorsichtig sein möchte, also sich nicht irgendwelchen Anfeindungen aussetzen möchte und darauf achtet. Es gibt Bücher, die haben ein eingeschränktes Figurenpersonal, weil das die Geschichte so vorgibt. Deine Geschichte gibt dir das Personal vor. Wenn ich eine Geschichte schreibe, im historischen Roman über das Dritte Reich, dann ist es völlig unsinnig, hinzugehen und sagen, so, und der Adjutant von irgendjemandem ist jetzt eine Person of Color. Das macht natürlich überhaupt keinen Sinn. Ja. Genauso ist es so, dass wenn ich jetzt hingehe und in Deutschland zum Beispiel, wenn ich sage, ich möchte einen diversen Cast haben, dann muss ich gucken, wie sieht denn in Deutschland ein diverser Cast aus. Es sieht anders aus als in Frankreich oder in England oder in Amerika, weil wir unterschiedliche Immigrationsgeschichten und Hintergründe haben. Also kann ich auch sowas nicht mit dem Test 1 und 1 aufeinandersetzen, sondern ich muss mal anschauen, wo spielt denn meine Geschichte und was macht denn hier Sinn?
Tamara
01:00:46
Das fällt mir oft mit der Werbung auf, Entschuldigung, wo sie jetzt versuchen ja immer diverser zu werden, dann keine Ahnung, Pizza-Werbung, dann haben sie mal ein schwules Pärchen oder so und da sind jetzt sehr oft, schwarze Menschen, was ich gut finde, aber ich sehe kaum Menschen aus arabischen Ländern oder so, die ja doch einen großen Anteil der deutschen Bevölkerung ausmachen.
Janet
01:01:10
Genau das meine ich Tamara. Genau das. Dass ich hingehen muss und ich kann nicht hingehen und sagen, ich übernehme jetzt einen Test, und mache mir dann eigentlich einen amerikanischen Cast, der dort absolut Sinn macht, weil ich eine bestimmte Bevölkerungsverteilung habe, der aber hier keinen Sinn macht, sondern eher so sagt, nee, sehe ich mein Land nicht? Wir haben eine andere Migrationsgeschichte die natürlich auch abgewildert sein soll in einem Buch aber auch wiederum dann wieder sehen wo spielt mein Buch. In welchem Milieu spielt mein Buch wo bin ich und das muss ja, so sein, dass ich mich identifizieren kann, aber gleichzeitig ich mit der Verantwortung schreibe, dass ich sage, welche Welt wünsche ich mir denn für mich, für meine Kinder. Ich wünsche mich nicht in die Welt zurück, wo ich jugendlich war, wo es diese, keine Ärztchen, Heftchen gab, Julia Romane oder sowas, wo es immer ganz klar war, der Pilot ist der Mann, die Stewardess ist die Frau, also, da kann man auch gar nicht angegen, dieses Rollenbild, weil das war, überall war das drin. Es gab es nicht anders. Und das steht in unserer Macht. Und zum Beispiel Amerika, die haben, und da bin ich denen echt dankbar für, mit diesen Serien, haben die weit, weit vor, den deutschen Öffentlichen angefangen, eben auch mal schwule Pärchen drin zu haben, also viel diverser sich aufzustellen in den Serien zu einer Zeit, Und um Gottes Willen, wenn du dann in irgendeine Redaktion reingegangen wärst und gesagt hast, so, und das ist jetzt ein offen, schwules Paar, die vielleicht noch zwei Kinder haben, wär nicht gegangen. Heute geht das.
Vera
01:03:05
Gut so.
Tamara
01:03:07
Ja, da gibt es so viele Dinge, an die man denken könnte. Mir ist bei dieser Serie The Good Doctor, die haben eine sehr, schön diverse Aufstellung, da ist mir mal aufgefallen, dass da mehrere mehrgewichtige Personen durchs Bild laufen oder auch Hauptrollen haben, ohne dass sie eben die Dicken sind. Und da habe ich gedacht, boah, das hätte mir als Kind mit Gewichtsproblemen so gut getan, einfach zu sehen, dass solche Leute auch wertvolle Menschen sind.
Janet
01:03:41
Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den du ansprichst, denn wir haben zwei Dinge. Wir haben einmal Rollenverteilung und Rollenzuschreibung. Das heißt, wenn ich zwar einen Figurencast habe, wo ich dann, so und so viele Frauen, Männer, andere Migrationshintergründe oder unterschiedliche Figuren drin, also Körpergrößen drin habe, aber die typischen Stereotypen zuschreiben, wenn man immer mache, kann ich sein lassen.
Tamara
01:04:13
Wenn die dann schnaufen, wenn die dann schnaufen ohne Ende nach einer Treppe, dann hat man es gerade wieder kaputt gemacht.
Janet
01:04:20
Vielleicht können sie schnaufen, weil tatsächlich, wenn ich wirklich sehr füllig bin, dann dann schnaufe ich einfach, weil es anstrengend ist.
Tamara
01:04:29
Ja, aber muss ich es in den Fokus setzen?
Janet
01:04:31
Ich muss es nicht in den Fokus setzen, aber es ist okay, auch das authentisch zu sagen. Aber der Punkt ist, welche Rolle hat diese Person? Und wenn ich da mal ein bisschen rausgehe, genauso auch bei Menschen mit einer Beeinträchtigung, einer körperlichen oder einer geistigen Beeinträchtigung, wenn ich da mal ein bisschen rausgehe aus dem, wie die Stereotypen mal abgebildet sind und mir mal überlege, denen ganz andere Zuschreibungen zu machen, auch den Frauen einfach andere Zuschreibungen zu machen, dann verändere ich was. Und deswegen ist es immer total wichtig, zu unterscheiden nochmal, okay, ich habe hier die Rolle, aber was ist meine Zuschreibung? Und auch da muss man sich erst auf den Rost. Entschuldigung, Vera.
Vera
01:05:18
Ich muss die ganze Zeit daran denken, wer sollte diesen Mechstett-Test mal auf diesen ganzen Dark-Vomans-Gemücher mal anwenden, oder? Das sollte doch.
Tamara
01:05:27
Kann ich jetzt nichts zu sagen, habe ich nicht gelesen.
Vera
01:05:29
Wie viele Frauen da sind. Ich vermute, der Fall fällt total durch.
Tamara
01:05:34
Ich glaube, das Problem ist halt auch, und vielleicht rede ich mir das an der Stelle auch schön, um meine Liebesromanen nicht ganz so kritisch sehen zu müssen, weiß ich nicht, aber natürlich hast du im Liebesroman eben das Hauptthema, ist da die Liebesgeschichte. Und dann ist ja auch klar, dass dann die Protagonistin mit der besten Freundin hauptsächlich über diesen Mann spricht. Also trotzdem ist es halt auch schön, wenn sie einfach mal sagt, Arbeit war heute gut, ist richtig toll gelaufen oder so, sodass sie auch mal ein anderes Thema haben.
Vera
01:06:05
Ja, ich meinte jetzt vorhin so dieses, weil du channelt das von den Piloten und des Juhalers sprach. Also das ist ja in diesen Büchern häufig auch so. Jetzt habe ich die Zahn verloren. Ja, ich wollte eigentlich so langsam übergehen, zum Ende, auch wenn das Thema sehr spannend ist. Mir ist gerade eingefallen, dass ich vorgestern gerade eine Szene mit einer, übergewichtigen Person geschrieben habe und die stauft. Verdammt. Ich muss noch mal drauf gucken. Liebe Janet, ja, du hast da sehr anregende und vielleicht auch aufregende Ansichten präsentiert und ich hoffe natürlich, dass das euch, liebe Hörende da draußen, den ein oder anderen Impuls gegeben hat, mal näher hinzugucken oder vielleicht das ein oder andere Mal zu überdenken. Aber du, liebe Janet, du musst dich jetzt bei uns noch den total kritischen Bluebubble-Fragen von Tamara stellen.
Tamara
01:07:03
Jawohl, Janet. Welches Buch hat dich als Leserin zuletzt im positivsten Sinne überrascht?
Janet
01:07:10
Das war Die Passantin von Nina Giorge. Dazu möchte ich sagen, ich mag alle Bücher von Nina Giorge, die ich bisher gelesen habe, aber Die Passantin ist nochmal was ganz Besonderes. Dort sehr feministisch, es ist eine sehr mutige, eine sehr laute, mutige, wütende Stimme in diesem Buch, die toll erzählt, und aufrüttelt und die eine ganz andere Stimme ist als in ihren anderen Büchern.
Tamara
01:07:45
Okay.
Janet
01:07:46
Und ich kann dieses Buch wirklich allerwärmstens empfehlen. Ich habe das in einem Rutsch durchgelesen und diese Jean Partout, die Heldin in diesem Buch, aber auch, da waren aber auch eben nicht nur die Heldin, sondern auch so diese Seitenfiguren, die ich einfach, kennst du das, wenn du in einem Buch bist und du liebst dann so Personen, und das ist einfach auch mit den Drehungen und Wendungen in dem Buch, aber eben auch die Stimme, mit der sie derartig auf den Punkt bringt, was in unserer Gesellschaft nicht stimmt. Zu einem Zeitpunkt, wo so viele Menschen schon sagen, ach, diese Feministinnen und die kratzen hier an den Rechten von den Männern und die haben doch schon alles und was wollen die eigentlich noch? Und es einfach nochmal so klar sagt, nein, also hallo, Femizide etc. etc. etc. Es ist ein kluges Buch und ein wunderbares Buch zum Lesen und, Kann ich mir empfehlen. Das hat mich wahnsinnig überrascht, wie toll das dort, auf den Punkt gebracht wurde. In welcher Art und Weise.
Tamara
01:08:55
Sehr schön.
Janet
01:08:56
Möchte ich die anderen Bücher von Lina Georgi nicht kleinreden, aber das ist noch mal Next Level.
Tamara
01:09:03
Cool. Was hast du denn aus deinem größten Fehler gelernt?
Janet
01:09:09
Und also eigentlich habe ich immer gelernt, dass egal wie groß der Fehler ist und zum Glück habe ich bisher noch nie einen Fehler gemacht, bei dem ein anderer Mensch nachhaltig und massiv zu Schaden gekommen bin, das wäre wahrscheinlich nochmal eine ganz andere Geschichte, sondern Fehler, wo nochmal ich zu Schaden gekommen bin, dass es nach jedem Fehler weitergeht. Es geht weiter, das Leben geht weiter, man ärgert sich, vielleicht hat man Verlust, vielleicht was auch immer, aber, Türen öffnen sich, neue Türen öffnen sich, wenn man bereit ist, durch neue Türen zu gehen und man kommt über jeden Fehler hinweg. Wie gesagt, Ausnahme, man hat nicht wieder gut zu machen Schaden bei einem anderen Menschen angerichtet, wenn man einfach irgendwann drüber lachen kann. Das ist beste Behandlung dafür, dass man nicht ein paar Mal zurückdenkt, hätte ich nur, sondern einfach drüber lachen, dass man Profis und was daraus gelernt hat das geht weiter ja stimmt.
Tamara
01:10:11
Und zum Schluss, was sollte deiner Meinung nach über dem Schreibtisch aller AutorInnen stehen?
Janet
01:10:16
Schreiben ist Verantwortung. Wenn ich schreibe, dann, schreibe ich die realen Lebenswelten meiner Leser und LeserInnen um. Durch die Beeinflussung in meinem Roman. Und damit kann ich wirklich die Welt meines Lesers oder der Lesenden beeinflussen. Und das dürfen wir nie vergessen. Wir haben Verantwortung und wirklich, das weiß ich seit meinem ersten Buch, ich habe Verantwortung und ich habe sicher nicht alles richtig gemacht, aber immer zu dem Wissen der Zeit habe ich versucht, zumindest versucht, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Und ganz besonders Frauen und auch Themen. Themen wie schon 2011, häusliche Gewalt, habe ich für mich ein wichtiges Buch, damals geschrieben, Roman, dass du Themen ans Licht bringst, dass du Themen nach vorne schiebst, über die man nicht richtet, dass man die in eine Gesellschaft hineinschiebt, dass man die anschauen darf, dass man Tabuthemen auflockert. Das gehört alles zu dieser Verantwortung dazu.
Vera
01:11:31
Ja, so groß habe ich noch nie gedacht. Du hast natürlich recht. Ja, toll. Liebe Janet, du hast mich gerade noch mal sehr bewegt zum Ende und mittendrin sowieso. Vielen Dank, dass du dir heute Zeit für uns genommen hast.
Janet
01:11:44
Ich danke euch.
Vera
01:11:46
An euch da draußen, schön, dass ihr wieder zugehört habt und ich hoffe, das macht ihr nächste Woche auch. Ihr wisst, was ihr zu tun habt, uns zu folgen, wo immer es geht. Ihr könnt jetzt auch mal meine App aufrufen und installieren. Und dann freue ich mich auf nächste Woche mit euch. Also bleibt uns gewogen. Bis dann.
Tamara
01:12:09
Tschüss, danke Janet.
Janet
01:12:10
Danke.